Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 22



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Fweiundzwanzigstes Ggpites
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,..- Am anderen Morgen, saß der Amtmann schon -
Pei,, dem zweiten-Frühstück, als der Knecht mit der
Posttasche in das, Zimmer, trat, und sie, wie immer
vgx dem Herrn auf den Tisch niederlegte. Der' Amt-
mamnn nahm den Schlüssel zur Hand, und die Tasche
öffgend, sagte er, wie er in sie hinein blickte:
,Das ist ja heute eine ganze kadung!
- zWar auch für die Pfarre Etwas? fragte die
Mgnell,,die, nach ihrer , Gewohnheit dem Knechte auf
dem Fuße gefolgt war.
? Wa, Mamtsell, ein Brief, und noch ein großer
daneben wie ein Schreiben.?; s.
I ,Habe ich es nicht gesagt, rief Ulrike, ,die Vo-
kation ist da - und da ist ja für die Hulda auch
der Brief!? Sie langte gleich danach, aber der Bru-
der bedeutete ihr mit einem Winke, den Brief liegen
zu lassen, und ordnete mit gelassener Pünktlichkeit die
Zeitungen auf die eine, die- amtlichen Schreiben und
die Briefe, die an ihn gerichtet waren, auf die andere -'
Seite. Dann sah er noch einmal nach, ob sich viel-
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leicht für einen der Wirthschaftei odex' einen der Leute
in der Tasche sonst noch Etwas fände, und erst nach-
dem er sich überzeugt hatte, daß weiter, Nichts darin
sei, reichte er Hulda, die kein Auge von dem Tische
verwendet hatte, ihren Brief hinüber und fragte: ,,Von
wem kommt denn der ?
,Von Emilie und von der Frau Kastellanin!?
antwortete sie und wendete sich ab, damit er es nicht
sehen sollte, wie sie roth geworden war;
,Also die Freundschaft dauert fört!r sagte der
Amtmann arglos, denn der Kastellan des gräflichen
Hauses in der Stadt war ein alter Diene; derFaüiilie;
und der Amtmann wußte, daß IHulda während ihres
dortigen Aufenthaltes mit der Tochter, desselben, die
gnt erzogen war, Verkehr gehalten hatte-:,Was. schrei-
ben sie Dir denn? -
Hulda war an das :andere Fenster hingetreten und
hatte unbemerkt einen Brief, der in dem Schreiben
ihrer Freundin enthalteit gewesen wär, in der Tasche
ihres Kleides verborgen, und die Zeilen, welche die
Freundin ihr geschrieben, rasch durchfliegend; ant-
wortete sie: ,Sie laden mich zu sich ein.?
, ,Bei den Wegen? Ja, auf so' Etwas verfallen
sie in der Stadt, am Ofen und mit dem Steinpflaster
vor dem Fenster. Es wird damit zunächst wohl keine
Eile haben,? sagte er und stand auf, um sich mit
seinen neu eingegangenen Papieren an den- alten
Schreibtisch hinzusezen.
Hulda wollte in dem Augenblicke auch hinaus
gehen, um den zwetten Brief zu lesen, aber' Ulrike

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hielt sie in der Stube fest. Sie hatte erst dies, dann
jenes noch -von ihr- zu fordern,' sie schickte sie hierhin
-- - und dann dorthin, und als ahne: sie es; welche-Pein.
sie ihr damit bereite, legte fie ihr endlich ein- großes
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Gebinde Wolle auf die Hände, damit sie esl ihr zum
Wickeln halte.
- Die- arme Hulda zählte in ihrer: Ungeduld die ;
Minuten;- die Sekunden; die Wangen flammten ihr
- , vor Aufregung; Das - künmerte aber Ulrike-nicht und
Michts, bie alte Ühr. Die uhi tickte ruhig fort, und ;
- Ulrikewickelte und wickelte und zerrte anden Fäden,
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- - die. sich' perschlungenn'hattenj und- gab Hulda bäld einei -z
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aber wollte und mußte sie gerade in solchen Stunden -- J
Semanden bei sich haben, der ihr die Langeweile tragen
half. Hulda's Gedanken schwärmten während dessen

abet weit, weit ab von der sie ermüdenden Arbeit, - -
-. - an welcher ihre. Quälerin sie festhielt.
