Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 02

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- Sie hatte bei ihrer Ankunft in der Residenz die
Ernennung zur Stiftsdame bereits ausgefertigt vor-
gefunden und' sich augenblicklich zur Abreise inn das.
ersten sechs Monate nach der Ernennung in der Stille
desselben zuzubringen.
. Es war ihr sonderbar zu Muthe gewesen und sie
hätte in gezwungener Fassung tdie Zähne aufeinander-
, schwarze: wollene: Kleid mik der dicken Güxtelschnur
und den weiten Aermeln, das weiße Busentuch, die
dichte, vielfaltige Haube mit dem schwarzen. Schleier
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angelegt, und das Ordenskreuz auf ihrer Brust' be-
festigt, welche sie während der Monate zu tragen hatte,
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die sie in jedem Jahr in dem Stifte verweilen mußte.
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- Konradine war glücklicher daran als Hulda.
gepreßts als sie zum erstenmale versuchsweise das

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Stift angeschickt, um, wie das Ordensgesez es heischte, die


- Iweites Gapitel!
Aber ihr eigenes Bild überraschte sie, wie es ihr aus
dem Spiegel dann entgegentrat. Die Regelmäßigkeit
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- ihrer Gestalt und ihrer Züge erschien ernster nnd rei-
ner in der strengen dunklen Tracht; für ihre hellen,

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klaren Farben, für ihr röthlich schimmerndes Haar
bildete der schwarze Schleier einen unvergleichlichen
Hintergrund; und weil sie sich in der Kleidung wohl-
gefiel, welche sie von der Gewohnheit ihrer bisherigen
Gesellschaft abschied, gab sie sich der Hoffnuung hin, daß
auch die zeitweilige Abgeschiedenheit von dieser Gesell-
schaft selbst, ihr wohlthun, und sie in der Einsamkeit -
des Klosters Sammlung und Befriedigung in ruhigem
Selbstgenießen finden werde.
Die Trennung von der Mutter fiel ihr dabei
nicht schwer. Sie hatten Beide das Bedürfniß, nur
den eigenen Neigungen zu leben. Konradine betrat
also ihre nene Heimat mit jener Zyversicht, welche man
sonst nuur gegenüber von freigewählten Verhältnissen
zu empfinden pflegte.
Das Stift war schön gelegen. Es war ein statt-
licher Bau, den die einzelnen Wohnungen der Stifts-
damen mit ihren Gärten freundlich umgaben, und der
Empfang, den man Konradinen bereitete, war dazu
angethan, ihrer Selbstschätzung durchaus zu genügen.
Es hatte natürlich in der Geneinschaft der Stifts-
damen kein Geheimniß bleiben können, durch welches
Schicksal ihnen die neue Genossin zugeführt worden
war, und ihr Antheil an Konradine hatte sich dadurch
gesteigert. Manche unter den älteren Damen, welche,
wie die gräfliche Aehtissin, auf eigene schwere Lebens-
wege zurüchusehen, oder Herzenskräänkungen zu beklagen
hatten, waren gern bereit, mit der Verlassenen, falls
sie danach verlangte, über die Treulosigkeit und den
Leichtsinn der Männer erbarmungslos den Stab zu

