Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 35

si s s l
Sechhszehnte s Ca = - - --
I
-=u demselben Tage, an welchem die preußischen Truppen
,
ihren Marsch nach Rußland angetreten hatten, versammelte sich
in den prächligen Sälen eines der preuusßischen Armee-Lieferanten,
der in den lezien Jahren ei grosses Vermögen erworben hatte und
ein glänzendes Hauus macle, eiue zahlreiche Gesellschast zu einem
Balle. Die Gesellschaft war sowohl den Nationalitäten als den
Berütfsklassen und Siänden uach eine sehr vielsarbige, und es
befanden sich in ihr Personen genug, welche den Augenblick nicht
fitr günstig gewählt zu einem Feste hielten. Aber man durfie
sich, wenn man nicht Verdacht sder Versolguung auf sich laden
wollte, der Geselligkeit, in welcher das französische Militär und
die kaiserlichen Eivilbeamien eine grose Rolle spielien, nicht ent-
ziehen, und schon am Mitiage hatie Herr von Castigni sich danach-
erkundigt, ob er das Vergnügen haben werde, der Familie Flies
und Herrn Tremann auf dem Balle zu begegnen.
Abends, um die Siunde, in welcher man in die Gesellschaft
zu fahren pflegte, sasßen Seba uuuud Davide in Balltoilette in dem
Wohnzimmer; aber ihre ernsten Mienen paßten nicht zu dem
glänzenden Schmucke, den sie angelegt hatten. Man konnte dies
unruhige Spannung unschwer in ihren Mienen lesen. Bei dem ?
leisesten Geräusche blickten beide Frauenzimmer nach der Gegend
hum, von der es kam, und nachdem Erwariung und Tauschung ?
sich zu verschiedenen Malen wiederholt hatien, sagte Davide
endlich: ich möchte wohl wissen, wie den Menschen zu =u-he
Mes

DO
- O O ! ---=-
gewesen ist, als man noch ein ruhiges Leben gefiihrt und sich
auuf irgend etwas recht von Herzen in voller Sicherheit zu freuen
vermochi hal. Seii ich mich erinern lann, ist die Welt imner
voll Schrecken und voll Unruhe gewesen. Schon als kleines
Kind habe ich, obschon man es vor mir zu rerbergen gestrebt
hat, es doch immer empfuunden, daß man in Sorgen und Nöthen
vor Krieg und Feinden und Krankheiten, und in Angst um seine
Freunde gewesen ist, und jezt . -
Nun, j,zt? fragte Seba; aber es blieb Taviden keine Zeit
zum Antworten, denn Pauul, gleichfalls fitr den Ball gekleidet,
lrai ie da- J er, und Seba eupsing ih uil .. besorglen
R,i
e: b.
Frage, was der Kriegsrath zu so später und ungewohnter Stunde
noc gewolli hale.
Nichls fir sich, wie Du denken kannsi, entgegnete Paul,
und naiitrlich ist's eichis Gutes, was den Alien bewogen haf.
mich auufzusuchen. Es sind unerträgli= .uslände, in denen wir
-. Vel
leben; wir werden wie Verbrecher beaufsichtigt, wir sind in
unseren Häuusern uicht mehr sicher vor Verrth und müssen die
Verräther als gefeierte Gäste an unserem Tische sizen sehen.
aas kann nicht danern, es kann nicht dauern! Das - -=-»
cdd
= E1a«-F
mus: endlich zerschniiten werden zwischen uns und ihnen. Der
berechtigte Has: verlangt seinen freien Weg, und wie grauenhaft
=« das neulich auch erschien, als ich es in meiner Empörung
c1.
gegen Dich äuserte: eine siciliansche Vesper dinkt mich berechtigt
in den Zuständen, in denen wir uns befinden und in denen jede
Faser, die an uns gut und edel -, nach Rache und nach Ver-
nictung unserer l.t..=-=-- s=-- -
iis»-Köis.,z- s»zz-p-is !
