Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 09

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Aeuntes Gapites
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-,Ihr Bruder ist wie verwandelt,,k sagte Frau von
- Wildendu zur. Gräfin, als an einem der folgenden
Tage das Brautpaar in den Wagen stieg, um einige
Besuche in der Stadt zu machen. ,Man sollte be-
haupten, er sei jünger geworden und der Bann, der
nach den alten Neberlieferungen Ihres Hauses auf ihm
- -
gelegen, sei von ihm genommen, seit er sich entschlossen

hat, auf dem Grund und Boden seiner Familie zu

-. Fhejg Er neniut sich einen Gesunden, fühlt sich als
- -eineg solchen und bietet sich die Anstrengungen eines
solchen; und da er stark geworden ist, bemerkt man die.!




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Blatternarben und die kleine Entstellung seiner Figur,
die er in seiner Jugend so schwer empfand, weit
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weniger -als vordem. Konradine selber, obschon sie
gleichgiltig gegen äußere Vorzüge zu sein behauptet,
ist doch Weib genug geblieben, mich heute mit Ge-
mugthuung zu fragen: ob ich nicht Emanuel jetzt weit ,
besser aussehend fände als vordem, und ob er sich nicht
in der That verschönert habe.?

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Die Gräfin erwiderte ihr Nichts darauf. Sie
selber fand Emanuel in jedem Betrachte vortheilhaft
verändert, und es war' ihr: von Anderen das Gleiche
angedeutet worden. Dennoch -verletzte es sie, als die
Baronin. es por ihr so unumwunden äussprach, und
mehr noch mißfiel' es ihr,' daß-,Konradine vor der
Mutter, deren Unzuverlääßlichkeit sie kännte, sich zu
jenen Aeußerungen hatte verleiten- lassen, da es gar
nicht zu berechnen war, ob sie dieselben -nicht auch
gegen Emanuel, ebenso wie gegen die Gräfin wieder-
holen würde. Hatte Konradine es denn 'gar so schwer
gefunden, die Mängel in dem Aeußeren ihres Ver-
lobten zu verschmerzen? Waren sein seelenvolles- Auge,
der Adel seinet Süge, die Eigenschaften seines Herzens,
- seines Geistes nicht genüügend, hie-dafür zu entschä-
digen? Dder' konnte' sie: des Prinzen -heldischs Gestalt
noch imhmnner nicht -vergessen? -e? ---
Sie hatte von Emanuel's Braut mehr gehalten
als von den meisten Frauen, und' doch überkgm sie in
diesem Augenblicke der Gedarke; daß imGrunde das
einfache Naturkind Hulda, des Pfarrers Tochter, in
diesem Falle richtiger und größer empfunden'und ge-
dacht habe als Konradine; denn,-- Miß Kenney
hatte sich zum Defteren darüber äusgesprochen =- Hulda
hatte ihn bedingungslos -geliebt, und in voller Hin-
gebnng zu ihm emporgesehen. - -'
Die Gräfin hatte an Hulda lange nicht gedacht,
lange Nichts von ihr gehört. Der Amtniann hatte,
seit die Gräfin um ihretwillen die Wfarre besser
dotirt, seiner Mündel in den geschäftlichen Briefen

- -
wyeiter -nicht erwähnt. - Der Tod des ältesten Frei- -
-
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herxn, die Perlobung Emtanuel's, des Sohnes Heirath,
-und, ihre eigenen, verschiedenen, Reisen waren gleich
-gach- jenen Maßnahmen rasch aufeinander gefolgt und
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Fgtten, die -räfin vollauf beschäftigt.; Nun fiel. es
-
I' hr zum erstenmale auf, daß man ihr von des Pfarrers
-- -eirgth Nichts zgemeldet habe, daß in dem Schreiben,
-s ?- yelches Fie beim, Jahreswechsel von ihm. erhalten hatte,
- zmit kejnem ;Sorte von seiner Heirath und von seiner

-Frgu, die Rede gewesen war.. - Sie wußte sich- das

-njcht zu deuten und- nahm sich wors den Amtmann,
den sie;in die Stadt beschieden hatte, deshalb zu be-

Iragen- --
, Inzwischen dehnte sich der Aufenthalt. Emanuel's
h,,seinex Schwester Hause weiter aus, als er es zuerst
-ih; Sinne; gehabt hatte, und, die Gräfin erfraute sich
- -
- - dessen, denn es bewies ihr, daß es ihm wohl sei in
- -der, Nähe, seiner Braut. Auch ließen Konradinens

»Pexzlichfeitt zür ihren ßerlobten, ihre Aufmerkjamkeit
Jauf FeiüeWünsche, selbst für die, großen Ansprüche der

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,Gräfin,Eichts. zu, wwünschen:übrig, und-- da. Konradine


