Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 16

SechStes Capitel.
- F
ulugze reihhlen sich an äage. Wocen wuurden zu Wochen,
und vieles, was Renains in seiner neuuen U ungebung im Anfange
nicht verständlich gewesen war, klärte sich ihm von selber auf.
Er sah, daß die Freundschaft und Huuldigg. welche der alte
Füürst der Gräfin Eleonore eutgegenbrachte, ihren Ursprung nicht
nir in seiner vieljährigen Verbindung mit ihrer Taunte hatten,
sondern auf Rechnuung der Bewerbung zu setzen waren, mit
welcher der Prinz, sein Sohn, sich um die schöne Erbin bemühte.
Auch über die Absichten der beiden Geiftlichen, welche zu den
täglichen Gästen der Herzogin gehörten, konte Renatus auf die
Länge uicht in Zweifel bleiben.
Er fand es jedoch sehr natürlich, daß ein Mann von den
Vorzügen des Prinzen sich noch die Fähigkeit zutraue, die Liebe
eines jungen Weibes zu erwerben; es däuchte ihm durchaus
berechtigt, daß die katholische Kirche sich die in jedem Betrachte
auusgezeichnete Gräfin, die nach dem Glauben ihrer Mutier der
englisch-protestantischen Kirche angehörte, anzueignen strebte; denn
für Beides hatte er die Beispiele in seinem eigenen Hause vor-
gefunden. -.uerdings waren die Ehen, welche der verstorbene
Aect
Freiherr in reifem und in vorgerücktem Alter mit bedeutend
jingeren Frauen eingegangen war, nicht glücklich ausgefallen.
Aber seine protestantische Mutter hatte doch Glick und Frieden
im Schoose der römischen Kirche gefunden, und obschon sich
bei Nenals die Gewwohhnheil der lirchlichen llnierordnung wwie

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das Bedürfniß nach religiösem Anhalte, seit er das Vaterhaus
verlassen und namentlich jetzt in den Jahren des Krieges, sehr
vermindert hatten, hegte er doch den Glauben, daß für ein so
stolzes Herz, wie das der Gräfin, die Sorge und Pflege durch
einen ihr iberlegenen geisllichen Beralher nur heilsam sein lönne.
Niemand aber musile zu einer solchen Ausgabe geeigneler er-
scheinen, als der Abbü von Monimerie, als der jiüngere der
beiden geistlichen Herren, welche in dem Hause der Harzogin
fast ae keine Tage sehlten.
Die Herzogin hatie den Abb schon in Jtalien gekannt.
Seine Hingebung an die Kirche und seine uufassende Gelehr-
samkeit hatten ihn frih zu einem Gegenstande der Auuferlsamleit
fir seine Vorgesezten gemacht, seine weltännischen Manieren
empfahlen ihn der vornehmenn Gesellschaft, welcher er durch seine
Geburt angehörte. Von Jugend auf kannte er aus den Er-
zählungen seiner Anverwandten alle die geheimen Fäden, durch
welche diese schöne Welt untek einander zusammanhing, und da
er das scharfe Auge eines Beobachters hatie, war es ihm, als
der Hof und mit ihm auch der Adel und der Abbs selber in
ihre französische Heimath zurüückkehrten, nicht schwer gefallen,
in den Neihen dieses Hofes den Plaz für sich zu finden, welchen
er als den angemessensten für sich erachtete. Er hatie sich nicht,
wie viele Andere, in den Beichtstuhl gedrängt, denn es hatte
ihn nicht danach gelüstet, die Bekenntnisse dieses oder jenes be-
ängstigten Herzens zu vernehmen, und hier eingreifend, dort
berathend in kleinen Verhältnissen einen Einfluß zu gewinnen,
der sich nt allmählich ausdehnen, nur langsam von Bedeutung
werden konnte. Man hätie sagen mögen, er weise das Ver-
trauen zurück, das man ihm entgegenbrachte, so wenig zeigte er
sih zzrsnrizzi, si.h iiu sreue A nzelrzzrihhrllenu zu lrllumner, unb
was ihn selber und seine Zulunfi anging, das schien ihu vollends
keine große Sorge zu erregen.