- -Sie hatte den Brief, den sie, Rath und Hülfe -
- suchend, in jener. Nacht:an Gabriele gerichtet, denbes
- freundeten jungen Mädchen nach det Stadt geschickt,
-und um -seine Weiterbeförderung mit der Anweisung
gebeten, daß man ihr, falls eine Antwort einginge,
dieselbe auf gleiche Weise übermachen möge. Run war
der Brief in ihrer Hand, ihre Zukunft hing an seinem
--- Inhalt, und sie konnte nicht erfahren, was er für: sie -
brachte, denn ein tückischer Dämon schien heimilich-
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immer neues Garn zu spinnen. Das Garn. nahm gar
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kein Ende, und noch lagen ein paar Gebinde auf ihren H
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Händen, als ein Wagen über den gepflastertenDamm
in den Hof fuhr und vor der Thür des Amtes stille
hielt.
Ulrike war bei dem ersten Hufschlag aufgestanden
und, eifrig an dem Knäuel wickelnd, nach dem Fenster
gegangen. , Habe ich es nicht gesagt!r rief sie, ,da ist
Er! Um Nichts ist er nicht ausgefahren, die Voka-
tion ist da! Der Schulze hat denn auch ein Nebriges
gethan und für den neuen Herrn Pfarrer angespannt!?
-- und das Fenster öffnend, rief sie mit ihrer hellen
Stimme: ,Guten Tag, Herr Pastor! schönen guten
Tag! Nun: werden es der Herr Pfarrer ja wohl selber
in die Hand bekommnen haben, daß unsereiner auch
nicht immer als einer von den falschen- Propheten zu
verspotten ist!?
Der junge Mann war schnelk. pom Wagen und
im Hause. - Der Amtmann ging ihm bis an - die
Stubenthür entgegen. Er hatte den betreffenden Brief
der Gräfin ebenfalls erhalten, er konntees sich also den-
ken, was den Gast zu so ungewohnter Stunde zu ihm
führte; aber er ließ es sich nicht merken, Er gönnte
Jenem die Freude, sich in seiner neuen Würde selber
einzuführen und die gute Botschaft vdr dem Mädchen
auszusprechen, mit dem er seine Zukunft zu verbinden
dachte. Auch ließ der Eintretende sie nicht lange er-
warten.
,Verzeihen Sie es mir, sagte er mit heiterer
Lebendigkeit, ,daß ich schon wwieder hier bin, aber es
litt mich nicht allein zu Hause. Meine Vokation ist
angekommen!! -
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- ,GGratulor, Herr Pfarrer!- rief der Amtmann.
,Gratulor!. es freut mich, daß Sie bei uns bleiben,
freut mich sehr! und es wird auch manchen Anderen -
freuen, denke ich! sezte er, nach Hulda hinübersehend,
mnit einem nicht mißzuverstehenden Lächeln rasch hinzu;
äber Hulda sah es nicht. Sie hatte seit des jungen
Mannes Eintritt kaum die Augen aufgeschlagen, üund
der Amtmann meinte es zu wissen, wie er sich das zu
deuten habe. , Schwester, eine Flasche Wein!. denn
das ist gute Botschaft und so'Gott will, für eine lange
Zei!r gebot er.
,Sa, es war eine gesegnete Stunde für mich, in -
der es Gott gefiel, mich herzusenden, möchte mir es
- gelingen, sie unter seinem Beistande auch für Andere
, - segensreich zu machen!' sagte der junge Pfarrherr;
während die Mamsell' die Schlüssel von dem Bunde
- hakte;: und Hulda anwies, was sie aus dem Keller und
der Vorrathskammer herbeizuschaffen habe.!
- Diese war froh, wenn auch nur für Minuten

fortzukommen, der Angst und der Verlegenheit, die
auf ihr lagen, für eine Weile zu entgehen. Als sie
wieder in das Zimmer trat, hctte die eifrige Ulrike
für die beiden Männer das Gedeck schon aufFelegt.
