Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 19

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Aeunzehntes Gapites
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--- Der Haushalt in dem Schlosse war gut eingerichtet,
dazu war der Fürst auch noch in dem jugendlichen Alter,
-- in welchem man der eigentlichen Bedienuung nicht viel
- bedarf. Die vorhandene Dienerschaft konnte. alh mit ,
- . - Leichtigkeit die Lücke ausfüllen, welche Michael's Ert-
fernung in der Bedienung des Fürsten gelassen hatte,
- -die Ordnuung brauchte deshalb nicht gestört zu werden.
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-Aber-wie in jedem Sommer. eine Stunde kommt, in
? - pelcher man ganz plötlich einen veränderten, Hauch
F Zin; derSuft wahrnimmt,. eine Stunde, in welcher män
- ganz heiß herniederscheint, und die Blumen noch von .
-. allen. Beeten duften, so trat in die bisher, so leichte
-- und heitere Geselligkeit des Schlosses plözlich eine Art
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- - sich sagt: der Herbst fängt an, obschon die Sonne
- pon Stockung ein. Jeder Einzelne bemerkte sie, Allen
suchte ihre Ursache an der Stelle, an welcher sie' ihren
Ursprung genommen hatte.
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- fiel. sie mehr oder minder unbequem und Niemgnd
Es war bis dahin Alles so glattaund einfach von
statten gegangen, darum empfand man die kleinsten

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Hindernisse um so schwerer. Michael's Dienste wur-
den von dem Fürsten nicht entbehrt, aber er vermißte-
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den Menschen, den er immer um sich, gehaht, der ihn
in hundert Fällen fust der Mühe sdss Wöllens und
Denkens enthoben hatte: Er gestand! sich's ein, daß
Michael's Entlassung spätex' injeden; Fglle nohwen-
dig geworden wäre, indeß, daß erjetzts dazu, und im
Grunde unnöthig veranlaßtwar, das Taft ihni troz-
dem ungelegen. Michael war mit allen seinen Chor-
heiten eben auf dem Lande im höchsten Grade be-
auem und recht ein Mensch gewesen; wie: man ihn
gebrauchte. Für alle die kleiien geselligen Unterneh-
mungen hatte er auf ein bloßes Wort das Nöthige
mit Sicherheit verschafft. Er -hatke. leine ganz un-
gewöhnliche Gewandtheit für alles Dasjenige besessen,
was sich irgend auf Verkleidungen oder!auf kleine Dar-
stellungen bezog. Ein Zimner für lebende Bilder
herzurichten,' aus dem Unscheinbarsten für Kostümrirun-
gen Vortheil zu ziehen, den Souffleur zu machen,
war Niemand so geschickt gls er; und! weib er es mit
eigenem Vergnügen that, hatte er auch niemals
Schwierigkeiten dabei gemacht. Nüir fehlte es balb
hier, bald dokt. Andererseits hatte Glarisse sich ge-
wöhnt, auf Huldä eben so unbedingt zu' rechnen, ihre
Person, ihre hübsche musikalischeBildung, ihre mannich-
fache Handfertigkeit überall- in Anschlag zu bringen,
und wie es den Fürsten verdrießlichmachte, daß Michael
nicht mehr zur Stelle war, so verdroß :es Clatisse,
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wenn die Kenney jetzt urplötzlich so piel Ansprüche an

