Die Erlöserin.
Fanny Lewald
Kapitel 05

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-;.ls regnete und hagelte bei scharfem Winde, daß
-man kaum das Fenster öffnen mochte und daß der
Dampf in der Wirthschaftsküche, in welcher Mamsell
Ulrike gerade eine der großen Herbstarbeiten abzumachen
hatte, durch die offenen Thüren dem Knechte schon
-bis weit, in den Hof hinein entgegenauglmte, als er
-früh, -am- Pormittage mit der Posttasche durch das
zxeßg Fhx, hereinnitt. -
z ,zgFls er. pgm Vferde tieg, schütelte ex unter dem
Foxdache öäs Wassee, von der, ledernen Tasche und


- Fünftes Gapites
,wishte sie, dann noch mit dem Aermel. ab, ehe er. sie
zn der. Stube dem Amtmanne reichte. Der Amtmannn
sah;nach deg h.
, ; ,Fs ist nei hr porbei,' wso Fst. D denn so
lange geblieben? fragte er.- -
- Der Knecht entgegnete, er habe für die Maiüsell
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noch Ausrichtungen machen müüssen und der Weg sei
grundlos, nicht vom Flecke fort zu kommen. Damit
ging er ab und der Amtmann schloß die Tasche auf.


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.-, Endlich!'r rief er, nachdem er dis,Zeitungen und
die beiden Geschäftsbriefe, die er in der Tasche vor-
gefunden, auf ihren gewohnten Fleck gelegt hatte, und
wollte rasch den dritten Brief erhrechen, den, die heu-
tige Sendung ihm hrachte, ,er besgnn sih zndessen
eines Besseren, Er machte, erst; die ayderen Briefe
auf, las sie bedächtig durch, nahmj die- Zeitungen
zur Hand, um die Kornpreise ges lezten Marktes
einzusehen, die sich zu. seiner Freude, höher als in der
verwichenen Woche stellten,- und steckte sich dann erst
die Pfeife an, um den Brief, den er sich aufgespart,
in möglichster Behaglichkeit zu genießen. Aber gleich
die Neberschrift desselben sezte ihn in Erstaunen, und
er hatte die ersten Zeilen- kaum, gelesen, als er mit
einem Fluche aufsprgng; und nach dex Thüre gehen
wollte, um die Klingel zu. ziehen. Ex hielt sich jedoch
wie mit Gewalt davon zurück, sezte sich wieder in den
alten Stuhl an seinem Schreihtisch nhgder, zuud-den Kopf
schüttelnd wie Einer, dex njcht. persteheg Fann, was er
doch vor seinen Augen hat, ließ er vgn Zeit, zu Zeit
einen Ausruf zornigen Erstaunens- über seine: Lippen
gleiten, bis er mit den Worten: ,Ist: das, Frauen-
zimmer denn ganz von Gott verlassen?! sich abermals
erhob, das Fenster aufriß;und seinen bekannten Pfifff
über den Hof so laut exschallen ließ, daß jn den
Scheunen und in Stalle und in der Werkstatt Alles
an die Thüren kam, und der Stallknecht, den, er ein
Seichen gab, sich sogleich in Trab zu sezen, anfing.
,Den' Fuchs sätteln!! rief, er, sobald der Knecht
nahe genug war, ihn verstehen zu können,,und Io-

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hann soll kommen! Damit zog er das Fenster wieder
zu, und'wie er sich umwendete, stand -Ulrike hinter
ihm. Er hatte eben nur noch' Zeit, den' Brief in die
Brusttasche zu stecken, den er zuletzt gelesen hatte.' -
- - zWas ist denn' passirt? fragte sie, während sie
die' Hände -noch an der großen Küchenschürze trocknete.
- -',Was soll denn passirt sein? entgegnete er, und
fich von ihr -zu dem herbeigerüfenen Kutscher wendend,
befahl er ihm, die weite, lederne Reithose zu' holen,
die er sich über sein Beinkleid knöpfen ließ, wenn er
einmäl in besoiders schlechtem Wetter draußen sein
inußte. -'
-- Alriks war so leicht nicht abzuweisen. ,Passirt
muß Etwas sein,? meinte sie, ,denn in dem Wetter
reitet doch kein Mensch aus, wenn er nicht eben muß,
und Du' mit Deinen Gliederschmerzen ganz gewiß
nicht!?
, Ich will' einmal probiren, wie das Wetter und
- die Gliederschmerzen sich vertragen!! antwortete er'in
eiieniTöne und mit eineßn- so bitteren Humor, daß
-Sr'Ulrike nur in ihren Vermuthungen bestärkte, und
däsie' es gesehen hatte, daß er einen Brief vor' ihr
Jpethörgenfrief fie; sich' kikt ihrer gewohnten Ent-
schlossenheit in dreistem -Sprunge auf ihk iel -lbs-
stürzend: ,Was ist dennvorgegängen mit der Hulda?
-' - Der Aütmiann fuhr auf. Die scharfe Frage kam
ihm' in dem Beisein des Knechtes, der ihm das Reit-
kleib-berknöpfte, döppelt ungelegen. -,Wie koüinist
--Du denn mit' einemnale darauf? fragte: et. ?

