Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 02

Z weiteä Ca « - - --
s: s e = l
eh
-=och an demselben Abende lies; der Caplan sich den
A
, ===?
kleinen Wagen anspannen, der ihm seit langen Jahren zu seinem
Privatgebrauche iüberwiesen worden war, und fuhr nach dem fast
eine Siunde entlegenen Dorfe Rothenfeld hiniber, die Geliehte
des Freiherrn aufzusuchen.
Vor dem Dorfe stieg er auus. Er wollie den Wagen
nicht vor Palinen's Thur stehen lassen. Da kleine Haus
lag am Eingange des Dorfes. Es hatte, seit Pauline die Ge-
liebte des Barons geworden war, einige Veränderungen erhalten,
die es, so gering dieselben auch waren, doch vortheilhaft von
den andern Häusern des Dorfes unterschieden. Es war sauler
getiincht, die Fenster höher auusgebrochen, hatie grine Läden
vor denselben, und ein Gärtchen, in welchem noch einzelne
Stockrosen farbig über ihre bereits braun gewordenen Blätrer
emporragten. Auuch noch jetzt im Herbste und irotz des vielen
abgefallenen Laubes verrieth es eine liebevolle Pflege.
=- -- Hausthi. g=ud offen, der kleine Vorplatz war sauber
ed.
»-o si-f
mit Sand bestreut, das Feuer auf dem Heerde brann«. gell.
sz s
Es beleuchtete die Reihen weiß und blauer Fayence-De.« uund
ollp i
blanker Zinngeräthschaften auf dem Simse und in den Borden.
Eine ganz jnge Magd spann bei seinem Scheine. Als der
Schritt des Caplans auf dem knisternden Sande der Schwelle
z--bar wuurde, öffnete sich die Siubenthüüre und Paulin. -m
.s-
ß,-
heraus Aber kaum hatte sie den Geistlichen erkannt, so trat sie

--- Zß-
erschreckend zurick, und mit einer Miene, in der sich ihre Ent-
täuschung aussprach, sagte sie: Herr Caplan! Sie sind es. Herr
Caplan? Sie hier? Sie fasite sich jedoch schnell und nöthigte
ihn mit feiner Handbewegung zum Eintritt.
Das Zimmer war bescheiden und freundlich wie das Haus.
Ein Canapö mit grünem Nasch überzogen, ein Lehnstuhl da-
neben, =nsche, =-uhle und Schränke von Nusbaumholz mit
ast
weitgeschweiften Fiszen, und ein kleiner Spiegel in zinnertem,
vielgeschnörleliem Nahmen galen ihu eine hüibsche Behaglichleil.
Auf dem Tnsche stand sauberes Kaffeegeräih neben dem Nh-
käsichen, von welchem die Arbeit niedergeglitien war. Trockene
Eicheln und Kasianien, in Häufchen gesonderl, bedecien den
andern Theil des Tisches. Sie machken das Spielzeug des Knaben
auus, der, auf einem: Stuhle knieend, den uungewohnten Gast mit
neugierigen Blicken betrachtete.
Sie hier, Hochwilrden? wiederholie Pauline. Wad ist
den
liche
troz
gnädigen 1-- zugeslosten?
J,s
Sie erwarteien also den Herrn Baron ? fragte der Geist-
N,s.:-ss.s
und ließ sich auuf den grosen== =--sgl nieder, den sie ihm
=-- -=---==--=--g; ni! guter Manier angeboten hatte.
sszip= Kdpzziif-fiis-
Ich dachte -- ich halie heute Morgen an den gnädigen
Herrn geschrieben -= und ich hoffte also immer noch-- sprach
-- unentschlossen, was sie sagen solle, und sich desghalb selbst
i
fortwwährend unterbrechend. Dann nahm sie sich plözlich zu-
w------=-- uund sagte sehr bestimmt: Hochwiürden, was ich hören
PAm in on n
soll, das sagen Sie mir gleich und grade heraus. Sie sind zu
mir nicht bloß von ungefähr gekommen!
Sie hob dabei den Knaben vom Stuhle herunter und hies
ihn in die Kiche zu dem Mädchen gehen. Als er sich entferut
---- sezie sie sich vor ihre Arbeit hin, die Hände auf den
K.ß-i:
tc
=- ch gelegt und offenbar auuf eine schwere Mittheilung gefast.
Der Caplan halte sie nichi in der Nähe gesehen und nicht

