Der Letzte seines Stammes: Mamsell Philippinens Philipp
Fanny Lewald
Kapitel 04



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s. Kapites
Am Abende war ein Gewitter aufgezogen und es
regnete stark. Die Nacht brach früh herein, weil die
Sonne hinter schweren Wolken versteckt war, und da
man des üblen Wetters wegen die Lustpartie hatte
aufgeben müssen, welche man am Hofe für diesen Tag
festgesetzt, war ein Concert in den Gemächern der
Königin angeordnet worden.
Der Anfang desselben war nicht mehr fern, als
ein Mann, tief in seinen Regenmantel eingehüllt, über
einen der Seitenhöfe des Schlosses schritt und seinen
Weg nach dem Flügel einschlug, den die dienstthuenden
Hofdamen in Versailles bewohnten. Als er sich dem
Portale näherte, rief die schweizer Schildwache ihn an.
Er gab die Parole als Antwort, und die Schildwgce
schien ihn auch zu erkennen, sobald der Strahl der Laterne
ihn beleuchtete. Sie präsentirte, als er vorüberging.
Auf den Gallerien und Gängen im Schlosse war
es still und leer. Määnner und Frauen waren in den
Toilettenzimmern beschäftigt, die Kammerdiener und
Kammerfrauen hatten alle Hände voll zu thun, die
Lakaien besorgten die Ordnung und Beleuchtung in
den Sälen. Der Mann im dunkeln Mantel mußte
aber bekannt im Schlosse sein, denn er gelangte, ohne
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darum fragen zu müssen, an ein Zimmer in dem lezten -
Pavillon, und nachdem er, die Hände zusammenlegend,
leise den nächtlichen Schrei der Euie nachgeahmt hatte, -
öffnete sich eine Thüre zur Linken, in welcher er ver-
schwand.
Das Zimmer, in welches er eintrat, war fast dunkel.
Die Läden waren gegen den Garten hin geschlossen,
in der Ecke auf einem dreifüßigen -Marmortische -
brannten die Kerzen auf einem Armleuchter. Sie
gahen eben nur Licht genug, die prächtige Einrichtung -
des großen Raumes zu gewahren, aber der Cavalier be-
achtete sie nicht, er schien den Saal zu kennen, und
i er kannte auch die Dame, welche ihn dort erwartete,
, und deren reiches Hofcostüm einen sonderbaren
Gegensatz zu der Dunkelheit und Einsamkeit des
Saales bildete. Ihre Haltung verrieth ihre Un-

ruhe und ihre Aufregung; die Gelassenheit des Man
T nes, der ihr gegenüber stand, war anscheinend um so
f größer
,Sie haben mich gerufen, Frau Marquise,' sagte
er,,und noch einmal bin ich ihrer Einladung gefolgt,
obschon ich nach der Weise, in welcher Sie gestern
meine Fragen, meine bittenden Vorstellungen aufge-
nommen, kaum noch darauf gerechnet hatte, der Gunst-
g Hner solchen Einladung theilhaftig zu werden. Darf
ich Sie fragen, welchem Ereigniß oder welcher glück-
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llchen Stimwnung ich den Borzug verdanke, Sie, und
eben hier an diesem Orte wieder zu sehen? ='
Er sprach diese Worte mit der Gemessenheit eines
Menschen aus, der sie vorher überlegt und sich über-
haupt die Rolle vorgezeichnet hat, welche er aufrecht
zu halten gedenkt; indeß ein Ton von Gereiztheit und
von Erregung drang wider seiner Willen daraus her-
vor. Die Dame empfand das, aber sie wollte es nicht
bemerken.
,Ich würde die Freiheit, die ich mir genommen,!
versetzte sie, ,allerdings zu entschulhigen haben, Herr
Graf, hätte ich Sie nicht sprechen müssen, um Ihnen
zn sagen, was ich Ihnen zu schreiben nicht für sicher
hielt. Der Zustand des Chevalier von Lagnac ist hoff-
nungslos. Ich weiß, daß Sie beurlaubt sind. Säumen
Sie nicht, Herr Graf, Ihren Urlaub zu benutzen. Der
König, Sie wissen es, ist dem Duell entgegen, seit der
Graf von Artois selbst in dem Zweikampf mit dem
Herzog von Bourbon sein Leben aussetzte, und der
Graf von Artois ist in Verzweiflung darüber, daß er
kagnac, daß er seinen Günstling und Genossen ver-
lieren soll. Die Herzogin aber schürt das Feuer des
königlichen Zornes. Es handelt sich um Ihre Freiheit,
um Ihre Zukunft, Graf! Man spricht davon, ein Bei-
spiel. zu statuiren, eine lettre äe oaohet =
Der Graf lachte spöttisch.,Sparen Sie die Mühe,