Der Amtmann saß bereits am Tische und ließ sich gut-
- müthig, obschon er es selbst am besten wußte, von dem
- jungen Maune die Begünstigungen herzählen, welche
ihm von der Gräfin bewilligt worden waren. Als er
aber die Bemerkung machte, daß sein Glück weit über
sein Erwarten gehe, stand der Amtmann auf, nahm
selbst noch zwei Gläser aus dem Wandschrank, füllte
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sie ebenfalls, und der Schwester und Hulda winkend,
sprach er: ,Dazu müssen doch die Frauenzimmer auch
heran!-- Auf Ihr Wohl, Herr Pfarrer!- und auf
gute Nachbarschaft, Hert Pfarrer! und nun. in Gottes
Namen vorwärts, dann: kann -Alle: bleiben, wie es
steht und liegt. Damit. Ihnen aber doch noch einmal
mehr zu Theil werde, als Sie sich erwartet,' so will.
ich es Ihnen nuur gleich heute sagen, daß ich auch noch
Etwas für Sie in pstto habe, aber freilich nicht
direkt für Sie und nicht für Sie. allein.r - -
Der Amtmann gefiel. sich außerordentlich in die-
sem andeutenden Scherze, der nach:'-seinerr Meinung
gar nicht mißzuverstehen war und der dem Pfarrer
einen bequemen Eingang zu dem Antrage bieten'sollte,
den er nach des Amtmanns Ansicht zu keiner schickli-
cheren Stunde machen konnte: IndeßHuldä's Aeuße-
rung am verwichenen Abende hatte-den Liebendensbe-
sorgt gemacht; und wenn ei- sie in seines Herzens
Freude sich auf dem Wege auch wieder aus dem Sinne
geschlagen und als zzufällig und harmlos ausgedeutet
hatte, so wachte doch, wie er jetzt Hulda so in sich
verschlossen und so wortkarg vor sich sah,, derZweifel
wieder in ihm auf, und er konnte am wenigsten in
der beiden Alten Beisein über s eine Lippen»bringen,
wovon ihm sein bewegtes Herz doch übervoll war.
Mamsell Ulriken's sonst oft unbequeme Neugier
kam ihm jetzt zu Hülfe. Sie wollte wissen, was des
Bruders geheimnißvolle Versprechungen bedeuten soll-
ten, und der Amtmann ließ sich diesmal nicht' lange
bitten. , Das steht Alles in dem Briefe;? sagte er,
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während er für sich und seinen Gast auf das Neue
. die Gläser füllte, ,und wir können, denke ich, nun ge-
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trost noch. einmal anstoßen auf die Anzeige, die ich
heute' von unserer Frau Gräfin empfangen habe.
Es hat seine Richtigkeit gehabt mit den Nachrichten

über das Fräulein und Baron Emannel. Sie haben
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sich verlobt und-=-?

- , Hab' ich es nicht gesagt, fiel Ulrike ein, ,gleich
damals, als sie hier gewesen. sind!
Der Amtmann hatte die Mittheilung mit reifli-
chem Bedacht gemacht. Er meinte, sie müsse auf
Hulda's Entschließung einen guten Einfluß haben;
aber wie er dieselbe von ihrem Plaze aufstehen, er-
bleichen und nach der Thür gehen sah, ward es ihm
leid, daß er gesprochen hatte, und verdrießlich mit dem
Kopfe schüttelnd, rief er: ,Hulda, Hulda, was sind
denn das für Possen!'
Indeß ehe er die Worte noch vollendet, war der
junge Pfarrer schon an ihrer Seite. Seine Sorge
um das geliebte Mädchen. trug über die schmerzliche .
- Eifersucht den Sieg davon: -
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-- ,Sie befinden sich nicht gut, Mamsell Hulda!
sagte er, und mit einer Sicherheit, die er sich noch
einen Augenblick vorher nicht zugetraut hatte, Fat er,
sie möge ihm erläuben, sie zu begleiten. Weil fie
wußte, daß sie der. Unterredung, die er wünschte, nicht
, entgehen konnte, sagte sie es ihm zu. Ulrike wollte
sich dazwischen legen, aber der Bruder bannte sie mit
einem: ,Du sizest still!r an ihren Plaz, und Hulda
und der Pfarrer verließen das Gemach.
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Recht nach seinem Sinne war dem Amtmann
diese Art und Weise nicht, und über ,den Ausgang
war er nach dem, was er eben jetzt gesehen hatte, guch
nicht mehr so zuversichtlich, als die ganze Seit zuyor.
Er hatte feft geglault, -ulda habesich, die -ganze
Sache mit Baron Emanuel lange aus dem Sinne
geschlagen, er hatte ihre Weigerung, des Dberförsters
Frau zu werden, ohne alles Weitere auf den Adjunkten
bezogen. Nun sah er, daß der Spuk, noch- nicht vor-
über war, und obschon der Pfarrer heute anders auf-
trat, und sich unter dem Nimbns seiner zneuen Würde
auch ganz anders als vordem zu fühlen, schien, war
der Amtmann doch nicht sicher, ob und wie sich Jener
aus, dem Handel ziehen, und welch' ejn Ende, es mit
demselben nehmen werde, wenn er, selber-sich nicht
dabei ins Mittel legte. Er par schon, auf dem Wege
nach der Thüre, kehrte gber wieder um.- Ulrike gachte
höhnisch.