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s,.sssSpi- Fe-Aof-
Seine gründlichen Studien in den --w===-- -sbwfs-
die ihn zu einem der heroorragendsten Lehner an -.m Kollegium
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gemacht, dem er angeh==. hatten ihn auch der Beachtung des
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Königs empfohlen. Lies; man ihm von gewoisser Seite merken,
das; seine andauuernde Beschäsligungz mil deit heidnischen Aller-
lhhume seier Hiugelng an das Christenihum Abbruuch zu thun
drohe, so versicherle er, das; er ein eben -o orthodoxer Christ
sei, als Seine Majestät, wennschon - g nicht rihmen dürfe,
- si..
ie der heidischen Vorzeii so völlig heimisch zu sein, uuls sein
König und Herr; und der Abbü von Monimerie wusßte es sehr
genan, das: eine solche Wendung alle Aussiht hatte, a-- -»=- -
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==== e wiederholt .utd von =iEig den; Achtzehnten mit ge-
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neigiem Ohre aufgenonnnen zu wwerden.
Seine Antsbrüüder nannten den Abbe u- -=s=- -=
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hehltem Spotte einen schönenn Geist, .- --=-o-u ==-=- als
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einen feinen Geist bezeichna und die F--- -=---==p dem
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Beispiele der Harzogin als -- -uebenSn--g.u Geist und als
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weil sie fiir sich selber nichis zu erstreben scheinen. Es gab
Niemanden, der wie der Abbä ein Mißverstiindnß unter Freunden
behutsam auszugleichen wwuste, Nieman.=.. =--- i=» --o-- 8------
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-=--- =--=--- s- -=----= - i-g als den Verpflichteten, weil man
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geilgen und im Sinne seines Amtes zu handeln; und der
König war noe; --p- lange in sein Reich zuk=-z.-=-, als
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man bereits ii Sicherheii hehhauslele, dass in den lange:i, be-
soberen Gesprüuhen, ull welchen Seiue-«ufesliil oen juügesn
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glehrien Geistlichen begnadeg., aulch bont u== -- ulo =s- .-= -
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philologischen Gegenständen, die der König alö sein besonderes

-- LW--
Fach ansah, die Rede sei, und daß die Verbindungen des Geist-
lichen eben so weit verzweigt als mächtig wären.
Die Freundschaft, deren die Herzogin sich von des Königs
Seite zu erfreuen hatte, fesselte den Abb an sie. Auch zwischen
der Gräfin Haughton und ihrer Tante hatie er Anfangs seine
Kunst im Vermitteln geltend zu machen versucht, aber es war
ihm nicht gelungen, Eleonore den Planen der Herzogin geneigt
zu machen, ja, er hatte das Misztrauen nichi besiegen lönnen,
msii dem die Grusin, ihhrer Mullerkirche lre, jeden kaihh-lischen
Geistlichen betrachtete.
Nur wenige Tage vor der Akuufl des jungen Freiherrn
halle der Abb« sich in dem Saale der Herzogin im Beisein
Eleonorens mit großer Wärme und mit der schwuunghaften
Weise, die ihm sehr wohl anstand, über das erhebende Gefihl
ausgesprochen, welches für den Einzelnen aus der Zusammen-
gehörigkeit mit einer großen Gemeinde erwachse. Man hatte seit
Jahren wieder zum ersten Male den Tag von Mariä Himmel-
fahrt mit einer Procession gefeiert, bei welcher die Prinzen und
Prinzessinnen des Königshauses selber die Kerze getragen, und
die Herzogin hatte es sich troz ihrer hohen Jahre nicht nehmen
lassen, sich dem Zuuge, so weit ihre Kräfte es ihr gestatieten,
anzuschließen.
Die ganze alte legitimistische Gesellschaft fihlte sich wie ver-
jüngt durch diesen Akt, weil er ihr die Tage ihrer frühesten
augend in das Gedächtniß rief, und man gefiel sich darin, die
politische Genugthuung, welche man sich und der Kirche bereitet
hatte, und die Freude, die man über diesen Sieg empfand, als
eine innere Beseligung und Erhebung zu bezeichnen, von welcher
die Gräfin Haughton ausgeschlossen zu sehen der AbbI beklagte.
Er stand, während er ihr dieses mit seiner gewohnten edeln
Weise aussprach, mit Eleonoren in der tiefen Brüstung eines
Fensterö ganz allein. Das Lchi fiel hell auf ihn nieder, jede

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Miene seines Antlizes bestätigte die Wahrheit und den Ernst
seiner Worte. Die Gräfin ließ ihr Auge nicht von ihm. Sie
liebte es, ihn sprechen zu hören, ihn zu beohachten, dent er zog
sie an, obschon sie ihm: mißtraute; und ohne von seinen Schil-
derungen irgendwie ergrisfen zu sein, sagle sie: Ich zweifle
nicht an dem Glücke, dessen Sie alle heute iheilhaftig geworden
sind, und ich sehe es ja, wie vöslig die große Gemeinschaft, deren
Sie gedenken, den- Einzelnen in sich aufnimmt und mit sich
sorilrägi. Aber beühhenn Sie Sich nichi u mich, ich bin der
Anstrengung nicht werth. Ich kann weder glauben noch lieben
auf eines Anderen Geheisß, weder beten noc mich verheirathen,
wwo es mich selber nicht dazu drängt; und was kiümmert es
Sie, woran ich jenseitdes Kanales glauben, ober meine Tante,
an wessen Seite ich dort leben werde? Denn daß ich Frank-
reich und dieses Haus verlasse, sobald ich die mir zustehende
Freiheit dazu erlange, daran, Herr Abb, zweifeln Sie wohl
selber nicht!
Und wer sagt Ihnen, Gräfin, fragte er sie, daß ich es
ersehne, Sie als die Gattin des Prinzen Polydor zu sehen, wenn-
schon ich Ihnen nie verhehlte, daß ich mich glücklich schätzen
würde, eine so mächtige und freie Seele wie die Ihrige zu
den Unsrigen zählen zu dinnfen?
Die Gräfin war überrascht. Nie zuvor hatte der Abbs
mit ihr über die Plane des Prinzen Polydor gesprochen; aber
sie faßte sich schnesl, und jene Andeutung ganz unbeachtet lassend,
sagte sie: Sie nennen meine Seele mächtig und frei! Was
kann die Macht und die Freiheit einer Seele ihrer Kirche nuzen,
die blinden Gehorsam gegenüber ihrer unumschränkten Herrschaft
fordert?
Wer herrschen will, bedarf der Menschen, die zum Herrschen
fähig sind! gab er ihr zur Antwort. Zum Gehorchen sind Viele
berufen, zum Herrschen werden einige Wennige erwwählt.