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j Marquise, sagte er, ,mir zu beweisen, wie sehr Sle
mich zu entfernen wünschen.'!
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Die scharfgezeichneten Augenbrauen der Marquise
zuckten leise zusammen, ihre Lippen öffneten sich, aher
sie unterdrückte ihre Bewegung, unterdrückte auch die-
; Antwort, welche sie zu geben beabsichtigt hatte, und
z sagte mit wwiedergewonnener Fassung: IEs steht bei
Ihnen, Graf Rottenbuel, es zu verkennen, daß- ich gut
zu machen, vergessen zu machen wünschte, was ich gegen

?- Sie verschulbet.?
Und wieder unterbrach sie der Graf. Gut machen?
vergessen machen? rief er.,Kannst Du es mich ver-
h zsene ei-be beies dezens n dergebgn d dab D
gessen machen, Franziska, daß ich in Dir einst die
sie verrathen hast? Kannst Du sie mich vergessen
F machen, Kranziska, die Stunde, in welcher Du hier,
, eben hier in diesem Pavillon, mir Treue geschworen,
mir Deine Hand, Dich selbst für immer angelobt,' wenn
lk ich di Lustinmng Deiner Eltern fäe unsere Ver-
t? bindung zu erlangen wüßte? Denkst Du des Abends,
es sind fünf Jahre her, als Du, das kaum dem Vater-
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theile für sich und Deine Brüder von Deiner eben


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angetretenen Stellung neben der Königin versprachen?
Erinnerst Du Dich'! -- er vollendete den Saz nicht,
und mit ganz verändertem Tone fügte er hinzu: ,Ich
ging in die Touraine, ich sah Deine Eltern, ich er-
langte ihre Zustimmung; und als ich wiederkehrte, als
ich das Herz voll Hofnung vor Dir erschien, als ich
es mir vorstellte, welches Glückes wir fern von hier
in meiner Heimath genießen würden, da- hatte die
Herzogin Dich unter ihren ganz besondern Schutz ge-
nommen. Die Nachricht vou Deiner beabsichtigten
Verlobung mit ihrem Vetter war die erste Kunde, die
ich hier empfing, Deine Zustimmung zu derselben, die
Freude, die Du mir zum Willkomm zugedacht!!!
Der Marquise kam diese Scene ungelegen, aber
ihre Gefallsucht konnte es nicht ertragen, selbst den
einst verschmähten und seitdem von ihr in koketter
Selbstsucht neben sich festgehaltenen Mann in Zorn
und Unmuth von sich scheiden zu sehen. Sie war nur
der Huldigungen, nicht der Vorwürfe von ihm gewohnt,
und doppelt in ihrer Eitelkeit verletzt, rief sie, schnell
mit sich darüber einig, wie sie sich diesem Manne gegen-
über zu verhalten hätte:,Nun ja! sei es darum, ich
fehlte. Ich fehlte gegen Sie, ich brach mein Wort
aber muß ich Ihnen denn noch heute, nach fünf Jahren
voll heimlich getragenen Unglücks, es wiederholen -
ich wußte nicht, was ich damit that, ich ahnte es nicht,

