Der Letzte seines Stammes: Mamsell Philippinens Philipp
Fanny Lewald
Kapitel 14

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1 Kapitel

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Die Marguise war nie besser mit sich zufrieE
gewesen, als in dem Augenblicke, in welchem sie däh,
Hotel des Grafen von Rottenbuel verließ. Sie haik,
wie Sie es selbstgefällig nannte, mit sicherer HandF
ein gefährliches Erperiment gewagt, und sie war üiö
zeugt, daß es ihr gelungen sei Heiter, wie ber schöc
Sommertag, wiegte sie sich in den Polstern hris
kleinen offenen Wagens, dessen Pferde sie selber führke
denn sie hatte alle jene Moden des Tages angenows
men, die ihren Neigungen begegneten und ihr dA
Anschein geben konnten, zu den Bekennern und Anj
hängern der neuen Geistesrichtung und der neuen Zeit
zu gehören.
Die klare Luft, der Sonnenschein, die rasche Be- ß
wegung machten ihr Vergnügen. Die muthigen Apfes- ß
schimmel zu regieren, mit spielender und doch fester f
Hand die Sügel zu führen, mit scharfem Blick schon F
in der Ferne die Hindernisse zu erspähen, welche sie F
vermeiden mußte, mit kluger Schnelligkeit dem Uner- F
warteten auszubeugen, das war recht eine Beschäfti-
gung, wie sie sich für Franziska eignete. Wer sie an F
jenem Morgen in ihrem Phaeton die Alleen des Bou- F
logner Holzes durchfliegen sah, mußte fie bewundern. P

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F Se war auf das Angenehmste erregt. Bald hielt sle
H, ihren Wagen an, um einem vorübergehenden Bekann-
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F ken ein Wort des Grußes zu sagen, bald sprach sie
Z mit irgend einem Reiter, der Muße hatte, sein Pferd
F neben ihrem Wagen anzuhalten, und als ob hr dies
j Alles nicht genüge, stieg sie endlich, als sie Ulrich von
Z Thuris in einer der Alleen bemerkte, aus dem Wagen,
gab ihrem Kutscher die Zügel und ging, von ihrem
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Diener gefolgt, dem jungen Manne entgegen, seine
Begleitung für einen Spaziergang zu begehren.
Das fiel dem Freiherrn auf. Er gehörte nicht zu
dem engen Kreise der Hofgesellschaft, und wenn er in
jenen Zeiten, in welchen der Hof noch Feste veran-
staltete, einmal zu einem solchen geladen worden war,
so hatte die Marquise ihn wohl um Nachricht von
feinem Onkel gefragt, ihn aber sonst iur wenig be-
achtet. Ulrich war damit auch ganz zufkieden gewesen,
denn er dachte von Franziska, wie sie es verdiente.
Zufällig, anwillkürlich, darauf kannte er sie gengsam,
war in ihxem Verhalten Nichts, und sie ließ ihm denn
an jenem Morgen auch nicht lange Zeit, darüber nach-
zufinnen, welcher Ursache er das Zeichen ihrer Günst
verdanke ünd was sie bewogen habe, seine Geseslschaft
zu verlangen.
Mit derselben Berechnuiig, mit welcher sie bor
dem Grafen und vor Veronika von ihrer Liebe und
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von ihrem Zusammenhange mit dem Ersteren gesproeP
chen, bekannte sie Ulrich, daß sie ihn eben jetzt nuung
aufsuche, um sich durch Mittheilung von einem Er-F
eigniß, von einem Vorgange zu erholen, der sie auf
das Tiefste ergriffen und erschüttert habe. Sie er-ß
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zählte ihm Alles, was in dem Cabinet Veronika's ges'F
schehen war, und sie erzählte es im Ganzen wahrheitae F
treu; aber sie wußte die Farbe und den Ton so un- ß
merklich und doch so geschickt zu wandeln, daß ein F
Mann, welcher weniger als Ulrich gegen die Marquise ß
eingenommen und weniger von dem Seelenadel Ve-
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ronika's überzeugt gewesen wäre, sich leicht hätte ver-
sucht fühlen können, derselben jenen Mangul an Groß-
muth vorzuwerfen, dessen die Marquise sie beschuldigte.
