Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 32

Dreizehnt eä Capitel.
lheeud dessen war Nenatus bei seinem Ontel ange-
langt, und da der Graf es liebte, sich noch zu den jungen Leuten
zu zählen, von ihm mit einer fast kameradschaftlichen Heiierleit
empfangen worden. Er wußte bereits von Castigni, der in der
Früühe bei ihm gewesen war, das; sein Neffe den lezten Abend
im Flies'schen Hause zugebracht hatte, und warf lächelnd die
Frage hin, wie ihm denn der Güinstling dieses Hauses, der soge-
nannle Tremann, gefallen habe.
Sie kennen ihn also auch? fuhr Renatus auf, während
dad Bluut ihm zu Kopfe stieg.
Der Graf bejahte dies in einer Weise, die darauf berechnet
war, sich dasjenige, was er wusßte, abfragen zu lassen, und er
erreichte auch seine Absicht, denn Renatus fiel ihm mit dem Aus-
rufe in die Rede: So sagen Sie mir, Onkel, wo war der Mensch
bis jetzt und wie kommt er in das Haus?
Der Graf zuckte die Schultern. Hast Du noch nicht be-
merkt, mein Lieber, wie zufällig die Gesellschaft sich bei solchen
Leuten, die um jeden Preis ein Haus zu machen wünschen, zue
sammensezt? Ich könnte Dich mit gleichem Nechte fragen:
Wie kommst Du dorthin? wüßte ich nicht, daß Flies von Alter
her der Geschäftsmann Deines Vaters war, und Dein Vater
hat seine eigenihimlichen Wege, die zu kreuzen nicht meines
Amtes ist.
Er that, als wolle er von dem Gegenstande abbrechen;

J1s--
indes; Renakuus war damit nicht gedient, und da er geneigt war,
sich der Einsicht seines - lels heute uehr ali sonst zu . -=-
Oas
fin
weil er heute einen Beweis von der Meschheleni!is; desselben
gewouen zu haben meiule, sagie er: Sie selber haben ja früühher
die Flies gekannt, uud es dinkt mich, fiigte er in einer ihm
fppiiid
-==en, leichifertigen Weise hinzu, mil der er sich dem genöhnn-
lichen Tonne des Grafen anzuuupassen snchle, und es diünli uich,
Sie miissen in dem Flie- ;hen Hauuse mehr als nur eine Ein-
= s.
auartierung gewesen sein, deu.. aeba weicht stels aus, wen ich
e T
s
von Ihnen spreche! In welchem Verhältnisse stande. =- 1-=- -
ss Wf -
Her Graf lachle hell auuf, Nenau uacie ihm in seiner
steifen Leichtfertigkeit einen komischen Eindruck,u - --- =--
Ho h sips ssis
nicht merlen, das; dieses Lachen uicht der Frage, sondern dem
Frager galt. und entgegnete: Ii dem einzigen Verhältnisse, in
inn.1,s..
-= -pun Unsereiner zuu einem Judenmädchen sehen kan! Um
s.-.. N1. s.s.
-=---»rg zum Christenlhume, das sagst Du Dir wohl
szss.=- i
o-- --»r mir's nicht wesentlich zu khun!
oueenals hatte bei der Art seiner Fruge auuf eine solche
zs
-==wort gefaszt sein müssen, doch war sie ihm widerwärtg. Er
fand nicht gleich die Eigegnnng, die er zu geben fir nöihig
hielt; jder Graf lies ihm auch nicht die . --- i -- -ung
VV,s ss. =»-ss s-
zu suchen.
Ein eigener Gedank.. ach in das Haus zu schicken! Eine
. cd
fmiifd.z-ls, slzs. f- ff.lFos mn-f h
--=-- -=- =--s- --- -==»=-- --==-- Slcs üherhgutt sfßr den
Feldznug fir das Leben vorbereitet hat, fir diesen Krieg Aller
wider Alle! sag-- - ,lozlich. Aber das vargessen sie in ihrer
eir p s
Weisheit! Sie lassen Euch in die Welt gehen, ohne Euch dn;
,
Gefahren zu zeigen, die Euch drohen, ohne Euuch vup =- ,
z--s,s?.-
---=--=--- mit nichis auusgestaitet als mit Eurer Unschuld und Be-ß
fmsnFlsoHs
doss1,N.f,.ls
s=-=- , und dann wundern Fe sich, woenn Ihr wie die ;
Drosseln in der ersten Schlinge und ann -- -=-- --=-- -b--- R-
do sp-sipin z ni sinfs »-,sff.f
N,pz-= s.?
==-- zugen bl.t.., die Euch in den Weg komnt! Arme Grä-
-s.s

