Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 14

Bierzehntes Gapiies -
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Emanuel hatte die Ankunft seinerschönen Freundin
schon seit einigen Tagen erwartet, bals ihö Brief in
seine Hände gelangte. Ihre Mittheilung, daß sie mit

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der Gräfin zufällig zusammengetroffen ?sei, übekraschte
ihn, ohne ihm jedoch irgend- ein Mißtraüen -einzu-
flößen. Wie sollte es auch?= Män -war'äuf den
verschiedenen Reisen- oft -genug in -gleicher-ünvorberei-
keter Weise zusammengekommen, und da ein heimliches
Planen, wie die beiden Frauen bes Betrieben, seiner
offenen Seele fern' lag, kam der Gedanke, -daß man
ihn, wenn auch in bester Absicht;. täüsche, gar'nicht in
ihm auf. Ebensowenig' aber konnte es ihn-unter den
obwaltenden Verhältnissen befremden, daß diözGräfin
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sich gegen Konradine übet. ihr Zerwürfniß muit dem
Z Brud er ausgesprochen hatte. -- -
Der Wunsch seiner Schwesier, ihn wieder zu
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sehen, ihm die Hand zu reichen, war sehr -natürlich.
Sie konnten ja, wer mochte -sagen in- wie' naher
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Zeit? eckander an dem Sterbebette ihres Bruders
egenüberstehen, und dieser selber hatte Emanuel mnit

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dringender Bitte zu einer Aussöhnung mit der Gräfin
angetrieben, als er gekommen war, den Kranken zu
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besuchen. Er hatte es Emanuel zu bedenken gegeben,
wie dieser und die Schwester bald die letzten direkten
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- Abkömmlinge ihres edeln Geschlechtes sein würden, und -
wie er es eben deshalb dem Andenken seiner Eltern-
- und seiner Vorfahxen schuldig sei, durch Eingehung -
einer ehenbürtigei Ehe woinöglichden Namen des -
alten Geschlechtes fortzupflanzen, und die Güter bei
den direkten Nachkommen Derjenigen zu erhalten, von,
denen, sie durch frühe Heldenthaten unter den, Fahnen -
des Peutschen Ordens -erworben und gegründet worden I
waten! , -
- ;. -Eslag in diesen Erwägungen Vieles, was Emanuel?
sich,wwohl, selber vorgehalten hatte. Er war in den. ?
Anschguungen seines Standes hergekommen, er, war z
welterfghren und verständig genug,. dieFortheile eines -
grgßen; Besizes und Permögens nach Gebühr- zu
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schäten. Abex Hulda'sLeidenschaft hatte ihn - über-
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-- aschtgund so:-gewaltig :ergrifen, daß vor ihr alle seine
Bedenken und Erpägungen überwunden worden waren.
Getrennt - von ihr, hatten dieselben sich jedoch, in, dem
Mißauthe und dex Niedergeschlagenheit seines Sinnes
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bald pieder geltend gemacht. Die Ermahnungen seines
Bruders waren hinzugekommen; indeß weil, ihm vor
der Begegnung mit Hulda der Gedanke an die Ehe
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nicht geläufig gewesen war, war es immer ihr Bild,
Fas ihm vor der Seele chwebte, wenn er an eine
yHattin?für sich dachte, während doch eben eine Wex-
bindung mit: ihr den Plänen seiner Familie und dem


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sein Unbehagen noch zu erhöhen, das Zerwürfniß mit
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der Gräfin und die Scheu - des an lange und völlige
Ungebundenheit gewöhnten Mamnes vor einer Ent-
scheidung, die seiner freien Entschließung .ein Für alle-
mal ein Ende machen und ihm,. der bisher ;nur sich
und seinem jeweiligen Belieben nachgekommen war,
Pflichten gegen Andere auferlegen ollte, denen er sich
dann nicht mehr entziehen, durfte;. Pflichten, . vor denen
sein persönliches Wollen und Wünschen künftig bis zu
einem gewissen. Grad zu schweigen hatte. Er wurde
es. mit Erstaunen inne, daß troz .er' Liebe:und Hin-

