Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 06

Secsteö Capitel.
le üar Alles stist im Hause, aber Niemand schlief.
Schrecken und Sorge hielten Jedermann wach.
Als die Baronin von dem Blutsturze befallen und der Arzt
herbeigekommen war, hatte er es fiir uunöglich oder doch fir
höchst gefährlich erklrk, sie in diesem Zustande nach ihrem Hotel
bringen zu lassen, in welchem ohnehin laum die fiir eine solche
MKranke unerläßliche Ruhe und Bequemlichkeit zu finden waren,
, und Herr und Madame Flies haiten augenblicklich mit der größten
zBereitwilligkeit dem Freiherrn ihre ganze Wohnung und ihre
?Dienste zur Verfügung gestellt, die man unter diesen Verhält-
Anissen annehmen zu missen geglaubt hatte.
? Vorsichtig hinaufgetragen. lag Angelika in dem besten
FZimmer des Hauses, das in den Garten hinaussah, wohl ge-
betiet, vor dem Schimmer der Nachtlampe geschüzt, und hörte
zschlaflos die leisen Pendelschläge der Uhr aus dem Nebenzimmer
ßan ihr Ohr klingen, die sich langsamer, ach, viel langsamer
ßbewegten, als der fiebernde Schlag ihres müden Herzens. Ihre
ßsammerfrau befand sich an ihrem Lager, hinter dem Bettschirme
Fwachte geräuschlos Madame Flies.
k Nebenan in ihrer Stube saß Seba an dem offenen Fenster.
FSie hatte sich nicht ausgekleidet. Sie mußte etwas erwarten,
Pdenn sie sah in kurzen Zwischenräumen immer wieder auf die
FStraße hinaus, und es war nicht die milde Schönheit der warmen
d
f .Le walo, Von seschleehn p deschlech. 1.

==- hjt, -
Sommernacht, die sie dazu verlockte. Paul war verschwunden,
und man suchte ihn.
Als er am Nachmittage aus der Schule gekommen war,
hatte er einen prächtigen Wagen, einen reich geschmückten Jäger
vor der Thüre des Hauses stehen sehen. Ganz hingenommen
von einem einzigen Gedanken, war er, wie er das oftmals that,
in das Comptoir gegangen, um zu fragen, wem die schöne
Eauuipage zugehöre.
Dem Freiherrn von Arien, sagte ihm der Lhhrling. Paul
slarrle ihn bei den Worlen so erschrocken an, das; der junge
Mensch nicht wußte, was dem Knaben beigelounen sei, und ihm
T ITI? --- -- --
aa, ich habe ihn verstanden, antwortcke er, und ging hin-
ans; indes: er wustte icht, wohin er gehen sollte. Er lief die
Treppe hinauf, sich oben zu verbergen. Aber wovor sollte,
wovor hatte er sich zu verbergen? Ich habe ja nichts verbrochen;
dachte er, und doch war ihm so bange, doch war er so verwirrk.
Er konnte es nicht mehr auhalten oben in seinem Stübchen;
sein Vater war ja unten!
Er wartete eine kleine Weile; er meinte, der Freiherr werde,!
da er nun im Hause sei, zu seinen Pflegeeltern kommen und,
ihn rufen lassen. Er horchte. ob die Thüre nicht aufgehe, obs
Niemand die Treppe emporsteige, ob der Wagen fortfahre. E,
blieb Alles still. Mit Einem Male sagte er sich: Wenn derj
Wagen fortfährt, dann ist es zu spät, dann ist Er auch fort! »
und wie ein Pfeil schoß er die Treppen hinunter. Er öffnet
die Stube, welche an den Laden anstieß; es war Niemand darinZ
Er suchte Seba, er hätte sie etwas fragen mögen, aber er mochtH
sich nicht noch einmal entfernen. Die Thüre nach dem Laden
war nur angelehnt; er drückte sie behutsam weiter auf. Nuß
konnte er die Stimmen unterscheiden und hören, was man sprachß

= hß ====
aber nur Herr Flies und eine Dame redeken. Sollte mein
Vater schon fortgegangen sein? fragte er sich, und das Ver-
langen, sich zu überzeugen, trieb ihn vorwärts. Wenigstens sehen
wollte er seinen Vater doch. Er lrat in den Laden hinein, man
bemerkte es nicht, und doch mußte er mit büiden Händen den
asch anfassen, um nicht auufzuschreien.
