Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 23

Sechstes Capite l.
,angsam und zerstreut ritt Herbert die Straße zurück,
welche er am Morgen in so heiterer Stimmung durchmessen
hatte. Er dachte an den Bau und an gewisse Berechnungen,
welche er dem Freiherrn aufzumachen hatte, aber er rechnete
ichwer, er verrechnete sich öfter; die Zahlen, die Maße wirrten
sch ihm in einander, und dann ertappte er sich bisweilen auf
iener Zerstreutheit, in welcher es uns scheint, als sei in unserem
Denken ein Stillstand, eine Leere eingetreten, und in der wir uns
fmagen: Was habe ich denn eigentlich gedacht? - weil die Reihe
unserer Vorstellungen so blizschnell an uns vorüber zieht, daß
wir sie nicht festzuhalten im Stande sind und uns nur, man
möchte sagen, des unwillkürlichen Erleidens einer unwillkürlichen
Thätigkeit bewußt werden. Das ist ein quälender Zustand, und
auch unsere Sinne werden in der Regel von demselben ergriffen,
denn was wir in solchen Augenblicken sehen und vernehmen,
gletet anscheinend auch unerfaßt an uns vorbei, und doch kann
B geschehen, daß man sich nach Monaten, nach Jahren irgend
eines Eindruckes bewußt wird, den man in solcher Stunde
empfangen hat.
Das Pferd, welches fühlte, daß es sich selber überlassen
. machte sich das zu Nutze. Der Tag war so drückend heiß,
nd, den Schatten der Bäume suchend, ging das Thier in
Itichmäßig ruhigem Schritte der wohlbekannten Heimath zu
Vnbert hing nachlässig im Sattel. Die Sonne brannte her-

- ZZG--
nieder, aber er schien sie nicht zu fühlen. Er dachte an den
linden Abend und an die frische Kühle der letzten Nacht, oder
vielmehr, er dachte nicht an sie, sonder er empfand sie noch
erquickend. Es war ihm, als träume er, aber als träume er
einen schönen, glücklichen Traum, und er wußte doch nicht,
was dieser ihm bringe oder biete. Alles war nebelhaft, Alles
warm und beseligend. Er hätte nur immerfort so weiter reiten
mögen, immerfort, immerfort!
Da mit einem Male wehte es ihn kühler und erfrischend
an. Eine Wolke war über die Sonne hingezogen, sie verhüllte
ihr Licht. Der ganze Himmel hatte angefangen sich zu bedecken,
ein leiser trockener Wind erhob sich. Herbert sah umher: er
war nicht weit mehr von Richten, er konnte das Schloß deut-
lich in allen seinen Einzelheiten unterscheiden. Grade so hatte
er es damals erblickt, als er vor Jahren zuerst des Weges
gekommen war. Damals!
Es dünkte ihn sehr lange her zu sein, jener Tag, demn
damals war Alles anders gewesen, als jetzt, Alles anders! Noch
gestern war es anders gewesen -- noch heute früh!
Was hatte er denn gedacht seit gestern? Weshalb hatte
er denn die Nacht so wundersam verträumt, und was hatte
ihn so umgewandelt seit einer Stunde?
Das Blut schoß ihm zu Kopfe, er fuhr auf. Das Pferd.
durch einen straffen Zügelgriff aus seiner freien Lässigkeit auf-
geschreckt, sprang, sich bäumend, in die Höhe. Der Widerstand
kam Herbert eben recht, und mit scharfem Spornstoß das Thier
zusammennehmend, trieb er es vorwärts, daß es weit ausgrift
und ihn gestreckten Laufes leicht dahintrug.
Zu ihr! das war die ganze Antwort, welche er sich z
geben wußte.
Ein leidenschaftliches Verlangen brannte in seinem Blute,
er mußte lachen, wenn er sich erinnerte, welche Rolle er gestern

