Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 15

zeüünfzehnteä Capitel.
z
Jalie Nacht verging der Baronin nicht gui. Die Freude
==
hatie sie zu schr aufgeregt, die Erinnerungen langer Jahre hatten
sie zu mächtig bestiürut, die Nhe ihrer Mutier halte ihr nach
dem ersten Aufwallen der Freude und der Rührung es fühlbar
gemacht, welche Wandlungen i uund mit ihr vorgegangen waren,
und was der Freiherr durch rasches Nachdenlen in sich zum
Bewusßtsein gebrachi hakte, jene Einsicht, das: lange Trennungen
eine Nückkehr in die friiheren Verhälinisse unmnöglich machen,
das bewies sich für die Baronin durch das Zusammensein mit
ihrer Mutter.
Der Caplan fand sie, als er am Morgen zu ihr kam, in.
einer Niedergeschlagenheit, die sehr gegen die freudige Erwar-
tung der vergangenen Tage abstach, und ohne daß er sie darum
zu befragen brauchte, schilderte sie ihm den Kampf in ihrem Herzen?
eroz der Herrschaft, welche ihr Gaite iber sie ausgeibt, hatten,
die Jahre und die natürlichen Verhältnisse sie an eine Selbst?
bestimmung gewöhnt, in welcher sie sich durch die Gräfin in jdeng
Augenblicke beschränkt fand. Weil sie mit ihrer Mutter, seii'
sie ihr Vaterhaus verlassen, ntr einmal und wenige Tage bei-
sammen gewesen war, und weil diesem fliichtigen Peisammensein
eine durch lange Jahre fortgesetzte Tremning gefolgt war, hatte.
sich Angelika's Bild in dem Herzen ihrer Mutter nur in ihrer
mädchenhasen Geslall, nur in deu löchierlichen Verhältnisse er-
halten, und mit der Tochter wieder vereint, hatie die Gräfin,

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Fo ohnehin die Krankheit Angelila's dazu verlocte, sich der
ßestimmung iüber sie, wie eines ihr unter allen Uuständen ge-
zührenden Rechtes bemächtigt. Wer aber einmal der Zucht und
Feitung entwwachsen ist, fühlt sich von ihr beengt, und am schwersten,
Jwenn sie sich auf Kleinigkeiten und auf die freie Bewegung
znnerhalb gleichgilliger Dinge ersirect. Es ängsligre Angelila,
Jwwenn die Muiter ihr Dieses rieth und Jenes geboi, sie Dieses
hun und Jenes lassen hies, während sie wahrscheinlich aus
Freiem Antriebe das Gleiche gethan haben würde. Sie fand
Fich zu einem Widerspruche geneigt, den sie sich zum Vorwurf
Anachte, und zwang sich zu einer Füigsamleit, die ihr schwer
Fel, weil sie sich sagie, das: ohnehin eine Trennung zwischen
Jhr und ihrer Mutter obwalie, iber die kein guuter Wille ihnen
Fhinweghelfeu könne und die schmerzlich anzudeuten die Gräfin
ßicht uteriasseu hatie.
ß Angelila halte es deutlich gesehen, das ihre Mutier sich
Jerletzt gefihlt, als jene sie gebeten, erst um elf Uhr zu ihr zu
Fommen, da sie die Gewohnheit und das Bedüürfniß habe, die
FStunde von zehn bis elf Uhr mit dem Caplan zuzubringen,
Jund eben so hatie di? Gräfin es nicht zurickhalten können, daß
Zhre Tochter in dem Ausdrucke ihrer Dankbarkeit und Freund-
Fchaft gegen die Flies'sche Jamilie ihr zu weit zu gehen scheine.
Fdas Alles hatie Agelika verstinmt, und auch über Seba be-
ßhwwerie sie sich endlich.
, s Der Caplan hatte ihr ruhig zugehört. Als sie ihre Mit-
jlheilungen abbrach, sagte er: Erkennen Sie in dieser neuen
jörfahrung, meine iheure gnddige Fran, wie häufig der Mensch
Fn seinem Wünschen irrt, wie wenig es seinen Erwartiungen
hgtspricht und seinem Glicke dient, wenn die ersehnte Erfillung
Fhm gewährt wird. Ich finnchtete es, daß jene ausschließliche
Futterliebe, die ihr Kind allein besizen, die es selbst mit seinem
jöotie nicht theilen mag, Sie beunruhigen wirde, und es ist

