Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 33

Vierzehntes Capite l.
»:-
Zz= Renatus seine Wohnung brirat, fand er seinen Bur-
- schen bereis damit beschäftigl, die fiir den Feldzug bestimmten
Esseclen auSzusonderu und z packen. Nenalb sreule sich dessen,
denn er sehnte sich, fortzukommen. Wie man die erhizten, miden
Glieder in eine frische, kühle Flut zu kauchen begehrt, so wünschte
er die Erfahrungen der letzten vierundzwanzig Stunden in frischen,
ermuhigenden Erlebnissen zuu vergessen, und mit wahrer Sehn-
sucht richteten seine Gedanken sich in die Zukuunft, in eine Zu-
kunft, die er selber sich rein und schön und frei zu gestalten hoffte.
Nicht in der Todesstunde seiner Mutier, da sie ihn mit
frommem Wunsche gesegnet, nicht an dem Tage, an welchem der
Freiherr von ihm bei dem Abschiede auus dem Vaterhause das
Gelöbniß gefordert hatte, daß er sich seines Namens und Hauses
wirdig machen wolle, hatie Nenatus sich so ernst und in sich
gefestet empfunden, als heute; aber es war die Weihe jener
Momente, welche in ihm nachwirkte und ihn sich selbst versprechen
ließ, was er denjenigen gelobt hatte, die er freilich jetzt nicht
mehr als seine Vorbilder zu betrachten vermochte. Er beklagte
seine Mutier, er bedauerte die Charakterschwäche seines Vaters,
er pries sich gliücklich, den Caplan zum Lehrer und Führer gehabt
zu haben, er segnete die einsame, sittenstrenge Erziehung, die ihm
zu Theil geworden und die er noch wenig Stunden vorher als
ein Ungliick anzusehen geneigt gewesen war, und es fiel ihm gar
nicht ein, wie schnell eben im Laufe des lezten Tages seine

-- L6-
Empfindungen und Gedanken sich gewandelt und mit einander
gewechselt hatten. Er hielt eben noch immer jede seiner Stim-
mungen für die Folge einer nen gewonnenen Erkenntniß und
jede solche Erkenntisß fir die einzig richtige und abschließende;
das ist eine Eigenschaft der Jgend, welche beschränkten Geistern
aber lebenslang eigen bleibt und es ihnen möglich macht, alle
issre Jrrlhhliier ii lesleni Glaulen uu die Ulnueusibszlichhkei! ihres
Rechtes zu begehen.
Der Freiherr hatte, im Geiste der Zeit, welcher er ange-
hörte, sich selbst genülgen, und von dem Momente ab, in welchem
er die Rechte seines Standes angefochten sah, sich in diesen
Rechten, in seinem Ansehen und in seiner äusßern Würdigkeit
behaupten wollen. Das erlannte und begriff der Sohn, aber
seine Erziehung hatte ihm, wie er meinte, ein höheres, ein idealeres
Ziel vor Augen gehalten, und nie haite ihm dies heller entgegen
geleuchtet, als eben jezt. Nicht allein um die äusere Wütrdigleit
war es ihm zu thun; er wollte in seiner Person, in seiner
Handlungsweise es bestätigen, daß der Edelmann in sich den
Begriff der Ehre reiner bewahre und darstelle, als die anderen
Stände, daß er eine edlere Kaste sei, welche eben deßhalb sich
einer strengen Ausschließlichkeit befleißigen müsse. Das hatte,
wie Renatus meinte, sein Vater außer Acht gelassen, das hatie
auch seine Mutter nicht geng beherzigt, und eben deßhalb hatte
auch er jetzt auf dem Punkte gestanden, in unpassenden Perz
bindungen zu unangemessenen Handlungen verleitet zu werden,
Ein Schreckbild war ihm in der Gestalt des Grafen zur rechlen
Stunde entgegen getreten. Er dankte seinem Schutzgeiste dafür,
daß es einzulenken noch Zeit für ihn, noch nicht zu spät war,
daß er sich noch vorwurfslos aus Umgebungen befreien konnte,
in denen sein Name nicht an seinem Platze gewesen wäre, in
denen seine Seele hätte Schaden leiden können und, er wies den
Ausdruck Anfangs von sich, aber er drängte sich ihu ihm inmet

-n1 ? --
wieder auf, in denen er inn Gefahhr gewesen war, sich zu er-
niedrigen.
