Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 14


:
f
Bierzehntes Eapites.
FöwöfSGGGggGGGggGGGGaggggggss
Emanuel war es gewohnt, an jedem der beiden
wöcentlichen Posttage Nachricht von seiner Braut zu
erhalten, und er hatte es in seiner Einsamkeit mit
zärtlichem Hoffen ausgerechnet, wie viel dieser ersehnten
Briefe er noch erwarten müsse, ehe das dauernde
Beisammensein aller Sehnsucht ein erfreuliches Ende
machen werde.
Weil er sich auf Konradinens Pünktlichkeit ver-
lassen durfte, pflegte er an dem Posttage seine Ge-
schäfte und Arbeiten immer so einzutheilen, daß die
Ankunft des Briefes ihn völlig frei antraf, um dann,
wenn das Wort der Entfernten sie ihm nahe gebracht
hatte, ihr gleich unter dem ersten Eindrucke dieser Be-
friedigung, die ersten Zeilen der Antwort schreiben zu
können. Es überraschte ihn sehr angenehm, als er
diesmal den Brief schwerer und wuchtiger als gewöhn-
lich fand. Schon die schöne, immer gleiche Hand-
schrift seiner Braut war ihm wieder ein Vergnügen.
Mit heiterem Behagen las er die ersten beiden Seiten
des Briefes, in welchem sie ihm harmlos von den


hz

T
ih

- ssß
n

lit
h

P


A
A
I
z
-
A
-
I
1
- E
- zz
g
1
k
h


186
kleinen Vorgängen der lezten Tage Bericht erstattete.
Dann hatte sie einen Strich gemacht, um einen Ab-
schnitt zu bezeichnen, und mit schlagendem Herzen ließ
Emanuel plözlich sein Auge rasch von Zeile zu Zeile
vorwärtsgleiten, denn die Erschütterung, welche Kon-
radine erfahren hatte, ergrif auch ihn. Und doch
wollte er ruhig bleiben, um den Schrecken und die
bösen Geister, welche dieser in seinem Gefolge mit sich
führte, keine Gewalt über sich gewinnen zu lassen.
Mitten im Lesen des Briefes sprang er empor.
Er wollte Befehl geben, seinen Wagen bereit zu
halten, Pferde für ihn nach der nächsten Station zu
senden. Er mußte hineilen, wo Gefahr herantrat
an die Frau, die er schon jetzt die Seine nannte. Er
konnte in vierundzwanzig Stunden bei ihr sein. Wenn
sie es wollte, wenn sie darein willigte, konnte ihre
Heirath bald, in wenig Tagen, vollzogen werden, und
er konnte sie heimführen in sein Haus, in welchem
ihrem und seinem Glücke keine Störung und keine
Gefahr mehr drohte. Wenn er morgen zeitig auf-
brach, konnte er am nächstfolgenden Tage bei guter
Stunde vor sie hintreten. Aber sie erwartete ihn
nicht, sie hatte nicht gefordert, daß er kommen solle,
und womit sollte er es ihr erklären, was er jetzt
empfand, was ihn vorwärts, hinwegtreiben wollte von
dieser Stelle, hin zu ihr?
Er schämte sich, es auszudenken. Wie hätte er es
aussprechen sollen gegen sie, daß jenes Gefühl, welches
er immer als eines der niedrigsten bezeichnet hatte,
daß eine wilde Eifersucht in ihm emporgelodert war,

