Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 27




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Hetendzpsßötgts Söts?.
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Der Baromteter;und der Amtmann, hattey richlig -
prophezeit, die Kälte, war eine. außexordentliche ge-
worden. Emanuel, konnte,-uicht dgran, geyken , jeine
Verlobte zu besuchen. -Als die,gewohnte Ftunde, hergn-
kam, machte ihn, das unruhig, ;esonders,,das er; sich
einer kleinen Nachlässigkeit gegen sßazzu zehen Jatte
schmerzlich gewesen wwar. -. -
die ihrem weichen und empfindsamen,Oerzen , gewiß-
Er hatte gestern, als-ex, stch pon, ähxem - Bette
- entfernte, die Rose -liegen lassen,. welche sie ihm am
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Neujahrstage im Wiedererwachen -ihres, Bepußtseins






als erste Liebesgabe. dargereicht, und- er;, hätte zviel
darum gegeben, hätte- er -dies -ungeschehen mngchen
können. Nun blieb ihm, nichts -übxigg äls -ihr, dies in
dem Briefchen bedauexnd-guszusprehenz hn gvelchem- er
ihr meldete, wie die Kälte,ihn zwwinge, sich zu; Hause
zu halten.- Er ermahnte sie daneben, guten Muthes
zu sein, sich die heiteren Bilber einer schönen Zukunft
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besitze, und machte den Vorschlag, daß er an jedem - T
Nachmittage einen verdeckten Schlitten nach der Pfarre I?
hinunterschicken werde, um abwechselnd den Vater und V
Miß Kenney zum Kaffee in' das Schloß zu holen, da -
allen Beiden diese kleine geistige Erfrischung endlich I
auch nöthig und pohlthuend sein werde. Er bat ;
Hulda, ihm die gestrige, Rose dgrch, hen Boten zu ;
übersenden,' da er' sie nicht' enthehren wolle, schickte ihr z
frische Blumen dafür, wie die Treibhäuser sie boten, -
und obschon er sich sagte, die Genesende werde ihn -
veimissen, wwar es ihm ini Grunde gar icht -unlieb I
daß er 'sich mit-seinem Briefe und der Bluniet- '-
sendung, des Besuches einmal entheben konnte. Am- -
Bette eines kranken Mädchens zu sitzen, das.er wie -
ein Kind init sanftem, gaukelndem Kosen zu' beschäftigen ? -
hatte, -däzu fühlte er sich heute gar nicht aufgelegt, -
und vog ihrem' Ergehen hoffte er durch den Boten, - ;
und später am Nachmittage durch den Vater oder durch z
die treue Pflegerin günstigen' Bescheid zu erhalten.
- Als Ti den Reitknecht abgesendet hatte, ließ er -;
Fich Bei'selnen Gästen melden.' Die Mutter war be- ,
schäftigt, Konradine nahm seinen Besuch' in ihrem T
Zimmer an. -Sie war noch in einem Morgenkleide; -=
- und' hatte ein Fanchontüchelchen über' deit Kopf''ge- -
worfen und unter dem Kinne zugeknüpft,. so daß die Iz
, Forn ihres Gesichtes sich schön darin abzeichnete! -'-
- b- Einanuel entschuldigte sich wegen seines zeitigen -'
Besuches mit der Bemerkung, wie ihn das lange -'
Alleinseh wahrJaft durstig nach belebendem Verkehr, ?
und damit unmäßig in dem Wunsche gemacht habe, -
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ihrer Gesellschaft während dieser kurzen Tage so viel
nur möglich theilhaftig zu werden. - Sie jagte, er
komme ihr eben gelegen, denn sie' habe' ihn zu sehen,
und sich gegen ihn zu rechtfertigen gewünscht.
,Wenn Sie' sich des Unmraßes ? anklagen, was
soll ich dann von mir sagen, die ich Festern den ganzen
Tag hindurch und auch schon am Abeide -vother aus
einem Unmaß in' das andete gefallen' hin?sprach sie.
zIch war aber gestern wirklich nich- Herrüber lich,
habe mir Vorwürfe' deshalb gemacht äus'Aerger- dar-'
über nicht schlafen kömnen. Uidi doch'vertschte'ich eben
nur durch diese Gewaltsamkeit nir über -die' Gedanken
fortzuhelfen, die das Wiedersehen mit htien und die
Erinnerung an unser harmloses' lezes Beisaümnensein
im Hause der Gräfin mir heüaüfbeschworen- hatten.
- Ich habe in den lezten Monaten- zu'wvtel' eileht, zu
grelle Gegensäze durchemnpfündein--Meine Gesundheit
hat gelitten. Ich wükdesbisweileit?raftlos zusammnen-
brechen, wennn ich mich nicht nit'lautef'Seli pidrüali
über die Abgrßnde förtschwänge, die sich vob mir aif-
- thun, so oft ich rückwits blicke.-Sie müssen mich
- sehr verändert finden, däucht nüir:? -
Da er ihr dies an-verwicheneiTage dhne ihr
Zuthun ausgepsrochen, hatte, trug er kein-Bedenken,
es ihr auf ihre Frage' zu wiederholei. -FSie haben
; Ihr früheres Wesen eingebüßt,? sagte er, ,um ein
tieferes und noch - viel' anziehenderes dafür zu' ge-
winnen. Nur macht Alles, was ich in' diesen wenigen
Tagen von Ihnen sah und hörte, mich fürchten, daß
- Sie die gewonnene Vertiefung schwer erkauften.!

