Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 25

Sechstes Capitel.
rz,
uie Jahreözeit des Gartensaales war lange vorüber, und
F slbst ber Besuch des Denkals hatte seit Monaten aufgehört.
F Der Nordwind schilielle die gros;en Tannen, die das Monument
F umstanden, das; der Schnee von ihren breiten Aesten in schweren,
ß verstiebenden Flocken herniederfiel, und es war noch nicht lange
ß nach vier Uhr, als Seba von dem Fenster ihres Wohnzimmers
ß schon den Sonnenuntergang iber ihren Lieblingsbäumen am
F Parke des andern Ufers beirachien lonte, deren kahle Kronen
Fsich scharf und klar gegen das helle Gelbroth des ka'ten Winter-
ß himmels abzeichneten. Aber sie hatte heute keine rechte Nuhe.
ßSie stand von Zeit zu Zeit von ihrem Sessel auf, sah zu, ob
ß das Feuer in dem Ofen des Nebenzimmerö brenne, dann wieder
Flrat sie, von dem fernen Nollen eines Wagens gelockt, in der
Foorderen Stube an das Fenster, bis ihr Auuge auf den Zeiger
Zder hr fiel und sie belehrte, daß ihre ungeduldige Erwwartung
Feine vorzeitige und ihr Wimschen nicht im Stande sei, den Lauf
ßder Stunden zu befligeln.
Davide saß schreibend an dem Tische, an welchem sich end-
Flich auch Seba mit einem Buche niederließ; indeß sie merkte bald,
Fdaß ihre Gedanken sich nicht sammeln lassen wollten. Sie legte
Fdas Buch also wieder zur Seite und nahm eine Nharbeit zur
ßhand. Aber selbst diese Beschftigung erwies sich heute zu ihrer
FBeruhigung nicht wirlsam, und die klaren, llugen Auugen auf
hsie gerichiet, blickte Davide die Tante, wie sie ihre Cousine bei

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dem zwischen ihnen obwaltenden Altersuunterschiede zu nenneä
gewohnt war, eine Weile mil sinnendem Lcheln an. Als Sebgj

das gewahrte, fragte sie, was Davide denke.
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Das jnge Mädchen antwwortete nicht gleich, sondern zeichnet!
spielend aslerlei Fignren auf ein Biaii Papier, das vor ihr ldge
und erst als Seba ihre Frage wiederhole, erwiederte sie zögernd!
und verlegen Ich möchie nur wissen, liebe Tanie, ob Du auch,
so ungeduldig sein widest, wenn Du ueine Anlunft zu erwarten,
hätiest?
Zveiselsi Du daran?
Davide legte die Feder ieder, sliyie den hibschen Kopfmßt!
beiden Händen und sagte darauf: Ja, das ihue ich!
So us: ich Dir wiederhzolen, wae ich Dir euulich schonF
bemerkte, das: Du Anlage zur Eifersucht hast und daß Eifersuchhg
die Schwester des Neides ud eine häsnüiche Gewohnheit it! F
Seba hatie das scherzend gesprochen, aber Davide nahm eßj
nicht so auuf. Sie wurde vielehr ganz ernsthaft und versichere!
mit einer unverkennbaren Selbstiberwindeng, das die Tanie ihfß
v=- -=e. Es ist uct, meinte sie, daß ich Andern DeineZ
I-s»-=Fs ss.:
Liebe nicht gönne, sondern nr, das: ich gleich wie eine Fremdess
wie eine Ausgestosene bin, wen- .- beisammen seid. Du hasl'
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ja sonst keine Geheimnisse mit andern -. ten! Du sprichst mifß
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ihnen offen und unumwunden, auch wenn ich dabei bit, i-unzg
sie nach ihren Eltern und Geschwistern, und nr mit ihm wich!
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eine Audnahme gemachl! Er ist wie ein Kmtd oo1 g-=- --
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Onkel und Du, .- lebt ihn, als gehörte er zu E«; os
gss-
nennt ihn Du, er nennt Dich eben so, und er ist doch kein e
wandter von uns, sondern nur ein Fremder! Er geht mit nig, ;
gleich seit er zum ersten Male zu uns kam, wie ein älterer Brus j
der uu, er lobt mich und iadelt mich, als hätie er ein Neehsf
s« usI
dazu - Du findest das auuch ganz in der Ordnung, 1 z: ,
habe gewis nichns dagegen. den er ist ja so kug und se aj