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brechen, während die jungen, durch die Bedeutung
ihrer einflußreichen Familien zu den Präbenden ge-
langten Fräulein, sich Konradinen mit jenem Antheil
näherten, den romantische Erlebnisse der Jugend immer
einzuflößen pflegen. Im Grunde hatte Jede von
ihnen nicht übel Lust, pie die neue Stiftsdame von -
einem fürstlichen Manne geliebt zu werden, besonders
weil Jede,sich es zutraute, ihn besser fesseln und fest-
halten und ihr Lebenslos glücklicher gestalten zu kön-
nen, als es Konradine vermocht zu haben schien.
- Indeß weder zu dem Anschluß an die Einen
noch an die Anderen fühlte diese sich geneigt, wenn
schon ihre neue Lebenslage ihr bald nicht. mehr mißfiel.
Die Sorge füx die Herstellung ihres eigenen HauE-
haltes, die dem Menschen angeborene Freude an dem
eigenen Besiz und Heerde, beschäftigten sie angenehm.
Die Möglichkeit, sich, wenn sie danach verlangte, völlig
abzuschließen, war ihr in hohem Grade erwünscht,
und ihr scharfer Verstand fand sich von der Beob-
achtung des ansehnlichen Frauenkreises unterhalten,
- auf den sie zunächst angewiesen war, während ihm
durch mannigfache Gäste und einen lebhaften Verkehr,
mit den in. der Provinz angesessenen vornehmen Fa-
milien, auch die Abwechslung nicht fehlte.
Weil Konradine durch die unruhige Reiselust
ihrer Mutter von Kindheit an ein unstätes Wander-
leben geführt hatte, that es ihr wohl, in dem Stifte
jetzt nach eigenem Ermessen ungestört verweilen zu
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ihrer Gefährtinnen durch irgendwelche Mitiheilungen
über sich selbst zu entsprechen, obgleich sie mit ihrer
sicheren Weltgewandheit und iatürlichen Gefälligkeit
Allen eine heitere Stirne zu zeigen und freundlich zu
begegnen wußte, rühmten die Aebtissin und die älteren
Stiftsdamen ihr bald nach, daß sie sich mit würdigem
Stolze zu bescheiden und zu trösten vermocht habe,
und wie ihre Fassung und Haltung einen Seelenadel
und eine Charakterstärke bekundeten, denen man die
höchste Achtung nicht versagen könne. Diese An-
erkennung wurde Konradinen für den Augenblick zu
einer sie erhebenden Kraft. Sie war an Beachtung,
an Bewunderung gewöhnt, aber dieselben hatten sie
immer nur gefreut, wenn sie sich. hatte sagen dürfen,
ihre Schönheit, ihr Geist, oder welche ihrer anderen
Eigenschaften eben dabei in Betracht gekommen waren,
verdienten die gute Meinung, die man von ihr hegte.
Denn während eine eicht zu befriedigende Eitelkeit
durch Huldigungen zu feiernder Selbstgenügsamkeit
verleitet wird, so reizten dieselben in diesem wie in
allen früheren Fällen nur den Ehrgeiz' Konradinenö
auf, und sie fand es ihrer Würde angemessener, ein
Schicksal wie das ihre mit. Fassung zu ertragen, als
der Welt das Schauspiel einer untröstlichen Verlassenen
zu geben.
Es war ihr eine Beruhigung, daß Niemand in
ihrer jetzigen Umgebung die Einzelheiten dieses Schick-
sals kannte, Niemand sie, wie die Mutter es in guter
Absicht oft gethan hatte, darauf ansah, ob sie ge-
schlafen oder ob sie in zornigen Thränen die schleichen-

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den Stunden der Nacht gezählt habe; und es währte -
denn auch nicht lange, bis sie es zu bereuen anfing,
daß sie Emanuel so tief in ihrem Herzen -hatte lesen
lassen. =- Was hatte es ihr gefrommt? Was konnte
es ihr frommen? Sie häätte ihn jezt gern vergessen
machen mögen, was sie ihm im Schlosse in leiden-
schaftlicher Erregung unaufgefordert anvertraut hatte.
Sie verstand sich jezt selbst nicht mehr in jenem
heftigen, Verlangen nach Theilnahme, das sie damals
ihm gegenüber gefühlt hatte, und da sie sich in ihrer
neuen Umgebung als einen Gegenstand der Verehrung
behandelt fand, fing die Vorstellung, daß ein Anderer,
daß eben Emanuel sie bemitleide und sie für beklagens-
werth halte, sie zu drücken und zu peinigen an..
Sie waren nicht besonders übereingekommen, daß
sie einander schreiben würden. Es hatte sich, da sie
Fich so nahe getreten, waren, ganz von selbst verstanden,
und Beide hatten eine Erleichterung darin gefunden,
sich in den Briefen. frei und völlig auszusprechen.
Emanuel, der in der Stille seines einsamen Land-
hauses ganz- auf sich und seine Erinnerungen und
Betrachtungen angewiesen war, empfand die Zerstörung
der Hofnungen, in denen er sich eine Zeit hindurch
gefallen hatte, je länger um so schwerer; und wie er
sich auch anfangs dagegen sträuben mochte, es tauchte
allmälig ein Schuldbewußtsein in ihm auf, das ihm
das Herz beschwerte.
-- Wenn er in melancholischem Sinnen auf der
Terrasse seines Gartens umherging und es sich aus-
malte, wie er Hulda in dem Schatten dieser Laurus-