-- Zßß--
finnen und reiche Juden, das ist alles Eins feine Vogelsteller,
die ihre Vögel kennen und ihr Garn zu legen wissen, jeder auß
seine Art - und Ihr fallt dann auch hinein - Jeder auf -
seine Art!
aa, leider! rief Renatus unwillkürlich.
Leider? Was weißt Du davon? fragte der Graf, der bis-
dahin im Zimmer umhergegangen war, vor seinem Neffen Fuß -
fassend.
Nenatus zögerte zu antwworten. Er wußte, daß der Graf -
nicht der Mann war, die Neigung zu würdigen, welche ihn mit ,
seiner Juugendgespielin verbunden und der er sich in der letzten
Zeit mit so viel Hingebuug und Wärme überlassen hatte. Er
wußte eben so gut, daß er heute absichtlich ein Unrecht gegen ?
Hildegard begangen habe und das; er dieses steigere, indem er -
den Grafen in dad Vertrauuen ziehe; aber er konnte mit Zuver- I
sicht darauuf rechnen, von demselben wegen dieses Unrechtes nicht''-
getadelt zu werden, er durfte vielmehr hoffen, Aufmunterung zu
erhalten, wo er selber sich Vorwüirfe machte, und weil er in ;
jedem Betrachte unzufrieden mit sich war, verlangte sein(ghhän- -
giges Wesen nach Lob, gleichviel, von wem ihm dieses köinme oder -
wöSäif - sh beziehe. Trozdem fand er es schwerer, als er -
sich's gedacht hatte, von seinen guten Gewohnheiten, von den -
Ehr- und Austandsbegriffen zu lassen, in denen er erzogen und -.'
aufgewachsen war, und dem scharfen Auge seines Onkels aus-
weichend, entgegnete er, um Zeit zu gewinnen: O, von mit
ist nicht die Nede, und Sie, Onkel, Sie können derartige Ed-
fahrungen doch nicht gemacht haben? Ihr Glick bei den Frauen-
ist ja noch sprüchwörtlich im Negimente!
Der Graf nahm eine ernste Miene an. Ich habe mich.
sagte er, üiber die Frauen nicht zu beklagen gehabt, weil ich feei
zu bleiben und zu schweigen verstand und weil ich dasjenige zu -
vergessen weiß, woran ich nicht erinnert zu sein wünsche. Gehe

s
== Z P =--
hin und ihue ein Gleiches. fügte er lächelnd hinzu, und sie
werden, wenn sie nicht Deines Lobes voll s- nd, doch ausweichen,
F wenn man von Dir spricht!
F Wie Seba! fiel Renakus, der sich erinnerte, wie er sich
s vorher eben dieses Ausdruckes bedient hatte, dem Oheim, als
z habe er eine Erleuchtung erhalten, lebhaft i: die Nede. Wie
ß Seba thnut, wenn man von Ihnen spricht!
F- Der Graf lcs: den Auusruf unbeautvortet. Erst nach einer
hzgeraumen Pause sagte er: Weni die Frauen ihre Vergangenheit
; so ganz und gar vergessen, geben sie uns das Recht wieder, der-
z selbet zu gedenken. Es ist belustigend, zu hbren, wie geläufig
die großen Worte Deutschthum, Juugfräulichkeit und Tugend
, dieser Gesellschaft und allen diesen Frauen geworden sind, wie
F se einander stitzen und tragen, weil die meisien von ihnen auf
z schwachen Fisien stehen, und wie alle doch nur den Einen Zweck
g der Selbsisicht verfolgen ejtegg, Mauu zu hehouyngn .oder. die
J IaOI hen Mann zu hringen Nr shade. daß man's
Z merkt!-- Ich sagte Dir neulch Nimm Dich mit den Nhoden's
z in Acht! Die Warnuung war vielleicht vom Ueberfluß, dent auf
, bie blonde, schmachtende Unschuld has. u's wohl nicht abge-
s c
z sehen! Ich sage Dir heute, vielleicht mit gröserem Nechte: Sieh'
g. .ch mit den Flies, mit Seba vor! Sie könnte fir Davide zu
Z erlangen winschen, was ich ihr zu gewähren lroz ihrer Zuuvor-
lommenheit nicht für angemessen fand, und sie gehört zu denen,
,die vielleicht großes Spiel fir Andere zu spielen lieben, iachdem
,sie die Partie für sich verloren haben!
Er ging an seinen Schreibschrank, sezte sich vor demselben
Fnieder und suchte anscheinend etwas unter seinen Papieren.
, Msenatus war es äußerst unbehaglich zu Muthe. Er wußte seinem
F
=Oheim für diese Mitiheilungen keinen Danl, obschon er selber
K sie hervorgerufen hatte, dennoch reizten ihn die Andentungen, die
, halben Aufschlssse, welche derselbe ihm machte. Weil er sich
?

