Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 01

Erstes
Capitel.
p
Ale Tage waren mild und ohne Wind. So weit das
=====?
Ange reichte, bedeckke wieder der Schnee dus Land. Auf dem
Authofe in Rothenfeld erkönte laut der Schall der Arbeit. Der
Taki der Dreschslegel, die Axi des Holzhenuers, das Knarren
des Brunnenrades, das Brillen und Blöcken der Haunsthiere,
das aus den weiten Stallungen herübertöete, unterbrachen die
Stille, und das Thun der Menschen, ihr Kommen nd Gehen
belebte mit der sich alljährlich wiederholenden nothwendigen Be-
schäftigung in gewohnter Weise die Einsmkeit. Es war Alles,
wie es im vorigen Winter, in allen ihm vorangegangenen
gewesen war, obschon es der lezte sein solle, welchen die Be-
wohner des Auhauses in demselben zubracten.
In Schlosse zu Richten war es anders. Dort hörte man
nichts von der wohlthätig wiederkehrendcn Gleichmäßigkeit der
Axheit, und der Winter ist sehr lautlos auf dem Lande. Die
grosen Portale waren geschlossen, um der Kälte den Eingang
zu wehren; auf weichen Teppichen bewegte die Dienerschaft sich
geräuschlos in den Gängen und auf den Treppen umher, und
nuur wenn man an die Fenster trat, sah man in weiter Ferne
gelegentlich einen Schlitten wie einen flüchtigen Schatten halb
verschleiert von dem feinen Dufte, der die ganze Luft erfüllte,
über die weite Ebene gleiten. Was unter der weißen Hille im
Schooße der Erhe arbeitete, was in den heimlichen Nestern und
Schlupfwinkeln geschah, in die das Leben der Feldthiere, der

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Vögel und der Insecken sich zurückgezogen hatte, das verbarg
sich dem Auge des oberflächlichen Beobachters; und wer flüchtig
an dem Schlosse vorüberging, in dessen weiten Gärten und auf
dessen prächtigem Hofe die lustigen Spazen und die immer
rührigen Krähen ihr Wesen trieben, oder wer nur als Gast in
dad Schlos; kam und die glänzende und wüirdige Gastfreihheit
der Schloszherrschasl genost, der hälle meinen mihssen, es sei auc
hier im Schlosse Alles noch so, wie es in dem vorigen und
in den ihm zunächst vorangegangenen Jahren gewesen war.
Aber auuch iber das Leben der Schlossherrschafi lag, wie drausen
die lihle, weisße Decke des Schnee's, der verhiillende Mantel
der formvollen Gewohnheit und der feinen Sitte gebreitet und
eutzog dem Auge, was sich unter ihm verbarg.
Es war ein Schweigen über die Menschen gekommen.
Angelila kränkelte und sah noch üübler aus, als ihre seltenen
Klagen über ihr Befinden es rechtfertigten. Der Freiherr hatte,
weil er spät zu wachen liebte und weil Angelika, wie er sagte,
Ruhe haben sollte, ihre Zinmer verlassen und die Wohnung
bezogen, welche er vor seiner Verheirathung inne gehabt hatte,
und alle einzelnen Personen hielten sich mehr als je bisher in
ihren besonderen Gemächern auf. Die Herzogin erschien sehr
niedergeschlagen. Man glauubte, das sie den Marquis vermisse
und daß sie Langeweile fühle, denn sie ließ den Caplan öfter
zu Jich bitien, hatie lange Gefpräche mit sdemselben, und doch
sah man nicht, daß sich eine wirkliche Anäherung zwischen den
beiden Personen gebildet hätte oder auch nur allmählich bildete.
Was sich allein und immer gleich blieb, war die Freundschaft,
welche der Freiherr fir die Herzogin an den Tag legte, und
die ricksichtdlose Freigebigkeit und Zuvorkommenheit, mit welcher
er allen ihren Neigunge legegele. Der Freihherr zeigle sich
immer ruhig, Angelika sanfn, aber zurückhaltend, und man hätie
fast meinen sollen, es läge nuur an der Verstimmnung der Her-