Wie er sich auf den stolzen Schwingen seiner gt. =or-
sis H
säze über seine Eltern erhob, so sah er von seiner neu erllom-
menen Höhe auf alle seine bisherigen Verhhäliüisse herab, n-
eisA
wie sern er sich auch von der biirgerlichen Gesellschaft fortann
z hullenu enulsihlossenu wwar, wollle er doc itichl, das: irge:d Jeiannd
sich iiber ihn zu brllagen oder ihn der Vers unis; einer gell-
schafilichen Form zu zeihen haben sollte. An ihun, an einem
Freiherrn von Arten, sollt., so weit er es verhindern konnte,
ken gerecl.. -oru. haslen.
hs- N?
iz-s
Er hatte bis zum nächsten Mitiage noc vollauf Mus;e,
alles, zvas ihmt oblag, z ordnen und alznu==. Er sendete
s szii:
spiss.is Nz»-s,li.s fff Sissn. M ,pisiiisois -
i ---= -- ---==--- s - -- ----- -zss---z--- zll VOzahldnt, Uersciedette
kleine Besorgungen zuu machen; dann suchte er die Bicher zu-
sanmnen, welche er im Lauufe der Zeit von Seba entliehen hatte,
s,s.s sisii: -
packte sie sorgfältig ein und sezie sich niede.. -= - =- - ---
v ssis-
indesß er konnte die Foru dafir nicht sinden. Er wiuschte sich
-ino liiisoi fhf,sz-lilzu=-
-o-p-= zll verabsciedetn, aber es kam eitt Va= z-- -- =- »=-
ifsf,s,
- on in seine Worte, der ihm selbst fremd und dann aue, -än-
A
s. s--?
kend fir Seba erschien, bis er nach mehreren vergeblichen Ver-
.s
suchen, ein förmliches und doug .=-=-ees = - zu Stande
, fvp inls
Zll =- --s- i»V - --p - - - =-g- o(eße, Wenl er sic
Kzsfnofs ss, snAiin RA-s pf viss P
fvps s
zu einer Vertraulichkeit zwinge, - - -==- ---=- i-=--- -
di oe -?Fs hosis- l,-
daß es demjenigen, der sich zu einem Cha.-- - z erziehen
z- kipz-
wünsche, -= - - -.. Kraft eines s===--- --- i=e --b-8-- --ohl an-
finil ps d.i
-»slzpss sf ss,z ffHno smio
i- =-- ==g -. lu---= -- - -- =-- s-oss » H HLaSWIßZF
-snin fvifpis dois sziss. soiispz- A.isiifn vn
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s.sin
Er las sein Schreiben mtehrmals --«. eS gefiel -=- -== -=o=s
ssimss - llsssKKls
Hiizp
isfiiiss s.ss,-z- zi fsd
----- - - - -- als er das freiherrlich von Arten'sche Siegel
s--- I-=--l ,lsortis in aeersiz? dacau. -- --, halte er eine
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sfsis s,isnis
Genugthuuung, als ob er eine guute That vollbracht oder eine
schwierige Arbeit beendet hätle.

