Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 08

Acht eä Capitel.
lZ war eine eigenthümliche Lage, in we'ch-r der Taplan sich
k gegeniber der freiherrlicheu Familie befand. Er glich dem
Manne, welchen man zu einem Gastmahle eingeladen hat, und
der bei seinem: Eintritie in das Zimumer an dem Qualm und
Nauch, die ihm entgegenströmen, den nahen Ausbruch eines
im Verborgenen glimmenden Brandes erkennt. Es galt hier,
zu helfen, nicht zu geniesßen, und Hilfe z leisien war ja
sein Berf.
Er fand Angelika unzufrieden mit sich s lbst, beunrnhigt
durch die Slimmung ihres Galien, durch den Einfluß, den
Frau von Uttbrecht und ihr Mtysticismus über ihn gewonnen
hatten, und fand sie selbst auf das lebhaftese beschäftigt durch
eine Menge von religiösen und mystischen Eindrücken, welche
sie, eben um ihrer Fremdheit willen, bald anzogen, bald ab-
stießen und ihr den Frieden raubten. Sie sehnte sich nach
einem Menschen, dem sie ihr Herz erschließen, den sie zu Rathe
ziehen konite. Sich ihrer Mutter zu entdecken, hielt die Liebe
für ihren Gatien sie ab. Die Gräfin wirde ihre Tochter für
ungliiclich, ihren Schwiegersohn fir schuldig gehalten haben,
und unglickl:., fühlte die Baronin sich nicht. Sie wußte nuur
-a
s-s
--==, was sie thun solle, um wieder zu der Nuhe zu gelangen,
die sie bis zu ihrem Hochzeilöiage steis beseeli, um sich wieder
in demn Einllange mit demt Freiheren zu befinden, von dem
sie beide das Heil ihrer Ehe und ihrer Zuukuft erhofft hatten.

-=- PgZ--
1
Sie konnte sich nicht recht klar machen, was eigentlich geschehen,
sei, was zwischen ihr und ihrem Gatten stehe, aber es war
anders geworden, als sie es erwartet hatte; es war geworden, -
wie es nicht hätte sein sollen, wie sie nicht geglauubt hatte, daß
es jemals werden könne,
a--. aorke des alten, aufgefundenen Gebekbuches tönten
dl,. s
immer in ihreu Herzen. Ihr selslle ei Siul, der sie slizie,
ein Licht, das ihr das Dunkel erhellte. Sie muste oftmals
an dasjenige denken, was der Baron, was der Caplan ihr von ,
der befreienden Kraft des Wortes gesagt hakten. Es lag, so
fern ihr die Vorstellung sonst gewesen war, jezt für sie
etwas Verlockendes in dem Vertrauen, in der Zurechtweisung,
und Belehrung, welche man in der Beichie gewährt und ,
empfängt. Sie fühlte bisweilen ein wahrhaftes Verlangen da- -
nach, dem Caplan Mlles zu sagen, was sie drickte, von ihm;
Nath zu begehren, und es hätte nur einer Ermuthigungj
von seiner Seite bedurft, ihr den Mund zu erschließen; aber,
er gewährte ihr diese nicht. Er wollte reifen lassen, was erj
emporkeimen sah, und die Frucht nicht vorzeitig brechen, so
j
sehr er sich ihrer erfreute.
-- Es war nicht lange nach jenem ConcertAbende, als er (
in den Händen der Baronin ein Kästchen erblickte, das sie mit?
s
einer gewissen Hast verschloß und auf die Seite stellte, da erj
bei ihr erschien. Sie sah, daß er es bemerkt hatte, daß er!
dariber lächelte, und plözlich zu einem Etschlusse gelangt,!
fragte se ihn ganz unuumwunden, ob er den Glauben theile,j
den sie im Hause der Frau von Utbrecht häuufig aussprechenj
hören, den Glauben, daß die Gottheit noch in unseren Tagen j
dem Menschen sichtbare Zeichen gebe, wenn er ihres Beistandesj
bedinrfe oder sich sonst in ungewöhnlichen Lebenslagen befinde. '!
Gewiß! sagte der Caplan, davon bin ich üüberzeugt! Es j
ist keln Wandel ln dem Uuwandelbaren, und was Goti einsij