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Hulda erhob, daß sie den Bedürfnissen der jungen
; Gräfin'dadurch mehr und mehr entzogen wurde. -'
Elarissen zu bedenken, daß man das Mädchen doch zu-
nächst um seiner selbst willen und seiner Ausbildung
wegen, in das Schloß genommen habe. Es sei' deß-
halb eine Pflicht gegen Hulda's Eltern, daß man die
Tochter hier nicht so ausschließlich für das augenblick-
liche Vergnügen der Gesellschaft arbeiten lasse. Man
habe bereits mehr Zeit verloren, als billig sei; nun,
da die Abende länger würden, müsse man das ein-
--' zubringen suchen. Hulda müsse fleißig studiren, und,
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, was dann Glarisse später einmal thun wolle,- das .
- könne ja' später- entschieden werden, wenn aus dem
Mädchen erst etwas Ordentliches geworden' sein würde.
- Sonntags erinnerte Miß Kenney jetzt stets an den
-? --- Besüchsder Kirche, weil die Gemeinde Anstoß daran
- nehmen und es der Herrschaft zur Last legen könnte,
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- wenni man die Tochter des Pfarrers, wie es während
- des Hochsommers nur zu oft geschehen war, von dem
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regelmäßigen Besuche der Kirche ferne halte; und da -
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es an, daß Hulda, wenn sie am Sonntage bei den
J Eltern- gewesen. war, die Nacht dort bleiben und erst
sollte.» Das war Alles richtig, ja nothwendig. Clarisse-
- säh das ein. Hulda's Eltein waren mit diesen neuen
- Bestimmungen weit mehr' einverstanden als mit dem
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die Tage merklich kürzer geworden waren ordnete man
-- am -folgenden Morgen in das Schloß zurückkehren
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seitherigen Verhalten, auch sie selber mußte sich es
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sagen, daß sie die Zeit, in welcher, sie des Unterrichtes
von Miß Kenney theilhaft. werden könne, fortan mehr
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zu nüzen habe; aber auch in den kurzen Fommer
ihres Glückes war jener geheimnnißvolle Bruch, gekom-
men,. es war Alles mit einemmale nicht mehr so
wie sonst!
Das Brautpaar kam nicht mehr alltäglich, sein
Frühstück bei der alten Freundin einzunehmen. Eine
kleine Erkältung der jungen Gräfin hatte die erste
Unterbrechung in dieser freundlichen Gewohnheit ver-
anlaßt. Dann waren einige sehr- rauhe Tage ge-
kommen, während deren der Fürst seiner Braut' das
Ausgehen widerrathen; -inzwischen hatte die Gräfin
ihrer Tochter zu bedenken gegehen, daß -es im Grunde
doch kindisch von ihr sei, dem Fürsten an jedem Vor-
mittage einen so unnöthigen Besuch bei einer- Greisin
zuzumuthen, die für ihn persönlich keine eigene Be-
deutung habe, und Miß Kenney hatte ihrerseits nicht
einmal eine Bemerkung über das ?Ausbleiben ihrer
bisherigen Gäste gemacht. - Sie schien das ebenso-
wenig zu beachten, als daß der Baron nicht mehr wie
früher bei ihr vorsprach. -
Sonst, wenn er durch den Garten gegangen war,
und er ging sonst viel spazieren, war er fast regel-
mäßig an Miß Kenney's Fenster herangetreten, um
ein par Worte mit ihr zu wechseln, um gelegentlich
zw sehen und zu hören, was Hulda krieb, und welche
Nachricht sie von ihren Eltern, hatte. Später, als
man nicht mehr die Fenster des Zimmers offen hielt
und man nicht mehr bei Miß Kenney frühstückte,
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- hatte er' doch ab und- zu am Morgen, wenn auch im-
mier- nurfür kurze Augenblicke, vorgesprochen; und an - -
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- dem -Abende, -an welchem er Hulda allein und durch
hatte er ausdrüe'lch verheißen, daß er wiederkehren
- die Begegnung mit. Michael so erschreckt gefunden,
werde, um - nachzufragen, was geschehen sei. Aber ge-
- - kommen.war er. nicht! Und Hulda -wwußte es doch,
- Miß Kenney, hatte ihr es ausdrücklich gesagt; daß er
- - gsgewesen.sei; der .mit dem Fürsten Rücksprache gef,
-. - - gmmeg und- dadurch. die Entfernung des -verläum
P;! dexischen Kammerdieners veranlaßt hatte. -
? hatte: sie,es sich ausgedacht, daß und. wies e zjhw ,
- älten Beschüzerin zu thun gemeint, dann war ihr dies--
unmöglich vorgekommen. Miß Kenney, verlangte im-
- mer, daß Alles, was man that, ruhig, gemessgn,. - mt
-- -. Anstand gethan, und ausgesprochen werden sollte, und
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- wwo-Follte Hulda zu einer langen höflichen Rede den
- solche, da der Baron fast immer wußte, was,sie
pollte, auch ohne daß, sie sprach. Wie oft war es ihr
- hegegnet, daß er errathen hatte, was sie dachte. Wie
oft war er freundlich einem Wunsche -zuvorgekommen,
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Neber alle die Veilegenheit, die sie zuerst in der Nähe -
der-Herrschaften gefühlt, hatte er ihr, sie, wußte sel-
! ber kaum wie, mit einem Blicke, mit einem Worte
- hinweggeholfen. Den. Schuz, den er ihr einst im
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- -.Von.Stunde' zuStunde hatte Hulda seitdem auf-
- Muth hernehmen? Wozu aber brauchte sie auch eine
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-- danken- wolle. Erst hatte sie es in Gegenwart ihöex
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; ( den-argn gewartet- - FStill bei, ihrer Arbeit jipeyd;
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Vorübergehen scherzend zugesagt,, den hatte er ihr, auch
ohne daß sie ihn erbat, gewähit. Bei Allem, was sie
gethan, hatte sie sich darauf verlassen, daß er da sei;
bei all den kleinen Leistungen, zu denen man fie heran-
gczegen, wzg seine Zufriedenheit es gewesen, auf die
sie sich gefreät. Oft, sehr oft hatte sie gedacht, daß
f aeesenhei ein Segen für sie fei; und gerade dam
Gott ihn eigens zu ihrem Heile hergesendet, daß seine
war ihr jedesmal wieder der unheimliche Ausspruch vgn

