Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 31

Vierzehntes Capite l.
zm Amthause unterhielt man sich mit jenen Gesprächen
und Erwägungen, welche überall dieselben bleiben, wo ein Men-
schenpaar daran geht, einen neuen Hausstand, eine Familie zu
begründen.
Herbert hatte an Eva, da er sie jetzt als sein künftiges
Egenthum betrachtete, ein ganz neues und höheres Gefallen. Er
faud sie klug und verständig in allem Praktischen, warmherzig
im gegenüber und anmuthig wie ein Kind, wenn sie sich
ihrem angeborenen Frohsinne überließ. Sie schalt Herbert einen
Leichtsinnigen, einen Unbesonnenen, daß er nur daran habe
denken kömnen, sie ihrem Bruder gleich frischweg fortzunehmen,
und wenn sie ernsthaft erwogen hatte, wo Adam einen Ersatz
für sie finden werde, falls er sich nicht selbst zur Ehe entschließe,
ging sie scherzend die ganze Reihe ihrer weiblichen Bekannten
durch, pries deren Eigenschaften, um die eigenen noch höher z
ellen, und versicherte Herbert, daß es doch von den allen keine
gut habe und haben werde, als sie, der Herbert gleich ge
dllen habe, als er ihr bei der ersten Fahrt durch das Dorf
Re ganz unverantwortliche Kußhand zugeworfen.
Indeß troz all ihrer Munterkeit komnte man ihr doch an-
derken, daß sich ihrer allmählich eine heimliche Sorge zu ke:
eistern begann, weil die Antwort des Freiherrn sich so lange
arten ließ. Sie sah verstohlen immer öfter nach der llhr,
l länger der Bote ausblieb, und als der Mittag da wan.
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E Lewald, Von Geschlecht zu Geschlecht I

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bemächtigte sich die Ungeduld allmählich auch der Männer.
Man überlegte, ob man einen zweiten Boten nachsenden sollte,
um zu hören, was aus dem ersten geworden sei. Herbert war
unruhig, weil die Stunde, in der er abreisen mußte, um einer
Geschaftsbesprechung nachzukommen, längst vorüber war; Eva
nannte es unverantwortlich, daß man ihr den schönen ersten
Tag ihres Brautstandes so umnöthig verbittere, und Adam,
der sich am wenigsten vernehmen ließ, war im Innern der
Gereizteste.
Es war vier Uhr Nachmittags, als der Bote endlich wieder-
kehrte. Nun? rief ihm Eva entgegen, welche, ihn zu empfangen,
die Thür geöffnet hatte und die Hand ausstreckte, ihm das
Schreiben abzunehmen.
Der Knecht zog den Hut vom Kopfe, drehte ihn in den
beiden Händen herum und sagte: Herr Amtmann, ich kann
nichts dafür, ich habe gewartet und gewartet die ganze, aus-
geschlagene Zeit. . - -
Schon gut! rief Eva, aber den Brief?
Der Knecht sah sie an; nen Brief? Ich hab' keinen
Brief, Mamsell! sagte er.
Inzwischen waren auch die Männer hinzugekommen, und
der Amtmamn fragte, den Knecht scharf betrachtend: Du bringst
keinen Brief?
Nein, Herr Amtmann! Der gnädige Herr wird Antwort
schicken.
Wann? herrschte der Amtmann, dem das Blut zu Kopfe stieg.
Wann? das kann ich nicht sagen, Herr Amtmamn! Das
ist mir nicht bestellt, Herr Amtmann!
Der Amtmamn sagte, er könne gehen, und rief ihn dann
doch noch einmal zurück, um sich zu erkundigen, ob der Herr
Baron vielleicht ausgefahren sei. Der Knecht verneinte das