gebung, deren er sich fähig wußte, wenn ein augen-
blicklicher Anreiz sie in ihm erregte,. dgs. selbstsüchtige
Verlangen der Hagestolzen uach völliger:Unabhängig-
keit mächtiger in ihm geworden; war;-als ex - es -elber
geglaubt;- und daß die- Vorstellung,:ämmner:och - Herr
über seiner- Eztschließungzu sein, - ihm die Trennung
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liebe ihn und könne ihm nicht fehlen, wenn er früher
oder später, ihr mit. erneuter Werbung, nahen wolle.
Ohne daß er sich Rechenschaft . darüber,. gab, ge-
- fiel es ihm sich zwischen Hulda's Liebe und der Freund-
schaft Konradinen's immer:noch in voller,Freiheit be-
wegen, und dieser warmen Freundschaft ,genießen zu
können, ohne daß dadurch der Sehnsucht Abbruch ge-
schah, die ihn in einzelnen. Stunden mit süßem pgeti-
schem »Erinnern zu Hulda zog. Die geistige Genuß-
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- Eanny Lewald, Die Erlöserin. .

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' sucht, die geistige' Schwelgerei, zu denen seine Kränk-
lchkeit-ihn früher langeJahre hindurch verleitet hatte;
machten sich jezt bedenklich geltend, sie ließen ihnin-
Zuständen schwankend. verharren, welche ihm je nach
semner Stimmung trübeund beklagenswerth oder be-
haglich und begehrenswürdig däuchten.
e Er -hatte mit Freuden Konradinen's Brief em-
pfangen.' Der fkische, herzliche Ton desselben, die
Nachrichten, welche sie ihm über die Gemüthsverfassung
seiner Schwester gab, waren ihmi erfreulich und er-
wünscht.! Ihre uwverkennbare Heiterkeit wirkte an-
genehm auf ihn' zurück, und die unumwundene Weise,
in welcher sie ihm von der Nothwendigkeit seiner Ver-
heirathimg sprach, ihm, dessen Mißtrauen in das Wohl-
gefallenh. -welches- er etwa erregen könne, zu einem -
Grundzug seines Wesens geworden war, der immer
wieder zum Vorschein kam, sobald er an die Mög-
lichkeit dachte, als ein Bewerber um Frauengunst auf-
zutreten, versetzte ihn in die allerbeste. Stimmung.
- -', Ich weiß Alles,? -schrieb sie ihm, ,was Sie mir
dagegen einzuwenden für i nöthig halten werden, aber
treten Ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen nicht
als Beweise-gegen Ihre melancholischen und selbst-
auälerischen -Zweifel auf? Sind Ihnen Liebe und -
Freundschaft nicht in diesen letzten Jahren von Frauen
entgegengebracht worden, ohne daß Sie dieselben auch
nur suchten? Haben Sie sich bemüht um Hulda's
Liebe? - Haben Sie meine Freundschaft auch nur be-
gehrt? Nein! Beide sind Ihnen, wie reife Früchte
dem harmlos Vorübergehenden, so zu sagen in die Hand