a.SD-
Und Sie gehören zu diesen Letzteren, nicht so, Herr Abbs
meinte Eleonore mit gewohnter Keckheit.
Der Abbä folgte jezt dem Beispiele, das sie selber ihm
gegeben hatte. Er überhörte geflissentlich den Ton, mit welchem
sie diese Frage an ihn richtete. Ich hoffe mich durch Unter-
ordnung unter die Weisheit der Herrschenden zum Herrschen ge-
schickt zu machen, Gräfin! gab er ihr zur Antwwort.
Sie halten also Herrschaft fir ein Gllck?
Ich halte die Herrschaft für die höchste Befriedigung, die
dem Menschen zu genießen verliehen ist, und ich erachte es als
die höchste Tugend, wennn ein zum Herrschen geborener Mamnn
durch die Schule der Selbstbeherrschung und der Unterordnng
sich dazu befähigt, fir gute und edle Zwecke, füür die höchsten
Ziele, die Herrschusl ihen jee ugessrurr nud uungesculle Masse
Zl gewinnen, die, sich selber überlassen, zu jede Irrlhumne, z
jeder Ausschweifung, zu jeglichem Verbrechen zu verführen ist.
Oder ersehnt Ihr Herz die Vorgäinge und die Zeiten wieder,
welche vor unserer endlichen Nückkehr dieses arme Frankreich
heimgesucht haben?
Der Abb wuszle, wam er die Neize der Herrschafi anpries.
Auch hatte die Gräfin ihm mit tiefem Ernste zugehört.
Sie sprechen von Zielen, wie sie dem Manne winken.
Wo ist uns Frauen die Möglichkeit zu jenem Thun eröffnet,
das Sie als die höchste irdische Befriedigung bezeichnen? ver-
setzte sie darauf.
Der Abbö schwieg, als ob er sich scheue, ihr seine Meinung
auszusprechen; endlich sagte er: Ihre Kirche, gnädige Gräfin,
erkennt auch der hochbegabtesten Frau, wenn sie nicht zufällig
auf einem Thron geboren ist, freilich kein anderes Regiment,
als das in ihrem engen Hause zu. Die katholische Kirche, in
der die jungfräuliche Mutter Gottes der Gegenstand der heiligsten
Verehrung ist, hat aber zu allen Zeiten die hervorragenden

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Frauen auszuzeichnen, an ihren Plaz zu siellen und große Ge-
walt in ihre Hände zu legen getrachtet und verstanden. Ich
weiß es, Sie kennen die Frau Aebtissin der heiligen Schwestern
zum Herzen Jesu. Glauhen Sie, das: diese fürstliche Frau sich
entschließen könnte, die Würde, die sie in unserer erhabenen
Kirche einnimmt, die Machi, welche in ihre Hände gelegt ist,
den Einfluß und die hohe Verehrung, deren sie genießt, mit
irgend einem Vechältnisse, wie die weltliche Gesellschaft ihr es
bieten möchte, zu vertauschen?
. Selbst wenn ich Katholikin wäre, würde das Kloster mich
nicht locken; würde die Macht innerhalb der höchsten Beschrän-
kung, die Herrschaft in den Banden des Zwanges und der
Abhängigleil mir leine Geuugthnung bereilen! versicherte die
Gräfin. Herr zu sein üiber mich selbst, Herr zu sein in jeder
Siuunde iber jebe meier Gischlieszuuugen, das allein isl es, wo-
nach ich lrachte, und . - -
Und was Sie sicher nichl erreichen werden, gnädige Gräfin,
fiel der Geisiliche ihr in das Wort, wenn Sie, Sich dem Willen
der Frau Herzogin fügend, den Prinzen Polydor zu Ihrem
Gatten wäihlen.
Er war mit dieser Wendung wieder auf den AusgangS-
punkt ihrer Unterredung zurückgekehrt, und ihn mit fragendem
Erstaunen anblickend, zdgerte die Gräfin, ihm eine Antwort zu
geben.
Der Abbe störte sie in ihrem Neberlegen nicht. Er wußte,
daß von der Fürstentochter bis herab zur niedrig geborenen
Magd nicht leicht eine Frau der Versuchung widersteht, sich über
ihre Herzensangelegenheiten und Ehestandsaussichten mit einem
bedeutenden Manne zu besprechen, wenn dieser in denselben
nicht betheiligt ist, und er hatte mit Sicherheit Eleonorens Frage
erwartet, womit sie den Antheil verdiene, den er ihr beweise.
Aber auch er ließ sie seine Antwort jetzt erwarten, und
F. Lewald, Von Geschlecht zu Geschlecht. Ül.

