Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 17

!.
t
- -
!
Hiebenzehntes Gapiies
. = -
?- IeAmthause stand bereits der Tisch zum Nacht-
essen- gedeckt', als Michael. hereintrat. Er pflegte,
went-det' Dienst ihn frei ließ, bisweilen dort vor-
züsßSschen, -und-wär, obschdns der-Amtmniann das gar




-
ntcht -gerne sah, von-Maeüsell' Alrike gelegentlich, zum.-
Mitessen eingeladen worden; denn Michäel war recht ein
junger Maiii, wie sie ihn mochte, sagte sie. Er sah
vöriiehn aüs! üidthat: Nichts weniger als vornehm
geeüü Diejenigen die er brauchen zu können glaübte:'

Er wüßte güt zu'sprechen,' viel zu erzählen, und wußte
- errathen zu lassen, was zu sagen bedenklich gewksen -
wäre! Dazu war er, wie Ulrike es nannte, nicht so
s-
e.
-, ?. .
- stolz, daß er nicht auch Andere neben sich aufkommen
ließ, und klug geng, einzusehen, daß Jeder etwas
wisse, was der Andere brauchen könne.
Sie hieß ihn also auch diesmal schön willkommen,
freute sich, daß er ihnen wieder einmal das Ver-
gnügen mache, sie zu besuchen, und war schon daran,
noch ein Gebeck' für ihn herbeizuschafen, als Michael
!
mit gewohnter heiterer Höflichkeit erklärte, er könne
heute von ihrer Güte nicht profitiren, denn er müsse
-

F-

.

=

s
e
z
1?
fort, und zwar sogleich. Er sei eben nur gekommen,
von dem Herrn Amtmann im Auftrage Seiner Durch-
laucht ein Fuhrwerk nach dem - nächsten Postamt zu
erbitten.
Der Amtmann, der das Ansuchen durch die offene
Thüre der Nebenstube vernommen, hatte aund; dem die
vielen Bedürfnisse der im Schlosse;:yeilenden Bäste
jezt, wo er Vieh und Menschen nöäh fzur-Kartoffel-
Ernte brauchte, ohnehin zu schafen machten,: kam
langsam, den Dampf: aus seiner. Pfeifß ziehendz mit
schwerem Schritte hinein und fragte, oh es denn so
eilig sei.
- Michael sagte, er müsse poch, in Fieser Stunde
fort, sein Mantelsack sei schon gepackt.. -
,Es nüzt Ihnen zu Nichts,!, wendete der Amt-
mann ein, ,wenn ich Sie. jetzt auch fahren lasse. Es
geht ja vor morgen Abend keine. Postk weder rechts
noch links. Wo wollen Sie denn-hin? -. n
,Durchlaucht sendet. mich mitn eizen. Auftrage
fort!? gab Michael ihm ausweichend zur Antwort.
,So mit einemmale? Und, das kann nicht
warten? Morgen, Nachmittag -schicke ichja doch -nach
der Siation!' meinte der Amtmann. , Es ist gleich
sieben Ühr, ehe ich anspannen: lasse und ehe sie dort
sind, wird es neune! Solll denn. dort Exrapost ge-
nommen werden? - - -
,Je nach dem!? gab Michael zur Antwort und
fügte dann, um den ihm nicht genehmen Fragen ein
Ende zu machen, lächelnd und mit den Achseln zuckend
die Bemerkung hinzu: , Sie kennen ja: die Herr-
pa

s
schaften, was fragen die nach Können und Nichtkönnen,
wenn ihnen Etwas durch den Kopf geht.!
!
!
!

s

!


- Der Amtmann stopfte ärgerlich, als müßte er
nun seinerseits doch auch etwas Unnützes thun, in die
ruhig brennende Pfeife so viel Tabak nach, daß sie
zhm auszugehen drohte, pafte dann darauf los, was
seine Lungen halten wollten, und machte das Fenster
seiner Arbeitsstube auf, um mit dem lauten Pfif,. den
Alle auf dem Hofe kannten, einen der Knechte aus
dem Stalle herbeikommen zu machen.
- Inzwischen hatte Ulrike dem Gerngesehenen mit
gastlicher Rührigkeit einen kleinen Imbiß zurechtgestellt,
weiln es doch immer besser sei, Etwas zu genießen, ehe
man sich bei Nacht und Nebel auf die Reise maes.