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gänge umherzuführen, wie er ihrem staunenden Blicke
die Herrlichkeit dieser so lieblichen: und zugleich so er-
habenen Natur zu zeigen gehofft hatte, und wenn es
ihm dann wehe that, auf diese- erwartete Freude ver-
zichten zu müssen, so konnte er den -Ausruf nicht
unterdrücken: , Und sie, wie mag sie meiner, wie mag
sie hieher denken!? Gerade in solchen Stunden aber,
in denen seine Erinnerungen sich. mit erhöhter Zärt-
lichkeit zu dem geliebten Mädchen zurückwendeten,
konnte er es am wenigsten verschmerzen, daß Hulda's
Liebe nicht stark genng gewesen war, ihr töchterliches
Pflichtgefühl zu überwinden. Wenn er in dem einen
Augenblicke sich sagte, an ihm, an, dem unabhängigen,
lebenserfahrenen Manne, wäre. eö gewesen, das junge
Mädchen über alle Bedenken fortzuheben, es mit allen
Mitteln, auch gegen des Vaters;Willen, zu der Heirath
mit ihm zu überreden, da derlVater nachträglich über
dem Glücke seines Kiudes wohl seine Einwendungen
vergessen haben würde, so -trat gleich daneben sein
altes Mißtrauen gegen sich selber feindlich wider jene
gute Stimmung auf, und. selbst der' Stolz des alten
Edelmannes machte sich dabei -geltend.' Er fragte sich,
ob Hulda's Kindesliebe entschieden haben würde, wie
sie es gethan, hätte -eiw-schönerer Mann vor ihr ge-
standen? Nun , er sie.. nicht, mehr vor sich. sah, der
zärtliche Blick ihres Auges,, die. schmerzliche Angst und
der verzweifelnde Ton ihrer Stimme ihn nicht mehr
berührten, konnte er ;bisweilen, an ihr zweifeln. Er
konnte sich' sagen, daß es ihm am Ende doch auch
nicht zugestanden habe, um die Hand eines Mädchens

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zu betteln, dem er so große Opfer zu, bringen, dem
er einen Namen zu bieten bereit gewesen war, welchen
zu tragen die Tochter -der edelsten Geschlechter des
Landes stolz sein durften. Sehnsucht nach der Ent-
fernten und der Vorsaz, sie zu vergessen, wechselten
dann oft in rascher Folge in ihm ab, bis er in seiner
Einsamkeit wieder heimisch wurde und der lebhafte
briefliche Verkehr mit Konradinen ihm dieselbe weniger
fühlbar -zu machen begann. - -
- . Es verfloß' keine Woche, in welcher er nicht
Nachricht von seiner Freundin und Vertrauten aus
dem Stift erhielt, und jeder ihrer Bkiefe-wiederholte
es ihm, daß sie in ihren' jetzigen Verhältnissen einer
Befriedigung genieße, die sie vorher nicht gekanut, ja
die sie für eine Natur wie die ihre nicht -erreichbar
geglaubt habe. Sie sprach ihm von ihrer Leidenschaft
für den Prinzen, von ihrer ersten Verzweiflung über
dessen Untreue mit einer so klaren Ruhe, als wären
es Ereignisse, welche nicht sie selber, sondern eine
Andere in lang vergangenen Tagen betroffen hätien;
und weil sie für diese Selbstüberwindung auch die
Bewunderung ihres Freundes erntete, kam sie dahin,.
sich immer mehr in diesem neuen Standpunkte fest- -
zusetzen, bis sie sich endlich dazu emporschwang, die
' Handlungsweise des Prinzen durch die Vorstellungen
und Anschauungen erklärlich zu nennen und zu ent-
schuldigen, in denen er erzogen worden war. Sie
erkannte. es gegen Emanuel ganz ausdrücklich an, daß
der Prinz wohl eine Pflichterfüllung in einer Hand-
lungsweise habet erblicken können, die jedem' anderen,