- - I1 -
gesprochen, seit sie nicht mehr nach Richten un in das Schloß
gekommen war. Er fand sie daher in jedem Betrachte oer-
ändert. Sie hatte die Kleidung der Landleule abgelegt und
trug sich wie die städtischen Frauen bürgerlichen Standes. Das
enganliegende Leibchen des grosblumigen Kattunrockes, das wße
Busentuch, das Nacken und Kehle freiließ, die kleine Dormeusen-
haube, die, ihr auf dem Hinterkopfe sizend, die Füille ihres
braunen Haares nicht zu fassen vermochte, kleid en sie vortrefflich.
Sie war wirllich schön zu ueunen, ihre Ziige waren rein und
sehr weiblich, nur die lleine Stirn mit den nahe zusammen-
gewachsenen und scharfgezeichneken Brauen gal- dem Kopfe etwas
Finsleres und Hartes, und erllärte dem Caplun die Gewalt,
welche Pauline über den Baron besaß, und die geheimnißvolle
Macht, durch die er sich an das Mädchen gebunden glaubte.
Der Caplan hatte es sich auf der Fahri nach Rothenfeld
ruhig zurecht gelegk, was er ihr sagen und wie er sie behan-
deln wolle, aber wie es auch den Gescheuutesten manchmal zu
begegnen pflegt, das: sie ihr einstiges Wissen und ihre Vor-
stellungen von den Personen festhalten, wenn diese längst nicht
mehr dieselben sind, so hatte er troz seiner sonstigen Lebens-
klugheit es auser Acht gelassen, daß er die jezige Pauline gar
nicht kannte, daß der natürliche Verlauf der Zeit, daß der lang-
jährige vertraute Umgang mit dem Freiherrn sie verändert haben
mußten. Als er sie demn jezt plözlich vor sich sah, fand er, daß
Alles, was er ihr vorzuhalten beabsichtigt hatte, füür sie und
ihren gegenwwärtigen Zustand nicht mehr paßte. Es war ihm
daher recht erwünscht, daß ihre lebhafte Besorgn:ß ihm die Mühe
ersparte, sie auf seine Mittheilungen vorzubereiken, und daß sie
ihn ohne sein Zuthun als den Boten übler Kunde ansah.
Ich komme allerdings nicht zufällig hieher, sagte er, aber
dem Herrn Baron ist kein Unglück zugestoßen. Er befindet sich

--- ZZ--
wohl und wird morgen in aller Friihe auf einige Tage nach
der Stadt reisen, jedoch noch einmal hieher zurückkommen.
Das war immer sein Vornehmen, versetzte sie, und weil
ich das wuszte, schrieb ich eben heute.-- Beide sprachen dabei
das Wort von der Vermählung des Barons geflissentlich nicht aus.
Was machte Sie also eine üble Nachricht vermuthen, als
ich kam ? fragte der Caplan.
Sie sah ihn mit raschem Blicke forschend an, als wolle
sie erspähen, was sie etwa von ihm zu erwarten habe; dann
zuckte sie leise mit den Schuliern und meinte seufzend: Sie
werden das wohl wissen, Hochwüürden, daß mir jetzt von
Schlosse nichtö Guteö mehr kommt. Sie sind jg auch nie-
mals hier gewesen, seit ich hier allein im Hause wohne!
Sie wuurde roih, als sie diese Worte sprach, und der Ea-
plan hätte die Aeuserung finn seine Zwecke nichi besser winschen
können. Das ist leider wahr und sehr erklärlich, sagte er. Al
die versiorbene Frau Baronin noch am Leben war und Sie im
Schlosse noch ans- und eingingen, war es freilich anders, und
die gnädige Frau hat sicherlich nicht erwartet, was hernach ge-
schehen ist.
Hochwürden, rief Pauline und hob die Hände umvillkir-
lich bittend zu ihm empor, sprechen Sie davon nicht, jetzt nicht!
Seit neun Tagen ist der Herr Baron nicht mehr hier gewesen,
obschon er auf dem Schlosse war die ganze lange Zeit; seit neun
Tagen ist mein Leben ein einziges Warten gewesen Tag und
Nacht! Ich weis vor Angst und Qual nicht mehr, wie mir
zu Vuthe ist; ich habe geung auf dem Herzen, auch ohne daß
D.
ich an die selige Frau Baronin denke!
Und hoffen Sie denn, das Sie hier in Noihenfeld, so
lange Sie in der Nhe des Schlosses leben, jemals zur Nuhe
kommen werden ? fragte er nachdricklich.
Sie war bis dahin äußerlich gefaßt und ruhig gewesen,

D
= ee -====
bei dieser Frage aber fuhr sie angenblicklich leidenschasilich em-
por. So lange ich in der Nähe des Schlosses bin? Wo soll
ich denn anders sein als hier, als hier, wo ich geboren bin
und hingehöre? Ich gehe auch nicht fori von hier, gewiss und
bestimmt nicht! Ich habe ihm das selbst gesagt seit all den
WVochen und Wochen, und wenn Sie nur deßhalb hergekommen
sind, Hochwirden, so.... Sie vermochle seineu ruhigen Blicke
gegenüber das rozige Wort nicht zu vollenden, und plözlich
abbrechend rief sie: Alles, alles, was er will -- nur nicht fort
von hier!
Sie nannte den Nanen des Barons auch jetzt wieder
nicht, indes; die Art, in welcher sie ihn bezeichnete, gab deutlich
das Verhältniß kund, in dem sie seit Jahren zu ihm ge-
standen, und das Gefihsl der Berechtigung, das; sie dadurch
neben ihm gewonnen haite. Sie dauerte den Caplan; er sah
sie an, um in ihrem gramerfillten und doch stolzen Rntliz die
Zilge des einst so freundlichen und heiteren Kindes wieder-
zufinden, und unwislkürlich gab er ihr schveigend die Hand.
Das machte einen erschitternden Eindruck auf sie. Sie schlug
die Augen nieder und schien sich ihrer Heftigkeit zu schämen.
Es thut mir leid, sagte er, das; ich Sie so wiederfinde
und daß ich mit solchem Auftrage, wie der meine, zu Ihnen
kommen muss; denn allerdings ist es die Noihwendigkeit Ihrer
Enifernung, die ich Ihnen begreiflich zu machen wimsche. --
Er hielt inne, sein Blick lag fortdauernd mit demselben ruhigen
Ernste iber ihr. Sie waren solch ein gutes Kind, solch braves
Ny
=--ädchen! sagte er nach einer Weile.
Ein Zg von Schmerz flog über ihre Mienen, sie ant-
wortete und regte sich nicht.
Als ich es dem Herrn Baron verhieß, zu Ihnen zu gehen
und mit Ihnen zu sprechen, fuhr der Caplan fort, brachte ich
F. Le wald, Von Geschlecht zu Geschlecht. 1
L