Es geschah selten, daß seine leidenschaftliche Natur in solcher
Weise die Schranken der Selbstbeherrschung durchbrach, in die
er sie zu bannen gelernt hatte, und er war offenbar auch unzu-
frieden mit sich, weil er sich von seinem Zorne hatte übermannen
lassen; denn er nahm sich plözlich zusanen und sagte ruhiger:
A

IZZ-
Der Kriegsrath kam, um mir zu sagen, daß die Frau, ganz
gegen ihre sonstige Weise, heute schon wieder bei ihm gewesen
sei. Sie war unter dem Vorwande gekommen, ihm im Namen
ihres Herrn, der sich nach Weisenbach erlundigt haben sollie,
eine Flasche alten Weines zur Stärlung zu bringen; indeß wie
leicht der Kriegsrath sonst auch zu täuschen ist, war er dieses
Mal doch nicht leichtgläubig geng, ihr zu vertrauen, und er
merkte denn auch, daß die Erkundignngen des Grafen nicht ihm,
sondern mir und meiner Abreise gegolten hatten. Auch Castigni
hat meinen Diener deßhalb anSgefragt, hat sich bei diesem durch
seine Leute sorgfällig über all mein Thun, über die Personen,
welche mich besuchen, über Tag und Stunde meiner Abreise zu
unlerrichien gestrebl, unnd die Kriegdräihi hal unler deun Vor-
geben, das; der Graf ihrem Manne eine Slelle zu schaffen denke,
vorher aber seine Handschrift sehen und mit ihm selber sprechen
wwolle, den Allen zu iberreden gelrachlei, dass er ihr die Arbeiten
ausliefere, die er fir mich augenblicklich unter Händen hat
Und er hat sie ihr gegeben? unterbrach ihn Seba mit
sorgenvollem Erschrecken.
Paul verneinie es. Der Alte ist gerade so brav und gut,
als sein Verstand und seine Schwäche es ihm erlauben, und ich
könnte beinahe wünschen, er hätte der Frau nicht widerstanden,
denn alles, was er für mich arbeitet, bezieht sich auf national-
ökonomische und commercielle Studien, aber - - -
Paul, rief Seba, warie nicht bis morgen, reise gleich
heute ab!
Wo denkst Du hin? entgegnete er, während sein Gesicht
schon wieder die gewohnte fröhliche Sicherheit zeigte; ich muß
doch mit Davide den besprochenen ersten Walzer und den Kehr-
aus tanzen!
Ach, reisen Sie, lieber Paul! bat Davide, indem sie ihre
Hände bittend faltete.

-- Zß - -
a,-i.!
=«uldgltch, dazl! - = -- - - = uul z reizend auS, ==---- -
1Iiss
f.siis -T; iis
-s.s zs Sfzw-ss s,siii-
si sinis ins
Ii, häliemt Sie die weiszenn Hhaew-g- ------ -- oH -- sz-==- Ce-
- ==en, so liesße sich eher
N,.
,« fz-iisin
Aher er hakl -l
-- hasliger Hand uac
inii
davon redest!
die Worie auögespcochen, als Davide
iil. sis li: -,- Is i sin:
l.zul PUllp= j-I -- --- =--=s s-== -- uullS
' siiin
ihren Locken und -uee==--===- und siegesgewis; die Worte aus-
e=-A
ss:liss n
fs-
rief: Jetzt missen Sie gehen, und wir bleiben nuun zu Hause!
Liebes, entschlossenes Kind! sagte Paul, während er sie
mit freuudigem Erslaunnen bet.=- --b- -e wäre nicht wohl-
s,-, i,-fs- -
-l:z sF
gethan, blieben wir von deu------ ---- .Gegentheile, ich
s: N,i ls. s.is-s S.i
iiis i. nu dois 9z
nmuus; ja dorl sein, muus: Izhr Tanzer sett, l---- -=- - ----
werbungen Ihres Verehrerä Castigni möglichs. zu bewahren.
der wollen Sie lieber ihnn als mich zu e änzer habe: ?
y
Ed war unverleunbar, dasi er gros;es Wohlgesallei un dem
schhöen Mdchen haite;
sii
mmnl-,- scerzle, lhal
ss fz»,f i Ap:
Vll lUlu, - -- - -=--
sz;Ct,sii üiiss- Swin--n
TTiil11fs l u?t« =«.u- l1iullll
auf deren Geheis: die
die freuidliche Weise, in welcher er heute
Daviden aber wehe. Sie wendele sich
=---zp- 1==- g===-- - -= aeba der gleichenn
z ss,.p,- -
--
gs:i--
s 1s
his-sos ff üssn
,iss si:ni: F
1Pt, bui;: s uiu il. - u=s -?-js=z=s- -ssss -
I1se
K GAr -
oi- sisinRof -plis:iis ii-
=ut: lliuu su.= -- - zz P=;=ssin .ta llL g,==s z
- z-ach jedoch lei=-- -- und auch Sebg war niedergeschla-
is H,.-f i
fi.- s-
gener, als sie es zeigte.