--- W8--
Fber so oft ich, seit ich über dergleichen Dinge iachdenke, ihn
Foder Dich in den lezten Jahren gefragt habe, wo er denn eigent-
Fich her ist, wer seine Eltern sind, wie wir ni einander zu-
Fammen hangen, seid Ihr mir beide ansgewichen!
z Keineswegs! Ich habe Dir vielmehr sehr bestimmt gesagt.
Ferinnerie Seba, daß D ihn an seine Kindheit uicht erinnern
Fmögest, weil sie nicht glicklich gewesen ist, und das: Du ihn aus
Fdemselben Grunde nicht um seine Familienverhältuisse befragen
Fslls. Er hat seiue Miter frh verloren.
So ist eö ja auch mir ergangen! wendete Davide mit jener
k dreisten Beharrlichleit ein, welche der Jigend niewals fehlt, wo
ßsie durch Erforschnng eines ihr verborgen Gehaltenen ihren Willen
Fdurchzusezen und sich das Nechi einer Mimwoissenschast zu erkaufen
Ffür nöthig hält.Ich habe meine arme Muiter auch früh ver-
z?
Foren, aber ich habe es eben deshalb gern, wenn Du mir von
ßihc erzählst, oder wenn sonst Jemand, der sie gekannt hat z
Fmir von ihr redet! Mit Baron Nenatus ist es eben so; nur
ßmit diesem Herrn Tremann soll es anders sein, nur mit ihm
Fgachst Du eine Ausnahme, und statt daß ich mich freuen sollte,
Fwenn er kommi, denke ich also immer nur daran, daß Ihr mich
Eßoch wie ein kleines Kind behandelt und daß ich nicht einmal
Feiß, woher er stammt, den Dn doch von allen Menschen, den
FBater ausgenonmen, am liebsten hast!

z Der gereizte Ton in ihren Worten befremdete Seba. Es
ftar das ersie Mal, das: sie hn an ihrer Pflegetochter zu be-
, ßachten hatie, und sie wußte sich die Quelle, aus welcher er
, ztspringen konnte, nicht gleich zu erllären. Bloße Neugier konnte
1 I nicht sein, die winde sich leichter und heiterer geäußert haben;
lgn die Eifersucht, mit welcher sie Davide so eben genect hatte,
Pglaubte Seba eben so wenig ernsthaft; aber wie man an einem
Feinen Spiegel keine Trihung dulden mag, lag es ihr daran,
, ä des jungen Mädchens Seele keinen Zwweifel und kein Miß-
Pä.s. Vewo iv, Vo seea z vesetee. u.

-=- Z90--
krauen aufkommen zu lassen, und sanft, wie es ihre Weise waczz
sagte sie: Du bist uicht osfe mit mir, Davioe; Du sprichst dihj
in einen Zorn hinein, den Du verniuftiger Weise gar nichhj
fühlen kaunst, und zeigst uir ein Mißtrauen, das noch weits
thörichter ist, als jener Zorn. De machst mir den Vorwunß;
Dir etwwas zu hinterhalten, was ich Dir möglicher Weise hinteö
halten mus, weil ich nicht Herr dariber bin, während Du miös
Deine wahre Meinung und die wahren Gründe der Aufregungj
verbirgst, in der Du Dich befindest. So sollte es zwischen mir,
und Dir nicht sein!
Da sprang Davide plöziich von hreu Sessel auf, felj
vor Seba auf die Kiee, und ihr Gesichi in ihrem Schooße ver
bergend, während sie den Leil der Tanie mil beiden Armen uwF
schlang, fing sie zu weinen an.
Wad soll das, Kind, was soll das? rief Seba, währenh!
sie das junge Mädchen zu sich empor zu ziehen versuchte. Abees
dieses blieb in seiner gebickten Stellung vor ihr liegen unss
sagte schluchzend Vergib uir, vergib mir! Ich hätie Dir e
ja lange sagen missen, daß ich Alles, Alles weiß! Ach, Dus
ahnst es nicht, wie ungliclich ich dariber war! Ich.. - -
Sie tonntte vor Schlchzen ncht sprehen, ihr Zußaus
wurde fir Seba inmer räthselhafter, und im Imnersten beunF
ruhigt, fcagte sie lebhaft: Wocüber bist Du unglücklich, waH
fehlt Dir? Was hast D, Kind?
s
Ich konnte Dich eine Zeit lang gar nicht mehr liebenß
Ich... Sie warf sich der Tante mit beiden Armen um dezs
Hals, und ihr Gesicht an Seba's Busen lehnend, sagte sie lauu!
hörbar: Ich verachtete Dich! -
Seba zucte erschrecend zusammen, das Woet versagte ß?
ihr. Du verachtetest mich? fcagte sie endlich langsam, als. fEßs
es ihr schwer, den ganzen Vorgang z verstehen.