,Was für Umstände Ihr mit dem Frauenzimmer
macht, Einer wie der Andere!' sagte Ulrike, ,und
man soll hier sizen und abwarten, wozu es -hr, be-
lieben wird, sich zu entschließen!?-
- Der Amtmann ward auch ungeduldig, -nur daß
er es nicht in Worten zeigte. Er ging in der Stube
auf und nieder, schüttelte die, Pfeife aus, stopfte sie
und zündete sie wieder an.' Von den, Beiden war
noch immer Nichts zu hören. Er sah in seinen Büchern
Etwas nach, er setzte sich nieder, jndeß,er hatte keine
Ruhe. Es war ihm selber sehr daran gelegen,Idaß
es mit dem Mädchen nun endlich ein vernünftig Ende

nahm, es war des Geredes darüber schon zu viel ge-
wesen Er- begriff nicht, wie die da oben so viel Zeit
zu einer Sache brauchen konnten, die doch mit zwei
Worten abzumachen war. Er stand,wieder auf, trat
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. an- den Barometer heran' und klopfte an das Queck-
filber.
,Du denkst wohl, sagte Ulrike, ,er soll Dir an-
zeigen, was der Prinzeß belieben wird?
Ehe er ihr darauf die Antwort geben konnte,
-- hörte mawrfeste Schritte,die von dem langen Gange
hinunterkamen. Der Amtmann und die Schwester
wendeten sich Beide nach der Thüre, durch die der
- Pfarrer eintrat. -
- ,Allein, Herr Pfarrer?! fragte der Amtmann
mit sichtlicher Bestürzung, während über Ulrikens
Antliz ein unheimliches Lächeln des Triumphes zuckte.
- Des jungen Pfarrherrn ernstes Antliz gab die
Antwort, noch ehe er, sich männlich zusammenfassend,
sie ausgesprochen hatte. , Es hat nicht sein sollen,!
sagte er, ,es wäre vielleicht zu viel Glück für mich
gewesen!
,Ist denn das Mädchen ganz von Sinnen!! fuhr
der Amtmann zornig auf und wollte nach der Thüre
gehen.
Der Pfärex hielt ihn davon zurück, ,Eassen Sie
fie, verehrter Fieünd! Es trifft sie kein Tadel und
kein Vorwurf. -Gott hat ihr Herz in seiner Hand -
er hat es gelenkt. - Er weiß am besten, was ihr
- frommt und mir. Nicht sie, nur mein eigenes Wün-
schen täuschte mich. Es war nicht ihre Schuld.?
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,Schuld hin, Schuld her,! rief der Amtmann.
,Das sind ja Alles Redensarten! Ein Frauenzimmer
ist zum Heirathen auf der Welt ünd- hat in jezigen
Zeiten seinem Herrgott sehr zu danken, wenn ein
Mamnn wie Sie sich zu ihm findet. Mit der Narrheit
muß es doch ein Ende haben, und es solltgleich heut',
gleich jetzt ein Ende haben!? -- Und wieder gab er
Ulrike das Zeichen, daß sie nach' Hulda schellen solle;
indeß Ulrike saß in: ihrer Ecke und rückte und rührte
sich nicht. Der Pfarrer aber hatte nach seinem Hut
gegriffen und schickte sich zum Aufbruch' an. Der
Amtmann durfte ihn -nicht halten. -Sie wechselten
noch ein paar Worte; der Amtmann meinte, so ein
Mädchenkopf besinne sich wohl. noch, der Pfarrer
achtete nicht darauf. Er sehnte sich danach, allein zu
sein, denn die Fassung, die er zeigte, fiel ihm schwer.
Der ganze Vorgang hatte nur wenige- Minuten ein-
genommen, und wie der Pfarrer- nun- eingestiegen
war, wie der Wagen wieder über- den gepflasterten
Steindamm dem Hofthor zufuhr, der Amtmann mit
heftigem Schritte in die Stube zurückkam, stand Ulrike
auf und sagte mit kaltblütigemTone:- ,Das ist nun
der Dritte, den sie aus dem Hause bringt.