-=- ZZ? --
neben Angelika gespielt hatte. Er war sehr entschlossen, nicht
ieder als ein blöder Schäfer vor der vornehmen Dame zu
erscheinen, welche sich über das Unglück ihrer Ehe zu trösten
begehrte. Er mußte darüber lachen, daß er dies nicht selbst
gesehen hatte, daß ihm die Hingebung nicht auffallend gewesen
war, mit welcher Angelika sich seiner Tröstung, sich seinem
Schuze überlassen hatte; und, so wechselnd ist der Sinn des
Menschen, so leicht bestimmbar die heiße Phantasie der Jugend:
er, der gestern in reinster, verehrender Liebe sein Herz der un-
glüclichen Fran zugewendet hatte, er versprach sich jetzt mit
leidenschaftlichem Feuer, es der schönen Baronin zu beweisen,
daß er nicht mit sich spielen lasse und daß er der Mann sei,
z begehren und zu gewinnen, was ihre Hingebung ihm zu
verheißen geschienen.
Im Schlosse angelangt, konnte er die Stunde nicht er-
warten, da er sie wiedersehen sollte. Der Freiherr, welcher
von seiner Rückkehr unterrichtet worden war, ließ ihn rufen,
um von ihm zu hören, wie er mit dem Steine und der Be-
arbeitung desselben durch seine Neudorfer Leute zufrieden ge-
wesen sei. Herbert mußte Auskunft geben, aber er hatte Mühe,
dies mit der nöthigen Ruhe zu thun, denn es war öfter vor-
gelommen, daß Angelika sich solchen Besprechungen in dem
Znnmer ihres Gatten unerwartet zugesellt hatte, und er meinte
von Minute zu Minute den Schritt der Baronin, das Rauschen
ihrer Gewänder zu vernehmen. Indeß sie kam nicht. Das
dedroß den jungen Mann. Er wünschte sie zu sehen, weßhalb
gewwährte sie ihm die Freude nicht?
Als er von dem Freiherrn entlassen wurde, fragte er nach
dem Ergehen der gnädigen Frau Baronin und sprach die Hoff-
ng aus, daß der Gang nach der Höhe ihr nicht geschadet
dben werde. Der Freiherr nahm die Sache leicht. Es ist
Püclicher Weise nur eine kleine Nebermüdung bei dem Spiel,
Lewald, Von Geschlecht zu Geschlecht. l.

-= ZZ--
sonst nichts, sagte er, und ich bin sicher, daß wir die Baronin
heute wieder unter uns sehen werden, denn sie befand sich diesen
Morgen wohl.
Das hatte Herbert nur hören wollen, und er fing nun
an, sich auf den Mittag zu vertrösten. Aber der Mittag kam,
die Hausgenossen fanden sich zusammen und die Baronin fehlte.
Was soll das bedeuten? fragte er sich.
Er hatte seinen Platz, wenn sonst keine Gesellschaft vor-
handen war, zwischen dem Marquis und dem Gaplan. Er
erkundigte sich bei diesem Letzteren nach dem Grunde, der die
Baronin von der Tafel entfernt halte, und erhielt den Bescheid,
daß Renatus sich nicht wohl befände und Muttersorge Angelila
bei dem Kinde festhalte.
Herbert mußte seine Enttäuschung nicht gut verborgen haben,
denn der Marquis sah ihn mit einem nicht mißzuverstehenden
Lächeln an, von welchem Jenem das Blut in die Wangen stieg.
Der Amtmann hatte sich also nicht geirrt, auch der Marquis
dachte von Angelika nicht anders, als von den anderen Frauen
seines Standes.
Um der Baronin willen, die sich von dem Kinde nicht
trennen mochte, blieb man nach dem Mittagbrode nicht
beisammen; auch der Abend und der ganze folgende Tag
verstrichen, ohne daß Herbert sie sah. Er fragte im Laufe
desselben den Kammerdiener nach dem Knaben; der schien
aber gar nicht daran zu denken, daß dem Kleinen etwas
fehle, denn er sagte gleichgültig, der junge Herr spiele und
sei munter.
Herbert glaubte zu bemerken, daß der Freiherr mißmuthig
sei, es kam ihm auch vor, als beobachte die Herzogin ihn mehr
als sonst; indeß er war selbst zu aufgeregt, sehr darauf z
achten, denn jetzt erfuhr er es ja selbst, auch Angelika war nur
eine herzlose Coquette, die, wie diese Frauen alle, ihre Freude

-=- ZZß-
daran hatte, seine Sehnsucht durch ihre berechnete Entfernung
anzufachen und zu steigern.
Der nächste Tag brachte den Sonntag, an welchem nach
beendeter Roggenernte das kirchliche Dankfest für dieselbe gefeiert
werden sollte. Da man seit der Bekehrung der Baronin auch
srenger als früher auf die Kirchlichkeit der protestantischen Die-
nerschaft hielt, so hatte man Morgens die Dienstleute, welche
man irgend entbehren komnte, in die Kirche nach Neudorf ge-
schickt, und oben in der Schloßcapelle hielt der Caplan für die
Herrschaften den gewöhnlichen Gottesdienst.
Es war dadurch sehr still im Schlosse, und Herbert fühlte
sch allein und innerlich gequält. Er sehnte sich noch immer
nach einem Zusammensein mit der Baronin und sann doch
darüber nach, wie er ihr die Pein vergelten wolle, die er
eben um sie duldete. Er wußte nicht, ob er sie liebe oder
hasse, und solches inneren Zwiespaltes ungewohnt, schalt er
sch unmämnlich, weil er sich aus demselben nicht sogleich
befreite.
Unzufrieden mit sich selbst, stand er am Fenster und be-
obachtete, wie vom Hofe die Leute nach der Kirche gingen, wie
se sich in Paaren, in Gruppen zusammenfanden, Jeder mit
sdinem Nächsten, seinem Freunde, und er war hier allein. Sein
Zmmer, die alterthümlichen Möbel, die alten Oelgemälde sahen
in so düster an, sein Aufenthalt in dem Schlosse ward ihm
zwwider. Er war hier nicht heimisch, man brauchte ihn eben
aur; es kam ihm eine Sehnsucht nach Zuständen an, in die
tr hmeingehörte, nach Menschen, mit denen er frei verkehren
mnie, und schnell, wie man sich im Mißmuthe zu entschließen
degt, sezte er sich an den Schreibtisch und bat den Freiherrn,
hn iür die nächsten Tage gnädigst zu beurlauben, da er ein
Ienig in der Umgegend umherzustreifen und sie kennen zu lernen
nsche. Der Besuch der Steinbrüche habe ihn dazu verlockt,
A