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gekommen, wie ich es voraussah. Nehmen Sie diese Erfahrung
als eine Erkennnis; hin, die der Himmel Ihnen darbietei, und
fügen Sie sich der Frauu Gräfin in dem Gleichgiltigen, in dem
Unwesentlichen, um desto fester Ihre selbsterworbene und selb-
ständig bethätigte religiöse leberzengung zu behaupten. Verbergen
Sie sich vor der Frann Gräsin weder mi! Ihren abweichenden
Meinungen, och mmii jenen religiösenn Nebuungzen, welche unsere
Kirche uns auferlegt, und auch in Bezug auuf Ihre Freundin
thun Sie Ihrem Empfinden keinen Zwang an. «.. Dan!-
.
barleil isi eine heilige Pslicht, aler eine noch erhalenere Auf-
gabe ist es, dem Irrenden die Hand zu reichen und dem Men-
schen, dessen Auge verduunkelt ist, dasß er sich selber nicht zu
erkennen vermag. ein Fihrer und eine Stiitze zu sein. Ich
billige und lobe es, das; Sie sich Seba in Ihrer Weise näherten,
das; Sie sie an sich zogen und ihr Verirauuen zeiglen, um Ver-
rauen zu gewinnen; nur vergessen diürfen Sie es nicht, daß
dieses reichbegabte Mädchen von Jgend auf sich selber über-
lassen war, das: ihr der geistige, der göltliche Anhalt fehlte, dessen
wir uns rühmen und getröslen, und dasß sie also leichter als
viele
hin.
dem
Adere vom rechten Pfade sich verirren konnke.
Eine dunlle Röthe, ein Erschrecken flogen iber die Baronin
Halten Sie es fie möglich.. ! rief sie und wagte nicht,
r
mild. Ihre Freundin Seba ist zu groser Lebe, zu großer
Hingebung geneigt, und unsere jungen Edelleute - einen jungen
Cavalier bezeichneten Sie mir ja aber als den Gegenstand von
Seba's Neigung -- unserer jungen Edelleute Sitten sind nicht
streng. Wer lann eö wissen, ob es dem armen Mädchen nicht
unmöglich ist, Ihr Vertrauen zu erwiedern, ob es sich nicht
verbirgi, aus Furcht, Ihrer Lebe verlustig zu gehen? Haben

--- 1?--
FSle Geduld mit ihr und weisen Sie sie uun ihres Schoeigens
l willen nicht zurück
!
Die Baronin hatie die Hände umvillkitrlich gefaltet. Sie
, konute sich in die Anschanuung des Geistlichen nicht gleich finden,
f deni sie hatte Seba immer weit iiber sich gestellt, haite in ihr
F das Urbild weiblicher Herzensreinheit geliebt und verehrt, und
sallte sie jezl plöhlich schuldig, sollie sie sich in einem sträflichen
Zusammenhange mit ihrem Bruder denknn. Sie wollte diese
-Vorstellung von sich weisen, den Caplan eines unbegründeten
- Verdachtes zeihen, aber es stimunle so Vieles zusammen, es er-
klärten sich mil dieser Voraussezung fir die Baronin plötzlich
, einzelne auffallende Erlebnisse, die sie mit Seba gehabt hatte,
sie lonnnte den in ihr erweckten Zweifel an der Unschuld ihrer
Freundin nicht mehr unterdrücken. Weit entfernt jedoch, sich
dadurch von ihr losgetrennt zu fihlen, stieg ein sie überwälti-
,gendes Mitleid für Seba in ihr empor und erhöhte und erhob
, die Lebe, welche sie bisher fir sie gehegt hatie.
Der Caplan störte sie in diesem Empfinden nicht. Er
hatte ohnehin ihre Achtsamkeit auf andere Vorgänge zu lenken,
denn man durfte der Baronin die Nachricht von den in Richten
geschehenen Ereignissen nicht länger vorenthalten, wann man sie
F nicht gleich nach ihrer Ankunft einer Erschitterung durch irgend
s .
eine zufällige Mittheilung derselben aussetzen, und wenn man,
Fworauf es dem Freiherrn besonders ankam, den gräflichen Eltern
-die Kenntniß gewisser Verhältnisse entziehen wollte.
Alles, was sie hören und erfahren mußte, steigerte mit
Eden Sorgen der Baronin ihr Verlangen, bald wieder in ihrer
ZHeimath zu sein. Sie hoffte ausgleichen, vermitteln zu können;
Jdie Aufregung, in welcher sie sich befand, täuschte sie über das
Maß ihrer Kräfte. Sie entwarf Plane fir eine völlig neue
Lebensführung, sie trante es sich zu, ihren Gatten allmählich
zzu einer solcheit überreden zu können, sie wlnschte vor allen

