Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 17

Siebzehntes Capitel.
-=e Beschwwerden, welche der Gaplan bei seineu Bischofe,
gjh
=N.=
und die Meldung, welche der Pasior bei der Regierung gemacht
hatie, halten ihre Friichke gelragen. Mit dem Bischof durfie
man sich leicht zu verständigen hoffen, denn die Enifernuung des
Pastors war bei dem Freiherrn, selbst wenn er genöthigt sein
sollte, ihn zu pensioniren, eine beschlossene Sache, und die Er-
richtung eines Pfarramtes in Nokheufeld, für welches natirlich
der Caplan ins Auge gefaßt war, stimmte den Bischof fir alle
Maßnahmen des Freiherrn im Voraus günstig. Einmal von
seinen drückenden Verlegenheiten befreit, bewegte dieser Letztere
sich in seiner alten Weise, und da er, was er unternahm, voll-
stänndig zu lhuun, was er besaß, volllommen zu besizen lieble,
wollte er, nun der Bau beendigt war, die Kirche auch mit einem
vollstädigen Personal versehen. Der ansehnliche Vorrath von
Kirchengeräthschaften, den man in der alten Capelle im Schlosse
seit zwei Jahrhunderten gesammelt und der mit den nener-
worbenen Stücken schon einen hübschen Kirchenschatz begründete,
sollte seinen Sacristan bekommen, man mußte einen Glöckner'
haben, der den Kirchendiener machte, und vor Allem wüünschte:
der Freiherr, der ein großer Freund des Kirchengesanges war,
die Einweihung der Kirche nicht ohne einen solchen zu vollziehen.
Von diesem Verlangen bis zu dem Gedanken, sich dauernd
ein Quartett von Knnabenstimmen fir die Kirche zu sichern,
war es fitr den Freiherrn nicht weit. Angelila erhob ihre

