Der Letzte seines Stammes: Mamsell Philippinens Philipp
Fanny Lewald
Kapitel 18

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Die Freifrau hatte sich in der lezten Hälfte des,ß
Juli auf den Weg gemacht, aber es war damals nichkIZ
leicht, vom Auslande her die französische Grenze zk' P
passiren, und Ichwerer noch, nach Parid zu gelangen F
wenn man einen aristokratischen Namen trug. Con. F
radine hattte sich also entschlossen, in ihrem Passe auf F
denselben zu verzichten. Ihr Kammerdiener, der artig Z
in Holz zu schneiden verstand, hatte den Paß für sich F
und eine kranke Schwester ausstellen lassen, welche in P
Paris einen Arzt berathen sollte, während er die Hol- F
waaren, die man aufgekauft hatte, an den Mann zu P
bringen suchte.
Auf weiten mwegen, nach beschwerlichee vdess F
langte die Freifrau auf diese Weise in ihrem beschei- P
denen, mit Kisten bepackten Wagen, den stolzen Kopf F
in der weißen Dormeuse der Bürgerfrau verhüllt, vor Z
den Thoren von Paris an, das sie seit einer langen ß
Reihe von Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Es war der achte August des Jahres siebzehnhun- F
dertzweiundneunzig. Die Sonne war schon unterge- F
gangen, aber es war noch nicht Nacht. Der Tag wer F
heiß gewesen, es regte sich kein Windhauch; ein schwerer j
Dunst erfüllte die ganze Luft und hüllte die Stadt ß
in ein dumpfes fahles Grau ein.
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Auf dem Wachtposten am Thore ging es unruhig
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französischen Heeres angehörten, saßen. zwischen den
Soldaten, welche den Posten besezt hielten. Es war
ein Trupp von den siebenhundert Föderirten, die einige
Tage vorher von Marseille nach' det Hauptstadt ge-
kommen waren, und das Erste, was die Freifrau in
Paris vernahm, war ein frechesSpottlied äuf dieKönigin.
Je weiter sie in die Stadt hineinfuhr, um so mehr
fiel ihr die Veränderung auf, welche sich in dekselben
vollzogen hatte. Sie kannte die Straßen, es waren
die alten Wege und die alten Häuser, aber ihre Be-
völkerung schien nicht mehr dieselbe zu sein. National-
braunen, stets lärmenden südfranzösischen Föderirten,
Weiber und Männer aus bem Volke, oelche sonst am
Wochentage ihre Werkstätte in den eitlegenen Vor-
städten nicht zu verlassen pflegten, trieben sich in mü-
ßiger Untuhe auf den Boulevards umher und waren,
als die Freifrau den Plaz Ludwig's des Fünfzehnten
passirte, üm sich nach der im Faubourg St. Germain
belegenen Wohnung ihres Sohnes zu begeben, auf dem
Plaze in großer Anzahl und in aufgeregter Stimmung
; versammelt.
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strich hatten und doch nicht irgend einer Uniform des
pikenbewaffnete Mäimner und dazwische die kleinei,
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her. Männer in Trachten, die einen militärischen An-
garden mit der blau und rdthen Kokarde von Paris,
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An einer Stelle, an welcher ihr Wagen haltez
mußte, weil man in dem Gewühle sein HerankommekZ
nicht beachtet hatte, bog Conradine sich heraus, unh
zu erfahren, was sich da begeben. ,Was geht hiet-F
vor? fragte sie den Nächststehenden, einen Mann in
guter bürgerlicher Kleidung. Er sah sie verwundertP
an,Woher kommen Sie, Madame,. entgegnete et, F
,baß Sie nicht wissen, was heute geschehen ist? Ske ß
haben Lafayette den Verräther freigesprochen, und es F
ist Zeit, daß man solchen Freisprechungen ein Ende P
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macht !
Ulrich war nicht zu Hause, als seine Mutter bei F
ihm anlangte. Er hatte den Brief nicht erhalten, in F
welchem sie ihm ihre Absicht, nach Paris zu kommen, F
mitgetheilt, es war also keine Vorkehrung irgend einer F
Art für sie getroffen worden. Nur der alte Diener, Z
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zu sagen, wohin sich lrich begeben, noch wann er F
wiederkehren würde.
