Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 13

areizehnteä Ca g - - - --
si s e l
ws,
Fler Freiherr hatie sich von seinem Vorhaben nichi ab-
==a.?
bringen lassen, er hatte selbst zu Gericht gesessen iber die An-
geklaglen und Schuldigen. Aber auf den Besizungen des Frei-
herrn wie üüberall auf dem Lande hing und hängt der niedere
Mani an dem Hergebrachien. Aus demn Hergebrachien schöpft
er seine Einsicht, uach deu Hergelrachlen richlel er seine Fol-
gerungen, auf daö Hergebrachte siellt er sich, wenn er mit seinen
sich an die Zukunft wendet, und was ihn von
Erwartungen
diesem Voden
Mancher
oder grösterer
enlfernt, flös;t ihm ohne Weiteres Misztrauen ein.
von den Insassen der Giter war wwegen lleinerer
Vergehen in den lezten Jahren zur Verantwor-
tung gezogen worden; indes; er hatte es dann, wie Aam
sehr richlig bemerlt, gleich seinen Vordern, auuf den Aiimann
und den Juusliliariis gescholen, und alle Theile halien einander
gekannt, hatten mit einander zu verkehren gewusßt und ungefähr
vorauösehen lönnen, worauuf sie sich gefasnt zu machen häiten.
»po-- da der Freiherr selbst Gericht halten wollie, war es ein
W,.hs
Anderes.
E waren Frevel geschehen, wie sie bis dahin nicht vor-
gekommen waren, nicht hatien vorkommen können, und da sich
in den Köpfen d. unaufgeklärten und lurzsichtigen Menge di
Begrife wunderlich kaleidoskopisch zusammensezen und gestalten,
hatte sich, weil die erschlagene Kammerjungfer und der gemiß-
handelte Koch Fremde gewesen, und weil der verwundete Geisf-

-=- 11J -
liche ein Kaiholil war, die Vorstellng der Leune bemächtigt, sie
sollten nicht von ihrem rechtschaffenen proteslantischen Herrn
Justitiar nachh ihhreun allen Rechle iind Herliiuen gerichiei
werden, sondern nach fremden und kalholischen Gesezen, die
eben deßhalb der gnädige Herr, der ja auch kathulisch war, s-lbst
handhaben wolle. Dagegen habe der Herr Pfarrer Einspnuch
gethan und der gnädige Herr ihm die Pfarre zur Strafe ab-
genommen. Nun werde der Caplan an seine Sielle konmen
T?:. - -- --
Wo hier und da eine derartig verwirrte Vorstellung dem
Almtmanne oder dem Juustitiarins zu Ohren ;ekommen war,
hatten sie dieselbe zu bekämpfen versuucht, aber es ist ein Kenn-
zeichen der llwvernuusl, das: sie sich nicht i berzeugze
I mag;
und wenn es dann doch gelunget wwar, einen oder den andern
von den Mäunern zu beruhigen, so lamen die Frauuen, welche
sich weinend und wehllagend bei der Pfarrerin Nathßs erholen
gingen, mit beängsligendenn Voraussichten, mit dem Glauuben an
: R --
Uugliclicher Weise wichen die Anordnungen des Freiherrn
nun auch von dem Hergebrachien ab. Sonst hatte man die
Termine in der Gerichtsstube in Rothenfeld abgehalten, die
Angeschuldigten waren auf wohlbekanntem Wege nach der Ge-
richtöstube gegangen oder gebracht worden, hutten sich an den
Häusern, zwischen den Gärten hin gedrückt und in der Ge-
richtsstube den Justitiarins, den Schreiber, den Schulzen in
Der gewohnten, ihnen allen bekannten Alltagstracht gefunden,
und die Angelegenheit war, wie schlimnn sie füür den Betroffenen
guch sein moch., doch ohne besonderen Schrecken für ihn ab-
zsp
eoeefAon
v--- Diesmal war das anders. Diesn al hatte man die
Angeklagten in das Schloß beschieden, und Jedermann machte
zp

16-
sich uun auus das Aeus;ersle gesas:!. urin warum lies, uan's
--=- - --- -== -- --=-- -u ! o.;=--= - -;lGlEil hegtes
si.snindo. ss,s
z»s-i l.isss 9ss s.i-
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==- der Weg uber den groszet =-,losthof, den d.. --»ge
a.