Oc
erst nach längerer Zeit, in der er mit sich zu Nathe gegangen -
zu sein schien, sagte er: Sie sind so jung, gnädige Gräfin,
daß man sich immer wieder auf dem Fehler ertappt, an Sie
die Maszstäbe anzulegen, nach welchen man die Mehrzahl der
Frauen, die gewöhnlichen Jungfrauen in Ihrem Alter zu messen
gewohni ist. Dieseu Fehler habe ich lange Zeit begangen, und
Sie haben ihn uir uni! einem Misziruen ongzilen, dus ich
mit Beschämuung als ein verdientes anerlenneu muss. Wollen
Sie mir diesen Fehler verzeihen, wollen Sie uir vergöunen,
ahnen ruhig auuSeinander zu sezen, in welcher Lnge ic uuich
Ihnen gegenüber besinde, so werde ich Ihnen für das Erstere
von Herzen danken und bin ich zu den Lrhzteren bereik.
Der Abbü halte bis dahin vor Eleonoreu geslanden. Iezt,
als sei er l-- w-i----6ng gewiß, rückte er einen Lehnstuhl
sw-o= psspsifn
für sie herbei, nahm einen Sessel ihr gegenüber ein, und er
sah dabei mit besonderer Genugthuung, wie die Mienen der
Gräfin sich geändert hatte., wie sie mit Spannung in seinem
=ße zu lesen strebte, was er ihr zu sagen haben könne.
sss
Es würde mir und meinem Amte übel anstehen, hob er
s, E s.i-
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nau, urzem Ueberlegen an, wenn -« zd aussprechen wollte, -
was die Gesellschaft der Sie ungebenden Männer Ihnen täglich
und unablässig wiederholt, daß Sie an Schönheit die anderen
Frauen überragen, daß der Mann gluu.c zu preisen sein würde,
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dem es gelänge, Ihre Lebe und n.. dieser den Besiz Ihrer
=ss
Person zu gewinnen. Aber ich trage daneben kein Bedeuken,
Ihnen zuzugeben, was Dn, ich weiß es, von Seiten Ihrer
D
,.uheren Erzieherin u aees geistlichen Berathers ebenfalls oft
»K ws,
s=-?
genug wiederhs. werden mag, daß eine junge Frau von Ihrer
ungewöhnlichen Begabung, von Ihrer Selbständigkeit und von
Ihrem grosen und unabhängigen Vermögen der Beachtung
unserer Kirche nicht entgehen konte. Wer überzeugl -, die
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=--=-=- zu kennen ui.d zu besizen, mus, wenn er kein Elender
MKs.is.is

Hez?
- - == Fa s -==
--- . -=tzutheile. -e vor Allem diejenigen derselben theil-
: :snR.
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haftig zu machen winschen, von denen er erwarten -u-, daß
d,fs-s
is- :--=- .lgent fir d. -=Irheit werden können. Wer die
ss ss-s=-s. D
. ,s
Herrschast als ein ihhu von Golt verliehenes Rechi ansicht, muuß
nach den Mitteln irachten, welche ihm dak Herrschen uöglich
macen, und ic bin viel zu sehr von dem heiligen Nechie unserer
Kirhe i!erzruzzl, virl zu sehsr vou ihsren ulleinseligzahseündennu
Krasi duirihdrunezen und von der erhalanei Aufgale beglici,
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die mein Aul mir auuserlegk, als das: ic ansiehhen soll... .h --
zu beleuen, wie es uein heis;er Wusc, mei heis;er Wunsch
ss:iiin,ss H1
aewesen isl, eine Frau von Ihrer hohen und rige-=-- -- =e-
galug, vo Ihre fiirsilichei Vermögze -- deu welili.her Besiz
aiebt Mact --- in die Neihen unserer Gekenner ---- - --- 1=
pisf ips
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dos- ?s,-isbss ,s.=
-«s ssif.z- g,s. -
10 1IhO10 11Jlil., ; - pC =- - jzh-=---- ==p Zll =- ---= --=-e=-
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=- --=- - wäihltenn gesellen zu sehen, wwelche - -=-- -- -y,
-- -- -=-- --- was der menschlichen Schwache angemessen ist
s-ois s-s- imissSis
und wohlthnt.
Er he.. e und sagte dann mit eiem leisen Seufzer,
-ls i:
-ssss--f-d - E,s,
doz s,isnp sfsJfs
sis?s C,-s.- Hie
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=- - ;- --- - -e :alil.g---===gGgz-- j-p- -oll sz--- - zug be,
wie ich uit Beschämung erkente, denn eines Irrthums hat der
--; - ==uil Ics sehß zg===--- ---»z --s- --=- s=-ss- V ii
v-.sz gsH,in
sFIiof- -ns- zieif - s»-s s,szis- Gr,fsz
--»-- getragen, ch habe Sie nicht richtig beurtheilt. Ihr Sinn
s, zizs»--Z nmpssz sss s..sso - oe w»l-enk
Fss onino znH
ss s- ss»z- - z -=h , ßhH pus sss = =- ==szz»j==- »= z -K =» »zss
nicht nach Herrschaft, er scheut nn vor persönlicher Abhängigkeit
doz sCsg.- siis dosss
Fu-- --=«, uD Elstey sy!czO! lw.- = -==-- -- = - ==- --= =-=ss
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Prinzen nicht entgehen, denn der =-=1 h- -= seiner ge-
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s»s-----s=e«. .Mgülgfletl le üs-z- z,=- ;»»n-=z- s--- »-==-==--
Es entstand eine Pause; der Abbe war anscheinend von
dem Gegenstande seiner lezten Erörterungen abgekommen, als
er die Rede noch einmal auuf Elevnorens Verbindung mil dem
Prinzen lenkte. Aber sie beachtete das nicht. Man konnte sehen,
daß ihre Gedanlen mit irgend einem Gegenstande lebhaft be-
rh z

