Der Letzte seines Stammes: Mamsell Philippinens Philipp
Fanny Lewald
Kapitel 20

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W. Kapites
Ich hatte es mit Jungfer Ursäla verabredet, daß
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ich ihr die Erzählung zu lesen geben würde, welche ich
nach ihren schriftlichen und mündlichen Mittheilungen
zusammen zu skellen unternahm. Als ich meine Arbeit
beendet hatte, brachte ich sie ihr. Sie behielt sie ein
paar Tage, und als sie mir dieselbe dann zurückgab,
fragte ich sie, ob sie zufrieden sei, und ob sie glaube,
daß ich den innern Zusammenhang der Personen und
Ereignisse, soweit derselbe aus den vorhandenen ßa-
pieren nicht zu ersehen war, richtig ergänzt hätte.
,,Jah' sagte sie, ,so wird's gewesen sein, und ich
habe es mir selbst oft so gedacht; nur wie es nachher
geworden ist, das haben Sie nichk berichtet.!
Ich erinnerte sie, daß sie selbst mir die Erzählung
von dem späteren Schicksal ihrer Eltern, noch schuldig
geblieben sei, und da wir eben an dem Abende allein
beisammen waren, holte sie nach, was ich noch zu
wissen nöthig hatte. Weil sie aber bei ihrer Erzäh-
lung die handelnden Personen immer als ihre Groß-
mutter und ihren Vater und ihre Mutter bezeichnete,
welche Bezeichnung den Leser nur verwirxen kann, so
will ich auch den Schluß der Geschichte, wenn Ischon
möglichst mit den Worten der, Jungfer Ursula, sö doch
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mit den Eigennamen der betreffenden Personen zuZ

Ende führen.
Der Zustand von Paris und die völlig untergrSßg
bene Gesundheit der Gräfin bestimmten die Freifräü?
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und Ulrich, auf eine schleunige Abreise zu dringen, die,
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jedoch nicht leicht in's Werk zu setzen war, denn Aez
ronika bestand darauf, nicht ohne die Leiche ihres GelF
ten in die Heimath zurück zu kehren. Als dann siß
Bekanntschaften des Freiherrn ihm endlich die Erlaiiz
niß und die Papiere verschafften, welche in dem res.??
lutionirten Lande, mitten durch ein von Mißtraueü
und Verdacht aufgeregtes Volk, den Transport einesg
verschlossenen Sarges möglich machten, trat man düeßz
traurige Reise an, die nur langsam von Stat- J
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Es war schon Herbst, als die Gräfin auf dem einn P
samen hochgelegenen Rottenbuel eintraf, dennoch ver- Z
weigerte sie es, mit der Freifrau nach Thuris zu gehei jß
oder das im Prätigau gelegene Schloß Calanz zu be- F
ziehen, welches Graf Joseph in seinem Teftamente, da J
es nicht zu dem Majorate gehörte, sondern Privat-
besiz war, seiner Witwe als persönliches Eigenthum
verschrieben hatte. Was man auch thun mochte, Ve-
ronika zu überreden und zu überzeugen, daß sie es
nöthig habe, unter Menschen zu sein, daß sie den Ihren
den Trost bereiten möge, sie pflegen und warten zu

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ß dürfen, sie wies es mit fester und ruhiger Entschieden-
heit zurück.

