Von Geschlecht zu Geschlecht. Roman in zwei Abtheilungen. Neue, von der verfasserin veranstaltete, revidirte Ausg.
Fanny Lewald
Kapitel 12

Zwölftes Capitel.
öthh eine Welt ist das! rief Nenatus innerlich aus,
als er sich wieder auf der Straße befand. Aber es gilt, sich
durchzuschlagen! fügte er hinzu - und sich durchzuschlagen, war
er glücklicher Weise ja gewohnt.
Sein Lebensmuth war entschieden im Wachsen. Er war

in sich beruhigt ülber die Haltung, welche er gegen seinen Onkel
behauptet hatte, und wenn er es sich recht überlegte, war es für
ihn kein Unglück, vielmehr ein Gewinn, daß es zu einem ent-
schiedenen Bruche zwischen ihm und dem Grafen gekommen war.
Der Graf liebte es, sich als einen Beschützer darzustellen;
er hatte in den Zeiten der Franzosenherrschaft sich an ein zwei-
ihren eigenen Lebensverhältnissen mancherlei zu verbergen haben,
äußerst scharf; was konnte also für des jungen Freiherrn Fa-
milie aus einem Zusammenhange mit diesem Manne Heilsames
erwachsen?
nicht ab, daß er jetzt noch in die Lage kommen könne, desselben
zu bedürfen. Seine Vermögensverhältnisse ordnete er in der
durchgreifendsten Weise selbst, mit dem Kommandeur seines Ne-
gimentes hatte er immer auf das beste gestanden, und er hatte
gleich bei dem ersten Besuche von demselben erfahren, daß wirklich
l
?


?
Den Schuz und Einfluß des Grafen irgendwie in Anspruch
nehmen zu wollen, war sein Neffe weit entfernt; er sah auch
l

deutiges Vermittleramt gewöhnt, er war müßig, sah viele Leute,
beobachtete, wie alle diejenigen, die kein gutes Gewissen und in
t
t


t

z
k
K
lt
i
s;

A
I-
l
?

z -
-- 15 --
eine grose Anzahl von Dienstentlassungen und von Abschieds-
gesuchen im Werke, also filr das Heraufrüicken der jiingeren
Offiziere die günstigsten Aussichten vorhanden seien. Wozu
konnte ihm der Oheim denn auch nützen? Ihn, der Cäcilie nicht
freundlich, der Vittoria feindlich gesinnt war, der von der inneren
Familiengeschichte des Arten'schen Hanses weit mehr als gut war
wzßte, nicht in seiner Familie aufnehmen zu dürfen, dünkie den
Fieiherrn ein weseuilicher Vorkheil zu sein. Wendete Hildegard
sich von der Schwesler ab, schloß die Muiter sich mehr an die
,hr bleibende, als an die verheirathete Tochter an, so waren das
Dinge, die eben nicht zu ändern waren, und auf einen recht
verträglichen Verkehr zwischen Vittoria und jenen beiden Frauen
hatte Nenatus sich ohnehin nicht Nechnmng machen dürfen. Es
war also am besten, wie es sich eben gefügt hatie, und er konnte,
nachdem der Einzug seines Negimentes voriber war, gleich an
seine wichtigsten Geschäfte, an die Vorkehrungen für seine Ver-
heirathung gehen.
Man hatte die Hochzeit, um nicht in zu später Jahreszeit
reisen zu müssen, auf die ersten Tage des Oktober verlegt;
Nenatus hatte also für seine Besorgungen keinen weiten Spiel-
rgum vor sich. Er war froh, als er in einer ihm passenden
Gegend eine Wohnung gefunden hatte, welche ihm die nöthigen
Bequemlichkeiten für alle Betheiligten neben jenen größeren
Näumen darbot, deren man für eine schickliche Geselligkeit be-
durfte. Nur für Valerio wollte sich, wenn man ihm, wie seine
Mutter es gewünscht hatte, einen Erzieher annahm, kein rechtes
Unterkommen in dem Hause finden, und wie jeder, der an neue
Verhältnisse herangeht, nach dem alten Sprüchworte oft ge-
zwungen ist, aus der Noih eine Tugend zu machen, ließ Re-
natus sich von dem ihm nahe befreundeten Adjutanten seines
Regiments -Chefs, mit dem er gelegentlich von seinen Planen,
von seiner Einrichtung und von seinen kleinen Verlegenheiten
S = -= -=- »Seass- -=se zzüs