sich selber unter- dem Banne ehnesFluches glaube! -Er,
der gütigste der Männer, unter: demi Banne eines
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Fluches! Aber es gab ja Erlösungz bon -jedwedem
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Fluche, Erlösung durch' die Liebe- und konnte die
ihm fehlen? -
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Mamsell Ulrike eingefallen, daß er vyerfhtcht ;sei und
Es half ihr nicht, daß sie sich diese Vorstellung
als eine Thorheit, als ein Märchengebilde vorhielt.
? Es giebt geheimnißvolle Dinge, die man mit demn, Ver-
h stande nicht begreifen kannn gund die man dennoch
; wahrnehmen muß, weil sie Herrschaft üher den Men-
schen üben. Sie erfuhr das an- sich selbst. Sie war
plötzlich selber wie von einem Banne umstrickt;' pie
von unsichtbaren Banden festgehalten, so daß ihre eigenen
Gedanken davon wie befangen waren und! sie selber
j; - und die Menschen ihr wie ganz vexwandelt dünkten.
,Was ist dennn geschehen? fragte sie sich oftmals.
DrPben lag das Schloß wie sonst; aber eine
unsichtbare Mauer hatte sich zwwischen ihr und dem
Schlosse aufgebaut; es trennte' sie Etwas pön dem-
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selben. Die Kammerjungfer der Gräfin kam nicht
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mehr, sie zu rufen, kein Diener meldete, daß man
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Vormittag ging sie noch hinüber; der Gräfin Clarisse
das Haar zu flechten, indeß auch diese hatte viel, von
ihrer Heiterkeit verloren. Sie war Vß, nordischen
Wind griffen ihre Stimme an, verboten ihr die ge-
wohnte tägliche Bewegung in freier Luft. Das nahm
ihr alle ihre Munterkeit. Dazu hatte man Nachrichten
- über das Befinden des alten Fürsten, welche die Ab-
reise des Sohnes als möglich erscheinen ließen, und
ob und wann er danach wiederkehren, oder ob man
ihni später folgen und ihn dann in der Stadt erwarten
- würde, wo man leichtere Verbindung mitihm hatte,
darüber war man unentschieden. Es war überhaupt
»?F?- z Nemad mehr das alte, gleichmäßige mnd frend-
.