== - - --i-- =-=h-- -=- - jz= -- -- sollem Gange, als Herr
e,«z- vp-ssz. H,-s-=- Hins sK.i s- ne
zlies und Paul mtit den beiden Frauen ist u--=-=---=---
ez
zs,- OIs, -iisfn- iis
und Paul nahm nach den Begrüsungen mit Freunden und Be-
lannten JJogleich mit Davden ;= -- »»ah 0b = --= -- - -
s,issis P
d.is P,-isipi: do=
Tanzenden ein. Eivilisten uud deutsche und französische Ofsiziere
Wg7 1l lhu ---- zz»-oj»z s- =- - zs= j»p: aill .uis gs---z»s==-s
kispss siiff - ofsss.s -oi -ims,ss -
d,nfs
-pzsAo:
ls?s.ii-wss s.l.-s.
--b------ - -==« Paul noch imnner eine hervorragende Erschei-
----z durch seine schöne, mächtige Gestalt und ---- :- -- --uS-
es- s.-ss.s s-
=--=- ---=-- charaltervollent Gesichtes.
d-i» s.iisnä
Panu -- ü--- u=ue, sagte Herr Flies zu Seba, als das
,s ,ss -:f -
iisd. si: d=- Fs;,-s ss,-ssdi
TI1zy1hg Hetu.u .- --Ei we-=--- =s-n-; =-s= s =- - ==-= j-=s f== --
-n -is s szzs -
sewü sz,z-,iss -

Z9-----
die weißen Casimir-Escarpins und der blaue Frack ihm sehr
wohl an. Aber Seba, die sonst so stolz auf ihres jungen
Freundes Schönheil war, als hätte sie selber ihn geboren, ver-
nmochte sich heute seiner nicht zu fceuen, weil die Sorge um ihn
sie peinigte. Jene errathende Kraft des Herzens, die oft scharf-
sichtiger ist, als der schärfste Verstand, lies: sie nicht bezweifeln,
was den Grafen antreibe, Paul zu verfolgen, und wenn sie ihre
eigene Seele prüfte, mußte sie sich gestehen, daß für den Grafen
eine Wollust darin liegen müsse, sich an ihr zu rächen, da sie
sich die gleiche Befriedigung einst nicht hatte versagen mögen. Sie
zählte die Stunden, die noch bis zu Paul's Abreise vergehen
misßlen, die Tage, innerhalb derer er die Grenze erreichen konnte.
Daß Graf Gerhard jeder Unwwirdigkeit fähig sei, wenn sie seinen
Wimnschen und Absichlen diene, das wuusile sie, und er besas: das
-.hr und das Verlrauen der französischen Behörden. Es konnte
z
den Grafen nicht viel losten, Paul uund mii ihm ihren Vater
wie sie selber zu verderben, denn das Misztrauen der napoleo-
nischen Regierung war grenzenlos, und wessen man sich von
ihren Dienern zu versehen habe, das war durch die Gewalt-
thaten an dem Buchhädler Palm und an Lord Bathurst hin-:
länglich erwiesen.
Sie iberlegle, ob es nichi gerakhen sei, Paul an diesem
Abende gar nicht mehr nach Hauuse zuriicklehren, sondern in irgend
einer befreundetenn Famnilie übernachten zu lassen, aber eben da-
durch konnnte man den Argwohn, welcher ihnn offenbar umgab,
nur steigern. Damn lam ihr der Gedanle, das man irgend
einen der Gehülfen ihres Vaters in Paul's Wagen mit seinem
e ?