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nicht an den Stufen eines Thrones geborenen Manne
zur Unehre und Schande gereicht haben würde. Daß
es ihrem stolzen Herzen leichter dünkte, der unab-
weislichen Nothwendigkeit geopfert, als leichthin auf-
gegeben worden zu sein, das sprach sie dem Freunde
allerdings nicht aus; aber sie versicherte ihm, daß es
ihr wohlthue, jezt ohne Sorn und Widerwillen Des-
jenigen gedenken zu können, den sie so sehr geliebt
habe; und, fügte sie hinzu, gerade darin werde es
ihr klar, daß nicht in der erwiderten Liebe, sondern
in dem Lieben, und vor Allem in dem Beruhen auf
fich selbst, das höchste Glück des Menschen liege.
Wie viel sie davon anfangs als eine Wahrheit
in sich selbst empfand, das zu, bestimmen möchte
schwierig sein; aber die Anschauungsweise, in welche
sie sich so lebhaft hineindachte, und die sie eben des-
halb auf alle ihre Verhältnisse zur Anwwendung brachte,
übte allmälig ihren Einfluß auf sie aus. Sie ward
endlich Herr und Meister über sie, und was im Be-
ginne vielleicht nur ein freiwilliger Selbstbetrug ge-
wesen war, das bildete sich im Verlauf der Tage in
ihr, zu einer Gemüthsverfassung aus, die errungen zu
haben, die behaupten zu können, sie mit Genugthuung
erfüllte. Es that ihr wohl, sich, wie sie es nannte,
wieder gefunden zu haben, wieder die alte Konradine
geworden zu sein., Sie versichexte, ihr Stiftskleid mit
wahrem Stolze zu tragen, weil es, ohne die Freiheit
ihrer späteren Entschließungen im mindesten zu beein-
trächtigen, doch eine Art von äußerlicher Schranke auf-

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richte zwischen ihr und jenen anderen unvermählten
Frauenzimmern, denen erst durch die Ehe ein Rang
und jene Selbstständigkeit der Stellung gegeben werde,
deren ihr weltliches Ordenskreuz sie jetzt theilhaftig
machen würde, auch wenn sie sie nicht durch ihr
eigenes Bewußtsein ohnehin besäße.
- Da sie die Vorzüge einer adeligen Geburt sehr
hochhielt, war sie, eben so wie ihre Mutter, von der
ersten Stunde an in' ihrem Innern dem bürgerlichen -
Heirathspläne ihresFreundes abgeneigt gewesen. Hulda's
eifersüchtiges Gebahren gegen sie hatte sie gegen die-
selbe persönlich eingenommen, und wenn sie sich in
ihrer damaligen Stimmung auch -nicht- entschieden
gegen die Absichten des Freundes ausgelassen hatte,
weil sie selber der Gewalt von Standesrücksichten
zum Dpfer gefallen war, so legte sie sich jezt in der
Beziehung keinen Swang mehr auf.
Sie machte in ihren Briefen an Emanuel keinen
Hehl daraus, daß sie die Sorge und das Bedauern,
mit denen er an Hulda denke, übertrieben finde. Sie
habe, schrieb sie ihm, nie ein besonderes Gewicht
auf die sogenannte erste Liebe zu legen vermocht.
Liebe, sei die höchste Kraftäußerung eines vollent-
wickelten Herzens, und auch das Herz müsse seine
Kraft erst üben und erproben lernen, ehe es jener
großen Liebe fähig werde, die das ganze Wesen eines
Menschen so hinnehme, daß ihr, wenn sie eine
Täuschung erleide, keine andere mehr folgen könne.
Er möge sich einmal ehrlich fragen, ob er das junge,