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,,Ich muß Zeit haben, das, was! ich erlebte,
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zu begreifen!'' gab sie stets: zat Antwort, und es
war unvetkennbar, daß irgend ein Eiidruck, über
welchen sie nicht sprach, ihr die Erinnetüng an
den Tod und an die Todesstunde des Gräfei nöch
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furchtbarer machte. Aber sie verschwieg ihn fest, und
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F erst als sie schon eine Greisin war, ließ eine ihier
s Aeußerungen es Ursula errathen, daß sie' noch in den
fs lezten Augenblicken des Grafen eine Begegnung mit
ei der Marguise gehabt hatte, die ihr das Herz vollends
P zerrissen; was jedoch geschehen war, das hat sie Nie-
F! mandem anertraut.
Der Graf hatte in seinem lezken Willen die Hoff-
ß! nng ausgesprochen, daß es der Liebe seines Neffen,
! der er, ohße es zu wissen, störend in den Weg ge-
tß! treten sei, einst gelingen werde, Veronikä's Heiz zu
ß! rühren und ihr Ersaz zu bieten für das Nnglück ihrer
rRa
s! vergessen vermögen, daß sie ihres Herzens Liebe be-
- graben und daß ihnen damit die Hälfte ihres eigenen
Seins genommen ist. Ihr Schmerz war' ihr ein Eul-
- tus, dem ausschließlih zu leben ihr Bebüifniß war,
- und erst nach vielen Jahren gewann sie bie Seelen-
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, Lewald, Kleine Romane ?.
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freiheit, welche es ihr möglich machte, der Bewerbnüg,
ntrich's Gehör zu schenken, seine Treue als einen Seg,
gen anzuerkennen und seine Frau zu werden. ß
Die Ehe war würdig und schön, wie man es vons,
dem Charakter der beiden durch ihr Leben geprüftsü,
Menschen erwarten konnte. Veronika hatte die LeihäH
des Grafen in Calanz begraben lassen und sich sT'F
sehr an diesen Aufenthalt gewöhnt, daß der Freiheröl,
nach seiner Verheirathung darein willigte, dort seinewß
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eigentlichen Wohnsiz aufzuschlagen.
,Wir führten ein Leben, erzählte Jungfer Ursula-;
,von dem eben nicht viel zu sagen war. Wir hattenF;
Wohlstand, Friede im Hause, Verwandte und Freundsß?
im Lande und in der Nachbarschaft, und ich wüßte,?.
mich aus meiner Kindheit keiner besonderen Ereignisse z
zu erinnern, denn selbst die Kriegsjahre gingen an uns P
gnädig genug vorüber, und was ich davon weiß, habe Z
ich nur von Hörensagen behalten, wie mir scheint. - F
I Vahre us aber, als ich schon ein zlemlich Z
erwachsenes Mädchen und die Mutter eine Frau von Z
nahezu fünfzig Jahren war, saßen wir einmal spät
Abends unten im Saale Alle beisammen, die Eltern, IF
der Bruder und ich. Es war Ende April, aber das F
Frühjahr kam spät und war sehr kalt, und hier oben F
bei uns in den Bergen lag noch Schnee. Wir hatten
einen starken Föhn, die Wetterfahnen auf den Thür- F
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men pfiffen gellend auf ihren Angeln, und der Wind
schüttelte die Bäume so heftig, daß die Leste knarrten.
Aus den Rinnen floß das thauende Wasser plätschernd
herab, und von allen Bergen rieselte es nieder, daß
das Wasser überall stark geworden war und man es
rauschend dahinströmen hörte. DiesWegewaren grund-
los, denn der Schnee war noch nicht ganz fortge-
schmolzen, und von Besuch ünd Fremdewverkehr war
also nicht die Rede. Jedermann war froh, wenn er
zu Hause bleiben konnte, und die Mutter sprach das
eben aus, ;als die Hunde anschlugen und es an der
Pforte klingelte.
Gleich darauf kam der Diener herein und meldete,
saß der Wirth vom Kruge da sei und den Vater
sprechen wolle. ,Damals wär Bünden schon eidge-
nössisch geworden,. schaltete Veronika ein, ,und der
Wirth war also so gut wie wir, oder kam sich doch.
wenigstens so vor. Der Vatex sagte ihi daher, daß
er sich sezen solle, er schien's äber, sehr eilig zu haben,
denn er, der sich das sonst' von, unser Finem nicht
zwweimal anbieten ließ, blieb stehen und sägte, er ;bäte
um Entschuldigung, aber es sei ihm eine Frau,,eine