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llagleu - gleilung der beiden Biitel vor aller Welt Augen
h- 1.
- i-,-s. sls-
Fule=uglei mtilssen, wwar ei:ie s.g=-... Peit und eite = --b-i ib-
,hsszfp
-.ss,
sie gewesen. Als sich dad Giier der Mauer, die den Hof
=gpal. dah =--=- lhnen geschlossen hatte, als ihre Weiber
s.isis-
nh- ---gprhbrigen, die hingekonmen waren, sie zu sehen, ihnen
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nichi i den Schlos;hof folge de. .. war ihuen die Angsi
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D.-s.
vollennds zu Kopse gesliegzen, ud iutu gur d zu slehsen in dem
grosten hohen Zuuer des Erdgescosses. durc desse:n Bogen-
i --p der aagz so hell hineinscieu, da zl prni vor der le--g----
ssnoit
si-s. -
fp-zisis--
g= - aa!el, an: uelcer der ,o-=utri: und der Schreiber,
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=-- -»-==uF 1 ;..==0h gelle., ell ; vor dem Freiherrn
wi doi
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z erscheienn hailen, dessen Einnirili erarlelen, das hatie die
=--e t dem Glauben besiärlt, das mai es auus sie abgesehen
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habe und das -=- - z1t---- = - solle, was noch Keinenl
sss,-s sf?os:
. - szfss: -
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von ihnen hter zuaes.gz -orden und wwas überh.p -de --=
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Hc .;zz -=-- - -.O -- s--s-=-------==- üib dje Ans
zisis fsssfp eii 9Lls,s. ß?
iifffn-,sii,f in
ß-=-z- - =----» -i== , war der Freiherr in den Saal g=----
ofzpfonn
ss,-if lssssz,-ifpssR
K 1,s
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hatte sic an dent oberen Ente deS -=;.ge? -- -Hii- -
N,-»s.-
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dem Justitiarius ein Zeichen ü-.-, da==- = - 7 bi-=-s-
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==--- - der es alle.=zgps -z, dis, -.r Freiherr ein warnen-
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des Exempel zl giren und d.. «uten seine Gewalt fühlbar
o-ss ß,
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Fl le.g- - -=»-p-- - ----==« 11S vielsähNglds =-j=-z-=--z -z
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- Rpiss ß,zsAissnssin -imoossf siü?zsss ,s:
-»j- =- -=---- - -l =- -ss- oss--- - z-ss-ps-- -sgE, FIClEMe Hct
zs,.s,s iis
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--=-- u. das stumpfe Leugnen eines Schuldtgol- z--»-Hos-
um sich von seinem ruhig fortschreikenden Verhöre nicht abbrin-
----- zu lassen. Aber der Freiherr hatte niemals einer solchen
etcos g
Gerichtssizung beigewohnt, und die Menschen, mit denen er es
l.ep-
»- zu thun hatte, waren ihm in ihrem Charakter und in ihrek

- 11D
Art uud Weise fast völlig freund. Wei seine lni cklanen
sonst einmnal.- huun selbst erschieuen --=- --- halle er sie als
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91,uss.- --
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üf si.s. nissb- (,s,ilb
== =s- s==== . o0V s1 IOlab!, Uu -== - j= --s- -==-p---- =»--s;-
gewesen war, hate sich gehitek, in seine. w.rench zu kommen.