?
18
Sie erkundigte sich, ob er auch warm in Kleidern sei,
ob er !nicht eine von den großen Decken bis zur
Station mit sich nehmen wolle; ünd schließlich wagte
sie dann doch' die Frage, wohin er gehe und wann er
wieder zurückzukommen denke.
Michael sah um sich, wie Einer, der nicht gehört
zu werden wünscht, und den schwarzen Schnurrbart,
nachdem er sein Glas geleert, mit gezierter Wichtigkeit
putzend, sagte er leise und vertraulich, indem er nahe
an Hie. herantrat: , Unter uns, Mamsell. Ulrike, denn
Sie sind meine Freundin gewesen von Anfang an,
ich weiß das, und sind eine ßerson, welche die Welt
kennt, wiensie ist - zwwischen mir und -dem Fürsteit
ist es aus.!
,Herr Sekretär,! rief Ulrike. ,wie ist denn das
nur möglich? - aus.!
.
s


!
a
l
h
l?

e

f
!
u
!
t
t
?
e

F
1s
, Ehrlich gesagt, bin ich recht froh,! entgegnete
er, ohne ihr Erstaunen zu beachten, , daß es -endlich
so weit ist. Ich war es, wer weiß wie lange satt,
immer und immer den- gehorsamen Diener zu spielen,
lebenslang sein gehorsamer Diener zu ;bleiben. Ich
hatte längst schon Anderes im Sinne, ich ,wollte von
Jugend an höher hinaus. -Aber ich hatte sie eingesogen
mit der Muttermilch, die Anhänglichkeit,, und es hat
auch wohl sonst noch seine Bewandtniß damit= denn
meine Mutter war' eine schöne Frau-- daß ich immer
nicht von dem Fürsten lassen-konine Indesßen, er
treibt es jetzt zu arg; und erzhat es ;guch ßnjr ;zu geg
gemacht.!
Er schien Nichts weiter sagen zu wolku,!' lilke
jedoch ließ ihn -so leicht nicht los, und -ihie Be-
theuerungen, daß man -ich auf sie perlassen, könne,
waren so nachdrücklich, daß Michael, ihr endlih, wie
er sagte, unter dem Siegel der tiefsten Perschwiegenheit,
sein Geheimniß anzuvertrauen beschloß. -?;
,Sie sind ja auch einmal' jung geweseg, Mamzsell
Ulrike, sagte er, ,und schön ist das !Mädchen, und
sieht gut und brav aus, so daßmän deiEkt, sie,sei die
Unschuld selber. Sie werden. FichN also; nicht, wündexn,
daß sie mir in die Augen tach und (daß ich dachte,
die Hulda, das wäre endlich- einmal eine; Frau
für mich.
,Die Hulda? rief -lrike so verwundert, als
stürzte der Himmel vor ihr ein. ,Doch nicht die
Hulda? Die ist ja noch das reine. Kind, - die ist ja
gar noch nicht werth, daß--? -

i
-
, Kind oder nicht!r fiel chr Michael. schnell in
das Wort,!-Pdenn er mußte seine Sache zu Ende
bringen, ehe der Amtmann wiederkehrte, ,Kind oder
kicht,,'sie ist ein schönes Frauenzimmer. Und weil ich
inich zu verändern wünschte; und weil ich sie wirklich
Adas Herz geschlossen hatte, und sah, daß Andere
Auuch'nicht blind sind, die es nicht so redlich mit einem
l
!
15D
solchen Mädchen meinen, wie doch unser Einer =--
,Andere?! unterbrach ihn die Mamsell, uid ihre
Augen funkelten. , Andere?! wiederholte sie, indem
sie ihre magere Hand auf den Arm- des Kammer-
dieners legte. , Herr Sekretär, auf mich können Sie
sich ja verlassen. Wer sind die Anderen? So wahr
Botk lebt;' über meine Lippen' kommt es nichtr! -
' Mleber meine auch nicht!? versetzte der Listige,
,denn diese Stunde bin ich noch in seinem Dienste.
Mnd er ist es nicht alleinl? Er brach ab und trat
t
än's Fenster. ,Ich wollte, der Wagen wäre da,!
sagte er, ,ich werde froh sein, wenn ich fört bin,