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. mrt einemmale Alles ungewiß geworden, es hatte Nichts
- lche Gesicht.
- Die Kammerjungfern stießen einander an, wenn
- - sie Hulda begegneten, die Bedienten beklagten,.als sie
einmal durch den Speisesaal ging, während man die
-' Tafel' deckte, laut und geflissentlich den armen Michael,
der sich auf so nichtswürdige Weise habe fortschicken
- - lassen müssen, weil Andere, die pfiffiger gewesen wären,
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ihrer bedürfe. Nur einnial des Tages, am frühen
F;= Herbst nicht gewöhn, die Nebel, der RFen und der
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sich fest in den Sattel gesetzt hätten. Die Frau des
Gärtners, eine gute und wohlgesinnte Person,' erkun-
digte sich eines Tages bei Hulda ohne allen Anlaß,
ob es wahr sei, daß sie im Hause bleiben werde, auch
wenn Miß Kenney mit den Herrschaften von dannen
gehe? Und als Hulda sie darauf verwundert ansah
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- und erwiderte, was sie denn hier solle, sie werde na-
türlich gleich wieder zu ihren-Eltern zurückkehren, hatte
die Gärtnersfrau gebeten, sie möge die Frage nicht
, übel nehmen, sie habe es auch nicht'geglaubt und hätte

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es nur so gehört. -
Wenn Hulda einmalb niit einemi Auftrage nach
dem Amte hinübergehen miußte, so 'sah Ulrike sie nur
über die Achsel'än und gönkte ihr kauni! das Wort.
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Sprach der Amtmann guit' der alten Freundlichkeit zu
ihr, so machte Jene. gewiß - eine bitteke Bemuerkung
- dazu, und wie dann Hulda simniäl; in Thränen aus-
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brechend, die Frage wggte, was sie denn verschuldet
habe, daß sie ihr so zürne,, hatte Alrikeihr gnlt spöt-
tischem Lächen die Antwort gegeben: zSo schöne junge
Frauenzimmer dürften niemal6-weinen, das mache
Falten und rothe Augen, und' dann-sei dieKunst vor-
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bei, denn das gefiele den -vornehmeii Herren ein-
mal nicht.!-
Selbst in der Kirche und bei, dem Fortgehen aüs
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derselben blickte ntan sie so- besonders!än. Freilich
trug sie jetzt jast lauter neue und weik bessere Kleider
als vordem, denn Gräfin Clarisse warfreigebig und
hatte ihr in den letzten Zeiten soggr eine hübsche Brust-
nadel und Ohrgehänge und allerlei Zierrath geschenkt.
Es war auch ganz ngtürlich, daß die Amtmgnns- und
GutsbesizersTöchter, mit denen fie herangewachsen und
eingesegnet worden war, sie fragten, wo sie denn das
Alles her bekäne? Sle kannten ja die Großmuth -
der jungen Gräfin nicht, aber hinter diesen an sich
fauny' Lewald, Die Erlöserin. L-
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- - sehr erklärlichen Fragen lag noch immer- ein Etwas,
? das sich lhalh persteckte, halb sich zeigenwollte: etwas
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- das Blut in die Wangen trieb und ihr das Wort im
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-' rechtes, hgtte Niemandem bein Leid gethan und konnte
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gegentrgt, Sie konnte sich nicht erklären, was sie
-sie hätte. klagen können, wie. ihr das Herz so, volllund .
- schwer, wie ihr- so, bang und muthlos zu Sinne sei.
-- Dgzu rückte die Jahreszeit immer weiter vor und
dgs Wettex wurde immer trüber. Der Regen fiel
-, Tag für Tag langsam und dicht herab, hie und da
-' zgigteg sich schon, Schneeflocken dazwischen, die freilich
- noh in der uft zerschmolzen. Die Sonne kani nur -'
selten einmal zum Vorscheine, tauchte bisweilen erst in
- I der, Stunde des Unterganges zwwischen dem dichtenGe-
-- gelhlichen Scheine nur noch: das welke, auf dem Boden
- - liegendes Lgub, und die kahlen Aeste, von, denen-der
-,- Regen, niedertropfte, oder die weißen Wachsbeeren an
- den entblätterten Spireensträuchen und die düsteren
-
- Tamnen, und Kiefern, über deren Wipfeln die langen
Züge der pilden Gänse, hoch oben in der Luft, mit
- kreischendem Abschiedsrufe gen Süden wanderten.
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,- IhxeFröhlichkeit, ihre Unbefangenheit hielten nicht
- - wölke hervor, und beleuchtete dann mit. ihrem matten,
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- genommen;,hatte:. -
- - Stgndzpgr dem persteckten üblen Willen, der ihr ent-