selber tadelte, gesiel es ihm, die Andern auch nicht verehrenswerch
zu finden, und doch stieß ihn der Gedanke zurück, daß er sich
bisher mit Wohlgefallen in einem Kreise bewegt haben sollts-
der dieses Wohlgefallen, der die Achtung nicht verdiente, mit-
welcher Renatus den einzelnen Personen desselben sich anges -

schlossen hatte.
Er häite mehr erfahren, mehr wissen mögen, und scheute I
sich doch davor. Er ärgerte sich darüber, das: er sich der inner- I
lichen Betrachtungen nicht entschlagen konnte, er fand es lächerlich, ,
daß er sich Sorgen und Vorwürfe über sein Verhalten gegen -
Hildegard machie, daß es ihm weh that, von Seba, von Davide ;
geringschäzig zu denken. Er wünschte sich den leichten Sinn, -
ja, den Leichtsinn seines Onkels. Bas nuhtezp jn ßzg ßggen ?
Grundsätze in einer Welt und in einer Gesellschaft, welche nicht auf -
sölche Grundsäze erbaut war? Er hatie sich, wie er meinte,in z
der That über die klösterliche Erziehung, die man ihm gegeben,?
zn beschwweren, er pasßte durch sie nicht einmial mit seinen Kame- Z
raden zusammen, gegen deren fröhliche, auf den Genuß gestellte z
Sorglosigkeit er sich bisher so verständig erschienen war. Was Z
sollten ihm eine Tugend, eine Siiilichkeit, die ihn nur schwer- -
fällig, die ihn pedantisch erscheinen ließen und die es ihm doch ,
nicht ersparten, mit sich selbst in Zwwiespalt zu gerathen und
Andern wehe zu thun? Er hätie nicht anders sein mögen, als -
seine Kameraden, er hätie ein gliücklicher Verführer, wie sein ?
Onkel sein, und sich in der Wärme seiner Erinnerungen somnen?
mögen! Aber man wird nicht mit Einem Male lasterhaft, wie -
man nicht mit Einem Male tugendhaft wird. Jedes Ding wil?
gelernt und geibt sein, und mitien in dem Verlangen, eineng
Liebeshandel mit Davide anzuknüpfen und den Amerikaner auk;
dem Felde zu schlagen, überkam Renatus der Gedanke, was die?
. Mer

---- dDd---
schönen Jüdin und nach Triumphen auuf dem Felde der Liebe.
Daneben ärgerte er sich wieder über dieses hallose Schwanken,
über dieses Wollen und Nichiwollen, und u nwillkürlich diesem
Aerger Worte leihend, rief er halb finn sich aus: Herkules am
Scheidewege ist doch eine alberne Figur!
Der Graf wendete sich nach ihm um, und als habe er ihn
nicht verstanden, fragte er, was er winsche.
O, rief Nenatid, unsere ganze Unterhaltung ging mir durch
den Kopf, und ich muste mir sagen, dasß di: symbolische Fgur
des Herlules am Scheidewege albern sei!
Sehr albern, wiederholte der Graf, während er sich von
seinem Platze erhob - und um so alberner, als die Dinge, welche
man Tugend und Laster nennt, gar nicht so bestimmt zu trennen
und weit näher mit einander verbunden sind, als man uns in
der Jgend glauben machen möchte. Was ist Fuigegg? Fg, hög
sig, guf? Wo fängt das Laster, an? --- Hirngespinnste und
Ammenmärchen, zum Besien einiger Wenigen eifunden! - Er
nahm eine Prise, ging auf dem weichen Teppiche des Zimmers
auf und nieder und trat dann an das Fenster, durch dessen
Scheiben er in die Strase hinaussah.
Er haite noch nicht lange so gestanden, als sich sein Neffe
zu ihm gesellte. Der Graf hatte das erwar:et, ihat aber, als
- beachte er es nicht. So ging eine Weile hin. Endlich klopfte
er dem Jingling auuf die Schulter und sagte mit einladender Zu-
traulichkeit Nun, heraus damit! Was hat's gegeben? Denn
geschehen ist etwas, wobei Deine Weisheit und Tugend sich nicht
zu helfen wissen!
Renatus fuhr aus seinem Brüten auf, und innerlich von
- dem Einen Gedanken hingenommen, der ihn scit gestern nicht
verlassen haite, rief er, durch die plözliche Anrede aufgeschreckt
und überrascht: Beantvorten Sie mir Eine Fruge, Dnkel! ist
- dieser Tremann meines Vaters Sohn?
F. Le wald, Von Geschlecht zu Geschlech. l.
A