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gefallen, und es hat allein in?Ihrem Belieben ge-
legen, die Hand zü schließen undsie Sich gnzueignen,
f- oder sie als unerwünschte Gunstdes Zufalls unbeachtet
auf den Boden gleiten zu lassen.Daß Sie in: meinem
Falle zugegrifen haben, ist -üiir -ein Glück geworden,
welches ich Ihnen gerne vergelten möchtei Ich habe
durch Ihre Freundschaft die Kraft gewonnnen, ruhig in
meine einsame Zukunft zu blicken, und das Leben über
mich zu nehmen, wie es eben kommen mag. Ihnen
jedoch, dem Manne, dem, das Wählen frei steht, der
sein Geschick nicht hinzunehmen, sondern es nach seinem
Bedürfen frei zu geftalten' hat, Ihnen ist mehr ver-
gönnt gls nur die Möglichkeit, sich mit-dem,Leben ab-
? zufinden. Sie können, ja' ich hoffe es, s Siewerden
glücklich werden; und damit kein ischmerzliches, kein
sorgendes Rückwärtsdenken - Ihr Gewissen beunruhige
und Ihre Entschließungenshindere, mußich Sie pie-
der einmal' garan- erinnern,: - daß- dieß ersteß Eugend
anders empfindet als Sie und ich. , Die Jugend will
vor Allem sich ihres Daseins freuen und- das kommt
ihr zu. Dieses Verlangen ist ihr Recht, denn in dem-
selben beruht jene Kraft, die, alles-Eeiden überwindend,
sich immer wieder -in ein gesundesnGleichgewicht- zu-
rückbringt. Diese Herstellung hat:sich -= und ich sage
zu Ihrem Gläck, mein theurer;Freund! nun auch an
dem jungen Mädchen vollständig vollzogen, dessen An-
denken Ihnen immer noch so werth ist. Die Einsam-
keit wird dazu- gekommen jein, dienWantdlung zu be-
schleunigeg, -und das zur Liebe einmak erregte Herz
versteht nicht zu darben, so lange' es jung ist.? -
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Emanuel hielt inne. Er vermuthete, was dieser
Einleitung. jezt folgen mußte. Aber es widerstrebte
ihm, es zu erfahren, und die Hand, in welcher er das
Blatt-hielt, bebte leise, als er die Worte las: ,Der
Amtmiann hat an die, Gräfin geschrieben,um von ihr
eine feste Zusage wegen der Exhöhung der Pfarr-
einkünfte auch. nach des Pastoxs- Tode, den man dem-
nächst erwarten muß, zu fordern... Er berichtet gleich-
zeitig. übex ein kleines Vermächtniß,. wwelches Miß
FkenneysOhrer jungen'Freundin hinterlassen, hat, und -
fügt hinzu, daß dieses Leztere für Hulda doppelt ge-
legen: komme, da ihre Verheirathung: mit dem jungen -
PfarrAdjunktus, dem -er beilääufig das- ehrewwollste
Zeugniß ausstellt, auicht. lange auf sich warten lassen
werde. Er nennt dies eine günstige Schicksalswen- -
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dung, und mich dünkt, mein Freund!. wir Alle haben -
es so zu nennen; denn.über, ein Kurzes wird die
junge- schöne, Pfarrersfrau, und werden auchs Sie, gn-
das kleine Abenteuer jener Tage sich nur noch wie. an,
einen?schönen:raun Jerinnern, dem Dauer. nieht. zu -
wünschen gewesenbwärel! -
-. - Er las das. Alles-- es klang so einfach, war so -I
natürlich, so erklärlich, so berechtigt! -- Er las es I
wieder, es blieb ganz dasselbe! Und doch glaubte er es ,
nicht, konnte er's nicht glauben, obschon er es allein -
verschuldet hatte, was er eben jetzt erlebte und erlitt.
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- Er setzte sich nieder und stützte das Haupt auf
die Hand. Die ganzen Tage und Monate von jenem
sonnigen Sommerabende, da er sie zuerst erblickt, bis