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.. ,Sehxschwer!? ggb Konradine ihm: -ur Antwort.
,Ich;hgbe sie um, -so perßchwenderischer hezahlt, als
diessgewonnene trostlose, Erkenntniß mir kein Ersaz
ist, für die, in, sich gefeßigte,Sufriedenheit, die mir hss,
Fahin das,Eeben Fieh,gytd leicht -gemacht hat -
.; - Sie' saßen-einander :amFamine gegenübex, Kon-
rahine, hatte sich in ihren -Sessel. zuxückgelehnt, Sie -

- schgutez nachdenklich;zu, wie die Flammen an den
Scheiten,in,die Höhe stiegen, wwie sie dort ayfzucten,
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wiezhiex jeinex, der Bpände Feuer: fing; dort- einer hell
gufloderte; und -wie ein gnderer , verlosch, Sie,. war in
sich,, persunken.; Emanuel wagte sie nicht zu stören;-
- ,Das; Beste, ist, noch,; hub sie mit einenmgle -
an, ,dgß Flles vergänglich ist, daß Alles so pis-diese. - -
Flgmmen endlich in sich zusammenfällt und daß mgn-
das Interesse an sih,jelbst verliert, weil -man, wenn -
man,ßich -nicht -ahsichtlich, yexhlendet, sich sagen muß;-
Selhst,der Schmerz und gex, Sorn zund die verzweifelnde -
Empörung jind ;nicht in ihrer ursprünglichen Gewglt-
lebendig, zu erhalten, Pnd was. kommt's denn daxguf
an, pb solch ein vergängliches, Wesen, wie der Mensch,
sich glücklich oder elend fühlt?-;
-; -Sie wwar nahe daran, wieder in ihr schweigendes ,
Brüten tzurßckzufallen,. Emanuel, aber jggte:, ,Sie I
gönnen esmir, Ihren Gedanlengängen zu folgen, gnch -
jn , Ihxen Kummer einzuweihen;, aber ich kenne Die-
Quelle nicht, aus welcher, er entspringt, obschon Sie
es gestexn,Abends angedeutet' haben, daß Ihx Schicksa -