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wirthschafichen Bedenken dagegen, indes; der Freiherr wuuste sie
über dieselben zu beruhigen und fand den Wg, sie für seine
-Wünsche zu gewinnen. Er meinte, da man nur eine kleine
katholische Gemeinde fitr die Kirche habe, müsse man eine wohl-
thätige Stiftung mit der Kirche in Verlindu g sehen, und dies
sei ohne grosße Opfer anSzufüühren. Wenn mon einen j-g- --
Geistlichen zum Sacriston ernene, der -. - rg:spieles mäcztg
d.sR -
und im Siande sei, einigen Knaben auster den Unierrichte der
Musik den gewöhnlichen Schuluterricht zu ertheilen, so köue
man ueben der Kirche eiue lleine laiholisch: Schule erricieu
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-= sich, wwenn man die heranwachsenden Kiaben innner zt
den Lebensberusen anleiteie, fir welche sie A lage oder Neig ug
bethätigen, allmählich ein. - zahl wohlerzogrner -=ges-;==-
- ß.iss.
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g-----=== oder Beamien heranbilden, die zugleich den Stock
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für die Ausbreitung dex Kirche innerhalb der Herrschaft abgehen
-=-- --- ==.e Kmnaben aus armnen und wohlgesitteten Familien
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zu erzieh. w... sich.=ug ein gute« =-- u-nd eine solch. eine
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Colonie auf den Gikern zu erhalten, keine Aufgabe, welche
irgendwie die Kräfte des Gutes überschritt.
Füir ein solches wohlthäkiges Unteruehmen durfie man
-==urlich sicher sein, die Zuuslinmuung der Baronin schnell zu
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------ü--s. und d.. «uschof, dem so unerwar et die Mögli=,
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geboten wuuurde, einen juungen Geistlichen anzus ellen, e- =-=--
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Leute als Glöcker und Knrchendiener zu versorgen und einigen
, strenggläubigen Familien duurch Unie.auguung ihrer Söhne seine
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Zufriedenheit auszudrucken, stimmte dem ganzen Vorhaben uit
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Aber auch den Wümnschen des Caplau -==-- -- ---=-
des Freiherrn entgegen. . der entsagenden und begeisterten
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Liebe seiner Jugend haiie er sich von der Welt zuruckgewogen
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selhst auf da a.alien in einer Gemeinde -erz=. --=---
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Aundenken einer
zu sein und sich
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Geschiedenen zu leben, um ihrem Bruder nahe?
selber aufzuerbauen. Iideß eine Ingendliebe'
wirft nur bleiche
Strahlen auuf das spätere Leben, und wenn der
Caplan sich auuch sagen durfte, daß er Angelika der Kirche ge-
wonnen habe, war doch grade mii den sortschreitenden Jahren
oft der schmerzliche Gedaule über ihn gelomen, das: er das
reiche Mas; seiner Krüisle nicl geug gelraucl, das: er nichl genng
gewirkt fitr die Verbreiiung und den Ruhm der Kirche, der er
angehörte; und eben die lezten traurigen Ereignisse in Rothenfeld
hatten ihm wie eine Mahnung gedäuucht, die ihm noch vergönnten
Lebenstage eifriger zu bennzen.
E schien ihm ein Wink des Himmels, ein sichtbares Ein-
greifen des Höchsten zu seie, das; Golt der neugegrimndeten
Kirche, wie in den ersten Tagen des Chrisienthums, gleich ihren
Bluizeugen zugesellt, und die Vorslellug, das: dies Alles habe
geschehen müssen, um ihm eine Mahnung und ein Sporn zu
sein, ward immer mächtiger in ihm. Er hatte mit ruhiger Er-
hebung einst der Grundsteinlegung zu der Kirche beigewohnt,
ihren sehr verzögerten Bauu gelassen fortschreiten sehen, -----
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p-- -- age, welche bis zu ihrer Einweihung vergehen
mußten.
Seit seinen jungen Jahren hatte er die Kanzel nicht be-
treten, nicht unter der erhabenen Wölbung eines Goiteshauses
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Viele Hoffnungen waren ihm verloren gegangen, auf Manches
hatte er verzichten lernen. Er begann zu fühlen, dasß er älter
werde, weil der Kreis seiner Wimnsche, Plane und Erwartungen
sich verengte. Neues Streben und damit neue Hoffnung in sich
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=---i--=--=--- = zs u-ber, ;ch eine netne Jugell ggsz, lund wwie
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sollte man diesem Neize widersiehen, auus diese Mg lichhleit ver-
zichlen, so lange mnan noch die Kraft dazu eupsindei'? Ed war
die Sehnsucht nar. --==tgertem Leben, ohne welche der Mensch
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Fdem Tode och früher verfallen wünde, es var das halb.-
=----b-n-- - - ---- - ach Lebenölust, die in demn einst so e;t-
Hofiiss. N,
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sagungsfähigen Manie noch im hohen Maumnesa ier den Ehrgeiz
- snunFfs,-ss
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Er und der Freiherr theilten jezi den Verdrusz, den sie
Seilens der sroleslanlische Kirce zu lragen hallen, und sanden
sich in der Chäligleil sitr die Eiveihung der Nirche mii Genng-
-,l1g zusauien. Mau halle schon langze ei es der zum Auue
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s= --- --, alr -p-pulb des Anthofes u nd sehr nahe vei
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der Kirche gelegenen Gebäude zur Kircheu. -----b-s -- =--
snpsi:in pzs,1i-
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-- ==.t die Wirthhschafter sie inne gehal-,-. d --s
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den lüstigen Amnlmanne iberhaupt kein so reites Leben wie
den Sieineris eizuräuumen dachle, sollten die Wirthschafter im
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--=-=----; -= - --== -wdülllen fitden .itd der Sacristan Asit den
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=--- -- naben, welche der Freiherr zu Assisienten ben demn Gottes-
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---- zt haben wwüluuusig -- --»1g -.i der Kirche erhalten.
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E war dabei auf einen verheiratheten Glöckner hgesehen, der die
Bekösiigung des Saaristans und seiner Schiler i:beunehmen könne.
Eie Zeit lang =--- - - w---= --- von ber Herzogin be-
lißfss.- ,z- Szfsinf»
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-- --=-u-- wohl die Absicht gehegt, auch den aplan nach Ru-
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z =- z--s=-=s- ---- ------- -acte es ihms wünschenswerth, denn
sihr so werthen Man in ihrer Nhe und auch in der Nhe
des K..... zl f------ die Aufsicht und der Unterricht des
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Cap.uh------ .=---- »üge nöthiger werden mußten.
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; Während man u nächilicher Siille die Särge aus dem
, bisherigen Erbbegräbnisse in -- -= 1-z- - ----=- -=»=
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ssniinss Esz-,s.
brachte und der Caplan die weiszen Rosenbissch- an der Ein-
gangöihlr dersellen pslanzen liesi, während die K nzel ihre lezten
Verzierungetn erhielt, der aus der Sladi z------ - -bi-=-
-isnol-sssi. ,,iistzisgs