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Auf Conradinens Frage, ob der Junker wohl sei, h
antwortete der Diener bejahend, indeß er fügte achsel- F
zuckend hinzu: , So wohl, als Einer es hier bleiben ß
kann, wo Alles drunter und drüber geht. Unser Z
Junker ist auch nicht mehr derselbe. Er hat keine sz
Ruhe mehe. Bew ist er hier, batd dort In der



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lezten Woche ist er ein paar Mal initten' in ber Nacht
noch aufgestanden und fortgegangen, wenn es unryhig
in den Straßen war. Heüte ist ber Juiker seit dem
Morgen nicht nach Hause gekonimen und, gnädige
Frau verzeihen Sie, daß ich dies säge, zu ihren gräf-
lichen Gnaden dem Herrn Onkel und der Frau Tante
lst er fast seit Jahr und Tag nicht mehr gegangen!
Die gnädige rau werden äuch finden, daß unser
Junker nicht nehr seine rothen Backen und seine
hellen Augen hat, wie sonst!
Erst nach Mitternacht kehrte Ulrich heim, und
seine Mutter mußte sich überzeigen, daß der alte
Diener wahr gesprochen. Ulrich war sehr verändert.
Seine Gestalt war noch fester und männlicher, aber
sein Antliz war schwermüthig geworden, seine Wangen
waren bleich und in seinen Augen leuchtete eine dunkle
Gluth, die sich hier und da unter den schmerzlich und
müde herabsinkeden Lidern verbärg. E war unver-
kennbar, daß er viel gelitten, und baß ihm neben der
Ruhe der Seele auch körperlich die nöthige Ruhe ge-
fehlt hatte.
Sie hatten viel mit einander zu sprechen, die
Mutter und der Sohn, und der Morgen dämmette
herauf, als die Freifrau sich ermüdet für ;eine Stunde
auf des Sohnes Lager legte, der in einem Sessel' dn
ihrer Seite ruhte. Er nannte es den ersteit erauicken-
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den Schlaf, den er seit lange genossen hatte, als e;
von der Helle des Tages erweckt, mit erleichtertsü,z
Herzen in das ernste, klare Auge seiner Mutter schautößh
Als Conradine am Arme ihres Sohnes die Steaß
betrat, um sich zu Fuß nach dem Hotel ihres BriF?
ders zu begeben, fanden sie es auf ihrem Wege ruhigß
Die Sttadt war stiller als seit langer Zeit. Wie eäsF
Löwe, ehe er sich zu gewaltigem Sprunge entschließhIg
einen Schritt zurückweicht und Kraft zum Ansaz santh?F
melnd, schweigend daliegt, so ruhte die Volksmasse vöiH
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Paris am Morgen des neunten August.
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Man wußte, was in der gesetzgebenden Versamm
lung vorging, man kannte den Bericht im Voraus,F
welchen der Maire von Paris an dem Tage verlesen F
lassen würde, denn die Insurrection, vor der er war-F
nen zu wollen schien, war bereits eine beschlossene F
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Sache. Die Minister verlangten in der Versammlung Z
den Schuz derselben für den König, und in dem F
Elub der Cordeliers, in welchem die Marseiller Con- F
föderirten sich befanden, beschuldigte Danton Ludwig Z
den Sechszehnten, daß er eben an diesem Tag und F
in dieser Nacht die Hauptstadt mit Feuer und Schwert F
zum Gehorsam und in seine Gewalt zu bringen be- Z
absichtige. Er erinnerte daran, daß die fremden
Alliirten in ihren Manifesten geschworen, in Paris
keinen Stein auf dem andern zu lassen; und der
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Vorsaz des Volkes, keinen Stein des Tuilerien-Schlosses
auf dem andern zu lassen, war die Folge seiner Rede.
Jedermann wußte es, Jeder mußte sich es sägen, man
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stand vor einer schweren Entscheidung, vor dem Be-
ginn des furchtbaren lezten Kampfes, es handelte sich
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um Erhaltung oder Untergang der Monarchie. Und
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neben diesem die Welt bewegenden Vorgange, um
welche Gefahr und welche Verluske hatte der Einzelne
sich zu sotgen!