HHE
=== Fs gs L.? -
schäftigt waren, denn sie schauke schweigend vor sich hin, ohne
ihre Blicke auf ihrer Umgehung haften zu lassen, und erst nach
einer Weile, während welcher der AbbH sie sich selber überlassen
hatie, fragte sie, als lomme sie auf diesen Pult nur zufäslig
zuriick oder als benuhe sie die Frnge nnr, um den eigenilichen
odeii der Ulmnlerhhallg z nermneiden Sie haben also die
Muller beE Prlnizes iih gzrluiil'?
Welche Frage, Gräfin! euhgegneie der Geistliche, indem er
mil sorschende Blicke ausuh.
Eleonore besann sich. Freilich, freilich, rief sie, der Prinz
älter, sehr viel älter, als Sie, und die Füirstin von Chimay
ist noch jung geslorben !
Der frühe Tod der Frau Fürstin, meinte der Abbe be-
deutsam, hinderte mich nicht, die Mutter des Prinzen Polydor
zu kennen, und Sie selber, Gräfin.. -
Er hielt inne; Eleonore sah ihn forschend an. -- Ich
verstehe Sie nicht, Herr Abb, sagte sie, aber ich bemerke, daß
Sie mir eine Mittheilung zu machen denken, auf die Sie mich
langsam vorzubereiten suchen, oder daß Sie Sich überzeugen
möchten, ob ich von irgend welchen Verhältnissen unterrichtet
bin, die Sie, vielleicht als ein Geheimnisß, kennen gelernt haben.
It beiden Fällen musß ich Sie bitten, Sich bestimmter auszu-
sprechen, denn ich wiederhole es Ihnen, ich verstehe Sie nicht.
Der Abbe lächelte. Sie wollen mich glauben machen,
Gräfin, sprach er, das Ihnen, Ihnen allein die Beziehungen
verborgen geblieben sein sollien, in welchen Prinz Polydor zu
diesem Hause und dadurch auch zu Ihnen steht; und doch konnie
nur Ihre Kenntniß dieser Umstände mir es bisher erklären,
was Sie bewog, der Bewerbung des Prinzen, wenn Sie über-
hausi gewilli sied, Sich zu vermählen, kein Gehhör zu schenlen.
Eleonore hatte die Farbe gewechself; sie preste die Lippen
fest zusaunen, wollie eiue Frage thun, unierdrückte sie aber