sichfoxtdaüernd in - gleichmäßiger Heiterkeit- bewegte,
zdg zsie, in jeder Weise Emanel zu längerem Ver-
-weilen zu,güberreden strebte, und man auf ihren, An-
-trieb -die Hochzeit noh etwas früher zu -feiern beab-
-
sichtigte, als es zuerst beschlossen worden war, schwanden
, die, flüchtigen Sweifel, welche die Gräfin gegen Kon-
-radinens, Neigung für Emanuel gehegt hatte, wieder
,aus, ihrem Sinne.
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Man war so in allseitiger Zufriedenheit bis nahe
in die Mitte des Monatee gelangt?- Emanuel. pollte
am nächstfolgenden Tage die Stadt verlässen, und man
saß nach eingenommener.Abendmahlzethöch- beisam-
men, als der Diener mit- derZeitung - das Wochen-
blatt in das Zimmer brachte, -welches -sich fast aus-
schließlich mit den literarischen huund artistischen Vor-
kommnissen beschäftigte. Dadie bildenden Künste in
jenen Tagen in unserem Vaterlande noch ganz da-
niederlagen und von ihnen also nur wenig die Rede
sein konnte, waren die Mittheilungen aus den Theatern
und den Konzerten von um so' größerem Interesse.
Während Emanuel' sich- der Zeitung bemächtigte, hatte
daher' Frau von Wildengu däs Wochenblattzur Hand
genommen und- die. erstenBlätterFlüchtigsdurchgeseheg,
als ein Artikel ihre AufmerksamkäEtEmehi «äls die an-
deren auf sich zog. - -
,Da ist doch endlich wieder einnal eine Hoff-
nuung,! rief sie, ,und es ist nur zu wünschen, daß der
goldene Morgen, den man uns perkündigt, nicht, wie
das oft genug geschehen ist, einen sehr prosäischen und
alltäglichen Tag heraufführt. -
Man fragte, was das sagen wolle. , Oh!r ent-
gegnete sie,.,ich finde da eben einen Theaterbericht,
der sicherlich von Hochbrecht herstammt, der sich ja ge-
legentlich in solchen Mittheilungen zu ergehen pflegte.
Er war immer ein leidenschaftlicher Verehrer der Feo-
dore, und es sind Aeußerungenin deßr :Artikel ent-
halten, welche er, als -ich ihm in voriFen- Jahre im
Seebade begegnete, fast wörtlich auch gegen mich ge-

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than hat, denn es stand schon damals fest, daß Feo-
dore beim, Jahresschlusse die Bühne verlassen würde.?
Die Gräfin bemerkte, da eben jetzt auch Gabriele
auf den. Wunsch ihres Gatten sich ganz in das Privat-
leben. zurückgezogen habe, so seien dadurch dem Fhesg
in der That - die beiden. bedeutendsten Darstellerinnen
für das ;Fach der ersten tragischen Liebhaberinnen ent-
--zegen worden, und so weit sie darüber urtheilen
-könne, hgbe sich nirgends ein neues hervorragendes
Talent unter -den jüngeren. Schauspielerinnen gefunden.
- : ,Das aber ist es gerade,? erklärte Frau von
Wildengu,. ,was dieser- Bericht vexheißt. Er erzählt

- -nebenhers von, einem originellen Einfalle Feodorens.
- ? Sie,ist acht- Tage, -nachdem sie unter allen theatra-

Tischen Ehren, von - der Bühne, welcher sie bis dahin
angehört hatte, geschieden war, auf derselben noch drei-




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- mal in älteren, leidenschaftlichen Rollen aufgetreten,
un, sich- auch in diesem Fache bewundern zu lassen
und; zugleich eine Schülerin von sich und Gabrielen,
eine Mademoiselle' Hulda Vollmer, einzuführen, die
in ihr- bisheriges Rollenfach' eintreten soll.: Dieses MAd-
chen nun, das die Emilia, Thekla, Louise Miller ge-
spielt hat, schildert der Artikel-nicht nur als ein un-
.gewöhnliches Talent, sondern als eine außerordentliche
-Schönheit.? -
.. - ISie griff dabei noch einmal nach dem Blatte,
daß sie zur Seite gelegt hatte, suchte nach der Stelle,
und las dann die Worte: ,eine hohe, majestätische
Gestalt, ein Kopf und Farben, welche an Tizian'sche
Bilder gemahnen, und eine Beweglichkeit der Physio-

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gnomie, die sich mit dem seelewvollen Blickr der mäch-
tigen, blauen Augen jedem Ausdrucke der Leidenschaft,
von der weichen Rührung bis zum höchsten Schmerze
fügsam anzupassen weiß, machen Mademoiselle Vollmer
zu einer ungewöhnlich anziehenden Erscheinüng.- Wir
erinnern uns in der That -nicht,'jemäls außer- der un-
vergleichlichen Gabriele eine Emilia gesehen zu haben,
deren Aeußeres den Jdeale des Dichters besser ent-
sprochen hätte, als' diese in jedei Betrachte viel ver-
heißende junge Künstlerin.!
Konradine machte eine scherzende Bemerkung über
die leicht zu erregende Begeisterung des Theater- .
Enthusiasten. - ,Wie oft, sagte sie, ,hat er- uns von
irgend einer jungen Schauspielerin oder Sängerin als
von einem Wesensgesprochen, das eine'neue Aera für
die Kunst heraufzuführen bestinint -jei.' Alle' paar
Jahre hat er eine neue- theätralische'Bottheit in dem
Heiligenschreine seines Herzens aufgestellt,- und wenn
er nicht, gleich den Lazzaroni,' sich der Heiligen ent-
ledigt, welche die von ihm erwarteten Wunder nicht
zu leiften vermögen- so muß sein Herz -allmälig zu
einem wahren Pantheon werden.?
,Zu einem Pantheon,? fiel -die Mutter ihr in
das Wort, ,in welchem, eben weil'es wie das römische-
Pantheon nicht nur allen Göttern geweiht, sondern
auch allen Einflüssen der Tages- und -der Jahreszeiten
offen ist, die Verwüstungen nicht fehlön können. Als
Hochbrecht noch jünger wär, gehörte fük ihn eine un-
glückliche Liebe zu den Vergnügungei und Abwechs-
lungen, ohne welche er nicht leben zu können jchien.