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Dingen die Entfernung des Pfarrers zu verhüten, und wie sie
noch vor wenig Tagen die Ankuunft ihrer Mutier ersehnt hatie,
so wünschte sie jezt, grade wie bei dem ersten Besuche, welchen
ihre Eltern ihr in Richten gemiacht, das; die Amwwesenheit der-
selben erst vorüber und sie in der Lage sein möchte, die von
ihr jetzt fir unerläßlich gehaltene Eimwirlung auf ihren Gatien
zu versuchen.
Die Grusmni bemerlie es, das; Agelila zersireuk war, wollte
den Grund davon entdecken und zeigie sich unzufrieden, alö
ihr dieses nicht gelang. Die beiden Frauen, wie sehr sie ein-
ander auch liebten, lamen sich nicht von Herzen nahe, sie hatten
an einander vielerlei zu schonen, und Angelika sprach es gegen
den Caplan noch an demselben Abende aus, wie sie fihle, daß
eine Frauu, selbst wenn ihre Ehhe dem Jdeale einer solchen nicht
entspräche, ihre Heimath doch ausschließßlich in dem Hause ihres
Gatten, in der mit ihm begriindeten Familie habe, und daß es
sicherlich nicht leicht fir sie sein werde, die Ansprüche ihrer
angebornen Verwandten zu befriedigen, den alten Pslichten zu
genüügen, ohne die neuen zu beeinträchtigen.
Der Caplan gab ihr dies zu. Er sah, daß er von dem
Einfluusse der Berka'schen Familie nichi mehr zu befinuchten
habe, und er war es also, der die Baronin abermals ermahnte,
sich ihrer Mutter so weit als möglich fügsam zu beweisen, der
die Gräfin ersuchte, sich die Freundschaft, welche die Baronin
fin die Tochter ihrer Wirthe hege, ohne Einspruch gefallen zu
lassen.-- Es handelt sich um wenig Stunden, gnädige Gräfin,
sagte er, um etwas Gefälligkeit gegen die schwärmerische Em-
pfindungsweise der Frau Baronin, und es ist schön, wenn die
agend ihre Gefühle fir dauuernd, für unendlich hält!
So ging der letzte Tag vorüber, den Angelika im Flies'-
schen Hause zu erleben hatte. Es gab vielerlei zu thun; die
schöne Zierlichkeit, welche Seba in den von der Baronin be-