-- 1--
und sagte dann: . befinde mich in diesem Augenblicke Ihnen
N7F
gegenüber in einer Lage, die mich demüthigt und beschämt. Ich
habe es Ihnen nie verborgen, Herr Abb, baß Ihr Amt, daß
die Trachi des Ordens, die Sie iragen, mnir ein Vorurtheil,
ein Miszlrauen gegen Sie gegelen halen, w.e uir dieselben selt
mei:ier snüshsnslme Izpeu einzeslissl wurden sih, Jetzl leweisen
Sie mir einen Alheil, den ich mir erllüren lönnle, hälie ich
Ihnen nicht meine' entschiedene Abneigung gegen Ihre Kirche
ausgesprochen; und ohue daß diese Abneigung oder jenes Miß-
trauen im geringsten nuur veränderi wären, bin ich genöihigt,
Sie mit einer Bilie anzugehen und von Ihnen Aitfschlisse zu
begehren. Wollen Sie mir, damit ich dieses thun kann, eine
Frage aufrichtig beantvorten?
Der Abbe erwiederte, daß sie zu befehlen habe und daß
sie auf seine Wahrhaftigkeit vertrauen könne.
Nun denn, sprach sie, so sagen Sie mir unuumwunden:
was veranlaßt Sie, Sich um mein Schicksal zu bekümmern, da
und nachdem ich Ihnen ausgesprochen habe, daß Sie nicht darauf
rechnen dirfen, mich zu Ihrer Kirche zu bekehren? Was liegt
Ihnen daran, was aus mir wird oder wem ich mich verbinde,
sofern ich nicht katholisch werde und mich Ihren Ansichten und
Hoffnuungen nicht füge? Was bin ich Ihnen, Herr Abb8?
Der Abbü richtete seine dunkeln Augen, deren schönen
Glanz die langen Wimpern nur erhöhten, ruhig auf die ihrigen
und sagte: Ihre Frage erheischt von mir eine Antwwort, die ich
..hnen nicht geben dürfte, wenn ich meiner nicht so völlig sicher
wäre. Was Sie mir sind?-- Er schwieg und betrachtete sie
unverwwandt; dann sagte er: Fragen Sie jeden Mann, der sich
Ihnen naht, was Sie ihm sind?-- Und abermals hielt er
inie. Sie wolllen mich herausfordern, Gräsin, sprach er daun,
indem er sich hoch und stolzer hob, und sein miileidiges Lächeln
glitt strafend iber sie hinweg, Sie wollten mich herausfordern,

OHA
Gräfin! Sie wollten Sich die Genugthuung bereiten, einen -
Geistlichen der von Ihnen mißachteten Kirche sich und seinem
Eide untreu und zu Ihrem Sclaven werden zu sehen; schade
nur, das ich Ihnen diese Genugthuung nicht zu bereiken vermag!
Eleonore zuckte zusammen, ihre Wangen erglühten in der
dunkeln Nöthe dek Scham; sie versuchke ihre Blicke, seinem
Worte trozend, zu dem Geistlichen zu erheben, aber sie ver-
mnochie es nichi. Er lies; sie eine geraume Zei! uiler dem
Drucke der ersten Demiüthigung, die sie erfuhr. Als er sah,
wie tief sein Vorwurf und diese Erfahrung sie gelrosfen hatien,
nahm er ihre Hand und sagle wie in erbarmendem Vertrauen:
Ic habe Ihnen die Wahrheil, eine volle Wahrheil verheisßen,
und ich habe keinen Grund, Ihnen irgend elwas von demjenigen
vorzuenthalten, was Sie zu wissen begehren. Ich wiederhole e
Ihnen also ohne jegliches Bedenken, Ihre vollkommene Schön-
heit. pre stolze Unabhängigleit haben auch auf uich ihres
A.
Eindruckes nicht verfehlt. Der Eid, der uns von allem Be-
gehrendürfen und Verlangen abtrennt, verbietet und verhindert
das Sehen, das Erstaunen, das Bewunndern nicht; aber wer
aus voller Ueberzeugung sich einem großen Gedanken, einem
die Welt umfassenden und über das Leben hinausgehenden
Zwecke hingegeben hat, der findet keinen Naum in sich für per-
sönliches Wünschen, der erlernt es, auch das Schönste und Be-
gehrenswertheste nur als ein Mittel für den einen großen Zweck
zu betrachten, und alles, was ich meiner Phantasie verstattet,
was ich meinem Herzen zugestanden habe, als ich Sie in Ihrer
von Gott begnadigten Erscheinung mit Ihrem fir das Große
geschaffenen Siime vor meinen Auugen Sich entfalten sah, war
der Wunsch, der heiße Wunsch, Sie diese großen Gaben nicht
auf kleinliche und Ihrer selber unwütrdige Weise verwenden und
verschwenden zu sehen. Eine Eleonore Haughton ist für die
Gewöhnlichkeit des Frauenlooses nicht geschaffen!

-- Lß! ---
Er hatie ihre Hand nach festem, männlichem Drucke frei-
gegeben, als habe er ihr nun alles gesagt, was ihr zu wissen
nöthig sei. Er sah sich nach seinem Huute um; auch Eleonore
hatte sich erhoben. Als der Abbs sich von ihr wendete, ließ
sie ihr Auge über seine Gestalt hingleiten, nnd sie gestand sich,
dasß er schön, ja, daß er unter den Männern, die sie kannte,
vielleicht der schönste sei. Wie ein Lchtstrahl, hell und fli:chtig,
zuckle der Gedunle durch ihreii Geist: warum ist er nichl frei?
warum trennt der Glaube ihn von mir? -- Und in dieses
Bedauern mischie sich zum ersten Male in ihrem Leben ein
Mitieid mit sich selbst. Sie fihlte es, das sie schon lange ihrer
Erzieherin überlegen, das; sie sleis sich selber iherlassen gewesen
sei. Sie kam sich plözlich einsam und des Nathes sehr be-
dirftig vor und als der AbbI sich von ihr entfernen wollte,
sagte sie sich, daß sie diesen Augenblick nicht vorübergehen, den
Geisllichen nicht mit dem Glauben scheiden lassen dürfe, das: sie
kleiner und geringer sei, als er sie geschätzt habe.
Herr Abb., hob sie an, eine Unterredung wie die, welche
wir eben gehabt haben, ist sicherlich keine gewöhnliche zwischen
einem Geistlichen Ihres Alters und einem Mädchen von meinen
Jahren, das Sie als eine Kezerin betrachten. - Sie versuchte
zu lächeln, aber sie war viel zu erschüttert, irgend etwas scheinen
oder darstellen zu können, was sie nicht empfand. Dem Abb.
entging das nicht, er behielt den Hut in der Hand und stüzte
sich auf die Lehne des Sessels, der sie von einander trennte,
während er sejn Haupt leise neigte, um sie mit seinem Blicke
in ihren Mittheilungen nicht zu hindern.
Sie wartete auf irgend eine Entgegnung von seiner Seite;
da er eine solche unterließ, sprach sie: Ich will Ihre Voraus-
sezungen gelten lassen, will nach Ihrem Worte von mir anneh-
men, was ich oft in mir gefühlt zu haben glaube, daß mein
Sinn nicht unwerth wäre, sich auf ein großes Ziel zu richten.