f
H
1?
die ihn das Urtheil fäälschte und verwirrte. Denn
was war geschehen? Was hatte Konradine ihm ge-
schrieben, das ihn berechtigte, ihr zu mißtrauen, die er
seit Jahren ofenherzig, wahrhaft und redlich gegen
sich selbst wie gegen ihn gefunden hatte?
Der Prinz war ohne sein Zuthun, wie der Wille
des Königs es für ihn entschieden hatte, nach dem
Orte versetzt worden, an welchem Konradine sich
ebenso zufällig befand. Er war ihr begegnet, ohne
daß er sie gesucht, und hatte sich eines Auftrages ent-
ledigt, den das zart empfindende Gemüth einer Ge-
storbenen ihm für sie gegeben hatte. Eine glückliche
Ehe hatte den Prinzen von dem stürmischen Neber-
muth der Jugend geheilt. Er hatte, weit entfernt, mit
irgend einer zärtlichen Erinnerung Konradine an das
Verlöbniß zu mahnen, welches zwischen ihnen einst
beschlossen war, vor ihr mit traurigem Herzen den
schweren Verlust beklagt, den er erlitten hatte, und sie
war, weniger durch das Begegnen mit dem Prinzen
und durch das Mitgefühl mit seinem Schmerz, als
durch den Hinblick auf die geheimnißvollen Wege des
Schicksals und die ausgleichende Kraft der Zeit er-
griffen worden.
Das war so natürlich, so berechtigt! Die Art,
in welcher sie ihrem Verlobten ihr ganzes Empfinden
bei diesen Ereignissen in seiner ganzen Stärke ent-
hüllte, das rasche Vertrauen, mit welchem sie sich ihm
in die Arme warf, sich an ihn lehnte, waren so schön
und so beglückend, daß Emanuel, als er den Brief
zum zweitenmale las, es kaum verstehen konnte, wie


A1
e -K.
1 NKzr
a. Ka sa ..K. K.


A1
e -K.
1 NKzr
a. Ka sa ..K. K.


T

?
s


f
?

!
!

19
Besuch unternehmen sollte, was bei der rastlosen
Wanderlust ihrer Mutter durchaus unverfänglich sein
würde.
Emanuel kannte seine Schwester. Er hatte den
Inhalt ihres Schreibens vorauögesehen, noch ehe er es
erbrochen hatte. Trotzdem wünschte er, den Brief
lieber nicht empfangen zu haben. Er wußte es der
Schwester wenig Dank, daß sie sich in diesem beson-
deren Falle, und schon im Voraus, zum Sprachrohr
und Ausdruck jenes Theiles der sogenannten allgemei-
nen Meinung machte, welche möglichst von sich fern
zu halten, er als die Aufgabe eines selbstgewissen
Mannes ansah. Was ihm gegenüber dieser Mahnung
zu thun obliege, darüber war Emanuel in keinem
Zweifel. Er würde es nicht über sich vermocht haben,
seine Braut in einem solchen Falle, um solcher Gründe
willen, zu Schritten und zu Vorsichtsmaßregeln zu
veranlassen, die ihr als ein Zeichen seines Mißtrauens
gegen sie erscheinen mußten; und noch weniger durfte
er bei dem Charakter der Gräfin dieser irgend einen
Eingrif in sein Verhältniß zu seiner Braut, oder eine
bestimmende Meinung über dasjenige gestatten, was
dieser Lezteren zu thun oder zu lassen gebührte.
Er schrieb der Schwester deshalb, daß er in der
Anwesenheit des Prinzen kein Ereigniß sehe, welches
auf seine oder auf die Entschließungen seiner Ver-
lobten Einfluß haben müsse; und da er sich in dem
Briefe durchaus ruhig auszudrücken strebte, beruhigte
D E. A

e
s
ks.
11
war denn auch wieder voll und ganz in ihn zurück-
gekehrt, als er sich anschickte, seiner Braut zu ant-
worten; weil aber ihre Aufrichtigkeit ihm wohl gethan
hatte, so meinte auch er, ihr Nichts verhehlen zu dür-
fen, nicht einmal die Eifersucht, die nahe daran ge-
wesen war, ihn in der Besorgniß seiner Liebe zu ihr
zu führen. Er erwiderte die Grüße, welche sie ihm
von dem Prinzen ausgerichtet hatte, in gebührender
Weise, ersuchte sie, wenn sie denselben wiedersähe, ihm
sein Beileid auszudrücken, und nannte es immerhin
möglich, daß ihnen noch einmal ein dauernder Zu-
sammenhang mit dem Prinzen bevorstehen könne.
,Pergleichen aber,! schrieb er, , soll man, wie ich
glaube, weder von sich weisen, noch es suchen. Es ist
dem denkenden Menschen ein künstlerischer Genuß, das
Dunkel sich lichten, die Perwirrung sich ordnen, das
Getrübte sich klären zu sehen. Unsere Freude an der
Dichtung beruht darauf in vielen Fällen. Aber wie
in der Dichtung, so muß auch im Leben die Ent-
wicklung aus der eigenen Natur der Betheiligten als
etwas für sie Nothwendiges hervorgehen; und ob für
den Prinzen, für Dich und mich erneutes Begegnen
wünschenswerth, ob es nöthig sein wird, darüber wird
die Zeit uns Aufschluß geben. Es zu suchen, ist in
seiner Hand; es zu vermeiden in der unseren. Und
vollends wenn wir in wenig Wochen hier am eigenen
Heerde sein werden, wird uns Nichts nahen dürfen,
was zu empfangen wir nicht wünschen könnten.!
, Eben meine Neberzeugung,? fügte er dann noch
hinzu, daß man das eigene Bedürfniß des Menschen