«. das war er! Nuen kannte er ihn! Das war sein Vaier,
,-
sein lieber Valer! Nui besuni er sich aus Alled! Wie oft ha!ie
er ihn in die Höhe gehhole, wie ost haile er ih-u gelis;t, sein
Vaier, der Oilel Baron! Auf seinen Knieen hatie er ihn reiien
lassen; auf dem Smuhle hinter dem .tiel Barou haite er ge-
z.k
standen und seie lleiuen Arme um dessen Hals geschlungen, bis
der Oukel ihn zu sich gezogen und sihmn die Geschichte erzählt
hatie, die Geschichte -- auf die er sich ni hi mehr recht besinnen
konnte unnd die ihhm doch uoch immer in den Sinn kam. - Sein
Oas,s N,--
ganzes Herz flog dem Freiherrn entgegen.=-= -=-eon, lieber
, Vater! wollte er rufen im vollen Glicksgefühle -- aber er ist
in s-s=s e
z e --==-=ein -ulel, sagie er sich, und Vater darfst Du ihn
O.
F nicht rufen, denn er will nichts von Dir wissen, weil Du in
F Sünde und in Schande geboren bist! - Er schauderie zusammen,
? er fühlte es wie einen Fluch über sich liegen.
Er blicte den Freiherrn an, er blickte die schöne, schlanke Dame
z an, er stand dicht neben dem blonden Knaben, er kannte sie alle!
? Das war sein Vaier, das war seines Vaters Fran, das
' war sein kleiner Bruder; der Bruder, welcher hinter den goldenen
-Fenstern des schönen Schlosses wohnte und der die Nehe und die
FHirsche hinter dem Gitter fitiern durfte. Er hätie ihm die Hand
E geben mögen, wenigstens mit dem Bruder hätte er sprechen uud
wissen mögen, wie er heiße. Er ging an ihn heran, indeß in
h dem Augenblicke bemekkte ihn Madame Flies, und dringend und
ßleise befahl sie ihm: Geh', geh:, lieber Paul! Geschwind.--= -
ffsF?
ligaß Du foeikommst, Kind!
d

--- ßZ -
Aber diese Anwweisung bewirkte gerade das Gegeniheil, obwohl
er ihre Bedeutung ganz und gar verstand. Die Rüührung, die
Sehnsucht, welche er gefiihlt, machten einer trozigen Empfindung
Plaz. Er wollte nicht gehorchen, nicht hinanögehen; er wollte
bleiben, er wollte sehen, was denn daraus werden würde. Endlich
mußte der Freiherr sich doch umdrehen, endlich musste er ihn
doch erkennen, denn er war ja sein Sohn; und wenn er ihn
erlainte--
Da drehlen sie sich Alle u. da schlg die Bemerlung
seines Bruders, der Aufschrei der Baronin an sein Ohr. Er
sah, wie sein Vater sich lalien Auuges von ihm wendete, wie
man die Baronit als eine Sierbende davoulrug, er fühlte,
wie Madame Flies ihn hefiig zurücsties, und als sasle es mi!
klingenden Hammerschsägen auf ihn nieder, so tönte es immerfort
in seinem Kopfe: Mache, das; Du forikouust! Sie waren Alle,
hinausgegangen. Er blieb ganz allein in dem Laden zurück.