= F =
zogin, daß die Anderen sich nicht in der früheren geisüigen
Freiheit bewegten, es bedirfe nur ihres guten Willens, um Alles
wieder in das Alte Geleise zu bringen; benn daß auicht mehr
Alles in dem guten alten Geleise stehe, daß ctwwas Besonderes,
das; noch ekwas Anderes, als der Streit mit dem Amtmanne
und dessen bevorstehende Entlassung vorgefallen sei, daran zweifelte
inn der Herrscuisl buld Nieimaund mehr. Aller der Leule, die,
wie ihre Eliern auuf den Gitern geboren und erzogen, ihre
Welt in diesem engen Kreise hatien, begann sich dadurch eine
Uusicherhei! zuu bemächtigen. Sie hatlen strks den Glauben
gehegt, das: sich bei ihnen in Nichten nichis ändern lönne und
düürfe, und das; sich etvas geändert hatte, ohne das; sie sich zu
erllären wusien, was sich geändert habe, steigerte ihr Unbehagen.
Aber grade die Frau, welche an den mannigfachen Wand-
lngen in Schlos; Richten und in dem Lebn seiner Besitzer
einen so großen und unheilvollen Antheil hatte, grade die Her-
zogin war am meisten betroffen über die Wendung, welche die
Gedanken und Etschlisse des Freiherrn genommen hatten; und
wenn sie davon auch nicht im Gemüthe angegriffen wurde, so
nahm sie es doch mit einer Art von Schrecken wahr, daß die
von ihr so fein gesponnenen und so geschickt verknüpften Fäden
nicht das Gewebe bildeten, auf das sie es abgesehen, weil sie
nicht gengsam in Betracht gezogen hatte, daß es sich mit
Menschen nicht so sicher als mit todten Zahlen rechnen lasse
und daß die Personen, welche sie als ihre Werkzeuge zu be-
trachten sich gewöhnt hatte, sich plötzlich erheben und sich zu einer
Entscheidung aufraffen könnten, stark geng, alle Berechnungen
und Erwartungen der planvollsten Voraussicht mit einem Schlage
zu durchkreuzen.
Dae hale ich nichi gewolli! sagle sich die Herzogin, als
der Freiherr ihr vertraut hatte, was er in sich beschlossen, und
mit diesem Aurufe wälzte sie alle Verantwortung und Schuld

--=- F --
von ihren Schultern auf die seinigen. Sie brauchle nichi ein-
zustehen für das, was sie nicht bezweckt hatte. Sie hatte sich
zerstreuen, sich unterhalten, ein wenig Einfluß auf ihre Freunde
gewinnen wollen, sagte sie sich; sie hatte die Baronin von ihrer
deutschen Schwerlebigkeit zu heilen, den Freiherrn von der
Herrschaft seiner allzu strengen Gattin zu befreien gewünscht;
sich selber und seinen alten, fröhlichen Gewohnheiien haite sie
ihn wiedergeben wollen, indem sie nebenbei sich und ihrem
Bruder das Leben in der Einsamkeit so gut cs ging erheiterte,
und plöhzlich hatle die stolze leberspauniheit des Freiherrn alles
Mass und Ziel so völlig iberschrilien, das: die Herzogin sich
mit einem Male zur Zeugin und zur Vertrauteu eines ehelichen
Zwiespalies auuserlorenn fand, der schwer und lief genng war.
um selbst eine Frau wie sie mit ernstem Ershrecken zu erfüllen.
Sie konnte dies dem Freiherrn nicht verzeihen, denn er ganz
allein und Niemand sonst trug nach ihrer Meinung die Schuld
des Unheils. Sie nannte es unverantwortlich von ihm, daß er
der Baronin nicht die Hand bot, um üüber eine Schwäche, über
einen kleinen verzeihlichen Herzensirr?hum fortzulonmen; und
wie natürlich, wendete ihre ganze Theilnahme sich unter diesen
Verhältnissen der Verkannten, der Leidenden, der Baronin zu.
Es blieb der Herzogin in diesem Augenblicke auch keine
andere Wahl, wenn sie sich nicht dcr ihr zur anderen Natur
gewordenen Einmischung in fremde Angelegenheiten fir die
nächste Zeit enthalten wollte; und der Caplan hatte Recht gehabt
mit seinem Worte: sie kann nicht rasten und nicht ruhen! --
Die müßige Herrschsucht, das eitle Bedürfniß nach immer neuer
scheinbarer Thätigkeit, die Lst, sich an fremden Empfindungen
zu ergzen, waren unersättlich und ohne Rast in der kalten,
selbstsüchtigen, mit unruhiger Phantasie begabten Frau, und sie
wurden nur von dem dreisten Selbstbetruge übertroffen, mit dem