- 15L-
sprach, dahin überreden, -ß es für den durch mütterliche Schwäche -
in jedem Betrachte verwöhnten Knaben fraglos das Angemessenste ,
sein würde, ihn von Hause zu entfernen, und daß Renatus also
mit seiner ursprünglichen Jdee, ihn einer öffentlichen Erziehungs-
Anstalt zu übergeben, das Richtige für ihn getroffen habe. Die -
Kadetienhäuser waren nach den Kriegen in sihren Einrichlungen -
wesentlich verbessert worden ; Valerio zu einem: Siudium zu
überreden, welches ihn für den bürgerlichen Staatsdienst geschickt -
machen konnte, hielt Nenatus bei der Art des Knaben nicht für,
angebracht, und da es in einer neuen, jungen Ehe in keinem '
Falle bequem war,Zeinen solchen frühreifen Burschen zum täg- -
lichen Gesellschafter zu haben, machte Nenatus seine Stiefmutter
und den Knaben mit seiner Absicht bekannt, ihn in eine der !
militärischen Erziehungs-Anstalten zu bringen, um ihn sein Heil s?
einmal im Heere, dieser Zufluchtsstätte adeliger Mittellosigkeit -
s
und jüngerer Brüder, versuchen zu lassen.
Mitten in diesen Vorkehrungen kamen denn allmählich auch'-
die großen Wagen voll Hausrath und voll Möbeln an, welche --
Renatus, um der neuen Wirthschaft und dem neuen Hause das --'
alte, würdige Gepräge zu geben, von dem Schlosse nach der -
Stadt kommen ließ. Nenatus wollte die großen Spiegel, sofern -
sie sich in die kleineren Zimmer des städtischen Hauses einfügen
ließen, er wollte die schönen Möbel und Geräthschaften, die guten,
alten niederländischen Landschaften, die italienischen Statuetten
und vor Allem die Bilder seiner Eltern und Großeltern nicht - -
entbehren; er wollte die alten werthen Erinnerungen mit sich in
die neue Lebenslage hinübernehmen. Er hing an diesen Gegen- -
ständen, er hatte zudem auch in dem Palaste der Herzogin er- -
fahren, wie wohlihuend das Althergebrachte in der Ausstattung-
eines Hauses wirke, und mochte der neu erworbene Neichthum
der emporgekommenen bütrgerlichen Gesellschaft ihr auch jede Art
von Luxus zugängllch machen, gegen die Wülrdlgkelt einer solchen-z
R
-

==- PJZ --
F überkomuekenen Einrichtung erschien alles kalt, was der Tapezierer
, und die Magazine an Neuigkeiten liefern konnten.
Mit wachsendem Behagen sah er aus den leeren Räumen,
, die er gemiethet hatte, allmählich die schöne Wohnung entstehen,
j in welcher es ihm mit der Geliebten wohl werden sollte, und
f es fügte sich eigen, daß er eben an dem Tage, an welchem er
j die lezlen Schrnke i die Zimmer seiner zuklinfligen Frau
s stellen ließ, einen Brief Cdciliens erhielt, in welchem sie ihm
s erzählte, daß sie gestern, wo man zu einer größeren Gesellschaft
s in die Nachbarschaft gefahren sei, zum ersten Male den Schmuck
h habe anlegen wollen, den er ihr gesendet. Er sei jedoch für alle
s ihre Kleidungsstücke viel zu prächtig gewesen, und sie habe sich
h also das Vergnüigen vorläufig versagen müüssen.
Daran hatte der Bräutigam allerdings nicht gedacht; indeß
s
, nun er darauf, wenn auch sicher absichtslos, hingewiesen wurde,
ß mußte dem Mangel nothwendig abgeholfen werden. Renatus
F hatte sich es ohnedies von der Gräfin erbeten, für Cäcilie die
F ganze Ausstattung besorgen zu dürfen, damit der älteren Schwester
F nichts von dem, was ihr bestimmt gewesen sei, entzogen werde.
s
t
l
T
?
k
Die verhältnißmäßige Dürftigkeit Cäciliens rührte den Liebenden
deßhalb nur noch mehr, und da die leeren Schiebladen und
Schränke nach einem Inhalte förmlich zu verlangen schienen,
machte er sich ein Fest daraus, sie in einer Weise anzufüllen.
welche der Geliebten nichts zu wüünschen übrig lassen und der
jungen Frau von Arten die Möglichkeit gewähren sollte, ihrem
Stande gemäß in den Kreisen aufzutreten, in denen zu leben
K
NP.D-== ==
j, ßedern und Blumen, Jächer und Handschuhe auswählte und mit
F fast weblicher Sorgfalt in die Schränke räumte, sah er mit
s
vorgenießender Freude die Geliebte schon damit belleidet; und
weil er eben daran dachte, beschloß er, noch an diesem Tage
l
t:
n