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Simnes ztritt -er offenbar schon- wieder an die rosen-
z bekränzte Schwelle eines neuen Abenteuers. heran.? -
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ln den Anforderungen geworden war, welche sie aß
-den»Menschen und an' sein vernünftiges Handeln stellte;
wgllte, vön Enthusiasmus ggr nicht reden hören, weil
das; wgs gan, so nenne, nuur zu häufig eine bloße
- Aufwallung augenblicklicher -Emwfindung sei, die por
demzz Verstgnde keiße Berechtigung. habe.; Sie nannte
Menschen,, den -wir enthusiastisch bewundert haben:
-
-
- - Die Grääfin, die mit den Jahren immer strenger
-, den -Enthusjasmus ejne gefährliche Sache. - ,Einen


Ryn- hat ex es übexwunden, daß Feodore ihmden
reicheren Bewerber, porgezogen-hat, und getrösteten


sind,wix,immner in Gefahr zu hgssen,? sagte sie, ,denn
er -beleidigt uns' in unserer Selbstschätzung, sobald er
deg Bilde nicht entspricht, das wir uns von ihm ge-
macht Jatten. Ein Skeptiker kann ein treuer, ein, un-
schätzbarer- Fxeund für uns sein, ein Enthusiast ist es
niemals; und ich, kenne nichts Nüchterneres, nichts Un-
zufrjedenexes,als einen Enthusiasten, der endlich ein-
zugß,zun, kharen Finsicht jn, die Wirklichkeit der Dinge

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,? -Fie,hrgchh dgmit ab und sagte dannn, ohne daß

-' für die Nothwendigkeit, dieses Nachsatzes in dem Augen-,
blicke, ein, Anlgß, erkennhar zar: -.Sie wissen es. ja,
ich Pin üherhaupt keine- Natur, die auf Gefühlsleben
gngelegt ist -und jich Fin auch nicht geneigt, der so-
genannten großen Leidenschaft, dem unwiderstehlichen
Zuge der Herzen, eine besondere Berechtigung zuzue
gestehen. Wo mein Verstand mich hinweist, dahin
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richtet sich mein Herz. Meine Augen, meine Sinne
haben nie eine eigentliche Gewalt über muich ausgeübt,
und wie man, um der bloßen' Schönheit willen selbst
da zu lieben vermag, mo man nicht achtet, wie man
sich enthusiaömiren kann für äußere Vorzüge oder
für das zufällige Talente, dafür geht. mir das Ver-
ständniß ab.?
Die Gräfin hatte diese lezten Behauptungen mit
einer nicht-zu verkennenden Ausschließlichkeit an Kon-
radine gerichtet. Konradine fühlte das und es ver-
droß sie, da sie Hich, nicht zu erklären wußte, womit
sie diese herbe Erörterung verdient oder herausgefor-'
dert habe. Weil sie aber der älteren Frgu, zumal in
ihrem besonderen Verhältnisse zu derselben, nicht gerne
eine ihr mißfällige -Entgegnung. machen wollte, wen-
dete sie sich an Emanuel, damhit zr seine Meinung
sagen sollte.
Zu ihrem. Erstaunen mnußte -sie' jedoch bemerken,
daß er der Unterhaltung nicht gefolgt war. Denn er
fuhr sich, ohne ihr zu antworten, ein waarmgl, wie
das in solchen Fällen seine Art war, mit der Hand
rasch durch sein reiches Haar und, fie freundlich an-
sehend, fragte er: ,Meine Meinung? Worüber? Wo-
von sprach die Schwester?? -
,Und woran dachtest Du?! entgegnete die Gräfin.
. ,O, ich war zerstreut, entschuldige'mich! -Aber
ich entsinne mich,! sezte er hinzu; indenersich schnell
zusammennahm, ,es war pon Eiihusiasten- die :Rede
und vom Enthusiasmus; und densoll nian ja nicht
schelten. Wer ist denn, um das Wort in seines. Sinnes


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die schönsten Gefühle, deren wir fähig sind, in Einen
Empfinden in sich zu vereinen? der leicht fähig ist,
zu glauben, zu lieben und zu hoffen, wie man es thut,
wenn man etwas Großes, etwas Schönes gefunden
und erkannt zu haben, glaubt, Auf dessen wachsende
- Vollendung und auf desseu Bedeutung für sich und
Andere. man mit liebevoller Freude hofft?=- Frage
ich. mich, in welchen Zeiten meines Lebens ich das
, reinste. Glück genossen ihabe, so waren es die Augen-
blicke, die Tage, die Wochen, in denen ein unbedingtes-


Glauben und zuversichtliches Hoffen mich beseelten, in
denen ich von. der Schönheit, von der Güte eines
Menschen, von der Größe eines Gedankens so völlig


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als , Derjenige, dem eö durch eine hesondere Anlage

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eigentlicher Bedeutung zu gebrauchen, des Gottes voller'
, seiner Natur gegebenist, wo sich der Anlaß bietet;
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hingenommen war, daß mir keine Hoffnung, keine Er-
wartung, welche ich darauf gründete, zu groß oder gar
unwwghrscheinlich dünkte, und -=


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. ,nd-:wemn dann die Enttäuschung eintrat?
ftagte' die-Gräfin.
-- zün,? -versetzte Emanuuel, ,so hatte ich doch
- geglaubt, !geliebt, gehofft!' so war ich doch glücklich
gewesen in den Tagen, in welchen ich es that; und
unser Leben setzt sich ja aus Tagen zusammen.?
IFrau von WSildenau,. die. mur an demjenigen-
hheilzunehmen-vermochte, das sie in irgend einer Weise
mit'sich selber in Perbindung sezen konnte;: und die
in ihren Erlebnissen eine gute Anzahl von Belegen
für die Behauptung zu finden glaubte, daß troz aller