- ZH--
ein Opfer damit. Jezt srent es mich, das; ich gelommen bin,
denn ich hoffe, auch Ihnen soll es zu Gute kommen.
Mir? Was können Sie mir helfen, wenn Sie es auch
wollten? unterbrach sie ihn. Der gnädige Herr allein.. . -
Der Caplan ließ sie nicht weiter sprechen. Es ist fern
von mir, fuhr er fort, Ihnen Vorstellungen, Vorwülrfe zu
machen, welche Ihr eigenes Gewissen Ihnen in ruhigen Stunden
sicherlich nicht erspart. Es ist eben so fern von mir, Ihnen
den Weg nennen zu wollen, auf dem Sie bisher gegangen sind.
Sie haben Verstand, Sie haben ein Herz. Sie milssen also den
Unnsegen Ihrer Lage selbst eupsunden haben, und Ihr Kind
wird den Makel seiner Geburt durch soin ganzes Leben kragen.
Aber Sie waren jung, als Sie den ersien Schriti zur Sinde
thaten, und -. - -
Sinde? wiederholte sie, indem sie sich auufrichteie, was
habe ich denn gesündigt?
Pauline! rief der Geistliche mit Strenge, wen wollen Sie
jezt täuschen, sich oder mich?
Nicht Sie, nicht mich! enigegnete sie fest und mit einer
Sicherheit, welche ihrem Wesen einen grosten Adel verlieh. Es
ist wahr, ich bin seit Jahren die Geliebte des gnädigen Herrn!
Soll das mein Verbrechen sein? -- Wer sich einen Baum groß
zieht, dem gehört der Baum, der kant damit schalten und
walten, -wie's ihm gutdünkt, und wenn der Baum von sich
wüßte, wie ein Mensch, so müüßt's ihm recht und lieb sein,
wenn sein Herr sich an ihm freut. Als ich klein war, fuhr
sie mit wachsender Lebhaftigkeit und Freiheit fort, kleiner und
hilfloser als jezt sein Kind, da hat er sein Leben daran gesezt.
mir das meine zu erhalten. Obdach und Nahrung, Kleidung
und Wartung, Pflege und Lehre habe ich gehabt, und Alles
durch ihn, und habe keinen andern Menschen auf der Welt
gehabt, als ihn. Was er mich hat thun heißen, das habe ich

Oz -
-=-- zJFI -=
gethan von Kindesbeinen an. Als ich gros gewordeni-=-- he-
: sfh H
o fffis. ssp Iiip iis
er mtir gefagt, daß . --==== --=- u daF er mich nie ver-
lassen wirde, und ich habe ihm das geglaubt, denn ich habe
dof»fpf- Hffif:
e -p= gehagen, seit ic ==-= -- --, nd was er mir ber-
s -siss
sprochen hat, das hat er aue, -r gehalten. E hat mir
l, jsisine
mein Gewissen auc nicht beschwert, als das Kind gekommen
sss ü
- und hat n. ,
,. innes =====- -ug,n angesehen. Gar
-s N
K,f.s
a, wenn ich eine Dame gewesen wäre!- Aber
nichl!-- -
zsps s zi--ssiosi !
mich konnte der gnädige Herr ja doch .=«- - ---b= -- -
Sie schwieg, als misse dieser lezte Grund den Geistlichen
selbsi ohne ..eileres iberzeiuggest, uund erslauul iber die besonde..
1il
Richiung, welce diese Naiuur genommen haie, sragle dieser: So
h- .ozr Gewissen Ihhnen nie gesagt, das:
ss
g..-
=-ge gingen?
Niemals! anlvoriele sie bestimuuunt. Ich
Sie auuf falschem
habe gethan. was
iissi,ss8zf -
uch nicht anders konnte. Er hat mir immer = -.--== - - -0 -
1l=g-p=-«.ullhei -= - -=-zi lC -- ==l h.i bleihemt solld zd
,s s.s.--
iniipd,p
d.is-
sis:
iissiof sz.'
das; er nicht von mir lassen werde. Wenmr es dann manchmal
auuch geheis:en hat, das; er eine Frau nehmnen wurde, und ich
mir darüber Sorgen und Gedanken gemacht hale, so ist das
immer eine unnöthige Sorge aewesen. Und-=« --- z auch
s,s. Hfs in
immer glucklich und wie im Hinmel gewesen, bis-- bis nun
nnn diesen Sommer. Sie konnte das Wort v:nn der Verlobung
des BaronS nict .=- -=- » -ss-
fli= l.-s- EAs:si:
hh pts o - z-;= -= -- == g-s=s-- -
v p=- Ps,sfzoe A.- s,zfoe
ja eingepfarrt sind, hat - =- ----
os- (;- in
aewvarnt?
brnge- -
-=-- --audorf, bei dem Sie
menf N,
zur Rede gestellt, Sie nie
Hochwitrden, weshalb woll... Sie das woissen? fragte sie
mistrauisch.
1.ls
-- ---- ==e, dasß Ihnen ein ehrlicher, wahrhaftiger Freund
.s: sis
gefehlt hat! erwiederte er mit immer steigendem Antheile u
dem jungen Weibe.
Ise