--- 1R ---
Sint Sie iberzeugt, das: mir eine grosie, eine wirksame Thä-
tigkeit, daß mir Macht und Einflusß und Befriedigung in dem
Bereiche des Lebens nicht geboten werden können, in welchen
meine Geburt und mein Besiz mich siellen?
Das wird, wie ich Ihnen, theure Gräfin, schon vorhin be-
merkte, einzig und allein von Ihrer einstigen Entscheidung über
Sich selbst abhangen! entgegnete er ihr bestimmt, und wieder
entstand eine Pause, die zu beenden der Abbs sich weislich hütete.
Er kannte den heftigen Charalter, die leidenschaftliche Natur der
Gräfin und wußte, daß Niemand von einem fremden Willen
so schnell vorwärts, so über sein eigentliches Ziel hinausgetrieben
wird, als von der Ungeduld des eigenen, an Warten und Er-
tragen nicht gewöhnten Herzens, und er hatte sich auch diesmal
in seinen Voraussetzungen nicht getäuscht. Denn mit einer Miene,
in welcher ihre Selbstiberwindung und ihre feste Entschlossenheit
sich verriethen, sprach sie plözlich: Sie haben mir eine Auf-
richtigkeit gegönnt, die mich stolz macht und mich Ihnen zu
Dank verpflichtet, Herr Abbi! . räume Ihnen ein, daß Sie
,
meine Natur besser erkannt haben, als die Andern alle; aber
die Straße, die Sie mich fithren möchten, werde ich nicht gehen!
Hindert Sie das, mir die Hand zu bieten und mir beizustehen
aus dem Wege, den ich ir erwähle ? Ic hale der Verehrer,
seit ich in die Gesellschafi eintrat, nicht enibehrt; einen Mann,
der sich beschieden hätte, mir ein Freund zu sein, habe ich nicht
gefunden! Können, wollen Sie mir ein Freund, ein Berather
werden? Ich brauche einen solchen, und -- ich vertraue Ihnen!
fügte sie mit einer Miene und einem Tone hinzu, die selbst auf
den Abbe, so ruhig und mit so viel Selbstbefriedigung er sie
betrachtete, ihre Wirkung nicht verfehlten, weil die ganze Ueber-
windung, die sie in sich vollzogen hatte, sich in ihnen kund gab.
Sie hielt ihm die Hand hin, er ergrif sie auf's Neue mit
einem festen Drucke, als habe er es mit einem Manne zu thun.

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Ich danle Ihnen, Gräsin! befehlen Sie iibur uich! - Tas
war alles, was er ihr zur Antwvort gab. Aler Eleonore ward
von seinen Worten tief erschüttert. Sie konntr sich nicht er-
klären, was sie so bewegle, sie inuszte sich sammeln, sich zusau-
mennehmen, und es war endlich nur das Bestreben, von s.ch
selber loszukommen und Herr über ihre innere Aufregung zu
werden, welches sie bestimmte, die Frage nach der Mutter des
Prinzen zu wiederholen.
Sie sezen mich gleich auf eine schwere Probe, meine junge
Frrundin, sagte der Abbe, denn ich lauufe Gefahr, das eben
von Ihnen erlangte Zuutrauen zu verlieren, wenn ich Ihnen
mittheile, was ich allerdings nicht als ein Geheimniß, sondern
aus der Mitwissenschaft der Zeitgenossen über jene Verhältnisse
erfahren habe. Prinz Polydor steht Ihnen näher, als Sie
-wissen oder ahnen, meine theure Gräfin, und eben das ließ mich
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Sie verhießen mir die Wahrheit und sprechen in Näthseln
zu mir! beklagte sich Eleonore, wie soll ich Sie verstehen?
Der Abbä sah auf den breiträndigen, zusanmengeschlagenen
Hut hernieder, den er in seinen Händen hielt. E sind kranrige
Ereignisse, es isi eine schwere Siinde, von denen Sie Kunde
begehren, sagle er, und doch uissen Sie erfahren, was Sie
nur zu nahe angeht und was außer Ihnen kaum für Jeman-
den ein Geheimniß ist. Es hat durch lange Jahre, noch bei
Lebzeiten des Herrn Herzogs von Duras, ein Liebesverhältniß,
eine heftige Leidenschaft zwischen der Herzogin und dem Fürsten
von Chimay bestanden, welche eine stillschweigende Trennung
der herzoglichen Ehe veranlaßt hatte, lange ehe die Frau Her-
F zogin ihres ersten und einzigen Kindes genas. Der Herzog
hatie also vollen Grund, dieses Kind nicht als das seinige an-
zuerkennen; der Fürst hingegen wünschte, sich den Sohn der