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auf das bestimmteste, und sichtlich betroffen standen das Braut-
paar und Adam nach des Knechtes Entfernung einander gegenüber.
Was bedeutet das? fragte Herbert.
Der Amtmann lachte bitter. Was es bedeutet? Man
A Sie früher auf dem Schlosse verwöhnt, Herr Schwager,
eil man es so für gut fand, und beweist Ihnen jetzt, daß
nn es nicht nöthig gehabt hätte, Sie also zu verwöhnen!
Eva's Antliz hatte sich verdüstert. Du irrßt, entgegnete
üe, das ist keine bloße Laune!
Keine Laune? wiederholte der Amtmann; nun, wenn's
kine Laune ist, dann ist's, was sie sich am wenigsten versagen
und was eigentlich ihr Hauptvergnügen ist, dann ist's reine
Hillür! Seit sie das vertriebene Franzosenpack im Schlosse
Aben, sind sie wie darauf versessen, es in jedem Augenblicke
z beweisen, daß sie hier noch nach Belieben schalten und wal-
dn lömnen! Aber man bekommt das endlich satt!
Antwort schicken! Was das heißen soll? Antwort kann
dan heute schicken oder morgen oder über's Jahr! fiel ihm
rbert verdrießlich in das Wort, - und nun weinen Sie
wolends darüber, liebe Eva!
Der Bruder schalt sie dafür. O, rief sie, wenn es nichts
ul des Freiherrn Willkür wäre, wollte ich ja nicht weiten,
r dahinter steckt die gnädige Frau! Sie gönnt ihn mir
ct; das weiß ja Herbert auch!
Der Amtmann traute seinen Ohren nicht. Er fragte;
a erzählte, was sie mit der gnädigen Frau erlebt und was
Kd slbst dem Bruder bis dahin mit eifersüchtiger Verschwiegen
vorenthalten, und da dieser in Herbert drang, gestand der
sere es endlich ein, daß er allerdings oben in seinem Schreibn
e ein paar Zeilen gefunden, die -= wenn Eva sie nicht
tingelegt -- ihm wohl von der Baronin gelommen kel
nten. Er versicherte, jene Zeilen hätten ihn auf das höchle
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überrascht, obschon er Angelika früher bewundert und, weil eu
sie nicht für glücklich gehalten, sie auch bellagt und ihr dies
einmal ausgesprochen habe. Indeß sei eben seine Werbung un
die geliebte Eva die Antwort gewesen, welche er der Baronil
auf die von ihr geschriebenen Verse gegeben habe, und.. - -
Geben Sie mir Ihr Wort darauf, rief Eva, ihn unter-
brechend, Ihr Ehrenwwort, daß Sie diese arglistige Frau nich
wiedersehen wollen!
Er konnte ihr dieses Versprechen nicht leisten, denn en
war nicht sicher, es halten zu kdnnen, und da er nicht umhin
gekont, das Geheimniß der Baronin theilweise Preis zu geben
bemühte er sich doppelt, es den Andern darzuthun, wie nach
seiner Kemntniß ihrer Natur Angelika an einer kleinlichen Racß
keinen Gefallen und in derselben keine Befriedigung sinden könng
Der Amtmann lächelte. Ich habe Ihnen schon einmaß
gesagt, meinte er, daß Sie die vornehmen Herrschaften nicß
kennen, und wenn Sie wahrscheinlich besser von der Baroniiß
denken, als solche Damen es zu verdienen pflegen, so kann ih
Sie auch nicht darum schelten. Gegen den Windstoß, dg
krraaarnr
Das Wort verrieth die ganze Erbitterung des Amtman
und verletzte Herbert, aber er vermochte die Baronin eben ß
wenig zu vertheidigen als zu verdammen. Geschmeichelte Eit
keit, getäuschte Erwartungen, unbestimmte Besorgnisse und dch
unangenehme Bewußtsein, seine Braut verstimmt und in einI
ihr peinlichen Lage zurüchzulassen, bedrängten ihn gleichzeith
und erschwerten ihm das Scheiden, das doch endlich nicht weitI
hinausgeschoben werden durfte.
Herbert mußte die Nacht zu Hülfe nehmen, um am näc
sten Morgen rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein, und n
ihn die Bilder einer beglückenden Zukunft, wie ihn die lieblicgg