t
-»D-
So gewisß, als =. selbst es bist! enigegnele der Graf ge-
eH.
lassen, der freilich irgend eine andere Anforderung erwartet hatie.
Der junge Freiherr bis: sich in die Lipse, seine Nasenflügel
blähten sich im Stolz. Aber woher diese ausßerordentliche Freund-
schaft mit den Flies? Woher das grosie Aufheben, das sie uit
diesem -- Menschen machen?
Spekulation! lachte der Graf.
Aber worauf, worauf?
Worauf? Auuf die Guinst des Zufalls, auf den diese Leute,
denenn eö von ihren lrödelhasien Ansängen inne wohnt, sich auf
Ozs
gliiclche Zufälle zu verlassen, nie zu rechnen verlernen : =-,
»lls
Graf hatte seinen Plaz am Fensier verlassen und sich behaz=«
an dem Feuuer niedergesezi. Er war misig und guut aufgelegt.
es --=- - -»n, die Aufregung seines Nesfen nach Belieben zu
ziffS»s.i,ss ,s.
erhöhen und zu dämpfen.
E ist übrigens ein eigenes Dug um dasjenige, was wir
H---- -=--==-, hob er nach einer anscheinenden Ueberlegu1g =--,
Pz.sß-ss fsvsfo-n
Man sollie ihm bisweilen eine Folgerichfigkeit, einen inneren
Zusammenhang z- -=-, an gewisse Vorherbestimuunungen glau-
zj f ,szp
ben, wenn man überhaupt zum Glauben und damit zum Aber-
glauben Neigung hat. Ich zum Beispiel stehe anscheinend in
einem geheimniszvollen Zusauneuhauge mit diesem: Monsieur
=--eann - oder Mannert, wie er eigenllich heisßt. Er wird
,
mir immer wieder in den Weg geführt, und es wird wohl
IK,fss:
i=-p--P mieines Amtes sein, ihn -=- aus dem Wege zl s=i-- ,
.s8sl-s
». O.s
auf dem er nun auus==-g behin=. z wwollen scheint.
A,wzs:
Renatus war sehr ernst geworden. Er nahm neben dem, ?
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Grafen Platz und sagte: Wenn man an eine Vorh.-p=b---bu
p-zs,ss ssiifiiifen
glaubt, wie ich es nach de. aehren unserer Kirche und aus fester I
s C
Neberzeugung thue, so kann und darf man nichis in der Welt,
als ein bloßes Spiel des Zufalls ansehen! Es berührt mich -
daher sehr eigenthimlich, daß mir eben heute die Noihwendigkeit

?
====- FJJ =-=
aufgedrängt wird, mich mit diesem Sohne meines Vaters zu
beschäftigen und auf die Vergangenheit ueiner Eltern zuriück-
zublicken, die -- ich weiß das wohl - leiher keine glückliche
gewesen ist ! Aber in welcher Verbindung slehen Sie mit jenen
Ereignissen, deren man gegen mich nie mi: Osfenheit erwähnte,
die ich nur aus einzelnen Aeusßerungen kennen und aneinander-
reihen lernte? Sie würden mir einen Dieust leisten, Dnkel,
wenn Sie mir glles mitiheilen wollten, was Sie von jenen
Verhältnissen wissen, die fir mich ja von so entschiedener Be-
deutung sind!
? Die ganze Arleu'sche Pedanterie, die ganze Empsindsamkeit
der guten Agelila! ries der Graf. Nur schade, daß ek nicht
mit woenig Worten zu sagen ist, wie ich mit jenen Vorgängen
zusammenhänge! Gefühlvolle Seelen können etwas Verhäng-
nißvolles, etwas Romantisches in der sehr prosaischen Geschichte
finden, die nuur durch die leberspannung Deiner Eltern zu einer
Art von Wichtigkeit erhoben wurde! Du wirst davon gehört
haben, daß Dein Vater einer Jägerstochter, die ihm diesen
Monsieur Mannert geboren hat, aus philanthropischer Laune
eine Art von Erziehung hatte geben lassen! Sie dankte ihm
dieselbe, indem sie sich an dem Morgen, an welchem er zu seiner

g

?
?

Es war allerdings ein lästiges Zusaunmentreffen; aber
Dein Vater nahm die Sache unbegreiflich schwer, noch schwerer
berechenbaren Folgen seiner Handlungen, nicht für das Unbe-
rechenbare verantwortlich, was sie in Unvernüünftigen erzrngen.
Dein Vater empfand Gewissensbisse, machte sich Vorwürfe, Deine
-'
Mutter fand es nöihig, sie mit ihm zu tragen und zu theilen,
Euer vortrefflicher Caplan wußte solche Stimmungen zu benuten.
?
-
Ich weiß das! bemerkte Renatus mil einem Seufzer.
nahm sie Deine Mutier. Es ist am Ende Jeder nur für die
f
--
Hochzeit fuhr, ertränkte!
Man gelobte den Bau einer katholischen Kirche, weil eine Jä-
t
s
A