- Zh-
Sie meinen also, der Herr Pastor hätte als solch ein
Freund an mir handeln sollen?
Es würde das wenigstens seine Pflicht und eine Wohlthat
für Sie gewesen sein.
Nun, rief sie mit einem Aunflug von Spokt, dann hat er
seine Pflicht nicht gut verstanden! Und eine Wohlthat für
mich hätte es sein sollen? Das heißt doch nicht wohlthun,
wenn man einem das Herz im Leibe bricht und einem sagt,
das man diesseits und jenseits verdammt und verloren sei, wei
man gethan hat, was man nicht anders konnte, was mtan - - -
Sie stockte, wollie weiter sprechen, besann sich wieder und sagte
endlich: Was häile er deun auch mil uir machen solleni?
Er hätte Sie wenigstens darauf auufmerksam machen sollen,
das; nichts Bestand hai, was wider Goites Gebot und wider
die Sitte der Menschen ist, antwortete der Caplan ihr sanft
und ernsthaft. Sie würden es dann, des; bin ich gewisß; weit
weniger schwer gefunden haben, sich jetzt in das Nothwendige
zu schicken, und würden nicht so rathlos und verzweifelt sein,
als ich Sie leider finde.
lich
gar
Sie blieb ruhig sizen, seufzte leise und sah ihn nachdenk-
an. Er fragte sie, was sie beschäftige.
Ich denke darüber nach, das es besser wäre, Sie wären
nicht hergekommen! entgegnete sie ihm.
Und doch kam ich in der besten Absicht! bedeutete er sie.
Sie sagte, davon sei sie üüberzeugt, aber statt sich dadurch
gekräftigt zu fiihlen, rief sie plözlich mit der ihr eigenthümlichen
unterdrückten Heftigkeit: Sehen Sie mich nicht so an, Hoch-
würden, ich halte das nicht aus!
Sind Sie der menschlichen Theilnahme, der wohlgemeinten
Sorge denn so sehr entwöhnt? fragte er mit groser Weiche des
Tones und der ganzen Milde seines Herzens.
a, sehr entwöhnt! wiederholte sie klanglos; und mit her-
g,-

Hz
--=- Hh F - -
vorauellenden Thränen rief sie: Ach, g-=-=----=--. machen Sie
zA. Hsiüiedoi
mir da Herz nicht weich, dann lan ics uir gar nici mehr
helfen, und weiß jezt erst recht nicht, wwas aus mir werden soll!
Sie wollte aufstehen, er nahm sie bei der Hand und nöthigte
sie dadurch, sich niederzusctzen; widerstrebend gab sie nad,
Weine nuur, Pauline! sprach der Caplan, dem sie mehr
uund ueh-. -.klagenswerth erschien und der sie in dem Gedanken
=- s..
an ihre Vereinsamung zum ersten Male wieder wie in den
agen ihrer Kindheit Dut und mit ihren Namnen anredete.
-weine = u.h aus! E mag lange her sein, dag Du nicht von
g
cd1,e
Herzen uuu Dichh selsi geweint hhast !- Tie regie sich nicht,
nur ihre -gelnen brachen neu hervor.-- Das Weinen wird
Ks.-
z:b H,
Dir das Herz erleichiern, u- =u mußt viel gelitien haben,
ehe «. Dich so gegen die Slimuuie Golies,- zeder in seinem
y.
d,. D
Gewissen in s.« -»-gt, verhärtet hasi! fuhr der Caplan fort.
s,s s»-R
Sie weinte bitterlich. Mit Einem Male jedoch trocknete
sie ihre Thränen, und sich auuflehnend gegen die Wirkung, welche
sein Zespruch auuf sie übte, rief sie: Wen Goit es zulassen
kann, daß ich so ohne Grund und ohne neine Schuld ver-
stoßen werde, so giebt es keinen gerechten, keinen barmherzigen
Gott mehr in der Welt!-- Aber kaum harte sie diese wilden
Worte auusgesprochen, so schlug sie die Hände vor dem Gesichte
zusammen und der Klageruf: E wird mich noch von Sinnen
bringen! rang sich ans ihrem gequälten und verzweifelnden
Herzen hervor.
Armes Weib! sagte der Caplan, ergrisfen von ihrem
Schmerze, und sich ihm plözlich zu Füsßen werfend, flehte sie:
Helfen Sie muir! Ach, helfen Sie mir, Hochwürden! Auf Sie
hört er, zu Ihnen hat er Vertrauen; er hat das hundert und
aber hudert Mal gesagi! Sie können dad Alles dnurchsetzen
bei dem Herrn Baron! Wenn Sie nur wollten! Sie könnten
Hss- s.p ss8zz !
sss1- »f=s s s -