Diener und mit einem scheinbaren Auftrage den geraden Weg
nach der russischen Grenze schicken könne, während Paul auf
Umwegen zu entkommen suchen misse; indes; überall trat ihr
die Sorge um ihren greisen Vater entgegen, und selbst mit diesem
oder gar mit Paul ein vertrauliches Wort zu reden, ward ihr

--- II---
nicht gegönnt, denn sie meinte zu bemerken, dnß Herr von Ca-
stigni Pauul und Davide nicht aus dem A.ge lasse. Das konnte
seine Ulrsace in der Bewerbung haben, mil welcher der Franzose
Daviden umgab; aber wer viel zu verlieren zat, -ge ängstlich,
und die lange Fremdherrschaft hatte alle Parioten genugsam an
Zriückhaltung und Vorsicht gewöhnt.
=-. Vaier hatte sich zum Spiele niedergesetzt, Davide
,s-
tanzte, Herr von Castigni nahm sie völlig in Beschlag, wenn
Paul sie frei ließ, und dieser, welcher sonst kein leidenschaftlicher
aänzer war, sondern meist die Gesellschaft der älter.. -inner
oss Ps
und Frauen sucht..=-- heute gaz P- .-gend. Er znachte,
- ss=l? s1,s.
.iz- Sz
so ofi es sich lhhun liesg; Daviden's Gegeniber, und obschon sie
voll Sorgen war, dachte Seba daran, daß Paul mögliche. -beise
.
doch mehr Aniheil an ihrer Nichte nähmr, als sie bisher ge-
glaunbt, das; Daviden's unverlennbare Neigung fiir ihn, die sich
heute erst wieder so lebhaft verrakhen hatte, ihren Eind.uick auf
den jungen Mau nicht versehlt habe, und sie nannte es in
ihrem Herzen einen echt weibliche. Zug, daß Davide eben heute
sich Herrn von Casligni freundlicher als sonst bewies, daß sie
Pauul vernachlässigie, da dieser sie zum ersten Male ganz ent-
schieden suchte. Sollte Davide im Stande sein, zu so klein-
lichen Milteln der Vergeltug z greifen? fragle sie sich; sollie
sie in der Liebe irgend einer Berechnung fähig sein und einem
geliebten Mane gegeniber irgend etwwas Anderes empfinden
können, alö das Verlangen, ihm ihre Liebe kund zu geben und
Freude oder arauer, je nachdem er sie erwiedert oder ncht
erwiedert?
Sie wurde förmlich irre an dem Mäddchen, das sie doch
so genau zu kennen meinte. Davide sprach so laut, lachie so
viel, suchte so unverkennbar die Aufmerksamkeit auf sich zu ze4-u;
Seba wusste g-, was sie dapon denten soll:e. Aber es mußte
ssss
auch Paul mißfa.u.n, denn sie sah ihn den Saal verlassen und
.

89--
im Nebenzimmer an den Tisch treten, an welchem alte und junge
Männer, Civilisten und Militärs ein hohes Pharo spielten. Sie
wollte zu ihm gehen und mochte doch zum erslen Male Davide
nicht ohne Aufsicht lassen, denn der Ballsaal hatte sich nach dem
Schlusse des Theaters noch mehr gefiüllt, der Lichtglanz, die
Wärme, der Tanz und der Wein hatten die Tänzer, die Männer
wie die Mädchen und die Frauen, aufgeregt, und auch Daviden's
Augen flaumten, ihre Wangen brannten, als sie, von Castigni!s
Arm umschlungen, zum vierten und fiünften Male die Tour um
den Saal zurücklegte, die man sonst immer mit drei Nonden
beendigte. Das Haar flog ihr um die Schläfen, die junge Brust
hob und selte sich gewalisau, als der Franzose sie endlich dicht
vor ihrem Platze aus seinem Arme ließ und, einen leidenschaft-
lichen Kus auf ihre Hand driickend, ihr versicherte, das: er sie
nie so schön gesehen habe, wie eben heute, eben jezt. Aber von
dem wilden Tanze erschöpft, trat er zuriick, um im Nebenzimmer
eine Erfrischg zu schens, auch Davide hale sich neben Seba
in einen Sessel geworfen, und sich rasch umblickend, alö firchte
sie gehört zu werden, flisterte sie leise und athemlos die Worte:
Er ist fort!