87 -
gerstochter die Geliebte ihres Herrn gewesen war; und weil eine
lutherische Magd sich das Leben genommen hatie, machte Deine ,
Mutter, machte eine Gräfin Berka sich zur Katholikin. - Ic -
war damals sehr jung und Zenge davon, wie man die Er- -
trunkene suchte, und ich verstand die Logik der darauf folgendei -
Ereignisse nicht; aber ich bekenne Dir, das sich sie auch heute I
noch nicht versiehe. Begreife Duu sie, wenn Du kannst!
Deine Mutter wollte den Bastard nicht in ihrer Nhe -
wissen; man vertraute ihn also meiner jezigen Haushälterin, ;
der Kriegsräthin, zur Erziehung an, die im Flies'schen Hause -
wohnte, und ein nener Zufall brachie mich in demselben Hause ,
in's Quartier. Ich war es, der auch mit einer ganz zufälligen -
Aeußerung in dem Knaben die Erinnerung an seine Mutter, ,
an seinen Vater weckte, und wie des Burschen Aehnlichkeit mli ?
Deinem Vater mir seine Abkunft augenblicklich verrathen hatte, K
so machie die ibertriebene Zärilichkeil, die man silr den fremden ,?
Knaben im Flies'schen Hause an den Tag legte, mir bald klar, -
daß man gesonnen war, sich das Geheimnis;, welches man ?
Deinem Vater bewahrte, gelegentlich bezahlen zu lassen. Seba -
vor Allen schien eine ganz besondere Liebe für den Knaben zu -
haben, der beständig um sie war, und das machte ihn mir nicht ,
lieber, denn Seba war damals jung und schön, ehrgeizig und ..
phantastisch, abenteuerlich und zärtlich -- und leihtgläuhßg, wie -
die Weiber alle.
--
Er hielt inne, lächelte und sagte dan, die Auugen fest auf ;
seinen jungen Gast gerichtet: Du hast vorhin. mit einer Er- -
kenntniß, die ich Dir gar nicht zugetrant habe, die Fabel vom -
Herkules am Scheidewege eine Albernheit genannt. Die meisten -
, dieser Mythen sind Albernheiten: auch die Fabel vom Tantalus T
s ist eine solche. Keine reife Frucht entzieht sich der durstenden ;
, Lippe, aber tausend reife Früchte welken, weil sich Niemand -
findet, der sie bricht. Es ist lächerlich, von verführten Weibern- ;
-

F
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lichkeit, der eigenen Phantasie! Wie reife Früchte warten sie !
Wanderers, um bei der leisesten Berührung ihm in die Hand s
zu fallen. Nen, ich ging vorüber mit dem Durste der heißen !
Jngend, und-- die schöne Seba siel uin ohne all meit Z- s
thin in die Hang!
Onkel! rief Renatus mit nicht zu verbergendem Wider-
flissentlich zur Schan getragenen Sitienlosigkeit zurückschreckten.
Aber der Graf gehörte zu jenen Wistlingen, die es belustigend
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verlernten, und als habe er den abwehrendeun Ruf des juungen
Mannes nicht vernommen, fuhr er gleichmülthig zu erzählen fort.
Wir ricklen an deuselbenn Tage, an welchem Seba sich
mir ergeben hatte, in das Feld. Ich erhielt einige Briefe,
klagend, biiiend, drohend und beschoörend, wie eine J.ue sie
e
?
schreibt. Ich beantwortete sie nicht. Jahre vergingen, ich glaubte
die Schöne längst getröstet, wähnte das Abenteuer längst be-
graben und vergessen, aber ich hatte die eigensinnige Beharr-
lichkeit der Juden nicht in Anschlag gebracht, die, wie gesagt,
jeden Zufall zu benuzen weiß und der kein Umweg zu weit ist,
wenn er nur friher oder später zum Ziele zu führen verspricht.
Mich zu rühren hatte Seba nicht vermocht, mich zu bestimmen
hakten sie und die Ihrigen keine Möglichkeit, aber mich über-
listen und durch Neberraschung gewinnen zu können, hatten sie
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t?
am Bauuume sehnsiichlig auuf den Durst dee voribergehenden j
finden, Andere erröthen zu machen, went sie selber zu erröthen
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zu sprechen! Sie unterliegen immer nur der eigenen Begehr- ;
willen, weil seine Reinheit und Rechtschaffenheit vor solcher ge-
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-- ZH?--
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nicht aufgegeben. Sie wußten von unseren und von den Ver-
hältnissen Deiner Eltern durch den frchitekten, der Euch die
Kirche baute, durch Euren Atmann, dem Flies die Mittel an
die Hand gab, sich die Verlegenheiten Deines Vaters zu Nutze
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zu machen, was sie zu wissen wünschten, und mehr als das.

