Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 19

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Neunzehntes Capite l.
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,sie Gäste hatten das Schloß verlassen, der Tag war
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bewölkt, die Baronin hiteke das Lager, weil si sich mehr zu-
gemuthet, als ihre Kräfie leisten konten; auc der Freiherr
z und die Herzogin waren ermüüdet und hielten sich in ihren
Gemächern. Der Herr Pfarrer, wie die Kirchenbeamten und
I der Sacristan den Caplan jezt nannten, beantoortete in des
Fßreiherrn Naen die Vorstellungen, welche diesem von Seiten
des Superintendenten auf die Beschwerden des Pastors gemacht
Zworden waren. Der neue Pfarrer allein war zu einer großen
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«hätigkeil aufgelegt, während der Freiherr jene Erschlaffung
und jene Leere fühlte, welche nach der Vollendung einer großen
-Arbeit, eines grosten Unternehmens sich immer einzustellen pflegen.
Gegen den Abend machte die Herzogin ihm den Vorschlag,
- einen Spaziergang nach der Margarethen-Höhe, so nannte man
-den Hügel jezt. zu uneruehmen. I ruhigem Gespräche durch-
wanderten sie den Park, stiegen sie den Hügel hinauf. Oben
-angelangt, setzten sie sich auf einer der nach antikem Vorbilde
Vgearbeiteten Steinbänke nieder, welche man dort aufgestellt hatte.
roz des schönen Abends machten der Plaz und der Tempel
heute keinen guten Eindruck. Die Blumenguirlanden waren
-welk geworden, das Gras des Rasenplazes hier und da zer-
s hteten. Die Lampen hingen trüb und fahl in den Drähten
des Lattenwerkes, auch das Innere des Tempels war noch nicht

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wieder hergestellt worden, und das Bild der Herzogin sah inr
dem matten Lichte wie verschleiert aus.
Wir hätten heute nicht hierher gehen sollen, bemerkte der
Freiherr, denn jedes Fest wirft einen Schatien äuf den ihn
folgenden Tag!
Und doch wünschte ich gerade heute hierher zu kommenF
und mich an dem Orte, dem Sie so liebenswüürdig meinen:
Namen verliehen, an welchem Sie, mein theurer Vetter, mih'
so hoch geehrt haben, mit Ihnen iber eine Agelegenheit zu ,
besprechen, die ich ohne Ihren Beirath zu ordnen genöthigt ges
wesen bin, denn Ihre Freundschaft wiirde mich, ich fihle das, -
verhindert haben, die Etscheiduung zu treffen, zu welcher ich selbst -
mich schwer genug entschloß.
Sie hielt inne; der Freiherr bat sie, sich zu erklären.
Ich bin nicht wortbrüüchig, mein Freund, sagte sie, und
ich habe es nicht vergessen, wie Ihre Grosmuth mir einst das Ver- ;
sprechen abgenommen hat, das; ich von Ihrer gastlichen Schwelle: I
nicht scheiden würde, bis Sie selbst mich wieder in die Hallen -
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meines schönen Vaudricourt zurickgeleiten könnten.
Und dieses Versprechen ist Ihnen leid geworden? fragte -
der Freiherr, von einer unangenehmen Ahnung erfaßt.
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Sie schüttelte wehmüthig das Haupt. Nein, o nein, ver-
setzte sie, und es wird, glauben Sie es mir, theurer Vetter, zu ,
den erhebendsten Erinnerungen meines Lebens gehören, daß Sie-
es einst von mir gefordert haben, daß ich Sie auch heute noch;
geneigt weiß, mir fort und fort das Gastrecht zu gewähren,?
welches Sie mir mit jener Forderung verhießen. Aber jedes
Versprechen, das wir leisten, wird in einem bestimmten Glau- -
ben, unter gewissen Voraussetzungen gethan . . - -
Sie wollen von uns scheiden? rief der Freiherr, tiefer -
getroffen, als er es selbst in diesem Augenblicke wußle. Sie ;
wollen jetzt, eben jetzt von uns gehen, wo, wenn nicht ein

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Wunder geschieht, auf das zu hoffen der Mentsc kein Anrecht
hat, meinem Hauuse ein schwerer Verlust und eine üinsame, ernste
Zeit bevorsteht?