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geliebten Frau anzueignen, und diese verlangte für ihren Sohß!
nach einer Stellung. wie seine Abstammung sie ihm gesicher
hätte, wäre seine Geburt eine rechtmäsige gewesen. Man kanF
also auf das Auskunftsmittel, den Neugeborenen einer AnderenZ
einer Fremden unterzuschieben. Freunde der Fran Herzogin und
des Fürsten fanden in der schönen, brustkranken Tochier einer
herabgekommenen Familie die Person und die Willfährigleihs
deren man bedurfte. Die Herzogin gebar in einer kleinen schwei-
zerischen Stadt den Prinzen Polydor, Fräulein von Merrieu;'
wurde dem Fürsten von Chimay hier in der Carmeliter Kirche!
angetrant, der Füirst sicherte ihren Eltern ein namhaftes Ver'
mögen zu, das firstliche Ehepaar begab sich nach der Schwei,
den Sohn der Herzogin persönlich in Empfang zu nehmen, und'
diese mochte sich darauuf Nechuung gemachl halen, nach dem vor-
aussichtlichen Tode der jungen Fürstin sich ihren Sohn als
Ks
Pflegesohn aneignen zu können.- Der Abbs hatie diese==e
sachen nackt und trocen hingestell.. .Ik machte ek eine kleine
s E,s
Pause, und ruhig und nachdenklich hob er dann auf's Neue zu,
erzählen an. Des Menschen Gedanken und des Herrn Wege
sind gar oft verschieden, sagte er, und auch in diesem Falle
bewährte sich die allwaltende Gerechtigkeit des Herrn. Widek
alles menschliche Voranssehen stellte Gott die Gesundheit der
Fürstin, die sich fir die Ihrigen geopfert hatte, völlig wieder
her, und er wendete ihr auch die ganze Neigung ihres Gatten,
die volle Liebe ihres Pflegesohnes zu.
den Armen seiner edeln Gemahlin, auf
wählt hatie. Ihre Frömmigkeit suchte
Der Fürst vergaß in
welche Weise er sie er-
durch Buße sein Ver-
gehen zu sühnen, und als wenig Jahre danach der Herzog von
Duras das Zeitliche verlies;, fand die Frau Herzogin sich von
dem Genossen ihrer Sünde, wenn nicht vergessen, so doch auf-
gegeben. Erst nach dem Tode der gottergebenen Frau Fürsiin
stellte die alte Freundschaft zwischen Ihrer Frau Tante und

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Jem Fürsten von Chimay sich allmählich wieder her, und Sie
Fwerden es, da Sie die Frau Herzogin ja kennen, nur begreiflich
finden, wie viel ihr daran gelegen sein msß Sie, die Sie ihre
Frechtmäsige und einzige Erbin sind, mit dem Püinzen Polydor,
fmit ihrem Sohne, zu verbinden.
Eleonore war dem Berichte des Geistlichen mit höchster
kSpennng, mit groser Afregung gefolgt. N, da er seine
ßErzählünng beendet hatte, leuchtete eine unheimliche Frende aus
ßihren Augen.
z Ja, Sie sind mein Freund! rief sie triumphirend aus,
F Sie sind mein wahrer, mein einziger Freund, und Sie sollen
zes sehen, das: ich Ihres Vertrauuens nicht uuwerth bin, Herr
ßWb! Aber mich brauchen lassen wie Fräulein von Merrieux?
Mich brauchen lassen. um Ihren Fehltriit guut zu machen und
,Ihrem Sohne sein Erbe zuzuwenden? - nimmermehr, Frau
sHerzogin, nimmermehr ! Dazu ist Eleonore Haughton nicht
fgemacht! - Noch einmal meinen Dank, mein Freund, mein
hedler, mein großmüthiger Freund! wiederholte sie dem Abbe, und
sich dann plözlich von ihm wendend, verließ sie das Gemach.
ß Der Abbe sgh ihr schweigend nach. Er war mit sich zu-
eeden, und wie ein sieggewohnter Mann das Gelungene er-
goägend, dasjenige, was jezt zu leisten war, bedenkend, ging
fauch er von dannen, um ruhig und in sich gefaßt, wie immer,
der Fran Herzogin seine gewohnte Aufwartung zu machen.