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Arglistig stellte man Deiner armen, kranken Mutter den ihr
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88
verhhasßten Bastard gegeniber, und als die Aermste zusammen-
brach, da war der Meuschenliebe und der Dienstfertigkeit, der
s«u sicht und der Hingebuug fir sie kein Eie. Neier dem
7,
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Scheine der höchsten Uneigennüzigkeit erschlich sich Seba die
Freundschaft und das Zutrauen Deiner Mutter. Als ihre einzige,
als ihre beste Freundin fihrie Angelika, al ich eben zu einem
Wiedersehen mit den Meinigen angekommen war, die edle Seba
bei meiner Mutter ein, und diesen Auugenblick benuzte die schöne,
erhabene Seele, ihre Geständnisse zu machen und von mir die
Herstellung ihrer Ehre zu verlangen, die sie mir sehr freiwillig
geopfert hatie.
Nenaius lounie diesen Ton nich! erlragen. Ee schnirte
ihm die Brusi z, es llopste ihm in allen Adern, er erhob sich
wie imn Schrecen. Er häiie das Fensier össen mögen, obschon
der Wüind, der sich inzwwiscen erhoben hatle, die Scheiben llirren
- M
machte. Auch der Graf halte sich erhoben, aber er ging ge:
mächlich auf und nieder und pfiff leise das damals sehr beliebie
Lued vom schönen Duunois durch die Zähue.
Jeder Mann, sagte er nach einer Weile, spielt zwischen
drei Frauenzimmern in einer solchen Lage eine abgeschmackte
Rolle. Die arme, sterbende Angelika schwamm in Thränen und
hätte mir am liebsten die schöne Seba sofort angetraut; meine
Mutter wollte Seba ilberreden, mir zu verzeihen, waö sie mir
aar nicht zu verzeihen hatie -- und ich that das Einzige, was
mir bei einer derarligen Scene und leberrumpelung zu thun
übrig blieb: ich lies; sie alle gewähren!-- Ich gönnte Deiner
Mutter die Zeit, sich auszuweinen und das Vertrauen und die
ss.ös l..ssse VF
-,ss -
Freun=;=;- zu bedauern, welche sie Seba geus-- =-- -- oe
ließ meiner Mutter die Zeit, zu begreifen, daß sie überlistet
worden se:, und Seba J..t und Freiheit, sich zu entfernen,
D.l
was sie denn auch schließlich that.-- Aber, rief er mit fesier
Stimme und mit einer Erbitterung, welche gegen die spöttische

----- I5 -
Leichtigkeit sehr abslach, in der er bi dah in gesprochen hatie-
aber ich habe es ihr nichl vergessen, das; sie mich gezvungen
hat, vor meiner Mutter und meiner Scwester als ein Auge-
alagter da zu stehen! Ich habe es ihr nichi vergesseu und ver-
geben, daß sie meine Muiter, die Gräfin Berka, dah -=-=--
s liw-fFrlii.
sich mit einer Bitte vor ihr zu erniedrigen -- und sie hat es
mir, sie hat es uuns allen eben so wenig vergessen und vergeben,
daß sie ihre Geständnisse unnothng und vergzebens vor rns ab-
gelegt =-- --urch Dich ud Deine Unschild hofft sie zu er-
siss ! eg,
Hsifzpi-
s:isss s.
- -= -- - »ii i-- - --== z vergelken, was sie sich, was sie uns
sfssF
schuldig zu sein meint! Daher die grose Freundschaft, welche
man Dir iü FlieI schenn Hause beweisi, daser die Amherung
an die Rhodens, mit der sie sich das Aisehen einer gesellschaft-
lichen Siellug z geben schen, die Dch sicher machen soll,
daher die lächerliche Deutschihimelei, mit der sie ihr Juudenthum
anasliren! Darun musgte der Bastrd Deines Vaters, der so
gescheik gewesen war, sich aus dem Staube zuu machen, zuric!-
beruufen und air als ein Bewerber umn Davide in dr:. --s
cd;
z 9s.f
gestellt werden! Auf Deine Unerfahrenhen,-. =-umes Vaters
-i? cd,.'
Lage ist dabei gebaut! Ich durchschane den ganze Plan, so
weil und vorsichtig er auch angelegt isi; und wie wenig die
Meinigen und Dein Vater dies von mir zu fordern haben, ich
werde füür sie, fitr Dich, finr uns alle huundeln ! Die nöthigen
-==-==- »azu sind bereits gethan! Man weiß es, daß dieser
g,z-ss: -
=remann unter falschem Namen h..- -.- . d ----z allen
s.-s si
» s py znn,?
Seiten Verbindungen hat, die ihn verdächtigen, sein Eintritt in
die Geschäfte des alten Wucherers, des Flies, verdächtigt diesen
ebenfalls! Man ist aufmerksam auf alles, was in dem Hause
vorgeht. Und da sie sich so geflissentlich in den Vordergrund
drängen, da dieser Tremann sich uns so unberufen in den Weg
stellt, fühle ich mich, wie ich Dir vorhin sagte. au=« -----
J Kazinkos
sie mit ihrem neuen Günstlinge sammt und sonders aus dem