768 --
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Er ließ die Koffer zuschnallen, die Kisten vernages-. -=- -
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denen alles, was nicht zu seiner Feldausrüüstung aehörte, in Berlin
zuriückbleiben sollte. Die Gräfin Nhoden hatie sich erboten, ihm
diese Sachen aufzuheben. Es that ihm leid, daß er sie, deren
Wohnung sehr eng war, damit beschweren mußte, und er dachte
an die grosßen, weiten Räume, an die Fluuren,Jzunner, Galerien
Ds
und Remisen im Flies'schen Hause, um dabei die Betrachtung
anzuuslelle, wie gi! sei Valer es i seiuer Jge gehall habe,
als dieses Haus noch in Tante Esther' Händen gewesen war,
und um es zuu beklagen, das: ein so schicklicher Besiz fir seine
Famnilie verloren gegaugen sci. Er ,atte das nie vergessen können,
wenn er bei Seba gewesen war, und schon deßhalb war es ihm
lieb, mit den Eigenihiümern jenes Hauses kinftighin icht mehr
in Verkehr zu bleiben.
EK diunkelie schon, al? die bestellien Träger sich mit seinen
Sachen auf den Leg machlen, und es war ziemlich spat, als
der heimkehrende Diener ihm ein Briefchen der Gräfin einhän-
digt., m welchem diese die Erwariung anSsprach, das sie ihn
z -
heute noch sehen werde, da sein lezter Abend in Berlin, falls er
M R MR--
Er sah aus den wenigen Zeilen, daß Hildegard der Mutter
-=--- geutigen Streit mit ihn verschwiegen hatte, denn die Gräsin
sliwuis s
i-urde desselben sonst in einer oder der anderen Weise erwähnt
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oder unter den obwaltenden Umstäuen es vielleicht vermieden
haben, den Jüngling, der ihr Haus im Mißmuthe verlassen
=--=-- zur Wiederkehr aufzufordern. Renatus fand sich dadurch
1.Affp
Fifo
aber in Verlegenheit gesezt, und da er nun begonnen ==--
sein Thun und Handeln, wie er es nannte, einem strengen
- =-=-- F -=--== --, dünkte ihn sein ganzes Verhalten gegen
1-ss.s
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seine mütierliche Freuundin, gegen die Gräfin Rhoden, die ihm

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zutratenSvol! e-- i - =:-- -=- - -- - --=- -=-- - Tdctern gestattet
dois si-=ipsi,-s N,..- f,-s.i sinis ssii. s A
=------ - och weniger kadellos, als sein Betragen geaen Hildegard.
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- - en war er eine Erllaruuug schuldig, aber in sir zuu
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machen, bedurfte er einer genauen Prüfung sei es Herzeu.--- -
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seines aieners, die mauehe.« -=Dg- , welce er zu lrefsen
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hes-, uunferlrachen unnd zersirenien ilt, wenn er sichh zu sammmneln
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so gewwaltiger Heereszugg uniernommnen wworden. Die ungeheuren
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wechselnden Ereignisse und Abenteuer seines Kriegerlebens denle,
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===-- -=---- :-=, die er, in Erwartung des Felozuaes, fiür die
s Gräfin Rhoden zu-« denlen haite machen lassen. Späier, als er
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Ds. M»s8ss - Ei
s-ss --ss-z- -sss g,e.uüigz-»- z- - H==-- z==-- - »e =aa IhH (he,;;g
-.iA -wzs,s,-s lsfif py Arspz -
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F. Le wald, Von Geschlehht zu Geschlecht. l.
R

-- Z7-
Bildnis; bestimmt, und jetzt war er unsicher, ob er es überhaupt
einer der Frauen anbieten dirfe und solle. Von jener Leidenschaft?