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- ,Ich habe es wohl nicht gesehen, wie Du den
Brief instecktest?! - -
.So laß ihn, stecken, wa zr,stsckhk- gah er ihr
zur Antwort, schloß den, Schreihtsche; lheß ßch, den
Flusrock überziehen, und im ßorbeigehenzdie Mütze
mit dem großen, Schirme und ,die Feitsche gon dem
Haken nehmend, schritt er der Thüre zu. - .
- - Die Schwester' trat ihm Fn den.Geg. ,Du, wirst
doch sagen können,' wo Du hingehft??- - -
,In das Feld!? versetzte er. -,Es- liegt mnir auf
der Brust, Ihr habt ja überheizt, als ob. das Holz
gestohlen wäre. Laß die Fenster aufmachen, alle-
beide.?-
Das ging Ulriken, über den Spaß, sie wwußte
nicht, was sie denken, sollte, es am etwas wie, eine
Besorgniß um den Bruder. über sie. -,AberFuekommst
zum Essen doch zurück? fragte;sie; -- -
,Eaß sie essen, wennn ich um die Zeit nicht da
binl! gab -er ihr -zux Flntwort,' Aund: war zauf das
Pferd gestiegen und davongeritten,- ohne sich über
irgend Etwas guszulassen.- -
Ulrike nahm die Schürze über den. Kopf und
ging vor die Thüre: hinaus.. ,Dahinter steckt kein
Anderer als die Hulda! sagte sie, wie sie den,Bruder
aus dem Hofthor sich zur Einken gwenden und nach
dem Dorfe hinunter, reiten sah. :,Er reitet zum
Pastor!?
- Und in der, That, sie - hatte Fich in ihrer Vor-
aussicht nicht getäuscht. Der Amtmann konnte die
erhaltene Nachricht nicht mit sich selber abmachen, er

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mußte einen Msnschen haben, mit dem er sprechen,
mit dem er überlegen konnte, und wenn es auch nur
ein junget Mann war wie der Pastor. I Er ritt, als
wäre er um zwwanzig Jahre jünger. Der Fuchs wußte
nicht, was ber von seinem Reiter- denken sollte. - Sie
waren''in dem Dorf und vor der Pfarre schneller als
in bester Zeit. - .e
.--Der Amtmänn fand den Pastor still ei -seinen
Büchern sizen. Ws stand und lag in der Wohnung
noch ziemlich' so;'wie zu derfrüheren'Bewohner Zeiten.
Nur diejenigen Bücher und die: anderen Gegenstände;
agf!welche: Hilda Werthn gelegt, hatte der Amtmänn
nach dem Schlosse genommen, um sie dort aufzuheben.
Oäs -Nebtige hatte der Pfarrer' angekauft, und - beide
Theile hatten sich gut dabei gestanden, denn, von ihrer
Stelle- einmal fortgerückt, hatten die alten Möbel und-
Geräthe kaum noch Werth, und sie zu einem billigen
Preises an sich zu bringen, war für den jungen Pfarrer
immerhin vortheilhaft gewesen bei der Kostspieligkeit
des mehrmeiligen Transportes von der Stadt. Dazu
liebte er die kleinen stillen Räume so wie er sie vor-
gefunden hatte, und wollte sie so behalten, bis ihn
einmal- eine andere-Wendung seines Schicksals jie zu
- verlassen' oder zu' verändern zwingen' würde. --
. Des Amtmanns Ankunft in dem bösen Wetter
kam ihm höchlich überraschend. Er war vor der Thüre,
hatte dem Knechte, den er sich jetzt, seit der besseren
Besoldung seiner Stelle, halten konnte, das Pfetd zum
Herumführen-gegeben und den geehrten Gast' des
Fchweren, nassen Reitanzuges entledigt, ehe er in seinem