-- I--
Wege zu schaffen und unschädlich zu machen ! Dann ist Davide -
frei, und . - -
Der Graf hielt plözlich inne, denn der Diener öffnete ein-
ladend die Thütre des Nebenzimmers, in welchem die Mahlzeit
den Grafen und seinen Gast erwartete. Als hätten sie bis
dahin die heiterste Unterhaltung gepflogen, so leicht und freundlich -
bot der Oheim seinem Neffen den Arm; aber Renatus konnte
sich nicht überwinden, sich auuf ihn zu lehnen, er ihat als bemerke
er es nicht.
Zorn, Scham, Empörung und Niedergeschlagenheit wechsel-
ten ihre Herrschaft in dem jungen Manne ab und ließen ihn zu
keinem festen Gedanken, zu keinen klaren Vorstellungen kommen.
Er kannte mit einem Male die Welt nicht wieder, in der er
lebte. Sie starrte ihm unheimlich entgegen wie eine liebe,
heimisch vertrgute Andschaft, welche man plözlich durch grell
gefärbte, entstellende Gläser betrachtet. Er wusßte, daß die Mit-
theilungen, die ihm durch diesen Erzähler aufgedrungen wurden,-
keine zuverlässigen und keine reinen sein lonnten, aber er oer-
mochte nicht zu unterscheiden, was Wirklichkeit, was Täuschung,
was unabsichtliche, was gefliffentliche Entstellung sei, und nur
die Ansicht sezte sich unabweislich in seiner Seele fest, daß sein
Vater nicht wohlgethan habe, ihn mit der Flies'schen Familie
in Berührung zu bringen und ihn dadurch mit Personen zu-
sammen zu fihren, deren Stand und Gewerbe sie zu vielerlei
Nachgiebigkeiten und Läslichkeiten nöthigten und deren Sitten-,
Rechts- und Ehrbegriffe also weit von denen eines Edelmannes
abliegen musten. Es kränkte ihn, das; diese Leute von seinen
Familienverhältnissen in vieler Bezichung besser unterrichtet
waren, als er selbst; er schämie sich bei dem Gedanken, daß er
sich zu Seba so hingezogen gefihlt, daß er sie, die Entehrte,
die sich seiner Familie aufdringen wollen, seine Freundin ge-
nannt habe, daß sie die Freundin seiner Mutter gewesen sei.

--- Z---
Sein Name, seiner Eltern Ehe, sein Vaterhaus, Alles schien
ihm wie von einem Gifte angehaucht zu sein. und während
gestern die büürgerliche Freiheit seines Bastardbruders ihm ein
unbestimmtes Verlangen nach Ungebundenheit eingeflößt hatte,
während er noch am Vormittage ein Verlangen nacz ungewöhn-
lichen und abenteuerlichen Erlebnissen in sich gehegt, sehnte er
sich nun plözlich in den Kreis jener reinen Empfi uungen zurick,
in welchen er bis dahin so friedlich und so unbeirrt geathmet
und gelebt hatte.
Die Tagesereignisse, die Stadinenigkeiien, die Erzählungen
aus der Gesellschaft der französischen Hauptstadt, mit denen der
Graf sich und ihn bei Tische unterhielt, fesseliene die Theil-
nahme seines Neffen nicht. Die gewählten Speisen, die feurigen
und feinen Weine reizten des Jünglings Gaumen nicht. Er
war schweigsam und ernsthaft in sich versuunken, denn das Bild,
das er am Morgen als eine Albernheit verspotket ha.., das
Esp
Bild des Herkules am Scheidewege, drängte sich ihm abermals
und jetzt in einem anderen Lichte auf. Auch er stand auf der
Grenze zwischen zwei Welten, an einem Scheidewege, auch er
hatte eine Wahl zu treffen zwischen den Verlockungen des Lebens
und den leberzengnngen und Ehrbegriffen, in denen er erzogen
und erwachsen war und die für alle Zeit die Handluungen eines
wahren Edelmannes leiten mußten. Und noch ehe man sich von
dem verschwenderischen Mahle erhob, war seine Wahl getroffen.
Statt ihn zu verführen, hatte die Charakterlosigkeit des
Grafen ihn zur Besinnung und zu sich selbst gebracht. Nenatus
bereute, was er seit gestern gedacht, gelhan; cr, war entschlossen,
sich für immer von einem Kreise loszusagen, in welchem so
niedrige Elemente sich verbergen konnten, und er hätte viel darum
gegeben, hätte er auf den Lebensweg seines Vaters mit derselben
Zufriedenheit zurückblicken können, wie auf denje igen, den er
bis gestern selbst zurüückgelegt hatte. Es war nie ein unedler