sie
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1 1-
b=- ßs =-
sich in eine ueue Rolle zu versezen wußte, so ost die alte
beschwersse oder unhaltbar für sie zu werden anfing.
Seit Jahren hatte sie den Caplan gemieden, weil er der
Mißbilligung kein Hehl gehabt hu- - mit der er ihr Treiben
si.sip n
und ihren Einflusß auf den Freiherrn und auf Angelika verfolgte,
und ße war seit lange bestrebt gewesen, ihn in der guten Mei-
nung des freiherrlichen Paares zu entwnzeln, ,a, ihn zu ent-
fernen. Jezt schien .sie dies völlig vergessen zu haben. Sogar
der Gedanle, das: der würdige Maui sie und ihr frevelhaftes
Spiel uit der Wohlfahrt ihrer Gasisreunde durchschaut habe
N
und dus; er es verdaume, hieli sie nichl ab sich an ihn und
seinen Beistand zu wenden, sobald sie seiner zu bedirfen glaubte;
denn wie alle Selbsisitchtigen. besas; sie das festeste Vertrauen
in die Selbstlosigkeit der Anderen und jenen Hochmuth, der fir
alles getgane Uebel schnelle Vergessenheit, fir j:den neuen Einfall
E.?--
eer Caplan erkannte und durchschaute dies Alles; aber in
der Gefahr, in welcher I inee Freunde sich befanden, glaubte er
sich jedes Mittels bediene. zu müssen, das eine Hilfe zu bieten
schien, obschon seine Hoffnung auf ein Gelingen und sein Glaube
an die Möglichkeit, die Ehe des Freiherrn herzustellen, nr
gering waren.
Angelika war keine thaikräftige und war doch dabei eine
stolze Natur. So lange sie sich berechtigt geglaubt zuite, mit
s.s
ihrer ungetheilten Liebe die Liebe ihres Gaiten, die er ihr zu-
geschworen, zu verdienen, so lange ihr reines Gewissen seine
volle Achtung fordern konnte, hatte sie den Muth gehabt, dem
Freiherrn in den Zeiten seiner geisiigen Bebrängniß zu Hilfe
zu kommen, und es hatte sie über sich selbst hinausgehoben,
das sie zu -l- zu verzeihen, daß sie herzustellen vermochte.
s»-Kslz
Seit sie sich schuldig glaubte, sich schuldiger sühlte, als sie war,

-- - 1s=
hatte eine Verzagtheit sie erfaßt, gegen welche der Caplan ver-
gebens angekämpft, da er andererseits genöthigt gewesen war,
Angelika mit ernster Strenge vor der Nachgiebigkeit gegen ihre
Schwäche zu warnen, welche in den Lehren und Unterhaltungen
der Herzogin immer neue Nahrung und Beschönigung gefunden
hatie. Wer aber, wie Angelika, wahrhaften Sinnes und also
eigentlich nicht geneigt ist, sich zu betrügen, wer sich selber seine
Fehler zu Herzen nimmt und sie sich schwer verzeiht, weil er
den Anspruch der Würdigkeit an sich macht, der fühlt auch die
Verzeihung der Andern nicht als eine Wohlthat, sondern als
eine Demithigung, nnter deren Last er sich nicht leicht erhebt;
und wie furchibar dad übereilte Verdammungs-Uriheil ihres
Gaiiei: Agelila auch lrus, es luuzz buurin ei EiwaH, du ihr
willkommen war, das ihrem eigenen Euwzfinden, ihrem in diesem
Falle übertriebenen Gerechtigkeitsgefihl entspruch.
HHäile der Freiherr sich dazu verslanden, sie über ihre Nei-
gung fir Herbert aufzuklären, hätie er sie liebevoll zu sich ge-
zogen, so würde sie sich bestrebt haben, zu vergessen, und bemüht
gewesen sein, die Liebe und das Wohlgefallen ihres Gatten
wieder zu erringen. Aber der Freiherr hatte die Wahrheit ge-
sprochen, als er gegen den Caplan behauptet, daß er eigentlich
niemals eine wirkliche Liebe für Angelika gefühlt habe, und er
hatte es, für sich eingenommen wie er war, ihr durch alle die
Jahre nicht vergessen, daß sie ihn schwach gesehen und daß sie
ihm einmal in Gegeuwart des Geistlichen ihr einstiges inneres
Mißfallen an seiner Person erklärt hatte.
Jezt sich von Angelika im Angesichte der Herzogin einen
jüngeren, einen Mann geringeren Standes vorgezogen zu sehen,
von seinem Weibe das Geständniß hören zu müssen, daß sie
einen Anderen liebe, das waren Kg(ghungen gewesen, die er
nicht verzeihen und von denen er sich nur durch eine That be-
freien konnie, mit welcher er seine Selbstherrlichkeit vor sich