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Setbst die eigetlllce .zzl lh. -=-h, denen utas.-- -e- h
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es gegangen, algeholsen, waren nichl le.g. biß zu ihm gedrun-
.ii
gen, und heute, wo er Angst und Noth und Schuld und sceues
PssWss--- nni s
=-w--, .illes auf etummnal -.-- -igph haile, enpörtent sie ihn.
iis- 9s,-
=eie diüslernn Miennen, der sluumpfe Ausdr... das abwar-
cx
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tende ud hihsaliede Zöger, das Schweign aus bestimnmnk
vorgelegle -rugen, duus geslissenllice llugehei nt- - g11esl =--
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fesisteheunden a halsaceu regten seine lungeduuld .; - --==---
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-=o-- --- -= =u bollends beräctlich. Er schh eil. --p-- =soso
ennoss ss,s, iii
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vv i-» --=- ;.. bestimnuntes Wissen bon den. =-z;-ld-
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darin, wenn die Schuldigenn sich besirelien, sic womöglic ans
der Schlinge uund Gesahhr z zehen, und während de- p
-z- N,sss
iiarius gelassen den Leugnenden einen Fuuß breit nach dem andern
von dem Boden slreitig zu machen suchle, auuf dem sie sich be-
hp-----= - - h=u. der Fr..g- - - -ude des frechen Lügens
e kios: sss
ssi.is
-s ss:-fs -
- Ud deS ll..-;p=-== - =uVßOS, lujgsjsz---- -lO gü=- -; -- ss-
innoz-,Iisfs,-ss F,.
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von den Leute:n mit Ge... das Eingeständniß der feststehenden
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Ns.zss--.swss -
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Es war et schluue. --=gen===-, als mann mit Sioc-
-z- Ilz:
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jchldgg.- ü -- - -- ------b-ü---- - -i-b=-- --- es war das nicht
moi: Ao-: d.?, Iszs,=,-fs,s,fpi: iopfli
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z ==s s==s s-- =e=» =jg»ssg- --s- aeil ghuii -ui- zll ll.us
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ge- w- -=iche Missethäter mit dem Stocke gestraft, aber
Fnan hatte nicht Geständnisse mit dem Stoce erp. . - und es
z-z-s-s
Js- d iss Eis,.=-
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z=- ---- aw--=.lllR g== - uul, als der Freiherr de!. =-.; hl
Hspis),. N,, s.lss:sd n:z-s.s. He de
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zwF- s== - -»; - =enzs= n==z = --s ===g==- - aus e eiu u.Cpzul !i iutuzitslb , -in?- p
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oer Freiherr gab ihm kein Gehör Er fühlte einen Wiber-
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zisszs- Aonof: din nu - siss- ss,iswwssdpss 1
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s.8lss.s. -
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Frniedrigt dadurch vor, daß er in ihrer Nhe sein, ihren Anbllck

-- 1ß-
ertragen, die Schltche und Winkelzige ihrer engen Köpfe ver-
folgen,
sie sich
eigenes
ihn zu
den Auusflichten und -g.-i nachspiren solle, mt denen
Ps.-s
zu rekten strebten, und er vergaß, das nichis als sein
Gelitsten, ihuen seine Oberherrlichleit klar zu machen,
dem Ate gezwuu uugen haite, das verwallen zu müssen
er wie eine Schmach empfand.
Ungeriihrt und nur angewidert von dem Aublicke der sich
im Schmerze windenden und demithigenden Schuld, ließ er die
erlanglen Gesiändnisse zu Proiololl nehnen, ud siehhenden Zuußes
sprach er seine Willennsmeinuuug aus. Das Nech über den des
Todischlags Eingesländigen stand nichi dem Freiherrn, sondern
dem Staaie zu. Ec wuurde also der Befehl ertheilt, ihn noch
in dieser Slunide, in Kelien geschlossen, an das Gericht der
Kreisstadt abzuliefern. Auch die Sirafen gegen die ibrigen An-
geklagten wuurden sofori verhäiugt und fielen härter und strenger
auus, als man es des Landes hier gewohui war. Der Freiherr
schien sich an dem Leien Anderer sir die Pein entschädigen
zuu wollen, welche dieser Morgen ihm bereiteie.
Mit eigener Hand unterschrieb er das Verhör und den
=- -==-. dic nach der -.reisstadt mitgegeben wurden, eigenhändig
.-.ss
S
unterzeichnete er das Urtheil seiner eute, und finsterer noc,
als er gekonnen war, schritt er, ohue sie und ihr niederge-
worfenes Flehen eines lickes zu würdigen, an ihnen vorüber
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und zum Saale hinaus.
