Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 15

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ünfzehntes Gapites.
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Die Gräfin hatte sich inzden lezten,Tagen nicht
ganz wohl befunden-nd -deßhalh- den, ?oxnittag -in
ihren Zimmern zugehracht, zu;denen,in ohhen Zeiten-
außer ihrer. alten;Gopverngnteh derey zücksichtsvoller
Beschesdenheit HeHicher war, Riemzand - Zutritt hatte
den sie- nicht zu sich fordern ließ.; -? --
Miß Kenney wgGsan- dem Moxgen: zeitiger ge-
kommen, als;sie pflegte,rund hatte, git aller nöthigen
Rüücksicht auf den , Charakter, der, Gräfin und auf alle
obwaltenden -exhältnisse, Jexselhen, Mittheiltng von
den Vorgängen' gemachth, diezsichs- am-'perwichenen
Abende zugetragen -hatten. ,;
- - Die Gräfin Pörte- ihr zu, ohnesie guch gur mit
einem Worte oder mit,,eineßtzZeicheg, dex Mißhilligung
zu untexbrechen; zghegsnech Vehgzeie;Feney, Sejt ge-
wann, die Frage, aufzuwerfeg, oh die, Gxäfin es ges
rathen finde, dem Perlangen Hulda?s zngchzugeben, die
sogleich zu den Eltern zurüchukehxen, wünsche, rief sie:
,Ich habe-mih also, doch, jn dem Menshen nicht, ge-
täuscht! - Er ;hat etwas Lauerndes'Fn seigen. Mienen,
etwas Zweideutiges in. seinem, ganzen: Betragen; er


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war mir vom Anfang an verdächtig. Dieser Michael
-- - muß fort! - Nicht als ob ich Etwas von Demjenigen
g'- glaubte, was er seinem Herrn anzudichten sich unter-
fängtl' fügte sie ebenso schnell hinzu. ,Der Fürst -
! llebt Clarisse und ist ein Ehrenmann. Er weiß, was
. er seinem Hause und seiner Ehre schuldig ist, und es
kommt kein Zweifellin niir gegei ihn aüf. Indeß, wenn
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schön Jugendfreunde an und für sich eine bedenkliche


Zugabe für eine junge Ehe sind, so ist es ein solches
Mittekbing - von Freund''und Diener sdoppeltß' und
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diseöhät'dbeiein niehr von einems Seapii in sich,
- - glsfür deiFrieden eines Hauses gut ist: Die Be-
-? illigkeit eines solchen Dieners findet ' immer-die Mög-
lchkeitI zu schaden, weil sie alle Wege und Hiitei«
, thüren kennt. Er muß fort, gleich in den nächsten
Tägen, und zwwar für imimer- fort.! -
- Miß KenneE war der nämlichen Ansicht. 1Und -
ineinte sie, ,die Stellung,' welche -das Brautpaar -in
sinem künftigen Haushalte Hulda einzuräumen ge-
- denkt1 hat auch' etwäs Gefährliches für alle heile -
- Die Gräfin sah sie verwundert an. ;Du häsk
-- döch ßichtsgeglaubt, daß ich ernsthaft daran denke, sie
Cläihssenkitzugeben? fragte sie. --
Wuichlaucht und die Comtesse haben aber mit
- mir sehr !aüsführlich und sehr ernsthaft davon ge-
spxochen;'bemerkte die' Gouvernaite. -
- -- -,Glarisse' war imnner ernsthaft in allem ihrem
Spiel' und -würde desselben doch leicht überdrüssig,
wenmn man sie darin nicht störte,! entgegnete die Gräfin.
- FDas eißtDu so gut als ich. Und der: Fürst? =--
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Er hat jetzt nur Ein Verlangen-- ßlarissens. Besiz.
Weil er sie begehrt, nimmt en- jeden Einfall, jeden
Wunsch von ihr als einen, Theil;ihres Wesens ;in sich
auf und macht sie zu den seinen; und ich hin weit
davon entfernt, dies ;irgendwie zu stören,: Mitgehen
aber soll Hulda nicht ,mit, ihnen. Sie- bleiht, in Deiner
Obhut, und sie bleibt zunächst im Schlosse, pdamit man
sich nicht etwa fragt,- weshalb wir;sie, die wvir eben
erst bei uns aufgenommen, haben, wieder von uns
thun müssen.! -
Die sichere Festigkeit der Gräfin, war- für ihre
alte Gouvernante stets der Gegenstand= einer stolzen
Bewunderung, und Einsprache gegen sie zu' thun, war
überhaupt nicht ihre Art. Indeß, sie, schien diesmal
doch noch Etwas auf dem Herzen zu haben, das sie
nicht ohne weiters zu - sagen, und doch anzuhringen
wünschte.
Die Gräfin hatte sich zrhohen und war gn ihren
Schreibtisch gegangen. Da ihre, alte Freundin sich
nicht entfernte, wendete sie sich nach jhr um. ,Pün-
schest Du noch Etwas, meine Liebe,! fragte sie, , oder
worauf wartest Du?
,Ich stehe noch Jier, entgegnete;Miß Kenney,
,weil ich nicht einig guit mir hin, ob ich besser thue,
zu sprechen oder zu, schweigen.?
Die Gräfin sah sie mit ihren klaren Augen prü-
fend an.
,Ich dächte, versezte sie darauf, Du und ich
kennten einander lang genug, um- Dir darüber keinen
Zweifel zu lassen. Ist es Etwas, was Fch wissen muß,