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jg Richts,hafür, daß die Frau Gräfin fie in das Schloß

-- ängftigte, , was sie empfand; es war Niemand da, dem
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-; Eunde,stocken machte. Und sie hatte doch nichts Un-
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Mehrere Wochen waren -so hingeschwunden. Der
- Gäste im Schlosse waren -immer? weniger geworden;
Besuche aus der Umgegend- kamen auch:'gmr selten,
weil die grundhJen Wege den:Verkehrr erschwerten,
und auch im Säosse wie draußen in der Natur ließ
sich kein fröhlicher Gesang mehrchören) Die. Krank-
- heit des alten Fürsten,hielt. die. Sorge um ihn wach,
die Tage vergingennim -Erwarten dertGriefe, es wur-
den für alle möglichen Fälle Vorkehrunget getroffen. -
Man zog die Reisewagen aus den Remisen, um
sie nachzusehen uuund, in. Stand-zg Fehen! --Es war eine
Ungewißheit in' alle Zustände gekominen, jelbst Miß
Kenney -sprach davon,' ihre Söachen einzupacken, und
wies Hulda gn, in welcher Art Fie: ihre hegonnenen
Studien fortzusetzen habe, wwenn?man'frühet pon den
Schlosse scheiden und sie dänn früher zu ihren Eltern
heimkehren sollte, als man- es -uxsprünglich beabsich-
tigt hatte. -
Hulda sah und, hörte das Alles, wie män Quä-
lendes, Beängstigendes in einemjener Träume durch-'
macht, bei denen. man das Bewußtsetn hat, dgß man
von einem Traum befgngen sei, ohne sich aus den
Banden desselben befreien zu können,; ohne sich deß-,
halb weniger von seinen Eindrücken gepeinigt und ge-
auält zu fühlen. Denn- mut allemu-- ihxem Henken kam
sie micht, über dieimmer gleichen Fragen hinaus:-
, Was habe ich denn verschuldet, daßs ich nicht mehr
glücklich bin? und ,Wie ist -es; nööglich, »gß de:
Baron, daß er, der Gütige, mit Fine Gunst ent-
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f'h. z-be Es u-s t- h »= Re =a bapn= =
' heß. ihr. am Fage keine Ruhe. Die Augen waren ihr
- güide zum. Susinken, -das Herz kopfte ihr beständig.
h? -h;zs erwvarte- si Etwas. Sie konte,hei keiner Arbeit
- lgnge;bleihen, es war eine RastlosiFeh über sie ge-
- I? ? Aommen,. die sie hin und her trieb und sie nur noch
h.
s-- ? -' zuüider machte.
-- . ,Wie übel' siehst Du aus!r sagteClarisse, deren
I,? Zegung, ihr; immer zugewendet blieb, eines Tages
FIganz betroffen, als Hulda ihr an einem Nachmittage
z'einekleige: Arbeit herüber brachte, welche sie ihr. auf-
- -. getragen hatte.-. Wo hast Du Deine frischen Farben
. zoass= D bist oa botouug =ah rrr
--
- ,Sie it zu schnell gewachsen,' fiel Miß Kennas
' ein, noch ehe Hulda die Antwort geben konnte, , das
-Jat ße ein wwenig angegriffen, und die pöllig ver-
ßI? - änderte Lehensweise bat ihr vielleicht auch geschadet. -
! -- Sie haben, ganz Recht, Hulda sieht nicht gut aus.
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,Wir haben vielleicht, nahm die Gräfin das
- Wort, , mit all unserem guten Willen für sie nicht -
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., das Richtige gethan, als wir sie hiehergenommen haben.
- I Sie hatte möglicherweise noch eine Weile Ruhe für
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- , ihre Körpexbildung nnöthig; aber ich hielt fie für fertig-
- muit, ihrem Wuchs, als ich sie sah, und wollte ihr doch
? -' zugute kommen lassen, was wir ihr hier zu bieten
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- -hatten. Die Ruhe bei den Eltern sezt das hoffent-

