Benedikt.
Fanny Lewald
Kapitel 09

zz Klosterherren waren seelenkundige und viel
erfahrene Erzieher. Sie ließen Penedikt ruhig in der
Menschenscheu gewähren, welche ihn überfallen hatte,
seit ihm der Abt das Geheimniß seiner Eltern kund
gethan.
Man nöthigte ihn nicht, an den regelmäßigen
Spaziergängen der übrigen Schüler Theil zu nehmen,
wenn man diese in das Freie führte, er durfte sich
im Garten beschäftigen, oder bei den Büchern sizen,
je nachdem er Lust dazu verrieth. Man gewährte ihm
eine verhältnißmäßige Freiheit innerhalb des Zwanged,
dem er sich plözlich unterworfen sah; denn je mehr
er sich abgeneigt fühlte, mit der Außenwelt zu ver-
kehren, um so sicherer durfte man darauf rechnen, daß
er sich in das Kloster eingewöhnen würde. Wenn er

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sich von der eigenen Mutter ferne hielt, war Aussicht
vorhanden, daß er um so eher die Kirche als seine
Mutter anzusehen, den Orden als seine Familie zu
betrachten lernte; und Benedikt besaß alle die Eigen-
schaften, welche es einer solchen Gemeinschaft wünschenö-
werth machen konnten, ihn sich anzueignen. Er war
schön, begabt, von lebhafter Empfindung, und der
reichste Erbe in dem ganzen Thale.
Auch trog ihre Berechnung seine Vorgesezten
nicht. Wie Benedikt stets der beste Schüler in der
Dorfschule gewesen war, so zählte das Kloster ihn
schon nach Jahresfrist zu den besten seiner Zöglinge.
Sein starker Ehrgeiz trieb ihn zum Fleiße an, und
die Richtung, welche der Abt dem Gemüthe des Kna-
ben in jener ersten und einzigen Unterredung zu geben
verstanden hatte, sicherte seinen Vorgesezten seine Füg-
samkeit, wie sie ihn gottesfürchtig und sein Gewissen
rege gemacht hatte. Er wußte seinen Vater von
schwerer Schuld beladen, seine Mutter als Theil-
nehmerin einer Sünde wider die Gebote Gottes. Er
war nicht in güültiger Ehe geboren und da er die
Welt nicht kannte, glaubte er sich durch diesen Makel
ihr gegenüber schwerer beeinträchtigt, als er es in der-
selben gefunden haben würde. Es stand in der Bibel

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geschrieben: Gott sei ein strenger Herr, er werde die
Sünden der Väter an den Kindern und Kindeö-
kindern rächen; also war er mit des Herrn Zorn be-
liden. Er hatte ihn zu sühnen durch makellosen
Wandel, durch unallässiges Gebet. Er hatte sich einzig
zu vertrösten auf des Heilandes Gnade, der die Sün-
den der Menschen auf sich genommen, der auch für
ihn den Kreuzestod erlitten. Er hatte zu der Mutter
Gottes zu flehen, daß sie bei ihrem Sohne Für-
sprecherin werde für den verbrecherischen Maurus, für
die unglückselige Jakobäa und für die Kinder, welche
so unheiligem Ehebunde entsprungen waren.
Es währte nicht lange, bis Benedilt den ihm
einst so verhaßten schwarzen Rock mit Ruhe, ja mit
Freuden, und wie ein Ehrenkleid zu tragen lernte.
Man war mit ihm zufrieden, man begegnete ihm mit
freundlicher Gleichmäßigkeit, seiner Wißbegier wuurde
reichlichere Nahrung , geboten, sein Vorwärtskommen
anerkannt, und sein Ehrgeiz, diese vorherrschende Leiden-
schaft in allen geistlichen Genossenschaften, ward durch
seine Vorgesezten nur in so weit-eingeschränkt, alö
die Unterordnung unter ihre Befehle und die De-
muth vor dem Herrn es nöthig machten. Er hatte
nicht mehr unter den wechselnden Gemüthsverfassungen
F. Lewald, Benedikt. 1.