rl
nn
ß


Ag

T
h
E
D
a


z
D
-
z

K
D
- A
A
-
z
t
F


I
=
1
über seine Handlungen entscheiden lassen müsse, mahnt
mich daran, auch der liebevollen Regung Deines Her-
zens in Bezug auf Hulda vorläufig nicht nachzugeben.
Es steht nicht immer in unserer Macht, zu vergüten
und auszugleichen, wie unser Gewissen es fordert un.
zu seiner Beruhigung bedürfte. Was sollten oder was
könnten wir ihr sagen, was ihr bieten, da wir die
Zustände nicht kennen, in denen sie sich jetzt bewegt?
Was wir davon durch die Zeitungen erfahren, ist
günstig. Sie schreitet mit großer Anerkennung vor-
wärts in einem Lebensberufe, zu dem sie einen An-
trieh in sich gefühlt haben muß; und es würde ge-
fährlich sein, sie rückwärts blicken zu machen, während
in dem ungebrochenen Streben, vorwärts zu kommen,
vielleicht ihre Stärke und Sicherheit beruhen. Ich
habe sie nicht vergessen und habe Dir es nie verbor-
gen, daß ich sie nie vergessen werde. Ich strebe nicht
einmal danach, so wenig ich danach streben würde,
einen sonnigen Frühlingsmorgen zu vergsssen, in
dessen hellem Lichte ich glückbeseligt einst geathmet
habe. Mein Gefühl für sie hat mit der festen Nei-
gung, die ich für Dich hege, Nichts gemein. Und doch
-- nenne es eine fatalistische Idee, nenne es eine Er-
innerung an Goethe's unvergleichliche Dichtung -- ich
würde Scheu tragen vor dem geflissentlich gesuchten
Hereinziehen eines neuen Elementes in das enge
, Bündniß, das zu schließen wir im Begrife stehen.
Laß auch darin die Zeit gewähren. Käme ein Augen-
blick, der uns Hulda entgegenführte, wie jener, der den
Prinzen zufällig in Deine Nhe brachte, und fänden

18
wir sie dann geneigt, die Hand zu ergreifen, die ich
ihr einst in anderem Sinne geboten habe, so würde
es mir ein hoher Gewinn sein, sie ihr reichen zu
können, und ich weiß es Dir von Herzen Dank, daß
auch Deine Arme ihr in diesem Falle geöfnet sein
würden.!
Er rechnete seiner Braut dann die Zahl der Tage
vor, die sie Beide noch von ihrer Vereinigung trenn-
ten, gab ihr Auskunft über sein Schaffen und die für
ihre Bequemlichkeit getroffenen Einrichtungen, schilderte
ihr, wie schön es troz des Winters an den Mittagen
in den hohen Wäldern sei, wie eigenartig der Bllc
aus dem Schlosse selbst in dieser Jahreszeit ihn an-
muthe, und wie er sich dagegen auch sträubte, konnte
er am Ende des Briefes die Bitte nicht zurückhalten,
sie möge, da Alles zu ihrem Empfange früher, als er
es erwetrtet habe, fertig sein werde, ihm das Zu-
geständniß machen, auch früher, als es zuerst beschlossen
gewesen wäre, als Herrin in das Stammschloß seiner
Väter einzuziehen.
- Er war guten Muthes, als er den Brief beendete,
aber als er denselben abgesendet hatte und er den
Boten schon auf dem Wege nach der Station wußte,
kam eine Unruhe über ihn. Er hatte sich sonst wohl
auch gesragt, was Konradine eben in dieser Stunde
thun, wo sie weilen, womit sie beschäftigt sein möge;
aber dies Denken an sie war ihm immer ein durchaus
erfreuliches und sorgloses gewesen. Heute regte es
ihn peinlich auf.
Eanny Lewalr, Die Erlöserin. .
1