- - gch schnell. wieder, in das Gleiche. Wenn Du Dich
, heute übrigens nicht ganz wohl fühlst, Kind, wenn
F. ? -D etwa hinübexgehen willst, so mußt Du das nr
- sagen.-
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,Oh! ich bin ganz wohl!r entgegnete Hulda,
und doch hatte ihr im. Leben däs Herz noch nicht so
geschlagen wie' in dem Aügenblicke, denn der Baron,
der mit dem Fürsten hor den' Schachbrett saß, wen-
dete sich sangsam nach ihr um, üid den isäßften Blic
prüfend aüf sie gerichtet, sagte eri! ,Erimnersk Du
Dich unserer Unterredung, Schwester, und derBedenken,
die ich gleich damals! gegen Deine Plane hegte? Es
ist ein alter weiser Ausspruch; das fHorazische: Was
ruhig ift, das soll man nicht' benegeß!f -
Die Geäfin hielt' fich geflisseitlch n seiie lezten
Worte. , Das ist ein schöner unb echk, äristokratischer
Grundsatz, den wir Alle in - die Wappen über den
Thoren unserer Häuser und Schlösset aufnehmen soll-
ten,! sagte sie, ,eben weil er zu' den'Aüsprüchen,
Neigungen und Gesinnungen um üns Her, und ge-
- legentlich auch zu den'Deinen, in ehnem so heilsamen
Widerspruche steht. ich kann Dich ülrjgens vetsichern,
daß ich mir diese Erfahrung zurfLehkelnehmen werde,
und daß sie mich vorsichtiger machenfwirh.? -
,Dessen bin ich sicherl? -vehseste Emanuel.
,Schade nur, daß nsexe nachträgliheEinsicht keine
rückwirkende Kräft besizt, undmeist üühuns zugute
kommt, während Dritte unseren ftüheren Irrthum
büßen.? -
- Er hatte das aüsgesprochen, dhne von seinem -
Spiele- aufzusehen. - Dgs war der GGräfii lieb, denn
die Fassungslosigkeit, in welcher Pulda jich befand,
hätte ihm sonst nicht verborgen- bleibzn können.. Ihre
Farbe wechselte schnell, ihre-Lippen -bebten und' ihre

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- Augen hingen so angstvoll' an dem Baron; als wolle
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und müsse sie errathen, was seine Aeußerung für sie
bedeute, und in welcher Weise er sich ohne ihr Wissen,
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F - mit ihr und irem Schiesale beschäfg: habe.
?. Die Gräfin beobachtete sie scharf. Das, was sie
sf.; ===e = = = ==nee= = e
F dabei' eitdeckte, war ihr nicht willkommen; aber sie
?- zlüheFde Wänge legend, sagte sie: ,Du bist verhipt,
- J - ;es-- st vielleicht in meinen Zimnern wwärmer, als Di -
F es gewöhnt bist. Geh' hinüber, Kind, und rühe Dich
I 'ausk Wir wollen morgen überlegen, was Dir dient
l=?, d =önes.
Hulda wollte gehorchen, Clarisse hielt sie noch
lh ra.ee
-.-..-' beiden Männer waren aufmerksam geworden. Der
ß.? Baron, den eigenes Leiden achtsam für Andere ge-
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macht hatte, trat theilnehmend an sie heran und ergriff
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- mit' der Frage, ob sie Schnnerzen, ob sie Fieber habe,
ihre Hand.
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,Mir fehlt Nichts,' gar Nichts!r rief sie, und doch
zuckte sie zusammen,- während ihre Wangen glühten
. und ihre Augen hell aufleuchteten. ., Mir fehlt Nichts!
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- Ich bin ganz gesund,! wiederholte sie, und wollte
F - tHe, =oe gee Epka i =ia - ia
F- - ihre Hand aus der des Barons und eilte hinaus, als
ob eine unsichtbare Gewalt sie von dannen triebe.
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- Mädchen Et. krank! Rch fürchte, sehr krank!r sagte er
un.