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seiner Mutter zu leiden, nicht mehr mit den Thalbe-
wohnern zu verkehren, die ihn früh mit halben Worten
ahnen lassen, daß seine Familie unter dem Banne
eines unseligen Geheimnisses stehe. Die Nachbars-
kinder, seine Schulkameraden peinigten ihn nicht mehr
mit den Fragen und Bemerkungen, die alle nach der
wunden Stelle zielten. Er ging unangefochten in den
Reihen der Klosterzöglinge einher, er fand Genossen
und Freunde unter ihnen, er hatte mit und unter
ihnen Anlaß seinen Körper in übenden Spielen zu
entwickeln, er kam in ihrer Gemeinschaft hoch in dad
Gebirge hinauf, machte im Sommer unter Leitung
seiner Dberen während der Ferien kleine Ausflüge in
das nächste Land zur Erholung in den andern, dem
Orden gehörenden Besizungen; und, was nicht gering
bei ihm in das Gewicht fiel, er war in dieser Zeit
der einzige Klosterschüler aus dem Thale, er war da-
durch in seinen Augen weit vornehmer als alle die-
jenigen, die sich sonst um seiner Geburt willen über
ihn erhoben hatien. Die Kirche war ihm für sein
Empfinden wirklich eine Mutter geworden; sie und . -
das Kloster gewährten ihm Schutz, eröffneten und ver-
sprachen ihm eine Zukunft, und er gab sich ihnen zu-
letzt von ganzem Herzen und von ganzer Seele hin.

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Die eizene Mutter sah er nicht eben häufig. Die
Abneigung, mit der er ihr in der Stunde begegnet
war, in welcher er aus ihrem Hause schied, hatte ihr
das Herz erstarren machen. Sie scheute sich vor dem
Knaben mehr, als sie einen Fremden je gefürchtet
hatte; und weil sie ihm, alö man ihn zum ersten Male
zu ihr führte, kalt begegnet war, trug er kein großes
Verlangen, öfters zu ihr zurückzukehren. Auch sie für
ihr Theil verlangte nicht nach ihm. Sie mochte e?
gar nicht sehen, wenn der sonst so lebenöfrohe Benr-
dikt in der schwarzen Soutane, gemessenen Schrittes
in Mitten seiner Klasse an ihrem Hause vorüler ge-
führt wurde, er kam ihr wie der Schatten seiner sellst
vor. Das Kloster stand zwischen ihmu und ihr; nicht
sie, das Kloster hatte an ihn den allernächsten An-
spruch. Sie konnte mit ihm nicht reden, wie es ihr
zu Muth war: er war ihr entfremdet worden, und
wie an einem Frenden mußte sie versuchen, sich an
ihn erst wieder zu gewöhnen.
Jndeß die Zeit bewährte auch in diesem Falle
ihre Kraft und Macht. Man hatte Benediltus ange-
halten, tääglich für seiner Mutter und seiner Schweslern
Seelenheil zu beten--- wie konnte also seine Ab-
neigung gegen die Mutter fortbestehen, die er in