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Erstaunen zu der Frage --gekommen war, was den
Amtmann in sein Haus gebracht habe. Auch ließ es
dieser dazu gar nicht kommen. -'
Er sah sich rasch in der kleinen Stube um, ob
die Kammerthüre nicht etwa offen stände, schritt dann
nach dem wohlgeheizten Ofen hin, an dem er sich die
Hände und den Rücken wärmte,' und sagte rasch und
mit gedämpfter Stimme: ,Ich bin herübergeritten,
weil ich mit der Schwester nicht davon reden kann.
Sie darf es vielmehr nicht einmal' wissen, und es ist
mir selber noch unglaublich, obschon ich doch - mein
Theil erlebt habe in der Franzosenzeit und wie danach
die Russen im Lande gewesen sind. Es ist da gennng
und alles Mögliche vorgekommen mit den Frauen-
zimmern, aus den vornehmen Familien so' gut wie
unter Unseresgleichen' und unter, dem gemeinen Volke,
aber so Etwas ist' noch gar nicht, dagewesen - guter
Leute Kindl?
Der Pfarrer, welcher Erziehung geng besaß, den
älteren Mann ruhig anzuhören und ihm die Zeit zu
lassen, sich nach seiner Ansicht zu erklären, hatte nicht
verstehen können, wo hinaus der Amtmann wolle,
indeß die letzten Worte hatten etwas unheimlich Be-
unruhigendes für ihn. , Von wem sprechen Sie Herr,
Amtmann?! erkundigte er sich mit böser Ahnung.
, Habe ich es Ihnen nicht gesagt? fragte der
Amtmann, dem das Herz von seiner zornigen Sorge
so- erfüllt war, daß er meinte, auch der Pfarrer müsse
darum wissen. ,Ich dachte, ich hätte es Ihnen gleich
gesagt. Stellen Sie sich vor - es ist gar nicht zu

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glauben - die Hulda ist unter die Komödignten ge-
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, Unmöglich! da sei Gott vor!r rief dex Pfaxrer,
und sein Aussehen zeigte, was er dgbei fühlte. -
nn: ,Wie; ich Ihnen -sage,! wiederholte - dex, Almt-
mann, ,es ist, als ob sie ganz von Gott perlassen
wäre! Eines ßfarrers Tochter und Folch brayer Leute
einzig. Kind. Ein Mädchen, -auf,, das ich, gehalten
hahe,. mehr, als, auf mein eigen Fleisch und Blut. Man
mag--es;aticht äber seine Lippen bringen, damit nicht
auch Andexe es hören; aber es ist, wie ich es Ihney
sage: sie ist unter die Komödianten gegangen!! -
-. Hie Aufregung, das ungewöhnlich; lebhafte
Sprechen -des treuen Mannes verriethen dem jungen
Geistlichen, wie, nahe es dem Greise ging, und ihn
-' selber hatte es sehr schwer getrofen. Aber die ernste
und strenge, Schulung für sein Amt,' hatte ihm troz
seiner jungen Jahre Selbstbeherrschung früh zur Pflicht
-gemacht; und seine Bewegung, so gut er es vermzochte,
in Schranken haltend, fragtesnet den Amtmamn, woher
er; diese;Kunde habe.
I Geschrieben, selbst, geshrieben, hat sie es mir,
ohne jalle:lScheu und Scham!? pief der Aptmamn.
,Dg lesen Sie es selbst.!. Er xeichte ihm den Brief
hin, -der, Pfarrer trgt ,damit ans Fenster. - Er kannte
die feine, wohlgefügte Schrift, es war ein Buchstabe
klar gmd deutlich wie der andere, die Zeilen folgten
einander in schönster Gleichmäßigkeit, ihre Hand hatte
nicht gezittext, sie hatte nicht geschwankt, als sie es
niedergeschrieben: wie sie den Gedanken, die Bühne zu