-- P5F--
1
- sich um den Familienschmuck, den der Freiherr nach Vittoria's j
Angabe bei dem Ausbruche der Freiheitskriege in der königlichen P
Hauptbank niedergelegt haben sollte, erkundigen zu gehen. Den ,
Niederlegungsschein hatten die Frauen in Nichten nicht auffinden
z
könnenz es mußte aber in der Bank wohl zu ermitteln sein,
wann der Schmuck übergeben worden war, und Nenatus machte
sich also dorthin auuf den Weg.
Die Bankbeamten nahmen die Anfrage des Offiziers, des
Mannes mit. altem Namen, sehr zuvorkommend auf; man fand
auch den Niederlegungstag, wie es sich gebüührte, genau verzeichnet,
aber der Nücklieferungsschein lag daneben, und er ergab, daß
auf des Freiherrn eigene handschriftliche Anordnug der Schmuck
nach Jahresfrist dem Hofjuwelier des Königs Behufs einer Um-
fassung ausgehändigt worden war. Das war kurz vor dem s
Tode des Freiherrn gewesen, und sorglos, wie Vittoria in allen
solchen Dingen sich erwies, schien es nicht unmöglich, wenn schog
es auffallend gewesen wäre, daß die Diamanten sich noch in
dem Gewahrsam des Juweliers befinden konnten. Indeß diese
Erwartung zeigte sich als trügerisch. Der Juwelier hatte die
Brillanten im Auftrage des Freiherrn verkauft; die Berechnung
rrrerai
gezahlt hatte. Der reiche Arien'sche Familienschmuck, dieses F
Erbe, an welchem man von Geschlecht zu Geschlecht gesammelt F
hatte, war dahin, und Renatus durfte sich nicht einmal mit dem A
Gedanken trösten, daß es, wie so mancher andere Schmuck, für g,
1
die Befreiung seines Vaterlandes hingegeben worden war.
Es war ihm lieb, daß sein Dienst ihn an diesem Tage
ganz in Anspruch nahm; er mochte an den Schmuck nicht denken,
!

und es blieb ja auch nichts übrig, als sich die Angelegenheit
aus dem Sinne zu schlagen. Er freute sich nur, daß er für
Cäcilie die Saphire schon gekauft hatte, er würde sonst vielleicht
s
d
E

-- 1JJ--
des Muihes dazu ermangelt haben, und ganz ohne Schmuck
durfte seine junge Frauu in der Gesellschaft auch nicht auftreten,
wenngleich in diesen Zeiten sich gar Viele solcher Zier aus
Vaterlandsliebe entäußert hatten.-
Mit jedem Tage, den Nenatus vorwärks ging, befestigte
sich jetzt seine Zuversicht, daß Alles sich nothwendig zum Besten
wenden werde, und in der That nahten auch die Verhandlungen
über den Verkauf der Gliter sich einem günstigen Abschlusse.
Es war noch in der ersten Hälfte des September gewesen,
als Panl von der einen Seite und Steinert von der anderen
nach der Provinzial - Hauptstadt, kommend, in dem einstigen
Flieö'schen Hauuse eingeroffen wären, das der Baurath Herbert
an sich gebracht hatte, als Herr Flies nach der Nesidenz gezogen
war. Von Hause aus vermögend und durch Eva's väterliches
Erbe unterstützt, wie durch ihre Sparsamkeit und Tichtigkeit ge-
fördert, war Herbert von den Zeitereignissen verhältnißmäßig
weniger als die beiden anderen Männer in seinen Umständen
bedroht und beeinträchtigt worden. Auch die Feldzüge hatte er
nicht mitgemacht. Ein unglücklicher Fall, den er bei Besichtigung
eines Baues einst gethan, hatte ihm einen Armbruch und in
dessen Folge eine Schwäche des rechten Armes zugezogen, die
ihn zwar in seiner Thätigkeit nicht behinderte, es ihm aber doch
unmöglich gemacht haben würde, die Waffen zu tragen. Er und
k
seine Eva hatten sich also seit ihrer Verheirathung nicht viel
getrennt, und wenn die fünfzigjährige Frau den Titel und das
Ansehen ihres Mannes auch sehr wohl zu tragen wußte, so war
ihr von der frischen Fröhlichkeit des Landmädchens doch noch
genug geblieben, um es Jedem wohl und behaglich werden zu
lassen, der unter ihrem Dache weilte.
Jezt besonders, wo ihr Aeliester, der, wie ihres Bruders
Sohn, kaum dem Knabenalter entwachsen, in das Feld gezogen,
f nun endlich wieder in die Heimath zurückgekehrt war und wo

,
-= 15ß -
sie Adam und Tremann zu Gästen hatte, war sie recht in ihrem
Elemente. Die schönen Augen blickten hell aus den weißen
Spitzen ihrer neuen Haube hervor, die breiten rosa Bindebänder
umgaben das rundeste Kinn; und die Grüibchen in den freilich

etwas zu stark gewordenen Wangen blieben den ganzen Tag
sichkbar, weil die glückliche Hausfrau aus dem still zufriedenen
Lächeln nicht herauskam. Jeder sollte es ganz nach seinen Be-
dürfnissen und Wünschen bei ihr haben. Der Bruder mußte
- seine Leibgerichte auf dem Tische finden, der Sohn sollte es
merken, dasi es, wie schön es in Frankreich, in Berlin und in
all den großen Städten und schönen Gegenden auuch gewesen
sein mochte, doch im Vaterhause stets am besten sei; und daneben
wollte Eva es dem Herrn Tremann auch beweisen, daß man in
der Provinz ebenfalls zu leben wisse.
Die beiden Töchter, von denen die ältere auf Eva's aus-
drückliches Verlangen den Namen Angelika erhalten hatte und vg
der man in der Familie immer behauptete, sie sehe der verstorbenen
Baronin ähnlich, weil Eva vor der Geburt dieses Kindes immer
und immer daran gedacht hatte, daß dieses zweite Kind, wenn
es ein Mädchen sei, den Namen der Baronin führen solle, welche
einst Eva's und Herbert's Hände in einander gelegt hatte -
die beiden Töchter gingen in stiller Geschäftigkeit die Treppe
hinauf und hinab. Sie trugen das Sonntagsgeräthe, das feine
1
i
t
A