Franziska wußte, daß Selbstanklage dem gerechte-
sten Mißtrauen und dem schwersten Vorwurf gar leicht
die Spize abbricht. Sie hatte also gar kein Hehl,
daß sie aus Selbstsucht ein Unrecht begangen, daß sie
mehr als ihr zugestanden, an sich und an ihre Be-
friedigung gedacht und darüber die Herzens - und
Weltunerfahrenheit Veronika's nicht berücksichtigt, daß
sie vergessen habe, wie die junge, in Einsankeit erzo-
gene Frau noch in den romanhaften Vorstellungen
von einer einzigen und unheilbaren Liebe beharren
möge. Bald sprach sie ernst und nachdrücklich, bald
zeg sie die Sache in den Bereich des Scherzes hin-
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Fg. über. Wie fein und gewandt sie aber auch zu Werke
ßts ging, um Ulrich zu gewinnen und ihn gegen die
Fs Gräfin einzunehmen, ihre Berechnung scheiterte an der
F »rusten Gradheit des jungen Edelmannes und an
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zg- seiner vertrauensvollen Liebe für die junge Gräfin
zF Mit der scharsen Voraussicht eines Herzens, das sich
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,;. z besiegen und zu verleugnen, und eben darum un-
P? beirrt in fremden Seelen lesen gelernt hat, ahnte
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n Ülrich, welch' ein Weh Franziska's Arglist der Gräfin.
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g aefügt habe. Er konnte daher den Augenblick nlcht
-. erwarten, in welchem er die Marquise zu ihrem Wa-
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g! en zurückgeleiten und sich zu Veronika verfügen durfte,
!; und er fand die Zerstörung, welche in dem Leben der-
F selben angerichtet worden war, denn auch noch schlim-
F mer, als er sie erwartet hatte.
Die Gräfin sprach ihm nicht von dem Besuche der
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F Marquise, sie empfing ihn schwesterlich und gütig wie
zz sonst, aber ihr ganzer Ausdruck, ihre Züge, ihre
F Stimme, ihre Haltung waren verändert. Sie war
Hs matt, als hätte sie eben eine schwere Krankheit über-
F standen, unsicher, als sei sie nicht in ihrem Hause,
F! und das Lächeln, das sie ihren Lippen abnöthigte, um
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e ihren Zustand zu verbergen, war traurig, wie der
F! matte flüchtige Schimmer des Sonnenstrahles, der die
Fs graue Trübe eines Wintertages nicht zu durchbrechen
! und nicht zu erwärmen vermag.
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Veronika war nicht allein, der Graf war bei ihr.
0s kamen und gingen Besuche, man unterhielt sich in
gewohnter Weise, aber Ulrich sah und hörte bei jedem
Worte, welches sein Onkel und dessen Gattin äußerten,
daß sie anderweit beschäftigt waren, daß außer der
allgemeinen Gefahr ein noch näheres Unheil über ihnen
schwebte, daß Veronika dieses erkannte, es zu vermeiden
wünschte, und daß doch bereits jene rechte Gemein-
samkeit zwischen den Eheleuten gestört war, welche es
ihnen leicht gemacht haben würde, sich dem drohenden
Verhängniß zu entziehen.
Es geschieht oftmals, daß Personen von den ver-
schiedensten Charakteren, von den abweichendsten Mei-
nungen und Ansichten in so einfache Verhältnisse ver-
sezt werden, daß sie troz ihrer völligen Ungleichheit
das Gleiche denken nnd empfinden müssen. Das macht
es ihnen dann möglich, sich zusammenzufinden, sie
fassen Neigung füür einander, gewöhnen sich dasjenige,
was ihnen an dem Andern fremd erscheint, als seine
Eigenheit zu ehren, als eine schöne Besonderheit zu
schäzen, und sie gelangen also leicht zu einer gegen-
seitigen Liebe, in der sie ihr Eigenstes aufgeben möch-
ten, um sich das Fremde völlig anzueignen. Indeß
solche Verbindungen find mit ihrer Daier nur zu
häufig auch an den Ort ihres Entstehens und an die
Bedingnisse geknüpft, unter welchen sie geschlossen
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-- worden sind, und die Ehe des Grafen Joseph hatte
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Er war bestimmbar und selbstwillig, hingebend und

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I herrschsüchtig, rasch empfänglich und ausdauernd, ie
F, nach der Seite seines Wesens, welche von den Ver-
P hältnissen berührt ward. Seine Seele hatte Adel, er
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F! bewunderte das Schöne und Gute, aber seine Empfind-
F? samkeit wie seine Empfindlichkeit schreckten vor jeder
- strengen Anforderung zurück und gaben sich willig der
Einwirkung hin, die ihnen schmeichelte. Er schäzte
F daher die Wahrheit, wenn sie ihm wohlthat, und suchte
- sich über dieselbe zu täuschen, sofern sie ihn unange-
- - nehm berührte. Da er in sich selber die Gegensätze
- stets zu vermitteln bemüht war, so oft er in einen
! innern Widerspruch gerieth, so strebte er auch im
Leben auszugleichen, was sich irgend dazu anließ, und
Hinhalten, Abwarten und Hoffen waren ihm stets na-
türlicher gewesen, als rasches Vorwärtsdringen zu einer
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Z gewaltsamen Entscheidung.