hin zu der schmerzlichen Stunde, in der er sie zuletzt
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gesehen hatte, zogen an seinem Geiste vorüber. Sie
war sich immer gleich geblieben, immer dem Orange
ihres Herzens ohne weitere Rücksicht folgend. Wie
hatte er es ihr verargen können,wenn dies kindlich
wahre Herz sie antrieb, den ersten und iatürlichsten
der Pflichten, der Kindesliebe uid dem Gehorsam gegen
ihren Vater nachzukommen? Wie hätte er trachten
follen, sie diesen Pflichten zu' entziehen. und sie in
Widerspruch mit. sich selbst zu bringen, da doch gerade
die schöne Einheit ihres' ganzenWesens ihn zü ihr
gezogen hatte. Er durfte sich auch nicht darüber
wundern, daß ein-jüngerer Bewerber,-der- in, dem.
engsten täglichen Beisanimensein- müit ihr öerkehrte,
über ihn, den Entferntens den .Sieg-davonngeträgen
hatte. War es ihm doch wwie?ein;ukerwärtet Glück
erschienen, daßsie sichh nihufzugepseüdet;ebenjihüu!
Er- hielt sich Alles- vorn des VäterEf?Wünsch, das
Verlängen der Tochtet, dein Sterbenden zu willfahren,
der Freunde Neberredung; -der- Gewohnheit !Mächt -
und dennoch, dennoch könnte er-es:nicht glauben. Eine
Zuversicht in seinem Herzen lehnte -sich gegen alle
Neberlegungen seines Verstandes äüf.; Wie' ei sich es
auch vorhielt, daß er kein Recht habe, nach so langem
Schweigen mit einer Anfrage vielleichtt störend'in den
mühsam errungenen Frieden'ihres Herzenns einzugreifen;
es war ihm nicht möglich, - es einem Anderen als
Hulda selbst zu gläuben,. daß sie'ihn vergessen habe,
ihn, der ihrer noch mit solcher Zärtlichkeit z gedachte.
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koünte. er in seiner Erinnerung ihr schönes Antliz, ihre
herrliche Gestalt micht finden, wie er danach auch rang;
und alslanüsse er seinemn gedrückten Herzen in lautent
Ausdruck- eine Befreiung schafen, rief er: ,Selbst ihr
Bild- entzieht sich miir!? -
.; Eine geraume Zeit blieb er an seinem Arbeits-
tische sizen. Er hatte angefangen,l ihr- zu schreiben und
däs Blatt: zerrissen.- Er hatte! Konradinen's Brief
zun Ende lesen. wollen und ihn unmuthig wwieder auf
die SeiteFgelegt. -Er -mochte -nicht erfahren, was sie
ihn-etwa c:noch zu mielden ?hatte - es war daran
,penug! Aber eri mußte -es- iht. danken,. daß: sie es
über Hich genonimen hatte, - ihm die Mittheilung zu
machen, denn sie - von der Gräfin zu' erhalten, ;wwürde
ihn'-härter auoch gewesen sein.- u -'
Er: war sehrbewegt, sehr aufgeregt. Er schwankte
von einemVorsatze zu demn anderen? - Er beneidete
Diejenigen, erenLeidenschaften sie gewaltig und ohne
allenFüchalttwworwärtstreiben;. und doch war die Em
pfindung, diefihn!anHulda:kettete; so. tief, so-wahr!
Döch wwar; es:Liebe!=»Nur :daß seiniunsesiger Zweifel
an-sich selbsteund frühe Reflexion die Kraft des raschen
frischen Wollens, die Macht der Leidenschaft in ihm
gebrochenhatten.. -
;et.?. In dem Augenblicke aber, in welchem er sich dieses
vorhielt,: zuckte eine leidenschaftliche' Sehnsucht nach
der Fernen, ein leidenschaftlicher Schmerz um die ihm
Verlorene durch. seine Brust. , Hulda! Hulda! Es ist
ja gar nicht möglich!? rief er!und sprang empor, deir --
er, fühlte es, er mußte. sie wiedersehen,n er mußte sie

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und sich erlösen, koste es, was es, immer wolle. Noch
in dieser Stunde mußte er ihr. chreiben, daß er
kommen, daß er seinem Briefe auf dem Fuße- folgen
werde, daß sie keine Entscheidung über. ihremund damit
über seine Zukunft treffen dürfe,, ehe er sie: nicht ge-
sehen habe.
-. Mit rascher Hand, mit leidenschaftlicher Bewegung
warf er die Zeilen auf das; Papier.-Er, sagte ihr.
Alles, was er in dieser Stunde fühlte.. Er, beschwor
sie, nach so langem traurigem Entsagen jetzt auf Nichts
mehr zu hören, als auf ihr Herz. und ihre Liebe; an
Nichts mehr zu denken gls an sein Glück -und :an das
ihre. Er wendete Fich auch. anihren,ßater und hielt
ihn vor, wie hart es gewesen; sei; dies Pochter-zu dem
Verzichte zu drängen-Kr schrieh ihm, wweil ihm Alles
daran gelegen wwar- die Zustimmung des fgrxers zu
gewinnen, daß er, die Gräfn, erwarke, daßäerzauf dem
Punkte, stehe; sich.mit, ihrs auszusöhney,' daß er z
Gunsten ihres Sohnes-schön,jetztiauf, das Anxecht: des
Majorates verzichten wolle. Er that;Alles, was; er in
so manchen Stunden thun wollen, uund zögernd unter-
lassen hatte. Er. meldete, daß er-gleich, nach der Ent-
fernung seiner Schwester aufbrechen; werde, um -die
Geliebte wiederzusehen, und obschon yr xwußte, aß die
Post erst am nächsten -hende nach orden gehe, trug
er dem Diener auf, den Brief augenblicklich zu be-
sorgen.
Alles, was ihn vorher: beschäftigt hatte, trat, davor
zurück. Er dachte an,die, ihm bevorstehende Begeg-
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nung mit der Gräfin, die nach so langer Trennung