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immer neuen brünstigen Gebeten der erbarmungsvollen
Gnade des höchsten Richters anempfahl? Das Mit-
leid mit ihr zeg mit seiner wachsenden Neife und sei-
ner sich erweiternden Einsicht in sein Herz; und als
man sich im Kloster erst seiner völligen Hingebung
an dasselbe versichert halten durfte, hatte man sogar
seine Annäherung an die Mutter auf jede Art zu
fördern getrachtet. Wer konnte denn besser geeignet
fein Jakobäen Sinn zu Gunsten des Klosters zu be-
stimmen, als ihr Sohn und Erbe, nachdem er seinem
Kloster von ganzer Seele eigen geworden war?
Er hatte seine Klassen mit Ehren durchgemacht.
Er galt für den besten Philologen unter seinen Mit-
schülern und zrigte schöne Anlagen für Beredsamkeit
und Poesie. Aus freiem Antriebe hatte er lateinische
und deutsche Hymnen gedichtet, welche den Beifall der
Lehrer gefunden; seine dialektischen Fähigkeiten waren
anerkennend bemerkt worden und wie er als Knabe
in dem Thale um seiner starken und hellen Stimme
rillen Beifall geerndtet hatte, so waren jetzt sein Ge-
sang und seine mehr und mehr hervortretende musika-
lische Begabung bald des Klosters Stolz und Freude.
Er war beliebt bei seinen Mitschülern, besaß die Gunst
seiner Vorgesezten; und seine strenge Gewissenhaftig-
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keit, seine tiefe Frömmigkeit machten es, daß man große
Hoffnungen auf seine Zukunft bauie, als er mit fron-
mer Freude in sein Noviziat eintrat.
Während dieser Jahre hatten sich aber auch in
dem Thale die Zustände sehr wesentlich geändert, und
die Folgen des erleichterten Reisens hatten angefangen,
sich bis hinauf in das Hochgebirge und in seine Thäler
geltend zu machen.
Früher, in den Zeiten, in welchen Maurn die
Heimath auf Nimmerwiederkehr verlassen, war selten
einmal der Fuß eines Reisenden die einsame und sehr
beschwerliche Slraße nach dem Klosterthale empor-
gestiegen. Seit man jedoch in den, die Schweiz um-
gebenden Ländern Eisenbahnen gebaut, und die
Dampfwagen und Dampfschife begonnen hatten, die
Beförderung der Menschen zu Lande und zu Wasser
in so großer Zahl, und in vorher ganz ungekannter
Schnelle zu ermöglichen, waren in der Schweiz mit
jedem Jahre der Neisenden immer mehr, und das Be-
steigen der höchsten Berge, an welches sich sonst nur
die unerschrockene Beharrlichkeit einzelner Gelehnter,
oder besonders für die Naturschönheiten begeisterter
Männer herangewagt hatte, zu einer Modesache und
znu etwas fast Alläglichem geworden.

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Die Stäole der Schweiz hatten während der
Sommermonate bald nicht mehr Naum genug für
ihre ausläändischen Gäfte. Man fing an, auf dem
Lande, in den Gasthöfen, an den Seen und in den
Bergen ein Unterkommen zu suchen, und je weniger
dadselbe von denjenigen Bequemlichkeiten zu bieten ver-
?
Benedikt hatte noch in der Zeit seines Noviziates
gestanden, als die ersten Fremden sich zu längerem
Verweilen bei deö Doktors Mutter in dem einzigen
Wirthshause des Thales niederließen. Es waren
junge deutsche Gelehrte. Sie waren bald nach ihrer
Ankunft in das Kloster gekommen, um Zutritt zu der
Bibliothek desselben zu erbitten, in der sie, und nicht
mit Unrecht, werthvollen Besiz vermutheten. Man
hatte ihrem Ansuchen bereitwillig willfahrt; der Ordens-
bruder, dem die Aufsicht über die Bibliothek zustand,
hatte sich, stolz auf die reiche Handschriftensammlung
derselben, mit den beiden Fremden viel beschäftigt; sie
waren dann alltäglich wiedergekommnen, um zu kopiren,
waö ihnen für ihre Zwecke brauchbar dünkte, und trrt
der strengen Drdensregel, welche den Verkehr mit der
Außenwelt während des Noviziates sehr beschränkte,
, -- -

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hatte der Bibliothekar eines Tages Benedikt, der just
vorüberging, herbeigerufen, ihm ein Missale herbeizu-
holen, dessen Miniaturen Jener die Fremden sehen
lassen wollte.
Es fanden sich aber diesem alten Meßbuche noch
ein paar Pergamentblätter beigebunden, auf denen in
uralter Schrift Text und Melodie des Ambrosianischen
Lobgesanges, des Po äeum lauäumus geschrieben waren.
Sie galken, weil sie eine kleine musikalische Abweichung
von der gebräuchlichen Melodie enthielten, als eine be-
sondere Merkwürdigkeit, und da der Benediktiner-Orden
sich rühmen durfte, der Sammler und Herausgeber
der Werke des zu ihm gehöri habenden heiligen Am-
brosius gewesen zu sein, so gefiel der Bibliothekar sich
darin, seine gelehrten Gäste eben auf diese Besonder-
heit aufmerksam zu machen.
Der Eine derselben, welcher musikalisch war,
wünschte die Musik zu hören. Benedikt nurde ange-
wicsen, das Meßbuch nach dem Chor zu tragen, denn
da Kloster legte großen Werth auf seine Orgel, wie
auf seine Kirchenmuusik, und der Pater Bibliothekar
hieß ihn, unter Begleitung des jungen deutschen Ge-
lehrten, das De äeuru nach der vorliegenden Abweichung
zu singen.