l
l
1

t
T
K
i
s
1
K
Krystall und die eingekochten Früchte auf die Tafel, die oben
1
ah'
im Saale schon gedeckt war; und unten in der Kiche glänzte e-
z !
der Nehrücken, welchen Steinert von Marienfelde mitgebracht ?
hatte, schon in bräunlicher Farbe an dem sich rastlos drehenden ?
Spieße, als in dem Arbeitszimmer des Bauraths die drei Freunde F
noch berathend bei einander saßen.
ls
Die Gutskarten, die Akten waren freilich schon bei Seite F;
gelegt, die Bedingungen des Kaufkontraktes, die Termine der P?
Nebernahme und der Zahlungen nach des Freiherrn Vorschlägen ??
j

-=- 1 IF-
verabreoet worden; auch die verschiedenen Abkommen unter den
drei Männern, welche die Güter gemeinsam kaufen wollten,
waren zum Abschluß gelangt. Die Steinbuiche jenseit Noihenfeld,
der Torfstich zwischen Nothenfeld und Neudorf sollten ebenso
wie die Bewirthschaftung der Güter und die Errichtung der
Fabrik auf gemeinsame Kosten unternommen und betrieben werden.
Herbert selbst wollte die Leitung der Steinbrüche und die Be-
arbeitung und Verwerthung des Materials auf sich nehmen.
Steinert's künftszer Schwiegersohn, der in einer torfreichen Ge-
gend heimisch und des Torfstiches kundig war, sollte unter Her-
bert's Beistand zunächst die für solches Beginnnen nöihigen Kanal-
arbeiten machen lassen, durch wehhe man dem ohnehin zu feuchten
Boden von Rothenfeld eine zweckmäßige Ableitung zu verschaffen
hoffte; und sobald als thunlich sollten dant vornehmlich Del-
pflanzen auf den Gütern angebaut werden, da es eben auf die
Gründung einer Delfabrik in großem Maßstabe abgesehen war,
zu deren Vorstand man Steinert's Sohn bestimmte. Tremann
lieferte den bei Weitem größten Theil der Kapitalien für dieses
Unternehmen und behiest sich, des kaufmännischen Betriebes in
allen Fächern Meister, die Oberleitung über dasselbe aus der
Ferne vor, während seine Bankgeschäfte in der Hauptstadt ihren
ungestörten Fortgang hatten und ihn nach allen Seiten hin in
den weitverzweigtesten Verbindungen erhielten.
Endlich war man so weit gediehen, daß Herbert die sämmt-
lichen Papiere zusammenlegen konnte; die Geschäfte waren ab-
gethan. Steinert füüllte sich die kurze Pfeife, an die er sich,
z wie mancher Andre, im Felde gewöhnt hatte, Paul brannte sich
? eine der Eigarren an, die er von Jugend auf in Amerika hatte
h - rauchen lernen und deren Gebrauch sich jetzt mehr und mehr
F auch in Europa zu verbreiten anfing. Nur Herbert rauchte nicht.
f Er hatte eine Flasche Wein geöffnet, schenkte davon in die bereit
, stehenden Gläser und sagte: Auf gutes Gelingen und daß es
s
E- -
r
h

---- 158- -
uns und den Unseri, wohl werde auf dem nenen Besizthume!
Uns? wiederholte Tremant. Denken Sie denn Sich selbst s
s
nach einem der Güier üsberzusiedeln?
Herbert lächelle. Ich denke zwar nicht daran, sagte er;
aber Sie wissen, es heißt im Sprichwort: was die Frau will,
das will Gott! Und ich werde, wie es mir scheint, allmählich
aus der Stadt und auf das Land geführt werden. Meine Eva
ist die Sehnsucht nach Feld und Flur nie recht los geworden.
Obschon wir den großen Garten am Hause beibehalten und ich
ihr hier auf dem Hofe die schönsten Hüühnerställe und einen
Taubenschlag gebaut, ihr auch alle Sorten von Gethier hinein-
gesetzt habe, fehlt ihr doch, wie sie behauptet, die freie Natur.
Seit nun von dem Ankaufe von Nothenfeld die Rede war,
läßt's ihr vollends keine Nuhe mehr, und ich denke, wenn mein,
Sohn gut einschlägt, wenn er seine Studien beendet hat und sich
Vertrauen erwirbt, so mag er hier künftig den Baumeister an
meiner Stelle machen. Er soll meine Arbeiten fortfüühren, meine
Kundschaft erben, und er mag uns denn als Altentheil das
Rothenfelder Amtshaus ausbauen, wohin meiner Eva Gedanken
jetzt doch unablässig wandern werden.
Steinert nickte dem Plane Beifall zu. Daß dies wahr
werde, Schwwager! sagle er und slies; aus's Nene mli lhu an,
während er sich mit der Hand den Nauch von Tremann's
Eigarre gegen das Gesicht wehte, um ihren Geruch zu prüfen.
Woher beziehst Du das Kraut? fragte er.
Direkt von der Havannah, antwortete Paul. Willst Du
davon haben, so stehen Dir tausend Stück zu Diensten.
Steinert meinte, er wolle.ihn nicht berauben. Der Andere