--- 88--
Er ließ sie absichtlich auf ihren Knieen vor sich liegen,
dent dem herzbeladenen Menschen thut es wohl, sich vor dem-
jenigen zu beugen und zu demjenigen eupor zuu sehen, von dem
er Beistand erwartet, und mit tiefem Erbarmen fragte er sie,
was sie wünsche und was sie denn verlange.
Hier bleiben will ich! sagte sie mit einem Tone, der, so
leise er war, doch unheimlich wie der Wahnsinn klang, hier
bleiben will ich, weiker nichts!
Der Caplan war sehr erschüttert. Er sah mit Schrecken,
wie gut der Freiherr den Charakter und den Seelenzustand
seiner Gelielten beurtheilt hatie und wie griündlich er Paulinen's
religiöses Bewußtsein untergraben, als sie, durch die Vorstellun-
gen des Pfarrers angeregt, iber ihr Verhältis: zu dem Baron
S,is
unsicher geworden war, und Neue gefühlt haben mochte. a-p-
da derselbe sie, wenn auuch mit Bedauuern, zu entfernen beab-
sichtigte, wiinschte er allerdings, sie glänbig und unier dem
Einflusse sittlicher Begriffe zu finden, um sie auf einen höheren
Trost und eine innere Belohnung verweisen zu dirfen; aber
der Geistliche kannte das Menschenherz gengsam, um ihm irgend
eine Sammlung oder Erhebung zuzumuuthen, wenn es sich so
bedrängt und so im Aufruhr befindet. Alles, was er daher
in diesem Augenblicke anstreben konnte, war, Pauline iber den-
selben fortzuhelfen und sie zu der Entfernung zu bestimmen,
die ihm für alle Theile unerläßlich schien. War das erreicht,
so konnte man nachher versuchen, ein neues Leben in der Ver-
lassenen aufzuerbauen und sie auf den Weg zu leiten, auf
welchem nach der leberzeugung des Geistlichen allein Heil und
-Trost fitr sie zu finden war.
Du willst hier bleiben, Pauline, sprach er, und ich begreife
es, das =. dieses winschest. Aber hast Du Dir auch bedachi.
d.e
was Dir hier bevorsteht? Er machte eine kurze Pannse und
sagte danach im Tone ruhiger Erzählung: Heute in vierzehn

-- Z9 --
Tagen, in drei Wochen, wird vielleicht die Frau Baronin an
der Seite des Herrn Barons durch das Dorf fahren, und er
wird ihr sagen, wer in diesem und wer in jenem Hause wohnt,
und er wird sie dann bitten, seinen Unterthanen eine gütige
Herrin, den Kindern des Dorfes eine Mutter zu sein, wie die
selige gnädige Frauu es Dir und allen Andern auch gewesen
ist.-- Und wieder schwieg er einen Moment, da er merkte,
wie achisam und gespann! sie seiten Worten folgte. Wenn
der Herr Baron dann an Dem Haus kommen wird, fuhr er
fort, indem er sie scharf dabei ansah, was soll er ihr dann
sagen? Wenn sie Deinen Knaben sieht, wes vird er von seiner
Frau fir denselben erbitten können, mit welchem Herzen wird
er ihn in Zuulunft bekrachien? Und =- selbst, Pauline!
cdzs
-winschest Du der Fran Baronin zu begegnen? Oder litstet's
Hn
Dch, Dich zu verbergen, wenn sie mit ihrem Manne hier vor-
iberlommen wird?-- Willst Du es hinter den Vorhängen
Deines Fensters mit ansehen, wie der Baron vor Deiner Thur
das Auuge niederschlägl und den =« abwendet, wenn Den.
N11,s
Sohn ihm in den wbeg tritt? -- Willst Du den Knaben lehren,
Ar
den Herrn Baron zu meiden, dem er jezt zuirauensvoll seine
Arme enigegenstreckt? Und was soll Dein Sohn der Frau
Baronin antworten, wenn sie ihn einmal fragen wird, wer er
sei und wem er angehöre?
Pauline war schon lange von ihren Knieen aufgestanden.
Bleicher und bleicher werdend. das Auge finster und starr auf
den Fußboden gerichtet, hatie sie den Worten des Geistlichen
zugehört. Das leise Zuucken ihrer Lippen, das Znsammenziehen
-=--- Kugenbrauen verriethen, was in ihr vorging.
sss-=- N
eberlege es Dir wohl, Paulme, hob er noch einmal an,
isberlege es Dir wohl, was Dein Verlangen, hier zu bleiben,
=-r eintragen wird. Fuurcht, Schrecken, Eifersucht, Verzweiflung
cdt
Duch, Heuchelei und Lige für den Knaben, »»z i--
i.-
Md.»-.
ssn slsz-