welche die Dichter besingen, von jener überwältigenden Liebe;
deren Fener die Jugend so durchglüht und umleuchtet, daß ein
ganzes Leben davon bis in seine fernsten Tage erwwärmt und
verschönt wird, fühlte er nichts in sich. Von dem unwider-
stehlichen Zuge, von dem naturgewaltigen Müssen, die zwei
Menschen zwingen, sich einander zu eigen zu geben, empfand
er keine Spur. Er liebie Hildegard also nicht eigenllich, er
hatie sich über seine Empfindung für sie getäuscht, hatte die
Freundschaft, das Wohlgefallen, mit denen er an ihr hing, für
ein wärmeres Gefühl gehalten, und wie peinlich diese Erkenntniß
und die aus ihr folgenden Schrilie sitr ihn in diesem Augen-
blicke auch sein mochten, durfte er es doch immer als ein Gllick
bezeichnen, dasß er seines falschen Wahnes rechtzeitig inne ge-
worden und vor dem Loose bewahrt wordeu war, sich im Hers
zensirrthume unwiderruflich an ein Mädchen zu binden, dem er
leine wahre Liebe entgegenbrachte und mit dem er also eben so
wenig glücklich werden, als er es mit seiner unvollständigen
Liebe gliücklich machen konnie. Er hatte Erinnerung genng an
seine Kindheit, um eine unglickliche Ehe sehr zu fiirchten, abex
eben so schreckte er vor der Nothwendigkeit zurick, Hildegard
seinen Selbstbetrug einzugestehen und von ihr wie von ihrek
Mutter seine Vergebung zu fordern.
Alle seine Geschäfte waren abgethan, er stand allein in
dem jezt leer aussehenden Zimmer und blickte zerstreut auf diß
Straße hinaus. Von Minute zu Minute verschob er es, sic
zu entschließen. Es war dunkel, der Wind hatte sich gelegt?
Renatus fand keinen festen Anhaltspunkt fir seine Vorstellungenj
Wie manchen Marsch in dunkler Nachk, wie manchen dunß
keln Weg werde ich zu gehen haben, und wer weiß, auf welchek
dunkelu Straße mir mein Todesloos geworfen wird! sagte eF

== eI ! Z =====
ßit einem Male z sich selbst, und es ergrisf ihn, das ihm eben
ßine solche Jdee gekommen war. Sollte das eine Ahnung sein?
s Er wurde immer trauriger. Er konnte es sich nicht ver-
ßehlen, seiner Kindheit, seinem ganzen Dasein hatie der rechte,
Heitere Glanz gefehlt, und wie er in dem Lebeiusherbste seines
ßaters geboren worden, war jezt auch der Stern seines Hauses
Fber die Mittagshöhe hinaus und nicht mehr im Steigen. Von
tFüh auf hatie man ihn auf den Wahlspruch seines Wappens.
ßuf das ,l'ortis in aälersis- verwiesen, das er noch vorhin
ßit so viel Selbstbefriedigung betrachtet. Er hatte die Worte
ßuch oft im Muie gefihrt, aber er hatie dabei iuer an
hroße, plözliche Ungliicksfälle gedacht, denen gegeniber man sich
Hnit entschlosseer That schnell und muuihig zu bewähren häiie.
Fie Widerwärtigkeiten, die inneren Hindernisse und Zweifel,
ßit denen zu kämpfen ihm beschieden war, hatte er damals noch
ßicht gekannt, und Ehre und Nuhm, wie sie ihm begeisternd vor
ßer Seele schwebten- wo sollte er sie erringen? In dem
Friege, zu welchem das Voll, das Heer des großen Friedrich
sßtt unter dem Adler seines Unterdrückers auszog, waren sie fir
ßnen prenßischen Edelmann nicht zu suchen und zu finden.
f Er hielt inne, als er in seinen Gedanken auf diesen Puunkt
zkommen war; denn das, eben das, hatte ja Tremann gestern
ßusgesprochen. Es war nicht anders, Tremann hatie Recht
hhabt, und mit allen seinen Vorsätzen und Enischlissen kam
Fenatus nicht lber die Schranke hinaus. in welche er durch
ßne Verhältnisse gebannt war: gßg Aescheer Ftgndesehre
hbanaen ihn, wider seine Neigung. 1- gegen seine eberzeugung
F==
hu handelu.