P
T

s
A
A
s!
P
j
z
s

h


s
h
versicherte, daß er in jedem Monate frische Zufuhr haben könne,
V
g
?
e ?
da er Freunde in der Havannah habe, die ihn wohl versorgten ß;
z K
und mit denen er in fortdauernder Verbindung stehe. Er schreibe z;
ihnen ohnehin in wenigen Tagen, und wenn Steinert's Sohn, gs
A
r,
1t
i
-

z
---- PJ9--
, wie e« ,: im Werke sei, seinen Rüickweg iiler die westindischen
s Inseln einschlage, so könne der am füglichsten eine gute Ladung
s fiir die ganze Verwandtschaft und Bekanntschaft zu besorgen
s übernehmen.
Der Junge wird sich wundern, sagte Steinert, und es
s glitt ein selbstzufriedenes Lächeln über sein braunes Gesicht, wenn
s er erfährt, daß wir die Güter kaufen! Und, daß ich es Euch
j ehrlich eingestehe, oft ist es mir selbst eine Art von Wunder,
s wie die Welt sich um uns her gewandelt hat. Ich habe noch
s den Großvater des jetzigen Freiherrn gekannt. Der saß noch
s- im Vollen und wie ein Fürst in seinem Schlosse. Wenn der
s jt aufstehen müßte! oder wenn mein Vuter aufstehen könnte!
Ja, nahm Herbert, als jener mit einem nachdenklichen
( Kopfschütteln seine Nede plözlich abbrach, ja, nahm Herbert das
f Wort, das Hofhalten verstanden sie vortreffiich. Noch als ich
F nach Richten kam, hatte Alles dort einen schönen und würdigen
F Anstrich. Man betrachtete es gern, nnd doch hatie man schon
, damals das Gefähl, daß die Axt geschliffen sei, den Baum zu
F fällen. Was man sah, waren schöne Dekorationen, vor denen
F und hinter denen zwei ganz verschiedene Stücke spielien, und
g eben darin lag etwas, was die Phantasie beschäftigte und ver-
F wirrle uud deu ua slch nir schwer entzog. Es war gut fin
F mich, daß der Kirchenbau mich zu Euch nach Rothenfeld hin-
F überbrachte und in gesunde Luft. Mehe Lebe als an diesen
F Kirchenbau habe ich sicherlich an leine meiner Aufgaben je
F ön
Die Erinnerung an seinen Jugendtraum stieg wie ein leuch-
F iendes Gewölk vor seinem inneren Auge auf; indeß es zog
I schnell vorüber, und eben Herbert war es, der gleich darauf die
z ß Frage aufwarf, was man denn jetzt mit der Kirche beginnen
zz? nende.
Steinert meinte, das sei selbstverständlich. Die protestantische

l!
ßt,

-=- Jhß--
s
Kirche in Neudorf sei ümer ein jämmerlicher Bau gewesen,' j
aus ßeldsteinen roh und elend zusammengefigt, der hölzerne
Thurm seit lange dem Einsturze nahe. Innen hätten die Russen
die Kirche arg verwüstet; sie sei danach, wie die Umstände der
Gutsverwaltung es mit sich brachten, kaum auf das Nothdürftigste
hergestellt worden. Nicht an der ganzen Kirche und an dem
Pfarrhause sei niet- und nagelfest. Man müsse also die prote-
staniische Psarre, was auch ohuehin bei der Lge der Dörfer
immer das Zweckmäßigere gewesen sein würde, von Neudorf
nach Nothenfeld zu verlegen suchen. Die nöthigen Schritte bei
der Negierung müsse Herbert, und wenn es etwa bis vor das
Kultus»Ministerium und den König käme, Tremann zu thun
übernehmen. Die Gemeinde würde sie sicherlich unterstützen,
denn ihr, die sich eng und ärmlich habe helfen müssen, sei die
prächtige und leere katholische Kirche stets ein Dorn im Auge
gewesen, und es sci, da in der ganzen Gegend jetzt keine zehn
Katholiken mehr zu finden wären, auch nicht die geringste Noth-,.
wendigkeit zur Erhaltung eines besonderen Gotteshauses für die-
selben mehr vorhanden. Nur wegen der Arten'schen Familiengruft
habe es noch Schwierigkeiten.
In wie fern? fcagte Paul, der diesen Erörterungen bis
dahin schweigend gefolgt war.
Der Freiherr verlangt als eine der Verkaufsbedingungen,
daß der Zugang zu der Gruft von der Seite der Kirche ver-
von dem eisernen Gitter eingehegten Garten, den die Gutsherr-
schaft als Dus unterhalten soll, zugesichert werde.
Paul schlug ungeduldig mit der flachen Hand auf den
Tisch. Sie sind unverbesserlich, aber ganz und gar unverbesserlich!
rief er aus. Sie haben die Geschichte der lezten dreißig Jahre
A
s
d