, Und es soll der Letzte sein!' fuhr der Amtmann
auf und zog mit solcher Macht die Glocke, die nach
Hulda's Stube ging, daß die Schnur ihm in der
Hand blieb. Er warf sie in die. fernste Ecke- und setzte
sich in den großen Stuhl an seinem Schreibtisch, in
den er sich immer niederließ, wenn er Jemanden vor-
Fanny Lewald, Die Erlöserin: . - .-
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zunehmen hatte. Auch Ulrike setzte, sich noch -einmal
. und kmnit einem iGehagen nieder, als wenn 1sie im
Theater wäre;und fing die Maschen an ihrem Strumpfe
zubzählenr an.
n.,Was hat.es da oben gegeben zwischen Euch?
rief, der. Amumamn ihr entgegen, alsHulda bleich umd
mitverweinten Fugen vor ihn, hinträt. e!. l! -
gtSiestkonnedie Worte nicht über diefEippen brin-
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genlü: ,Rdede!!ifuhrder:Amtmann :sie,-an. , denn Du
, - hasß jaoben sicher reden können!! =?
e- Hulda hob-die.Augen zu ihm auf, und selbst in
deniibebenden Schmerze. par:ihr Gesicht noch schön,
als sie, die:Hände flehend nach :ihm ausgestreckt, die
- Bittesaussprach:-,Swingen Sie mich nicht zu wiedere
holen, twas mir zu sagen so hart -und schwer ge«
--? wesen, ist.!?r -t
h-t- ,Schwer?? spottete Ulrike, ,ich. denke, Du solltest
- nuz,ischon.ßraxis darin- haben, anständige: Männer
vör den Fopf zustoßen, denn das ist schon der Dritte!
- ü: ;SStill!.Wer spricht mit. Dir?- herrschtei der
Amtmann, ider -schon wieder ?mit:Hulda Mitleidfühlte;
weil fie im rundedoch ;in der. Welt verlassen war,
und der sofort-für sie Partei nahm, wenn :der. Haß
- gegen die: Schönheitund die glücklichere Jugend, den
Ulrike.. von. der Mutter auf die Tochter übertragen
- hatte, sich gegen diese äußerte., ,Steh! nicht soda
und;weine.wie: ein, Kind,! fuhr er, sich. ian -Hulda
wendend,'fort, ,denn das ist kindisch und ich kmun's
- nicht ausstehen! Rede, daß man weiß, woran. man ist.
Was stellst Du Dir denn vor??
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Sie wußte darauf keine Aimtwwort,' das regte ihm
den Zorn schnell wieder auf. - ,Ich sage nicht wie die
Schwester,! sprach er, , das ist nun der Dritte, denn
der Michael war ein Taugenichts-und Nichts mehr.?
Der Amtmann freute sich des-Stiches, -dens er' Ulriken
damit gab. , Von Baron Emanüel' rede ich'' nicht erst,
denn damals warst Dü nöch sin halbes Kind und das
ist abgethan;' da lebten ioch dieElteän, die hatten für
Dich einzustehen, nicht ich. - Iezt -äber''ht das meine
Sache und ich' will' in's' Klare mit Dir komnnen.!
Er räusperte sich, zog' an der Pfeife;'' die ihm aus-
gegangen' war, stellte- sie hinter'' deik Tisch, sezte sich
wieder, und die Hände über deö'Biust gefaltet, sagte
er: ,Der Oberförster, der unter den adeligen Fräulein
nur die Hand auszustrecken hät,' um!morgen eine Frau
zu haben, der-war Dir zu: alt,' und könimt uns
nicht mehr in das Haus. Der Pfärter, öen die Gräfin,
die Dir noch obenein'die Aussteüek' geben wollte, eine
schöne Stellung' zubereitet hat, der ist' Dir auch nicht
recht und wird auch nicht mehr über die Schwelle
kommen wollen, so lange Du hier im Hause bist.
Soll ich ntir alle meine Freunde' von'Dir zuFeinden,
soll ich mir mein Hciis Jüini Deinetwillen zumn Ge-
spött und zum Geede mächen lassen?--
,Du gehst uns ja' im Gkunde gax Nichts ai!r?
warf Ulrike, die sich nicht' länger haltei konite, ein.
,Ich weiß es, daß ich fott muiß!r sagte Hulda,
und sie fügte dann leiser noch hinzu, ,und ich hili
auch gerne fort.! -
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-. Der Amtmann, sgh sie mit großen Augen an.