z,; kranke Frau in's Haus gekommen, die er nicht recht
p s verstehen könne, da sie französischs rede, undi was er
g s verstehe, das sei so verwirrtes' Zeug, daß er meine,
gz s le rede irre. Sie sehe nicht besonders aus, habe auch
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nur armseliges Gepäck bei sich. Aber so lange sielttEf!
den Beinen gewesen, habe sie sich großes Ansehen F.,
geben, und nun sie darnieder liege, halte sie immks?
ein Bild in den Händen, das sie am Halse hängeI?
habe. Er wisse nicht, was er aus ihr unb milt H
machen solle, und er bitte deshalb, ob niht der Vätteei?.
einmal herunterkommen wolle, um zu sehen, was M!
mit der Person auf sich habe, und ob man den B?F
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tor kommen lassen müsse oder nicht.
Wo es einem Leidenden beizuspringen galt, dc F
durfte man bei dem Vater nicht erst zweimal anfrEe F
gen, und die Mutter war da noch viel schneller s F
der Hand. Die Eltern hießen den Diener sogleichF
eine Laterne besorgen, die Mutter nahm ihren Capuß
zenmantel um, und so gingen sie mit dem Wirthe auff' F;
dem nächsten Wege nach dem Krug. Dabei erfuhren F
sie auf meines Vaters Frage, wo denn die Kranke
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hergekommen sei, daß des Wirthes Sohn sie mitge-
bracht habe. Er hatte deutsche Herrschaften über dei
Splügen nach Italien gefahren, und im Gasthof zu
Chiavenna, wo er die Nacht mit seinem Gefährt ge-
rastet, war die Fremde zu ihm gekommen und hatte
mit ihm darüber verhandelt, daß er sie für einen bil-
ligen Retourpreis nach der Schweiz mitnehmen möge,
von wo sie nach Frankreich in ihr Vaterland zurück-
kehren wolle. Der Wirth in Chiavenna hatte ihm
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PJ zrgeredet, sie nicht abzuweisen, denn er hatte sie wahr-
P scheinlich los zu sein gewünscht, und am ersten Tage
zP der Reise hatte sie ihrem jungek Fuhrmann zu ver-

Fs stehen gegeben, daß sie eine vornehme- Däme sei, die
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durch die Revolution aus Frankreich vertrieben wor-
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der von seinem Lande Besiz genomnien habe, nach
Paris zurückkehre, wo es ihr än Ehre ;ünd Reichthum
gar nicht fehlen könne.

Der Wirth schalt, als er das erzählt hatte, auf
seinen Svhn und nannte ihn einen einfältigen Tropf,
daß er sich solche Dinge aufbinden lasse, da man doch
in der Schweiz seit den Zeiten der französischen Emi-
gration der Leute genug im Lande gehabt habe, welche
goldene Berge versprochen und nicht einen gebogenen

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den, und daß sie jezt, da der rechtmäßige König wie-
Heller in' der Tasche gehabt hätten. Und die Kranke
bei mir im Hause, sagte er, sieht gerade so aus, als
gehörte sie auch zu solcher Art Emigranten.
Sie waren während des Sprechens nach dem
II! Wirthshaus gekommen, der Wirih ging den Eltern
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Pi! voran, den Flur entlang, an der Küche vorüber in
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z; das Nebenhaus. Da machte er die Thüre auf, und
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z ; ß dem großen Bette am oberen Ende der Stube
z! sahen die Eltern beim Schein einer kleinen Dellampe
F! die Fremde, die mit geschlossenen: Augen dalag. Weil
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F s es aber dunkel h der Stube war, so daß man das
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Gesicht der Kranken nicht deutlich erkennen komle, g!
hieß die Mutter ein Licht herbeibringen, und nachdGß
sie es so hingesezt hatte, daß sein Schein der Leiden- K;
den nicht beschwerlich fiel, schlug sie den Bettvorhang P
vollends zurück und trat an das Lager heran.
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Davon ermunterte sich die Fremde, die wie im P
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Halbschlaf gelegen hatte, schlug die Angen auf unb ?
richtete sich jäh auf ihrem Lager in die Höhe; und h I
der Bewegung, in dem Blick war Etwas, das meine ?
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Mutter bis in's Herz traf. Eine Erinnerung, eine z
Vermuthung stiegen in ihr auf, die sie entsezten, sie z,
winkte dem Vater, und eben als er herankam, sagte ;,
die Kranke, als bemerke sie die Neberraschung meiner Z.
Eltern:,Ah! Sie wundern sich! Sie glauben nicht, Z
daß ich's bin, weil sie mich hier finden! Aber nur F
Geduld! nur Geduld! noch wenige Tage und-- « F