Was gehe ich sie auch an? Was gehen sie mich an? dachte
er, und doch fiel ihm die Einsamkeit sehr schwer. Er sah sich
in dem Laden um, als misse er sich Alles recht einprägen, damit;
er es nicht vergesse. Den Lnden sehe ich auch nicht wieder,!
sagte er sich, und dabei merkte er erst, daß er beschlossen habe,j
fortzugehen. Er hatie schon die ganze Nacht daran gedacht. Er!
konnte es nicht aushalten, hier zu bleiben, wo Jedermann es!
wuste, dasß er in Sünde und in Schande geboren sei. Er wolltej
seinem Vater nicht wieder vor die Augen treten, dent er liebtej
den Vater nicht mehr, er wollte von ihm nichts mehr wissenF
nichts mehr hören, nichts mehr haben, gar nichts mehr habenhs
Troz und Verzagtheit, Lebe und Haß, erwachtes Ehrgefüh!
und erlittene Kränkung stürmten wild durch einander auf ihnj
ein, und dazwischen tauchte das Bild seiner Mutier, wie er es
sich gestaliet hatie, vor seiner Seele auf, und er erinnerte sichß
wie sie geendet. wie die Verzweiflung sie aus der Welt und ißs

==- ßß =-
den Tod getrieben hate. Er wuszte auch nicht, was er hier
sollte; er mochte Niemanden sehen, von Niemandem gesehrn
werden, und am wenigsten von seineu Vaier, dec sich von ihmt
abgewendet, und von der Kriegsrähin, die ihmn gesagt hatte,
daß er in Siünde ud Schande geboren sei und das; ein Schimpf
auf ihm ruhen werde all sei Leben lang. Das wollte er nse
wieder von eines Menschen --.inde vernehmen; er wollte hin,
.
wo Niemand ihm das sagen kounte, wo Niemannd es wuusstc,
Niemaed ihn lule - sori! Er nahun seine Müze und glng. ---
a der Unruhe und Auufregung, wwelce das Erkranken der
. -zs
Baronin veranlast hakie, beachiete man es icht, das: Paul nicht
um die gewohhnle Slunde zum Vesperbrode lam. Als die
Kriegsrälhin ihn späier vermiste, meinte sie, das; Schrecken und
Furcht vor einer Strafe ihn abhalten möchten, vor ihr zu
Lerscheinen, da sie ihm verboten, sich seinem V.. .. in den Weg
Afr s
zu stellen, und da er jezt erlebt habe, welch ein Unheil er damit
kangerichtet. Indeß es war nichi seine Weise, ohne Erlaubnis
sfortzugehen oder sich feige einer Strafe zu eutziehen, und als
Feine Stunde um die andere verging, als der Abend hereinbrach,
Fals die Dämmerung der Nacht zu weichen begann, fing man
Funruhig zu werden an, und vor Allen zeigte sich Seba besorgt.
Man hatie Paul's Bichertasche unten auf dem Zahltische
Fiegen gefunden;d =-ing hatte ihn eine Weile im Laden stehen
h-=- N,s.-!
Fnd dann fortgehen sehen. Man schickte zu den Knaben, mit
ßenen er Verkehr helt, er war aber bei keinem von ihnen gewesen;
lnan fragte in der Straße, ob man ihn bemerkt, aber Niemand
Fußte sich dessen zu erinne.. und wer achtet auch an einem
hönen Sommerabende, an dem die Leute alle drauusßen sind,
ßuf das Komen und Gehen eines Kaben?
- »ss sg.
n. --; -»»e, als -g-- -lhlger geworden==. uund als
Ilssfpsif.e z
sszz s
Fer Freiherr das Haus verlassen wollie, um sich ln seinem Gast-
Zofe zur Nuhe zu begeben, trat er in die Wohstube der Flles'schen

-= I( -
Familie ein. Er fand nur Seba in derselben, und nachdem er
gebeten, ihn augenblicklich zu benachrichtigen, wenn der Zustand
der Baronin seine Anwesenheit erheischen sollte, fragte er: Wer
war der Knabe, Mademoiselle, der sich in Ihrem Laden auf-
hielt, als die Baronin von dem üblen Anfalle bekroffen ward?