1I ---
, in seinem Erbarmen für die Menschheit gethan hat, das kann
- und muß sich bei dem gleichen Anlasse immer wiederholen.
s Angelika sah ihn ernsthaft an. Sie glauben also an wuun-
F derbare Ereignisse, an wuunderbare Zeichen? forschte sie weiter.
e
Unbedenklich! versicherte er ihr. Aber was bewegt Sie zu
?
diesen Fragen, meine gnädige Frau?
Sie ulwwworlele ihu nichi duruus; sie wullle jedoch uisse,
s
.
z ob er je etvas der Art erlebt, ob er irgen: eine Erfahrung
z gemacht habe, welche seine Aussage bestätigen oder einen Beweis
, für die Lehren von dem geistigen Znsammenhange der Todien
? uit den Lebenden gewähren könne.
?
Er zbgerte eine Weile, indeß er sah die Spannung, mit
ss
=s' welcher sie an seinem Mund hing, und mit feierlichem Ernste
, sagte er: Es begegnet, des bin ich sicher, nicht eben oftmals,
V
; das: die Gottheit es fir nöthig findet, dem Meuschen durch ein
;; schtbares Zeichen ihrer Vorsehung und Allgegenwärtigkeit zu
F Hilfe zu kommen; wo es aber geschieht, da hat man es als
F die höchste Gnade anzusehen, und wem es begegnet, dem legt
es die doppelte Pflicht der eigenen Heiliguungz und der Werk-
thätigkeit fir Andere auf. Mir ist diese Gnade einst geworden,
E
z als ich auf dem Wege war, sie weniger denn jemals zu verdienen.
Die Gehobenheit, mit welcher er sprach, umleuchtete sein

s?
edles Antliz und seine ganze würdige Gestalt, daß Angelika
z der Naum des Zimmers durch sein bloßes Dasein wie geweiht
j schien. Es wurde ihr feiersich zu Mutße, als befinde sie sich
F in der Kirche, und es war nicht Neugierde, sondern ein heißes
Verlangen nach Wahrheit, daß sie zu der Bitte antrieb, der
?
z- Caplan möge ihr, wennn er das könne, mittheilen, was ihm
, einst widerfahren sei.
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a-- versetzte er nach kurzemu Schweigen, das will ich thun.
k
Z Sie sollen vernehmen, was bisher Niemand von mir gehört
E s=
z =s, und wovon jetzt kein Lebender außer mir noch Zeugniß
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-- hge---
geben kann. Ich will es thun, so schwer es mir auch ankommt,
von den Verirrungen meiner Jugend zu sprechen. Nur im
büßenden Gebete hatte ich seit langen Jahren jener Zeiten nochI-
gedacht, und ich hatte nicht gemeint, daß jemals wieder über
meine Lippen kommen wüürde, was ich einst in bitterer Reue
dem verschwiegenen Ohre meines Seelsorgers und Beichtvater?
anvertraut, um durch ihn Vergebung fitr eine Sünde zu er-
langen, welche fir mich, für den geweihten Priester unseres
Gottes schwerer als für einen Andern in die Wage des Ge-
richtes fiel. Aber es erscheint mir als eine Mahnung des Herrn.
dasß ich veranlaßt werde, noch einmal vor einem Andern mich
meiner Schuld zu zeihen. Goit wisl, ich soll sie nichi begraben
in meines Herzens stillem Schrein, ich soll mich zu meiner
Schuld bekennen, vor denen, mil denen ich lebe, sie sollen mich
kennen in meiner ganzen menschlichen Gebrechlichkeit, damit sie
es immerdar empfinden, das es der Herr ist und nicht ich, de
in mir wirkt und schafft, wen ich sie zu erheben trachte. Und
-- die Wege des Allveisen sind so unerforschlich! Wer will -
es sagen, zu wwelchem Zwecke er, jene schmerzlichen Erinnnerungen
wieder so lebhaft in den Vorgrund meiner Seele drängt? Wes- s
halb mir der Glaube so gebieierisch das Herz erfaßt, ich müsse ;
zben zu Ihnen und eben zu dieser Stunde davon reden? - -
Er hielt inne, als bedürfe er der Sammlung, und fing dann
mit unverkennbarer Selbstüberwindung seine Erzählung also an:
Ich hatte eben die priesterlichen Weihen erhalten, als ich
in das freiherrliche Haus, in das Vaterhaus Ihres Herrn Ge-
mahls eintrat. Aus der Abgeschiedenheit des Collegiums, aus
der Stille und Zurückgezogenheit, an die ich gewohnt war, sah ich
mich in einen viel bewegten, glänzenden Haushalt versezt. Ich
hatte bis dahin nur zu lernen und zu gehorchen gehabt; jezt
sollte ich Lehrer, Führer und Leiter eines lebhaften Jinglings
werden, der mir an Jahren nuur wenig untergeordnet, an Lebens-
l