den Menschen nicht verborgen geblieben ist.!
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,Ich sehe, wie zurückgezogen Sie ;gelebt haben
müssen, entgegnete sie, , daß Sie nicht davon erfahren
haben. Die Geschichte ist sehr natürlich, sehr mensch-
lich - und so erbärmlich wie gar manches Mensch-
liche. Ihnen, hub sie danach an, J,brauche ich nicht
zu versichern, daß ich nie coquett- wwgr. Sie kennen
mich ja lange und Sie haben mich gestern -gewiß nicht
mißdeutet, als ich es ausspxgch, daß die Tauschgeschäfte
mit jener billigen Scheidemünze ,dex Fieheständelei,
wie ich sie von frühauf in der Gesellschaft betreiben
sah, nie nach meinem Sinne gewesen sind. Sie
ließen mir die sogenannte Liebe als eine gbgeschmackte
Spielerei erscheinen, für die ich mich, zu - gut hielt.
Auch die Ehe, wie ich sie in meiner Umgebung. viel-
fach vor Augen hatte, hatte nichts Verlockendes für
mich. Da nuun meine Mutter sich fxei zu hewegen
liebte, hatte ich auch -ehen ,so piel Freiheit, als, ich
brauchte, um mich auf. die eigenen Füße zu stellen
und mir mein Leben auf meine eigene, Weise einzu-
richten. Ich hatte Bepzunderer, Anbeter, Bewerber,
und gewann Freunde auunter Denen, die es nicht als
eine Beleidigung ansehen, wenn man sie nicht un-
widerstehlich fand, oder gicht Neigung fühlte, als
Herrin ihres Hauses zu ihrem Haussklaven zu werden.
Kalten Herzens und kalten Blutes,- ohne einen wirk-
lichen Ausgleich meine Freiheit aufzuopfern, hätte ich
für eine Thorheit gehalten.!
,So habe ich hingelebt, mein Dasein genossen
und-- Sie haben es ja mitangesehen; anich durch-
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Eanny Lewald, Die Erlöserin. L - -

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aus heiter und im Gleichgewichte gefühlt, bis wir auf
den Einfall'' kamen, in dem verwichenen Herbste vön
unseren Gütern für einige Wochen nach Petersburg
und-an den Hof zu gehen, weil der Kaiser' es gerne
sieht, wenn die Familien' aus unseren Provinzen' sich
von Zeit zu Zeit am Höfe präsentiren. -Wir langten
dort an, als die Herrschaften aus dem Süden des
Reiches in die Residenz zurückkehrten, und' wurden sehr
gnädig äufgenommen. Aus Deutschland hielten sich -
eben füistliche Herrschaften am Hofe als Gäste auf,
das Gesellschaftsleben begannn also früher als gewöhn-
lich und mit großem Glanze.!
-'-- , Unter' diesen deutschen Gästen befand sich auch
Prinz Friedrich von' -- Sie nannte den Ncmen
einer jener deutschen Dynasten-Fämilien, die in jenen
agen,' äls -die Eisenbahnendie Bedeutung des
- Raumes noch nicht zusammenschrumpfen machten, sich
mnnächtiger' und'wichtiger glauben durften als in unserer
Zeit?, Was jetzt folgt,! sagte sie, und ein bitteres
Lächeln flog über ihre stolzen Lippen, ,das ist bald
eizählt. Es ist derlei, in vielen unserer landläufigen
Romane' zu lesen. Es warw aber nur meine Schuld,
daß ich' mir einbildete, Prinz Friedrich sei' nicht' ein -
Füist woie alle anderen Fürsten, er sei zugleich ein
Mensch' =- und daß ich die Gewalt der Liebe, meiner
LieböF lberschätzte.
- ,Der Prinz stand nicht in direkter Linie zur Erb-
folge. Er war also in der verhältnißmäßigen Freiheit ,
eines appanagirten Fürsten aufgewachsen, hatte sich
glänzend ausgebildet, und er gefiel. sich darin, seine