sie lachte, sah mit irrem Blick umher, und sprach
dann schnell und leise, als flüstre sie mit einer neben
ihr stehenden Person, so daß es unmöglich war, ihre
Rede zu deuten.
Indeß es bedurfte dessen nicht. Das Auge meiner
Mutter hatte sie nicht betrogen: die kranke, im Fieber
glühende Frau, die verfallene Gestalt, um deren ein-
gesunkene Wangen das bereits ergraute Haar ver-
wirrt umherhing, war die ftolze, die einst so strahlenbe
Marquise von Vieillemarin, war die Frau, welche
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meiner Mutter die Tage ihrer Jugend so schmerzens-
reich gemacht hatte.
Wie vor einem Gottesgerichte standen die Etern
einen Augenblick sprachlos vor dem Krakkenbette; dann
aber thaten ste, was Menschenpflicht gebot. Man
sendete nach dem Arzte, die Mutter wollte wissen, ob
die Marquise in's Schloß zu uns zu btingen sei, und
als der Arzt dies bewilligte, wurde gleich am andern
Morgen ihre Nebersiedlung bewerkskelligt. Die Mut-
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Z ter selbst übernahm ihre Pflege, aber sie hatte das
ZZ schwete Amnt, bas ihr die alten traurigen Erinnerungen
ß! weckte, uicht allzulange zu üben. Noth und Entbeh-
F! rungen, Verzweiflung mnd zügellose Hoffnungen hatten
F! an der Unglücklichen ihr Werk gethan, und eine Ge-
l! hirnentzündung zehrte den Rest Ghrer Kräfke in wenig
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Sie hatte keinen hellen Augenblick; Balb schien
! sie sich in der Nähe ber Königli Mare Atöinette
f! zu glduben, bald mußte sie ßielnen, äiter armen Seu-
Fs ten zu sein, deren Hülfe sie ie Auspüüäh ahm. Da-
zs zwwischen täuchten Bilder aus den Tägen der Schreckens-
j! zeit vor ihr auf. Sie sprach vom Teinnple, von der
;! Guillotine, sie nahm Abschied, und damn wiebek brüche
,; sie das Bildniß, das sie an ihren Hälse trüg, an ihre
!! Lippen und betheuerte, daß sie in ihrer Trebe nie ge-
s! wankt, daß sie nie ein anderes Bilb im Herzen ge-
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tragen habe, und daß es nun an der Zeit sei, ihregh
Lebe und Trene zu belohnen. Sie ließ Alles mt shZ
geschehen, nur als meine Mutter einmal den VersuchI,
machte, das Bild in die Hand zu nehmen, um -z J
sehen, wen es darstelle, schrie die Marquise auf, He
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deckte das Portrait mit beiden Händen, und in deü J
Augenblicke erkannte sie auch das Antliz meiner Mut- ß
ter, denn sie faßte nach ihr, sah ihr starr in die Aigen F
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und sagte: ,Was wollen Sie hier, Gräfin? Sie gs- ,
hören nicht hierher, nicht hierher! Sie waren nicht z
treu, schöne Gräfin!?- Darauf lachte sie wieder Z
wie das oft geschah, und dann rief sie: ,Er war tren ß
mir! mir!-- Ich will's ihm auch vergelten, der Prinz F
soll's ihm vergelten, wenn ich nur erst dort bin!?
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Die Mutter hatte mir einmal den lezten Abend F
der Marquise geschildert. Es war, als müßte sie mit g;
einem Menschen davon sprechen, um die Erinnerung z;
los zu werden.- In der Nacht, welche diesem Tage g
folgte, ist die Marquise hier drüben, in dem blauen P
Zimmer verschieden. Niemand als die Mutter ist bei g
ihrem Tode zugegen gewesen, und wie ich die Mutter g
kenne, hat sie überhaupt Niemand bei der Kranken z
lassen mögen, damit kein Anderer es höen sollte, wenn F
die Marquise etwa von dem Grafen Joseph gesprochen F
hätte.
Als die Marauise dann gestorben war, sah man. -F