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daß ich damit aller Hoffnung, allem Glücke meines
Lebens ein für allemal den Stab brach?'
Ihre Stimme sagte noch mehr als ihre Worte, und
vor dem vollen, schmelzenden Blicke ihres Auges, den
sie fest auf den Grasen richtete, verstummte er.
Mehr hatte sie für den Augenblick gar nicht ge- -
wollt, und schnell und schneller sprechend, je weiter sie
in ihrer Erklärung fortschritt, sagte sie: ,Ich hoffe,
Sie endlich von der Wahrheit meiner Worte zu über-
zeugen; um Ihretwillen, Graf, hoffe ich, Sie werden
mir vertrauen. Sie müssen Paris verlassen, ehe es -
zu spät wird, aber grade darum sollen Sie mich hören,
mich noch einmal hören, ehe wir für immer scheiden.!!
Sie machte eine Pause und sezte sich nieder.,Es ist
wahr,' sagte sie dann, ,ich habe Sie geliebt, ich habe
Ihnen Treue geschworen und ich habe diese Treue ver-
rathen. Ehrgeiz und Eitelkeit rissen mich hin; aber
ich war siebenzehn Jahr alt, ich hatte noch nicht den -
Muth, mir ein Leben, eine Zukunft für mich' selbst
zuzuerkennen. Ich wurde die Gattin des Marquis,
die Cousine der Herzogin. Man beneidete mein Loos,
man lobte meine Fügsamkeit, die erhöhte Liebe meiner
verehrten Eltern, die größte Zärtlichkeit meiner Brüder
lohnten mir das Opfer, das ich gebracht hatte, und -
ich war zufrieden. Ich glaubte damals, man könne
die Liebe vergessen; es schmeichelte mir, einen der großen

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Namen Frankreichs zu tragen und die nahe Verwanldte
der allmächtigen Herzogin zu werden. Da traten Sie
auf's Neue an mich heran, und Ihr Schmerz machte
mir klar, was ich verloren hatte, er erweckte mein eigenes
Herz. Aber es war zu spät. Unter Ihren und mei-
nen Thränen schwur ich, Ihnen ='
,FFranziska, nur daran erinnere mich nicht!'' rief
Graf Joseph, ,sprich es nicht aus, daß du mir ange-
lobt, mein Ideal zu bleiben, da Du mein Weib nicht
werden konntest! denn auch dies, auch dies Versprechen
hast Du schlecht gehalten !''--
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Sie schwiegen Beide, dann sagte der Graf: ,Die
Tage der Jugend, der Täuschungen liegen hinter mir.
Ich bin nicht mehr der glückliche Jüngling, der einst
zu dem Weibe wie zu einer Gottheit emporschaute, ich
habe das Weib kennen gelernt in seiner Schwäche -
aber ich vermag mich dessen nicht zu freuen. Dich zu
sehen, Dir zu folgen, stürzte ich mich in den Kieis
des Hofes, für dessen Glanz und Schimmer Du mich
aufgeopfert. Ich sah, wie Du verarmten Herzens nach
Zerstreuung suchtest, ich sah, wie Du, hineingezogen
in den Ehrgeiz Deiner neuen Familie, Dir selbst nur
noch ein Mittel zur Erreichung Deiner Zwecke wgrst;
und doch wollte ich mich darüber täuschen, doch wollte
ich Andern verbergen, was ich mir selber nicht verhehlen
konnte, daß Du der Liebe nicht mehr werth warst, die