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Als die Freifrau in dem Hotel des Grafen erschien,
fand sie Veronika nicht zu Hause. Ihre Unruhe hatte
sie angetrieben, nach dem Schlosse zu fahren, wo die
Schweizergarde ihren Dienst that. Die Oberofficiere
kamen schdn seit Tagen kaum zur Ruhe, denn man
hatte eine Abtheilung der Schweizer in die Normandie
geschickt uid sie nicht zurückberufen, weil die gesezge-
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bende Vetsamnlung überhaupt die Entfernung der
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Schweizer gefordert hatte Es waren ihrer also kaum
noch tausend in Parid, der Haß! der gänzen Bevöl-
kerung waer gegen sie gerichtet, -und der Graf war
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bereits seit mehreren Tagen nicht in seinem Hause ge-
wesen. Die wiederholten Aufläufe hatten ihn in den
Tuilerien festgehalten. Jede Stunde konnte einen
Kampf bringen, konnte unter den obwaltenden Ver-
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hältnissen die letzte für ihn werden, und Veronika's
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ganze Seele war darauf gestellt, ihn zu sehen, ihn zu
Lewald, Kleine Romane. N
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sprechen. Indeß die Posten im äußßeren Umkreis bes F
Schlosses waren nicht von den Schweizern, sondern F
von den Nationalgarden besetzt, und nach allen ihregF
vergeblichen Versuchen, Einlaß in das Schloß zu er-'H
halten, kehrte die Gräfin, ohne ihren Sweck erreicht zu F
haben, in ihr Hotel zurück.
Bleich, erschöpft, im Jnnersten verzagt, so trat sie Z
in ihr Zimmer und mit einem Aufschrei, der das F
ganze Elend ihres Herzens offenbarte, sank sie, als sie F
die Freifrau so unerwartet vor sich sah, der Freundin,
der Schwester ihres Gatten in die Arme. Daß Ulrich,,ß
der sie so lange gemieden, jetzt wieder in ihr Haus F
gekommen war, schien ihr nicht aufzufallen. Sie hatte F
nur einen Gedanken, die Gefahr, welche dem Grafen F
drohte, nur ein Verlangen- Kunde zu erhalten von F
dem, was in der Stadt geschah, was für ihn zu F
fürchten war.
Ulrich ging und kam. Er vergaß sich selbst, ver- F
gaß die zornige Abneigung, welche er gegen den
Grafen hegte, es war kein Tag, an welchem ein Mann F
wie er an sich selber denken konnte.
Spät am Abende klopfte es an das äußere Thor des ß
Hotels. Beronika sprang empor, es war der Graf, F
sie kannte seine Art und Weise. Das Aussprechen F
ihres langverhaltenen Grames, die vertrauten Unter- F
redungen mit der Freifrau hatten das Herz der Grä- F




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fin aufgeregt, die Erinnerung an die Tage des Glückes,
welche sie als Braut und äls Neuvermählte unter
Conradinens Augen verlebt, hatke ihr wieder auf's
Neue das volle Bewußtsein ihrer großen Liebe für
den Grafen gegeben, und als ob Nichts sie getrennt
hätte alle diese Jahre her, so eilte sie ihm entgegen.
,, Gott Lob, daß Du da bist, daß Du lebst!
rief sie aus, da er in die Halle eintrat, und warf sich
ihm an die Brust.
Der Graf schloß sie in seine Arme, das war lange
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nicht geschehen.,Armes Weib !' sagte er, ,DDu freust
Dich, daß ich lebe, und ich habe Dir doch keine Freu-
den gebracht!
Er war aufgeregt von raschem Gange, und eine
tiefe Schwermuth umhüllte sein Gesicht; aber Vero-
nika bemerkte das kaum. Der Ton der Güte, welcher
von seinen, Livpen erklang, die Worte, welche er zu
ihr sprach, nahmen ihren ganzen Sinn gefangen, und
die Hoffnung, daß jener Augenblick der Herzenswand-
lung gekommen sei, auf den sie sich in den Zeiten
ihres bittetsien Schmerzes doch noch oft vertröstet
hatte, der Gedanke daß die Stunde der Gefahr ihn
in sein Inneres habe blicken laffen, und daß er er-
kannt habe, was er an der Liebe seiner Gattin besize,
schwellte ihre Seele mit Freude und Zubersicht. .