--- jh-
selber, vor Angelika und vor den Augen der Herzogin, ein für
alle Mal feststellte.
Er hatte dabei keinen grosen Widerst:ud in sich zu über-
winden, denn wo der Stolz und die Eitelkeit in einem Me.schen
die Oberhand behaupten, werden vor de selben alle anderen
Empfindungen und Ricksichten leicht zum Schweigen gebracht,
und der unausgesezte Verkehr mit der älteren, ihm besiändig
schmeichelnden unb der Baronin geistig iberlegenen Freundin
hatte ihn seit lange gleichgültiger gegen Angelila und selbst gegen
ihre körperliche Schönheit gemacht, als er es sonst wahrscheinlich
geworden sein wiirde. Er brachte also kein schveres Opfer, er
gab leine ihm uneuibehhrlich gewordene Gemeinschafi auf, als er
sich vou Angelila enlserule, und er sand uil dieser Enlsagung
dasjenige fir sich wieber, was ein Mann von seiner Art am
wenigsten entbehren kann, was er am höchsten schätzte: persön-
liche Bfriedigung und das Wohlgefallen an sich selbst und an
seiner Machwvollkommenheit.
Anders jedoch stand es um die Baronin. Der gewaltsame
Eutschlus ihres Gemahls gab ihr ein Necht, sich unglüclich zu
fühlen, und da sie, wie Jeder, das Verlangen in sich trug,
eine Folgerichtigkeit zwischen ihrem Erleiden und ihrem Ver-
schulden zu entdecken, so überließ sie sich umwwillkürlich ihren Ge-
danken an die entbehrte Liebe, und ihrem Schmerze um Herbert
mit solcher Heftigkeit, das: sich eben an dieser heftigen Leidenschaft
ihr krankhaftes Schuldbewustsein bis zu jener Höhe steigerte,
welche sich bereitwillig zu jeder Buße zeigt und eine schwärmerische
Wollust in dem Leiden, in dem völligen Verzichten findet.
An der Selbstzufriedenheit des Freiherrn, an der Wollust,
mit welcher seine Gattin sich verdammte, scheiterten die Versuche,
welche der Caplan zu der Vereinigung der Getrennten unter-
nahm. Der Freiherr gefiel sich überaus darin, den Geistlichen
sowohl als die Herzogin von der Festigleit seiner Entschlüsse

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und seines Charakters wie von seinem strengen Ehrbegrisfe zu
überzeugen. Aus der Mühe, welche sich der Eine und die Andere,
jeder auf seine Weise, mit seiner Bekehrung gaben, ersah er mit
Vergnügen die Wichtigkeit, die sie ihm und seinem Schicksale
beilegten; und die Nothwendigkeit, in den oft und in verschie-
denster Weise wiederkehrenden Gesprächen über diesen Gegenstand
seine Gründe den Gründen seiner Freunde entgegen zu stellen,
bestärkte ihn in seinen Neberzeugungen wie in seinem Vorsaze.
Hochgehobenen Hauptes und heiteer Stirn aufzutreten, wenn er
Mlles um sich her gebeugt sah, war ihm ein durch nichis Aderes
zuu ersetzender Geuuusi; und mit eineun Licheln der lleberlegenheit
ermahnte er die Baronin wie seine Freunde, innere Erlebnisse
nicht zur Schau zu tragen, ihre Mienen und ihre Stimmuung
nicht zu Verräthern an sich werden zu lassen und den Lauf des
ruhigen täglichen Lebens nicht zu unterbrechn, weil man mil
sich selber etvas abzumachen hgbe.
Neberlassen wir es den Steinerts, sagte er gelegentlich, von
sich, von ihrem Schicksale und von Eva's Herzensgeschichte auf
zehn Meilen in der Nunde sprechen und sich loben oder tadeln
und beklagen zu lassen, je nach dem Belieben Aderer. Man
muß sich unnahbar machen, wenn man unangetastet bleiben will,
und mich dünkt, mit sehr geringer Selbstbeherrschung könnte die
Baronin, mit etwas Achtung vor meinem berechtigten Verlangen
könnte der Caplan und könnten Sie, meine heure Margarethe,
das Vergangene, wie ich, auf sich beruhen lassen und mir die Un-
annehmlichkeit ersparen, aein und meines Hauses Leben von der
Neugier meiner Leute unnöthig berührt zu sehen.,
Das waren Empfindungen und ein Stolz, welche die Her-
zogin vollkommen begriff und wüürdigte. Sie stimmte mit der
Ansicht des Freiherrn überein, daß es für den Adel jezt doppelt
geboten sei, sich in ungebrochener Würdigkeit, im Vollbesize aller
seiner Standesehren und Vorrechte vor dem niederen Volke zu