Wie er das fragen kann? dachte Seba. Sie häkte ihm
sagen mögen: EK ist Ihr Sohn, und Sie wissen das. Indeß
sie überwand sich und antvortete: Es ist der Pflegesohn des
Kriegsraths Weisßenbach, der hier im Hause wohnt.
Sein Namne?
Paul Mannerk, sprach sie nachdriicklich, und wie fest das
Auge Seba's auch auf den Freiherrn gerichtet war, sie konnie
keine Veränderung in seinem ernsten Gesichte lesen. Das empörte
sie, und, hingerissen von der Agst um ihren Schizling, voll
Abscheu vor der Ruhe seines Vaters, die mit ihrer Sorge in
so grellem Widerspruche stand, rief sie: Er ist aber nicht mehr
da, der Knabe! Er ist fort, der Pauul, und wir suchen ihn
vergebens! Gott gebe, das er in seiner Verzweiflung nicht wie
seine Muttec geendet hat!
Wie ein Bliz zuckte es durch die Gestalt des Freiherrn,
es zitterte in seinen Mienen, und mit bebender Lippe fragte er:
Was wissen Sie von ihm, Mademoiselle?
Er mußte sich niedersezen; Seba war über ihr eigenes
Thun erschrocken, aber der Grimm gegen diese vornehmen Männer,.
die Alles unter die Füße treten zu können glaubten, die Em='
pörung über die Herzenskälte des Freiherrn, die Erinnerung an
die Schmach des eigenen Geschickes hoben sie über sich hinaus,
und kalt und stolz, wie der Freiherr eben erst vor ihr gestanden.
hatie, sagte sie: Ich weiss wer der Knabe ist, weiß, daß sin;
Mutier in Verzweiflung ihren Tod im Wasser gesucht, und
Gott gebe, dasß er ihr's nicht nachgethan hat, denn er fühlie'
sich verstoßen!

===- f -
Der Freiherr fuhr auf. Er wollte die unberechtigte An-
masßung dieses Judenmädchens zurückweisen, aler das harte Wort
erstarb ihm auf der Lippe, und wie im Schmerze schloß er die
zornfunkelnden Augen. Das währte indeß nict lange, dann
hatie er seine Wahl getroffen, seine Etscheidng schnell gefaßt,
und während Seba in ihrem Herzen noch darüber tciumphirte, daß
es ihr gelgen war, einen dieser Edelleute, den Freiherrn von
Arten, der seines Kinses vergessen konte, der Herbert beleidigt, der
Adam gekränkt, der kein Herz hatte, so wenig Gras Gerhard ein Herz
gehabt, unter ihrem Blicke zusammenbrechen und vor ihrem Worte
zittern und leiden zu sehen, erhob der Freiherr sich und sagte
mit schonender Herablassung: Ihre Aufregung macht Ihrem guten
»Herzen Ehre, Mademoiselle Flies, und der Unerfahrenheit musß
sman selbst den Mangel an der nöthigen Deli atesse nachsehen!
IIch hoffe, das man nichts versäuumt, den Knaben aufzufinden,
an dem Sie so viel Autheil nehmen! Der Vorsicht wegen wisl
Jich selbst dafie Schrilte ihun lassen! Leben Sie wohl, Made-
zmoiselle!
Seba stand und blickte ihu nach. Sie biß die Zähne auf
Feinander, um die laute Verwünschung zuriickzudrängen, welche
Fihr aus dem Herzen auf die Lippen stieg. Sie hörte, wie der
Jaron leise mit ihrem Vater sprach, dem er im Hause hegegnete,
Pund zornig das Haupt schittelnd, rief sie: Es giebt keine Ge-
Frechtigkeit im Himmel und auf Erden, wenn nichr einst der Tag
ßdex Vergeltung für sie Alle kommt, wen sie nicht ernten müssen,
Pwas sie säeten !