, Komn! komm! rief sie, indem sie ihn mit zärt-
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licher Hst nach dem Saale leitete, in wetche MF
Freifrau und deren Sohn sich aufhielten, ,komnm ük5Z
sieh es selber, wie in guter Stunde uns alles EeZ
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wiederkehrt.r!
De Thüren waren offen geblieben, als VeroF
dem Grafen entgegengeeilt wwar, und mit den nächsti?Z
Schritten vorwärts sah der Graf seine Schwester und ßß
seinen Neffen vor sich. Seine Wange erbleichte, lkF
er sie gewahrte, er war seiner eigenen EmpfindungEs
nicht sicher, in so raschem Wechsel lösten sie einander,
ab; indeß er faßte sich gewaltsam, und Beiden, dEkF
Rreifrau und tlrich, die Hände reichend, sprach er: ,h? F
seid, wieFreunde in derNoth, zu rechter Zeit gekommen!? F
Die Feierlichkeit des Grafen erschütterte die Sei- Z
nen; aber die Freifrau wollte das bange Ahnen, ds F
sich ihrer plözlich bemächtigte, nicht in ssch aufkommet F
lassen, und in den Ton gewöhnlicher Bewegung ein- F
lentend, sprach sie: , und Du wunderst Dich nlht Z
mich hier zu finden, Du fragst nicht, was mich hier- Z
her geführt?
Indeß es gelang ihr nicht, die Stimmung Ihres F
Bruders umzuwandeln.,Was Dich auch hergebrachk ß
hat, sagte er mit. demselben ruhigen Ernste, ,ich F
danke es Dir, daß Du hier bist, daß Ihr Beibe hier
seid! Ihr nehmt eine schwere Sorge von mir und I
befreit mir das Herz!''
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Er hatte dabei stets die Hand Veronika's, die
bleich und angstvoll zu ihm emporschaute, in der seinen
behalten. Jezt rief sie, sich mit ihrer Stirne an seine
Schultern lehnend: ,O, sprich nicht so! sprich nicht
also, Joseph! Du redest wie Einer, der =- =- Sie
schauderte zusammen, ihre Lippeit sträübten sich es
auszusprechen, was sie dachte. f
Der Graf drückte ihr die Hand und' leitete sie zu
einem Sessel.,Erinnerst Du Dich,! sagte er zu Ulrich-
,wie ich Dich einst tadelte, als Du an jenem Mor-
gen, welcher dem Chevalier von Lagnac das Leben
kostete, mich an meine Pflichten. gegen meine Neber-
lebenden erinnertest? Heute habe ich selbst daran
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, Mein Bruder,, sagte Conradine, und auch von
ihrem Antliz war die Farbe entwichen, ,ist denn der
F Gang so ernst, den Du zu gehen hast? st de Ge-
, fahr so groß, die Dich bebroht?
Der Graf antwortete nicht gleich, er mochte über-
! legen, ob es gerathen sei, den Seinen die ganze Wahr-
j heit mitzutheilen, aber die dringende Bitte der Frauen
! bestimmte seinen Entschluß.
