Benedikt.
Fanny Lewald
Kapitel 13

Hreipchntes
Ep-
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y,
Bie schöne Stimme des ungesehenen Mce?
klang in Viktorinen nrch lange nach. Al der Doktr
amu Abend der Baronin seinen Besuc macte, kan:
man bald auf die Veäper, auf den Mönch und aus
das erneuute ;uusamuentreffen mit der Muiier dessellen
zu sprechen. Der Doktor erzählte in flüchtigem Um.-
riß von der Vergangenheit der Familie Anschafft, wae
man eben davon
ren Schicksalen,
kannte.
wußzte, und von Jakobäas besonde-
weit er sie durch seinr Mutter
, Entsezlich! Entsezlich! rief die Baronin, daß
solch. Dinge vurgehen können in diesen Bergen. h-
denen der Friede und die Ruhe herrschen s- llen. Aber
ich bitte Sie, lieber Doktor, sprechen Sie mir nicht
muehr davon. Sio kennen mein. Natur noch nicht.
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K.s.
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suchen.
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zu gefühlvoll! Ed raubt mir gleich den
So Etwas muß ich mir immer fern zu halten
Ich will recht gern helfen, gern Alles geben,
was die Leute brauchen --- nur mit ihnen selbst zu
thun halen und davon hören kann und mag ich nicht.
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- eine Nerven lassen daä nicht z -
szz k?
Der Doktor brach augenblicklich mit der Ver-
jicherung, daß hier von einer Hilfe oder Geldunter-
stüüzung nicht die Nede wäre, in der Erzählung ab.
oakobäa sei eine reiche Frau, sagle er, und der
jnge Pater werde sich in seinem Ordenegewande
wahrsceinlich eben so behaglich fühlen, als die andern
zulicen Herren hier oben, die man nur anzusehen
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brauchr, umn sich von ihrer Zufriedenheit bald z
überzengen. Iu derselben hätten sie auch allen Grund.
Due Negel sei nichts weniger als streng. E gehe
ihnen an körperlicher Pflege gar nichtö ab, und sie be-
säßen daneben auch die Freiheit, sich je nach ihrer
Fähigleit und Neigung angemessen zu beschäftigen.
Sie könnten in der Klosterschule als Lehrer und Er-
zieher wirken, sich in der Verwallung der geoßen
Kilostergüter bethäitigen, oder mit sogenannter Be-
schaulichkeit ihr Leben in gemächlichen Studien und
bequemter Muße hingehen lassen. a dem Einen
Ns

1?
oder dem Andern finde schließlich Jeder sein Genüügen;
und obschon er Benedikt, der ein paar Jahr jünger
fei als er, seit dessen Eintritt in den Orden noch nicht
wieder gesehen habe, sei er völlig überzeugt, ihn in
jener behaglichenSelbstzefälligkeit anzutreffen, in welcher
die meisten der hier im Kloster lebenden Mönche ein
sehr hohes Alter zu erreichen pflegten.
, .st das Scherz oder Ernst? fragte ihn Viktorine,
als er inne hielt.
,,Nicht das Eine, nicht das Andere, versezte der
Doktor, ,sondern einfach die Anerkennuung der That-
sachen, die wir hier vor Augen haben.r?
, Und Sie ziehen das Aufgeben der persönlicen
Freiheit, die Ehelosigkeit, die Weltabgeschiedenheit dabei
nicht in Betracht?
,Mit der Weltabgeschiedenheit ist es nicht so
schlimm!! meinte der Doktor. , Das Reisen ist unsern
Benediktinern, wenn sie Verlangen danach tragen,
durch die Verbindungen des Ordens, die über den
ganzen Erdball reichen, wesentlich erleichtert, und wird
ihnen unter Verhältnissen sogar geboten. Dazu sind
alle Diejenigen, welche, wie z B. Benedikt, früh-
zeitig in die Klosterschule und in den Orden treten,
meistens wie die Vögel, die im Bauer geboren und