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Eüttäuschüngenin dem Gläuben, Lieben, HoffenFchon
das eigeirtliche Glück'verborgen -lege, sprach: sich mit
großerWärme für diel von lEnänuel unternommene
Vertheidigung des EnthusiasntüisJääuus. Aber:sei es,
daß Konradine zu deutlich wiißte, welchen»Quellen und
Erinnerungen. dieZustimünung'ihreö Muttet entsprang,
oder daß sieselber öas Unglüäkeiner Enttäuschung zi
bitter geschmerzt hatte! = genng, Nauch sie wollte, so-
wie die Gräfin, den Enthüfiasmis nicht recht gelten
lassen. Sie meinte, -er lende das Auge,- mache den
Blick und damit das Urtheil' unsicher, und'verleite zu
Trugschlüssen und zu falschen»Mafßnahmnen, die man
dann später oft zu bereuen habe! Ia sie ckönne es
Emanuel nicht verbergen,' daß ihr der Zweifel' weit
nthwendigeräüund - heilbringender erscheine als der
Glaube und däs Höffen, wenn sie natürlich öie Kraft
der Liebe auch als eine für sich besteheide ümnd wir-
kungsreiche anerkenne. In der abstraktenWissenschaft,
so fern von einer solchen bei dem Zusanmenhange
derselben mit den Fortschritten' auf ällen Gebieten des
Lebens überhaupt die Rede sein könne, sei es übrigens
doch allein der Zweifel, der die Menschheit vorwärts
bringe. -'
Gewiß,' sagte Emanuuel.'' ,Der Zweifel ist der
Pionier, -der die üwälder der falschen,.- uns -von
Generationen übermachten Vorstellüngen, mtit. statkem
Arm und schärfer Axt' zu lichten' hak, der -bielBäüne
ausrodet, das Schlingktaut wegbrennt, denkBodeit auf-
reißt; aber das feherische Glaüben-und Hoffewschafft
?-'g ?
tannv Lewal, Die Eetsfeel.'' t. -!'-

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diefSaat -der neuen Wahrheit, amnnd das enthusiastische
- Wollen; säet, sie mit liebevoller Hand, und' pflegt und
hilft- siezeitigen anit- stiller hoffnungsseliger!Geduld.
Der' Zweifel an -Hch ist unfruchtbar, die; Liebe allein
ist. schöpferisch. nd,k -fügte er. hinzg, ,vollends auf
dem -Gebiete;desI Ethischen:ift:ohne, Enthufiasmus gar
Richts:auszuxichten. Wies wollte-ich vgrwärts-kommen
-und ,durchdringen: mit den verßktlichenden. Aufgaben;
- dieich amtir auf;mneinen, Gütern gestellt habe; ohne den
enthufiastschen,iGBlauben,ndaß ich, meinWSiel. erreichen
werde;:ohnefdenHißblickhaufi die.tüchtigen, swackeren
Leute -in meiner-Nachbarschaft, die, -alle:Ssoeifel von
sich weisend,: mit, denen man ihnen entgegengetreten
ist,, sich fest auf ihren Glauben stüzten, daß das Zu-
trauen: des - durch Jahrhunderte in Hörigkeit verkoin-
menen Arbeiters zu: ?gewinnen sein müsse, und ohne
jene starke Menschenliebe, die an sich Enthusiasmuus
ist,:tund;, die, allein -seit, den. Zeiten Jesu. Christi die
sittlichens.Wundersvexrichtet hat, welche die Menschheit
bisher,inz ihren Annalen zu verzeichnen berechtigt ges
wesensist?? - -
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, -?-Man hatte »sich, damit von' dem ursprünglichen
Anlaß des Gespräches weit genug entfernt, und es war
spät geworden, Die, Baronin,. für welche ohnehin die
Behandlung des Themas durch Emanuel zu ernst ge-
worden war, -erhob: sich, um jichh in; ihre. Zimmer
zurßczuziehen. Emanuel,, der mit- der Schwesterauf
demselben Flügel wohnte, blieb noch mit. ihr zurück;
nachdem die. beiden Gäste sie verlassen -hatten. Die
Gräfin räumte mit gewohnter Ordnungsliebe noch ein





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pgar- Kleinigkeiten in ihren ;Arbeitskorb: zusammen,
Emanuuel' sah dem! achtlos zuf. bis erplözlichh die Frage
aufwarf: ob die: Gräfin Nächrichten vdnsHulda habe.
Die Frage übetraschtes seinefSchwester'' nicht. Es
war ihr im Grunder - auffällig gwesen, daß er sich
weder brieflich, ndch indiesemflängskenBeisammensein
jemals nach Huldakerküidigt hatte,Edenk sein weiches
und hiefes: Gemüth war treu in Zer Anhänglichkeit an
Alles, was es einmall ergriffeü und geliebt hatte.
Weil sie ihm aber?nicht -ohneweiterseingestehen wollte,
daß sie sich um die Tochter eines Mamnes, der so ent-
schiedene. Ansprüche-an ihre Theilnähüie besesfen hatte,
seithex. nicht -gekümmert t habe begegnete Jie seiner
Frage mit der Gegenfrage; wie er eben: jetzt darauf
perfalle, sie um Hulda zu befragen.
Mdich dünkt,='' versezte er, ,dasisölltelDi nicht
auffallen.- Es war der Naine' der'Schauspieleäin, der
mich an sie erinnerte,-. uid dieiisonderbar zutreffende
Aehnlichkeit. mit, ihr,die sich aus der. Schilderung der
jungen Künstlerin ergab; denndich felberbinmitünter,
wenn ich Hulda sah, - lebhaft: an. Gäbriele erinnert
worden.- Aber wie geht es Hilda?-Weißt DulEtwas
darüber? Ist sie glücklicheßu der: Ehe? Mich haben
sehr begreifliche Gründe abgehalten, mich nach ihr zu
exkundigen; indeß ihr Schicksal- liegt- mir sehr' am
Herzen, und- ich will -hofen; daß-ühr Gefühl sie nicht
betrogen, daß sie die Wahl, zu der?fiesich'entschlössen,
nicht zu bereuen hat. -Ich denke mit großer Theil-
nahme an sie.? -
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.aIch glaube,! entgegnete die Gräfin, ,sie gehört
auch ein wenig in die Zahl derjenigen Personen, die
Du - überschäzest, weil Du sie mit dem Glauben,
Hoffen,- Lieben. Deines Enthufiasmuus betrachtetest.
Aber ich bekenne Dir zu meiner Schande, daß ich seit
Fange nicht- nach ihr gefragt und Nichts von ihr ge-
höxt habe. Indeß wird das Versäumrte gleich morgen
zachzuholen.sein. Ichn habe -den Amtmann in die
Stadt beschieden. Er hvird heute. Abend eingetroffen
ein, .uund wir werden. morgen das Nöthige von ihin
erfahren.. Ich binübrigens im Voraus sicher, daß
Alles auf, das Beste rsteht, da er mich von dem Gegen-
cheile wohl gelegentlich unterrichtet haben würde.!
- Emanuel nahm das hin, obschon ihn die wenig
antheilvolle Weise verletzte, mit welcher die Gräfin sich
über Hulda äußerte. Er gab noch an dem Abende
dem Diener den Befehl, ihi zu benachrichtigen, wenn
der, Amtmann kommen würde, und suchte ihn am
andexen. Morgen in dem Zimmer der Schwester auf,
Fobgldiderselbe-sich bei der. Gräfin eingefunden hatte.
.Die Gräfi saß an ihrem Arbeitstische, der Anrt-
ananw hatte uht einiger Entfernung von ihr,' mit seinen
Büchern?lünd ?Päpieren:Plazgenommneü. Er erhob
sich, als Emanuuel. eintrat; aber dieser sah sofort, daß
die Papiere noch, nicht aufgebunden waren,' und noch
während der Amtmann den-Baron begrüßte, rief die
Gräfin: -,StelleDir vor, wäs ich soeben - zu meinem
größten Erstaunen erfahre und was der Amtmann
mir durchaus früher mitzutheilen verpflichtet gewesen