In der Zurückgezogenheit, in welcher er die ersten
F Jahre seiner Ehe auf Schloß Rottenbuel zugebracht,
! hatte er nicht Gelegenheit gehabt, es zu bemerken, wie
H sollkommen der Charakter seiner Gattin dem seinigen
P! entgegengesezt war. Ihr ruhiges Walten hatte von
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ihrem täglichen Leben jede Störung entfernt, ihre
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P! Liebe für ihn jeder seiner Neigungen unbedenklich nach-
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gegeben, und ihr Vertrauen hatte sich lange über die
Quelle der Melancholie getäuscht, die sich seiner all-
mählich bemächtigt. Im Nebrigen wußte die Gesell-
schaft des Bündner Adels sich unter einander zu scho-
nen und zu respectiren, und Graf Joseph, der an und
für sich reich, nach seiner Heirath mit der ebenfalls
sehr begüterten Erbtochter von Gunta zu einem der
reichsten Besizer des Landes geworden war, hatte in-
nerhalb der Bündner Oligarchie, deren natürliches
Interesse die Aufrechterhaltng des Einzelnen forderte,
bei seiner Heimkehr in die Schweiz eine Aufnahme
und einen Einfluß gefunden, die seiner Lust an per-
sönlicher Geltung wohl entsprochen haben würden, wäre
er nicht mit seinen Erinnerungen an Paris gefesselt
und an Aufregungen gewöhnt gewesen, welche er in
dem Frieden seiner Heimath und seiner Ehe, ohne daß
er sich davon Rechenschaft gab, sehr bald vermißt
hatte.
Der Graf gehörte zu der großen Anzahl der Men-
schen, deren Aeußeres bedeutender ist als ihr Charakter
und die deshalb unwillkürlich täuschen. Daß ein
Mann von solch stolzer und mächtiger Gestalt, von
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so gebietendem Ansehen jene Eitelkeit besize, die sich
durch fremde Anerkennung Genugthuung verschaffen s
muß, daß er es bedurfte, sich in der Gnade eines
Mächtigen zu sonnen, sich in jedem Augenblicke in

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t K einen Kampf mit einem Nebenbuhler verwickelt zu
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e a wissen, um sich womöglich seiner Neberlegenheit über
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, Hs denselben zu erfreuen, das würde man ihm ebenso
! F, menig zugetraut haben, als er selbft, sich dieses ein-
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So lange er in Paris sich in dem Glanze und
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F z; nnng und Aufregung angehalten, in welcher seine
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N Liebesleidenschaft für die Marquise ihn versezt, hatte
F er sich bald glücklich, bald unglücklich, immer aber be-
! F schäftigt gefühlt. Später waren ihm der völlige
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s gg Bechsel seiner Lebensverhältnisse, seine Neigung und
- Liebe für Veronika und das prächtige Herrenleben auf
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Schloß Rottenbuel, das ihm durch die Zärtlichkeit
seines jungen Weibes noch verschönt worden, zu einem
Anreiz geworden; aber wer nicht in sich selbst beruhen
kann, ist für eine glückliche Ehe, für die Ehe, welche
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auf wechselloses Vertrauen und wandellöses Zusanmen-
gehören angelegt ist, nicht geschaffen.