Ne1-
Gedanke in sein Herz gekommen und-- er wollie seine Seele
rein erhalten. Er wa. uolz auf seine Sittenreinheit wie auf;
z- ss
seinen a= - --del; er wollte durch seinen Edelmuth die Schwäche
ls.-s s
seines Vaters sihnen und vergessen machen, er wollte in sich
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das vollkommene Vorhild eines Eelmaunes darstellen; -- ==-
die Jugend ihr augenblicliches -ollen sich g. als eine That
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endlich mit stolze. =orey.lg auuf seinen Ohhenn, -; - - -=-=--
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herab, dessenn Mennschen- un? -aileuinis; ihm vor wenig Stun-
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den noch beneidens- und bewundernswerth erschienen waren.
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-nalus Hallung hob sich an seinen guuien Vorsüt--- -
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gewann seine Fassuung wieder. Er naunte es in seinem Innern
gut und nizlich, die Nachiseilen des Lebens in solcher Weise
kennen gelernt und einen Blic in die verborgen gehaltenen Ge-
heimnisse seiner Familie und seines Hauses gethan zu haben, den
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-- Iich zu Rze zu mache beschlos. Das; er Seba nicht wieder-,
sehen, das Flies'sche Haus nicht wieder belreien, die Gräfin
Nhoden bestimnmnen müüsse, mit Seba zu brechen, u- oegard
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vor jed.. -==Mkilg mil derselben ein für alle-=. z i=----
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das verstand sich ganz von selbst. Er fiihlte sich plözlich ----
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punkie ständen, das: sein rersuch, ---- -- -;hanungen seines
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=ankels zu nähern, ein vergeblicher gewesen se, und daß es also
für sie in Zuulunft gerathen sein düürfte, einander zu vermeiden.
Aber der Widerspruch zwischen den Erzählungen des Grafen und
den Gedanken und Eumpfinduungen, welche sie in Renatus erzeugten,
fing diesen allmählich poetisch zu dinken an. E reizte ihn, sich
in solcher Weise geistig von seiner zufälligen Umgebung befreien,
seine Seele bis zu geligiösen Empfindungen erheben zu können,
während er die nöthigen Entgegnuungen auf die ganz weltlicen
Reden und Fragen seines Onkels nicht schulhig blieb; und er
war mitien in diesem poetischen Selbstgenusse, als die Meldung
von der Anlunsi des Herrn von Gasligni ihn siörle, der als ein
vertrauuter Freund des Hauses dem Diener auf dem Fusße folgte.
Wichtige Nachrichien, ich brige wichtige Nachrichten! rief
er dem Grafen zu, während dieser den Franzosen nöthigte, an
der kleinen Tafel Plaz zuu nehmen, und der Diener ihm ein Gs
hinsetzte.--- Nisienn Sie Sich zum Aufbruche, mein Herr aron!
. 1
Kou piü uelrai lur lllone roroso! wie viel Thränen es
auch losten mag, fiigte er scherzend hinzu. Der Marschbefehl
für die preusischen Aruppen ist erthelt, und Mademoiselle Davide
wird sich mit uns armen Eivilisten genügen lassenu missen, bis die
jngen Helden wiederlehren, um der Schönen ihre Lorbeeren auf's
Neue zu Fißen zu legen.
Er durfte uach dieser Aeusßerung eine eben so leichte Eni-
geguug erwarten und sah Nenatus deshalb verwundert an, als
derselbe mit einer gewissen Empfindlichkeit die Bemerkung machle,
daß Mademoiselle a.oide ihn weder Thränen kosten, noch Thränen
H,in
um ihn weinen könne, da sie gar kein Jnieresse an einander
nähmen. Dann erhob der Jüngling sich von der Tafel, wozu
die Nachricht von der Marschordre ihm die erwünschte Veron-
lassung lieferte.
Der Graf, welcher es sich leicht gedacht zute, Renatus für
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sich zu gewinnen und ihn zu einem Werlzeuge seiner Rache zu

Z----
machen, ahnte, daß er sich darin beirogen habe, und war der
Zerstreutheit seines Neffen ohnehin milde geworden. Er versuchte
also nicht ihn zurickzuhalten. Das Gespräch bewegte sich noch
eine kurze Zeit um die Tagesnachricht; Nenatus sprach die Hosf-
nng aus, auf dem Marsche auch zu seinem Vaier nach Richien
kommen zu lönnen, und der Graf gab ihm dann mit scherzenden
guten Lehren das Geleit.
Als sie die Thire des Nebenzimmers erreichen, so daß
astigni ihre Worie nichi miehhr vernchmten lonnle, sngle Nenaius
,s
ernst und feierlich, indem er stehen blieb: Iz habe noch etwas
auf dem Herzen, ehe ich scheide. Sie haben vorhin feindliche
Gesinnungen gegen den Kaufmaun Tremann auusgesprochen. Ich
bitte Sie, Onkel, geben Sie dieser Abneigung, die ich übrigens
mit Ihnen theile, keine Folge. Es di:lt uich unserer nicht
würdig, us mil diesem Manne zu beschäsligen. Es isi nicht
seine Schuld, daß er existirt, und Ehre ist fir Unsereinen von
seines Gleichen nicht zu holen. Ich finr meinen Theil bin fertig
mit ihm und seinemt ganzen Anhange, da der Feldzug es mir
möglich macht, mich ohne Aufsehen von Belanntschafien zurück-
zuziehen, in die ich niemals geraihen sein wiirde, häile man sich
friher die Mihe genommen, mich zur rechten Zeit iber jene
Personen auufzullären. Ich danle Ihnen, daß Sie dieseö heute
gethan haben. Meiner Verschwiegenheit sind Sie gewiß, und
somit, Dnlel, leben Sie wohl!
Der Graf nahm die ernste Anrede leichthin auf, und Re-
natus eilte von dannen, zufrieden, daß er mit dieser Fiirsprache
fitr Tremann die ersten Schrilte auf dem Wege gethan halie,
von dem fortan nicht wieder zu weichen, er sich heute ein für
alle Mal gelobt hatte.