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Freiheit als ein unschäzbares Gut zu preißen, Ies bei
jedem Anlasse zu wiederholen, wie glücklich es ihn
mache, daß er nicht genöthigt sei, als ein, moderner
zwerghafter Titane in Tschako und Uniform die Sorgen
für ein Volk und für ein Land auf seine Schultexn
zu laden. Sein ungebundener Nebermuth rstand ihm
vortrefflich neben seinem angebrenen Stolz. Ich
habe nie einen schöneren Mann gesehen, nie einen
Mann, dessen Ausdruck' in Wort und Blick wahr-
haftiger erschienen wäre als der seine? Er, ist, mehr
als einnehmend, er ist überzeugend und unwiderstehlich,
- wenn er es sein will.! -
,Der Kaiser fand großes Wohlgefallen an ihm,
die Frauen zeichneten ihn aus und fuchten: ihn zu be-
schääftigen. Auch ich gestand mir, däß er unvergleichlich
sei; und ich hatte' nicht nöthig, seine Aufmerksamkeit
auf mich zu ziehen, er hatte mich vom Anfange an
bemerkt. Eine Art vön Geistesverpandtschaftnzog uns
sehr rasch zu einander. Wir waren keine Neulinge,
die ihr Herz nicht kannten, ich war völlig, frei, er
nannte sich unbedenklich Herr -über seine :Wahl. Wir
hatten also keinen Grund, es einander zu verbergen,
wie schnell und gewaltig. die Leidenschaft(uns erfaßte
-- und heute noch sag' ich ess es war eine schöne,
eine prachtvolle Leidenschaft.! . -
Sie hatte das Alles' berichtet, als sei es nicht
eben ihr, sondern einer Anderen, begegnet.-Nur das
Stocken ihres Athems verrieth bisweilen, wie-sie ihre
Empfindung niederzukämpfen hatte. Bei den letzten
Worten hielt sie inne.
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- - Emanuel war, von ihrer Mächtigkeit, von ihrer
Schönheit hingerissen. Diese Kraft, diese -Fähigkeit,
- sich betrachtend über sich selber zu stellen, hatte er ihr
-und den- Frauen überhaupt nicht zugetraut; und seiner
»Gedaitkenreihe unwillkürlich Ausdruck gebend, rief er:
gDer neidenswerthe Mann!?
--- Konrädine sah mit leuchtendem Blicke zu ihm
hinüber. ,Ja,! sagte sie, , er war beneidenswerth!?
Damit eihob sie sich, Emanuel folgte ihrem Bei-
spiele: Sie öffnete die Thüre des angrenzenden Saales,
es war frischer in demselben, und sie schritten eine
kleine Weile schweigend neben einander hin. Es
hatten in ihnen Beiden die angeschlagenen Akkorde
und Dissonanzen auszuklingen.
-. ,Ohne die Zustimmung seiner Femilie, sagte
- Konradine endlich, , konnte der Prinz keine Ehe ein-
- gehen, am wenigsten eine Ehe mit einer nicht eben-
bürtigen Frau. Da das- Bestehen der herzoglichen -
Familie aber gesichert war, fand seine Absicht, eine
Verbindung zu' schließen, deren Nachkommen man--
mricht aus den Staatseinkünften als Prinzen des Hauses -
- zu, versorgen brauchte, wenig Widerstand. Er unter-
-zeichnete' für sich und seine zu erwartenden Kinder die
übliche Entsagungsakte, unsere Verlobung wurde an-
dem nämlichen Abende in. dem Kreise unserer ver-
trautesten Bekannten vollzogen. Ir den nächsten.

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- Tagen- stand unsere Vorstellung als Brautleute und
Kaiser, der meiner Mutter und mir stets geneigt ge- Z
die förmliche Erklärung unserer Verlobung bevor. Der
wesen war, billigte durchaus des Prinzen Wahl, und -