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wäre: die, Heirath zwischef Huldg. und dem Pfarrer
ist gar nicht zu Stande gekönmienF -
,Nicht zu Stander gekommen? fragte Emanuel
mit einer Bewegung, dienihn, die Fäbe nbechseln'machte.
,Und weshalb nicht? Was cst ?dnn- geschehen?
,Sa, Herr, Baron,:weshalknrcht?wiederholte
der Amtmann. ,Das ist es eben! und -ich sätte der
gnädigsten Frau. Gräfiw: gerade,' ich' hätte kicht er-
mangelt, es zu, melden, wenn es- nicht- eben'Das ge-
wesen wäre. Aber wer: mag denn:solche Dinge sagen,
wenn man den, Vater und die Mutter Freunde ge«
nannt, und das Mädchen selber bei sich gehabt hat, so-
wie wir.!
, Die weitschweifige Vorsicht des Amtmannes stei-
gerte Emanuel's -ngednld, unde alsn er danach leb
hafter seine Frage piederholte; was geschehen sei; er-
zählte Jener mit nicht zü verbergender Entrüstung:
wie Hulda die Bewerbung seines wackeren Freundes,
des Dberförsters, und des trefflichen jungen Pfarrers
ausgeschlagen, wie sie das Schlöß unter dem Vorgeben
perlassen habe,'' eine Gouvernantenstelle annehmen zu
wwollen, und: wie. sie dann hier, eben aus: diesem Hause,
heimlich davon und- auf :das Thegter: gegangen sei.
,ninöglich!?- rief Emanuel; dem die Nachricht
durch das Herz schnitt, obgleich- ihin schon jeit gestern
eine, heimliche, xicht. zu üherwindendenBesorgniß um
das einst geliebte Mädchen beunruhigend:in denüSinne
gelegen hatte. ,Dasalso-:wärs es!? Mnd sich mnit
der-Anmaßung, an den Amtmann wendend, von welcher
selbft gutgeartete Menschen nicht leicht! frei zu sein

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pflegen; menn sie: schon.in früher Jugend Untergebenen
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und Abhängigen zu befehlen gehabt haben, setzte er
im, Tone hexben Vorwurfes. hinzu: ,Und Sie ließen
daE. geschehen? Sie, meldeten. -es, der Gräfin: nicht
sofort?- Siegthaten MNichts, das unberathene Mädchen
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von denwwerhängnißvollen. Schritte zurüchuhalten?!
- ? -Um FFergebung, Herr Baron!! entgegnete mit
festen Selbstgefühl der' Amtmann,' den langer Herren-
dienßt, dienEigenheiten Derjenigen -hatte kennen lernen,
mit,denen ei es zuchunhatte. -,Es war'hier von
Geschehenlassen:keine Rede,, denn ich kanntesdie Absicht
nicht,- mitider Hie uns verließ.- Als sie mir dieselbe
meldete, war der Schritt gethan, und in mein Haus
konnte' fie. von den Brettern' doch nicht mehr zurück.
Trotzdenn hat: auf meine Bitte, unser junger' Herr
Pastor, um den Hie es wdahrhaftig nicht -verdient hat,
ihr. Alles, redlich und mit Eifer vorgestellt.!
,? zUnd was: hat. sie darauf: erwidert? fiel ihmu
Emaruel lehhaft ein. ?
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n:;,Was i konntentsie darauf erwidern?? -meinte der
Almtmann. zSieshat: einen längen Brief geschrieben
pöll Redensarten, wie sie. sich in deü Romanen finden:
von höherem, Beruf, -von- unwiderstehlicher Begeiste-
rung,nvon ireinem Lebenswandel' und so mehr.'? Er
machte eine kleine Unterbrechung und sagte dann: ,Die
Herrschaften haben. es'ja-gut genieint, und Hulda hat
aon Mdiß Kenney, äuch wohli Mancherlei gelernt, wwo-
mnpit sie; ihr. Brot in Ehren -hätte verdienen mögen.
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in der Pfarre;' und-ich brauchtes mich, vor den Herr-
schaften -nicht''zu rechtfsrtigen-über Eiwäs,! was zu
vertreten nicht meiies Amrtes ist. Deiür?daszMäöchen
gehörtei uns Jnicht'an, uid was nrir als seines:Vaters
Freund und als sein Vormunds öblag,das »habe ich
an ihm gethan, darüber bin ich in meinenGewissen
auch ganz ruhig.? -
- Emanuel aber war zu exregt, um sich mit dieser
Antwort zu befriedigen. ,Daß wir Nichts, gar Nichts
davon erfuhren!r bwiederholte er JDaßSie der Gräfin
es perschwiegen!r -
- -,Herr Baron,' versezte der Amtmann, Fweshalb.
sollte ich dasjenige der Frau Gräfin nielden,' dessen
Hulda selber sich insoweitlschämte=' daßrsie ihresl ehr-
lichen Vaters Mamen nicht -iehr-zu füheen -Hagte.
Und Ihnen, Herr Baron?Bchb? konnte ja nicht
vermuthen, daß-Sie=ioch, in irgendeinersäeise an
das Mädcheü dächten. Wie- Hülda sich nun entlarvt
hat und sich' ausweist, ist es auch' keineü Manne zu
verargen, wenn er sie ihrer Wege gehen läßt. Aber
leugnen will ich es nicht, ich hatte besser von ihr ge-
dacht, und Anderes voi ihr erwartet.?ni N
-- Hulda geringschätzig äburtheilen zu hören, konnte
Emnanuel' nicht' ertragen, denn vör-seinem Blicke legte
sich jezt plözlichh Alles, was ihnsin öes Mädcheüs
Verhalten unklar und' unverständlich geblieben war,
helll und deütlichauseinander. Erk meinte es jetzt zu
wissen, wie man Huldal überredet üöder, gezwuungen
habe, ihm den Ring zurüchusendei, und nsichstdem
Pastor zu verloben; und wie dann endlich die innere