Die Herzogin seufzte. Ich habe mir das selbst gesagt.
habe Alles schmerzlich in mir erwogen, und doch bleibt mir
keine Wahl. Jedes Versprechen, das wir leisten, wiederholte
sie absichtiich, wird in einem bestimmten Glauben, unter gewisseu
Voraussezungen gethan. Als ich Ihnen einsi g-lolte, nicht eher
von Richien zu scheiden, bis Sie mich nach Vauudricouuri geleiten
könnten, glaubte ich an eine Wandlung, an üinr nicht ferne
Rückkehr zu Ordnuig und Gesez in meiner Heimoth, hoffte ich
den Thron seines rechtmnäs:igen Herrschers in Frankreich bald
wieder aufgerichtet zu sehen. Diese Hoffnuung habe ich fir jetzt
verloren!
Und was bewegt Sie also zu dem Eitschlusse, mit dem
Sie uns bedrohen ? wandle der Freiherr uehr und mehr ver-
wundert ein.
Die Herzogin wich der Antvort aus. Sie kennen die
Huld und Gmiade, sagke sie, mit welcher die Gemahlin des
Grafen von Provence mich von je her beglickte. Durch die Ver-
hältnisse unseres Vaterlandes an den Hof ihres königlichen Vaters
zurückgefihrt, wimscht sie mich in ihre Nhe zu ziehen. Die
Oberhofmeisterin Ihrer Mafestät der Königin ist geslorben, man
bietet mir ihre Stelle an, und.. . -
Der Freiherr neigte mit vornehmer Bewegung zustimmend
das Haupt: Und Sie finden es ehrenvoller und angenehmer,
dje Oberhofmeisterin einer Königin zu sein, als e:nem Land-
edelmanne in seinem Schlosse firder die Freude und die Ehre
Ihrer Gegenwart zu gönnen! Ich begreife das -- und ich
gehe Ihnen Recht, vollkommen Recht, figle er schnell gefaßt
hinzu.
Es entsland eine Pause. Die Herzogin wuuste volllommen,

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welche Kränlung sie dem Freiherrn bereiteie. Aber einer Be-
obachterin wie ihr waren die sich ändernden Glücksumstände de
Freiherrn nicht verborgen geblieben, und sie hatie seit lange
daran gedacht, das Schloß und den Freiherrn zu verlassen. Es
widerstreble ihrem Ehrgefüihle,-=- - unzunehmen, sobald mau
Os-s.i
anfangen konnte, sie als solche zu empfinden, es widersirebie
o-» --=-=- -=-- - - -üooß. an dem: Frankenlager einer Sierben-
snr ifsolis jsszps- PFfiniif-
den langsam schleichende Aage hinzuleben und in dem freiherr-
liche Schhlosse die unverueit lice Eiisamnleil deb Truuerjahres
über sich zu nehmen. Ds glänzende Tueru, das Leben an
dem iippigen Hofe von Savoyen, der Einflus; eina- =--11ß.
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wie sie ihr geboten ward, lonnien sie nichi schwanlen lassen iber
das, was ihr z -=- oblag, und den Freiherrn mit erkinstelter
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Ubefangenheit bei seie Worle nehunend, sagle sie: Ich wuste,
das Sie uich billigen, das: Ihre selbstlose Freundschast mir den
=---=---- Du. -uch so viel leberwinduhg --p- -- icht erschweren
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wülrde, und --- sagie sie mit einem neues. =--!zer -- vielleiht
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w«. Ich sd glll==- »-- ---b-- -=-=-. Freund, tt mteiner neuen
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Heimath wiederzuschen, wenn der Schlag gefallen seinu-rd,
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der Sie bedroht, wenn es Ihnen zu sch.- allen s-ue, hier
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n dem verwaisten Hause z = --==-- -
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==-«e Freiher. uiworlete hr nncht. =-e erhob siug. -=--
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in den Tempel und sagte, ihr Tuch up=- Augen drückend:
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Wie mich es ges.- e. chullerle, al- --- ahnungslos mich An-
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gedenken an die wwerthen Menschen vertheilen -p--- -- »«
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=-- -l -=g. wviedersehen werde, denn du. =h;-p- der Kdags
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bedrang-
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Sie
----« und bindet mich zugleich!