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Einnerungen der beiden letzten Tage und unruhige Gedanken
uaucher Art nicht zum Schlafe kommen ließen, so fanden auch
koa und der Amtmann keine Rast.
Man war übereingekommen, des Freiherrn Bestimmung
s ggen den nächsten Mittag hin gelassen zu erwarten. Hatte
nn se dann noch nicht erhalten, so wollte Adam auf das
Schloß gehen und selber darum bitten. Am Morgen machte
et ßch früher noch, als er sonst pflegte, an seine Arbeit. Er
ewwwies Ea zur Ruhe, da ihre aufgeregte Empfindung sich in
rbhaften Aeußerungen erging, und vermied es danach geflissent-
ih, mit ihr zusammen zu sein.
Als er um die Frühstückszeit vom Felde nach Hause kam,
ngte er: Ist etwas vom Schlosse da? - Eva, die ftill war,
oe mur große Unruhe sie es werden ließ, verneinte es. So
sl der Kutscher anspannen!
Du willst fahren, lieber Bruder?
Ja! Das Reiten macht mich warm! entgegnete er und
aließ sie, ohne weiter mit ihr zu sprechen.
Als er wiederkehrte, hatte er sich gekleidet wie ein Mann
snes Standes es für eine feierliche Handlung zu thun pflegte;
auch seine ernste, zusammengefaßte Haltung war einer solchen ent-
anechend. Während er den Wagen erwartete, trat Ea an ihn
an, und ihre Hand auf seine Schulter legend, sagte sie: Es thut
V ncht leid, Bruder, daß ich Dir Ungelegenheiten veranlassel
Mach' Dir keine Sorgen darum; wer weiß, wozu es gus
Il versezte er.
Eoa rückte ihm die Schleife am Halstuche zurecht, bürstete
den sauberen Tuchrock noch einmal ab und machte sic
er wieder etwas mit ihm zu schaffen, aber sie sprache?
ht mit einander.
Der Amtmann hielt sich innerlich vor, was er dem Inl
vorzustellen gedachte; Eva hätte dem Bruder ger k

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mögen, was sie vor dem Freiherrn gesagt zu haben winschte,
aber sie traute sich nicht, dem Bruder vorzuschreiben, und so
begleitete sie ihn vor die Thüre hinaus, wo der Einspänner
ihn erwartete. Du kommst doch geraden Beges nach Hause?
fragte sie.
Geraden Wegs! versetzte er und befahl dem Kutscher,
zuzufahren.
Wer den Freiherrn sprechen wollte, mußte gegen zwölf Uhr
kommen. Das war nun freilich für seine Leute, besonders für
diejenigen, welche nicht in Richten, sondern in Neudorf oder,
wie der Amtmann, gar in Rothenfeld wohnten, nicht die be-
quemste Stunde, denn es war ihre Mittagszeit; aber gerade
deßhalb hatte der Großvater des Barons es also eingeführt,
und man hatte es beibehalten von Vater auf Sohn, damit
man nicht ohne gewichtigen Grund in Anspruch genommen
und nicht unnöthig von den Leuten aufgehalten werden konnte.
Der Freiherr, welcher auf seine Wohlgestalt immer großen
Werih gelegt, neigte seit einiger Zeit zum Fettwerden und hatte
deßhalb angefangen, sich viel Bewegung zu machen. Als man
ihm den Amtmann meldete, gug er eben in Gesellschaft des
Marquis in dem großen Saale des Erdgeschosses auf und
nieder, in welchem man zur Winterzeit einen Theil der immer-
grünen Gewächse aufzustellen pflegte, und da die Sone warm
und hell durch die geöffneten Thhüren hineinschien, so daß es
dem Freiherrn in der Luft behagte, befahl er, den Amtmann
hieher zu senden.
Vermuthlich ein Liebesbote, aber freilich ein etwas robuster,
bemerkte lächelnd der Marquis, nachdem der Kammerdiener sich
entfernt hatte. Ich hoffe, Herr Baron, die Fürbitte Ihrer
Frau Gemahlin wird Sie erweicht haben. Und sich auf ein
damals übliches Madrigal beziehend, sang er mit seiner schönen
Stimme: Es ist so süß, so süß, zu beglücken!