Fe =Sr
Wohin er sich auch wendete, nirgends hatte er einen klaren,
Feien Ausblick, nirgends sah er einen leichten Weg für sich offen,
hnd doch war er durch seine Geburt auf die Höhen des Lebens
hstellt und über die große Menge hinausgehoben! - Er wußte
g

D rfch
sich nicht zu helfen in seiner stolzen Berzagthet, und weil. ick
Alles nr schwwerer und trüber erschien, je länger er darlsbs!
nachsan, faste er sich endlich gewaltsam zusammen, um daßj
Nöthigste abzuthun und sich wenigstens uach der einen Seitts
- -
Luft und Freiheit zu verschaffen.
Renatus hatte von seinem Hause bis zu der Wohnung dexj
Gräfin ziemlich weif zu gehen und also hinlängliche Muße, sih!
zu iberlegen und zu wiederholen, wie er sein Verhalten zu er!
klären und zu rechiferiigen versuchen solle. Weil er die regel-s
mäßigen Gewohnheiten seiner Freunde kannte, fiel es ihm leich,!
sich die Aage, in welcher er sie anireffen werde, vorzustellen, sihj
den Gang anszumalen, den das Gespräch wohl nehmen würdsj
und sich danach die Form zurechtzulegen, in welcher er von dß !
Unterhaliung iber seine äuesßeren Aigelegenheiten auf seine Empfißzs
dungen und innerlichen Erlebnisse überleiten könne, und er hathj
eine gewisse Fassung und Haltung gewonnen, noch ehe er vp h
--
der Thüre der Gräsin anlangte.
F s
Er sah zu ihren Fenstern hinauf. das Licht schimmech j
durch die Vorhänge, die beiden großen Myrtenstöcke warfen ißcs z
Schatten gegen dieselben. Die Gräfin hatte diese beiden Myrte, j
bei der Geburt ihrer Töchter, nach der Sitie ihres Hanses, selbß!
gepflanzt; es waren uter ihrer sorglichen Hand zwei schhn,j
Stöcke geworden. sie sollten einst die Kränze fie ihre Töch l
liefern. Nenaius hatte vor Hildegard's Myrte manch leblick j
Traum genäumt; jezt fiel ihm bei dem Anblicke das dong j
unärsi kdr kalone amoroso! ein, das Herr von Castig j
ihm vor wenig Stunden zugerufen hatie. Die Zeit der Liebss j
tändelei, die Zeit der Jugend waren für ihn vorüber! -e
=oben angelangt, dinkte es ihn, als müsse er,lange warteß
bis das Mädchen ihn angemeldet hatte und ihm die ===-- z
Asßs=:
Eintritie öffnete. E war in den Zimunern Alles wie sog;
DDie Gräfin sasi ruhig wie imer auf ihrem gewohnten Plgg.ul

Hze- gp
== fß f -!====
acilie am unteren, Hildegard am oberen Ende des Tisches. Er
fhäite sich nicht gewundert, hälie er sich selber zwiscen den beiden
jSchwoestern an der freieüe Seiie, der Gräfin gegzeniber, sizen
jßhen. Das sollte nun ein Ene haben.
Das Herz wurde ihm schwer und sing lh p - D- -= »»---
si,iz-K --s s
D..zf:f-
H.is
10, als er den Frauen den guten Abend .------- -=-- =-»---
doisfs ss.-;- Sz-nmne
sigkeit war un.bar. Er sagie sich, das: er Muth fiir sie
sz-s,zss
jslle werde haben missen ud das es nölhhig se:, sich nichl er-
soeichen z lassen. Mit festem Schritie und noch festeren Voe-
jstzen ging - zu der Gräfin, ihr, wie immer, d-- =---- 1
ss- G,mid
htet=-
pi-- dant reichte er Gäeilie; die Hand und wollte sich eben
sder ällerenn Schwesler in gle.== - -=--ucht nähern, als diese sich
-s:.- Pss.s
hls-»ss -»-s
gnr-- -=»-, -p- oeide Hände entgegenreichte und u -===-----
ssssf HszA em oz
siss s
lämpfinduung d-- -=- ==es:: Vergib mir =- ach, vergib mir!