Weil Paul Dein Sohn ist! entgegnete Davide und sang

------ I!--
sich von der Bruust der Tanie aufrichtend, auf einen der Sessel,
,nieder, die am Aische standen, ihr Antliz in ihren Händen oer-
Ibergend.
Seba blieb ruhig stehen. Ein schwerer Schmerz ging durch
sihre in Leid wie in Geduuld gepriüfte Seele und fand seinen Aus-
Fruck in dem stillen Seufzer, der über ihre Lippen glitt. Sie
Fbegrif nicht, was ihre Pflegetochter eben zu dieser Vermuthung
Zgebrachi, oder wer ihre Phantasie auf diesen Weg gewiesen haben
zlonnte. Aber es war ihr zu =.uthe, wie dem Wanderer, dem sich an

Feinem völlig hellen Tage plözlich die Sonne verhillt. Aus ferner
erMDR
FSicherheil, in welcher sie sich seil Jahren bewegi: Eo fröstetie
Zsie, sie fihlie sich leank, sie häiie weinen mögen; indeß die
fe
z »hränen sind wie falsche Freunde, sie versagen dem plözlichen,
ßdem überwoältigenden Schmerze ihre Hülfe und ihren Trost, und
ßwie iner gewann die Lebe fitr die Andern in Seba's Bruust
jden Sieg. Nicht an sich durfte sie denken, nicht an ihr Empfin-
ßden. Sie hatie Davide zu bernhigen, sie hatte das Kind zu
jtöten, das in ihr seine Muiter liebte, das irre geworden war
län ihr -- und wie durfte eine, wenn auch noch so späte und
Funerwartete Folge ihres eigenen Thuns sie überraschen und ihr
Fals eine unverdiente Härte erscheinen?
Sie trat leise an Davide heran, legte ihre Hand auf des
Pl-=----ädchens Schulter und sagte: Beruhige Dich, mein
nm eoHs gs
Find, denn D irriest! Pauul ist nicht mein Sohn! Aber
hwer brachte Dich auf die Vermuihug?
- Davide blickte die Tante mit einem Ausdrucke an, der die
Fgnze Verwirrung ihrer Epfindungen verrieth, und diese mußte
jßre Frage wiederholen, ehe sie abgebrochen und leise die Worie
ßlervorstieß: Als ich noch ganz liein war, hat meine Wärterin
hes einmal zu Deiner damaligen Jungfer gesag!