J10
und er werde nicht ermangeln, sich nach ein paar Tagen wiede
einzustellen.
Das Schreiben übergab er dem Kammerdiener des Barenz
hing eine leichte Tasche über die Schulter, und trat mit lach
dem Selbstbewußtsein den Weg nach dem Amthause an, enzüt
über seinen schnellen Entschluß, erfreut über die Kränlun;
welche er nun seinerseits der Baronin zuzufügen hoffte, un
angenehm bewegt von der Aussicht auf den guten Empiag
und die einfach frohen Stunden, die ihm im Amthause nch
fehlen konnten. Mußte er sich doch ohnehin bei den Geshwißen
die das Haus voll Gäste hatten, entschuldigen, weil er, ver
seiner Aufregung hingenommen, ihrer Einladung zum Ernte
feste ganz vergessen hatte.
Im Schlosse nahm man nach dem Gottesdienste das Fn-
stück ein, als der Kammerdiener dem Freiherrn das Schreibn
des Architekten brachte. Er las es und legte es bei Set.
aber da auf dem Lande ein Brief zu unerwarteter Stunde imn
ein Ereigniß ist, fragte Angelika, was es gebe.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme, sagte der Baten
scherzend. Herbert hat neben manchen anderen guten und ü
tigen Eigenschaften von seinem Vater offenbar auch die Anial
von plötzlicher Wanderlust geerbt. Erinnern Sie sich, ieh
Gaplan, wie sein Vater uns in Jtalien bisweilen plötzlih
verschwinden pflegte?
Ist Monsieur Herbert abgereist? fragte der Marguis I
habe ihn in der Frühe gesprochen, und er hat an Reisen. ?
viel ich merken konnte, nicht gedacht.
Er schreibt mir, daß er sich in der Umgegend um
wolle, und bittet mich, ihn für ein paar Tage zu beuran
Die Baronin schien auf den ganzen Vorgang nI ?
achten, aber sie wurde roth, als der Marquis sie ansah.
die Herzogin beobachtete, daß sie nach einiger Zeit das 7

--- I! - -
in die Hand nahm, es las und es dann auf die Seite legte.
Sie war sehr zerstreut, und der Marquis, dessen gute Laune
sich daran steigerte, war eifrig um sie bemüht. Seine feinsten
Complimente und seine witzigsten Einfälle vermochten sie jedoch
nicht zu fesseln, und als der Baron einen Besuch in der Nach-
barschaft vorschlug, wünschte Angelika sich von demselben aus-
zuschließen, obschon ihr Gaite ihre Sorge um den Knaben eine
völlig aus der Luft gegriffene und unberechtigte nannte. Wie
sie aber bei ihrem Vorsatze beharrte, ließ es sich die Herzogin
nicht ausreden, ihr Gesellschaft zu leisten, und eine Meisterin
in der Unterhaltung, mußte sie heute die Kosten derselben, als
sie sich mit der Baronin dann allein fand, fast ausschließlich
tragen, denn Angelika war und blieb zerstreut.
Die Herzogin erzählte von ihrer Heimath, von ihren Freun-
den, von deren Schicksalen und Herzenserfahrungen, und kam
so endlich auf sich selbst und auf ihre Jugendzeit zu sprechen.
Indeß auf diesen Punkt gelangt, hielt sie mit einem Male
imne, als gewahre sie erst jetzt, daß die Baronin ihr nicht folge.
Es entstand also eine Pause. Angelika, durch dieselbe auf ihre
Zerstreutheit aufmerksam gemacht, rückte, um ihre Unhöflichleit
z verbergen, ihren Sessel an den Lehnstuhl der Herzogin heran
und fragte, weßhalb sie ihre Mittheilungen so plötzlich unterbreche.
Die Herzogin reichte ihr die Hand, so daß Angelika ge-
nöthigt wurde, sich ihr vollends zu nähern. schlug den Arm
nm den Hals der jungen Frau und sagte: Ich dachte an Sie,
meine Theure, denn meine eigenen Erinnerungen geben mir
den Maßstab für das, was Sie bewegt. Armes Kind, wenn
Sie Vertrauen zu mir hätten, Sie, die ich Einsame wie eine
Tochter liebe! Wenn Sie das Vertrauen theilen könnten.
delches der Baron mir treu erhalten hat und das ich zu ver-
dienen weiß!
Angelila war von dieser Wendung des Gespräches über-