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-Unmöglichkeit, sich einemsungeliebten. Manne, zu vers
hinden,, sie, dahin gebrachthabe,, einen, Lebensberuf- zu
wählenhzu, welchem sie, wie- es sich'zeigte, bedeutende
Anlagen besitzen, und für, welchen ihre Schönheit- ihr
so sehr,zu, statten; kommen mußte. Aber, nicht nur
Huldg(wünschte er zu rechtfertigen, er suchte: diese
Rechtfertigung auch für sich selbst, als er dem Amwt-
manne:'einwendete, wie, Hulda vielleicht. das -Richtige
und Beste für Hch erwählt habe, wie große, Begas
üngen zu unwwiderstehlichen- Antrieben uwwürden, wie
man diesen ihre Berechtigung unbedenklich zugestehen
müsse,. und wie schon. jetzt. bei, dem ersten. Beginne
ihrer Laufbahn die. theatralische Kritik der jungen
Künstlerin eine glänzende. Zukunft verspreche. - -
; Der Amtmann nicte mit dem Kopfe. - ,Ja,!
sagte er, ,die Herrschaften haben es ;also auch ges
lesen? Ich fand es hier im Wochenblatte heute früh,
als ich auf: meinem Wege -hierher, im Rathhauskeller
vgrsprach. Das Blatt. lag auf dem Tische. Der und
Jener hatten, Hulda's Namen im Munde. Man,sprach
,von ihr wwie man von Komödianten und wvon solchen
Leuten in Weinstuben- zu sprechen pflegtt Ich stand,
so bald, ich konnte, auf. Wenn die Eltern, das hätten
erlebent müssen! dachte ich. Berühmt?»Run Ja, be-
rühmwts kann sie wohl werden, denn sie ist. schön. genng
dazu.: Mit -ihrer Ehre und Reputation:ist es doch
einmah vorbei. , Denn welcher honnete; Mann.- kann
eine Komödiantin heirathen! Und eine uwverheirathete
Komödiäntin - daran mag ich gar nicht denken.!z ;

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Die -ganze Unterhaltung guälte Kmanuel und
wurde auch der Gräfin lästig,l; um des Bruders wie
um des leisen Vorwurfs ;willen, den; der, Amtmann
gegen sie anzudeuten gewagtuhatte. - Der Vorwurf er-
innerte sie peinlich an ähres Bruders FSarnung, als
sie ihm zuerst ihre Absicht, ausgesprochen- hatte, die
Pfarrerstochter ihrem Haushalte: einzuverleiben. Sie
brach also plözlich das Gespräch mit der Bemerkung
ab, daß es nothwendig sei, jede Natur ihre Selbst-
vollendung nach eigenem Bedürfen -suchen zu lassen,
und daß der Amtmann, einen Fehler und ein Unrecht
begehe, wenn er die,: engbeschränkten. Maßstäbe des
Kreises, in dem -er sich»bewege, auf Febensverhältnisse
übertrgge,, welche gußer; den Grenzen desselben- lägen;
- ,Genn Sie heute, wor uOgldauhinträten,sagte
sie mit der ihr eigenen;Gestimtpmtheßt, Fndz sie; um
ihre Meinung fragten, so würde siesicherlich die Stunde
segnen, in welcher, mir, der Gedanke zgekommnen ist,
etwas für ihre.Ausbildung,. zu thun. Wer -will es
demn voraussagen, ob:sie -nicht wirklich zu einer Be-
deutung gelangt, die, uns. -stolz -darauf macht, ihre
ersten Schritte geleitet zu; haben, und ob sie sich nicht
einst eine Stellung in, der Felt erringt, wie Ga-
briele und andere Bühnen - Künstlerinnen fie besessen
haben, die wir mit Vergnügen und mit Auszeichnuung
in unserer, Gesellschaft willkommen hießen?-Sölchen
Ereignissen gegenüber erscheint. man, sich dann -n spä-
terer Zeit oft recht, eigentlich wie ein Werkzeug in der
Hand der Vorsehung, und--ich glaube zn dr Thgt,