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ß=-- zu befehlen, Herzogin! versicherte der Freiherr.
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läe,.-- -eege geh- -=, noch mcht, auch über-
morgen nicht!
Er sagle ihr, das; er jeden aag ihrer Annvesenheut als einen

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Gewinn beirachten wirde, aber sein Aon war kult, und schwei-
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u-- -len sie den Heimveg anl.
aue bevorstehende Abreise der Herzogin setzte in de- gO = --
Herrschaft Alles in Erstaunen. - .r Freiherr versuchie nicht, sie
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zu halten, sie fihlle jezl leiu Verlange--=-- zu bleiben.
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s,lßz-f. zfs,fsp pz ff.iifim fssff Aofs s
Ig Aat daVol g=-- --=-- -- ---»-; ---- =- otPfe.
Wenn ein Haud den Einslurz drohl, sugle rr, gehen die llugen
Natien hinaiis!
wer Freiherr lies es der Herzogi an keier Beqnemlichkeit
sehlen. Er war sich das unch seineu Epsinden schldig. Fir
den vierlen aag wurden die Pferde bereit gehal. - u d voraus-
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geschict, ud ehe die lezle Kränze des Freundschafisfestes auf
der Margarethen-Höhe abgenommen waren, hate die Herzogin
das Schlos: uud die Geged verlassen.
E trat damit eine grosle -- - des Freiherrn Leben
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ein. Er hatte ihr durch eine lange -=- don Jahren seine
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FreuÜld;.gp-; -- s-=-- === .ü Ull gdhg---- - g.lü lz-- =s»oP-
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ihn gefesselt und-p--=------ ----- war er völlig auf sich selber
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angewiesen, und er hatie Niemanden, dem er belrnnen durfte,
was..-zlte, was ihn krankte. Er wuste, das der Caplan
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die Entfernuung der Herzogin stets gewinscht, das: Angelika sie
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vu - - ull! hal.., Ull e1gd===- -=--==--=- »-zcV kcht mehr
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berlassen. Wie h.-- -- uuch da... de==- -=p hr, die er
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isis s,i
=---g viel Härte von sich gewiesen, der die Herzvgin so schweres
Nz -Ss.-»s -
=-s- ü-=-=-- es einzugestehen, das; und wie sehr er dtese vermisse!
Schweigend, i sich zuuruegezoge -- = -=-e Tag- »-- -=
ll,s -s K -
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z ss,- v.--:idis sniiniis bifbpisi.p H,,sss zisss s,
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=b=--.g, die Eigifiühhrung und Eigirichg der -.!rceh.=ü---
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das Fest anf der Margaretien-Höhhe und die Abreise her Herzogin
hallen viele AnuSgzulen veruursuc. Sie wareu ac der Weise des
F. Le wald, Von Geschlechi zu Geschleci. 1.
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Freiherrn alle unerläßlich gewesen, aber sie hatten doch seinen';
Baarvorrath weit überstiegen und er war aufs Neue genöthigt -
worden, Geld gegen Wechsel aufzunehmen.
Wie das Jahr zu sinken begann, sanken die Kräfte An- ?
gelika's mit ihm. In guten Stunden trug man sie auf die -
Terrasse hinaus; der Pfarrer, die treue Marianne, ihr Sohn
durfien sie wenig verlassen. Die Sorge fiir Nenatus beschäf- ,
tigle sie ganz und gar.