Die immer gleiche Ergebenheit Veronika's, ihr täg-
lich stilles Thun, ihr ernstes Gleichmaß, ja selbst die
F zügsamkeit, mit welcher sie sich dem Grafen unterzu-
ordren wußte, erschienen demfelben bald als ein Man-
gel an Temperament. Veronika's sanfte Zufriedenheit
F dünkte ihm ein Zeichen dafür zu sein, daß ihr Sinn
Fs beschränkt, daß sie ohne Verlangen nach weitern Le-
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bensverhältnissen und darum auch sicher nicht befähigks
sei, dieselben erfolgreich zu bewältigen. Ehe sie seiis
Weib geworden war, hatte er sich an ihrer Begeiste?
rung für die Poesie erfrent; als sie dann an seinerZ
Seite es versucht, sich das idealische Glück zu schaffen,Z
von dem sie getränmt, und das auch der Graf, ihr ZF
Verlobter, ihr in so schimmernden Farben darzustellen F
gewußt, da hatte er gemeint, daß die immergleiche F
friedensvolie Liebe den Sinn ermatte. Er fühlte sich F
nicht mehr als derselbe, weil er der zornigen Aufwal- (
lungen, des bittern Schmerzes, der Eifersucht, der F
peinvollen Erwartung und Hofnung entbehrte; der Z
Morgen brachte ihm keine Besorgniß, der Abend kein Z
unerwartetes Begegnen. Er war gewohnt, durch sei- F
nen Dienst Pflichten zu haben, die er erfüllen mußte, ß
er war ebenso gewohnt, die Auszeichnung eines Vor- F
gesezten, die Gunst eines Fürsten zu genießen, welche F
Andern nicht in gleichem Mafße zu Theil ward, und P
ihm fehlte die Genugthuung, welche ihm dies gewährte, P
ebenso, als die Mißgunst der Menschen, welche ihn in F
Paris um sein Glück beneidet hatten.
Es war vergebens gewesen, daß die Freifrau, daß F
Veronika ihn an den Segen der Freiheit und der I
Selbstherrlichkeit mahnten. Er hatte die rechte Em=
pfindung nicht dafür. Er war zu lange in Diensten ;
gewesen, um des Herrn entbehren zu können, und zu -

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Pange von der willkürlichen Laune einer Kokente He- '
herrscht worden, um die ruhige Liebe eines edlen und
Fehrlichen Hetzens gebührend zu würdigen und zu
Ischäzen. Wer irgend eine Art von Selaverei mit Be-
Ffriedigung zu tragen vermochte, ist ein für allemal
t,für die Freiheit verdorben und verloren.
F Veronika vor allen Andern hatte sich über den
LCharakter ihres Gemahls getäuscht. Sie hatte ge-
ßglaubt, der Graf sehne sich nach den Vergnügungen
F,der großen Welt, als sie ihn in ihren Bergen immer
-Fttrüber und abgespannter werden sah; indeß fehlte ihm
jgmr der Stachel eines fremden Willens, der ihn in
F ßewegung sezte, und kaum in Paris angelangt, kaum
F in seine Dienstverhältnisse eingetreten und in die Nähe
F des Königs zurückgekehrt, der ihm von Jugend auf
Fdie Sonne seiner Tage gewesen war, hatte er die
F frühere Lebendigkeit wiedergefunden Ja, er fühlte sich
F fnehr als früher zum Genusse des Daseins geneigt
Hs; Die Entfernung von, Paris hatte bewirkt, daß ihm
edie Reize, welche diese Weltstadt darbot, neu erschienen
S ind er sie neu genoß, obschon er wweder die Gesell-
Z fchaft, noch die Lebensweije wiedergefundei, die er
B feüher dort gekannt.
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P Die Zeit hatte sich geändert, Jeder hatte mit sich
hs flbst zu thun, der Tag verschlang den Tag noch eili-
h? als je zuvor Allerdings gab es noch' Stunden,
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welche man von r Sorge frei zu halten wußte, gß,
es der Zuversichtigen noch genng, die, wie Graf Söß
seph, zwweifellos überzengt von dem Rechte und besg,
halb auch von dem Siege der absoluten MonarHä?
sich nicht scheuten, den Becher der Freude unter de,
grollenden Donner des nahenden Orkanes an ihö;
Lippen zu seten, und man scherzte und lachte, maßh
sang und schwärmte jezt lauter als zuvor, um die;
drohenden Worte, um den Spott und den Hohn, uüF
die Anzeichen des Sturmes zu übertäuben, die siHs
überall vernehmen ließen, wohin man sich auch flüchF
tete. Der Graf hatte vor seiner Berheirathung fük
einen schwärmerischen Idealisten gegolten, jezt nachf
derselben, schien es, als wolle er zum Lebemann wer?
den, und Veronika vermochte es zu ihrem KummetFß
nicht, ihm auf dem Wege zu folgen, den er einschlug; F
vermochte die Welt um sie her nicht mit seinen Auget F
anzusehen.