1ch
Es war gegen Abend hin um die Stunde, in
welcher die Gräfin an ihrem Theetische Besuche zu
empfangen pflegte. Emanuel kannte den Kreis der
Freunde und Verwandten, welche sich mit einer ge-
wissen Regelmäßigkeit bei der Schwester einzufinden
pflegten. Daß der Prinz sich diesen Freunden zu-
gesellen würde, war nicht anzunehmen, war wenigstens
für das Erste nicht wahrscheinlich; indeß unmöglich
war es nicht.
Er hatte die leichten Umgangsformen stets ge-
liebt, die Etikette-Rücksichten gering geachtet. Er konnte
zudem in seiner jetzigen Stimmung unmöglich Freude
an großer Repräsentation, an allgemeiner Geselligkeit
empfinden. Jemanden zu haben, mit dem er sich ver-
traulich unterhalten konnte, gegen den er sich zwanglos
gehen lassen durfte, mußte ihm willkommen sein; und
er hatte Konradinen sein Herz erschlossen, er hatte sich
auch gegen die Gräifin über seinen Kummer aus-
gesprochen. Zwei solche Frauen öfter zu sehen, in denn
Hause der Gräfin, in ruhigem Iwiegespräch Ersaz
für die verlorene Häuslichkeit zu suchen, mußte ihm
ein Bedürfniß, eine Wohlthat sein.
Aber Emanuel war ja auch einsam, er entbehrte
der ersehnten Nähe seiner Braut, der Abend war sehr
lang in dieser Winterszeit, und dem Prinzen sollte
eine Zerstreuung, eine Erheiterung geboten werden,
die Emanuel noch vorenthalten wurde. Es machte
ihn ungeduldig und verdrießlich, wenn er daran dachte.
Der Abend wollte kein Ende nehmen, keine Arbeit
freute ihn, keine Beschäftigung fesselte ihn. Er mochte


-
1d
nicht schreiben, nicht lesen, noch viel weniger denken,
und war schließlich froh, als die Stunde herankam,
in welcher er sein Lager suchen konnte. Der Schlaf
jedoch, weit entfernt, ihm ein Befreier zu werden,
verschlimmerte seinen Zustand; denn was er im Wachen
mit festem Willen von sich abzuwehren wußte, das
trat, vom Traume heraufgeführt, ihm in unheilvollen
Vorstellungen gegenüber und schreckte ihn in jähem
Schmerze empor.
Draußen war es tiefe Nacht, es regte sich Nichts
in der Natur. Im Schlosse war' es todtenstill, die
Lampe, die er angezündet hatte, warf ihren
durch das einsame Gemach. Lautlos schritt
dem weichen Teppiche hin und her, daß er
spenstisch vorkam, wenn er sein Bild an dem
vorübergleiten sah.
Warum war er von sich selber abgefallen?
Schein
er auf
sich ge-
Spiegel
Warum
hatte er nicht beharrt auf dem Entschlusse, in eheloser
Einsamkeit zu leben? Freilich war er in seiner Ehe-
losigkeit nicht glücklich gewesen, denn er hatte von
früher Jugend an die Liebe einer Frau ersehnt, nach
dem Glücke der Ehe stets verlangt;' aber er hatte da-
mals in richtiger Selbsterkenntniß daran gezweifelt,
die Liebe einer Frau um seiner selber willen gewinnen
zu können, er war ehelos geblieben aus Neberzeugung.
Und als ihm dann
worden war, rein,
gütiges Geschick sie
eine reife goldene
so unerwartet Liebe zu Theil ge-
fest, stark, uneigennützig, als ein
ihm 'in die Hand geworfen, wie
Frucht - da hatte er die Hand
nicht geschlossen, um sich des kostbaren Kleinods zu
zF