--- 10 - -
Euch Beide, das ist es, was Du Dir hier bereiten willst, was
Dein T heil sein wird, bis der Kumnnner und die gerechte For-
derung der Frau Baronin Dich friher oder später doch von
hier forttreiben werden!
Nein, nein, das ist unmöglich! rief sie. Sie ist ja auch
ein Weib! Wenn sie ein Herz hat. wird sie, musß sie Mitleid
mit mir haben!-- Uiid es schien, als gehe der Unglicklichen
mit diesem Gedanken ein neuuer Stern der Hoffnung auf.
Der Caplan schiüttelie verneinend daö Hauupt. Du irrst
cg;.;,e
=--g, sagte er; sie wird Deine Nihe fitrchten, und was wir
sirchien, das beimnilleiden wir nichi, das bellagesi wwir nicl, das
hassen wir viel eher!
-.. ich hasse sie auch! sties; Pauline leidenschasilich hervor,
und ihre Augen funkelten in wildem Feuer.
Wie solltest Du nicht, da De ner Dich im Auge hast, da
Di nach Necht und Unrechl, ngch Schuld und Unschuld nicht
mehr fragst! sprach der Geistliche, einen neüuen Weg zu Pan-
linen's Verstand und Herz versuchend.
Hochvürden! rief Pauline flehend.
Beharre in der Härligleit Deines Herzens! fuhr er fort,
ohne ihren Ausruf zu beachien; weide Dich daran, das Leben
der jungen, schuldlosen Gutsherrin zu beunruhigen; zwinge den
Baron, sich immer wieder daran zu erinnern, was er gegen
Dich und mit Dir gesiündigt hat, verbittere ihm den Frieden
der Ehe, die er eingehen will! Aber sage dann nicht, das; Du
jemals Dankbarkeit, daß Du Liebe fir ihn empfunden hast,
daß etwas Anderes, als Dein eigenes Gelüsten und Deine
Selbstsucht Dich ihm angeeignet haben! Der Zeitpunkt, verlaß
Dich darauf, wird dann nicht lange auf sich warten lassen,
in welchem er mit Schrecken an Dich denken und, Selbstsucht
gegen Selbstsucht sezend, sich berechtigt fihlen wird, auch ohne
Deine Zusiimmung Dich von hier forizuschicken!

--- I Z--
Und wenn ich gehe? fragte sie nach langem Schweigen;
wenn ich gehe -- und vergessen werde? - Sie barg ihe Ge-
sicht in ihre Hände, der Schmerz gewann wieder eine vohl-
thätige Herrschaft über die Erbitterung in ihr.
Dn wirst nicht vergessen werden, kannst nicht vergessen
werden! tröstete der Caplan. Reue und Bedauern werden den
Baron an Dich erinnern; Dank für den Frieden, welchen
Deine Entfernung allein ihm in seiner Ehe möglich macht,
Neigung und Sorge fir den Knaben werden ihn D.. daüuernd
d«-
verbunden halien, und Duu ganz allein sollsi iber Deine Zukunft
zu enischeiden haben, in welcher Neue und Busße auch Dich
hoffentlich zur Einkehr in Dich selbst, zum Frieden fihren werden!
Aber Pauline hatte in ihrer Herzenszerrissenheit seine letzten
Worte wieder nicht beachtet, und sich immer ntr an das Nächste
haltend, rief sie: Meine Zulunsi? Wa künmeri mich die! -
und abermals versank sie in ihr Briüten.
Der Caplan sah, je länger er mit ihr sprach, es immer
deutlicher ein, das; hier mit Einem Schlage nichts auuszurichten
sei, und daß man ihr Zeit lassen misse, sich durch Aufregen
und Nachdenken zu erweichen und zu ermilden; denn er hielt
sie fiür einen der Charaktere, welche nur dann zum Nachgeben
bewogen werden können, wenn ihre Kraft erschöpft ist. Er er-
hob sich also, um zu gehen.
Ich habe Dir die beiden Wege gezeigt, zwischen denen Du
zu wählen hast! sagte er eindringlich. Deine Entfernung ist
nothwendig und darum unabänderlich beschlossen! An Dir ist
es, zu wählen, wozu sie sich für Dich gestalten soll: zu einer
Buße und Erhebung, oder zu einer Strafc und neuen Pein!
s.s
-. Dir ist es, zu wählen; von Dir allein wird es abhangen,
wie der Herr Baron in Zukunft Deiner gedenken soll! Leber-
lege Dir das wohl, ehe Dn entscheidest!
Er gab ihr die Hand und ging der Thüre zu. Als er