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ich für Dich in meinem Herzen nicht ertödten konnte. !
Er hielt abermals inne, und abermals entstand eine
Pause.
Die Marquise hatte sich in zorniger Bewegung er-
hoben und sich wieder niedergesetzt, als wolle sie- sich
zur Geduld zwingen, indeß ihr Auge fing an, sich
spähend auf die Thüre zu richten, durch welche der
Graf gekommen, und die leise, aber schnelle Bewegung,
mit welcher sie den geschlossenen Fächer öffnete. und
wieder zusammenfaltete, zeigte, wie wenig ihre Gedan-
ken bei der Unterredung waren, wie antheillos ihr
Herz sich dabei verhielt, und wie ungeduldig sie den
Schluß derselben ersehnte.
,Wir müssen ein Ende finden, Graf!' sagte sie
plötzlich, indem sie wieder aufstand, ,und Sie sollen
deutlich in meiner Seele lesen. Sie selbst haben es
ausgesprochen, ich bin nicht glücklich. Sie haben auch
darin Necht! Die Zerstreuung, nach der ich hasche,Ndie
Galanterien, in die ich mich verstricke, sie, befriedigen
mich nicht, sie erfüllen den Zweck nicht, mich vergessen
zu machen, daß ich mein wahres, mein einziges Glück
mit dem hochfahrenden Leichtsinn der Jugend, mit der
schwachen Abhängigkeit des unerfahrenen Mädchens
unwiederbringlich verscherzt habe. Wenn dies Gefühl
mich bisweilen überwältigte, wenn ich Ihnen zu Zeiten
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nicht genug verbarg, wie ich noch immer an Sie ge-
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fesselt war: wollen Sie, eben Sie mich dafür tadeln?
Und wenn die Scheu, dies Geheimniß dem Auge
meines Gatten, dem Auge der Welt verrathen zu sehen,
mich dazu antrieb, mich irgend einer Bewerbung, einer
Galanterie geneigk zu zeigen, von der meine Gedänken
fern, wer weiß wie fern waren, wollen Sie mir daraus
ein Verbrechen machen? Sollte ich es preisgeben, das
stille, unselige Geheimniß meines Herzens? Und; war
es an Ihnen, mir den Trost Ihrer Nähe durch dies
traurige Duell mit jenem Knaben zu entziehen,, der
keinen andern Werth in meinen Augen hatte, alsj den,
meinem Gatten ein angenehmer Gesellschafter zu, sein
ihm keinen Argwohn einzuflößen und mich mis der
Herzogin in gutem Einvernehmen zu erhalten, wäh-
rend er unserm Hause und unsern Interessen zugleich
die Gunst des Grafen von Artois sicherte, dessen er-
klärter Liebling er fast seit seiner Kindheit, ge-
wesen istF
Graf Joseph lächelte bitter. ,So klar raisonniren,
so geschickt rechnen zu können, muß man sehr freien
Herzens sein!' entgegnete er ihr.
Muß man ein Sklave seiner Verhältnisse sein!!
gab sie ihm zur Antwort., Sie kennen, Sie beur-
theilen meine, unsere age nicht richtig, Graf! Sie sind
unabhängig, sind ein freier Mann, Sie dienen dem
Könige, weil Ihr Vater ihm diente, weil es Ihnen


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- so gefällt; aber Ihre Zgkunft liegt nicht ausschließlich
, in der Hand des Königes. Jenseits der Alpen ist
ihnen eine Heimath, ist! Ihnen ein freier, reicher Be-
siz unverlierbar gewiß. Ich hingegen bin hier festge-
bannt, ich und die Meinen sind an den Hof, sind an
den guten Willen der Herzogin gekettet, sind einzig
auf die königliche Gnade angewiesen, denn der uner-
, läßliche Aufwand unseres!Standes und die prachtlieben-
den Neigungen meines Gatten haben mein Erbe schnell ; ? -
perschlungen, und ich stehe nicht allein. Ich habe Kinder.
Jung wie diese Kinder jezt noch sind, werdenssie doch ! -
einst eine Zukunft, eine Stellung von mir fordern. ? j

Die Herzogin kann ihnen dieselbe leicht vermitteln, wird
sie ihnen schaffen; aber sie ist stolz auf ihren Namen,
stolz auf die Ehre der Frauen in ihrer Familie. Scharf-
sichtig ahnt sie, daß unter allen Männern dieses Hofes
Sie der Einzige sind, dessen Nähe meinen Frieden
s stört, dessen Nähe mir gefährlich ist. Wie sehr ich
mich bemühte, diesem Argwohn zu begegnen, es gelang
mir niemals, ihn völlig zu zerstreuen - und Ihr
Duell an diesem Morgen hat mit einem Schlage ver-
nichtet, was jahrelange Zurückhaltung und Vorsicht
mir gewonnen.!
Sie näherte sich dem Grafen, legte ihre Hand
leise auf seine Schulter und sagte, indem sie ernst und
bittend in sein Auge blickte: ,Ich habe Sie und mich