Erziehen Sie ihn zur strengen Zucht! beschwor sie den -
Pfarrer; machen Sie, das; er in seinem Herzen, in seinem I
Geiste die Nichtschnur finde, die ihn hindert, von dem Pfade F
der Ehre und der Tugend abzuweichen; machen Sie, daß er z
unnachsichtig gegen seine Neiguungen werde, das; sein Gewissen Z
unbestechlich von seinen Leidenschaften sei! -- Sie sprach es
nicht aus, das sie wüinsche, er möge seinem Vater und ihrem Z
Bruder nicht ähnlich werden, aber es war unschwer zu ersehen, y
wohin ihre Plane für die Erziehung ihres Sohnes gingen, und ,
---
der Pfarrer verstand sie wohl.
Als die Ernte vollendet war, zog der Amtmann von der -
Herrschaft ab. Es war große Betribniß unter den Leuten, I
und auch dem Freiherrn ging es heimlich nahe. Aam hin- --
gegen hatte das Scheiden mit Ungeduld erwartet. Sein Haus -
in Marienau stand wohlgefigt, die Hochzeit seiner Schwester ;
sollte es einweihen, und er hatte jetzt bereits im Stillen sein ß
Auge auf eines Gutsbesizers hübsche Tochter fallen lassen, die'
ihm ein Ersatz für Eva zu werden versprach.
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Jm Herbste schaltete der neue Amtmann mit seiner großen ?
Familie in dem Hause, das die Steinerts über ein Jahrhundert T
inne gehabt hatten. Da er nicht des Landes, sondern aus einem Z
fernen Theile Deutschlands gekommen war, hatte er ohne Wei-,
teres die Meinung wider sich. Er hielt es, wie der Freiherr,. ;
mit einem trengen Regiment, und ein solches mußte er auch -

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-
äüben, wenn er die Verheißungen wahr zu machen dachte, mit
h -denen er den Freiherrn für sich eingenommen.
Der Herbst war ungewöhnlich hell un mild, das Jahr
f; schien lächelnd verscheiden zu wollen, und lächelnd fand man
s L eines Morgens die Baronin auf ihrem Lager liegend. Sanft
!, lächelnd, Amanda's Nosenkranz, der sie nie verlassen, in ihrer
! Hand, war sie wie unter dem Eindrucke eines uilden Traumes
F eingeschlasen. -
- Es war auuch ein heller, klarer Herbstmorgen, an welcem
i
H man die Leiche der Schlosherrin zu ihrer Ruhestätte in der
F neuen, von ihr gelobten Kirche führte. Vn nah und fern
, war der benachbarte Adel herbeigekommen, ihr das letzte Geleite
F nach der prächtigen Familiengruft zu geben.
? Der erste Neif lag auf dem Nasenplatze vor dem Schlosse
, und auf dem Kirchhofe, als der von sechs Pferden gezogene
Leichenvagen sie überschritt. Wie weisße Nosen hingen die leicht
sgeballten Flocken des Nauhreifs in den Tamnenbäumen des
z Firchhofes. Die Freifrann Angelika von Arten-Nichten war die
FErste des jezt lebenden Geschlechtes, welche zu den Ahnen ihres
TMannes in die Gruft herniederstieg, die Erste, welche dieses
Weges ging. Der Traum, den sie am Morgen der Kirchweihe
F geträumt, fand seine Erfüllung. Sie war die Erste, über deren
t Asche der Pfarrer ihrer Kirche die Seelenmesse las.
g-
z Als die Beerdigung vorüber nvar und die Fremden das
Haus verlassen hatten, befanden der Freiherr und der Pfarrer
Zsich allein in dem Wohnzimmer der verstorbenen Baronin. Der
FFreiherr, in tiefer Trauerkleidung, ging hugsam auf und nieder.