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behauupten, und sie konte bei der unverhohlenen Kälte und Ent-
fremduung, mit welcher Angelika ihr seit den letzten Ereignissen
begeguete, überhaupt nicht lange im Zweife! dariber bleiben,
nach welcher Seite sie sich zu ihrem eigenen Besten wenden müüsse.
- ange Zeit die Rolle der Trösterin, der Versöhnerin zu
spielen, während die Baronin sich ihrem Troste unzugänglich
zeigte und der Freiherr gegeniber ihren vernittelnden Bestre-
buungen seine Ueberzengung auufrecht erhielt, väce dem auf Erfolg
gestelllen Wesen der Herzogin ohnehin nicht uöglich gewoesen.
Eine Augleichung aber, ein Verständniß können sich nicht her-
siellen, wo eigewilliger Siolz in dem Meuscen mäichliger als
die versiändniswvolle Liebe isi und wo eine wahrhafie Annäherung
schon duurch das absichtliche Dazwischentreien übelwollender Per-
sonen nicht zu Stande kommen kann. Von gleichem Stolze
beseelt und fortgerissen wie ihr Gatte, gewann es daher die Ba-
ronin auuch endlich iber sich, es seinem Auge zu verbergen, wie
unglücklich sie sei, wie ungluuch es sie mache, sch von ihm
-7s
verstosßen zu wissen. Sie gewann es über sich, jene Nuhe an
den Tag z legen, in welcher der Freiherr sich zeigte, in der
er seine ganze Umgebung zu sehen begehrte, eine Nuhe, die sie
zu fühlen weit entfernt war und deren Anschem, obschon er
sich's nicht eingestand, den Freiherrn nur noch fester in dem
Glauben werden ließ, das; er sich in Angelila geiäuscht, daß sie
ihn nie geliebt und dasß er in ihr nie das Herz besessen habe,
welches ihn zu beglicken, ihm zu genilgen fähig gewesen wäre.
Allen weiter. -==sligungen und Erörterungen zu entgehen,
-is N,sz
hatte der Freiherr bald nach seiner heimlichen Trentung von
-ngelika eine Einladung zu den großen Jagden angenommen,
welche einer der Prinzen auf seinen Gütern um diese Zeit ver-
ans ==--- und war erst kurz vor de.. =aahnachtstagen, und
ss M=
iflsf-i.
zwar in Begleitung verschiedener Gäste, wieder in das Schloß
zurückgekehrt.

- j . ---
Das Weihnachtsfest wurde mit gewohnter Freigebigkeit und
Gastlichkeit begangen; die Gäste sollten bis über das Neujahr
im Schlosse verweilen.
Befehlen der gnädige Herr, daß morgen der große Saal
geöffnet und die Leute angenommen werden sollen? erkundigte
sich am Sylvestertage der Haushofmeister, als der Freiherr ihn
rufen lassen, um ihm einen Auftrag zu ertheilen.
Wie anders? antwortete dieser. Der Haushofmeister ver-
neigte sich und ging davon. E war das erste Mal, daß er
diese Frage fiür nöthig erachtet halle, das erste Mal auch, dass
der Freiherr sich den Gllickvimschen seiner Leuie gern enizogen
häite. Aber es befanden sich im Schlosse unier den Gästen
mehrere Personen, welche in uanchem früheren Jahre Zengen
dieser herrschaftlichen Ceremonie gewesen waren, und der Frei
herr hielt es für angemessen, von einem altm Herkommen nicht
abzulassen.
Der Ahnensaal zu ebener Erde war ein schöner Raum.
In den beiden großen Kaminen an seinem oberen und unteren
Ende brannten am Neujahrömorgen helle Fener, und die Sonne,
welche draußen den Schnee funkeln und die dicken Fransen des
Rauhreifs an den Aeston der Bäume glizern machte, schien so
hell in den Saal hinein, als wolle sie die brennenden Feuer
unsichtbar machen und beschämen.
Die lange Neihe der Ahnenbilder war sorgfällig abgestäubt
worden, man hatte die Teppiche vor den gradlehnigen Canapee's
über den Fusboden gebreitet, der Haushofmeister ließ auf dem
schweren Marmortische die alterthümlichen Geräthschaften auf-
tragen, deren man sich, seit die Baronin Angelika im Schlosse
lebte, am Neujahrstage zu bedienen pflegte. Man nannte diesen
Empfang im Ahnensaale das Familien-Frühstück, beil man dann
die Mahlzeit beim Beginne des neuen Jahres gleichsam unter
den Augen des ganzen hingegangenen Geschlechtes einnahm und

--- 1 =
die sämmtlichen Beamten der Herrschaft mit einem Imbiß be-
wirthete. Während der Haushofmeister die silbernen Kuchen-
schalen und die Flaschen des süßen spanischen Weines kunstgerecht
ordnete, kam des Freiherrn Secretär dazu.
Seht nur zum Rechten, sagte er, der Herr ist heute übler
Laune!-- Der Andere meinte, das sei jetzt nichts Seltenes.
Doch mit Unterschied, bemerkte der Secretär; heute ist's beson-
ders schlimm! -- -
Als der Haushofmeister zu wissen wünschte. was denn oor-
gefallen sei, liesß der Secrelär sich erst eine Weile nöihigen, dann.
sagie er E8 sind heute unter den Sachen, die der Bote von
der Posi geholl hat, Briese geloumen, die haben es gelhan.
er Juude, welcher des Herrn Geldgeschäsie acht, kiindigl ihm
die vierzigtausend Thaler auf Nothenfeld, und es muß auch mit
dem vertrackten Marquis wieder etwwas vorgefallen sein, was mit
den Geldangelegenheiten zusammenhängt. Ic sah große Zahlen
und Berechnuungen in dem Briefe, obschon den Herr ihn seitwärts
hielt. Als er ihn zweimal gelesen hatte, steckte er ihn ein, aber
seine üble Laune hatte er weg, denn -- von Flies zu fordern
haben wir schon lange nichis mehr!
Und dazu wieder die großen silbernen Toiletten, welche jetzt
zu Weihnachten nach dem Muster der alten Waschgeräthschaften,
die vor ein paar Jahren angeschafft wurden, für unsere gnädige
Frau und fiür die Harzogin gemnacht worden und angekommen
sind! bemerkte kopfschüttelnd der Haushofmeister. Mich soll's
wuundern, wann die Harzogin einmal zu wüünschen aufhören wird.
Ewig kaun das ja nichi danern!
Freilich! Es geht Alles einmal zu Grunde in dieser wan-
delbaren Welt; aber agres ous ls äüluge! Und wenn's
denn nur immer bei dem spres ndis bleiben wollte, versetzte
der Secretär, welcher sich die Schlagworte angeeignet hatie,
deren er die Herrschaften sich bedienen höute. Er fuhr indeß