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wir sahen in die Zukunft wie in ein Paradies. Ich
kannte meines Glückes kein Ende.!.; -
,Da langte an dem Tage,wwelcher der Präsentation
vorherging, plötzlich ein. Courier von degr-Oheim -des;
Prinzen, dem regierenden Herzoge, 'an: Er -neldete,
daß ihm glänzende Aussichten, r für:Friedrich eröffnet
worden wären, und daß er vorläufig, Falls sogar die
Entsagungsakte bereits unterzeichnet sein sollte, sie. als
nicht vorhanden betrachtei wolle: Die Tochter eines
der großen deutschen Regenten-Geschlechter wvar in
heirathsfähigem Alter. Die,hunge Piinzessin und ihre
Mutter waren dem Prinzen im- Sonimer in -einem
Badeorte begegnet. Die Prinzessin hatte Augen und
Verstand genug gehabt, den Prinzen liebenswürdiger
als jeden Anderen zu finden, die Mutter hatte das
mit zustimmendem Wohlgefallen wahrgenommen: Der
Gedanke einer Liebesheirath n an' dens Stufen?,eines,
Thrones hatte doppelten Reiz fük sie, da sieunglücklich
und gegen ihre Reigung. perheirathet worden war.
Ihr Verlangen, die einzige Tochter -glücklicher, zu
wissen, war natürlich, und Friedrich wie das. fürstliche
Haus hatten den Antrag- in' jeder Beziehung -als eine
Ehre und eine Auszeichnung zu betrachten.- -.
,Er selber brachte mir däsSchreiben seinesOheims.
Ich las es mit völliger Seeleinuhe? und gab- eeihm
zurück. Das sezte ihi iü Verwunderung, uund er
sprach mir diese aus. N, Sie schlagen -die Vortheile
nicht eben hoch an,'die ich- Ihnen H opfexn- habe!!
sagte er, während sein Blick, seine-Haltung änd mehr
noch seine Worte es verriethen, daß' die -Aussicht;


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jenem mächtigen Hause so eng verbunden- zu: werden,
seinen Ehrgeiz aufregte und ihm verlockend schien.
- SeineleWörte- trafen mich in meiner Liebe und in
meinem Stolze. ,Sie nannten sich gestern noch den
glücklichsten der Männer,! sagte ich, ,gibt es heute
- Etas; das Ihnen'begehrenswerther scheint als jenes
Glück, pwelches wir' in- einander zu finden geglaubt

haben, so trog uns eben eine falsche Hofnung, und
meine Liebe ist stark genug, Sie von dem glänzenden.
Lose nicht zurückhalten zu wollen, welches heute ofenbar
-Ihnen als bäs- Begehrenswerthere erscheint.!. -
'eIch hatte erwartet, ihn dadurch auf sich selbst
und auf uisere Liebe, zurückzuführen; er machte mir
den Vorwurf, daß ich seiner spotte, daß ich, überhaupt -
nicht tief empfinde.
- s, EineFrau, die wahrhaft liebt,! entgegnete er.
mir, , könnte?eines solchen Gedankens nicht fähig sein;
aber-ich glaube wirklich, bei Ihnen würde der Ehr-
geiz -die Liebe wohl besiegen können.! -Ich traute
mneinen Sinnen nicht. - Es war uwverkennbar,, er suchte
einen'! Streit' mit mir, um - seinem Mißmuth einen
Auswegzu verschaffen. - Er schuldigte mich des Ehr-
geizes an, während der seine es ihn bereuen ließ, daß
er sich Febunden hatte.' Er schien Alles vergessen zu ?
haben, was wir für. einander gefühlt, pas wir ein- -
-
ander zugeschworen hatten. Ich wollte mich beherr-
schen,. mich gegen meine Empfindung waffnen, sie war.
stärker als. ich. -Ich wollte ihm Vorwürfe machen und.
enthüllteihm die ganze Zerrissenheit des Herzens, das
erIkalt. verwundete. Er stand unbeweglich vor mir. .'
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, Glauben Sie,! sagte er, , daß ich nicht dasselbe. fühle?
Glauben Sie, dgß mir dgs Herz nicht blutetez als ich jetzt
zu Ihnen kan? Aber-ich bin nicht so;gllcklich pie Sie,
nur an mich und-meine, Liebe Jenken;!zu :dürfen.
Mein Haus und das Fand haben Ansprüche an mich,
die ich zu hören pexpflichtet bin,.. Die. Verbindung
mit dem mächtigen Königshguse, ist von der höchsten
Wichtigkeit fßr uns. ch habe nicht das, Recht, Rück
sicht auf mein Gefühl. zu nehmen,. wwo Höheres in
Frage kommt, ich, habe, mit kaler »nerhittlchkeit. zu
überlegen. Es ist keine Kleinigkeit, füxzuns, die Hand
der Prinzessin auszuschlagen, Sie, ist eine Nichte und
Enkelin von Königen, sie ist... : Da übermannnte
muich die Empörung. -,Sie ist jünger, als ich und
durch ihre Mutter eine, der reichsten Erbimner aufn den
Thronen Deutschlands!? zief ich aus. -Er gab mir
keine Antwort. Erst nach langer Pause sagte er:
,Ich kam, um mit Ihnen gemeinsam zu berathen,
wie ich mich, diesem Falle,gegenüherzzu verhalten. habe.
Ich hatte darauf gerechnet, Fei Ihnen, ein Verständniß
für die schwierige und delikate-Eage zu. finden, in die -
ich so unerwartet persetzt worden hin. Ich hatte auf
Ihren starken Verstand, auf. Ihre Liebe, und Freund-
schaft für mich, auf Ihre. Weltkenntniß: vertraut. Ja,
so groß hatte ich von Ihnen gedacht, daß ich in Ihnen
eine Stüze gegen mmeine, Schwäche- zu finden' gehofft
hatte. Ihre Heftigkeit,, abex wirft Alles -iber den
Haufen, selbst die billigste Rücksicht und Gerechtigkeit.?
Ich konnte es nicht ertragen,. diese Komödie mit mir
spielen zu lassen. Er und seine Liebe waren für mich