Aber es blieb ihr nicht lange Zeit füür ihre Gedanken. Ihr
ßVater, der Kriegsrath und die Kriegsräthin kamen herbei; sie
ssölte noch einmal Alles erzählen, was sie gestern von Paul
hgehdrt, was sie mit ihm gesprochen, und während sie m Grunde
Fnr wenig zu sagen haiie, während sie gar keine Vermuihung
Igte, die auf irgend eine Spur zu leiten vermocht hätie, wurde

e-es
die Kriegsräthin nicht milde, es immer zu wiederholen, mit
welcher Voraussicht und Sorgfalt sie gehandelt, wie sie allein
daran gedacht habe, demn geschehhenen Unheil vorzubeugen, und
wie uur der widerspänstige Charalier des Knaben, den er von
seiner Mutter habe, sie um die Friichle jahrelanger -pfer ge-
zs-
brachi, alle ihre Plane zersiörl, die Baronin vo Arlen auus das
Krankenlager geworfen und dem Freiherrn die üübelsten Begriffe
von der Erziehung gegeben haben misse, welche Paul genossen.
Sie verlangte Anerkennung, Trost und Zuspruch von ihrem
Manne und von den Adern zu erhalten, und nichi ein einziges
Mal fiel es ihr ein, welchen-=cheil sie an der traurigen Ge-
s:-
müthsverfassung des armen Knaben hatte, und lein Vorwurf
in ihrem Imern sagte ihr, das; sie und ihre unheilvollen Auf-
klärungen ihn aus dem Hause getrieben, in welchem sie, die
Trostbegehrende, nie eine Aufwalling der Liebe, nie ein Herz
für ihn gehabt hatie.
=-grend sich bei Seba und bei den Männern mit den
Ms
fortschreitenden Stunden die Hoffnung. das: Paul freiwillig
wiederkehren werde, verminderte, und die Sorge, daß er ein
ungliickliches Ende' genommen habe, sich steigerte, gab die Kriegs-
-=-, als sie sich ermüüdet zu fühlen begann, immer zuversichtz -
»-Zs sziss
licher sich der Erwartuuig hin, Paul werde nach Kinder-Art I
von selbst nach Hause kommen, wenn Huunger und Müdigkeii s
ihn dazu tricben, und wenn man nur auufhören wolle, so ängstlich ?
auf seine Wiederkehr zu achten. Er sei fraglos ganz in der ,
Nähe, ..-arte nur auf die Gelegenheit, sich unbemerkt in seine (
yz hf
Schlafkammer zu schleichen. Und stets bereit, die Umstände so
anzusehen, wie es mit ihren Wiinschen am besten zusammen-
stimn.., nannte sie es das Gerathenste, die Ruhe zu suchen =o=-
ssi,
szsd.
uehi um eines Knabe==-==e willen das Haus, die Nachbarschaft F
isl p-is:s
oder gar, wie es in Folge eines Schreibens, das der Freiherr dem -1
Kriegsrathe für den PolizeiDirector übergeben, geschehen war, z

-= j HJ? -=-
d,u
die Stadibehörden in Beweguug z sezen zdeß weder -
===---. dem die Einen sich überließen, nuch die Herzenangst,
cM,s.-s
mit welcher Seba in ihreim Zimnmer wachle, änderten das Ge-
schehene; --- Paul blieb aus
Gegen denu nächsien Miltag, als die Kammnerjungfer der
aroni sich eulserul halle, uun auus dem Holel verschiedene
Vegenslände herbeizuholen, deren ma fi:r die Kranhe bed.uifie,
hatte Seba deren Stelle an dem Lager eingennonten.