=- ,f -=-
erschrocken zurick, als in dem Augenblicke der Kammerdiener die
uhirvorhänge aufhob und die ganze Gesellschaft, voran der Frei-
herr, die Herzogin am Arme, in den Saal einlrat. Sie haiten
beide das Wort gehört, und unwillkinlich sagte der Freiherr zu
sich selbst: Welch ein Anruf ist das! -- Auch Angelika, deren
übles Aussehen Allen auffiel, sah nach dem Secretär hinüber
und ihre Mienen zuckten leise zusammen. Ihre Schwäche fing
an, ihr oftmals die Herrschaft iber sich zu rauben.
Die Frauen nahmen auf dem Canapee ihre Pläze, die
Männer, der Freiherr in ihrer Mitte, standen in einer Gruppe
in ihrer Nähe, als man meldete, das; der Pfarrer mit seiner
Fran, der Auiiann mii seinter Sehwesier angelo:mmnenn wäiren.
Der Freiherr ging dem Geistiichen ein paar Schritte entgegeu.
reichte ihm und der Pfarrerin die Hand und hies; sie willkommen,
als sie ihm ihre Glickviusche auussprachen. Er schien Adam
und seine Schwester nicht zu schen, und doch hatten sie ihr
Bestes gethan, sich heute bemerklich zu machen und es zu beweisen,
daß sie nicht in Sorgen, sondern guten Muthes in das neue
W,-s.-
»-pe hinibergingen.
Der Amtmann hatte den Haarbeutel abgelegt und sich,
wie Herbert das schon lange gethan, nach der neuen franzö-
sischen Mode gekleidet. Auch Eva hatte die lädliche Dormeuse
abgenommen und trug ihr schönes, braunes Haar, wie Herbert
dieses liebte, frei um Gesicht und b.äen niederfließend. Sie
1-
sah auffallend hibsch aus, und die Blicke der mänulichen Gäste
richteten sich auf sie, als sie sich der Baronin näherte, ihr die
Hand zu kiüssen, während der Amimann noch immer da stand,
erwartend, ob der Freiherr es endlich für angemessen finden
werde, seine Gegenwart zu bemerken, ob er endlich die geflissent-
liche und sehr gnädige Unterhaltung mit dem Pfarrer unter-
brechen werde.
Adam fand den Freiherrn in den letzten Monaten wesent-

---- ,?-
lich älter geworden, und wie er so von ihm hinaufsah nach
dem verstorbenen Herrn und dann zu Renatus hin, der zwischen
den Knieen des Caplans stand, konnte er sich eines Seufzers
nicht erwehren; aber dieser Seufzer galt nicht dem eigenen Ge-
schicke. Wer wird künftig für sie schaffen, wie wir's gethan?
dachte er, und er fühlte den Groll, den er seit seinem Zusammen-
stoße mit dem Freiherrn gegen ihn gehegt, in seinem treuen,
festen Herzen schwinden, da er sich baldiger Freiheit sicher und
seinen Stern im Steigen wuste, während die Sorge seinem bis-
herigen Herrn immer näher rickte, das er sie kaum noch von
sich weisenn lounuie.
Plözlich, als habe der Seufzer des Amtmanns ihn erst
auufmerksam auf ihn gemachi, wendele er sich zu ihm und sagte:
Ich dachte, Er wäre auf's Güterkaufen aus!
Diese Arede hatte Adam nicht erwartet, aber da er den
Freiherrn kannte, erschreckte sie ihn mehr als sie ihn kränkte.
Was mus: ihm geschehen sein, daß er sich so vergessen kann?
dachte er, und gutherzig und nachsichtig wie ein Glicklicher,
sagte er: Da ich nach meinem Abkommen mit dem gnädigen
Herrn noch bis zum Herbste in seinem Dienste bleibe, konnte
ich ja nicht ohne Urlaub fort, und hätte mich nicht unterfangen,
den Herrschafien am letzten Neujghr meinen Glickwunsch schuldig
RR ?a - -
Adam war bewegt, und der Freiherr hörte das. Aber da
er verstimmt und gereizt war, klang selbst der gute Wunsch ihm
wie ein Vorwurf, und fast widerwillig sprach er sein kurzes:
,
au danke, ich danke Ihm! zu seinem Untergebenen aus, der
dies nicht lange mehr bleiben sollte. Er konnte den Ton gegen
ihn nicht mehr finden, seit er Aam nicht mehr ganz zu ihm
gehörend wuuste, und er zwang sich zu der Frage, was Aam
F. Le wald, Von Ges hlech! zu Geschlechl. ll.