Henn ich sicher weiß, daß sie mir nicht mehr vor die
Augen kommt!?
- ! -Voi böser Neugier brennend, ging die Mamsell.
ihm nach. -, Herr Sekretär,! sagte sie, ,Sie sind mir
däs -schuldig, Sie wissen, ich habe die Hulda her-
gebracht und sie ist meine Pathe: Was ist denn vor-
zegangen zwwischen Ihnen Beiden? Wissen muß ich
es, und ich glaube Ihnen mehr als ihr; denn sie
Ht ebenso scheinheilig wie die Mutter ihrerzeit.!
IMdichael Hhat, als peinigte ihn lriken's Drängen.
,Wsäs -soll denn vorgegangen sein? meinte er.
? ?asa
gg
1
s
z
s
l
A
i

g -
l
l
s
s
I
!
s!
1i
ks
i
s
z

F
f
1öu
,Gestern Abend bin ich ihr im Parke, im Busche
begegnet, wie sie vpn den Eltern kam. Es wwar schon
dunkel. Ich wunderte mich, warum ie so spät des
Weges sej, und ihre scheue, Pnruhe fiel uir dabei
auf; denn ein honnetes Frauenzimmex, das um diese
- Zeit noch allein im Walde wax, -hätte doch froh und
zufrieden sein müssen, einen Maun, -den, es kannte,
anzutrefen. Ich bot ihr, wje, Fch- das von selbst
verstand, meine Begleitung an. Sie sagte nicht Ja,
nicht Nein; und wie wir nun so porwärts; gingen
und ich dachte, ich bekäme sie, vielleicht Jobald nicht
wieder gllein zu sehen -- mein ,Fott, Mamsell Ulrike!
Sie wissen, wwie das jst -- dg ging mir das Herz
auf und über, und, ich zsägte jy, .was ich auf dem
Herzen hatte und wie es grr um'sHerz war: ldaß ich
ein redlichex Mann sei, Jder redliche Absichten hätte
und eine Frau ernähren, könnte. Und- weil ich denn
doch nebenher Ohren und Augen habe und. meine Er-
fahrungen obenein, so wvarnte-ich, sie. -- nun, -ich will.
und brauche Ihnen picht- zu Iageg, just yor wem!!
,Nun? rief Ulrike, der die Mittheilungen
Michael's, obschon er lebhaft sprach, immer noch nicht
schnell geuugvomFlece kamen, ,nun, undwassagte sie-
,Was sie sagte?-- Als wenn-es ein Attentat
und gegen ihre Ehre, wäre, so. nahm Fie es- auf. Sie
konnte, gar - nicht, rasch, genng aach iHause kommen,
und ich war -dumm genug, und ehrlich genug, ihre
jungfräuliche Schüchternheit noch gnzustaunen, Später
begriß ich dann diese Jungfräulichket und -auch die
große Eile. Sie ist zu Hause nicht, lange allein ge-

r' Ae.=
1
Blieben und- hat es sehr eilig gehabt mit ihrem Dank
füt meine Liebe und für meinen redlichen Begehr. -
-Die Heuchlerin!?
Sein Ausdruck war so finster, sein' zorniger
Schmerz schien so lebhaft, -daß Mamsell Alrike ganz
von ihm' entzückt war. Sie hatte noch niemals so
viel Vergnügen gehabt, als bei der Erzählung dieses
Liebesleides: Es hörte sich so verzweifelt und so
rührend an, aund es eröffnete ihr eine Aussicht, die ihr
über Alles ging.
- ,Sie' Armer! ach, Sie Aermster! Ja, das thut
weh!r seufzte die Mamsell, indem sie abermals ihre
-Hand auf die seine legte, sehr entschlossen, sie festzu-
halten, bis sie erfahren haben würde, was sie ug
jeden Preis erfahren wollte. ,Aber-- sagen Sie,
Herr Sekretär, sagen Sie, wer war demn' bei ihr?
- Michael' sah sie verwundert an und gab ihr keine
Antwort. -
-' ,Denn wissen muß ich es,! fuhr sie fort, ohne
sich dürch sein Schweigen einschüchtern zu lassen.
,Ich habe es ja selber schon bemerkt, wie er ihr
immer -nachgesehen hat. Und wenn es wirklich sich
sözerhält: und sie hat es ihm gesagt, was Sie mit
ihr im Sinne hatten, dann freilich'ist es kein Wunder,
daß er -Sie nicht länger um 'sich haben will.?
. Michael, der in die Nacht hinaus gesehen hatte,
wendete sich langsam nach ihr um und fragte,' als
verstehe; er sie nicht, von -wem sie spreche und was sie
damit meine?
Sein Staunen sah so natürlich aus, daß es sie
t
e