-
Was hat sie gesagt? Besinne Dich! forschte Seba ersöß
haft, um nur die Gedanken der Aufgeregten zu sammeln. I
Deine Jengfer winderte sich, das Du Dich nicht verheiraihek
hättest, und .. . -
Und? wiederholte Seba, da Jene wieder in das Stockenß
P
gerieih.
Ued die Wrterin sagte, D hätiest schlimme Erfahrungeen
gemacht, Du häiiest einen voruehmen Herrn geliebt... -
z
Sie hiell auus's Neuue inne und sing wwieber zu welnen anF
Da nahm Seba ihre Hand und sprach mik der ganzen Bestimnntg
heit, deren ihre ernste Seele fähig war: Wenn Du den Mulh
hattest, mir in Deinem Herzen auf das unbestimmte Wort einerj
Dienerin hin zu mistrauen und mich, wie Du sagtest, zu ver?
achten, so wirst Du Dich auch überwinden missen, vor mir?
auszusprechen, was ich wissen will und muß! Nimm Dich zuF
I? ?. - - == = ====e = aj
Davide wurde bleich. Sie kannte diesen Ton in deH
Stimme ihrer Tante und war gewöhnt worden, ihm unbedingH
zu gehorchen, denn Seba war der Ansicht, daß strenge UnterF
ordnmg unter einen fremden Willen das Kind am leichtesteiF
zur einstigen Selbstbeherrschung vorbereitet; daß derjenige, welcheH
von je her gewöhnt wird, unbedingt zu gehorchen, sich auf einen
augenblicklichen, bestimmten Befehl schnell zu überwinden, späteH
auch dahin gelangt, sich selber zu bemeistern, wenn es Noih ihuß
- und sie konnte an ihrer Pflegetochter eben in dieser Stundg
die Richtigkeit ihrer Meinung erproben.
Bewegt, aber dem befehlenden Anrufe nachgebend, sprach
sie: Fie sagten, ein vornehmer Herr hätte Dich verführt ung
Dich verlassen, und als dann Paul mit Einem Male hieher lagy
als ich sah, wie Du ihn liebtest, da..- -
Nun? fragie Seba.

--- LJ--
Da dachte ich mir, er sei Dein Sohn!
Es entstand eine kurze Pause, Seba verzog keine Mie: e.
Davide hörte ihr eigenes Herz klopfen. Ed wöre ihr eine Wohl-
that gewesen, hätte sie jetzt das Rollen eines Wagens vernommen,
wäre Paul jezt eingeireten. Et blieb aber Alles still auf der
Strasße, in dem Hause, in der Stube, und wie schwere Schlöge
selen die Worle Seba's: llnd uu hieltest Du Dich berechizt,
mich zu verachiei ? in des jungen Mäidchens Seele.
Sie wollie sich abermals vor der Tanle niederwwerfen, diese
Ihiiderte sie jedoch daran, und sich leise mi! dcr Hand nach dem
Herzen fahrend, sprach sie Ma hat Dir die Wahrheit gesegt
- - ich habe einen vornehmen Mann geliebt und bin von ihm
derrathen worden!
Ich bitte, ich beschwöre Dich, sprich nicht weiter! rief Da-
vide mit flehender Geberde --- vergib mir, o, vergib mir, daß
-ich Dich daran mahnte, und schweige!
Seba beachtete ihre Bitte nicht. Da Du Dich zu meinem
FAnkläger und Nichter aufgeworfen hast, sagte sie mit einer schmerz-
T lichen Kälte, so wirst Duu mich auch wohl hören müssen! Ich
F weiß nicht, wie Deine Wärkerin zur Kenntniß jenes ungliück-
Flichen Ereignisses gekommen sein kann; darauf kommi es auch
fnicht an. Das Leben ist wie ein Strom, unsere Vergangenheit,
Funsere Thaten sinken in ihm unter, daß wir sie felbst dem eigenen
h Blicke fir immerdar entschwunden meinen, und plötzlich bringt
Fein unvorhergesehenes Ereignis sie aus der Tiefe wieder vor
Eunserem Auge als ernste Mahnung an das Lcht.-- Sie hiclt
F inne, seufzte und sprach danach: Las; es Dir eine solche Mah-
ßnung sein, eine Mahnung, den grösßten und reinsten Empfin-
Fdungen Deines Herzens zu mißtrauen, wo sie mit dem Geseze
ßund der Siite in Widerstreit geralhen; denn wie rein unser
F Selbstgefühl auch sein mag, es schitzt uns nicht gegen die
F Schmerzen, die sreuder Tadel uns zufigt, und ed bewahrt uns