,Ja!', sagte er, ,uns steht ein ernster, ein schwe-
! rer Tag bevor, und doppelt schwer, weil das weiche
s Herz des edelsten der Könige zurückschrickt vor der
;! Nothwendigkeit, die Macht, welche noch in seinen Hän-
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den ist, gegen die verruchte Rotte der Empörer z
gebrauchen.! -- Er hielt inne, zog ein Pack PapieSF
aus seinem Busen und reichte sie Ulrich hin.,DF
Leit drängt, ich muß in einer halben Stunde äeß
meinem Posten sein!'' sprach er.,Was mir, wwosZ
Jedem von uns in dieser Nacht oder an dem morF
genden Tage begegnen mag, kann man nicht wisseii g;
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Für alle Fälle---
Veronikn ließ ihn nicht zu Ende sprechen, sie wäk F
außer sich vor Aufregnng, und sich ihm zu RüßenF
werfend, rief sie mit flehender Bitte: ,Joseph! gehe J
nicht fort, geh' jept nicht fort von mir, da ich endlich,F
endlich wieder den wahren, den alten Ton Deinet H
Stimme vernehme !'-
Sie konnte vor Schmerz nicht weiter reden, er F
hob sie sanft empor.,Weine nicht, Veronika!! sagte F
er mit trübem Lächeln, .ich habe Deine Thränen nicht F
verdient, und es handelt sich heut' um Größeres, als Z
um unser Leben und um unsern eigenen Schmerz.! H
Mit einer Ruhe, wie er sie lange nicht mehr be- F
sessen hatte, sprach er von der Stimmung des Volkes, F
von der Lage, in welcher ver König und mit ihm die F
Monarchie sich befaden, von den Mitteln der Ver- ß
theidigung, welche man besaß, und von der festen F
Entschlossenheit der Schweizergarden, bei dem Könige Z
auszuharren bis auf den lezten Mann. Die Seinen F
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waren ernst und ergrifen wie er. Die Größe und
Bedeutung des Augenblicks hob Jeden über sich selbst
empor.
Noch während er sprach, hörte man Trommelwirbel
aus der Ferne. Der Graf richtete sich horchend empor;
Veronika erbebte, als sie sah, wie er seiie Augen nach
dem Tische richtete, auf den er Hut und Degen hin-
gelegt. ,Ich mnß fort!'' sagte er. Veronika trat
noch einmal an ihn heran. Mit heißer Bitte beschwor
fie ihn, ihr Nachricht von sich zu senden, und er sagte
ihr dies zu. Dann wendete er sich zu Ulrich.,Das
Packet, das ich Dir gegeben habe, enthält mein Te-
stament. Falls mir ein Menschliches begegnen sollte,
sorge für seine Ausführung und sorge für Veronika!r
--- Er nahm ihre Hand, legte sie in Ulrich's Rechte
und wiederholte:,Dir vertraue ich ihre Zukunft an,
mache sie glücklicher als ich!' -
,Aber woher diese ungewöhnliche -Sörge, mein
Dnkel?! rlef Ulrich sich ermannend, weil er einen An-
halt suchen mußte gegen die widersprechenden Gefühle,
die in ihm auf- und niederwogten.,Woher diese un-
gewöhnliche Traurigkeit, meine Mutter? Muth, Ve-
ronika! Muth, meine Mutter! laßt Euch nicht nieder-
werfen. Ist's doch des Onkels Pfliht, vorsorglich alle

Möglichkeiten zu erwägen - auch jene MöFlichkeit,-
die hofennich icht eintrfftl s Ahe hsrts ja! der

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Onkel sagt's Euch, daß seine Truppen, daß die Nationale; ß
garden vom besten Sinne beseelt sind, daß die An- F
hänger des Königs, Jüünglinge, Männer und Greiss' F
der alten Adelsgeschlechter sich um den König schaaren, D
daß im Volke vielfache Meinungsverschiedenheit diefß
Kraft zersplittert. Muth, Veronika! er wird wieder-
kehren-- wer weiß, ob es zu neuem Kampfe kommt!r?
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Veronika versuchte sich zu beherrschen. Sie hörte

den Worten Ulrich's mit jener Inbrunst zu, die nichts
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Besseres verlangt, als glauben zu können; guch die
Freifrau war ihrer Bewegung Meister geworden.
Der Graf stand an dem Seitentische und steckte seinen
Degen an, während seine Schwester leise zu ihm
sprach.
Inzwischen war es dunkel geworden, die Diener
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brachten die Lichter in das Zimmer und setzten einen
Imbiß auf den Tisch. Veronika forderte den Grafen
auf, Etwas zu genießen, er willfahrte ihr. Sie selbst
schenkte ihm den Wein ein, Ulrich füllte die andern
Gläser, reichte sie der Mutter und Veronika hin, und
sein Glas erhebend und es gegen das des Grafen an-
klingend, sagte er:,Auf viel frohe Mahle in unsern
Bergen!r
Der Graf wollte auf den Ton eingehen, den sein
Neffe angab. Er stieß mit ihm an und nökhigte die
Frauen das Gleiche zu thun. In demselben Momente


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