-=- ZgL-
rascht. Vertrauen? rief sie; o gewiß, meine Freundin, ich ver-
traue Ihnen! Aber was bestimmt Sie zu der Frage?
Sie wollte, von imnerer Unruhe getrieben, sich erheben,
die Herzogin hielt sie davon zurück. Der Zustand, in welchem
ich Sie sehe, meine theure Angelika, die Gemüthsbewegung, in
der Sie sich unwerkennbar befinden! sagte sie und brach aber-
mals in ihrer Rede ab, denn sie wollte der Aufregung, in die
sie Angelika versetzt hatte, Zeit zum Wachsen lassen und ab-
warten, wozu diese selbst sich entschließen würde. Aber die
Baronin war strenger gegen sich, als Jene erwartet hatte. Sie
schien sprechen zu wollen, schwieg dann wieder und sagte
endlich mit einer Fassung, die ihr offenbar schwer wurde, ihrem
edeln Wesen aber sehr wohl anstand: Ich glaube an die Freund-
schft, theure Herzogin, die Sie für uns hegen; gewiß, ich
glaube fest daran! Es giebt jedoch Dinge, die man nur mit
sich selbst, mit sich selbst und mit seinem Goite zu berathen
und abzumachen hat, und was mich bewegt, gehört eben in
den Bereich solcher Dinge. Denten Sie also nicht übel von
mir und halten Sie mich nicht für undankbar, wenn ich
die Hülfe, welche Sie mir bieten, in diesem Augenblicke nicht
benutze.
Sie drückte dabei der Herzogin zum Zeichen des Danles
die Hand, aber sie erhob sich. Die Herzogin, welche es J
mandem nicht leicht verzieh, wenn er ihren Voraussetzungesl
nicht entsprach, preßte unmerklich die schmalen, feinen Liippen
zusammen, und unter den halbgeschlossenen Augenlidern schoß
ein Blick hervor, der gewillt schien, nicht von dem Gegenstande
abzulassen, welchen er sich zur Beute ausersehen hatte. I
ihren Sessel zurücgelehnt, den Kopf gegen seine Kissen gestiütl-
so daß sie Gelegenheit hatte, den noch immer schönen Fuß wess
von sich gestrect unter dem Falbalas ihres Kleides hervorsehe
zu lassen, nahm sie aus dem Strauße, der in der chinesischesk

- ZHZ-
Vase an ihrer Seite stand, eine volle Rose hervor, die sie bald
gegen ihr Gesicht drückte, als kühle sie sich damit die Stirne
und athme den Duft ein, und bald an der Spitze des Sten
gels zwischen ihren Fingern auf und nieder bewegte, wie Jemand,
der an sein äußeres Thun nicht denkt.
So verging eine geraume Zeit. Angelika, die sich nicht
hatte entfernen wollen, um nicht den Schein des Mißmuthes
auf sich zu laden, saß wieder vor ihrem Stikrahmen; aber ihre
Gedanken arbeiteten schneller, als ihre Hand, und sie mußten
weitab von dieser Stelle gewesen sein, demn sie erschrak, als
die Herzogin sie sanft mit ihrem Namen anrief.
Angelika, wollen Sie mir erlauben, mich zu rechtfertigen?
fragte sie. Die Baronin versicherte, daß es keiner Recht-
ferigung bedürfe, aber die Herzogin beharrte bei ihrer Absicht.
Demn, sagte sie, ich bin gezwungen, aus Reigung und Dank-
barkeit gezwungen, meine theure Angelika, mich in das Ver-
krauen zu drängen, das Sie mir verweigern. Ich habe, wenn
auch nicht im Auftrage, so doch in Bezug auf Ihren Gatten
mit Ihnen zu sprechen. Der Baron hat mir vor längerer
Zeit es einmal mitgetheilt.. - -
Die Baronin wollte sie unterbrechen, aber die Herzogin
wiederholte schnell und bestimmt: Der Baron hat mir einmal
mitgetheilt, in wie grausamer Weise der Friede und die Heiter-
leit Ihrer Flitterwochen getrübt worden sind, mein liebes, armes
sind, und ich weiß Alles, was zwischen Ihnen damals vor-
gangen ist.. . -
Ich bitte Sie, rief die Baronin, der das Roth des Zor-
ses und der Scham die Wangen färbte, ich bitte, Frau Her-
iin, schonen Sie mein Empfinden! -- Sie stand abermals
k, um nun wirklich das Zimmer zu verlassen, aber auch die
Inzogin hatte sich erhoben, und die junge Frau bei der Hand
chmend, sprach sie mit leisem ernstem Tone: Nicht um die