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- Emanuel' blickte ihr mit Besorgniß nach. ,Das
- - und machte den Vorschlag, seinen Reitknecht gleich am
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nächsten Morgen. zu der Pfarrerin und nach dem Arzte
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zu senden. Die, Gräfin, und die sonst leicht' zu he-
unruhigende Kenney wollten jedöch von keiner Be-
sorgniß wissen.
,Macht das Nebel, das Ihr angerichtet- habt, nicht
ärger!! meinte die Gräfin mit einer gewissen, Herbig-
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keit. , Emanuel hat mir. zu verstehen' gegeben,i ich
hätte besser gethan, das Mädchen!s'in sdeg -Vater-
hause zu belassen, und ich habe dgs -nn ;Hulöa's Bei-
sein nicht erörtern mögen. Aber häitt!lIhr Fie nicht
aus dem Bereiche, entfernt, in den-sie hingehört ünd
für den ich sie bestimmt, hätte Clarisse und' auch Du.
mein Bruder, nicht, von Hulda's gutem ;leußeren be-
stochen, sie in unseren Kreis hineingezogen, in dem zu
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leben ihr nicht zukam und in dem sie ja niemals
leben kann und wird, so wären ihre. Phantasie, und
ihre Nerven nicht so aufgexegt worden und sie wäre
frisch und gesund geblieben wie zu Hguse., ch werde
morgen nach der Mutter schicken, sie soll Hülda für
Fg; einige Tage mit sich nehmen, dann wirh die kleine
.
Neberrezung vorüber sein; und sg wird, sich einmal.
-
As später dieses Aufenthaltes bei uns wie eines un-
As
gewöhnlich hellen Sonnenscheines, wie; eines schönen

Traumes erinnern. Macht Euch doch Feine unnöthige
Sorge um das Mädchen. Das Leben hat der Sorgen,
Ak
Z! - der ernsten Sorgen ohnehin genng, und.D=-!- -
,Eine Estafette!' riefen sie. fast!Mlle' wie aus
einem Munde, denn durch die sanfte Stille- des nieder-
sinkenden Dämmerlichtes schallte plözlich ds iSignal
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eines Posthornes über den weiten Hof. Der Hufschlag

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- - üßd fölgtg ihm.
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- zusuchen. braucht. Die Sorge kommt uns schon von
, selbet Fn das, Haus. Was bringt Ihr? fragte sie,
- wiederkehrten.
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, Wir müssen noch an diesem Abende fort! Ich und
Clarisse - und also guchFie, theuerste Mutter.--