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daß uis dies'bei Hulda wohl begegnen kann. - Talent
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sich darzustellen hatte- sie entschieden.r!
Sie'sah dabei nach' der Ihr, miachte den Amt-
mann aufnierksam darauf, daß man wviel Zeit ver-
loren. habe, ünd sie gingen an die Arbeit? -Emänuel
blieb. sichJselber- überlassen. -Auch- er hatteGGeschäfte vor
sich, diegeordnet und dbgethän sein' muußten,'ehe-ök
wieöouß das Land hinausFing. Sie Fogen'ihn mit
Ethüendihkeit=uön dem. Gedanken'' an- Huldas ab-
Weini er; dannkin denwischenzeiten wiederNauflsie
zürückkänm; fiitgs ersdnß die:Angelegenheitniit irühigss
zeü. Slüäed kühlereür Bltezu betrachten, bis-e?
bähinkgelangte, sie in die ReiheBet eigenartigen Eni
wickluigs -Prozesse,. ders besonderen und- langsamen
Bildungswege' einzufügen, -zu welchen är auch seinen
eigenen zählte. Die' sorgfältig verzeichnetens Lebenss
lufe, welche Gösthe's Abbs im zWilhelm Möistee?
vön den ihm nahestehenden Menschenkreise in den
geheimnrißvöllen Thürme, aufbewbahrts fielen ihmr dabei
eint, so daß Fer'dieser Aüfzeichuigen Erwähning that,
dls sich inVerlaufe des- Tages zwischen'ihn und den
drei Fräueit das Gespräch auf - die-Entdeckung?richtete;
die man über -Hulda's- theatralische Läufbahn 'gemcht
hatte7 -
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- Mai ütde, meinte er, ' däs Erdichten vdn
Römanen Isparen können; wenn' es -überall nöglich
wäres' den' geheimen Einflüssen nachzukommen; welche
die Menfchen äirfeinander aüsübten, oftnnals ohne -es
zu issen, oft mit bewußter bester Absichk' und in''gar
vielen Fällen eine durchaus andere Wirkung als die-

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jenige erzeugend, die man zu macheu' gewillt war.
Man hat eben deshalb einzelner, fastzufällig - vor uns
gesprochener Worte, bisweilen in sich als epochemdchend
in dem einen oder dem anderen Sinne, äls Gutes
oder Nebles erzeugend, zu gedenken; und welcheFölge
ein' anscheinend- alltägliches und kaumbeachtetes Zu-
sammentreffen bdn Personei für deren ganze- Lebens-
richtüng haben kann, das jeigt sich einemr Jeden, der
einigermaßen befähigt list,das Seben, das? eigene oder
frende, im Großen- und- Ganzen-zu - beträchten.
Konradine nannte diese Ansicht auch' die. ihre.
Und,r fügte'sie hinzu, ,Jean Päul inuß, so weit es
den Einflußdes Mannesduf! däs Weib betrifft, der
gleichen Meinung gewesen sein,kalser den' Ausspruch
that: ,Das Schicksal miacht- den»Mann zuni Unter-
schicksal des Weibestr' -Iähhabe daraw-oft gedächt, wemn
ich die Ereignisse betrachiete, 'dieänich in'das Stift
geführt und aus demselben entfernt haben. Ich bin
anir dabei jedesmal' der inneren Mmgestaltungen' be-
wußt geworden, welche- mir, dex an rauschende Lebens-
lust Gewöhnten und näch derselben Verlangenden, nun
die Aussicht so angenehm erscheinen mächen, in fleißi-
gem, gemeinsamen Schaffen und Wirken' mit Ihnen,
in umfriedeter Häüslichkeit, zu jener inneren Ruhe des
Abschlusses zu gelangen, -in welcher mir -das -eigent-
Tiche Glück zu -liegen- scheint und in der allein auch
eine- wirkliche Fortentwicklung des- Menschen mög-
: -
Tich wird.? -
h- Frau von Wildenaulächelte DieGräfinftagts,
wbas sie bei ihrem Lächeln denke. ?.


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-- . ,Ich lächle über die. Tieffinnigkeit der jezjgen
Generation,' sagte sie, ,die alles dasjenige erklären,
ergründen, in Zusammenhang. bringen: will,. wwas wir
unsererzeit einfach, hinnahmen: wie gutes und schlechtes
Wetter, und womit wirßertig zu wverden, oder.was wir
zuvergessen. suchtens jetmachdem- esl nöthig wwar..Ab-
schlußltForentwicklung! Das- klingtsAlles, so prächtig,
soagehildet undgelehrt. Das klingt; als.ob Verlo-
bung und:Hochzeit.Zaubermittel. wvären, -die Frieden
bringen,. Glück erschaffenohneweiters: Als: ob Ver-
- hbungen nicht rückgängigf-Ehenmie- geschieden-worden
wärenh -Als. ob nicht in; der. Ehe erst däs wahre
Suchen, und? das Versuchen anfinge, wie. man am
Besten,mit. einander fertig zu werden:vermöge. All
- unser;Sein ist Thun, und Erleiden, all' unser Thun
iInur ein beständiges Versuchen; und einen wirklichen
Abshluß habe ich im Menschenleben niemals noch ge-
-funden. Es würde hinter demselben auch, die Unend-
- lichkeit,der; Langenwweile -liegen. Man ergeht. sich in
Versuchen pvof. heute zu. morgen: bis an sein Lebens-
ende, :und; darinxbesteht das, Vergnügen,: besteht der
untexhaltendeReiz.. der Reugier, gegenüber dem Nn-
gewissßn:: -Man, schließt immer :auf das;MNeue- Nebex-
einkünfte. - Das einzig: ahsolut. Wahre,. das einzig
Dauernde ;aber, dasnich im Leben: aufgefunden habe,
- - ist, dex, Glaube, mit welchen Jederimmer wieder, das
Zauberwort. entdeckt zu haben meint, welches ihm den'
Stein der Weisen überantworten, die hesperischen
Härten ,erschließen, die wahre Seligkeit bereiten soll.
==- Nicht nur ,Kinder' und Bettler sind,? -wie Goethe