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Hetreten, schon seit länge in der Seele gehegt, wie ihr
Sinn darauf gestanden habe, sich in freierer Lebens-
bahn zu bilden und zu entwbickeln, und wwie'gern sie
das Alles dem Vormunde gestanden, wie sie' ihn um
seinen Rath gebeten haben'wvürde; wäre sie nicht seines
Widerstandes gewiß gewesen. Sie' schrieb dann noch,
welche günstigen Ereignisse -ihr zu' Hilfe gekommen
wären, wie gütig sich die berühmte Gabriele ihrer an-
genommen habe, und bat schließlich den Amtmann,
ihr zu verzeihen, daß sie mit einer Unwährheit von
ihm geschieden sei. Sie hoffe ihm dereinst. Ehre zu
machen, und er möge zu ihr das Zutrauen haben,
daß sie, ihrer Eltern eingedenk, nie pön dem rechten
Pfade weichen werde.
Dem Pfarrer flirrten die Büchstuben por den
Augen, als er die lezten Wörte las.I Er müußte die
Augen schließen und' mit der Händ perdeckei. ,Die
Unglückliche, die Aergste!r üef, ek: schmerzlich aüs.
,Ja, bekräftigte der Amimgnn, ,aher was ist
da zu machen??
,Man muß hin - man müß sie sehen -- mit
ihr sprechen, sie von dem unheilvollen Pfade zurück-
zuführen, sje hieher zurückzubringen suchen!! meinte
der Pfarrer.
,Und was nachher? fragte der Amtmann. , Soll
ich sie wieder zu mir nehmen? Das fällt mir nicht
ein. Das geht auch mit meiner Schwester mun und
nimmermehr, wenn die erst weiß, von wänneg Hulda
kommt und weß Geistes Kind sie ist. Ich häbe auch
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Fanny Lewald, Die Erlöserlu. .


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-Felber keine Lust dazu, den Zuchtmeister zu machen,
denn wer sagt mir gut dafür, daß sie nicht bald
wieder heimlich so Etwwas unternimmt und wieder auf
und davon geht. Der Oberförster kommt mnir auch-
nicht in das Haus, wenn sie darin ist; und Sie
Für Ihr Theil würden ebenfalls kein sondexliches Ver-
gnügen davon haben.!
-; ,Mdan darf sie aber nicht sich selber überlassen,?
fiel der zunge Pfarrer- ein, ,man muß versuchen, -
ihr klar zu machen, was sie thut. Es müssen Ein-
piküngen, Einflüsse stattgefunden haben, die sich
LEnseret Beobachtung enhzogen haben-??-
- ,Was ist da zu beobachten?! meinte der- Amt-
mann ungeduldig. ,Das vornehme,eben im Schlosse,
die feine Erziehung durch die Miß, der ich mit ihren
fremden Redensarten nie getraut habe, und der un-
glückliche. Liebeshandel mit dem verwünschten Baron
Einänuel, die sind iht in den Kopf gestiegen, und ich
will. Den sehen, der ihr das wieder austreibt. Aber
das wäre ir Alles einerlei, wenn ich nur erst wüßte,
was man nit ihr macht. Holen kann und werde ich
sie, nicht, denn ich kann sie hier nicht brauchen.!
, , Sie ist so sanft, so unterrichtet, und obschon sie
uns getäuscht hat - ich habe sie stets so aufrichtig,
so von Herzen wahrhaftig gefunden,! sagte der Pfarrer.,
zIch kann es mir nicht denken, daß sie auf einem
solchen falschen Wege dauernd beharren. sollte. Ich
habe das Zutrauen zu ihr noch nicht verloren.!
,.. ,Aber Sie würden sich doch hüten, Sie noch
jetzt zu Ihrer Frau zu machen! Sie würden doch

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nicht die Courage haben, einer Familie, die Jemand
für ihre Kinder nöthig hat, zu sagen: ,Rehmen Sie
das Mädchen zu sich!
Der Pfarrer schwieg, weil er öas nicht aus-
drücklich eingestehen mochte, und der Amtmann fand
dies völlig in der Ordnung. ,Sehen Sie,! rief er,
,das ist es ja eben, das habe ich' auf dem ganzen
Wege in mir rüminirt. Mit einem -Frauenzimmer,
das erst einmal. derlei im Kopfe gehabt hat, ist in
einem ordentlichen Hause gar Nichts mehr zu machen,
und ich bin und bleibe doch ihr Vornund. - Hieher
will ich sie nicht nehmen, unter den Konödianten will.
ich sienicht lassen. Wenn ich ihr befehle, zu ordentlichen
Leuten in die Kost zu gehen -- bezahlen wollte ich's
ja herzlich gerne -- so weiß ich- nicht,' ob sie es-thun,
und ob sie mir nicht wieder fortgehen wird;' wie aus
dem Hause des Kastellans; und- ihr einen Steck
brief nachschicken, kann ich doch auch nicht. Ich mruuß
sie eben laufen lassen, mag fie sehen, wie es nachher
thut. Es ist nur ein Glück, daß sie doch wenigstens
ihres Vaters Namen nicht beschimpft und sich einen
anderen gegeben hat. Was die Leute sagen werden,
daran denke ich noch gar nicht. - Und nun meine
Schwester erst! Es ist um gleich dreinzuschlagen.!
Er hatte sich in Zorn gesprochen und trommelte
ärgerlich mit den Fingern. auf dem Tische, an dem er
sich niedergelassen hatte. Der junge Geistliche saß
ihm schweigend gegenüber. Die Nächricht ging ihm
sehr zu Herzen, dem Amtmamne war indessen mit
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seinem Schweigen nicht gedient. Er wollte wissen,