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Schonung eines augenblicklichen Empfindens, es handelt sich um
die Zufriedenheit des Mannes, dessen Namen Sie tragen, um
seine und Ihre Zukunft, wenn Sie es nicht lernen, sich zu
fassen, sich zu beherrschen und der Welt zu verbergen, was ihr
verborgen bleiben muß!
Nichts ist so leicht zu zerstören, als die Willensfreiheit
eines edeln Herzens, welches sich schuldig weiß oder schuldig
glaubt. Bestürzung, Schrecken, Zorn machten die Baronin
stumm. Erst als ihre Gefährtin inne hielt, vermochte sie die
Frage vorzubringen: Und mir dies zu sagen, Frau Herzogin,
hat der Freiherr Sie ersucht?
Aber auf solche natürliche Frage war die kluge Herzogin
gefaßt gewesen. Nein, versetzte sie, nein, mein Kind! er hat
mich nicht dazu beauftragt, aber ich glaube, daß Gott uns
immer dahin stellt, wo wir zu nützen berufen sind, und ich
möchte die Freundschaft verdienen, deren Segen ich hier genieße.
=- Sie schwieg eine Weile und sagte darauf: Verzeihen Sie
einer alten Freundin Ihres Mannes, einer Verwandten, den
Muth ihrer Freundschaft. Sie sind jung, mein theures Kind!
Sie sind unerfahren, das macht Sie uwworsichtig. Man ver-
giebt uns viel, man forscht nicht nach, wenn wir unsere Ge-
heimnisse bewahren und ehren; man verzeiht uns nichts, man
bürdet uns alles Ersinnliche auf, wenn wir sie unvorsichtig Prei?
geben -= und dies, meine Beste, thun Sie!
Die Zuversicht der Herzogin trug den Sieg davon. Angelila
ließ sich müde auf das Sopha sinken, die Herzogin sezte sich
an ihre Seite, und als stände ihr ein mütterliches Recht zu.
sprach sie: Sie haben beim Beginne Ihrer Ehe eine jener
schmerzlichen Erfahrungen gemacht, welche das Leben uns Frauen
oftmals auferlegt; aber statt sie schweigend zu tragen, statt
durch Ihre Güte und Liebenswürdigkeit den Baron vergesse
zu machen, daß er eine Vergangenheit gehabt hat, die Ihnen

-- 6gJ--
nicht gehörte, hat Ihre Strenge seinen imnern Kummer gestei-
gert, daß er ihm fast unterlegen wäre, und Ihr Uebertritt zu
unserer Kirche und der Kirchenbau - wie sehr ich beide segne
-- haben die Menschen doch tiefer in das Wesen Ihrer Ehe
blicen lassen, als gut gewesen ist. Es hätte ja das Alles ein
wenig später, ein wenig gelegener geschehen können, und Sie
hätten den Baron und sich deßhalb nicht für eine lange Zeit
zur Einsamkeit verdammen dürfen!
Die Höflichteit, die Rücksicht auf die ältere Frau, welche
Angelika bewogen, schweigend auszuharren, fingen an, ihre Frucht
zu tragen. Ihr Zorn legte sich, denn es war etwas in den
Reden der Herzogin, dessen Wahrheit sie nicht leugnen konnte.
Sie stüzte den Kopf in die Hand, man sah ihr an, daß ihre
ehrliche Natur mit sich zu Rathe ging.
Der Baron ist ein edler, ein großherziger, er ist noch ein
schöner, ein liebenswerther Mann, nahm die Herzogin nach
einer Weile wieder das Wort; aber freilich, er könnte Ihr
Vater sein, und wie willig Sie sich ihm verbanden, Sie konn-
ten ihn nicht lieben, wie die Jugend die Jugend liebt. Die
Baronin fuhr leise zusammen. Sie konnen noch weniger für
ihn die Nachsicht haben, welche wir Aelteren unsern Alters-
genossen und der Jugend beweisen. Gewiß, liebe Angelika!
sagte sie mit jener weichen Stimme, deren Klang, wenn sie es
wollte, unwiderstehlich zum Herzen dringen konnte, Sie waren
ncht gütig, nicht nachsichtig genug mit dem Baron. Sie sind
auch jetzt nicht genug bemüht, ihm zu gefallen; denn wäre es
aöglich, daß ich die ßreundschaft Ihres Gatten in solchem
Grade besäße, theure Angelika, wenn Sie sich ihm so jung
und liebenswürdig zeigten, als Sie sind? =- Und die Hände
der Baronin noch einmal in die ihren nehmend und sich mit
dejorgter Zärtlichkeit zu ihr neigend,sprach sie: Oder wäre es
denn möglich, daß Sie Ihr Herz an einen Andern, an einen