,. i.wh. s.nfsesss
-»in »» ss
waß Hildegard ihn in Gegenwart der Mt.tter, =-=-- =-
lhs.- Ness-
ye- ---=l!, um Vergebung bitten könne, darauf allet p
sie
ks- »-l»i -
y --=- gerechnet. E erschreckte ihn also, wie rs ih-. -===----
i- =(1z-s,-
zud weil es ihn unvorbereitet traf, wußte er nicht gleich das
sechie, mit seinen Absichten vereuubar. -=-l zu finden.
-. MN.i
N.s.b- G
--- z-ildegard, sug- -, aber sein zep --=- =-n bestärkte
- ofsoz- S ,-
Ap fp I -
se in dem Glauben, das; er ihr noeh z---- ---=- -=s-- »==-==-zeI
»üi-isn isd. ili-»R FFmisoe
Zei dem: Gedanlen aun die bevorstehende arennung nicht lä..g--
Ia=1ss.-
siwps- C,.
z- -, llgerlssel! V0l! lh .. . «..be, l; is- s» -o- - p===-s---
ei-s i; ss.s.
sssii zlnloiiir
s:b Hs=hh. - E, ss,-»-s.ü M?,sshss
ßspzffs isf- soisnis G
Esss === s- - s-. HhClS U.ue =-szs- - ss ==, e== uusiuuH, i=u sis
hoir
m ii: z? pus:n nmi: mnif -pszss !
FAu .is- zz= -s= =e- ss -ssnK II!- -
? Ihr Kopf ruhte an seiner Schulter, er fühlte das Schlagen
zhres Herzens an dem seinigen. er hielt sie umfangen, er er-
ibdpwfu Is.s-. ss
z---- -=- -äülsse, er knieete mit ihr zu den Fülßen -=-- -
s j s,psf
FFziss=s- s. sip snmfk-=- Fs..
=s--- -s- i-- --s-=- -=gäülO srgA!.
z
z Er hatte das so oft geträuml, das es ihm auueh 1g- ---
',isi sfsf
äls iräumie er es wjeder; n.. das; er im Schlafe g=- --kDu
1s!
ss-s. sin
zefunden haite, was ihm jeht-u; uglaublich d===-«. und daß
öis ,p i:
s..sh -

b==- H F ; =====
stalt der unllaren Firchi vor dem Erwachen, die ihn sonst inF
ay
seinem Glicke gestört hatie, jezt wie ein kuhler, unheimlich.-,
Schalten das Bewuusztsein iber ihm lag, das; kein Erwachen das
Geschehene ungeschehen machen werde. Seine Gefihle und Ge-
danken trieben in einen solchen Wirbel durcheinander, daß er-
keinen von ihnen fesizuhalten wusßle und allmählich von ihnen
forkgerissen wurde. Hildegard's überwältigende, alle mädchenhafie
Scheu besiegende Liebe schmeichelte seiner Eitelkeit, re Zärtlichleit?
entflammie, aufgeregt, wie er eö ohnehin war, seine Sinne.
Er hieli sich berechligi, seine Brau! --- denn dad war Hildegardg
ihm jezt -- im Beisein ihrer Multer fester und inniger zu
umarmen, als je zuvor, und die Phanlasie des Mädchens wars
der seinigen seil langer Zeii voransgeeilt, denn-kägchen pifen?
angling. .-- dem Bestreben, ihrerJ
immer schneller als der
Muiier zu erllären, das:
und daß sie ihrem Herzen
mit frohem, liebevollem
gzs
sie nicht anders habe handeln lönnen
habe folgen missen, erzählte Hildegard;
Rickerinnern, wie Alles sich in den,
letzten Monaten zwischen ihr und dem Geliebten begeben habe,!
und Nenatus eigenes Herz wurde davon erweicht und entflammt.-
Er fragte sich, wie er das alles habe vergessen lönnen, er sagte?
sich daneben, das; ein Edelmann, der mit einer Dame seine1
Standes so weit gegangen sei, sich auuch ohne eine bestimmte?