----- 1J - --
erfahrungen aller Art mir weit vorauf war. Wollte ich leisten,
was man von mir erwartete, so bedurfte es des festen Willens
von meiner Seite und des festen Glaubens, daß wir ron der
Vorsehung an keinen Platz gestellt werden, drn auuSzufüllen über
unsere Macht geht. aer Wille und der Glaube fehltrn
nicht; ich arbeiteie an mir selbst, ich erzog mich, um ein
zieher zu wwerden, und die Familie, der ich diente, war nit
mmir
Er-
mir
zufrieden, zufrieden, wie ich selbst es mit mr war. Man be-
wies uir ein ehrenvolles Vertrauen, die Eteuu meines Zöglings
behandelten mich wie einen Anverwandfen, seine Schwesler war
fir uich selbst wie eine Schwester freuu lich.--- Er machte
eine Pauuse, und die Baroni glauuble zu bemerlen, das; eine
Röihe das Auutliz des wirdigen Maunes ülberflog, als er seine
Erzählung wieder auufnahm.
Sie haben das Bild von Fräulein Amanda in Ihremt
Zinmer, gnedige Frau. So wie der Maler sie dort geschil-
dert hat, so sah sie aus, als ich sie zuerst erblickte, so edel und
l.ss
so erust, so sanft und so mild. Sie war actze=- Jahrr alt.
Man hatte sie den sämmtlichen Unterricht ihres nur um ein
Jahr jingeren Bruders theilen lassen, und man vergönte mir,
i- s.=- N,s- s
C=-« -=--=-- - zll woerden, aber mmehr als das, wir wurden -=-
oder wir glaubten, Freunde zu werden. Um ihr Neues zu
bieten, um ihren Antheil zu gewinnen, wurde ich eifriger als
je in meinen Siudien. Ein leidenschaftliches Verlangen und
ein Durst nach Wissen und nach Erkenntniß der Wahrheit be-
mächtigten sich meiner, ich wollte dem genilgen, was Fräulein
Amanda von sich selber verlangte, waö sie in mir voraussezte.
Es giebt nichts Großes, nichts Heiliges, das uns nicht bewegte,
nichts Edles, nach dem wir nicht strebten. Wir fühlten uns
frei einander gegenülber, und wir trennten uns wie Freunde
und Geschwister sich krennen, als der junge Freiherr seine
Reisenn auiraui, auus denen ich ihn begleilezn sollie.
F. Le wald, Von Geschlecht zu Geschlecht. l.
1

-- hgß-
Es war ausgemacht worden, dasß ich dem Fräulein schreiben
dirfe. Niemand hatte ein Arg daran, au wenigstens wir
selber. Ich wußte, daß alle meine Briefe von der Mutier ge-
lesen wurden, ich vermuthete, daß sie auch die Auntworten ihrer
Tochter an mich laö, und doch blühten auf der offenen Heer-
strasze dieses Briefwechsels die Bluumen auf, deren Duft uns
den Sinn verwirrte, deren Ranken uns umstricklen.
Der junge Baron und ich, wir blieben zwei Jahre im
Auslande. Voll Freude und Zuversicht kehrten wir in die
Heimath zuriück, aber es war vorüüber mit dem friedensvollen
Glicke, das ich vor der Neise in dem freiherrlichen Hause ge-
nossen. Ich hatte nicht mehr das Herz, dem Fräulein wie
sonst zu begegnen, ihr fehlte der Muth, mir zu nahen; wir
vermieden einander. Ich fragte mich nicht, was geschehen sei;
jeder Athemzug sagte es mir. De Trentung von ihr halie
eine wilde Leidenschafi in mir angeregt, eine Leidenschaft, die
in doppeltem Sinne fir mich eine Sünde in sich schloß. Jn
heißen Käpfen, in brünsiigen Gebeten rang ich nach Frieden.
Er wollte mir nicht kommen. Ich mustte die Ursache meiner
Leiden fliehen. Ich forderte meine Entlassung. Baron Franz
bedurfte meiner Begleitung auch ferner in der That nicht mehr;
In den Tagen fand sich ein Bewerber um des Fräuleins
Hand. Aanda bewies sich demselben nicht geneigt. Ahnungs-!
los, nur an das Zutrauen denkend, das die Tochter mir ge-
währte, wandten die Eltern, welche diese Verbindung winschten,:
sich an mich. Ich sollte Amanda bestimmen, dem Verlangen
ihrer Eltern nachzugeben, und ich beschloß, da ich selbst deu!
Man hoch schäzte, der das Fräulein zur Frau begehrte, dij
schwwere Pslicht, die man mir auferlegie, als erste Busße übet;
mich zu nehmen. Ich betete auf meinen Knieen um die Krasi,
der Selbstbeherrschung, und Gott schenkte sie mir. Ich bezwangs
mein Herz, ich konnte Amanda sagen, was man von ihr ver-!