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- fügte sje gefaßt hinzu. -.
,. - ,Mein Vater schreibt mir selber. - Er -hat nach,
- yeiner. Besprechung mit dem Arzte, von dem er -un-
-' edingte Offenheit verlangte, die Bestätigung erhalten,
-, daß sein Zustand hoffnungslos, sein Ende möglicher-
s.
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-- ,Wenn Sie das fordern,' entgegnete die Gräfin, -
- wwer hat Sie gerufen und was schreiht man Ihnen?
==- Z
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-- ,und mich noch verbunden zu sehen, uns zu segnen,
-. ehe ,er, seine lieben Augen für uns schließt! -- Der-
, Fürst hatte das mit ruhiger Selbstbeherrschung aus-
-- ihndieäorstellung, die Stimme versagte ihm, Clarisse
. schlgng ihre ,Arme um seinen Hals, und der Empfin-
pE-
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,-ungi nachgebend, barg er sein Aitliz an ihrer Brust.
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- wweise nicht mehr ferne sei, und er wünscht Clarisse
-, Js=a.== = == =o= we ===ne-
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- ,muß es unerläßlich sein und muß es geschehen! Aber.
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- , Sie mnüssen wieder einmal beweisen, theure
? Muter!r sagte der Rürst, , daß Sie Sie selbst find.-
n -
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- Jäls, die Verlobten bleich und mit bewegter Miene
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,Ich hatte wohl Recht, zu sagen,! sprach die
- räfin, , daß man die unnöthigen Sorgen nicht auf-
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? ,eilte;nach der Thüre, ßlarisse hing sich an seinen Arm
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eines,Pferdes kam mit großer Schnelle-näher, der Fürst
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Die Gräfin sah nach. der Ihr, die auf dem Ka-
mine stand. , Es ist nahezu-FFünf, sagte fie, ,um
acht Ühr können wir reisefertig sehn und, reisen, Sind
Sie damit zufrieden, Severin?
Der Fürst und Elarisseküßten danklär ihre Hände,
, und der Erstere wollte sich eben entfernen, um dem
Postillon selber den Befehl zu geben, daß man auf
der nächsten Station -die Pferde für die Wagen
bereit zu halten habe, als ihm noch ein anderer Ge-
danke kam.
,Machen Sie das Maß Ihrer Güte voll, theure
Mutter, bat er, ,und gestatten Sie, daß ich in Ihrem
Wagen fähre. Wir haben Aussicht, vtel schneller fort-
zukommen,' wenn wir morgen meinen Wagen uns nit
dem sämmmntlichen Gepäcke folgen lässen, und somit heute
nicht die doppelte Anzahl von Pferden nöthigi haben,
Die Gräfin überlegte eine- kleine. Weile Man
hatte es immer als feststehend angenommen, daß der
Baron an Stelle von Clarissens Vater die Braut zum
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Altare führen sollte, und diese selber gochte auf den
hr liebgewordenen Gedanken nicht verzichten. Nun
hegte man die Besorgniß, oh es für Emnuel nicht
zu ermüdend sein werde, in einemWagen selb Dreien
-die mehrtägige Reise durchzuhalten, Aber Glarisse erin-
nerte daran, wie man ja in diesem gut gebauten Wagen
schon oft zu Vieren, die Eltern und sie und der
Bruder, gereist sei, wie ihr alter Plaz im Wagen ihr
jetzt noch lieber sein werde, wenn sie ßatt des Buders
den Verlobten an ihrer Seite habe; auch der Baron
erklärte sich mit der Einrichtung - dugsnblicks, zufrieden.

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- von Miß Kenney feststellte. In ihren Absichten hatte
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; es schon lange gelegen, sie zurüchulassen.
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im Grunde sehr willkommen, weil er ohne ihr' Zu-
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- die-Size böt fünd hinter dem großen Wagen den
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; aöthigen' Raunt, und der Gräfin war- der Vorschlag
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' Für die, Fammerjungfer und für zweiDiener boten .
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Bwanziglkes Gäpiiet.
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Die Ankunft der Estafette, die plötzlich, angeordnete-
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-. Abreise der Herrschaften hatten den gagzen Hof in
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Zs, Aufruhr versezt. An allen Ecken und Enden wurde
e - es lebendig, jeder Einzelne hatte sich zu rühren und
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Z ; zu hasten.
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In den Ställen und Remisen sah mann die Leute
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s j mit den Laternen sich hin und her bewegen, Koffer
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- wurden über den Hof getragen, die Kammnerjungfern
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; und die Diener gingen eilig in den Cotridoren und
, in den Zimmern umher, die beiden Gräfinnen, der
Zs Fürst und dek Baron baren beschäftigt,; aus ihren
I? Schreibtischen und ihren Sachen dasjenige zusammen-
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' zulegen, wwas sie selber als das Unerläßlichste mut sich
F ? zu nehmen wünschten, und man hatte umsomehr zu
- thun, da man nicht wissen konnte, ob und wann man

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Die Gräfin hatte den; Amtmann rufen lassen,.
um ihm die nöthigsten Anweisungen zu ertheilen.
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