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Benedikt that dies ohne alle Scheu und ohne
Zögern; indeß noch während er sang, gab der Professor
seinem Erstaunen über die Stimune und die musikali-
sche Begabung des jungen Mannes Ausdruck.
,as ist ja eine Stimme,' sagte er, als Benedikt
geendet hatte, ,wie ich sie schöner nie gehört habe!
Ihre Fülle, und ihr weicher Ton überfluthen wie der
Tenor unsres Wild das Ohr des Hrers und dringen
in das Herz ein!-
=b er andere Fremde meinte, Wild's Stimme habe
vielleicht noch eine größere Süßigkeit, auch ihnu aler
sei der männliche Klang von Benedikts Drgan, daö
mit den Jahren nur gewinnen könne, noch viel lieber.
Des Jünglings Augen strahlten. Er hatie große
Freude daran, daß die Fremden ihn mit einem Sän-
ger verglichen, den sie offenbar bewunderten, und er
horchte hoch auf, alo der Professor die Bemerkung
machte, Wild hale seine ersten musikalischen Studien
ebenfalls im Dienste der Kirche gemacht. Er sei Chor-
schüler gewesen, ehe er in die Fürstlich Esterhazy'sche
Kapelle aufgenommen worden; und erst von dieser sei
er zu der großen Oper üübergegangen, deren glänzendste
Zierde er seitdem geworden sei.
Der Pater Bibllothekar, dem dieser Zwischenfall

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sehr ungelegen kam, befahl dem jungen Novizen, das
Meßbuch nach der Bibliothek zurückzutragen, und Be-
nedikt gehorchte, wenn auch mit innerem Widerstreben.
Er machte sich das allerdings zum Vorwurf. Er
klagte sich in der Beichte an, daß das Lob der Frem-
den seine Eitelkeit erregt, daß es ihn von der Selbst-
betrachtung abgezegen habe, die jezt mehr als jemals
seine Pflicht sei, daß sich seine Gedanken wider seinen
Willen der Außenwelt zugewendet hätten; und an die
strenge Klosterzucht gewöhnt, fand er es in der Ord-
nung und gerechtfertigt, als Pater Theophil sein Beich-
tiger, ihm zur Buße die Strafe auferlegte, sich des
Gesanges wie des Orgelspielens fortan zu enthalten,
und dem Gotteödienste bis zur Beendigung seines
Noviziates in schweigender Andacht lautloö beizuwohnen.
Er hatte diese Strafe freudig über sich genom-
men, aber noch kein Herbst und noch kein Winter
hatten ihm so lang gedünkt, alö dieser, und nie zuvor
hatte er so wenig als in dieser Zeit seine Seele frei
im Gebete erheben können. Er fühlte sich, als wäre
ihm: der Lebenönerv erschlafft, als versage sich ihm
allmälig nicht nur daö Wort, sondern auch der Ge-
danke, als irennten ihn die schweren Wolkenschichten,
die das Thal durchzogen, für immer von dem reinen

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Aether ab, zu welchem sein Blick sich sonst in sehn-
fuchtsvollem Hoffen glaubensstark erhoben hatte. Je
mehr er unter dieser Stimmung litt, je ernfter er
Iegen dieselbe in sich rang und kämpfte, um so tiefer
versenkte er sich in seine schwermüthigen Zweifel an
sich selbst, und an seine Würdigkeit, dem Herrn zu
dienen; und es bedurfte endlich des erhebenden Zu-
spruchs seines geistigen Führers, ihm mit dem Hinweis
auf die Barmherzigkeit des Herrn wieder jenes Zu-
trauen zu sich selbst zu geben, ohne welches derjenige
nicht bestehen kann, der bestimmt ist, dereinst ein Führer
und Berather für Andere zu werden.
So kam das Ende des Noviziateö für Benedikt,
und mit ihm der helle Frühlingstag heran, an welchem
er, auf die Welt und ihre Lust verzichtend, die Priester-
weihe empfangen und Aufnahme in den Orden fin-
den sollte.
In tiefer, demüthiger Zerknirschung, niedergebengt
von dem Gedanken an die Schuld und Sünde, der
er sich entsprossen wußte, war Benedikt in die heilige
Handlung eingetreten. Aber als wirke in der That -
eine geheimnißvolle Kraft in den Händen der Priester,
die sich segnend über ihn breiteten, als komme ihm
Stäirkung aus dem heiligen Dele, mit dem man sein