l
158
außer Fassung brachte: -,Ich dachte,! skammelte sie,
,Seine Durchlaucht=? . -
,Wie kommnen Sis denn-aüf Seine Durchlaucht,
Mamusell Ulrlke? rief er in demselben Tone der Ver-
wunderung. ,Wer hat Ihnen demn gesagt, daß der
Fürst dabei -im Spiele ist? E ist' ja kein Wort
davon über meine Lippen gekomnen. Sch glaube,
ich habe seinen Namen nicht einmal genannt, außer
vielleicht bei der Bemerkung, däß 'er heute gegen Abend
einen Streit mit dem Baron gehakt' hat;''dem man
derlei Phantasien' freilich dich nicht zutkäuen sollte;
und daß er mir nachher,' weillich es-ganz' ohne mein
Verschulden: mit angehört, und eilich'niich unter-
standen hatte; zu sagen, daß ich auch ein Mann sei,
der ein Herz und Ehrgefühl-im Leibe habe =-?
Ulrike wurde mehr und mehr verwitrt, obschon
sie sich mit aller Kraft dagegen wehrte, abgewiesen
und zum Schweigen gebracht züböserdein -
,Clso' der Baron' ist es gewesen, ref sie, indem
ihre Hand den Arm Michael's-iie'Hüt einer eisernen
Zange gefangen hielt, ,der Baron hat es ihin gesagt??
Das wurde Michael- zw-viel.- Ei ßnchteisih mit
hastiger Bewegung vonihrloshHuund miteinen bitteren
Lachen sagte er: , Einer von uns BeidenzHhänitasirt,
Mamsell! Wie fallen. Sie denn nun-wieder därauf,
daß Baron Emamuel: denFreiwerberFür mich gemacht
hat? Ich selber hab' es hr zesagk- Abee' das st
Alles ganz einerlei, da das Mädchen!aidere Gedaiken,
andere Projekte im Kopfe hat, als eines ' honneten
Mannes Frau zu werden und mit Ehren unter die

i
!
!

15s
Haube, zu kommen. Mir, das kann ich. sagen, mir

s
kann es im Grunde recht sein. Mag sie es halten,
wie sie will und mit wem sie will. Mir würde sie
-auf dem Wege, den, ich schon lange hätte- gehen sollen,
auur eine Kette am Fuße gewesen sein, und-ich sehe
essgpieder recht, wie unsex Herrgott oft den richtigen
-
ekstand. hat, wo ein ehrlicher Mann einmal eine
Dummheit machen will.?-
-. Er ließ sie darauf ohneweiteres stehen und ging
in des Amtmannes Stube, bei dem er sich mit Fragen
und, Erkundigungen zu schafen machte, bis das Fuhr-
,werk vor die Thüre kam, das ihn, fortbringen sollte.
- Mit all der Wichtigkeit, die er sich zu geben ver-
Ftgnd, sgh er darauf, daß sein Mantelsack, den man
E
s
ihm vom Schlosse herübergebracht hatte, gehörig auf-
zgeladen wurde, dannn, nachdem er sich fest in seinen
Mantel. eingewickelt und die Reisemüze vor dem kleinen
Spiegel aufgesetzt hatte, trat er noch einmal, an Ulrike
,heran und- dankte ihr so- laut, daß der -Bruder es
?
TF ? - ==== -- - =-
-.. , Im Nebrigen, Mamsell Ulrike,' sezte er hinzu,
vergessen Sie, was Sie vorhin von mir höxten. Ich
zwwill Nichts- gesagt haben, gegen Niemanden. Ich denke
zwie: der -alte Friz: es muß Jeder auf, seine Fagon
Felig. werden, und da ich künftig Nichts mehr- damit
? zu schafen: habe, so mögen sie es treiben, wie es
zhnen gut dünkt! Aber einsehen wird er es. einmal!
- Er war damit hinausgegangen, man gab ihm
z
Zis pox die Thüre das Geleite. Sowie jedoch die bei-
z