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berloren, es blieb mir also nuur noch Eines übrig;
großes Spies - zu spielen, und ihm hinzuwerfen!' nilt
einem -großen Wurf, was er mir selber'zu entziehen
wohl entschlossen'' war - und ich that' es! - Das
hatte er gehofft und nicht erwartet. Er stand' vsr
mir, schön- und mit einer so' wundervollen Haltung;
als: hätte er mir nicht eben die tiefste Beleidigung zu-
- gefügt, die schwerste Deniüthigung von mir hingenom-
mnen. Aber ich' fühlte es, er war unentschlossen, ob ek
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seiner Eitelkeit die Zügel'' schießen lassen, ob er ver-
rathen sollte, was er wider seinen Willen als Mensch
und Mann empfand, oder ob er' sich als Fürst über
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alles Menschliche, über mein Herz und auch über das
- seine -- denn ich weiß es, er hat' mich geliebt, wieser
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nie wiedek eine Aidere löben wird - emporschwingen,
und schließlich noch mir den Verxath und Wortbruch
E verzeihen sollte, den er an mir beging. Endlich fad
P - - er einen anderen, einen noch-erhabeneren -Ausweg: -
g - Er - warf-sichi por' mir nieder, er zeigte sich vom - -'
? Schmerze überwältigt. Er bat 'mich, es zu vergessen,-
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- daß er- mich einen Augenblick verkannt,' an meiner, --
? Charaktergröße auch -nur einen Aügenblick gezweifelt -
ß habe. -Er pries die bewundernswerthe Seelenstärke;
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mit dersich ihn- auf seine Pflicht verwiesen hätte,' und z
F so -hinreißend ist der trügerische Ausdruck von Wahr-
; Itaraäk arr
schied, daß ich in dem Augenblicke fast vergessen hatte.
s was ich eben erst erlitten und gethan.