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nicht davor -- Du hast es eben selbst erlebt -- von denen
gelegentlich mißkannt, ja, selbst verachtet zu werden, denen wir?
durch ein ganzes Leben unsere Liebe zugewendet und derenP
achtendes Vertrauen wir gewonnen und verdient zu haben glauben.?
Das ist für mich eine bittere, für Dich eine heilsame Erfahrunglz
Die Stimme bebte ihr, sie stand auf und ging nach demF
Nebenzimmer. Davide wollte ihr folgen, indeß sie gab ihr einj
Zeichen, zurück zu bleiben, und noch einmal lagerte sich die frl-?
here bange Stille iber diese Näume. Daviden's Thränen warenz
versiegt. Es ging etwas in ihr vor, das sie sich nicht zu er-ß
klären wste, und doch fihlte sie die Veränderung. Es düntiej
sie, als sei sie älter geworden, als sei ihr ein Ami zueriheilt,j
als habe sie eine Pflichi ilernomen. Sie dachte mit einer ganz
neuen Enpfindung, mit einer ihr bis dahin völllg fremden Art
von Liebe an die Tante. Sie sorgte sich um dieselbe, sie hätiel
sie auf ihren Händen tragen mögen wie ein Kind, und doch zog
es sie, ihr Abbitte zu leisten und ihre Vergebung zu erhalten,!
Aber auch dabei blieben ihre Gedanken nicht haften, sie nahmen j
eine Nichiung, in welcher sie sich nie vorher bewegt hatten. Wassj
ist die Tugend, fragte sie sich, wenn die Tante, dieses reinste,s
dieses edelste der Herzen, eine That begehen konnte, welche die H
Neligion, das Gesez und die Sitte verdammen? Wie war ess
möglich, daß ich jemals an ihr irre werden konnte, deren selbst-s
verläugnende Güte mir beständig als ein unerreichbares Vorbild!
vor Augen schwebte, und wo fand ich den Muth, die Härte, dis,
Undankbarkeit und die Grausamkeit, vor ihr auszusprechen, was, l
wie ich sicher wußte, sie nothwendig verwunden, doppelt veos l
wunden mußte, da ich es war, die sich gegen sie erhob? - I
Davide hatte sich bisher in unbefangenem Selbstvertrgue j
für gut gehalten, sich ohne Bedenten die besten Eigenschafienz l
erkannt, weil die übeln Leidenschaften der menschlichen Naturh. !
ihr noch nicht zur Anreguung gekommen waren, und erschreckt utg.

-- 1IJ--
Fgedemüthigt siand sie in dem Augenblicke, in welchem sie sich zum
F Ankläger ihrer Pflegemutter, ihrer Seba machte, ror sich selber
F da. Es war der erste Schriti, den sie auf dem schweren Pfade
F der Selbsterkenntniß machte, der erste Einblick in die Selbstsucht
, des menschlichen Herzen iberhaupt, das erste Mal. daß in ihn
, die Ahnung auftauchte, wie leicht es sei, nach überkommenen
f ßesezen blindlings abzuurtheilen, wie schwer, die Umstände er-
, wägend, das Wesen eiies Menschen und seinen Lebensgang z
ßversiehen und selbst in seinen Irrthüümern zu begreifen.
? Sie verlangte nach der Wiederkehr der Tante und scheute
hsich doch, ihr unter die Aegen zu treten. So verging eine ge-
Fraume Zeil, und sie ward der Einsamen lang geng.
Alg Sela endlich wieder in das Zimmmner lral, war jede
f Spur von Bewegung aus ihren Mienen verschunden. Sie gab
lDavlde die Hand, schlos: sie, da sie sich an sie lehnte, um ihr
PGesicht in den Armen der Tante zu verbergen, sunft an ihre
, Brust und sagte: Sei weiser und werde glicklicher, als ich; das
ßHoll mein Trost, das soll mein Lohn sein, Kind! -- Und als
h die Erschitterte ihr mit neuen Thränen darauuf Antwort geben
f wollte, hmderte Seba sie daran.
- Wir müssen gefaßt sein um des lieben Gastes willen, den
jwir erwarten. Nur so viel für diesen Augenblick, da dein Sinn
j nach Aufklärung verlangt : Paul ist eines Edelmannes unrecht-
, mäßiger Sohn, und seine Mutier gab sich in der Verzweiflung
j ihres Herzens selbst den Tod. Ein Zusammentreffen von Um-
, fänden brachte ihn fcih in meine Nhe, ein anderes Zusammen-
, wirken von Ereignissen bewog ihn, da er dem Knabenalter kaum
, entwachsen war, aus dem Hause zu entfliehen, in welchem er
, ogen wurde. Du hast bereits davon gehört, Du sollst mehr
1,zeon erfahren, fir heute laß Die dies genigen.