Seba wendeke sich um, sie sah Davide an, und dad Wort
des Tadels, das auf ihren Lippen schwebte, verstummte. Mit
einem Blicke verstand sie, von wem die Nede sei.
=-oher weißt Du es? fragte Seba.
Aa.
Ich sah ihn gehen, antvortete Davide.
Eben jezt?
Nein, gleich nachdem wir zur Quadrille angetreten sind.
Und er hat Dir gesagt, daß er sich entfernen wolle?
Nichts, gar nichts! entgegnete Davide eben so kurz, den
schon trat ihr Bewunderer wieder an sic heran, und urplötzlich
leuchiete die strahlende Heiterkeit wieder um ihre schönen Wangen,

- Zß--
tönte das silberhelle Lachen wieder von ihren Lippen, und an
der Hand ihres Tänzers stand sie wieder in den Reihen.
Seba sah ihr sprachlos, aber mit FrAde nach.
Sie konnte nicht errathen, was Paul beabsichtige, was
Davide davon wisse, nur das war ih kla, daß hier die Liebe
ein Mädchen schnell zum Weibe gereift hase und daß man ein
jynges Herz, welches aus Lebe solcher Herrschaft iber sich fähig
sei, wie Davide se eben jezt bewiesen hatte, sich selber über-
lassen könne.
-- Beide Franenzimner lonnien das Gde des Balleö kauum
erwvarten und krugen doch Bedenken, das Fest eher als die Mehr-
zahl der Gäste zu verlassen. Sie blieben im Gegeutheile mit
unter den Letzten, um auch Herrn von Castigni von der Rick-
kehr in ihre Wohnung abzuhalten.
Er hatte, von Davidens Gunst entzückt. Tremann's fast
vergessen. und es war Seba, welche ihre Nichte geflissentlich
befragie, wo Pauul geblieben sei. Diese versezle ruhig: sie wisse
es nicht; er sei verdrießlich gewesen und in das Nebenzimmer
gegangen. Als man ihn dort nicht fand, äußerte Davide die
Erwartung, daß er zum Kehraus, fir den sie mit ihm engagirt
sei, schon wiederkommen werde; und da er sich auch zu diesem
nicht einstellte und Seba sich in Castigni!s Beisein drch Paul's
Entfernung beunr -z--- Ie; wavide es errathen, daß sie
-s egs
ss.?-
oinf
einen kleinen Streit mit ihm gehabt habe, daß er mißmuthig
gewesen sei und wohl vom Balle fortgegangen sein möge, weil
er sie damit zu strafen geglaubt habe. Aber sie wisse sich zu
- »i-= --; Untd att einenz Taklz.- ibh- i
sz-R,sfof: -
s=- G-s- s- mit einem lächelden
Blicke auf Castigni hinzu, wird es mir
fehlen.
Inzwischen hatie auch Herr Flies
hoffentlich doch nicht
seinen jungen Com
vagnon vermißt und kam, sich nach ihm zu erkundigen, da Paul,
als er eine Weile neben Herrn Flies zusehend am Spieltische

Ig - -
gesessen, sich über Kopfweh beklagt hatte. Seba konnte erkennen,
daß ihr Vater eben so wenig als sie von Paul's Vorhaben
unterrichtet gewesen sei, und es blieb unmöglich, sich auf dem
Balle von Daviden eine Aufklärung zu verschaffen. Es war
schon gegen den Morgen hin, als man, von dem Feste kom-
mend, das Haus erreichte, und selbst während der Fahrt war
keine Verständigung möglich gewesen, da man es nicht hatte
vermeiden lönnen, Herrn von Castigni's Begleilung anzunehmen,
indem er, wie er sagte, im Vertrauen auf die Güte seiner Wirthe
seinen Wagen einem Freunde angeboten und überlassen habe.
Als der Hauswart die Thin öffnete, fragie Herr Flies zu
Seba's und Daviden's Erschrecken, ob Herr Tremani schon zu
Hause sei, und die beiden Franenzimmer blickten einander ver-
wuundert an, als der Bescheid erfolgte, Herr Tremann sei ja schon
gegen Miternacht heimgekehrt und werde wohl noch wach sein,
denn er habe frische Kerzen befohlen, weil er noch arbeiten wolle.