-- ,Z-
denn für Plane habe, weil diese Frage eine Verzeihung und
ein Anerkenntniß in sich schlos;.
Ich habe ein Angebot auf Marienau gethan. Ich kenne
das Gut genau, und der Besizer kann es nicht mehr halten,
sagte Aam.
Ich weiß, ich weiß! rief der Freiherr und wendete sich
kurz und hastig von dem Amtmanne ab. .e Vorstellung, einen
alten Lebensgenossen aus seiner Nähe scheiden, einen alten Edel-
mann von dessen Hause auswandern zu sehen und dafir einen
Menschen niedern Standes. ja, seinen eigenen Amtmann zuu
Grenznachbar zu belommen, die Steinerts sich einnisten zu sehen,
wo die Herren von Naven seit langen Jahren fest und wohl
gesessen hatten, war dem Freiherrn gar zu widerwwärtig. E kamen
ihm seit diesem Morgen nichts als unangeuehmne Neuigleiien zu.
Aber noch empfindlicher, als der Freiherr durch das Zn-
sammentreffen mit dem Bruder, füühlte sich Angelika durch die
Begegnunng mit der Schwester berührt. Sie hatte Eva nicht
wiedergesehen seit dem Tage, an welchem sie die Verse in Her-
bert's Pult gelegt, und die heiße Röthe der Schau ibergosß
ihr bleiches Antliz, als sie Eva vor sich hintreten sah.
Dad war also dad Mädchen, welches der Mann sich er-
wählt hatte, den sie liebte, um dessentvillen sie mit sich selbst
und mit ihren Pflichten zerfallen war, das Mädchen, welches
Herbert ihr, der Gräsin Berka, der Baronin von Arten, der
hochgebornen edlen Frau, vorgezogen hatte! Und mitten in der
Pein dieser qualvollen Empfinduung erkannte die Baronin in
dem großen Medaillon, mit welchem Eoa ihr weißes Busentuch
über der Brust zusammengenestel zte, Herbert's sprechend ähn-
s.ßis
liches Portrait, welches eben heute anzulegen sie sich trotz der,
Abmahnung des Bruders nicht hatte versagen mögen.
Eva sah die Bewegung der Baronin, und ein Lächeln der
befriedigten Eitelkeit flog über ihre vollen Lppen, als sie sich

-- h-
niederbüückte, um, wie sie das sonst gethan, die Hand der Guts-
herrin zu kissen. Aber jenes siegreiche Lächeln war Angelika
nicht entgangen; sie zog die Hand zurück, und mit einer Härte
und Bitterkeit, die Niemand je von ihr gehört hatte, sagte sie:
Laß' Sie es gut sein, ich kann die Heuchelei nicht leiden
ich kann Ihr nicht helfen!
Der Zorn der Baronin zeigte dem jungen Mädchen,
und
wie
mit hellem Lichte, sein ganzes Gliück in vollem Glanze, und mit
dem Worie schnesl wie inmer bei der Hond, während sie sich
auch von Eifersucht ergriffen fühlte, entgegne sie, der unver-
dienten Abweisung mit Freuden trozend: Ich verlangte ja nichts,
ich habe ja Alles, was ich wünsche, gnädige Frau!
Uuwerschämte! sties; die Baronin hervor und wendete ihr,
bebennd vor Zorn, den Nüücken. Niemand hatie die Worte gehört,
welche die Baronin mit der Schwester ihres Amtmanns gewech-
selt, aber der Zorn der Ersteren, das Siegesgcfühl in den strah-
lenden Augen der Lezteren blieben nicht unbemerkt, und die
Herzogin sowohl al der Freiherr und Aam wußten sich den
Vorgang zu erkläxen, der, wie verschieden die Lebenslage der
beiden Frauen auch war, hier das Weib den Weibe in seiner
nalirlichen Leidenschaft gegenüber gestellt hatte.
Es war der erste Neujghrsmorgen, an dem es dem Frei-
herrn und seiner Gailin nicht wohl in ihrem Hause wurde,
nicht frei unter ihren Leuten zu Muthe war, und an dem sie
in den Mienen ihrer Uugebung spähten, weil sie nicht mehr
die alte, unbedingte Sicherheit besaßen, nur auf Liebe und auf
freie, perehrende Ergebenheit zu stoßen. Dem Baron war die
Nähe des Amtmanns, der sich schon alö eigner Herr fühlte,
lästig, und die brieflichen Mittheilungen des Juweliers lagen
ihm schwer im Sinne; Angelika fand sich durch Eva's Anwesen-
heit beleidigt, und erniedrigt durch das Bewußtsein, sich vor ihr
verrathen, sich ihr gleichgestellt zu haben, während beiden Gatten
F