Die Sonne schien warm in das Zimmer hinein, durch die
geöffneen und leicht verhänglen Fensier stieg der Duft der Reseda
auö dem Garten in das Gemach. Man hörte das leise Säuseln
= - ----- - - - uinde Windhauch bewegte die Vorhänge, uutd
v.s- Lsßss.=-
dps- ss-
=-- d da schlich sich ein gedäupfter Sounenstrahl hinein, seinen
ssinz in
Schimmer ibe. --ngelika's bleiche Stirn und über ihr gold-
=- H
blondes Haar verstreuend. Es waren schwere Stuunden gewesen,
== =ag und die Nach., die p- -=- lagen. Sie hatte kein
dz- A
s.isiioz smi=-
Auge geschlossen.
Als sie aun verwichenen Nachmiltage von ihrer Erschöpfung
zu sich gekommen war, hatten ihre ersten Worte Paul gegolten.
Uufreioillig habe ich seine Mutter getödtet, unfreiwillig
giebt er mir den Tod! sagte sie zum Freiherrn, der düster brütend
E- -z----=-ger weilte. Sie verlangte -=y zaul, sie wvollt. -gl
ssfF P
f- sssvusf: N,.
.- isis
sehen; man stellte ihr die Anordnung des Arztes dagegen auf,
und sie verzichtete auuf die Erfillung ihrer Forderung. Aber
ihre Gedanken blieben mit ihm beschäftigt, ued selbst als die
, verwirrenden Nebel des Fiebers ihren Sinn ==--bE. sah
ßs,ozsi1Ilsifiiois
i: 1,s
. s- s.
i- Hs
os- si;- nf-nfpifp
z-.s C.
-s-- -l Ve« -»ll(E- == -- -=-; z-e, Iu .- z= -z--j-, Cü!, --
hz ni
Fsie morde, bald klagie sie sich an, das sie ih die Mulier nicht
ps-shs
- --p- habe, und geloble ihu, es liiuflig zu hun. Dann wieder
g muste sie ihn im Kaup; uuui Nenalud wähuen, denn ;.. sczrie
iisis; in
.
J auf und beschwor den fremden Knaben, ihres Sohnes zu schonen,
T dps- l8s
=--- suguldlos an all dem Unheil sei. Noch am Mittage, als

==s s s-
Seba anlg- =ger gekommen war, hatte sie gewacht, und erst
N. N
unter Seba's Obhut, die mit so brennenden Erinnerungen an
ihrer Seite saß, hu-- -- »=-af und Nuhe finden können.
--fs- C. »,s
Seba hatte die Baronin zuerst gesehen, als man sie, eine
Bewußtlose, in dieses Zimmer brachte. Sie hatte es bis dahin
geflissentlich vermieden, hr zu begeguen, aber sie kaunie dieses
Antliz. Sie kannte diese hohe, weiße Stirn, diese schmale, feine
--ase, den kleinen Mund uit seinen weichen, vollen -p en.
D
Ii
Gerade so zogen an der Schläfe sich die blauen Adern -- -
spssfpz
der duurchsich!igen Haut des Grafen hiu, gerade so bogen seine
leichten = uen sich in d.- -- ihrer Wölbung aufw=- Irder
b-=- Ms.
»-sF O-
9.-.
Nse
---g dieses schönen Auklizes war ihr verirauut, und sein Aublick
wendete ihr
Asles,
drängie sich
daö Herz im Buusen um.
wwas sie seil Jahrenn duurchlell id düirclillen, es
in ihr in diese Stunde zusammnen! Sie mszte es
muoch einmal erleben und erleiden, sie kon.« -uum der Hast ihrer
ssz- s,-
eigenen Gedanken, der wilden wechselnden Gewalt ihrer Em-
sifs:
=ziuuungen folgen. Gerhard's Schwwester lag in hreu== --
z ND,ffi
hause, eine zuua aode Erkrankte, vor ihren Augen da. Es war
zz O
des Grafen Schwester, über der sie wachte, von deren Schlummer
sie jede Störung fern zu h=-- --=e. - und Jahre lang
-» li.is sss-ß-ss
hatte sie die Nächte im grimmen Schmerze durchwaug-, -n Ver-
s.s s
zweifluung durchweint, in Scham durchseufzt -- um Gerhard's
willen! Mit welcher Stirn wiirde er da stehen, wenn die Barontn
einst Seba's Namen vor ihm nennen wwa..e, den Namen des
i-
vertrauensvollen Mädchens, dessen Gliück Liebe er so frevel-
hugt gemordet! Wenn er, er selber es wäre, wenn er so daläge,

==uflos mir hingegeben! dachte sie.