d
t

t
T
1
1
I
.V
s
s

d
T
A
1
ii
mauert werde, und er will, daß ihm und seinen Nachkommen
für ewige Zeiten der Besiz dieser Gruft mit dem sie umgebenden,



z
sl
j
vor sich und sie können sich das verdammte Wort,ewig' nicht
i
A
FE

-- 1ßh--
abgewöhnen; als ob sie nicht gerade daran zu Grunde gingen,
dasß sie sich in den nothwendigen Wechsel der Zeiten und der
Dinge nicht fügen wollen! Dieser junge Arten sieht es jetzt mit
eigenen Augen, was es mit den Dingen ist, die man für ewig
gegründet zu haben glaubt. Sein Vater baute, einer Stimmung
zu geuigen, eine Kirche, die siir ewige Zeiien dem kalhollschen
Kulius und den religiösen Bedirfnissen seines Geschlechies ge-
widiel sei sollle. Noch lein Menschenalter ist seiidem verflossen,
und die Kirche wird unser, und wir beraihen heute hier in kalter,
veeständiger Ueberlegung, waö wir mit dem Prachtbaue machen
sollen, in welchem die Aufregung eines Tages sich ein ewiges
Denkmal zu sczen meinte. Noch weiß es jedes Kind im Dorfe,
daß es die Herren von Arten gewesen sind, welche die Kirche
auuferbauten, denn bis heute ist ein Arten Besizer derselben ge-
wesen. Wer aber wird nach zwanzig, nach dreißig Jahren
daran denken, davon wissen? Ludwig der Sechszehnte und Marie
Antoinette sind guillotinirt, die Welt ist umgestaltet, ein Ad-
vokatensohn Kaiser und Veherrscher der Herrschenden, seine Brüder
sind Könige geworden, und Alle sind sie niedergeworfen worden,
als ihre Zeit vorüüber gewesen ist - und dieser junge Edel-
mann will ein ewiges Erbbegräbniß für die Gebeine seiner Väter,
für' die Freiherren von Arten errichtet haben. Es ist abgeschmackt!
; - Er stand ärgerlich auf.
Du meinst also, daß man diese Bedingung nicht eingehen
, soll? fragte Steinert.
Warum nicht? Wenn der junge Arten die
f
h der Gruft und des Gariens übernehmen will!
F dazu nahe geuug, und die paar Ruthen Land
Unterhaltung
Richten liegt
können wir
f, entbehren.
E ist üübrigens keine schwere Last, wendete Herbert ein,
F dem begreiflicher Weise an der Erhaltung alles dessen gelegen
F war, was zur Zierde der Kirche gereichte und mit ihrem Baue
, F. Lew ald, Von Geschlecht zu Geschlecht. B.
s

-- 16----
ng
organisch zusammenhing; es ist leine schwere Last, welche wir
oder die Gemeinde mit der Erhaltung dieses Blumengärtchens
auf uns nehmen würden.
Wir haben aber kein Recht, durchaus lein Recht, denen,
die nach uns kommen werden, eine Pflicht, wie leicht sie uns
auch bedünken mag, aufzuerlegen, da sie ihnen doch weniger
leicht erscheinen könnte. Soll der Garten gepflegt werden, so
mag's geschehen, so lange wir die Herren der Gütter sind, und
ich für meine Person habe keinen Grund. mich dem zu wider-
setzen. Aber wwas könnenn unusere Kinder, oder was werden die-
jenigen, die vielleicht nach diesen die Güter erwerben, mit den
Ewigkeiisgelüsten des Barons Renatus zu schaffen haben? Wir
haben kein Recht, wislkitrlich übernommene Gefälligkeiten als
Verpflichtungen auf Dritte zu vererben. Mag der Freiherr.. -
Du denkst als Kauufmann schon an den Verkauf der Güter,
ehe wir sie noch erworben haben, fiel Steinert ihm in das ,
Wort, der wie ein rechter Landmann fest an seiner Scholle hing;
da freilich kann von Dauer oder gar von Ewigleit auch nicht
die Nede sein, da ist nichts ewig!
Paul lachte. Adam der Siebenuundsiebzigste! rief er, schnell
wieder heiter geworden, den Freund an eine frühere Neckerei
erinnernd. Aber beruhige Dich, mein alter Freund, es gibt
ein Ewiges, es gibt unumstößliche, ewige Wahrheiten; nur daß
gerade diejenigen, die fir ihre Namen ud füür ihre Geschlechter
und Gebeine so gern auf die Ewigkeit vertrauen, von diesen
ewigen, unumstößlichen Gesetzen und Wahrheiten meist nicht gern
sprechen hören und eben daran untergehen.
Was meinst Du damit? fragte Steinert, der troz seines
gesunden Verstandes immer ntnr langsam dachte und langsam faßte.
Es ist sicherlich eine ewige Wahrheit, daß zweimal zwei
vier macht und daß ich drei von zwei nicht abziehen kann! gab
Paul ihm mit der friheren Lebhaftigkeit zur Antwort. Ich habe
k
l
d
?