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Hapt und seine Hände salbte, und als ströme ein
neues Leben in ihn aus den priesterlichen Gewändern,
mit welchen man ihn bekleidete, so richtete sich sein
Anliz allmälig in die Höhe; und wie im hellen Jubel-
rufe tönte sein , le äenm luuuäamus zu dem hohen
Gewölbe der Kirche empor, als er zum ersten Male
ein gesalbter Diener Gottes, im Vereine seiner Ordens-
brüder den Herrn wieder preisen durfte im Gesang.
Er fühlte sich stark und frei, als wäre cine schwere
Fessel von ihm genommen, deren Gewicht ihn die
Zeit hindurch an den Erdenschranken festgehalten hatte,
als sei er sich selber wiedergegeben und erlöst von
aller Noth und Pein. Die Gewalt und Kraft seiner
Stimme, die in der gezwungenen Ruhe mächtig ge-
wachsen war, gab ihm das Vollgefühl der Gesundheit
zurück. Nicht nur seine Hörer erschütterte und erfreute
sein Gesang, er machte ihn selber froh, wie das Auf-
jubeln der Lerche, wie der Frühling, wenn er sich
wieder über die Erde breitet. Ein Gefühl des Dankes
gegen seinen Schöpfer, eine fromme Inbrunst, und
das Verlangen, den Herrn im Gesang zu feiern und
zn loben immerdar, erfüllten seine Seele. Der
Schöpfer, der ihm diese Kraft gegeben, diese Freude
gegönnt hatte, der die Sonne über der von ihm ge-

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schaffenen Welt seit Aeonen von Jahren leuchten ließ,
über Gute und Böse- auch über seinen Vater oder
vielleicht schon über dessen Grab -- und über seine
Mutter und über ihn und seine Schwestern, der hatte
es von Anbeginn voraus bestimmt, daß er in den
Dienst der Kirche treten und geheiligt und gereinigt
werden sollte in der heiligen Gemeinschaft dieses
Ordenö; und also gönnte es ihm auch der Schöpfer,
daß er in der Töne Fülle schwelgte, daß er in ihnen
auszudrücken strebte, wofür das Wort ihm nicht
Genüge that.
In des jungen Mönches Seele war in dieser
Stunde eine große Wandelung geschehen, eine Offen-
barung mächtig geworden. Seine unbewußte Freude
am Gesang hatte sich in die Erkenntniß umgestaltet,
daß Musik ihm ein Bedürfniß sei, daß er sie liebe
und nicht leben könne ohne sie; und es war die ihm
aufgelegt gewesene Entbehrung, die ihm dieses kund
gethan hatte.
Schon früher war er auf die musikalischen Werke
der alten Meister aufmerksam gewesen, deren die ?
Bibllothek des Klosters eine reiche Zahl besaß. Jezt
warf er sich mit erneutem Eifer auf das Studium
derselben, und von Seiten seiner Oberen störte man

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ihn darin nicht. Man kam ihm jezl, da man sich
seiner sicher wußte, vielmehr dabei zu Hilfe; denn der
bt liebte die Musik. Er legte also auch Werth
darauf, in dem jungen reich begabten Ordensbruder
einen Musiker heranzubilden, der dem Kloster einst
durch seine musikalischen Kenntnisse und Leistungen
Ehre machen könne; und schon jetzt fand man es vor-
theilhaft, in dem jungen Pater Benedikt einen guten
und eifrigen Lehrer für die Klosterschüler, und einen
Sänger zu besizen, dessen schöne Stimme und dessen
Drgelspiel den großen Ceremonien, wie der täglichen
Andacht, einen erhöhten Reiz und eine bereits erprobte
Anziehungskraft verliehen. Man hielt ihn deöhalb
hoch und dies Bewußtsein band ihn um so fester an
die Ordensgemeinschaft, der er jezt für immer an-
gehörte.