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kaum der Kindheit entwachsene Mädchen einer solchen
Liebe fähig glaube? ob er wähne, daß Hulda's Leben
njcht auch ohne ihn; eine sie völlig befriedigende und
vielleicht ihren Anlagen noch gemäßere. Gestaltung ge-
winnen könne? und ob er wirklich glaube, daß ein
solches junges Kind den blöden, schüchternen Traum
seines Frühlingsmorgens nicht vergessen, daß es un-
tröstlich sein und bleiben könne, wenn selbst eine reife
Frau wie sie, Ruhe und Frieden wieder gefunden
habe, nachdem ein höchstes, frei erwähltes und ihr
bereits zu eigen gewesenes Glück ihr entrissen und
zertrümmert worden sei? -
Emanuel blieb ihr, und wohl auch sich, die be-
stimmte Antwort auf diese Frage schuldig. Es war
nach der Kenntniß, die er von Hulda's Eigenartigkeit
besaß, ein Etwas in ihr, was sie von anderen Mäd-
chen unterschied. Die spröde, tiefe Innerlichkeit ihres
völlig unentweihten, Herzens verbot ihm, den -gewöhn-
lichen Masßstab an sie zu legen.. Was für hundert
Andere richtig sein konnte, fand keine Amwendung auf
sie und ihre glaubens- und vertrauensvolle Weltfremd-
heit.= Aber er stand mit Konradine in einem un-
ausgesetzten lebhaften Verkehr, und Hulda war ihm
ganz entrückt.
- .
Einen Brief, den er bald nach seinem Fortgehen
von dem Schlosse an sie- gerichtet, hatte der Pfarrer
ihm mit der Bitte zurückgesendet, er möge seine Tochter
schonen; und Miß Kenney, an die er sich später ge-
wendet, uum Nachricht von Hulda zu erhalten, hatte

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ihm betheuert, daß dieselbe sich mit jedem Tag erhole,
daß die Kraft und Lebenslust der Jugend sich auch an
ihr heilbringend bewähren. Sie erwähnte, daß Hulda
sie bei einer kleinen Reise nach der Stadt begleitet-
habe, dgß sie acht Tage dort verweilt und ihre junge
Freundin durch die Eindrücke, welche sie dort empfan-
gen, namentlich durch die ersten theatralischen und
musikalischen Aufführungen, denen sie beigewohnt habe,
im -höchsten Grade ergrifen, -ja völlig von sich selber
abgezogen worden sei. Dem Baron werde also der-
einst die Genugthuung gewiß nicht fehlen, das Mäd-
chen, dem er so viel Antheil. zugewendet, heiter und
dem Leben wiedergegeben zu sehen. Es werde bei an-
gemessener Zerstreuung und Behandlung sicherlich ge-
lingen, Hulda die Hofnungen vergessen zu machen, in
denen ihre Jugend sich eine kurze Spanne Zeit hin-
durch gewiegt habe; nur Ruhe zu innerer Sammlung
müsse man ihr gönnen, und Emanuel möge ihr die-
selbe durch erneute Annäheruug nicht unmöglich machen.
- Eu las das, las es wieder, es machte ihn allmälig
ungewiß in seiner Neigung, hesonders, da der Amt-
mann, der ihm im Hochsommer eine geschäftliche Mel-
dung zu machen hatte, sich in gleichem Sinne äußerte.
Er berichtete am Ende seines Briefes ganz unaufge-
fordert, im Pfarrhause stehe Alles wohl und seine
Pathe blühe wieder wie eine Rose. -- Der Amtmann
hatte genau gewußt, weshalb er diese Nachricht gab.
Er hielt Etwas auf Hulda, er gönnte also dem Baron
den Glauben nicht, daß sich das Mädchen seinetwegen
härme und verzehre.

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Man hatte eben nicht viel Mühe, Emanuel die
Ansicht aufzudringen, daß ein schönes junges Mädchen
ihn vergessen, seine Liebe verschmerzen könne. Wehe
that es ihm -- aber es enthob ihn einer großen
Sorge, einer ernsten Reue - es befreite sein Ge-
wissen.
=Güööööööööööööööööasssssss
D
Fauuy Lewald, Die Erlöserin. Ü
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