Man trennte sich oben an der Thire der Wohnzimmer.
Herr von Castigni stieg wohlgelaunt, den Kopf voll froher Er-
inerungen und noch freudigerer Audsichien, die Treppe zu seiner
Wohnung hinauf, und ihre Nichie bei der Hand nehmend und
rasch mit ihr in die Stuube hineintretend, rief Seba: Du hast
Dich also geirrt, Paul ist hier!
Gewiß nicht, entgegnete das junge Mädchen mit großer
Bestimmtheit; und während Herr Flies sich noch erkundigte,
um was es sich handle, hatte Seba schon einen der Leuchter
ergriffen und eilte durch den Glascorridor und die inere Treppe,
welche Fräulein Esther einst zu ihrer Bequemlichkeit hatte er-
bauen lassen und die gerades Weges aus dem großen Saale
des ersten Stockwerks in das Gartenzimmer führte, nach Paul's
Wohnng hinunter.
Sie klopfie an, es blieb Alles still. Die Thinne war un-
verschlossen, sie trat also ein, es war Niemand in dem Zimmer.

.9 --
Die Kerzen brannien auuf dem Schreibtische, die Schlissel steckten
in den Schubladen und Schränken, Allet lag und stand wie
immner, nur die Schreibmappe fehlte. Si: ging in die Neben-
stube und öffnete den Kleiderschrank; da zing der Anzug, den
er auf dem Balle getragen haite. Er war also wi.===, nach
I M,
Hause gekommen, was Seba schon zu kezwzeifeln angefangen
hatie, und schnell, wie sie die Treppe herunt:r geeilt war, stieg
sie dieselbe wieder hinas, uun sich mil den Ihhrigen zu besprechen
und zu berathen.
Man wollte von Davide Auskunft haben, aber diese haiie
nichts oder doch nuur wenig zu berichten. Sie habe bemerkt,
sagte sie, das: Pauul öfier nach seiner lhr geschen, was er sonst
nicht zu thnun pflege. Er sei dazu so ungewöhnlich aufgeräumt
gewesen, habe fortwvährend mit ihr gescherzt, sich auch um die
andere.. =amen mehr als sonst bemiht, und während sie dar-
-is cd
ülber nachgesonnen, was ihn in eine ihm so frende Laune versezt
haben möge, habe er wieder plözlich nach der lhr geschen und
sei dann mit Einem Male fortgegangen und verschwunden.
Seba wendele ihr ein, das; in diesen Dingen nichks ge-
legen habe, was Davide irgend zu der Vermuthung habe be-
rechtigen lönnen, das; Paul fruher, als er e vorgehabt, seine
Neise antreten, sie gleichsam als Flucht untreten werde, und
Davide verschte einen Auugenblick, hre frihere Erzählung d-==-
sizR,
Hinzufiigung verschiedener kleiner Aeuserungen zu verdeutlichen.
Indeß plözlich schien sie anderen Sinnes zu werden, und sich
in ihrer ganzeu stalllichen Höhe aufrichtend, sprach sie, während
cz,-ß.
ihre Wangen ergliihten und ihre Augen, die sie auf den s--ul
und auf Seba zu richten versuchte, sich umoillkinlich senkten:
Ich will's Euch sagen, und Ihr könnt's mir glauben. --- -«
dw j,s
bin ja nicht eitel und bild. mir nichts ein. Und da sie es
nnn sagen wollte, siockte ihr dad Wort auf den Lppen in hold-
seliger Scham, und sie muste sich zwwingen, es auszusprechen.

7 -
Paul, sagte sie, hat mich immer wie ein Kind behandelt, oder
wie ein Spielzeng, denn so machen sie es ja Alle mit uns.
Auch heute Abennd lhat er das, Du hast es ja gehört, liebe
Seba. Aber als wir tanzten und als er immer wieder nach
seiner Ühr sah, da blickte er mich an, als wüüste er, daß ich
mich um ihn sorgte. Er war ernsthaft, wenn man ihn nicht
beachtete, und als er dann plözlich aufbrach, da- da drückte
r?:
Ns.s-
- Ton war immer leiser geworden, sie nahm sich zu-
sammen, um ihre Bewegung und die Thränen zu bemeistern,
die sich ihr in die Augen drängen wollten.