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langte und was zu Guunsten ihres Bewerbers sprach. Ich rieth
ihr, dem Wuische ihrer Eltern nachzulommen; ich rieih nhr,
den Weg z gehen, auf den die Vorsehung sie üihren zu
wollen schien.
Sie hörte mich an, gi aber entsezt, als spräche ich eine
gps
Gotieslästerung aus. Ihre Auuge fil'tenn sich mit Thhränen,
und die Händ vor der Brust faltend, fragte sie mich mit stra-
fendem Tone Das verlangen Sie, grade Sie von mir? Das
wagen Sie mir als Tuugend, als Pflichterf!illung vorzuzeichen?
Und als ich verwirrt und sprachlos vor ihr stand, hot sie ihre
gefalteten Hände gegen mich empor und fragte schluchzend:
Giebt es denn keinen Ausweg aus dem unheilvollen Labyrinthe,
keinen Ausweg als den Meineid, an dem der Mensch zeitlich
und ewig zu Gruunde gehen muß?
Und wieder schwieg der Caplan. Angelika reichie ihm die
Hand; er drickle sie ihr leise und fuhr dann fort Der Stunde
folgte eine Zeit voll schwerer Verblendung. voll großer Noth,
voll kiefer Verwirrung. Als Selbstiberwinder, wenn auuch herz-
zerrissen, gingen wir beide daraus hervor. Ich verließ dak
Haus, Amianda verlangte in ein Kloster einzuireten. Da h==
.- NIs-
lichkeit der Eltern, die Vorsicht des Arztes wollten davon nicht
hören, denn ihr Körper war dem Seelenleiden nicht gewachsen;
sie verzehrie sich in ihrem Schmerze.-- Niemand wußte, was
ihr fehle; wir haiten einander ewige -ennung und ewiges
Ns-:
Schweigen gelobt. Ich hörte nichts von ihr, als in den sel-
tenen Fällen, in denen Baron Franz mir schrieb und ihrer
Erwähnung that. Aber er lebte damals neicht im V... hauuse
fo9
und hatte auch nur brieflich Nachricht von der Schwwester.
Dre: Jahre waren so hingegangen, fuhr der Caplan fort;
ich lehrte von einer Missiondreise aus deu I===-- oon: Sild-
amerika zuru-«. als ich von Amanda's Vaier die Anfrage er-
cl.K
hielt, ob ich mich entschließen könne, seine Frau und Tochter
zg