Er hatte di. -zelegenheit erledigt haben wollen, ehe dis
-
Baronin wiederkehrte, ehe die gräflich Berka'sche Familie auf
das Schloß kam. Nuu hatie er sie abgethan, und doch fühlte
er sich nicht leicher. Es war ein Mißton in sein Jnneres ge-
kommen, den er sich selber nicht zu deuten wuußte, aber er hdre
ihn immerfort pei...h in sich erllingen, er konnte ihn nicht ver?
»s1.l
stummen machen. Das -aolwollen, welches er gegen seins
N..
Unierthanen sonst gefiühlt hatie, war wie aus seiner Brust gee

1I?
rissen; er sah mit verachtendem Widerwillen auf das Volk herab,
und ein bitieres Hohnlachen war die Anirori, die er sich gab,
als er seine gegemvärligen Erfahrungen und dine jezzige Stim-
mung mit den philanthropischen Bestrebnngen und Ansichten
seiner jngen Jahre verglich.
Er hatie friher sich ofimals dariber ausgesprochen, das;
ein Edelman seine Wirde nirgends so völlig behaupten könne,
als auf seinem Grund und Boden; das; er einen grosen und
schönen Theil seiner Standesvorrechte opfere, wenn er sich hinter
die Mauer der Slädle zriclziehe ud in die Nähe der Höse
begebe, und obschon er von Natur gesellig war. hatie sein Hang
z völliger, selbstbeslimmnler Freiheit ihn das gesonderte Leben
auf dam: eigeue Hose immer als einen Vorzug beirachten
machen. Jezt diuulie es ihm angenehm, d.r Nähe und der
Berührung mit der slumpfen Masse des niedcren Volles möglichst
enthoben zu sei, ud sein äsihetischer .iderwille gegen dessen
N
Rcohheit schlug, ohne das; er sich dessen klar bewußt war, in
jene auf das bessere ---« begriindete aristokratische Gering-
s;
T
s»hung des Volkes um, das ihm gehörte und aus dessen
Hss
=ucheitskraft er die Möglichkeit zu seiner freien, edelmännischen
g.s.1s.-
K- Misf?s.-
---==slinntheit unu -==.. schöpfte.
Er war unzufrieden mit Allem, was ihn umgab, er meinte
immer und immer aufs Neue zu erkeunen, das; er sich auf
falschem Wege befunden, daß er nicht geng Zucht gehandhabt,
-daß . - gütiger Lässigkeit überall zu viel freies Belieben =a
of i
zsich her bestehen lassen; denn das freie Belieben des ungebil-
deten und unreifen Menschen began- -=-- je schärfer er die
f: smiifs
Verhältnisse ins Auuge faßte, inne--giedener als die Quelle
-»- hzfss,
,alles Nebels zu dunken, und während er in seiner warmherzigen
und gluckverlangenden Juugend daraus den Schluss gezogen haben
würde, daß man mit allen mögliche.=elt danach streben
z Nn7
nüsse, der Unbilduung durch Verbreitung von -==-=g ein
Nsszs-

--- ßZ- --
Ende zu machen, meinte er jetzt verdiüslerten Sinneö auö seinen
eigenen Erfahrungen zu erlenien, daß der einzelne Mensch und
vor Allem die grosße Masse durch Güte nicht zu gewinnen und
der bildenden Erziehung nicht zugänglich sei, das: man ihr also
keine Freiheit versiakien ditrfe, wenn man sich und sie selber
nicht der Gefahr eines gefährlichen Missbrauchs dieser Freiheit
aussezen wolle.