--- Zß---
die unverkennbar neugierige Aufmerksamkeit ihrer Dienerschaft
eben so wie die ängstliche Zurückhaltung des Pfarrers und der
übrigen Beamten auffiel.
Die Leute wagten sich nicht wie sonst heran, sie sprachen
ihre Wünsche nicht so herzlich und offen wie früher aus, und
der Pfarrer hatte nicht mehr seine altgewohnte Anrede vernehmen
lassen, daß Alles hier zu Lande bleiben möge, wie es bisher
gewesen, iveil es so am besten Fei. Er und die Pfarrexin
blickten immer nur ängstlich nach dem Amtmanne und nach dessen
Schwesler; auuch die Wirihschafter und der Justitiarius hielten
sich zu den Steinerts, so gut sie konten. Die Amislinder,
wie man Aam und Eva in ihrer Jugend genannt hatte, waren
der Gegenstand der allgemeinen Theilnahme; auf die Herr-
schaften sah man in der Besorgnisß, was sie den Steinerts thun
würden, was es mit diesen geben könne, und selbst aus den
Worten der ergebenen Gratulation glaubte der Freiherr einen
Vorwurf gegen sich und ein Misßtranen in die Zuusicherung des
Wlohlwollens und der Geneigtheit herauszuhören, welche er, nach
alter Sitte und Gewohnheit, den im Dienste Befindlichen und
Verbleibenden versprach. Was half diese Zuusage des Freiherrn
ihnen auch im Grunde? Man wußte nicht, wer an Aan's
Stelle kommen würde, und das Wohlbehagen und Wohlergehen
jedes Einzelnen hing vor Alllem von dem guten Willen und
der Rechtschaffenheit des Amtmanns ab. Was znan an den
Steinerts gehabt hatte, das war Jedermann bekannt; was
kommen konnte, war nicht zu berechnen, und das versicherten
die Verwalter und Wirihschafter jezt Jedem, der es hören wollte,
wie sie es Zich unter einander längst gesagt hatten: wenu
jezt nicht ein eben so tüchtiger und rechlschaffener Amtann in
die Herrschaft käme, wie Aam Steinert es gewesen, so wäre
kein Durchhalten möglich, und man wülrde etwas erleben, auch
wenn sie selber, wie bisher, gewissenhaft das Ihrige thäten.

Das Mißtrauen, die Unzufriedenheit, der Zweifel schwebten
wie eine ansteckende Krankheit in der Luft. Niemand sah sie,
Jeder fühlte sich von ihrem beängstigenden Hauche ergriffen,
und wie lustig lodernd die Feuer in dem Saale auch brannten
und wie hell die Sonne auch die lange Neihe der Ahnenbilder
beieuchtete, es wurde Niemandem wohl bei diesem Neujahrs-
Frühstücke; selbst Nenatus machte die Bemerkung, daß die Groß-
eltern und die Urgroßeltern auf den Bildern, wenn die Sonne
so darauf scheine, ganz verdrießlich auf die Menschen nieder-
blickten.
Der Wein schmecte heute den Leuten lange nicht so gut
als sonsi, und die Pfarrerin fand, das; die Kuchen, welche(Eva
zuum Feste in die Pfarre gesandt hatte, weit besser wären, als
die im Schlosse aufgetragenen. Ihr Mann bemerkte, daß der
Herr Caplan gealtert, sehr gealtert habe, das auch der Freiherr,
obschon er stärker werde, nicht mehr so gut aussehe, als noch
vor wenig Monaten, und nun gar die Frau Baronin!-- Er
schüttelte den Kopf und faltete die Hände. Was der am Herzen
nagte, darüber lonnte man ja nicht im Zweifel sein. Wie mochte
die sich an einem solchen Feiertage manchmal nach dem reinen
Worte Goites und nach den Eltern und Geschwistern Jehnen!
Es war Allen leichter um das Herz, nachdem dieses Neu-
jahrs-Frihstick erst vorüber war. Sonst hatte man sich darauf
gefreut, heute hatte man es gefürchtet, und selbst der Freiherr
nannte es heute in seinem Herzen eine leere, lästige Ceremonie,
die er künftig abzustellen meinte.
Es war die erste Gewohnheit, das erste Herkommen seines
Hauses, auf das zu verzichien er sich selbst gedrungen fiihlte.