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sosage mir auch das Verdrießliche und grad heraus.
Isk es - Etwas, was- ohne mich, was durch Dich oder
duich! Andere ätuusgeglichen werden kann, so laß- mich
äus' dem SpieleR -
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Pä st''nur'ehne Vermuthung, die ichhege und
die -ich' Ihnen' nticht sorenthalten'möchte, weil Stemich
döch bielleicht ? früher oder'' später dafür'- verantworilich

-Iinchen könniten,'sagte Miß Kenney; und' noch leiser
sprechend, als sie es öhnehin zu thun -pflegte, fügte
sie, hinzg: ,Ich glgube, Baron Emanuel hat mnehr als
eine FewöhklichesTheilnahme' für Hilda.-'
?? -Es glitt ein Läicheln über die ernsten Züge der
Gfii,Ich Pgbe duch bemerkt, versezte sie, zdaß
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ikein Briüder sehr freundlich niit ihr verkehrt, daß se
sie öiel beträchtek, aber wir dürfen ihn wohl gewähren
lässe. Bei seiner Denkungsart, bei denFEntschlusse,
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den er leider für sich und seine Zukunft gefaßt hat,
bei' öek' Kälteß welche' er manch freundlicheni' Entgegen-

kommnen vöin' Frauen bisher entgegensezte - mit einer
-- Art 'bon -Eigensinn entgegensezteist es ja recht
FiEt'und'ihnnzi gönnen, daß seine Phantasie ihr auch
- einmah das Herz erwärmt, es vielleicht aufthaut; und
- GrleiöeSröhüehin kicht' lange mehr hier. =- Da-

fskt wollte sie ihre alte Freundin entlassen, als diese
jedoch schon in der Thüre stand,' rief ste dieselbe noch
siümcl'züäck!
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- ,Daß gber in dem Mädchen keine Einbildungen
- -äüfkominen! sagte sie mit Strenge. ,Erinnere sie
- stets dargn, daß ihres Bleibens unter uns nicht ist,
belche!äiideie Andeutungen' Clarisse ihr vielleicht auch

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machte oder. machen könnte. ? = Sie hielt einen Augen-
blick inne und setzte damn hinzuc- ,Ich-ühabe einmal
selbst daran gedacht, sie, ims: fpäter Sielleicht !bienstbar
heranzuziehen, aber sie ist dazu zu schön. - Sie fällt
den Männern auf, siebeachten sie schonn jettt. zu sehr,
und Clarissens Vorliebe für sie -würde däs Nebel.
ärger machen. Sie bleibt also am besten, woCsie ist.
So lange ihre ßltern leben, ist das ja äucher. ihr
vom Geschicke zugewiesete Platz, wenn- sich' nicht eine
Heirat für sie: findet: Lunächst-also- Hehälst Du- sie
bei Dir. Es wäre; -wie ich schon' gesagt, sehr unge-
schickt, sie plözlich zu entfernen. -Sie muiß es lernen,
vorsichtiger zu werden -e sie und auch die- Eltern.
Gieb ihr und ihnen, dieses zu' verstehent!= Dann
aber, als käme ihr plözlich nöch ein Gedanke, sprach
sie: , Hast Du mir nicht gesagt, mein Bruder habe
heute zu Dir kommen wollen, die - Briefe unserer
Mütter bei Dir einzusehenr und sich?zu erkundigen,
was dem Mädchen gestern zugestoßen sei? ,
Die Kenney bestätigte ihr dies. MNun gut!!
veksezte' dieGräfin, -,so gehe gleich hinüber,schicke
ihm die Briefe und theile ihm -dabei schriftlich mit,
was jch von Dir erfahren habe. Sass? ihn jedoch. nicht
ahnen, daß ich darum weiß. Er ist ein: Freund des
Fürsten, hat ihn'seiüerzeit zü uns geführt und Severin
gibt viel auf meines Bruders Urtheil. Mäche Emanuel,
aufmerksam auf die Gefahren, welche ein Diener wie
Michael einer jungen Ehe bringen kann. Sage ihm
in Deinem Namen Alles, was Du als meine Ansicht
von mir hörtest. Du kannst das um so eher thun.
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da ich. Hulda Dir- übergeben, habe und Du mir, wie
den:Eltern,s für. sie, einzustehen hast. Füge hinzu, daß
. Du' ihn in das Vertrauen zögest, um mir einen un-
angenehmen Eindruck zu ersparen. Ich wünsche: der
- Angelegenheit fern zu bleiben, die wir am besten den
beiden Männern überlassen.?


.t? FSie dankte' darauf. der Greisin, und. es war
nicht-das erste Mal, daß die Treue sich eines -solchen
geheimen Auftrages- zu entledigen hatte. Sie hatte,
so, oft es geschehen war, eine Genugthuung darin em-
pfunden; denn auszugleichen, zurechtzulegen, um Zu-
sammenstöße zu vekmeiden, das hieß wecht eigentlich
in ihrem Sinne handeln,- und wie sehr sie auch; in
den Ansichten der Gräfin aufging, wie auch das Wohl-
ergehen des gräflichen Hauses und der beiden gräf-
lichen Frauen den. Mittelpunkt aller ihrer Gedanken
bildete, ß. hatte sie auch ihr bescheiden Theil von
Selbstsucht, und hatte der eignen Jugend und der Er-
fahrungen nnicht vergessen, welche sie in ihrer Dienst-
bärkeit gemacht hatte.
D -»Hulda war ihr lieb und werth geworden. Sie
neben sich zu behalten, sie zu fördern, zu beschützen,
war: der guten Seele jetzt eine Herzensangelegenheit,
und sie kannte den Ton, den sie Emanuel gegenüber
anzuschlagen hatte, als sie sich zum Schreiben niedersetzte.
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