=- Zgß--
Mann ganz ohne Rang und Namen verlieren könnten, wemn
Sie. . - -
Aber sie konnte den Satz nicht vollenden. Um aller Hei-
ligen willen, woher wissen Sie das? rief die Baronin, während
sie unter hervorbrechenden Thränen ihr Antliz mit ihren Hän-
den verhüllte. Die Herzogin schloß sie in ihre Arme, ohne ihr
zu antworten. Sie legte das Haupt der Weinenden an ihre
Brust, und sie leise küssend, bat sie: Muth, Mutmh, mein
theures Kind! Nur ein wenig Vertrauen, und es ist nichts
geschehen!
Angelika weinte still. Nach einer Weile richtete sie sich
empor. Was soll ich thun? rief sie. . - -
Die Herzogin antwortete ihr nicht, denn sie wünschte ihr
keinen unwillkommenen Rath zu geben. Was wird er von
mir denken? In welchem Lichte muß ich ihm erscheinen! hub
die Baronin nach kurzem Schweigen wieder an.
Sie war aufgestanden und ging nachsimnend in dem
Gemache umher. Die Herzogin betrachtete sie mit einer Zu-
friedenheit, in die sich Mitleid und Erstaunen mischten. Auf-
gewachsen in einer Welt, in welcher man den Ehebruch so
leicht nahm, als man sich der Gewalt der Leidenschaft über-
ließ, glaubte sie aus dem Schmerze der Baronin auf deren
thatsächliche Untreue gegen ihren Gatten und auf ein Verhält-
niß zu dem Architekten schließen zu dürfen, das schon lange be-
standen haben mußte. Aber Angelika verlor dadurch in ihren
Augen nicht, sie gewann vielmehr erst eine rechte Bedeutung
für sie, denn jetzt wurde die Herzogin der Baronin unentbehr-
lich, jetzt hatte die Herzogin sie auf dem Punkte, auf dem sie
sie einst anzutreffen gehofft, auf den sie selbst die Arglose hin-
geleitet hatte.
Plötzlich knieete die Baronin vor der älteren Freundin
nieder, umschlang sie mit ihren Armen und bat mit gerührter

= Zg? --
Stimme: Helfen Sie mir, rathen Sie mir, Cousine! Was
soll ich thun, mich aus diesem Wirrsal meines Herzens zu
befreien?
Sie sollen vertrauen, sprach die Herzogin, sie sanft an
ihren Busen ziehend, einem Mutterherzen sollen Sie vertrauen,
das Sie warnte, Sie in der ersten Stunde warnte, da die
Gefahr an Sie herantrat, und das Sie verstand und Ihnen
folgte, auch ohne daß Sie sprachen, theures Kind! Oder glau-
ben Sie, ich hätte es nie erfahren, wie gegen unsern Willen
unsere Gedanken zu dem geliebten Gegenstande hingezogen
werden, den sie meiden wollen? Glauben Sie, ich hätte sie
nie gekannt, die abmahnende Scheu, die wie ein trüber Morgen-
nebel der hell aufflammenden Leidenschaft vorangeht? -- O,
mein theures Kind, auch mir ist es nicht erspart geblieben, das
ernste Kämpfen, das lange Zagen und das Unterliegen des
armen, gequälten Herzens! Und ich sollte Sie verkemnen, Sie
verdammen, Sie verlassen, theures, theures Kind?
Sie umarmte Angelika aufs Neue. Mit feurig beredtem
Worte sprach sie aus, was Angelika sich selber keusch ver-
schwiegen, ja, was zu denken sie sich nie gestattet haben würde.
Aber es waren selige Thränen, mit welchen sie endlich, von
der Herzogin weit und weiter fortgerissen, derselben rüchaltlos
bekannte, was sie sich in solcher Weise nie eingestanden hatte:
daß sie Herbert liebe, schon lange liebe, daß sie für ihn fühle,
was sie nie für den Baron gefühlt habe, und daß um den
geliebten Mann zu leiden ihr noch eine Womne, ein Genuß sei.
Die Herzogin lächelte und tröstete wie ein Engel mild.
Sie warnte und sprach ihr Muth ein, sie ermahnte zur Ent-
Igung und gab Hoffnung auf Glück, wie Angelika's wechselnde
Bewegung es begehrte. Volle Nachsicht mit ihrer Schwäche
häte die Gewissenhaftigkeit der Baronin mißtrauisch gegen die
Beratherin gemacht, volle Strenge sie zu ernstem Kampfe ge-