-P
V
t
V
l
s

P
e
t
l.
N
1
Ikk
E


H
zks
?
s

------ 1ß-----
diese uuuumstösiliche und ewige Wahrheit schon hier in diesem
Zimmer einsehen lernen, als es noch dem alten Flies zum Laden
diente und die Neger und die Palmen und die Elephanten auf
seinen Ühren und Tafelaufsätzen mir eine kindische Sehnsucht
nach den fernen Gegenden und Welttheilen emflößten, in denen
ich die Neger und die Palmen und die Elephanten heimisch
wußte. Aber was haben diese alten adeligen Geschlechter, die
geich den Herren von Arten arbeitslos den Tag am Tage
leben und dafir die Möglichkeit einer ewigen Dauer erwarten,
von jeuer ewig unuuslös:lichen Grudwahrheit begrisfen? - Nichts!
- Sie sind sehr streng, liebster Tremann! bemerkte Herbert,
- der um der Baronin Angelika nillen eine gewisse Vorliebe für
ihren Sohn bewahrt hatte, welche Steinert aus anderen Em=
, pfinduungen und Erinnerungen gleichfalls mit ihm theilte.
Soll ich nachsichtig gegen das Unvernünftige sein? ent-
gegnete Paul.

Du siehst nun aber doch, daß der junge Freiherr unserm
, verninftigen Nathe zu folgen begiunt! gab Steinert ihm zu
bedenken.
Weil das Wasser ihm bis an die Kehle steigt! sagte Paul.
Er darf nicht stehen bleiben, er muß sich bewegen, er muß
, T?g =- == = == =-
Es entstand eine Unterbrechung in dem Gespräche. Nach
j einer kleinen Weile meinte Steinert: Ein guter Wirth ist der
! junge Arten freilich auch noch nicht!
?
Sieh, fuhr Paul auf, das ist's, was mich so empört! Es
ist so einfältig, zwei Thaler für dasjenige auszugeben, was man
fir einen erlangen Jann; es ist sinnlos, sich der Mittel für ein
z
künftiges freies Wollen zu berauben. Es ist so dumm, so un-
verantwortlich dumm, ein Verschwender zu sein. Jeder Schul-
bube hat einem solchen gegenüber, mag er sein, was eu immer
f

zp

--- 16T---
wolle, das unbestreitbare Recht, ihm sein ,Drei von zwwei kann
ich nicht abziehen' in das Gesicht zu schleudern. Leichtsinnige
Verschwenduung ist nicht einmal ein Laster. Sie ist nur eine
Dumuheit, die aber den Charalter mi! Noihwendigleit verdirbt
und die den Menschen, wenn er nicht von ihr abläßt, früher
oder später ehrlos machen muuß. Sie ist mir verächllich!
Es widersprach ihm Niemand von den Andern. Sie waren
beide auch Männer, welche die Arbeit kannten und an ihr den
Erwerb hailen schäzen leren, Muner, welche es wuusiten, was
die innere Freiheit, die biirgerliche Unabhängigleit werth sei;
die ihren Slolz darein sezlen, sie, wenn es seiu musie, auch
mit schweren Enbehrungen zu erkaufen, und sie hatten sammt
und sonders Freude an der Arbeit selbst, wie an ihrem Berufe.
Steinert vor Allen war von dem seinigen so eingenommen, daßz
er unbedenklich annahm, ein Jeder müsse danach trachten, früher
oder später aus den Städten auf das Land, in die freie Natug
hinaus zu kommen, um wenigstens am Abende seiner Tage,
wie er es nannte, mit dem Herrgott gemeinsam für des Lebens
Nothdurft zu arbeiten, und um mit der Erde wie mit dem
Himmel ordentliche Bekanntschaft gemacht zu haben, ehe man
von ihr scheiden muß. Er kam also, wie sie nun länger bei
einander sasen, mit groser Zufriedenheit auf den Gedanken
seines Schwagers, sich vielleicht späier in Nothenfeld anzusiedeln,
zurück und fragte Tremann, ob ihn nicht auch bisweilen das
Verlangen nach freier Naiur überkomme, ob er nicht auch die
Neigung hege, einmal Grundbesiz zu erwerben, wie. - -
Wie meine Altvordern? fiel ihm Paul in die Nede, der
vor diesen beiden Freunden einen solchen Scherz zu wagen kein
Bedenken trug. Aber schon im nächsten Augenblicke sagte er:
Es ist gewiß etwas Schönes und Erfreuliches darum, wenn
wir eln Sliick Erde unser eigen nennen können, und ich habe
mich auch beeilt, sobald es fiir mich thunlich war, mir Haus
N
l
d
:
h

t
t
?
?
?