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immerhin etwas Peinliches haben mußte, an die An-
kunft seiner Freundin, auf die er sich die ganze Jeit
hinduichNgefreut hatte. -Aber er dachte daran, nur um
- es zu berechnen, wie lange diese Besuche etwa währen,
und wann er im Stande' sein würde, seine Reise in
die Heimat anzutreten. Er verstand sich selber nicht
insdemp- trüben Hinbrüten, in welchem er die ganze
Zeit hindurch gelebt hgtte;'und weil er redlichen Sinnes
zu' vergüten'wünschte, wo er' sich eineriSchuld.bewußt
war, konnte er nicht -glauben, daß- ihm dieses nicht
gelingen,e daß er nicht sollte durch erhöhte Liebe sich
und Hulda für die verlorene Zeit entschädigen können.-
b-- Sich schließlich mit der Gräfin zu verständigen, sah
er, da sie ihm ja entgegenkam, nicht als eben schwer
an. -Wenn' sie auch lebhaft gewünscht hatte, das Erbe
ihres Hauses bei ihren Brüdern und durch diese der
Familie erhalten zu sehen, so stand doch eben jetzt ihr
Sohn, auf dem Punkte, sich zu verheirathen. Ema-
nuel,welchem neben dem ihm in jedem Falle zu-
stehenden»beträchtlichen AllodialVermögen der Familie,
der Erwerb. jener im Norden'gelegenen Majoratsgüter
keine Lebensfrage, und der Aufenthalt auf -denselben -
NichtO wveniger-als erwünscht war; glaubte also' auf
keine- Abneigung bei -seinen Geschwistern zu stoßen!
wenn er ihnen' den Vorschlag machte, den Besiz des. -
Majorates gar nicht anzutreten, sondern es sofort an-Z
den jungen Grafen übergehen zu lassen, dem des ;
Königs -Gnade es sicherlich nicht verweigern konnte,
daß er in diesem Falle neben seinem Namen fortan -

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auch den Namen Derer von Falkenhorst führte, und in
seinem Hause fortvererbte. -
Er war in diesen Erwägungen raschens Schrittes
auf der Terasse vor seinem Arbeitszimmer umher-
gegangen. Als es schon zu dünkeln begann, kehrte
der Diener von der Post zurück. Er meldete, wie er
in dem Postbureau ein Päckchen vorgefunden habe,
das eben mit der Packpost für den Herrn Baron an-
gekommen sei, und daß der Postmeister ihm dasselbe .
, der Bequemlichkeit wegen gleich mitgegeben habe.
Emanuel nahm -es ihm ab.' Der Wiederschein
von den Bergen gab eben noch Licht genug,' das Post-
zeichen und die kleine, feine Handschrift zu -erkennen.
Er hatte diese zierlichen Lettern- öft sgenig -gesehen,
wenn er die Volkslieder zur. Hand- genomnien, die sie
in jenen ersten ahnungslosen NTägen für ihn abge-
schrieben. Die Sonderbarkeit der Zufalles überraschte
ihn. In dem nämlichen Augenblicke,''in welchem er sich
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ihr wieder mit voller entschlossener Hingebung genähert
hatte, kam ihm die erste Kunde von ihr selbst. Das
Wahrscheinlichste voraussetzend, glaubte er durch sie die
Nachricht von dem Tode ihres Vaters zu' erhalten, den
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Konradine ihm als bevorstehend gemeldet' hatte, und,
der Hul zur Herrin über ihre Zukunft -machen
mußte. -
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Mit rascher Hand brach er die'Siegel' auf, zerriß
- er die Umwicklung des Päckcheis; dessen geringen' Um-
fang er sich nicht-erklären konnte, bis er, das Schäch-
telchen eröfnend. den Ring in Händen hielt