Jne geeigl, i Alle, wa ihn persöulih belras, an
eine gewissermiasßen sichibare Eimwwirkung der Vorsehuung z
glaulen, schien es ihu eie Fingerzeig des Himmels zu sein,
das; diese Erkenutnis; sich ihm eben duurch einen gegen seinen
Keirchenbau verüblen Frevel neu bestätigte. Er war gegen den-
selben in den lezlen Jahren gleichgüiltig geworden. er hatie
selbst oft gewümnscht, ihn uichi begounen z haben; nun, da der
=-uu sich so staltlich erhob, das; er seine liünstlerische Lust neben
N1,i
der Besizesfreuude daran hakte, uun wuurde er durch ein von der
---p Nohheit begangenes Verbrechen daran gemahnt, daß die
is-üss,-ss
- zis
Masse des Zigels und der Zucht nicht entbehren könne, »-=-
dass diese ihr uierläsliche Zigelung ihr von de prolesianiischen
Pfarrer nicht angelegt worden sei, dafir meinte er die Beweise
zur Genülge erhalten zu haben.
z-P
des
Während er eben so erbittert als schwermithig im Laufe
Tages u- --=--pet amt Abende im vertrauten Gespräche
ssd sf:F ßsz
mit der Herzogin seine Seele von ihrem K.-- z entlasten
strebte, branten und brüteten der Zorn und der Has gegen
ihn in den Gemüthern seiner Hörigen. ---= uur die Familien
P,e --
der Schuldigen und Bestraften waren in ihren Herzen gegen
=-- ----==--- auch die völlig Schuldlosen, auch die besten und
lie nifssJs
ihm bis dahin anhanglichsten unter seinen Leuten waren ihm
aufsässig und verwünschten mit seiner Hartherzigkeit auch sein
Herrenrechi. Sie häiten es nichi zu sagen geouusst, wat sich in
» sifsrH iisd -fs losf: s,s-sIsl szsss- -
s=----- ----- --- -=---- -- =s--=p zl lhrem Herrn geändert hatte,

-- hß--
Fber der Amimann und der Jstitiarins erkannten. wn ge-
ß schehen war, und hatten in ihrer richtigen Voraussicht und in
F richtigem Verständnis: des Volkscharakters u d des Menschen-
F herzens den Freiherrn von persönlichem Einschreiten in der
eigenen Sache fern zu halten gewinscht.
E war nichl die Härte der Sirase, ja nicht einmal die
z Art, in der ma die Schhuldigen zum Gest is: gezwuungen,
F gegen welche das . Bewußtsein der Leute sich aufiehnte. Es
F hatie, seit die erste Aufregug in den Pfingstragen voriiber ge-
Fwesen war, lauum einen Menschen auuf den Gitern gegeben, der
ß das Geschehene nicht bedanerte und der nichi der vollen Mei-
, nung gewesen wäre, das es bestraft werden, schwer besiraft
s werden und die Strafe hingenommen werden müsse. Hätte der
p derr Juustitiarins den des Todtschlags schuldigen Stephan in
ßKetten nach der Stadt geschickt, hätte er den Stellmacher. der
lnach der Aussage des Kochs diesen niedergeworfen und miß-
Fhandelt hatte, schließen, ihn bei Wasser und Brod, wie der
j Freiherr es gethan. in das seit Jahren nicht mehr benuzte so-
f genannte Verlies einsperren, und den blödsinnigen Burscheä,
, der den Herrn Caplan verwundet, von dem Büttel peitschen
j kassen, sie wüeden es hingenoumen haben, ohne mehr denn
j gewwöhnlich zu murren und zu' llagen; denn der Justitiarius
, wgr dazu da, auuf das Necht zu sehen. Er handelte nicht fir
, ä Seinige, er war dem Herrn verantwortl.ch und ward dafür
, ezahlt, auf des Herrn Vortheil und Zkommen zu achten so
F gst wie der Amtmann. Er konnte nichts verzeihen, er konnte
, nichts schenken, er konnte und durfte nicht Gade fie Necht
nrgehen lassen. Aber der Herr konnte es. dem Herrn hatte
j Temand zu befehlen, er war Niemandem verantwortlich, er
, hnnte Erbarmen haben -- und er hatie kein Ecbarmen gehabt.