--- hR- -
auf einer Reise zu begleiten. Ein furchtbarer Schrecken kam
über mich. Ich wußte, wie es stand, da Amanda mich zu sich
rief. Ich fuhr Tag und Nacht. Es war früher Morgen, als
ich in dem Schlosse eintraf. Alles schlief. Ich befand mich
wieder in ihrer Nähe; ich wagte nicht, nach ihr zu fragen.
Als man sich im Hause erhoben hatte, lies; die Baronin mich
rufen. Ihre ersten Worte bestätigten mir, was ich bereits
wuszte. Sie werden mein armes Kind verändert finden, sehr
verändert, sagte die Baronin, indes; Gott ist ja allmächtig und
kant Wunder thun! Die Aerzte vertrösten uns auf die Luft
des Südens. Meine Tochier iheilt unsere Hossnungen fiir ihre
Genesung nicht, aber sie winschte Ihre belehrende Begleitung,
und wir waren sicher, das; Sie uns nicht fehlen wirden, da
wir Ihrer nöthig hatten.
Eine Stunde später fihrte man mich zu Amanda. Welch
ein Wiedersehen war das!-- Die Reise wurde nach wenig
Tagen angetreten. Noch vor dem Beginne des Herbstes erreich-
ten wir Jtalien, ließen wir uns in Venedig nieder. .h war
N
immer bei ihr. Niemand wehrte es uns. Sie war freien
Geistes, sie fing an, wieder Muth zu fassen, und es schien eine
Weile, als kehre das schwindende Leben wirklich noch einmal
in sie zurück, als könne das Leiden sich noch besiegen lassen.
Aber diese Hoffnung, schwwach wie sie war, stürzte meine Seele
in den alten Kampf zurück. Die Angst, die Verzweiflung,
welche mich bei dem Gedanken an ihren nahen Tod erfüllt
hatten, die auftauchende Möglichkeit, sie gerettet zu sehen, die
Frage, was dann aus uns werden solle, machten mich fast
sinnlos. Meiner selbst nicht mächtig, brach ich das Gelöbuiß
des Schweigens, das ich ihr einst gegeben hatte, und bekannte
nhr, daß es mir nicht möglich sei, in ihrer Nähe zu weilen,
ohne zurückzufallen in die sindhafte Verwirrung, der ich mich
einst kaum zu entziehen vermocht hatie.

- 1
Er fuuhhr sich mit den Häiden iler die Augen. Dann
seufzie er und sagte Sne hielt eine oeise Rose in ihrer Hand
in jener Slunde. Die Rose sanl eniblättrrt zur Erde nieder,
als ich, vernictet vont Amanden's Thränen, --- - 8--b-b-
isifs Nc-zf ofiifne
.s-ss Pssis--nd s,is. if:
if mfifss
zg. i!d, ihNe C;, ;; - -- ==o---= -« -==1-- --»; -----z
ps A.
sl,siös
hin und schwieg, aber sie hliel ruhig u thränenlos. Sie
hätten der Nose die paar armten Lebenssiundenn - zarstören
s.sis
sollen! sagte sie da... endlich. ---- ---- u.n diese Rose,
T,.-f fi--s T,
wvennn ic ticht uuehr sein werde--- und das wird uict lange
auf sich wartenn lassen!
- lifpis:
Sie haiie in den etzten Woche:n nicht mnehh. =----
z- sAn
e ode g.; ochen, ich bescwor sie, diese dD - -- --g. lungrn zl
M,p- bN..si
-ssz-
verbannen; sie wollte icht, das; ich dieselbrn -- - ------ -
Afsss,-s firfmikp
Her Td ist sir uns le:. ---- er isi ein Eigel des Frie-
h« N.
dens fitr uns. der uns Erlösung bringt! sprach sie. Sie
mütssen mit mir den Himnniel -u- danlen,---; -r mich bald
nfzs s
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abberufen wird. Wir haben schöne, schöne Tage hier mii-
einander gelebt, wir werden uns einst rein und geläutert wie-
dersehen, um -lz. lnlch bei einander zu bleiben. Die
shisn D,.l?
=------- --- -- -=g dazwischen liegt, was ist sie neben der
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Ewwigleit, die uns erwartet'?
Mein Sinn war verdistert, meine Leidenschaft band mich
an die Erde, tc k-ü.=- --=« -== - ---zz1g nichl erheben.
mi-fn iififli -- j lzw.p sHzzssH
E,s, s ,iisifn :ssn iini: (Fzsssneo
iswvifoss Is»-Is.is sfsßii -szipiri:
o,zF s E? 1llt« uuln)u-sss ==»==111VsZ=z 11lul1=ll =T.11-CG.sb 111Fs »s7i-z1y
s. fn,iis= l.ss,-»-sif z=-in sfis zs-s l-inmo a
=»=e -= - -=-- =-===--=z--s- i=p -s»z ----- ui. Ißejg et Sje
ss.s
---»=-- sagle sie, ich werde Sie nicht verlassen, g- - ---=---- -
,lz sspsAp issis:v
bei Ihnen sein, mein Freund!
Was hilft mir da?, wenn ich Sie eichi sehe! rief ich in
der Wildheit meines Herzens.
Og,! nunf-s.lif. si= üsd. -s.-- N
V-« - -- -p-- is- --=»- -g- aonl llang; mtilh yie keines
-isdo-s PF,.ss,s-
=-===- -- »--ugil Sjjtzzpe, Sjg s0.a ----» »=-z s zo-- -=- ---
slpzs zfssrhs siF sp fios: fion:n
Goti es zulästt, das: wir den Lebenden erscheinen. Heiligen