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Der Freiherr, welcher den ganzen Morgen, obschon er sich
sehr gleichmüthig zeigte, doch nicht gut aufgelegt gewesen war,
lchelte flüchtig und bemerkte: Sie werden es trotzdem bei Zeiten
lnnen müssen, sich den Wünschen der Damen zu widersetzen!
So wollen Sie wirklich die kleine Eva dem Architekten
noch nicht bewilligen? fragte der Marguis, während ein kaum
merkliches Lächeln um seine feinen, sarkastischen Lippen spielte.
Ich pflege von meinen wohl begründeten Vorsätzen nicht
zrüczukommen, mein lieber Marquis.
Der Marquis verneigte sich leicht. Gewiß nicht! rief er,
und als komme ihm eben erst der Gedanke, fügte er hinzu:
llebrigens haben Sie, glaube ich, durchaus Recht, mein verehr-
ter Freund, wenn Sie diesem Herrn Herbert in einem gewissen
Punlte, den man freilich nicht zu schwer nehmen darf, nicht
d unbedingt vertrauen, als die Frau Baronin und der wür-
dige Gaplan, denn im Uebrigen mag sicherlich nichts gegen
Ihren Architekten einzuwenden sein!
Der Freiherr antwortete darauf nicht sogleich. Es lag
im Allgemeinen nicht in seiner Art, solche Einflüsterungen zu
beachten. Indeß gegen seine Gewohnheit fragte er nach einer
Weile: Marquis, was wissen Sie von dem Architekten?
Nur Gerüchte, wemn ich's recht bedenke, versetzte dieser
zurückhaltend, nachdem die Frage an ihn gethan worden.
Und welche, wenn ich bitten darf?
Ich hörte ste neulich, als ich in der Stadt war. Man
annte ihn den Liebhaber von Mademoiselle Flies, von der Toch-
dr Ihres Juweliers, die er freilich nicht heirathen kann - - - -
Und weßhalb nicht?
Ach, eine Jüdin! meinte der Marguis.
Mich dünkt, entgegnete der Freiherr, es haben in der
auptstadt jetzt ganz andere Leute als mein Architekt die Töchter
dicher Juden zu Frauen genommen, und es ist seit Jahren in

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der Welt mehr Auffallendes geschehen, als das. Reich genug
ist Flies, und Sie sagen ja, schön sei das Mädchen auch ge-
worden!
Sich verdammen zu lassen um sie! rief der Marquis und
erging sich in der Beschreibung von Seba's Reizen. Der Frei-
herr hörte nicht darauf. Gs ist mir lieb, dies zu wissen! war
Alles, was er sagte, als eben der Diener anzeigte, daß der
Amtmann warte.
Als Adam in die Gallerie trat, war er unangenehm durch
die Gegenwart des Marquis überrascht, obschon dieser sich zurück-
gezogen hatte und, anscheinend mit einem Buche beschäftigt, an
dem Postamente einer der Statuen lehnte, deren sich mehrere
zu beiden Seiten aufgestellt befanden. Der Freiherr blieb
mitten im Saale stehen, und ohne dem Amtmanne Zeit zu
dem Wunsche eines guten Morgens zu lassen, sagte er: Es ist
mir lieb, Stsinert, daß Er kommt, ich hätte Ihn sonst heute
oder morgen rufen lassen. Mit der Eva und dem Baumeister
ist es nichts; die Eva muß sich's aus dem Sinne schlagen!
Die kurze, rasche Weise, in welcher der Baron von einer
Angelegenheit sprach, die für Adam's Schwester und durch
diese für ihn selbst von der größten Wichtigteit war, und daß
er ihn in der Anwesenheit des Marquis in solcher Weise ab-
zufertigen meinte, verdrossen den Amtmann auf das höchste.
Er war gekommen, eine Familiensache ernsthaft mit dem Vor-
munde seiner Schwester zu berathen, und wurde wie ein Lakai,
dem man einen Urlaub abschlägt, stehenden Fußes abgefertigt
und abgewiesen. Obschon er gewohnt war, als Untergebener
vor eines Herrn Willkür Stand zu halten, hatte er doch Mühe,
ruhig zu bleiben, denn hier handelte es sich nicht um seinen
Dienst und um kein Amtsverhältniß. Er trat einen Schritt
näher an den Baron heran und sagte, die Stimme senkend:
Ich würde es dem Herrn Baron sehr danken, wenn er die