= - Ein Wunder war das, wie die Leute meinten und es zu
Lander sagten, freilich nicht; denn was wissen bie Neichen und

-- - 17-
Vornehmen von der Noth und der Sorge des Armen? Ob,
der Freiherr da war, ob er lebte oder starb, seine Frau un
sein Sohn wohnten in dem Schlosse, Wald und Feld, Wiese
und Höhe gehörten ihnen. Seit Menschengedenken war e?-
ihnen von Vater auf Sohn so zugefallen. Ohne daß sie die,
Hand rührten und den Arm bewegten, war ihnen Alles in den
Mund gewachsen und sie hatien nach Keinem zu fragen gehabh,.
und gethan und gelassen, was ihnen wohlgefallen. Wer hatie
denn den gäsdigen Herr zur Nechenschafl gezogen, al? die
Pauline in das Wasser gesprungen war? Ob man einem-
Menschen in der Hize des Augenblicks das Lben nimmt, oder,
ob man ihn langsam dahin bringt, das: er es sich vor Ver-!
zweiflung selber nehmen mus:, das sei wohl das Nämliche, ja,
das Leztere sei im Gruunde schlimmer. Denn die fremde Kam-;
merjungfer hatte ihr ehrliches Begräbnis: gehabt, und die arme?
Pauline, die guter Leute Kind gewesen war. wie nur Eine,!
war ohne Sang und Klang als eller Leichnam auf einem unF
bezeichneten Plaze in der Ecke des Kirchhofes eingescharrt worden,
hatte mit ihrem Selbstmorde ihrer Seele Seligkeit verscherz,
und selbst das Haus hatte man niedergerissen. worin sie einltj
gewohnt. Wenn das nicht eine Siie und ein Verbrechen gesj
wesen war, dann war nichis Sünde; aber freilich, dem Armenj
sieht man auuf die Finger und dem Reichen durch die Fingezß
und dem armen, gedrickien und geplagten Menschen wird daks
Herz zulezt so voll gemacht, das er sehen muß wie er sichßs
befreit, wenn finn ihn nicht Erbarmen zu finden ist. wo er s
zu suchen hat.
Den ganzen Tag hindurch standen die Thüren im Anges
und in der Pfarre nicht still. Die Leute kamen, um vor Lei?j
densgefährten sich auszusprechen. Sie wusten gut geng, daß,
der Amimann und seine Schwester sich über die Herrschafiau!
zu beschweren hatien, sie wusten. das: es dem Pfarrer und

Jeiner Frau hart ankommen wütrde, die Pfarre zu verlassen, sie
Joften von der Unzufriedenheit der Gelränlten Aufmunterung
für ihre eigene Erbitierung und ihren Haß zu finden, und wenn
sie sich nicht nach Erwarten aufgenommen fanden, gingen fie
mit erhöhtem Widerwillen und neuem Grolle von dannen, denn
sie sagten sich: Was schiert's im Grunde den Amtmann und
deu Pfarrer, was aus uns wird? Der Antmann hat sein
Schäfchen in das Trockene gebracht, und z. leben hat der
Pfarrer auch. Sie sind Einer wie der Andere, es hat keiner
ein Herz im Leibe fitr des Armen Noth. Sie treten Alle,
Alle auf den Armen. Aber auch der Wurm lrimmt sich und
sticht, wenu er's vermag, er muß nur den rechten Fleck und
den rechten Auugenblick abzupassen wissen.
, Es sah iibel aus in der Herrschaft! Da alte patriarcha-
Jsche Verhältniß, auf welches der Freiherr so stolz gewesen,
Jvar nach allen Seilen hin bis auf den Gru zerstört. Er
fühlte sich geschieden von seinen---, er hatte das Bewußt-
Npiioi
lsls
z - =- äiebe und Verehrung eingebüsßt, ihren Haß auf sich
l.s= s
seladen zu haben, und sie wargn ihm verhaßt geworden. Der
Almtmann begann die Tage zu zählen, die er in dem ihm jezt
hö lästigen Dienste noch zu verleben hatte, Eva konnte es kaum
ßrwarten, sich und Herbert und den Bruder von jedem Zu-
Famenhange mit den Herrschafien frei zu sehen; der Justitiarius
Fjßerseits fand sich durch das persönliche Einschreiten des Frei-
ßrn in seiner Amtswürde beeinträchtigt, und in der Pfarre
har man eigentlich am niedergeschlagensten, denn nichi allein
Fr sich, nein, für die ganze Gemeinde fiürchtcte man dort das
Feerne.