- 10---
Sie Ihr Leben! Leben Sie es im Dienste Goktes und ver-
gessen Sie der weißen Rose nicht! Sie soll Ihnen ewig eine
Mahnung an die menschliche Schwachheit und ein Zeichen
meiner Nähe sein. Sind Sie das zufrieden?
Ich hatte keine Antwvort, als meinen siummen Schmerz.
Sie ließ mich versprechen, das: ich ihr die Auugen schliesßen und
läglich für sie beten, das; ich ihre Mutter nicht verlassen, daf
ich über ihren Bruder wachen und ihm ein Bruder bleibee
wolle. Sie trug mir auf, ihre Asche nach Richen zu schaffen
und weisße Nosen pflauzen zu lassen vor der Thüre der Fa-
milien-Gruft.
Von der Stunde ab war ich Herr geworden über mich
finr alle Zeit, sagie der Erschitterte mit Ergebung.
g,
an Frühjahr neigte sich ihr Leben zur Ruhe. Der Mai
war zu Ende, als sie starb. Ihe Wille geschah. Wir brach-
ten ihr Sterbliches nach der Heimaih, ich habe die Rosebische -
selbst gepflanzt, ich habe auch ihrer Mutter das Auge geschlos-
sen und bin ein Hüter des Grabes geworden, dad sie deckt.
All mein Wünschen war am Ende, und der Ehrgeiz, das Ver-
langen nach weltlichem Ansehen und nach weltlicher Macht,
die mich sonst zuweilen beseelt, waren damit für inmer in mir
erloschen. An dem Orte zu weilen, wo sie gelebt hatte, zu
wirken, wo ihre Milde gewaltet, das war Alles, was ich be-
gehrte; und mit inbrünstigem Verlangen, mit täglichem Gebet
erwartete ich es, ob sie mir kein Zeichen geben würde. -- So
kam der Jahrestag ihres Todes heran. Ich hatte an seinem
Vorabende lange im Gebet gewacht; am Morgen eingeschlum-
mert, weckt mich ein Klopfen an der Thire. Ih rufe herein,
N
ein Knabe aus dem Dorfe kommt in mein Zimmer, und das
Erste, was ich erblicke, ist ein Strauus von weißen Rosen, der
mir in seiner Hand entgegenwinkt,
Er schwieg, von seiner Empfindung iberwältigt, und blieb

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- - P e. Z, === -
lange in seinen Erinnerungen versunken. Dann richtete er sich
empor und sagte mit sanfter Rührung: de weiße Rose hat
mich seiidem durch mein ganzes Leben begleitet. Im Wachen
und im Traume ist sie mir plözlich entgegengebracht wocden,
wenn mein Sinn verdisteri war. Sie hat w ich ermahnt und
erhoben, und es wird sich ja wohl Jemand finden, sie auuch
mir einsl auf den Sarg zu legen und sie auc auf mein Grab
zu pflanzen.
Er erhob sich und krat an den Kamin, die Lichter zurecht
zu ricken. Mit feuchtem Auuge, unfähig, de Eipfindungen,
die sie bewegien, Worte zu leihen, sah Angeüila ihm nach. Sie
haite in den ernsten, stillen Zigen des Caplans diese Vergan-
genheii nie gelesen; sie wuste jezt, was ihn an der Arten'schen
Familie festgehalten, was ihn bewogen hatie, in Richten zu -
bleiben, ihn, dem eine grösßere Wirksamkeit nicht häite fehlen
können, wäre er gegaugen, sie auf weiterem Felde zu suchrn.
Von einer Vorstellung zu der anderen, von einem Gedan-
ken zu dem anderen schreilend, fragie sie nach langem Schwei-
gen plözlich: Und wer war der Knabe, woher hrachte er Ihnen
jene ersten weisen Rosen?
Er war der Sohn einer Witwe, den Fräuulein Esther aus
der Taufe gehoben hatte und den ich auf ihren Wunsch in einer
gewissen Aufsicht hielt.
So war es Fräulein Esther, welche ihnen jene Rosen
sendete?
Durchaus nicht! Die Mutier des Knahen, die ich in
einer Krankheit hier und da besucht, schickte sie mir als Erst-
linge des Jahres.
Und wieder schwieg die Baronin eine Weile; dann sagte
sie: Sie erwähnten der Tante Esther, haben Sie dieselbe näher
gekannt?
«=- versezte der Caplan. Sie hatie fin ihre Nichte die
,