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Gnade haben wollte, mich in seinem Gabinette anzuhören. Er
blicte dabei nach dem Marquis hinüber; der Freiherr versiand
ihn auch.
Der Herr Marquis versteht das Deutsche nicht! entgegnete er.
Ich habe Beweise vom Gegentheile, gnädiger Herr! be-
merkte Adam bittend.
Die Einrede machte den Freiherrn ärgerlich, dessen seit der
gestrigen Unterredung mit der Baronin schmerzlich aufgeregter
Sinn sich nur schwer beherrschen lassen und nur auf einen Anlaß
gewartet hatte, um sich in einem Ausbruche heftiger Leidenschaft
geg zu thun. Gleichviel, rief der Freiherr, die Sache ist ja
kein Geheimniß: sag' Er, was Er will!
Der Amtmann, welcher nicht ahnen komnte, was im Schlosse
dorgegangen, und der, wie selbstherrisch der Baron auch immer
war, doch eine so grundlos herrische Behandlung sonst von ihm
nicht erfahren hatte, wollte das Anliegen seiner Schwester nicht
unnöthig einer übeln Stimmung ihres Vormundes zum Opfer
werden lassen, und mit mehr Ergebenheit, als in seinem Innern
war, sagte er: Wenn ich vielleicht jetzt ungelegen komme, Herr
Baron, so will ich warten -= oder wiederkehren!
Der Baron sah aber in dem bescheiden gethanen Vorschlage
nichts als eine Widersezlichkeit, und eine solche wollte er in
Gegenwart des Marquis nicht ohne Rüge lassen, da dieser,
wie der Freiherr es wohl wußte, des Deutschen im Laufe der
Jahre allerdings mächtig genug geworden war, um vollkommen
zt verstehen, was hier vorging.
Wiederkommen - weßhalb das? Die Sache ist ja lurz
nng, und ich werde Ihm schon sagen, wemn Er mir un-
Eelegen kommt! rief der Baron. Der Baumeister will die Eva
heirathen, und da ist Er wie die Andern alle. Wenn's ans
Deirathen gehen soll, läuft ihnen der Verstand weg! Kennt
Er den Architekten? Was weiß Er von ihm?

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Gnädiger Herr, ich kemne Herrn Herbert nun seit fünt
vollen Jahren, versetzte der Amtmann, dem die Worte de
Barons das Herz aufwallen machten. Er ist mein Freunds
geworden, ich kenne ihn als einen Ehrenmann, und der gnäF
dige Herr und die Frau Baronin selber haben ihn ja ihreß
Gesellschaft auch nicht für unwerth angesehen.
Das war, mochte er sie absichtlich oder unabsichtlich gewählh
haben, sicherlich die unglücklichste Beweisführuug, welcher sicj
Adam bedienen konnte, denn gegen seine Gewohnheit heftigj
auffahrend, rief der Baron: Laß Er meine und meines Hause
Handlungsweise ein fir alle Mal aus dem Bereiche Seineßh
Betrachtungen! Hört Er, merk' Er sich das! Damit Er abes
weiß, woran Er ist, und damit Er es der Eva sagen kannI
woran sie sich zu halten hat, so melde Er ihr, daß einer einj
guter Baumeister sein und zum Ehemanne nicht taugen lönne!
Der Herbert steht mir nicht an, ich traue ihm nicht, und dabeß
bleibt's.
Er wendete sich ab und wollte sich entfernen. Aber auäh
Adan's Geduld war jetzt am Ende. Er konnte es nicht erj
tragen, sich und Herbert, für den er eine herzliche Freundschafs
fühlte, im Beisein des von ihm mißachteten Marquis so unj
würdig behandeln zu lassen, und sich hoch aufrichtend. sagtj
er: Um Vergebung, gnädiger Herr, aber dabei kann's unmögs
lich sein Bewenden haben. Der Herr Baron müßten micj
selber für keinen Mann von Ehre halten, ließ' ich das aus
meinem Freunde, auf dem Manne sizen, den ich nun einmas
als meiner Schwester Bräutigam ansehe! Der gnädige Hert
selber haben uns den Baumeister in das Haus geschickt....
Doch nicht, damit die Eva sich gleich auf gut Glück it
eine Liebschaft mit ihm einlaßt!
Gnädiger Herr, fuhr der Amtmann auf, und seine großen
Augen blitzten - meine Schwester.. .