!
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Kaua=-
um Glück betrogen; müssen Sie mich deshalb ganz
verderben? Soll zu dem Schweren, das mein eigenes,
Verschulden mir auferlegt, mich noch die Angst um Sie
belasten? Ich muß es Ihnen wiederholen, der Graf
von Artois ist auf das Aeußerste erzürnt über die ;
Verwundung seines Günstlings; die Herzogin, welche s
diesen Neffen, den einzigen Sohn ihrer früh verstor-
benen Schwester, mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit liebt
und die weitgehendsten Plane für ihn und seine Zu-
kunft geschmiedet hat, besizt das Ohr des Königs durch
die Königin. Schon heute früh erfuhr die Königin
durch sie, was sich ereignet, und als die Herzogin dann
die Majestät verließ, als ich vor dieser zu erscheinen
hatte, da fühlte ich, daß die Königin Alles wußte, daß
die Herzogin meinen Namen genannt. Ich fühlte den
Boden unter meinen Füßen nicht mehr sicher, ich em-
pfand es, daß der Sturm, der sich gegen Sie, mein
Freund, erhebt, nicht Sie allein vernichten wird, wenn
Sie sich nicht entfernen.'!
Der Graf hatte ihr schweigend zugehört, und ih.
Worte verfehlten die beabsichtigte Wirkung nicht. Von
den wechselndsten Empfindungen umhergeworfen, von
der Schönheit des immer noch geliebten Weibes wie
von ihren Geständnissen gerührt, so oft sie ihn auch
schon getäuscht hatte, und vertraut genug mit den
Verhältnissen des Hofes, um zu wissen, daß Franziska's
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4!
Schicksal sich wirklich in den Händen der Herzogin be--
fand, fragte er sich überwindend endlich:,Was soll
ich thun? was fordern Sie von mir, Franziska??,
Die Marquise athmete auf. Es war hohe Zeit!
iief es in ihrem Innern, aber sie faßte sich, sie wwurde
ruhiger, nun sie sich ihrem Ziele nahe glaubte. ,Fliehen
s
F Sie, Joseph, fliehen Sie noch diese Nacht!'' beschwor
? sie ihn im weichsten Tone ihrer melodischen Stimmme.
s ,GGönnen Sie Ihren Freunden Zeit, für Sie zu wir-
ken. Der König schäzt Sie, der Graf von Artois. ist
ß nicht unversöhnlich. Bleiben Sie fort, bis der Zu-
z ftand des Chevalier de Lagnac sich entscheidet, bis die
Gefahr vorüber, bis er genesen ist;' und er selbst, ich
s suege Abnen bafür, ee feus-
Der Graf trat plözlich zurück, und mit einer Kälte,
z welche schneidend gegen seine bisherige Stimmung con-
trastirte, sagte er:,O ja! der Chevalier von Lagnaa
wird, ich bin deß sicher, auf Ihre Bitte, meine gnädige
Frau, mir vom Könige die ßerzeihung für die Lection
zu schaffen wissen, die er heut von mir erhalten hat.
Dann aber, gnädige Frau, dann lehren Sie ihn auch
die Ehre der Frauen, die sich ihm anvertrauen, besser
zu bewahren, heiliger zu halten, als er es bisher ge-
than hat.'
Er verneigte sich und wendete sich der Thüre zu.
Die Marquise fuhr bei seinen lezten Worten zusammen.

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Das Gefühl des nahen Triumphes, das auf ihrer
stolzen Stirne geleuchtet, die Röthe der Aufregung,
welche ihre Wangen bedeckt, wichen plötzlich von ihr.
Sie verlor die Fassung. Sie wollte sprechens das
rechte Wort aber bot sich ihr nicht dar, und dhch hollte
sie ihn so nicht scheiden lassen. Schon thai sje den
Schritt, ihm zu folgen, ihn zu halten, schon öffneten
sich ihre Lippen, ihn noch einmal zurüczurjfen, als
eine plözliche Neberlegung sie davon abstehen leßh Die
Hand fest auf den Tisch gestüzt, das Auge fest auf
den Scheidenden gerichtet, so verweilte sie hn ihrem
Plaze. Sie kannte das Herz des Grafen aus langer
Erfahrung, sie wußte, daß er nicht gehen werde, ohne
sein Auge noch einmal auf sie zu richten, und sie hatte
sich darin nicht betrogen.
Als unter der Thüre seine Blicke noch einmmal zu
dem geliebten Weibe zurückkehrten, sah er,, wie ihre
starre Gestalt zusammenbrach. Der Anblick verichtete
seinen Entschluß. Seiner selbst nicht mächtig, stürzte
er zurück und warf sich vor ihr nieder. Sie hatte
ihr Gesicht in ihr Tuch verhüllt. Er ergriff ihre
Hände und bedeckte sie mit seinen Küssen. Da neigte
sie ihr Antliz auf sein Haupt herab, als wolle sie ihm
den Anblick ihrer Bewegung entziehen, und miit den
J, F ==- - =- ===== =
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