Pr trat an das eine, er trat an das andere Fenster. Die
Fweithin sich exstreckenden gradlinigen Hecken von Buxhaum, die
Jcharf zugespizten Obelisken und Taxus»Pyramiden hatien auch
mn diesem Herbste duurch die späie Jahrcdzeit noch nichis von
Phrer Farbe und Form verloren. Am Ende des Gartens hoben

-- ZZZ-
sich die Bäume des sogenannten Bosquets empor, majestätische
Kiefern, deren braunrothe Stämme wie die Pinien breite, grüne
Kronen trugen, und prächtige Eichen, noch voll von ihrem -
üppigen und jetzt goldgelb gefärbten Laube. Sie waren immer z
noch gewachsen. In dem Kamine brannte ein helles Feuer. -
Sein Schein streifte bald die Portraits der freiherrlichen Eltern, ?
bald die schönen Bilder Amanda's und Angelika's, die an den -
Wänden hingen. Dann wieder beleuchtete er die antiken Sta- -
tuen der Venuus und des Amor, die in den Ecen des Zimmers ?
standen.
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Eine Erinnerung zukte in dem Freiherrn auf. Ein schöner ,
Herbsttag wie dieser war es, sprach er, indem er vor dem
Pfarrer siehen blieb, der iraurig an dem Kamine sasß, ein Tag;
wie dieser war es, an dem wir einst diese beiden Statuen-
hier aufgestellt haben! Und wieder, wie damals, stehen wir
hier allein !
Ich habe auch daran gedacht, entgegnete der Pfarrer,
während der Freiherr abermals umherzugehen begann, bis en ?,
wieder vor dem Pfarrer stehen blieb.
Was ist seitdem geschehen! Welche Umwälzungen hat die. -
Zeit gebracht, die Welt erfahren, und ich selber, was habe ich';
erlitten und erlebt!-
Er setzte sich nieder und fuhr sich mit der Hand über die ?
Augen. Aber er schien sich dessen wie einer Schwäche zu -
schämen, denn er erhob sich augenblicklich wieder, und dem
Pfarrer die Hand reichend, sprach er: Und doch muß man sich?
sagen, was ich damals erstrebte, ist erreicht, und mehr als das!. -
In Renatus wächst mir der Erbe meines Hauses, der Erhalter ,
unseres Geschlechtes gesund empor. Ich habe meinem Hause F
und unserer Kirche hier in der Gegend eine schöne, eine erhabene-,
Zulunft gesichert. Arbeiten Sie mit uir gemeinsam daran, ?,
mein Freund, dasß mein Geschlecht in meinem Sohne einen??
-

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wüürdigen Vertreter und unsere Kirche hier zu Lande die Verbrei-
tung finde, welche sie gewinnen muß, um dem aufrührerischen
Geiste, um dem ihörichten Verlangen nach Jeiheit zu begegnen,
die jetzt die J,it beherrschen. Der Einzelne muß dem Leben
D.
seinen Tribut bezahlen, das Blut und der Simn des wahren
Adels erben sich fort! Und wenn auch ich einst die dunkle
Strasse gegangen sein werde, auf der wir heut: unsere theure
r,.
=«odte zu geleiten halten, wird der Name derr von Arten fort-
leben von Geschlechl zu Geschlechl.
Lassenn Sie uns darauuf hoffen, versezte der Pfarrer; denn
Sie haben Ihr Andenlen mit unserer Kirche, mit der Verbrei-
tung des allein selig machenden Glaubend in unserer Provinz
verbunden, und wie die Zeil auuch in ihreun Wechsel lresi, der
Geist unserer Kirche ist unwandelbar und wenigstens ihr Be-
stehen ist dauernd !
Von der Kirche herüber ertönte bei der hereinbrechenden
Dämmerung der Gruß, welcher, aus der fernen Vorzeit die
Geschlechier der Menschen überlebend, allabendlich durch die kaiho-
lische Christenheit erklingt. Die Glocken läuteten dcs Ave Maric.
Der Freiherr und der Pfarrer bekreuzten sich beide. Es
war still in dem Gemache. Die Nacht sank nieder, ohne daß
sie es gewwahrten. Sie hofften in ihrem Herzen auf ein ewiges
Bestehen dessen, was ihnen werih und heilig war, und ver-
gaßen, daß es nichis Dauerndeö giebt, das Alleö sich wandelt
und vexgeht.