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was er denke.
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bar die Wege Gottes sind und wie es uns oft nicht
- leicht fällt, seine Führung zu verstehen und ihr richtige
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Folge zu leisten. Ich dachte an die Freude, welche s
die Eltern über die Schönheit der Tochter empfunden
Haben mögen, die für sie zu einer schweren Versuchung
, geworden;ist; und ich erinnerte mich, wie' es uns ge-
Hoten,ist, dem Irrenden die Hand zu reichen, um ihn
auf- den: rechten Pfad'zu führen.! -
? ,Das i Alles recht gut und schön,! fiel. der
Amtmann ihm ungeduldig und zornig in das Wort.
Aber einen Jagdhund, der den Appell verloren hat,
den bringen Sie mit keinem Pfeifen mehr zurecht,
der verlangt das Stachelhalsband; und das Leben
- wird es ihr schon bringen. Darüber bin ich un-
, Fsorgt?
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,Ich überlegte,! sagte der Pfarrer, , wwie wunder-
»».MNicht' weiter, nicht peiter, Herr Amtmann!?-
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arief' der Pfarrer. mit bewegter Abwehr. ,Wer will.
-poraussehen, :was ihr noch beschieden ist! Aber Sie
Find erzürnt: und haben kein Vertrauen mehr zu
, Hulda.. Ich für meinen Theil gebe die Hofnung für
sie nochnicht auf. Lassen Sie mich schreiben. Ich
werde es noch heute thun. Vielleicht verleiht mir der
Herr die- Kraft, das -Wort zu -finden, das zu ihrem
Herzen dringt. Und bis wir darüber nicht Gewißheit
haben, möchte ich Sie bitten, geheimzuhalten, was
Sie mir awvertrauten. Neber meine Eippen kommt
Tein Wort davon.!



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Der Amtmann sah ihn an, und es zuckte wunder-
lich um seinen Mund, als er dem jungen Manne
über den Tisch hin seine Hand böt? ,Ich' glaube,?
sprach er, ,es ist so etwas von des seligen Pastors
Geist auf Sie gekommen. Sie warekt anders, als
Sie hier bei uns anlangten, anders ganz und gar,
und ich hätte Sie damals gerne wieder fortgehen
sehen. Aber Sie sind ein braver und ein guter
Mensch. Ich verstehe das Frauenzimmer nicht.
Fortzulaufen unter solch Gesindel, auf die Bretter zu
gehen, wie der nichtsnuzige Bursche, der Michael, vor
dem sie einen wahren Abscheu hatte! Guter, braver
Leute Kind, das es hier mrit Ihnen sehr gut haben
konnte! Ich verstehe es nicht. Ich versteh's psrtout
nicht!?
Er stand dabei auf, zog die Ühr mit det großen
Schildpattkapsel aus der Tasche, sah nach der Zeit
und sagte: ,Ich will doch lieber, noch ehe sie bei mir
zum Mittagessen klingeln, wieder auf dem Hofe sein.
Ich muß fort.?
Der Pfarrer bat ihn, Etwas zu: genießen, schon
wegen der nassen, kalten Luft, indeß der Amtmann
wies es dankend ab. Er habe von dem schweren
Aerger alles Blut im Kopfe, sagte er, und dann sei
Fasten ihm das Beste.
Der Knecht mußte das Pferd vorführen, der
Amtmann legte den dicken Rock von Düffel wieder
an, zog den Kragen hoch über bie Ohren, drückte die
Müze in die Stirne, und schwang sich troz seiner
Schwere und seiner Jahre noch so rüstig auf das


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Pferd, daß es den Pfarrer, der ihm das Geleite gab,
freute.-
,lso Sie schreiben ihr, und recht eindringlich,
lieber Herr Pastor! und es bleibt Alles unter uns.
Ich -verlasse mich darauf!k rief der Amtmannn, noch
einmal, ,als er schon fest im Sattel. saß, und dem
Pferde das Zeichen gebend, ritt er in seinem kurzen
Schauukelkrab von dannen.
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=G=Gss=«G=sss«==«=Gsssuss