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s öaß das Medaillon an ihrem Halse däs Bildniß und
F eine Locke des Grafen von Artois enthielt. Es mußßte
H einmal eine kostbare Fassung gehgbt hahen, aber die
s Steine waren ausgebrochei. Die Noih!hatte die Mar-
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P Sie es sehen wollen; mein lBrüder hat es als ein
Z Andenken, als ein Curiosum aufbewahrt.
, Und Sie wissen nicht;' fragte ich, ,wwelches das
,- Schicksal der Marquise in den Jahren von siebzehn-
hundert zweiundneunzig bis achtzehnhundert vierzehn
gewesen ist?!
,Nein,' versezte Ursula, ,aber wir können es doch
annähernd vermuthen. In dem kleinen Koffer, den
sie bei sich führte, fanden sich einige Briefe des Gra-
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fen von Artois, die in kühlem Ton abschlägige Ant-
ten vertrösteten. Einer war nach Florenz, ein paar
nach Neapel und einige andere- nach Wien adressirt.
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worten auf Bittgesuche enthielten und auf bessere Zei-
Die Marquise wird also wohl ai verschiedenen Höfen,
an denen sie bourbonistische, Symathien voraüssetzen
konnte, ihr Heil versucht haben, und ist, wie so viele
Andere, endlich nahe am Ziele, im Augenblick der Re-
stauration, die ihr vielleicht auch Hülfe gebracht haben
würde, dem Elend erlegen.!
Jungfer Ursula brach hier ab. ,Wollen Sie mor-

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gen einmal mit mir nach dem Kirchhof gehen,! frägke F
sie, ,so will ich Ihnen zeigen, wo meine Eltern aid F
wo Graf Joseph begraben sind. Seitwärts, aber nsch F
in unserm Erbbegräbniß, ist bas Grab der Marqüiseä!
, Und die Freifrau? fragte ich.
, Of!' versezte Jungfer Ursula, und ihr ganzes
liebes Gesicht hellte sich auf. ,Die Großmutter ist
auch über das achtzigste Jahr hinausgekommen, wie
die Mutter, und ich kann wohl sagen, sie und meine
Eltern sind Alle jung geblieben bis auf ihre letzten
Stunden. Ich glaube, es war das gute Gewisseü,
das ihnen den frohen Muth gegeben hat, nachdem die
Jahre des Grams für meine arme Mutter überstan-
den waren. Es ist dann auch, wie ich Ihnen neulich
sagte, darauf gehalten worden, daß Keiner von der
Familie mehr im Ausland gedient hat. Sein eigener
Herr sein, pflegte der Vater zu sagen, heißt erst ein
Mensch sein! und, fügte sie hinzu,,ich möchte eigent-
lich auch nicht einmal eines Menschen wirklicher Herr
sein! Es ist freilich wahr, der Adel hat hier aufgehört
zu bestehen, hat hier seine Rechte verloren, aber wenn
sie mich in der Familie bisweilen auch darum verlachen,
mir ist wohler seitdem. Ich gönne Jedem das Seine
und mag lieber zufriedene Menschen und gute Freunde,
als Unzufriedene und Neider um mich haben.'!
Sie sprach das, als habe sie diese Empfindung in
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genissem Sinne zu entschuldigen, und sie wußte nicht,
die gute Seele, wie hell ihr altes schönes Angesicht in
seiner herzlichen Menschenliebe mir dabei in die Seele
leuchtete.
Nicht das Bild des Grafen von Attoid, das man
mir zeigte, habe ich zu besitzen gewünscht, aber Jungfer
Ursula's Bilb wollte ich gerne haben, und ihr Bruder
brachte sie auch dazu, es für mich malen zu lassen.
Es ist mir, wie die ganze Erinnerung an sie, das
Beste und Liebste, was ich von meiner Schweizerreise
heimgebracht.
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