Seba fiihlle sich ergrissen vo ihhres Pslegekindes Schönheil
und freimniüthiger Selbstüberwinduung, und wie ein warmer,
Fri:hlig verliindender Sonenschei zog eie nenue, selbsilose
Hoffnug in ihre Brust; aber sie sowohl als ihr Vater hüteten
sich, es auszusprechen, wie hoch sie Davide in dieser Sunde
hielten und wie sie beide ihre Wimsche und Hoffmungen theilten.
Mann nahm ihhr Beleinlüis: wie eine sich von selbst versiehende
Sache hin, und als Seba die Absicht äuserte, den Portier zu
befragen oder den Gärtner kommen zu lassenn, ob und wann
und auf welchem Wege Paul das Haus verlassenn habe, gab
ihr Vater das nicht zu.
Er sagte, da Paunl einmal verdächtigk worden sei, habe
er, wie immer, richtig gehandelt, indem er Berlin so bald als
möglich und heimlich verlassen habe. E entziehe dieses Letztere
sie Alle für den schlimmsten Fall jeder Verantwortlichkeit, und
wolle die französische Regierung seiner habhaft werden, lasse
man ihn selbst vefolgen, so sei mit jeder Stunde Vors=--s
bzzsfsfe
ein Wesentliches gewonnen. Da die Leite im Hause ihn noch
in der Nacht arbeitend glaubten und Herr von Castigni dies
gehört habe, werde man es nicht auffallend finden, wenn Paul

Hf, r:
== ZJ I ! -=
nicht um oie gewohnle Morgenstunde im Hause und im Comptoir
erscheine, und es sei wenig Wahrscheinlihkeit vorhanden, das;
Herr von Easligni sriher als a Vormillage von der Abreise
z E? z-hz f.on:
Paul's benachrichtigt werde. Er kraue es deu-= o-= -- -
das: er seine Maßregeln zweckmäßig und usictig getroffen haben
werde, und wenn es ihm nur gelungen set, unbehindert aus
=- ----- as- -b=-uh, so hoffe er das Beste.
di äs,ib
z is fzisisin
Has aund ist freilich überschwemmt von -=p-=--V, aber
, S=--
szsno
N,-
gerade das erleichtert es ihm vielleicht, unbeachtet zu bleiben;
denn man hat überall it sich vollauf zu -, und seine Pa-
ss.-
piere wird er in = -t ug haben, tröstete Herr Flies, um die
z,-
Seinigen zu beruhigen. Kanu Pauul jeuseit der Oder oder
aveichsel, wie ich vermulhe, noch mit Schlilien reisen, so ist er
geborgen und wir hören bald von ihm.
Aber bis dahin ? sraglen ängsilich Sebc und Davide wie
aus Einem Muude.
=. ns dahin müüssen wir uns geduulden, meine lieben Kinder,
N
und uns vorbehalten, daß man nicht zu- -»ü-- -.- so lange
s..-ßl.-eis sss
nman fir die Seinigen noch fi.rchtee und hoffen lann.
Welch ein llngliick! rief Seba, niedergeworfen von der Sorge
um: den so lange Entbehrten und endlich Wiedergefundenen, aus.
.. sagte Herr Flies, es sind böse, böse Zeiten; aber un-
glucklich ist man erst, wenn man nicht mehr hoffen kann! Be-
haltet guten Muih, zeigt morgen ein heiteres Gesicht, denn wir
sind Gefangene in unseren eigenen H;--- = -uben der
-- cs.
Jzsuzf i
Fremden in unserem Vaterlande, und obschon wir nicht Ver-
bannte sind, könnten wir singen, wie es in den Psalmen heißt:
,Wir saßen an den Wassern und weineten!'
Er seufzte, küsßte die D.== -=. Nichte auf die Stirn,
F.ss iis
sn=- PF,
- i-- - -- s--- - he begeben, und bald war es still und
ss s. N
dunkel in deu ganzen Hause; ---- zaul' einsamem Zimmex
isiiz jz= s
brannten die Kerzen fort, bis sie am Morgen in sich selbst erloschen.