-- , Z9---
wohnten Zimmern zuu erhalten gewußt, selbst wähnend die Kru-
kenpflege dem Hindernisse in den Weg gestellt, muste jezt all-
-=gutch zerstört werden. Die Gräfin war beständig an der
zs-K
Seite ihrer Tochier, Namsell -darianne und der Kammerdiener
der Gräfin liesßen die Koffer auf den im Hofe stehenden Ne.se-
wagen schnallen, die Baronin hielt sich ruhig auf ihrem Sesiel.
Sie schien jezt mehr als während ihrer ganzen Krankheit darauf
bedachl, sich z schomne uud ihhre Kräsle zusc uuen zu hallen.
-- ihre -lice wanderlen unher; sie suchien Seba und folgien
W-
hr, und einmal, als die Baronin sich erhoben haite und die
Freundinuen sich in deu Nebenzinuner zufällig c llein befandrn,
s=»g die Baronin ihre beiden Arme um Sebu's Hals, und
ss.e
sie an sich drickend, sagte sie: xas: us einander nicht ver-
loren gehen, glanle an mich, wie ich an =.ch, und laß mich
ed:
hoffen --- las; mich hoffen, daß wir uns einst se wie in Liebe
auch im Glauben noch zusammeufinden! O, das; Du es
-----:-- das selige Gefithl, sich durch die Gnade eines Miti-
sosssfsSss
lers dem Throne des Höchsten zu näher, und all seine Sünden,
all seine Leiden und Schmerzen durch das Vertrauen auf den
himmlischen Erlöser von sich genommen zu fg- -- - =.ike an
ss=s! H=
mich, so oft Du betest, Seba, und so oft ich mich i -=-=--ß
zs C,fsiis
vor dem Heilande beuge, soll Dein Name auuf meinen Lippen
i-. und ich will beten, zu ihm beten, daß - =» =« zu sich
.=- O,-
sis-
nfv i
-=-. uund daß wir einst zusamnen auf unseren Knieen unsere
Hpvn
z -a zu ihmt erheben!
Sie sah schön und verklärt aus, als sie also sprach. Seba
betrachtete sie mit Rührung. Du bist sehr gut, meinst es sehc
D- ----- --=-- -elka, sagte sie, indem sie ihre Hände gefaßt
ui zisii zisis- ßszpA
hielt und ihr tief ins Auge blickte, und ich werde Dich nie ver-
gessen! Denn Du hast mir mehr gegeben, bist mir mehr ge-
worden, als=u ahnen kannst! Las Dir das genüügen; laß es
.

-=- 1 ß--
s
Dir genilgen und liebe mich imter, immer! Was auch kommen!
A
möge, liebe mich!
Sie ging von dannen; die Baronin schaute ihr gedanken-
voll nach, dann knieete sie nieder, nahm das Erucifix Amanda's,
welches sie immner am Halse trug, in ihre Hände und betete
lange und still. Sie nahm Abschied von diesenn Näumen und
flehte Gottes Segen auf das gaslliche Has ihrer Freunde, auf
das ungläubige und der Erlenciung und des Trosies so be-
diirftige Herz ihrer Freundin herab.
Am folgenden Morgen um elf Uhr, so hatie man es
verabredei, sollte die Baronin in dem Reisewagen nach dem
Gasthofe fahren, in welchem die Gräfin abgesliegen war, mit
dieser noch ein Früthstiick einnehmen und daunn fir die erste, ab-
sichtlich sehr kurz bestimmte Tagereise aufbrechen. Von den
Segenswünschen ihrer Gastfreunde begleitet, wollte die Baronin
das Haus verlassen, aber die Trenning von Seba fiel ihr gar
und voll Verlangen, keinen der wenigen ihnen noch
zu schwer,
gegönnten
Augenblicke zu verlieren, vermochte sie endlich Seba
dahin, sie zur Gräfin zu begleiten und bis zu ihrer Abreise
noch bei ihr zu verweilen. Als man in den Gasthof kam, fand
man in dem Zimmer der Gräfin den Tisch bereiis gedeckt. Der
Caplan hatte noch einen Besuch bei dem Propste machen wollen.
und sein Kommen wurde erst nach dem Frihsliücke erwartet.
Die Gräfin war in ungewöhnlich gut. -aune; sie rüühmie
--z- s
das Aussehen ihrer Tochter, zeigte sich auch gegen Seba, ob-
-=: sie dieselbe nicht erwartet hat.. ,undlicher und herzlicher,
sF.
s,- s»-s-
und erkundigte sich dazwischen doch wieder mit solcher Geflissenhei
nach dem Befinden der Baronin, und ob sie sich auch recht
- -=- ---u juhle, so daß Angelika endlich die Frage auf-
s»-F »=s ss-8ss)z- s
warf, ob sie denn heute etwas Besonderes zu leisten habe, weii
die Multer sich so ängstlich um den Zusland ihhrer Kräfte sorge.
Die Gräfn lächelie. Der Zufall hat Dir eine Neber-