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: - Er ,traute -seinen. Augen, seinen Sinnen nicht:
Mit beklommener Hast wendete er die Blättchen. um,
jnwwelche sie das Kleinod eingewickelt hatte:. Vorsichtig
, nahm. er sie auseinander, jedes einzelne darauf an -
sehend, ob nicht ein,Wort darauf verzsichnet wäne, ihm
zu erklären, was ihm im Grunde nicht unerklärlich
sein, konnte, und: was zu verstehen ihm deshalb doch
nicht wwenigerschwer ankan. Anklggen konnte er sie
nicht«r ganzi allein Frug alle Schuld. Er allein
hatte sich durch -seine Schwäche um das Glück gebracht;
dessen Größe er wie. immer, erst recht zu würdigen
glauhte, da, es für ihn verloren war. Aber wie.er
auch sann und grübelte, wie ex sich auch auflehnte -
gegen das Ertragen dessen, das wis ein schwerer harter
Schlag auf -ihn; herniedergefallen war, er kam nicht -'
hinaus über jenes armselige: , Also doch! =- über -
jenes güederbeugende: ,Zu spät!?-- die einmal. mit-
Zorn gegen sich selher,-- mit . widerwilliger Entsagung ?
auszusprechenz-kaum einem. Erdgeborenen erspart bleibt? ,
Erzstand noch. immer; auf der Terrasse«und - sah - '
in, die Dämmerung hnaus..; Er kannte, jeden Pünkt -
der Landschaft, die eben noch tagerhellt -sich vor ihm
ausgebreitet hatte, und doch, vermochte- er, die- Gegen--
stände nicht mehr zu erkennen. So ging es ihm mit
Hulda. Ihre Seele hatte hell und licht vor ihm ge-
legen,-er hatte in ihr- gelesen wie in einem offenen,
Buche, nun Hand er sich nicht mehr in ihr zurecht. Ihr -
gerade' hatte. er eine Treue; ohne Wanken zugetraut!
Daß sie vergessen könne, hatte er nicht , für möglich
gehalten. Darauf hin hatte er vertraut, und in ver-


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messenem Vertraüen' gesündigt! an' ihr; an sich. Und
jezt hitreten -mit' erneuter Werbung,'da sie freien
Eischlusses über sich selbst entschiedenHhatte, da sie
voraussichtlich in deriLiebe zu einenr gleichalterigen
Manne glücklich war, vielleicht glücklicherz,als:sie. mit
ihm geworden sein: würde söllte er das -thun?
Durfte er es thun, da sie ihnmitt ihrem Schweigen
den Wegr anwwies, den! sie eingehalten zu haben
wünschte?-
:- Er rief seinen Diener und hieß ihnn augenblicklich
den Brief zurückholen, den er vorhin.zur Post be-
fördert hatte; aber es war mit diesem Entschluß für
seine innere Berühigung. noch -Nichts. t!geschehen.
Sein' Sinn war bedrückt, seine Gedankenund Em-
pfindungen wollten sich nicht klären. Er konnte es
nicht fassen, daß sie keine Zeile für ihn geschrieben,
daß sie kein Wort mehy, ßg hg, äehah, hatte. Warum
Fagte' sie es ihm nicht, däß sie sich Aber ihr Gefühl
für ihn getäuscht habe, däß sie einen Anderen liebe?
Sie besser als irgend ein Anderer wußte es; wie
wenig er daran geglaubt hatte, Liebe erwecken zu. können,
und sie wußte es doch auch, wie theuer sie ihm ge-
wesen war, wie herzlich er sich um sie gesorgt, ehe er
im entferntesten daran gedacht hatte, daß sie ihn lieben,
daß er sie die Seine nennen könnte. -
;- ? Er sah den Wolken zu, die schwer und langsam
vom anderen Ufer emporzusteigen begannen, und hier
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einen hellen Stern verhüllten und dort wieder Einen,
bis sie den ganzen Horisdnt bedeckten und die Nacht
sich still und schwül und lichtlos über See und Land

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verbreitete. - Fs kam ihm endlich vor,i als warte er
auf einen Stern; aber, wie er sein Auge auch nach -
der Stelle richtete, an welcher der letzte helle Stern
verschwunden war, er wollte nicht wiederkehren. Es
blieb Alles dunkel.
-- Er- fuhr sich über die Augen; es, war damit vor-
bei. -,Möchten Dir glücklichere Sterne leuchten!k rief
er,. indem er: den kleinen Reif an seinen Finger steckte.
Er -wollte ihn tragen zur Erinnerung an sie, die
ihnigeliebt :hatte; an jie; um die er trauerte, wie man -
um diePugend trguert, die nicht wiederkehren kann.
Undimit der schlimmsten aller Qualen, mit dem Be-
wußtsein sichn selber' um sein Glück gebracht zu haben,
durchwachte: er die-stille, schwüle- Nacht. -
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