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auufgestellt ward und der z,ceiherr sich mit dem Fiestbischof ins
Einvernehmen sezle, damit dieser, der den Grundslein eingeweiht,
auuch am Margarethentage die Einsegnung des fertigen Baues
übernähme, ward er es nicht sonderlich gewahr, das; die Herzogin
ungewöhnlich viel Briefe erhielt und schrieb, das; sie öfter iheil-
nahmslos erschien und, seit der Graf und die Gräfin Berla
das Schlos verlassen hatten, von Reiseplanen sprach, die ihr
nenerdings gekommen sein mußten, denn es war nie davon zuvor
die Rede gewesen. Sie zeigte sich jetzt weniger als sonst bemüht!
den Freiherrn zu unterhal.. , bewies der Krankenn wirklich jene
jAzs
Sorgfalt, deren Anschein sie während des Besuchs der Verka'-
schen Familie angenommen hatte, und kroz ihrer Abneigung
gegen die Herzogin konnte Angelika es nicht übersehen, dasß eine
Veränderuung mit derselben vorgegangen war und das; sie jetzt
wieder mnehr ald ist denn verwwwiceuen Jahren deiu: Bilde ent-
-=-«- welches Angelika in den ersten Tagen sich von ihr ge-
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s.ßs
macht ,utte.
Als der Postbote wieder einmal uach der Siadt geritten
war, um die Postiasche abzuholen, brachke er in dieser neben
dem eigenhändigen Schreiben des Füirsibischofs, das seine Znsage
enthielt, auch ein groses, aus der Residenz kommendes, mit
mehreren Siegeln verschlossenes Paket fitr die Herzogin, sowie
die Antwort Seba's auf die Sendung und die Briefe des Frei-
herrn und Augelika's.
Seba dankte dem Freiherrn in einem kurzen Schreiben,
dessen formvolle Haltung er rühmend anerkannte, fir die Freude,
die er ihr bereitet, fir die gitige Weise, in welcher er ihren geheimen
Wunsch errathen und befriedigt habe. Auch der Brief an die
Baronin war nicht eben lang. Seba
schickte ihr, da sie augen-
=-=---g über kein anderes Bild von
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kleines, in Pastell gemaltes Portrait,
sich verfügen konnte, ein
das sie in ihrem sechs-
zehnten Jahre darstellte. Es war kurz vor der Zeit gemacht

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worden, i welcher sie den Grafen hatte kenne. -.1e, --- --
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die gleiche Sirasße geheni und jede muß hr. - =F--==-
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==;--g1ß =-:-- elgene Weise suchen. Da ich .ch lebe,
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-= es un:. wohl, Duch in Deinem Glauben u nd- = --1
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Anlehnen . eine Kirche gluclc zu denken; zonne Du nir, da
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eu mch lielst, die Erhebuug und Auferbauuung meiner Seele n nd
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----- - Jzilüuusl aus mneine a. eise. =l erwauless die Gerech!ng-
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keit aus - - ==-d des Höchsten, der mit seiner Vorsehug -----
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===-- lenlle; ich enlbehre dieses Glaubeu, ohne der eber-
z1g1g und des Trosies z e--=--. das; unsere selbstle-
ssl. siiois
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---=-- a halen in unseren a. iden und Freuden ihre Folge-
richligleit haben; und -u ur uebe und die lrtzte. Augenblae,
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die ics ---= -N= --, gabei!...u dies wieder vollgz-z ---
siss Hz- n-
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uf. s-
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Gl1s,-
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-gethan. wie Geugthuuuug, deren ich beduurfte, sn nur jezt ge-
,worden.
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-- =- - g,-- - ===eul Uli «l, lui=- -- nzs=- =, lLAl ES ua-
K, ct
nniisn Ilssf-.lisz-
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Ibeide nahe, eine Bitte, der Gewahr1z -=- -- u Ihn zuu richten.
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, Sie soll denn, wenn auuch n.gt egenisich fir mc, gesprochen
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- werden. Herbert, der jezt set. -;gabe -! --=- -es Herrn
i. Ass
T.üss- d
INhs---
z ==-olS vdlle..«.- yi,- ---- sb-= - -=» -p -iND mzir in tancetl
zds s.
sss iisii- s,s-- ssiop-fsi iis
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z n=--- --===uen et Freund gewesen. Er sehnt sich, =---
ssifsn
Sl Is-
z =- - das HauS z .=-=--- das Du - uuns bewohnt hast
sssioi:
n pfs z
Gas -
p- -as er in diesen Tagen von meinem Vater fir sich kaufte.
EN-s -
r s- vas Glüc meines Freundes =--- z- ----= =- -. 1s Herz.
-' Apss: Hpzz-)s K ,zns nr
f G.»s.b--s --
z H-=-- uid Eva sind zwet so einfache, so schu ldlo;. --=-==---
s,. P?, i ii f
z F. Le wald, Von Geschlechi zu Geschlecht. l.
s
s
S
1

- L10-
daß es, wie ich mir denke, auch Dich erfreuen müfßte, sie bald
vereinigt zu sehen. Herbert hat seine Aufgabe zu des Herrn
Barons Zufriedenheit beendet, möge dieser seinen Baumeister
dafür in der Weise belohnen, die ihn am meisien beglicken wird!
-- Ich spreche diese Bitie ohne Herbert's Wissen aus. Sollte
es Dir, wie ich es fir möglich halie, angemessener scheinen, sie
als Deinen Wunsch zu bezeichnen, so neune mich nichi, und laß
uns, wie in Lebe, so in dem stillen, verschwiegenen Wirlen sür
dad Glitck der Auideren siels verbunnden bleibenu!'