Sie hatte es dem Grafen nachgefühlt, daß es ihm h
eine Pflicht sei, dem Könige, dem er und sein Vater Z
Treue gelobt und lebenslang gedient hatten, in der I
Stunde des Kampfes und der Noth nicht zu fehlen, Z
indeß sie hegte weder die Verehrung ihres Gatten vor H
dem Königthum, noch theilte sie seinen Glauben an F
den Sieg desselben. Die Vorstellung, daß der Graf F
einer mit Recht verlorenen Sache diene, lähmte ihren F
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Fme Sie konnte sich weder an der höffenden Be-
geisterung der Royalisten erwärmen, noch, die wach-
snde Energie dei Volkspartei verdammen. Der Par-
Fistreit, welcher die Außenwelt durchwogte, drohte, sich
Fuch innerhalb der gräflichen Ehe geltend, zu machen,
Fnnd bange Sorgen um die Sukunft, zärtliche Aigst
Fm die Gekahr, welcher ihr Gatte sich fast alltäglich
huszusezen hatte, nahmen Veronika den heitern Gleich-
Futh und den Frohsinn, welche Graf Joseph an ihr
Feliebt hatte und auf die er bei seinem Weibe nicht
Ferzichten wollte.
,l: Sie waren noch nicht lange in Frankreichs Haupt-
gstadt gewesen, als Veronika zu ahnen begann, was
gsßr hier persönlich drohe. Aus der Aufregung durch
gdds öffentliche Leben, aus der Neberreizung in einer
Besellschaft, die sich inmitten der Gefahr verwegen zur
-Sorglosigkeit und zum Genusse aufstachelte, kehrte der
raf zu einer Frau zurück, die sich nicht zur Freude
- zu zwingen vermochte, und dieser Abstand war ihm
. peinlich. Er beklagte es, daß Veronika nicht den Sinn
ber Jugend, nicht die heitere Leichtlebigkeit der beweg-
F lchen Französin besize; er nöthigte' sie, ihre Säle zu
Sffnen, Gesellschaft zu sehen, um, so viel es dem ein-
-' zelnen Edelmann möglich war, die Sicherheit kund zu
geben, von der die Aristokratie sich noch inimer getra-
gen fühlte; und bereitwillig, wenn auch schweren Her-
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zens, hatte Veronik sich dem Wilten thres Gattetß
fügt, als der deiste Besuch der Marquise jene S
herbeiführte, welche der Gräfin ben Rest iheee Za.
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sicht und ihres Friedens rauben sollte.
Freilich hatte der erste Eindruck, den sie bamltß
macht den Erwartungen der Marquise nicht ucl,
entsprochen, denn chr Auftreten hatte den Grafe F
leidigt, und er hatte noch Liebe genug für selne G
tin gehabt, um in ihrer Seele zu empfinden und Scß,
nng für sie zu verlangen. Auch hatte er VeroMl,
zu bernhigen gestrebt, er hate Kranziska's eüesek
tose Selbftsucht, wie ihren Mangel an weibllcher Wüi
getadelt und sich freiwillig bereit erklärt, sie zu vs,
meiden; aber troz seiner Einsicht und seiner Sugßß
stänbnisse regte sich eine Stimme in ihm, welche fi,
Franziska sprach. Es hatte ihn ergrifen, wieder eil
mal die Sprache der Leidenschaft zu vernehmen, h
die sie ihn gewöhnt, und alle die wechselnden Scens,
des Vorwurfs, des Streites und der Versöhnung
welche er mit ihr durchlebt, waren ihm plözlich i
einer einzigen Empfindung gegenwärtig geworden unl
hatten ihn auf's Neue an die Vergangenheit geketiF
von der er sich für immer losgeriß'en geglaubt.
bedauerte das Leiden Veronika's, er hätte lebhaft gs?
wünscht, daß es ihr erspart geblieben wäre; und docs
that es ihm heimlich wohl, daß sie eine Vorstellung.
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