1
erzogen sind. Es regt sich in ihnen wohl einmal der
angeborne Freiheitstrieb; aber läßt man sie heraus
und bleibt des Bauers Thüre hinter ihnen offen, so
kehren sie, wenn's draußen einmal kalt und dunkel
wird, von selber zu dem gewohnten guten Futter und
in daö sichere Haus zurück.
, ls gebrochene, flügellahme
eigne Heimath, ohne Familie und
warf Viktorine ein.
Existenzen! ohne
ohne Vaterland -
c?,..- cg
--- - oktor nahm die Worte ernsthaft auf.,Ic
glaube,- sagte er, , Sie unterschätzen die Bedeutung
und die Genugthuung, welche die geistlichen Herren
----- neben ihrer gesicherten Lebenöstellung- -- in dem
Dienst der Kirche finden. Ich für mein Theil habe
als Schweizer, und da ich den Bereichen der vor-
nehmen Welt bisher fern geblieben bin, keine rechte
Vorstellung davon, wie ein Mann es als ein Glück
erachten mag, sich den kleinen Juteressen irgend eines
kleinen einflußlosen Fürsten, oder gar sich dessen per-
sönlichen Launen und Bedürfnissen dienstbar zu machen.
Aber da ich selbst durch eine Neihe von Jahren ein
Schüler unseres Klosters gewesen bin; da ich, als ich
herangewachsen war, verschiedenen unserer hiesigen
Mönche persönlich näher treten konnte, hale ich auch

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einsehen und es wohl begreifen lernen, daß es nichts
Geringes ist, sich als ein Glied der Kirche, als ein
Mitglied jener mit tiefsinniger Berechnung und
Menschenkenntniß durch die Jahrhunderte aufgebauten
Macht zu empfinden, welche durch alle Zonen hin,
Millionen von Geister bindet und beherrscht. De-
müthig gegen Gott, sind unsere geistlichen Herren
doch der Welt gegenüber äußerst stolz; und wenn
sie auch des ehelichen Glückes entbehren--
,as freilich oft ein zweifelhaftes ist!' fiel ihm
Viktorine in die Rede.
,Wenn sie auch dieses Glückes entbehren, fuhr
der junge Doktor fort, ,so haben sie in dem Kloster
ihrr Heimaih und ihre Häuslichkeit; sie halen in demn
Orden die Familie, an deren Wohlergehen und
Interessen sie mit leidenschaftlichem: Antheil häängen.
Die Weltleute verstehen das Klosterleben nur nicht
recht. Die Herrschsucht, die dem Menschen angeboren
ist, findet nirgends besser ihre Nechnung als in unserer
Kirche; das Klosterleben ist verlockender und vurtheil-
hafter, als es Ihnen scheint.
, Wenn man dafür geartet ist!r warf Viktorine ein.
, Geartet muß man für jeden Beruf und jedes
Verhältniß sein, um Befriedigung darin zu finden:

L
für die Medizin so gut als für das Klosterleben, und
wohl auch für die große Welt!? entgegnete der Doktor.
, Und weshalb sind Sie mit Ihrer unverkenn-
baren Vorliebe für das Kloster nicht in den Orden ein-
getreten? fragte daö Fräulein mit kecer Dreistigkeit.
, Weil wir es für vortheilhafter hielten, hier in
unserm Hause eine Kuranstalt zu gründen, und weil
ich mich frühzeitig in eine Anverwandte verliebt habe,
die ich heimzuführen denke, wenn das Kurhaus hier
in gutem Gange sein wird , gab er ihr mit Gelassen-
heit zur Antwort.
Viktorine ließ das Eine gelten, und das Andere
sich gesagt sein; indeß es gefiel ihr Beides nicht.
Es war danach von den Anschafft'ä und von den
geistlichen Herren weiter nicht die Rede, aber das
Kloster und seine Bewohner beschäftigen Viktorinens
Gedanken, wie sonst irgend ein besonderes Fest sie
wohl beschäftigt hatte; und sie sah dem Besuche bei
dem Abte mit einer neugierigen Erwartung entgegen,
als wäire es überhaupt der erste geistliche Würden-
träger, den sie kennen lernen sollte, als wäre ihr nicht
bereits von Dienern der Kirche beflissene Bewunderung
zu Theil geworden.