Erklärung an sie gebunden habe, und es fiel ihm nicht ein, daßj
er mit diesem blosßen Gedanken seine Verlobung als eine nicht;
frei gewollte That anerkannie, das; er es stillschweigend beklagte,z
seine Freiheit verloren zu haben. Er hatie auch zu solchen leberF
e-
legungen die äusßere Nuhe nicht.
T
Die Gräfin sprach es ihm mit ihrer sanften Würde offenj
aus, daß seine Liebe fir Hildegard ihr kein Geheinniß gewesen?
sei und ihr den liebsten Wunsch ihres Herzens erfille, daß sieß
aber fitrchte, der Freiherr werde anderer Ansicht sein und eine?
miliellose Schoiegertochter nicht willkommen heißen. Sie klagteß

===== H F ß ====
sich an, in ihrer Nihrung voreilig ein Bündnis: gescgnrk zu
haben, fir welches Renatuus die Zustimmungg s-ines Vaters noch
fehle; sie hielt ihm seine Jgend, die Gefahren des bevorstehenden
Krieges vor, sie ersparte ihm leines der Bedeulen, die eu sich
selbst entgegengehalten hatte -- und ohne daß sie es wollte oder
RIR T - - -- -
Dte Noihwendigleit, die Gräfin zu iiberr den, zwwang ihn,
nach Grinden zu suchen, welche sie widerlegen konten und
wvelche also auch seine srüiher gehegien Besorgnisse widerlezten.
aer Hiüveis auus seine Jigend, auus seine Abhänzigleil von seineu
Vater regte sein mänliches Selbstgefiihl auf, und da er wenig
gewohnl war, aus Widersiand zu stos;en, frieb ein solcher ihn
nur an, es darzuthun, wie er ihn zu besiegen wisse. Die be-
rechnetste Absichilichkeit hätie fir Hildegard's Wünsche und gegen
R??
Kein Mann mag vor den Augen eines Weibes, das ihm
nur irgend eine Art von Theilnahme eingeflößt hat, als ein
Abhängiger, ein Unfreier erscheinen, am wenigsten konnte Ne-
natus dies ertragen. Er sagte, das; er die Hosfnuung hege, von
seinem Vater die Wahl gebilligt zu sehen, welche sein Herz ge-
kroffen habe, aber er beiheuerte zugleich, daß er Mannes genug
sei, auch wider seines Vaiers Willen sein Recht auf freie Selbst-
bestimmuung zu behaupten. Iildegard's strahlendes Auutlitz, ihr
fester Händedruck, die Bewunderung, mit welcher die liebliche
Eäeilie auf den Geliebten ihrer Schwester blickte, der sanfte Beifall,
den er in der Mutter Augen las, steigerten seine Selbstgewißheit
wie sein Feuer. Er versicherte, daß er nicht von dieser Stelle
scheiden werde, ohne die feste Zusage von Hildegard's Hand er-
halten zu haben. Er ging so weit, ihr und der Mutier zu be-
kennen, wie er sich alle jene Eimwwendungen selbst gemacht habe,

F 1 ==
wie er Willens gewesen sei zuu schweigen, und ohne das be-
seligende Bewußtsein, daß die Geliebte für ihn bete und ihm mit
ihrem Geiste nahe sei, in den Kampf zu ziehen, und wie un-
möglich er das gefunden habe, als er Hildegard ins Auge ge-
schaut, als ihr sißer Mund von ihm Vergebung gefordert habe,
wo er, er ganz allein der Schuldige, ihrer Verzeihung bedirftig
gewesen sei.