- - Sgs-
drängt oder ihr wohl gar den Mund verschlossen; und nicht
um den Frieden, nur um das Vertrauen Angelika's und um
die Herrschaft über sie und ihre Zukunft war es der Herzogin
von Anfang an zu thun gewesen.
Angelika fand sich von dem wechselnden Zuspruche ihrer
einzigen Vertrauten wundersam beruhigt. Sie konnte endlich
selbst die Frage aufwerfen, was sie thun solle.
Wenden Sie sich offen an den Baron! rieth ihr die Her-
zogin, um sich den Schein der strengen Verläßlichkeit zu geben
und um in einem Nothfalle sich vor dem Freiherrn dieses
Rathschlages berühmen zu können. Wenden Sie sich an den
Baron, bekennen Sie ihm. - - -
Nein, nimmermehr! rief Angelika mit lebhafter Abwehr.
Die Herzogin schien nachzusinnen. Wie Sie auch fühlen
und empfinden mögen, theure Angelika, sprach sie dann nach
längerem Schweigen, Sie werden mir einräumen müssen, daß
Ihnen nichts übrig bleibt, als von dem Freiherrn die Entfer-
nung Herbert's, die Entfernung des jungen Mannes zu be-
gehren, der, von Ihrer Nachsicht dreist gemacht, die Achtung
und Verehrung, welche er Ihnen, der Frau des Freiherrn von
Arten, schuldet, so ganz und gar vergessen, der Sie hinreißen
konnte. - - -
Die Baronin ließ sie nicht vollenden. Sie ahnte den
Kunstgriff, mit welchem die Herzogin ihr zu Hülfe zu kommen
und Herbert anzuklagen wünschte, und wahrhaft und offen rief
sie: Herbert ist nicht schuldig, nicht schuldiger, o, lange so schul-
dig nicht, als ich - denn er ist frei!
Die Herzogin schloß die Augen. Ein Mann ist immer
schuldig, wenn wir ihm uns und unsere Ueberzeugungen zunh
Opfer bringen! sprach sie. Aber gleichviel, der junge Mann
muß fort!
Ja, er muß fort! wiederholte Angelika mit leiser Stimme.

= ZgI -
Demn unglücklich über die Liebe, die mich fortriß, macht die
Liebe, die ich einflöße, mich nicht glücklich, und das Bewußt-
sein, von der reinen Höhe hinabgestiegen zu sein, auf welche
seine Liebe mich stellte, steigert meine Qual und meinen Schmerz.
Aber wie kann ich seine Entfernung fordern, da ihn sein Beruf
bei uns festhält, wie soll ich fordern, daß er vergesse, was ich
nie vergessen kann?
Thörichtes Kind, lächelte die Herzogin, wer muthet Ihnen
denn ein so Unmögliches, ein so Gewaltsames zu? Wer ver-
langt denn, daß Sie aus Ihrem Herzen reißen, was Sie dort
als schmerzliche oder als köstliche Erinnerung zu bergen wünschen?
Sie sollen nur zu vergessen scheinen, was Sie vergessen zu
machen wünschen!
Angelika sah sie fragend an, sie verstand sie nicht. Die
Herzogin mußte sich deutlicher erklären. Wer will Sie daran
ernnern, daß Ihre Liebe, Ihre Schwäche Sie einen kurzen
Augenblick übermannten, wenn Sie sich daran nicht mehr zu
erinnern scheinen? sprach sie. Aus Ihrer Nähe, von seinem
Glauben an Ihre Liebe, nicht von seiner Arbeit muß der junge
Mann entfernt werden. Ihm zu begegnen, dürfen Sie nicht
einmal vermeiden. Sie müssen ihn wiedersehen, bald wieder-
sehen, aber im Beisein Ihres Gatten, mit freier Stirn, mit
hellem Auge! - Und seien Sie sicher, er wird bald glauben,
geträumt zu haben, was Sie ihn ohne sein Verdienst erleben
ließen, während Ihr Schuldbewußtsein Sie hoffentlich künftig
nachsichtiger und auch ein wenig gefälliger gegen den guten
Freiherrn machen wird. Sind es zuletzt doch immer unsere
Männer, denen die Schwächen und die Frrthümer unserer
armen Herzen zu Gute kommen und die in unserer Demuth die
Erucht unserer Reue genießen. Nur Muth, nur Zuversicht,
mein liebes Kind!
Aber der Zuspruch der Herzogin wirkte nur langsam auf