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Sein Vater, fiel ihm der Freiherr in die Rede, da er
ghlen mochte, daß er zu weit gegangen sei, Sein Vater hat
utr das Mädchen anvertraut, ich habe darauf zu halten, daß
ü leichtfinniger, kein unzuverlässiger Mann es bekommt; ich
hbe des Mädchens Ruf, Glück und Zukunft zu bedenken, und
H ihue ich!
So sollten doch der gnädige Herr vor Allem solchen Leu-
yu das Handwerk verbieten und uns solche Leute nicht ins
dus schicken, die der Eva geraden Weges Jallstricke legen,
iht der Amtmann, dem die Galle überlief, heraus; denn, un-
auwunden, gnädiger Herr, dem Herrn Marquis weis' ich die
Tür, wenn er sich noch einmal in meinem Hause blicken laßt!
Er und der Baron wendeten sich dabei gleichzeitig nach der
Sdite um, an welcher der Marquis sich vorhin befunden, indeß
d gewahrten, daß er den Saal verlassen hatte, und leiden-
haftlicher, als der Amtmann seinen Herrn jemals gesehen.
nf dieser: Stecken Ihm auch die aufsässigen Gedanken im
üme? Vergißt Er, daß ich Sein Herr bin? Wo is Sein
dus, Er Unverschämter?
Aber grade die Maßlosigkeit des Barons brachte Adam
=r Besinnung, und sich gewaltsam fassend, sagte er: Ich ver-
tst nicht, daß ich in den Diensten des gnädigen Herrn bin.
n ich bin nicht sein Knecht, nicht sein Höriger: Ich bin
N fneier Mann, gnädiger Herr! Wo ich und meine Väter mit
Ien seit langen Jahren Haus gehalten haben, da ist mein
Vus, und ich müßte kein Mann von Ehre sein, wenn ich ds
VJedermann die Thüre wiese, der mit Unehren sich an meine
Iwester wagt!
N war blaß geworden, während er so sprach; auch dc?
derr hatte die Farbe gewechselt. Nun denn, rief er, HanE'
wider Hausrech! Ich will Ihm zeigen, wer hier P

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ist, da Er's zu vergessen scheint! Er verläßt mein Haus un
meinen Dienst!
Das traf den Amtmann, aber auch dem Freiherrn wc!
nicht wohl zu Muthe, da er das Wort gesprochen. Einen Augen s
blick fühlte Adam, als sinke er in das Leere, indeß den Freij
herrn wollte er das nicht merken lassen, und sich zusammen !
nehmend, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen: Der Her j
RekEadrrr
mir lassen?
Die anscheinende Ruhe seines Untergebenen reizte den Barokks
und sein Zornn gegen die männliche Fassung Adam's, in welch, j
jener nur die jetzige ihm so verhaßte Auflehnung des binnge j
lichen Standes gegen die über ihm stehende Glasse des Ade.
sah, verhärtete seinen Sinn.
Mach' Er das mit sich selber ab! gab er dem Amtmank!
kurz zur Antwort, kehrte ihm den Rücken und entfernte si j
durch die Seitenthür, durch welche der Marquis vorhin gegange j
war. Der Amtmann stand eine Minute lang regungslos au !
seinem Platze, dann ging er langsam durch den Haupteingayl
von dannen.