A z»»1slC.s- s.s
z-Fss.ss
. N.»-s
-oi: s,
=====-s»z- z,zp .le dg IEu;d« -=- -»g-sss -=g l --»z-ss-
schwelgende Erinnerungea und Erbarmen mit dem eigenen Leide
bedrängien sie, und es di:nkte sie ein Fluch, daß sie den Haß
kennen lernen, daß die Verachtung statt der Lebe in ihr lebendig

=== H - ==
geworden war. Dann wieder fithlte sie sich glötzlich iber alle
Trübsale fortgetragen, leicht und frei. Sie konnte auf ihre
Vergangenheit zurickblicken wie auf eine abgelegte Hille, die ihr
fern lag, sie fihlte sich duurch ih. «enken und TJun weit über
s- eg;
sie hinausgehoben, und doch blutete ihr das Herz, doch schwammen
ihre Augen in Thränen; denn wie sie auch danach ra..g, sich
neu aufzuerbanen, --- es blieben ihr doch unwiedcrbringlich jene
unschäzbaren Güüler verloren, ohne welche das Menschenleben
trübe wird wie ein Tag, dem die Sonnne bei seinem Aufgange
und Niedergauge nichl leuchle!: die frendige Erinnerung an die
eigene Jugend und der Glaube an das Glick der Zukunft!
Und wenn sie eine Weile den eigenen Erinneruungen und
dem Schmerze nachgegeben, dann fiel der arme Paul, hr armer
Paul ihr ei. Wo mochie er weilen, wo lounnle er sein ? Sie
häiie hinausiausen uögen, ihn zu suchen, aber wohin sollie sie
sich wenden? Warum war er --=- zu ihr gekommen, der er
zs=s
doch vertraute, die er liebte, die ihn in ihr Harz geschlossen, als
dieses Herz sich an Liebe und an Freude ganz veraruh geglaubt?
Np
-vas mußte ihm geschehen sein, was mußte man ihm gethan
haben, daß er ihrer nicht gedacht, das er sie vergessen hatte?
Es war ihr, als müsse sie ihn rufen, als könne er gar nicht
ausbleiben, wenn sie ihn nuur riefe; aber hier, uun diesem Lager,
durfte sie ihn nicht aufen, nicht seinen Namen nennen, denn
s.s-
=- -- m ihrem Schutze, sollte die Gräfin Berla, die schöne Frau
des Freiherrn von ===--, Ruhe finden, die Fran, um deret-
Isz-s:is
-=--=-- -=- =-= - zhs die sonnige Erde verlassen und sich
sf Mssziss.s-
aK
s-:sllss
begraben hatie in des Wassers kalte, dunkle Tiefe.
Wie aber, wenn auch Paul wirklich nicht mehr auf der
Erde weilte? dachte sie; wenn auch seinen schönen jungen Leib
die Wellen verschlungen hätten, wenn seine Auugen, in deren
w---- gsreiche Fröhlichkeit sie sich so gern versenkt, gebrochen
ssMss
-==---- poenn die Flut, hn jezt schon mit sich trüge weit hinaus,
HsHsof s
. li

= H h ß ====
hinaus ins Meer! Ihr graute vor der Vernichtung seiner jugend-
lichen Schönheit - ihr graute vor dem Tode. Und schwebte
nicht vielleicht auch über dem stolzen, blonden Haupte, das hier
vor ihren Auugen schlummerte, schon des Todes Sichel? War
denn jetzt Alles dem Untergange geweiht?