-- PZ--
dieselbe bereits geöffnet hatie, fragte Pauuline schnell und un-
erwwartet: Hochwüirden, ist die Gräfin schön, ist sie sehr schön?
Hast Du nichis Anderes zu denken ? versezte er, von die-
ser Wendung ihres Sinnes überrascht.
Ist sie schöu? Liebt er sie denn sehr? wiederholte sie
dringend.
Der Caplan sah, dasß er ihr diese Fragen beantvorten
müsse. Die Comiesse ist jung und schön und edel, sagte er;
sie verdient die Neiguung, welche der Herr Baron ihr zugewen-
det hat, in voslem Masße.
Pailine schwwieg darauf. Der Cplan wsie nichi, was
in ihr vorgitg, was er von ihr denten sollte. Er siand zdgernd
an der Thiire still; sie stitzte sich mit der Hand auf den Tisch.
=---s- =u sonst nichts weiter? fragte er nach einemn län-
AA;ste; :
gern
Abwarten.
Nein! Nichts!
So lebe wohl!
Leben Sie wohl, Hochwirden! erwiderte sie ihm mit an-
scheinender Ruhe, aber gleich darauuf wallte das Herz ihr auf,
und mit einer Jnnigkeit des Tones, welche sehr abstach gegen
ihre lezten Worte, sagte sie: Hochwiirden, kommen Sie wieder!
Mein Unglick ist so groß. so grenzenlos gros. das; ich es nicht
begreifen kann!
Sie hielt, als schwindle ihr, die Hände gegen den Kopf
und setzte sich nieder. Der Caplan versprach ihr, sie bald
wiederzusehen, ermahnte sie nochmals zum Nachdenken, und ver-
ließ sie weit besorgter, als er gekommen war.
Nun er Pauline kannte, hielt er ihre Entfernung erst
vollends für unerläßlich. Bei der Schwäche des Barons, bei
der Gewohnheit, welche ihn an sie kettete, war Alles fir das
Glück seiner Ehe und fitr den Frieden der jungen Frau zu
firchten, wenn Pauline blieb. Und doch sah er noch nicht ein.

- 1Z----
wie man sie auf dem Wege der Güüte in so wenig Tagen zur
Ahreise werde beslimnmen können, während er wuuszte, daß der
s
Baron vor jeder offenent Gewe.=ps--- - u d Häirte zl
»1sss.Iss ,-7:s i
-G,.
schrecken wülrde, wennschon er es sonst eben nicht scheute, Andere
leiden zuu machen, sofern ihm selbst nur bas persönliche Ein-
schreiten und der Aiiblick des von ihm erzeugten Leidens er-
spart blieben.
Bei der Abendiafel saßen der Freiherr und der Caplan sich
allein gegenilber, dent es waren leine Gäsle im Schlosse, weil
z-s- sszwzpl
des Freiherrn Abreise so nahe bevorsland. =ur Freih.- --
von lauuier äuuszerlichen Diugen, obgleich es im nicht entging,
das; der Caplan sich eruster und stiller zeigle, als gewöhilich.
,s?i-
azüess er war nichi eilig, die Ursache von deu Nach-==
Nßs
desselben z erfahren, und erst als die Dienershaft sich enlfernt
hz- H,zf in
hatte und auuch jener sich zuricziehen wollte, Jragte d.----=--
ganz beiläufig, ob der Caplan vielleicht schon in Nothenfeld ge-
wesen sei. Dieser bejahte es.
Nun, und wie haben Sie Pauline gefunden? fuhr
Baron in der früüheren leichten Unterhaltungsweise fort.
der
Sie
war auusßer sich, nicht wahr? Ich kemne das an ihr, und eben
darum wüuuuschte ich, dasß grade Sie mit ihr verhandeln sollten.
Haben Sie etwas auusgerichtet?
er Caplan versezie, Pauline sei allerdings sehr aufgereg!
gewesen, wie das bei einer solchen ersten Uunierieduung mit einem
N
s s.sil.
=--aune, --- -hr in diesem Falle ein Fremder sei, n1ig- s=---
dus- -
köne. Es lasse sich aber eben darum von diesem Zusammen-
treffen nichts Bestimmtes sagen, man müsse Geduld ha= und
hiun in
weiter zusehen. Er hoffe und wünsche, daß mun zu einem ver-
ständigen lebereinkommen gelangen werde, weil man kein Miiel
sparen ditrfe, ein solches zu erreichen.
Er sprach dabei nichts Bestimmtes aus; der Baron war
auuch sehr zufrieden damit, nichts Näheres hören zu müüssen.