,Pu willst fort? Und wo denn. hin? Was stellst Du
Dit, denn por?
-;g Pulda, hatte, sich die Stunde, in welcher, diese
Frage an sie gerichtet werden und in der sie dieselbe
zu beantworten haben würde, seit vielen Wochen un-
ablässig durchgedacht, und sie par immer entschlossen
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gewesen, ihr Vorhaben ofen auszusprechen. -Sezt aber,
da sie es thun sollte, fehlte ihr dazu, der Muth. Naeh
dem, wie der Amtmann sich gestern erst über den Be-
ruf und die Stellung. eines Schauspielers hatte ver-
pehmen lassen, konnte sie es nicht wagen ihre Absicht
kundzuthun, am, wenigsten, ehe sie es wußte, was
Gabxiele ihr zu thun xieth; und sie hatte den Brief
ehen erst erbrechen können, als der Amtmann sie zu
jich gerufen. Sie sagte also, sie wolle es versuchen,
sich ihr Brot selber zu verdienen,
,. , , lnd wie denkst Du das zu machen?! fragte der
Amtmann spöttisch, der an dem Glauben, festhielt, ein
gehildetes Frauenzimmer könne sich auf die Dauer
selher nicht vgrsorgen. ; .
- gzIch bin jg auferzogen jn der ßoraussicht zd
Gepißhet, dgß ich mnir selbst zu helfen haben würde,
entgegnete sie mit wachsender Festigkeit, weil. ihr Ehr-
gefühl sich gegen die spottende Nichtachtung ihres bis-
herigen Beschüzers aufzulehnen anfing. ,,Mein guter
armer Vater und Miß Kenney haben mich darauf
vorbereitet, und ==?
,,Also Du willst wie die Kenney Lehrmamsell
wwerden und alte Jungfer!!' unterbrach sie der Amt-
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mann, dem Gouvernanten und alte Mädchen unter
allen Umständen zuwider wärei -Aber wer wird
Dich denn nehmen- hier''hetuii, selbst penn er ein
solches Frauenzimmer'brauchief söbäld -s eist aus-
kommt, daß Du nun zum zwweitenmale Dein Glück
von Dir gestoßen und die Aiträge der gngesehensten
ünd brausten Männer abgewsiesen hast?=- Und herum-
kommen wird es, velasse Dich darauf,' ich kenne meine
Leute!'' sezte er hinzu mit eineür Seitenblick auf seine
Schwester.
,,ch wollte Sie eben deshalb bitten, mnir einen
kleinen Theil der Summe zü -geben, Abelche Miß
Kenney mir hinterlassen hat; und--mich in die Stadt
zu schicken, wb ich der?Aüfnahme. in''der Familie des
Kastellans gewiß bin; bis-sich irgeiid eine passende
Stellung für mich finden: wird!!'' etgegnete das
eaarb-
,Das älso ist der Plan! älso Alles wohl be-
rechnet, Alles hübsch äüsgedacht ünd''' überlegt!' Und
dazu den Adjanktus Hoffmungen'' gemachtund mit
ihm schön gethan,'' höhnts steNlkEke;nd! zuni ersten-
male wies der Amtmann- sie'nicht zurück, sondern in
den Ton der Schwester einstimnjend, sagte er bitter:
,, Und das Alles unr dek eleüden Liebschaft willen mit
dem Baron, dersich mut seihet Fraü -auf seinem
Schlosse kein Haar darun grau werden lassen wird,
wo und wie Du einmal»zu Grunde gehst.! -
Das war mehr, - als sie ertragen konnte. Sie
richtete sich hoch auf, und obschon das Blut ihr in den

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Schläfen -hämmerte und, ihre Lippen mühsam- die
Worte aussprgchgn, sggte sie: ,,Ich werde nicht zu
Grunde gehen, Herr Agymann, auch wenn sich Nie-
mgnd um mich kümmert!,- Und, ich habe,= dessen
hßt; Gott nein Zeuge. -- nie ,mit Jemandemschön. ge-
. Pgn;, hghe dem, Herxu Pfarrer, das hat, ex selber zu-
gestehen, mssen, -muit keinem Wort und keinem Blick
eine falsche Hofnung angexegt. Ich wußte, seit, lange,
Pgß ich hier ;uicht hleihen, konnte, und.;ch bitte; S, ?