sEer -
eAk-
N
t
M
e
A
I
s

z
e
f
ß
M


h


F-

lil
19e
wversichern für immerdar. Er hatte die Arme in
Schlaffheit niedersinken, er hatte das Kleinod auf die
Erde fallen lassen, und es war hinweggerollt auf einen
Boden, auf dem es unter die Füße getreten werden
konnte.
Hulda hatte ihn geliebt! Er hatte nie ein Weib
geliebt wie sie! Das Bewußtsein tauchte bei jedem
Anlaß wieder in ihm auf, und diese Erkenntniß, die
er sich nicht eingestehen mögen, hatte ihm den Vor-
schlag unheimlich erscheinen lassen, den ihm Konradine
in ihrem Briefe eben jetzt gemacht hatte. Was ihn
und Konradine zusammengeführt, war nur ein schönes,
herzliches Vertrauen, sie hatten das einander auch
ofen eingestanden. Es war ein Nebereinkommen, das
Beiden zum Vortheil gereichte, das ihm eine edle
Hausfrau, eine geistvolle Gesellschaft, eine freundliche
Gefährtin, ihr einen ergebenen Beschüzer, einen großen
Namen und volle Lebensfreiheit durch reichen Besiz
verlieh. Ob dieser Besiz bestimmend auf ihre Ent-
schließung eingewirkt habe, diese Frage hatte er in sich
geflissentlich zurückgedrängt. Denn durfte er es ihr
verargen, wenn sie in dem äußeren Besitz, den er ihr
bieten konnte, einen Ausgleich suchte für die persön-
lichen Vorzüge, die ihm fehlten?
Was die Nachricht von des Prinzen Ankunft be-
gonnen, das hatte der wirre Traum der letzten Stun-
den in Emanuel's Seele vollendet. Er konnte sich es
nicht verbergen: nur sein Ehrgefühl hielt ihn zurück,
es kundzugeben, daß er aus Mißtrauen in sich selbst
der Frau mißtraue, die bald seinen Namen tragen,

s

seine Gattin werden sollte; daß seine plözlich rege ge-
wordene Eifersucht, ihm keine Ruhe ließ.-- Eifer-
fucht!- War sie je zu dämpfen, wo sie einmal em-
pfunden worden war? Würde die Ehe sie zum
Schweigen bringen?-- Und wer als er selber trug
die Schuld der Pein, die er empfand in dieser
Stunde?
Er war mit sich selhst zerfallen, er machte sich
sein Mißtrauen gegen Konradine schwer zum Vor-
wurfe. Bald klagte er sein Schicksal an und bald
sich selbst. Dann wieder rang sich ein ruhiges, ge-
faßtes Bewußtsein in ihm durch, und gerade der
Wechsel dieser beiden Stimmungen flößte ihm ein
Grauen vor sich selber ein. Nichts war ihm stets
eines Mannes unwürdiger erschienen, als eine Lage,
die ihn zur Eifersucht verdammte, Nichts ihm wider-
wärtiger gewesen als ein Eifersüchtiger und die Schil-
derungen der Eifersucht in der Dichtung. Und sie
waren doch richtig gewesen bis auf das Haar!-
Denn er erlebte, er erlitt, was sie gezeichnet hatten.
Er stand auf dem Punkte, auf welchem er Grund
und Ungrund, Wahrheit und Einbildung nicht von
einander zu unterscheiden vermochte, auf dem er Alles
in einem wechselnden, die Dinge verschiebenden und
verzerrenden Lichte sah, in einem Lichte, das schließ-
lich auf ihn selbst zurückfiel, das ihn lächerlich, ja ver-
ächtlich erscheinen machen konnte.
Selbst der Morgen brachte ihm nicht Ruhe, der
Tag nicht Klarheit. Er blieb zerfallen' mit sich selbst,
es sah traurig in ihm aus.
gggggEääägzh