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Sie brach plözlich ihre Erzählung ab, und die
Arme über den Rücken gekreuzt, das Haupt gesenkt,
ging. sie wieder eine Weile neben Emnäkniel her.
,Sett begreife, jezt verstehe ich Sie!r sägte er
nach langem Schweigen.
Sie antwortste ihm nicht daräuf. ,Der Prinz
suchte an dem Abende eine Audieiz' beiden Käiser
nach, am folgenden Morgen- vekließ'' er den Hof.
Meine Mutter ünd ich winden züür Täfel befohlen
und mit besonderer Gnade aufgenönmen. Die-Kiunde
von meiner edelmiüthigen Entsagung! » sie lachte,
als sie diese Worte aussprach --',würde sofokt' in
Umlauf gesetzt und fänd' den gebührenden Gläuben.
Man hatte mich sehr beneidet; man fand lso einen
Genuß darin, mich zu beklagen ünd zu trösten.' Der
Boden, auf dem ich stand, rannte mir unter den
Küßen. Die Lüft, die' ich' in den Sinüeiexn' äthmete.
in denen ich mit -ihm gelebti hätte, lastete üie Blei
auf mir. Ich konnte die Gegenstände, die'er beiühit,
auf denen sein Auge' geruht hätte, nicht äisehen, Ich
hatte nur das einzige Verlangen,'''foxtzükoßek -
und ich mußte bleiben; ümu deö' Schicklichkeit' hillen.
Alle Welt suchte guch. -Män wollte''sshei, -wie Iich'
meine Rolle spielte, wie -ich' üuch ' de Schleiei
der mir aufgedrungenen Erhäbenheit: dsäpirte. -Man
fand des Prinzen'HandliFsweise boi der Pflicht ge-
boten. Sogar neine Mütteä räünite dieses ein,' ünd be-
klagte ihn so sehr' dls näich! -Sie Serständen- Alle
seinen Ehrgeiz, sie nannten ihir' natürlich?' Mich 'uüd
die Liebe verstanden sie eben nicht.=- Des'Prinzen' -
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Oheim bot mir eine Präbende in dem reich dotirten
Damenstifte des Landes. Meiner Mutter war dgs
eine Genugthuung. Sie war nahe daran, an meinen
Edelmuth zu glauben, weil die Kaiserin ihn rühmte
und der regierende Herzog ihn in seinem Handschreiben
an mich bewunderte. Es fehlte nur noch, daß ich
selber an ihn glauhte, daß ich vergaß, wie feig und
grausam man mir mitgespielt, wie man mich gezwun-
gen hatte, mich ayfzuraffen, um mich nicht, unter die
Füße treten zu lassen!- Es war die elendeste Posse
von der Welt. - Und jetzt =-jetzt, denke ich, werden
Sie sich nicht mehr wundern, theuxer Freund, daß ich
nicht mehr die heitere Konradine, daß ich nicht mehr
dieselbe bin.?-
, Sie warf sich auf einen Sessel und nahm das
kleine Tuch von ihrem Kopfe. Ihre Wangen glühten,
ihre Stirne bedeckte ein dunkles Roth. ,Emanuel hatte
großes Mitleiden mit ihr, aber seine Bewunderung
für sie war noch größer. - Sie sah, wie er sie he-
- trachtete, und reichte ihm die Hand, Er drückte sie
ihr wie,einem Freunde und sie erwiderte es ebenso.
, , Glicken Sie nicht mehr zurück, schauen. Sie vor-
wärts, Fonradine!? rief er, und er wagte nicht mehr
zn sagen, zpeil er sich erschüttert fühlte und weil. er
nußte, wie ,hr, Herz noch blutete. Auch hinderte es
der Dienex, dex ihm die Antwort aus der Pfarre brachte.
,; Miß Kenney verhieß ihr Kommen für den Nach-
mittag. Sie meldete, daß die Kranke sich recht gut
befände, daß es sie bexuhige, wenn der Baron sich
schone, und sendete ihm die verlangte Rose mit Hulda's

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besten Grüßen. Er machte das Blättchen auf, die
Rose war welk geworden und duftete kaum noch. Er
steckte sie in sein Taschenbuch. Konradine sah es.
,Es ist spät und Seit, daß ich mich ankleiden
gehe,! sagte sie; ,aber Sie sind mir nun auch Aüf-
schlüsse über sich schuldig, mein Freund, und ich
werde sie von Ihnen in der gsten ghigen Stunde
fordern.! -
,Die sind bald gegeben,! entgegnete er. ,Ich
hatte nie geglaubt, die Theilnahme der Frauen gewin-
nen zu können und, ich verhehle es Ihnen niht, mit
Schmerz darauf verzichtet. -Hulda's Unschuld und
Arglosigkeit verriethen mir, dgß Fie mich ldebte.--! -.
- , Als ob das solch ein Pundex wwäre!?. rief Kon-
radine aus,. und hätte, das Wort zurückhghen gögen,
denn Emanuels bleiches, Antliz-färbte,sich mit dunkler,
Röthe, und sie wußte: sich, nichh zu erklären, was ihn,
so, verwirrte, oder, weshalb --er seine Mittheilung mit.
einemmale abbrach. -. -
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