flehentlich bitte ich Sie, erzeigen Sie mir die Liebe und
schhcken Sie pnch sobald gls möglich fort. Hier müßte
jchzzu Grunde gehen!? -
;; Pem Amtmann schwollen die Adern auf der
Stirne,, -Er wollte einen Fluch ausstoßen, aber er
-
schluckte ihn hinunter, denn ex wußte nicht, gegen wen
- eg jo erhittert, so ergrimmt war, daß der Aerger pihm -
- gn dem, Herzen fraß: ob gegen das Mädchen, das
nun einmal nicht in die vernünftige Bahn zu bringen
war, : und das er doch so, gerne in seiner Nähe behalten
und unter, seinen Augen,,glßcklich hätte sehen mögen,
oder gegen gie Härte, und; den Hexzenswahnsinn seiner -
Schwester, die denz Mädchen sein Leben so verbittert
hatte, daß es leber unter Frege in die weite Welt -
gehen, als diese Unbill. länger tragen wollte. -
:.-r, war, mit raschem Schritt vor Hulda hin-
zetreten, yblieb dann stehen wvie: Einer, der sich selber
- - gißtraut, und maß. sie mit finsterem Blick pom Kopfe
- bis zum Fuß. Sie sah, wie, die, Unschuld, wie die
Sgnftmuth -Felber aus, er konnte es, kaum ertragen.
Fr hatte nicht Weib,, nicht Kind, und an der Schwester

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hatte er keine Freude gehabtz'so lange sie zusammen
lebten. Auf Hulba aber hielt er. Er hatte!sie lieb,
als wäre sie sein eigen Kind, und' daß sie das nicht
wußte, daß sie- iu die Welt'' gehen wollte, das verdroß
ihn, das empörte ihn, 'während er ihr nicht sagen
konnte,' daß sie bleiben solle, denn er jelber sah es ein,
sie mußte für das Erste fort. =- Es war ihm noch
niemals Etwas so vollkommen gegen seinen Sinn ge-
gangen. Er sollte thun' und. geschehen lassen, was er
nicht wollte, was er für verkehrt hielt. Aber ein Ende
mußte es jetzt haben; ein - Ende- mußte -er mit ihr
machen,. sie mußte. erst eimntal fühlen Nlernen, was sie
aufgab, probiren, wie es draußen wäre. Sie sollte
ihren Willen haben. - Und ging es nachher nicht,
nun, so stand das Schlöß ja äuf dem alten Flecke
und sie konnte wieder kommen = zahmer' wieder kom-
men, als sie sich heut' anließ. Dessen war er ficher.
Mit dieser Einsicht und mrit der- Gewißheit kam
ihm auch sein alter Gleichmuth wieder. Er legte die
Hände auf dem Rücken zusammen, was er immer
that, wenn er sich so recht auf seinen Füßen fühlte,
besah sich Hulda noch einmal und sagte mit gemessener
Langsamkeit:,Also Du willst fort und morgen schon?'
Sie versezte, wenn es sein könne, bäte sie darum.
Der Amtmann ging nach dem Kalender, zu sehen,
was für den Tag notirt war, und sagte dann: ,Es
steht Nichts im Wege! Mach! Dich fertig, Du kannst
fort. Geld kannst Du bekommen, so viel Du für das
Erste brauchst, das Nebrige findet sich nachher. Was

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insder?äfarxe jetzt zu thun ist, das werde ich besor-
- gen, »w,acht Uhr Morgens kannst Du reisen.! -
J- ,Sie dankte ihmleise,' er sagte, dazu habesie nicht
- »rsache, und, das Fchnitt ihr in das Herz,, denn sie war
, ihm'anhänglich von Kindheit gn' und wußte,: daß:er
es? redlich mit ihr meinte. - Er nahm die Mütze, und
wpie sie-ihmenach- gewohnter Weise den Kiückstock aus
der Ecks holen wollte, meinte er: ,Eaß es -gut sein,
ch.kann -ihi. mir-schon heute selber holen!!! Damit
-ging ier. in:en. cof hhnaus. -? -
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-s Sie -iß die . Zähne' zusammen, denn sie wollte
nicht weinen, . sie-mußte sich zusammennehmen :lernen.
--0 Alrike sagte;' ,sie olle den- Koffer wichsen lassen,

damit er; doch. nach Etwas aussähe; und den Tisch
-besorgen, könne heut' die Magd, sie wolle: nach dem
Ihren sehen. --
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