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laschung zugedach. sagte sie; fihlst Du Dich ie Stande, sie
ß genieße?
=--
=- mein Vater! rief Angelika, indem sie sich erhob.
? Nein, nicht der Vater, entgegnete die Gräfin, während
Fauf ein leises, von ihr gegebenes Zeichen die Thir: des Neben-
Fimmers sich öffnete und in aller seiner stolzen Schönheit Graf
sGerhard in das Zimmer irat.
Mit eiem Auurufe ser Freuide warf die Baronin sich ihm
Fan die «.st; aber fasl in deuselben Augenblicke wendete sie sich
-
ßum, und ihrer Bewegung folgend, sah der Graf jezt plözlich
Feba vor sich stehen.
Als
? = eich wie der Tod und leines Wortes mächtig.- er
f p-Af
Fnrück. Seba hakie die Ecke des Marmortisches erfnßt, an dem
Fie stand; sie uuuste sich halten, um nicht umzufallen. Die
Baronin war auf den nächsten Stuhl gesnken, di: Gräfin
ßand mitten in demn Gemache und sah, ohne den Vocgang z
Fegreifen, mit Schrecken auf ihre Kinder, und u sich her.
f Was ist das? Nedet, redet! Was bedeutet das ? rief sie,
Fwährend sie sich zur Tochter wendete.
z
z Frage nicht, o, frage nicht! rief diese. Jndessen die Leb-
Haftigkeit der Mutter ülerhörie es, und sich gebieterish zu ihrem
Fohne wendend, sprach sie: Kennst Du dieses Mädchen? Rede,
Fede, Gerhard! Wae ist Dir dieses Mdchen?
z Aber kein Ton von des Grafen Lippen gab ihr Antwort.
Fie von einem Banne befangen, hingen seine Augen an Seba's
Jarrem, bleichem Autlize, an ihrem zuckenden Munde. Er hätie
iehen mögen, aber er konnte die Stelle nicht verlassen; er
hätte sprechen mögen, aber Seba's brennendes Auge schloß ihm
hen Mund und noch immer wartete die Gräfin auf eine Antwort.
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E =a richtete Seba sich empor wie Einer, der mit Aufbie-
d R