-------- F e-
Er war stet hereit, seine Lasi auf die Schultern seiner Unter-
gebenen zu laden und ihnen ihre Mühhewaltuung als eine Ehren-
sache anzuurechnen. Er versicherte dahher dem Caplan, daß er
volles Zuutrauen zu seiner Einsicht und zu seiner Freuundschaft
s-. : - zu jeder Forderung, wel.,. Pauline fir ihre
-in
s hf-
sinno -
äuszeren Uinsiände mache, iun Voranus seine Bewilliguung ertheile,
issd. EIziizi
==.- das; er also die g.11z- -= =1ß -= - =-== -lg der yein-
- . N,.l!
iissA
lichen Verhälinisse dem Freunde überlasse.
zs ,-zseus
«, hale hp-== heule den höchsien Beweis vo -- ==el
N,s.
»?szssns
gegeben, lieher Freund, ---- - -- ==-==- - -- =- zl geben
dois viss Pss,-siss dois:
ssA,zs: »
im Siande isi, sagle er. .-p hale Sie gebeien, in einer mir
N,s.
äuuserst wichligen und schmnerzliche. -gelegenheii slalt meiner
s sz:
zu handeln. Was Sie fitr nöthig --==- --. werde ich unledenk-
os,Flisss
l1eg -pn, wwas geschehen wird, wird allein Ihr Werl sein!---
s, hs.
Er betonte dieses Leztere, als gebe er im Vorans seinen
==-=--- Ds - =-- --, aber der Eahlii =:s, das; der Baron sich
e,.zs -
e sz fsssnnsf -
-s: siii ssf.
dieser Wendung ohne Zweisel sehr wohl erinnern würde,-=----
Iisfs:
es ekwa darauf anlommen sollte, dem Vermittler die ganze
Md,zzisii iiiis(,s-
as.-bi ss-
== =--- - = - »===- p-e eit Miszlinggent dae z lgenld einte u!l-
o- süz-
s--I---=--- ==--= =----g Flz=- = -- u0 als nyle er ilstkl gaV
e rmoismzffsb Mh,«z-szzszIzss
ifsizpzs?op: ifp?
zses.s V,l?
-= .- -- zl legend einer Entgeglullg -itrüütuet, s-g-- =- -
,nin doni
Baron mit wiedergelehrtem Gleichmuihe leichtfertig hinzu: Nur
das Eine halten Sie fest, das; der Ged..- u das arme Geschöpf
-ss ks -i:
mir wehe thut, weil es mich in der Tyu -=- -- -==-===
si,ss isolis- ss,-s,s
ss s)
isn sisniisns- 9sz-s nifpissss, sss
--- - --=--- - -- -- s--« -- ihnlicen Verhiidungeni geliebu zl
s- zs
werden wüünschen.
Az--inf nH -r oiinino Psz ss»o
=-s--bsi z- -- -----h- --s -s-z-- die er hier int Sclosse
während seines Aufenthaltes in der Stadt vollzog= - -=---
sosoi-
inüisss-sp
u ae ssl»11f)V-
-ch, al-
und die
und empfahl dieselben dem Caplan eben so angelegent-
er ihm Pauline empfohlen hatte. Seine Wiederkehr
Abreise z-- ochzeit wuurden auf Tag und Stunde
hiis I

---- HJ---
festgesezt, und in aller Frihe des nächsten Morgens brach der
Freiherr von seinem Schlosse auf.
Es war noch nicht völlig hell, als er duurch RothenfAd
fuhr und an Paulinen's Haus vorüberkam. Er bog aus Ge-
wohnheit den Kopf ein wenig hervor; die Hausihüüre, die Fen-
sterladen waren noch geschlossen. Er haite in ihrem Schutze
manche Stunde voll Genuß duurchlebt. Die Erinnerung daran
bewegte ihn, aber in einer Weise, als läge die Zeik, in der
es geschehen war, ein halbes Menschenleben hiuter ihm. Er
ssss
hatte jetzt nur die nächsten Tage, nur die Verbindung1
Gräfin Aigelila im Sinne. Mit der Vergangenheit hatie er
=
sich gestern abgesuunden, als er dem Caplan davon ausfihrl.u,
gesprochen halte. Pauline zu befriedigen und zu irösien war
nun dessen Sache.
Als der Wagen um die Ecke bog, sah der Bacon das Haus
nnoch einmal von der andern Seite vor sich. E fiel ihm ein,
daß es, wenn Alles nach seinen Wiuschen gehe, bei seiner
Heimkehr bereits verlassen sein werde, und noch einmal über-
schlich ih die Wehmuth, die ihn gestern zu den Mittheilungen
an den Caplan bewogen ha-- ==»-r cr verscheuchte sie schnell
ss,- ss.8
mit dem erfreulichen Gedanlen, dasß er fir sein -a doch noch
Nsss.--
eine grosie Frische der Empfindung besize. .ls feiner Eggist
verstand er es vortrefflich, sich selbst seinen Schmerz in eine
gewisse Befriedigunng z verwandeln, und wie er sich am gestri-
gen Tage im Hinblicke auf seine junge Verlobte, seiner Wohl-
gestalt gefreut hatte, so erfreute es ihn jezt, daß die Trennung
von einer Geliebten ihn noch=-« uumt Gemüthe leiden mache.
H.s. 1 s
Seine Braut konnte sich nach seiner Meinung des Besten zu
einem Manne versehen, der neben den Erfahrungen der reifen
Jahre alle Vorzüge der Jugend bewahrt hatie.
Was aber Pauline anbetraf, so gestand er es sich im
Vertrauen, daß sie an Anzichungskraft für ihn verloren habe,

--- 10 -
daß sie nicht mehr dieselbe sei, als vor fünf Jahren. Was sie
an Entwicklung gewonen, das hatte sie an Ursprünglichkeit ein-
gebißt, und es war im Grunde nicht übel, das; seine Heirath
ihm die Pflicht auflegte, sich von ihr zu trennen. Das; es
ewig währen könne zwischen ihr und ihm, hatte sie ja selbst
nicht glauben können. Aber er wollte in jeder Weise für sie
sorgen, fir sie und fitr sein Kind, und wen er daö lhhat, so
wwar ihr doch imner einu gaz anderes Loos gesallen, als ihr
ohne sein Dazwischentreten jemals häite zu Tseil werden lön-
nen. Er war also beruhigt und durchaus mit sich zufrieden.