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sagt, ,hoffnungsvolledThoreiü!r Wir fiid- es sammt
und sonders;undnjetthötichierüiidleichter bir hoffen,
um so- leichter und genuußreicher üiäd das Leben.RFü?
die Enttäuschüngen sorgen schondieAiderewl? ? 1
Diese Welteisheit?der:Barönintswai keinem ihrer
Hörer fremd, -dochi mißfiel ihne diefelbeheute noch
mehr als sonst. Die Gräfin meinte eiüleikend, es sei
sehr gut, daß jede Natur sichihte eigene Philosophie
erzeuge und daß kuicht Allenn alsGlaubensartikel und
Leitfaden vorgeschrieben werde,' wasifürnden Einzelnen
sich bequem erweise. Konradineaber lehnte sich mit un-
gewohnter Heftigkeit gegen, dieTheorielihrer Mutter äuf.
Nach den Fragen, welche die Baüönin ihr-am
Sylvesterabende vorgelegt, nachden Zweifeln, kwelche
sie in ihrlleichtsinnigzulerregen bersucht hatte,komnten
die heutigeü Aussprüche derselben ihrnüukh alsKpott
erscheinen,tunisomähr,r als anihr einTreübruch von
deh Prinzen begangei üüd'' NdnnEnräruel einsölcher
gegen Hulda geschehen war- Es beleidigts und quälte
sie, daß-die:Mutter. ihr: gleichsän dn dereSchwelle
ihrer Zukunft ein tunheilverkündeüdes Zeichen -aufzu-
stecken strebe, und ? wie die Muttei den Wechsel' als
einer natürlichen Berechtigung dasWoit geredet hatte,
so -sprach sie sich mit großeö Entschiedenheit für das
Festhalten: an demJ als- recht:nindzgut Erkannten aus.
,Sch gebezu, ' sprach sie, ,daß die Cekemonien
einer Verlobung, einer - HHochzeit hicht:an sich dieKraft
besizen, Frieden zu bringen- oder Glück-zu: spenden;
dsnn nicht der Akt ist es, sondern der: Sinn: und das
Bewußtsein Derer, die ihn schließen, sind es, welche

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über die Zukunft entscheiden. Wer will: die Beweg-
gründe mit raschemWorte zählen, aus denen von dem
Einen oder dem Anderen der Betheiligten unüberlegte
Verbindungen geplant, nicht erwogene Gelöbnisse ge-
than werden? Wo immer aber sich zwei Menschen,
die sich selber und einander innerlich geprüft, die ein-
gnder -durch Erfahrung achten, und aus. Erkenntniß
ihrer? Eigenschaften lieben! gelernt haben, einander -für
deSukunft angeloben,. da noch von Wechsel zu sprechen,
scheinntmir, eine, Beleidigung, ja eine Sünde zunsein.
Denn ;wohin;. kämen-!avir,-wenn. wir auf -uns selbex
nicht, von 0heuteslbis zu Jmörgen, rechnen könnten?und
was wäre all' unser Wollen werth, wenn der eine Tag
dgs -treben des vergangenen' als Kinderspielrund
Seifenblgse in das Nichts zerfließen machte!? -
Der Zwiespalt zwischen Mutter und Tochter; that
sich wieder einmal deutlich auf. Die Mutter meinte
-ironisch, es müsseeine. köstliche Empfindung sein, sich
so,gvie ihre Tochter über jedes Irren erhaben zuglauben'
- ,Irren!r, rief Konradine, ,wernhat -nicht geirrt,
nex(wird, nicht einräumen, daß er: wieder irrenlönne?
Aber-es-ist doch sicherlich ein Unterschied,. obwir einen
Irrthum als ein, Unglück betrachten und beklagen, ob
wir, wwas in mnseren. Kräften steht, dagegen aufbieten,
uns, vgr, demselben zu-hüten,. die Folgen unseres Irr-
thuyue: für uns -und Andere möglichst wenig nach-
theilig werden zu lassen, oder ob wir aus einem Irr-
thume nur auftauchen, um uns leichten Herzensifin
den nächsten zu versenken; ob wir das ewige Irren


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alsunsepefschhnsten»Pggzug hetyachtenzsoder: das- ge-
legentliche»Srrenkönnenund Heirrthahenzalseine;der
jrauxigen -Möglichkeitencasehenztvdr:denen: uneza
hüten;andnach Kräftenn zuwahrenzdigtnothwendigste
unserex sittlichen-Aufggben-istE n gin E -
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---. - Die;Mutter, die: allein;eEwwußtepdaloherzKonra-
dinens Heftigkeit entsprang, nahmüßiegawieAlless.mit
leichtem Sinne hin, und sich mit dem Lächeln, das ihr
schon aus schwereren Verlegenheiten fortgeholfen hatte,
an die Gräfin wendend, sagte sie: ,Man behauptet,
jede Mutter sei eine Art' vdü Madonna. Ich für mein
bescheiden Theil stehe vor Konradinen immer wie die
Madomna da, die ihren Sohn im Tempel vor allem
Volke die Weisheit des Herrn verkünden hörte --
staunend, daß solche Erhabenheit von mir armen Sün-
derin hat ausgehen können; und, im Augenblicke auch
zu Buße und zu Besserung geneigt, falls meine
Atome dazu nicht schon zu steif in einander ge-
wachsen find.!.
Sie stand dabei guf, hob die Arme, sich deh-
nend, mit zierlicher Bewegung über den Kopf, so daß
die immer noch schöne Schlankheit ihrer Gestält sich
anmuuthig darstellte, und rief lachend: , Ach! ich könnte
die Enkel, die wir erhoffen, um die wundexvolle Er--
ziehung beneiden, welche sie von Dir erhalten werden,
falls ich neidisch wäre, oder wenn man auf Enkel
neidisch sein könnte!r
Die Heiterkeit, mit welcher sie das sagte, war so
unwiderstehlich, daß sie die Anderen mit sich fortriß