tt cH
ihrem Nachegefihl, rief sie: Was ich ihm war? -- Sie lachte;
daß es den Andern Mark und Bein durchschauerte -- was ichh
ihm war?-- Ein Zeitvertreib für eine müsige Stunde, ein
billiger Triumph noch im Moment des Scheidens, weiter nichts,
weiier nichls! - Gewellel halle er beim Wein in seiner Ga-
meraden listiger Gesellschasl, das: er
mich besizen würde, und
-- hier vor seiner Muller, hier vor
z Os
seiner Schwesler, vo- =-
Angelika, will ich es belennen --
=- -- - =- I? AB
versagle ihr, die verhaltenen ahränen drohten sie zu ersticen,
und plözlich in ein Weinen ausbrechend, das aus den Tiefen
ihres geqnälten Herzens lam, fitgte sie hinzn -- denn ich habe
den Elenden geliebl mit aller Inbruusl eines reinen Herzens,
mehr als mich selbst, mehr als Vaier und Mutker, mehr als
Alles auf der Welt!
Sie halte ihre Kraft erschö;,., sie muste sich niedersezen,
und den Kopf auf ihre Arme legend, die sie auf dem Tische
ausgebreitet, weinle sie mit verborgenem Gesichte.
Auch die Gräfin hatie sich sezen missen; nur Gerhard
stand wie ein Gerichteker zwischen den drei Franen da. Plözlich
erhob sich die Baronin, ging mit raschen Schritte zu ihrem
== -uder, und seine Hand ergreifend, während sie ihn zu Seba
Ma
hinzuziehen suchte, rief sie: -. vergüte! Vergüte, mein Bruder!
z,
Sühne, was Dn an ihrem edeln Herzen gesiindigt hast! Laß
sie die Deinige werden, se, die ich wie eine Schwester liebe!
Aber der Graf wehrte seiner Schwester, und fast tonlos,
so daß nur das Schweigen der Frauen seine Worte hörbar
machte, sprach er: Und wenn ich es wollte - es kann nicht sein!
== hob Seba den Kopf in die Höhe, und ihn mit kaltem
c,
Auge messend, sagie sie, während, den Aern zum Ersiaunen,
ihren Zügen und ihrer Stimme die Ruhe wiederkehrte: Und
wenn Du es wolltest und wenn Du es dirftest-- D.---
, nors

-- ßZ--
gr
Pnöchtest es ...cht! Dent wie könntest Du mir de vertrauens-
P volle Liebe wiedergeben, die ich einst fitr Dich gehegt habe?
a
p ie könnten Dein Rang und Dein Name mich damit ver-
ß sdhnen, Dein Weib, das Weib-- eines Ehrlosen zu werden,
,den ich verachfe, wie ich hn einst geliebt!
Seba! stehie Agelika, slehle die Grifin.
Halie ein! ries der Gr.s, indem er zsamne brechend sich
ß zu den Jisen seiner Melter warf, die sich umoillkitrsich von
F hm wendele.
? Seba regle sich nicht. Mit eisigem Blicke sah sie auuf den
-- Grafen hin, die Stille war entsetzlich, sie kennten einander
F athmen hören. Mit einem Male stand sie auf, sah um sich
F her und schien eioas zu suchen.
Die Baronin erhob sich ebenfalls; sie erricth, was jene
F vorhatie, und nahm ihre Hand, um sie zuriiczuhasten.
ach will fort, sagie Seba mail; meines Bleibens ist hier
Oz
, nich!. -- Sie ging nach ihrem Hut und Shawl.
D darfst, D kannst nicht gehen! versicherte Angelika,
s
, die sich selber kaum aufrechk zu erhalten wsßte.
s
Sorge nicht, ich habe ertragen gelernt! gab Seba ihr zur
, Autwwort.
Sie setzte achtlos den Hut auf, nahm den Shawl um
s
z ihre Schultern und wollte sich entfernen. =a warf Angelika
Zsich vor ihr nieder, und die Hände flehend zu ihr erhoben, bat
Fsie: Denke meiner nicht mit Has:!
Deiner? Deiner? Wie könnte ich? versezte Seba, indem
sie Jene in ihre Arme schloß, und noch standen sie, ihre heißen
g
; =ränen mit einander mischend, Brust an Brust gelehnt, als
, die Gräfin zu ihnen herantrat.
z
Seien Sie barmherzig, bat sie, vergeben Sie, und Golt
wird auch Ihnen seine Vergebung angedeihen lassen!
Seba schitielte schweigend das Haupt. Ich habe mich
. Le wald, Von Geschlecht zu Geschlecht. 1.

-- P9e--
vor mir selbst gedemii; , bis zur Zerknirschung, und mich iis
mir selbst erhoben, sagie sie; ich habe durch Lebe zu sühnenj
gesucht, was ich aus blinder Leidenschaft gesiidigt; ich bedarfß
keiner anderen Vergebung! Ich habe mir selbst verziehen! -?
Mag er, wenn er es kann, das Gleiche thun!
Und ohne den Grafen weiter eines Blickes zu wirdigen,g
verließ sie das Zimmer und das Haus.