s


!-
n-
e
s

15
den Pferde angezogen hatten, xief. Ulrike, indem sie
den Bruder triumphirend ansah: ,Wer hat nun
Recht gehabt mit der Hulda? Wer hat von, Anfang
an gesagt, daß sie eine falsche, Schlange ist, -wie ihre
Mutter? - Der hat nun schon,dargn gläuhen mnüssen,
der schöne, anständige junge Mensch! Und zu denken,
daß unsere arme Comtesse auch-yoch - in Ahr Unglück
kommen soll durch solch' ein, schamloses Geschöpf; und
die Frau Gräfin erst!?
Es war ein Glück, daß ihre,Hast gund Aufregung
ihr den Athem versezten,' denn die Anrufe des Brüders,
der nicht wußte; was er, aus -ihrem wirren, leiden-
schaftlichen Gerede machen sollte, -vermochten nicht, ihr
Einhalt zu gebieten. -' Ein - Ausdruck- der Empörung
überholte den anderen. Sogar die bestimmtsgestellten
Fragen des Amtmiannes,-der ess. dochs gewohnt war,
der Heftigkeit der Schwester, die- Zügek -anzulegen,
halfen diesmal nicht, sie - auch; nurbeinigermaßen zur
Ruhe und zur Besonnenheit!- zurüchuhringen. MIhie
Phantasie und ihre Redseligkeik; die-ämnmer zleicht mit
ihr durchzugehen pflegten; verloxen,- sich, mehr- und
mehr in das Schrankenlose, da- das geheine Nebelwollen
gegen die Pfarrerin sie, aufstachelte;und: zusanimen-
reimend und ausdeutend, -wwas derz arglistige Michael
gesagt und nicht gesagt hatte, wwob ie ein.so dichtes
Nez von Verleumdungen um das-arme Mädchen, das
ohne sein Verschulden ihre ngunsts iauf! ,ich ge- -
zegen hatte, daß sie endlich- sich selber,. init dem ; Aus-
drucke Luft zu machen suchte; -, Es zist richt zu sglau-

i
i
!
-
s

K
g



g
p
z
. «

156
-Hen! Gar nicht zu glauben von solchem jungen Frauen-
zimmer!?.
-'-, Nün, so glaub's nicht!! rief der Amtmann, der
Fich inzwischen ganz gemächlich in seinen alten Lehn-
-stuhl' niedergelassen 'ünd die Pfeife wieder angezündet
-hatte.' ,Glaüb's nicht!r rief er,- indem er den -ge-
rauchten Fidibus ausblies und wieder in den! zinner-
Aen Becher steckte. ,Glaüb's nicht! Dä swirst Du
sehr wohl daran thun! Denn ich glaube es' duch nicht!?
-- ;DDu glaubst es nicht? rief die Schwester in
-einer Entrüstung, als zeihe man sie selber einer Eüge.
? --,Dem weggejagten'Haselanten?! entgegnete der
Amwtniänn, , nicht Ein Wort 'glaube ich' dem Men-
schen. -Der Kerl ist ja ein Narr! Aber so alt Dy .
Bist, Redensarten, die unter einem gewichsten Schnurr-
bart vorgebracht werden, an die glaubst Du, auf die
-beißest' Du dn, wwie der Karpfen auf den Brocken.?
- - Ulrike gab sich' nicht für überwunden. Sie war
anerschöpflich im Auffinden von Sügen, die gegeß
Huldä und gegen den Fürsten und gegen Baroit'
Emanuel' zeugen sollten. Mit wahrer Wollust gab sie
ihier- Erbitterung gegen die Schwachheit und die
Charakterlosigkeit der Männer nach, um sich noch
härter'' über - die Verderbtheit gewisser Frauenzimmer
aüszulassen. Der Bruder störte sie nicht mehr. Er
hatte die' Füße über Kreuz geschlagen, die Hände üher
die Brust' gelegt und'' sah uwverwandteit Blickes auf
den' ruhig fortrückenden Zeiger der großen Ühr, die in
altem, säulenartigem Gestelle ihm geFenüber an der
-
z