Sie neigte sich leise zu der Kranken hernieder, um zu hören,
ob sie athme, da schlug Angelika malt die Augen auf und blieb
mit dem kräumerischen Blicke an Seba haften. Sie konnte sich
icht besinnen, wo sie war, sie schaute Seba mit Besremdung
an, aber ihre Miene wurde dabei immer freundlicher, und beide
Hände saliend, bewegie sie leise ihre Lppen.
Seba kniete nieder, um ihre Worie zu versiehen. Die
Baronin schien dau mil llelerruschtigz zl zzewahrenn. Sie saszle
nach Seba' Hand; ein leises Ach! enifloh ihreu Munde, da
sie dieselbe berührte, und mit schmerzlicher Klage sagte sie: Ich
lebe also noch?
D-. Goit sei Dank, Sie leben! rief Seba. Gott sei T.nk.
N,
?,-
Sie leben! wiederholie sie, von einer Rüthrung ergriffen, die sie
nicht bemeistern kounte, und Sie werden leben bleiben!
Die Baronin legte ihre Hand matt und langsam auf das
Haupt der Knieenden. Ich bin sehr müde, seufzte sie, und die
Augen schließend, während sie Seba's Hand in der ihrigen
hielt, bat sie: Gehen Sie nicht von mir, es ist mir wohl in
Ihrem Schuze!
--heure, theure Frau! rief Seba, indem sie die Hand der
Kranken an ihr. -ppen preste und heiße Thränen ihre Augen
-- O
fillten.
=-as haben Sie? fragte die Kranke ängstlich. Aber Seba
Aa.
nahm sich schnell zusammen. Nichts, nichts, sagte sie. Ich bin so
glücklich, daß Sie Ruhe finden, daß Sie mich um sich haben mögen!
Angelika drückte ihr die Hand, und aufs Neue nahm der
Schlummer der Ermaitung sie gefangen.

== F -
Seba aber sus; still und regungSlo an ihr:n Lnger. Sie
dachte des Uebels nicht mehr, das der Bruder Keser Frau ihr
gethan, weil sie jezt der Schwester liebend beistand; sie vergaß
des eigenen Unglick über dem Leiden dieser Fran, und wie
«oollen sich bilden und vergehen, sich formen und ihre Formen
gr
wechseln, das; man nicht weiß, wofiir man sie zu h==- -
l fiss i fn
wie man sie zu deuten hat, während doch das Auge und der
Sinn sich nicht von ihnen abzuwenden vermögen: so zogeu an
-=-=-n Geiste die Gestalien des Grafen un: des FreiherVn,
iszwi
=--gelika's und Herbert's und der Geschwister aus dem Amt-
Ns.
hause vorüüber, und dazwischen dachle sie des Knaben, dem sie
so viel verdaaulle uni dem sie von gauze Herzin zu vergelien
gewinschl.
-oe komune ich, eben ich denn gerabe in dieseun Menschen-
kreis? Wes hall- laufen lle diese Schicksalsfüde in dem Bereinhe
zusamuen, denn ic ülbersehe? Und was kann, wa? soll hu«-=-
,s. ssü
rE
Da quoll es waru in ihrem Harzeu enpor, jenes beseli-
gende Lieben um des Liebens willen, das dem Menschen noch
Glick bereitet, went er sich alles Wünschens un. -««-lens für
K M..
sich selbst entschlagen hat, und mit überwallender Enpfindung rief
sie sich z - Hz -uullt liebcl!, p»-i---- zi--- -os -==j-=-- - o
- S, s.-
s,, lfpfs ii-d ss-Ksszzz ! ,,
s..ffnis
will hoffen fir den armen Paul, und vor Alleu. ==-= --=V
z- NF s--si
mnsb Nsz- s
---=- --- zelfen, Du schöne, kranke Frau!