=- ZJß -
Angelika. Sie wußte sich nicht zu entschließen, so viel Ver-
wirrendes und Verführerisches auch in den Rathschlägen der
Herzogin verborgen lag. Angelika hatte weder den Muth, sich
ihrem Gatten anzuvertrauen, noch, wie sie es eine Weile vor-
gehabt, sich gegen Herbert auszusprechen und von ihm selber
seine Entfernung zu verlangen. Sie kannte jetzt die Schwäche
ihres Herzens, und vor dem Mittel, welches die Herzogin ihr
an die Hand gab, schreckten ihre Liebe und ihr grader Simn
gleichmäßig zurück. Aber auch hier kam die Herzogin ihr zu
Hülfe, indem sie ihr einen Ausweg zeigte, der annähernd zu
dem Ziele führen konnte, das Angelika erstrebte, und der auch
den wahren Absichten der Herzogin als der gelegenste erschien.
Sprachen Sie nicht von einem Feste, welches Sie im
Laufe der nächsten Wochen geben wollten, fragte sie, und für
das Sie auch Monsieur Herbert's Zimmer zur Unterbringung
Ihrer Gäste brauchen würden?
Die Baronin höpfte Athem.
Mich dünkt, es war selbst in des jungen Mannes Beisein
schon davon die Rede, daß er für eine Weile seine Zimmer
würde räumen müssen, sagte die Herzogin, und in diesem Augen:
blicke fremde Menschen zu sehen, für Andere Aufmerksamkeit
haben zu müssen, würde Sie von sich selber abziehen, theure
Freundin, und Ihnen eine Zerstreuung von den Gedanken sein,
mit denen Ihre schöne Gewissenhaftigteit Sie peinigt!
Ja, ja, das kann geschehen! rief die Baronin und warf
sich ihrer Freundin an die Brust. O, Sie sind mein guter
Engel, theure Margarethe!
So lassen Sie mich für Sie wachen, meine theure Seele,
aniwortete ihr die Herzogin, und gehen Sie zur Ruh', denn
es ist spät, und Ihre Wangen bremnen! Jn so heftiger Er-
regung soll der Freiherr Sie nicht sehen! Gehen Sie zur
Ruhe, ich will ihn darauf vorbereiten, daß wir diese Woche

== ZH! -
unser Fest begehen, ich werde unseren Ungetreuen hier erwarten!
ch wache für Sie Alle, für Sie Alle!
Spät am Abende, als der Freiherr und der Marquis
nach Hause kamen, fanden sie die Herzogin wider deren Gewohn-
heit noch im Gartensaale lesend. Der Marquis berichtete von
ihrem Ausfluge, der Freiherr erkundigte sich, wie die Damen
ihren Abend zugebracht hätten.
Wie können Sie das fragen? scherzte die Herzogin. Natür-
lich in Unterhaltung über die Abwesenden; denn es ist nicht
wahr, daß die Abwesenden immer Unrecht haben, da ja Ab-
wesenheit allein die Sehnsucht erzeugt!
Sie werden uns eitel machen, meine Freundin! entgegnete
der Freiherr, welcher für jede Schmeichelei, wenn sie sich an-
muthig in der Form bewies, empfänglich war.
Eitel, meinte die Herzogin, Sie eitel machen, Gousin?
Aber Sie sind es ja schon jetzt, Cousin! Waren Sie denn
ganz allein von Hause fort? War nicht mein Bruder, war
nicht Monsieur Herbert abwesend so gut wie Sie?
Sie vermißten also den Marquis? fragte der Freiherr.
Als ob man einen Bruder vermissen könnte, wenn er über
kand geht! bedeutete die Herzogin.
Also war es Monsieur Herbert, der Ihnen fehlte, dessen
Abwesenheit Ihre Sehnsucht wach rief? scherzte der Freiherr.
Aber, mein theurer Baron, neckte die Herzogin, ich war
ka nicht allein zu Hause, oder glauben Sie, daß die Gedanken
der Baronin, unwandelbar wie die Magnetnadel, nur an Ihnen
dangen? Kömnte nicht unsere liebe Angelika Jemand anders
als Sie vermissen? Ist der Marquis nicht liebenswürdig?
Bersichern und beweisen Sie uns nicht alltäglich, daß Ihr Ar-
chitelt ein geistreicher, ein schöner Mann sei? Wie wäre es.
wen wir Ihnen endlich Glauben schenkten, wenn wir, nr

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aus Unterwürfigkeit gegen Ihre bessere Einsicht, uns endlieh
überzeugen ließen?
Der Freiherr lüßte ihr die Hand. Sie sind aufgeräumt,
sagte er, Sie haben sich also wohl unterhalten, und ich muß
mir daher Ihren Scherz gefallen lassen! Doch kann ich von
mir sagen, was ein junger deutscher Dichter in seinem schönen
Trauerspiele den König Philipp von Spanien sagen läßt:
Wo ich zu fürchten angefangen, hab' ich zu fürchten aufgehört!
- Beruhigen Sie sich also, meine schöne Freundin - zur
Eifersucht bin ich nicht gemacht, sie ist die Leidenschaft der nie-
dern Stände, der Menschen ohne Selbstgefühl, sie ist unter unserer
Würde!
Und doch hatten die neckenden Aeußerungen der Derzogin
ihn verletzt, und doch tadelte er sich innerlich zum ersten Male
darüber, daß er den Architekten so viel und so ungehindert mit
Angelika verkehren lasse, denn Herbert war in der That ein
schöner Mann, und der Freiherr kannte die Beweglichkeit des
Frauenherzens!