F
-

!
e:
l
e
s
i
e
s
z?
u
Wand stand. Diesen Gleichmuth hielt Ulrike endlich
nicht mehr aus.
, Es ist, als ob er aicht mehr hörte!r xief sie be-
leidigt aus.
,Freilich höre, ich's,! verßezte der Amtmann,
,aber lass' Dir Zeit!? und -in- dem, nämlichen Augen-
blicke mit aller seiner Rüstigkeit -äufstehend- und sich
fest auf seine Beine stellend, jggte er, -indem er auf
die Ühr hinwies: ,Du hast noch eine Glocken-Viertel-
stunde Zeit, zu reden und zu glauben, was Du zoillst:
aber - wenn um Sieben die Wirthschgfter, zum Essen
kommen. und wenn dann auch zur Eine- Sylbe vgn
all den Lügen über Deine Lippen- geht, Fie;Du Dir
wider die Herrschaften und das grme Ding, -won dem
Lumpen hast aufbinden lassen- dann Mansell=- das
merke Dir - dann hast Du es mit,mir, zu-thyn. Und
wenn ich Ernst mache, dann versteh' jch;einen Spaß!?
Er kehrte sich ab und gißg- Iin seine Stube.
Unter der Thüre, drehte. er sich, wieder-um. .,ßenn
- ich,! rief er, ,von der;ganzen Geschichte icgendwo ein
Wort vernehme, merke Dir das, wohl!- - ein peinzig
Wort vernehme, das dem Mädchen, irgendwie zu nahe
tritt, so halte ich mich, an Dich.. Was im M Nebrigen
daran ist, das werde ich Dir morgen sagen. - Und
heute rührst Du Dich nicht, von, dieser, Stelle., Es
wird nicht hinüber gegangen in, das Schloß, nicht zu
Mausell Babette und zu Niemandem.!-
Er warf die Thüre hinter sich zu, daß sie in das
Schloß fiel. Ulrike sah ihm grimmig nach: ,Einer
, wie der Andere!' brummte sie zwischen die Zähne. , So

!
i
:
158
alt er ist, hat sie ihn auch an derHand. Ich hab es wohl
nicht gemerkt, wie es blos seine Erfindung gewesen ist;

g

daß ich sie zu mir nehmen mußte? Gerade wie die
Mutter! Sie ist gerade wie die Mutter!r sagte sie. In-
deß -sie wußte, daß mit dem Bruder, wie mit seinen
großen Stieren, Nichts zu machen und an kein Aufkom-
-.
men gegen ?ihn zu denken war, wenn manihn einmal
aus seiner schwerschrötigen Ruhe aufgeschreckt und wild
!
s
gemacht hatte.
! -
e
l
!
i

e
- Se Biß die Zähne zusammen und schwieg. Ihren
rinn herunterschlucken, das konnte sie indessen nicht.
- Sie mußte:durchaus Etwas haben, woran sie ihn, wenn
, auch im Stillen, ausließ;- und das große Schlüssel-

z
- bund ergreifend, weil ihr nichts -Anderes' zur Hayd .
wa, warf ssieeO mit wildem Schwunge vön sichh daß
es Heithin -durch die ganze Stube fahrend, dem alten
ausgedienten Jagdhunde an die Beine flog, der unter
der Bank am Ofen auf seinem Kissen, friedlich all
- denZanke !zugesehen hatte. Das arme' Thier fuhk.
heulend duf und kläffte gegen sie an.
- FVönehs!- gebot lrike, ,eouebs! Willst du
küschen, Du Bestie! Wenn ich kuschen muß, so kannst
Du's'aüch.!-Und sich dieThränen abtrocknend, setzte
fiessich in ihren Winkel hinter den Ofen, wo- dieKaten
lagen, und fing nachzudenken und zu' überlegen an.
wasmit der Hulda Alles -geschehen sein konnte und
was ihr. heute eben jetzt geschehen- war.!

h
s
I

z

- SoEtwas- war noch gar nicht dagewesen, und sie

- war doch wahrhaftig nicht von gestern und hatte ihr -
. -
reölich Theil erlebt.
.K
t
HssHsHspGgGGsGGgGöGgGGgüG

?
- - »-
. . s