--=- h e,f a ==
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größte Zärtlichkeit, und Amanda hing an ihr mehr noch als
an der eigenen Mutter. Auch war sie die Einzige, welcher
Amanda, ohne daß ich's ahnte, in früher Zeit ihr Geheimniß
anvertraut hatte, und fest und treu hat sie es ihr bewahrt.
So wußie Tante Esther also auch von der Verheißung
der weißen Rose?
Sie hat nie davon gehört! versicherte der Caplan; ich ssbst
habe mich davon überzeugt.
Angelika war beirossen. Sie haite noch wähhrend der Er-
- zählung des Caplans mehrmals nach dem Käsichen geblickt, das
sie bei seinem Eintreten in der Hand gehabt. Jetzt nahm sie es
hervor, schloß es auf, und dem Gaplan den Nosenkranz hin-
reichend, den sie in der Vase in Esther's Zimmer gefunden
hatte, fragte sie ihn, ob er denselben vielleicht jemals bei der
Tante gesehen habe.
Gott im Himmel, und grade heute! Heute grade, da die,
Geschichie jener Tage zu ersten Mal lber meine Lippen
kommt! Heute muß ich dieses Pfand in meinen Händen hal-
ten! rief der Caplan und blickte mit Rührung auf die Per-
len nieder.
Die Baronin wiederholte die Frage. Sie wollte wissen,
von wem die Gegenstände stammten, sie zeigte das Crucifg
und das Gebetbuch vor; der Caplan betrachtete beides lange
und still.
1
Daß die Sachen uns so überleben! sagte er nach einer
Weile. Amanda hatte das Gebetbuch mit Nosenkranz und
Erucifix von einem der armenischen Mönche auf San Lazzaro
bei Venedig zum Geschenk erhalten. Sie fand eine große Er-
hebung in dem Gedanken, daß schon seit Hunderten von Jah-
ren gläubige Herzen ihr Gebet daran geknüpft, und sie starb
mit diesem Rosenkranze in der Hand, mit diesem Grueisi auf
ihrer Brust. Die Worie in dem Buche hat sie selbst geschrle-
=

1
U


s
i
s
l

- - 1 eIC -- -
ben mit letzter Kraft und bebender Hand, als sie mir auftrug,
.illes dies nach ihrem Tode ihrer Tante zu senden. Ich würde,
ß
hätte ich's nicht mit angesehen, ihre llare. seine Schrift sonst
nicht in diesenu schwanlenden Zilgen wieder z erkennen vermi-
gen.-- Er hielt das Buc lange in seiner Hand. Dann
legte er es nieder und sagte gedanlenvoll: Und grade Sie, Frau
Baronin, muszten diese Heiligthüümer finden! Grade heute mustte
ich dieselbe:n wiedersehen ! -- -, wie lönnen Sie zweifeln, das
Gvii denenn, die er seiter Gmiade wilrdigl, wu ndervolle Zeichen
schicht?
Er sprach nicht weiter, die Baronin fragte nicht weiier.
Aber sie löste den lleinen Ning von dem Rosenlranze ab und
steckte ihn an ihre Hand, die sie dem Caplan reichte. Denlen
Sie, mein Freund, sagie sie, wenn Sie diescs Zeichen an meiner
Hand erblicken, daß zwei edle Herzen, daß Amanda und Esther
mir es zugewendet, daßß sie mich Ihrer Gunst damit empfohlen
haben, und ßehen Sie mir bei, wenn ich einmal --- sie srach
die Worte mit tiefer Erschitterung --, wie jene geprüften und
bewährten Seelen, einen Stab brauche, mich darauf z z=-p--
ssho
und ein Licht, mir zu leuchten durch das ===- - -
Dess-K.s!
., das will ich, versezte der Caplan; aber Sie bediürfen
meiner nicht. Wer ihn suchet, den Erlöser, der findet ihn;
wer nach seinem Lichte ruft, dem erhellt er den Pfad. Er hat
Sie bereits zu sich gerufen; geben Sie sich ihm zu eigen, und
sein Friede wird über Sie kommen hier unb dort.
Er legte seine Häide segnend auuf ihr Haupt und ließ sie
zurick in stillem, eifrigem Gebet.