Er lag dabei vor ihr auf den Knieen, er hatte sich von
Allem überredet, was er sagte, Hildegard's Hände hoben sein
blondes Haupt empor, er blickte trunken und beseligt in ihr
Aulliz. Es war ihm völlig eutschwnden, das: er sie am Morgen
unschön gefunden hatte. Er nannte sie seinen Engel, seine schöne,
blonde Heilige, und sie sah auch schön aus in ihreu Glicke.
Wie hätie die Mutter ihren Kindern diese erste Seligkeit des
Zueinandergehörens trüben oder stören uögen, wie häite sie nicht
mit ihren Kindern hoffen sollen, das; Alles sich zum Guten
wvenden werde!
Es war weit über die gewohnte Stunde, als sie den Jüng-
ling daran erinnerte, daß es Zeit zum Aufbruch sei, daß er
Hildegard verlassen müisse.
Auf morgen! sagte er, als er die Braut umarmte.
Aber dann, aber dann! rief sie in Vorahnung der langen,
schweren Trennung, die ihnen drohte. Auch ihm krampfte es
das Herz zusammen. Er küßte sie wieder und wieder, er trank
die Thränen von ihren Augen, und jezt dachte er wieder an die
für Hildegard bestimmte Silhouette. Die Zweifel, die ganze
Stimmuung, mit welcher er das Portrait am Abende in Händen,
gehalten und betrachtet hatte, waren wie aus seiner Erinnerung,
weggelöscht. Der gliickliche Auugenblick verscheuchte und verhillte,
wie ein mächtiger Zauber, alles, was seiner Herrschaft in der
Vergangenheit und in der Zukunft im Wege stand.
Hildegard drüückie das Bild an ihre Lippen, dann rief sie,

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das; man ihr folgen, das: man ihr leuchien sole, und schnellen
Schrittes eilie sie denn Aundern voran in ihr Shlafgemach.
Renatus halte den stillen Nauui nie zuvor betreten. leber
dem keuschen, weisß. --ger der Geliebten hing bas Crucifix und
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daä Weihwasserbecken, ein kleines «ald, dus die Gräfin als
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=- -uut darst.t.ke, hing daruunter. Hildrgard nahmt es von de.
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Wand und befestigte die Silhouette an der Strlle.
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,hmn nuss« = u weichen. ---=-- das ist jehzi semn Plaz!
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rief sie, indem sie die Gräfin umarmte, und sich zu Nenatus
wendend, sagte sie mit einer Erhebung. die ihr sehr wohl an-
sland: Deule hierher, Geliebler! Hier wird mneine Seele..
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, =uh beten, hter werde ich auf meinen Ku..: lieges p-g ul«
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spät und Golies Schuutz und Segen hermederflehen a----
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geliebtes Haupt, -- hier -- ihre Stimme gl-z - ,ränen
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unter -- wird mtein lezl..==---ds - ===-- gezüren, wenn Gott
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es anders übe. =uch und much beschlossen hat!
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Gräfin und Eäeilie waren nicht wweuiger g -----, sie umar--=-
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-- zlglitg gleichfalls, und die schlanke Cäeil.. --=-- i-----
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ihren ahränen kaum von seinem Halse trennen. Er mußte sie
endlch mit sanfter Gewalt von sich enlfernen, sie war des
Schmerzes noch ganz ungewohnt.
Als ein verwandelter Mensch kehrte Renatus in seine
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nh uhre Liebe? frag- - uch -- ich,-- ch mich so seg=-
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Hildegard's Frönunig---=- -l ihm nach. Er betete
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zelg1g --==--- - g-g alle die Gelöb:.ü;., die er sich gethan
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=--- und fügte den Schwur hinzu, da; zldegard's Glick ihm
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=-lg wie seine Ehre, und seine Ehe mit ihr ein Musterbild
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