A
e;


?
d
s
E
M
=s


---- 1J ----
und Hof für mich und die Meinigen zt erwerben, denn eigenes
Haus ist doppelte Heimath. Aber es ist zuletzt doch nicht der
Boden, sondern es ist vor Mllem unser Zusammenhang, unser
Zuusammemwirlen mit den anderen Mensch, durch dic wir uns
den rechten Mittelpunkt für das eigene Dasein erschaffen. Wenn
ich mir also auch nicht, wie Du, mein alter Freund, etwas auf
das direkte Zusammenarbeiten mit einem höheren Wesen, das
- ich mir nut einmal nicht zu denken vermag, zu Gute thun

, T - -
Geois;! bekeäsligie Herbext. Schon als ich Sie vorhin so
!

i
t
l
h -



T
k
t
!

f
beiläufig Ihrer Verbindungen -in der Havannah erwähnen hörte,
als handle es sich dabei um den Verkehr mit irgend einer Nach-
barschaft, trat es mir wieder einmal entgegen, wie farbenreich
das Leben eines Kaufmannes sein müüsse.
Das Beiwort, welches Sie brauchen, verräth den Sinn
des Künstlers, meinte Paul. Jndeß es ist doch noch etwas
Anderes, was mich von meinem Berufe so groß denken und ihn
immer aufs Neue lieben macht. -- Er hielt einen Augenblick
inne und sagte dann: Der Handel ist für die Menschheit so
nothwendig wie die Luft, die wir athmen, und wie diese ist er
eine große, bewegende Kraft. Wie ein geüübter Steuermann auf
offenem Meere steht der Kaufmann in der Handelswelt fest auf
seinem Plaze. Die stille Mondnacht, die sanft hingleitende
Woge dürfen seine Wachsamkeit nicht einschläfern, der Aufruhr
der Elemente und das Toben des Sturmes seinen Sinn nicht
verwirren; denn nicht allein sein eigenes Wohl und Wehe, das
Wohl und Wehe Anderer ist seiner Hand anvertraut. Mitten
im kobenden Kampfe, mitten im wilden Kriege muß er des
Friedens und der Ruhe, in der Ruhe an die Möglichkeit des
Kampfes denken. Er muß das Bedlrfnlß des Augenblicks er-
kennen, das Beditrfniß der Zukunft voraussehen. Um die eigene

-- 16.---
Sicherheit, den eigenen Wohlstand zu begründen, mns er jeden
vorhandenen Mangel zu errathen wissen und ihm abzuhelfen
trachten. Wo ein Neberfluß sich zeigt, wo eine Noth sich fühlbar
macht, tritt er ein. Nord und Sitd, Ost und West treffen in
seinem Geiste zusammen, erhalten ihre Ausgleichung und ihre
Vermittlung durch seinen unternehmenden Sinn, und wie er bei
den großen geschichtlichen Ereignissen ihre Ausfihrung ermög-
lichen hilft, so begegnet er dem alltäglichen Anspruche in der
entlegensten Hüütte. Was der grübelnde Forscher entdeckt, was
der tiefsinnige Denker ergründet, der Kaufmann versucht, es für
die Allgemeinheit durch seine Thätigkeit nuzbar zu machen.
Alles Vorhandene mus: ihm dienen, weil auuch er sich allem Vor-
handenen dienslbar macht; und der Handel wird es auch jetzt
wieder sein, der Kaufmann wird es sein, welcher jenen gewal- -
-

1
tigen Erfindungen, welcher der Benuuzung der Dampfkraft, wie
s
jie in England und Amerika schon jezt im Gange ist und wie, -
- wir sie in unserer Neudorfer Fabrik bald selbst auwenden werden,
jene Ausbreitung über den ganzen Erdball sichert, durch welche,
sich Zustände und Verhältnisse entwickeln können, die wir noch
kaum vorauszusehen vermögen, obschon sie vielleicht eine ganz
neue Zeit fitr die Menschheit heraufzuführen geeignet sind.
Er brach nachsinnend ab; aber die beiden Anderen, von
Paul's Begeisterung für seinen Beruf mit ihm fortgerissen, er-
warteten schweigend, ob er nicht weiter sprechen würde. Es war
selten, daß er sich in solcher Weise gehen ließ, denn er war
durch seine große Thätigkeit gewohnt, sich in der Unterhaltung
meist nuur auf das Thatsächliche zu beschränken, und es über-
raschte ihn selbst, als er so warm geworden, war.
Es muß wahrhaftig hier in diesem Zimmer liegen! rief
er wohlgemuth, als Herbert seine schöne Wärme pries. Als
Knabe schwärmte ich hier fir eine Zukunft, die mir in nebelhaft
wechselnden, aber stets sehr phantastischen Bildern vor den Augen


i
-=- h1 P-=--
schwebte; nun, am erreichten Ziele, im Mannesalter schwärme
ich fir meinen Beruf und sehe in neuen Nebelbildern eine neue
Zeit für die ganze Menschheit erstehen. Steinert begnügt sich
doch wenigstens, mit- einem Schöpfer ge neinsame Sache zu
machen; ich möchte schaffen aus eigener Gewalt, und wer ein
Kaufmann in großem Sinne sein will, muß in der That ein
Stlck Allwissenheit für sich zu erringen trachten, denn wir sitzen
t
s
che:
Hor allen Anderen, wie es der Dichter singn, auch mit an dem
sausenden Webstuhl der Zeit und wirken, wenn auch nicht der
t
E
Gottheit, so doch der Menschheit lebendiges Kleid.