Benedikt.
Fanny Lewald
Kapitel 16

Sechsschntes Cpitel.

- Doktor ließ sich an dem Abende nicht wieder
erblicken, und das quälte Viktorine. Ihr verlangte
danach, den Mißton auszugleichen, sie wollte nicht,
daß man in dem Hause ohne die ihr nöthige und ge-
wohnte Bewunderung von ihr spräche, und weil ihre
Wirthsleute ihr gesagt hatten, wie ihr Gesang des
Are Kuritu an dem Abende nach ihrer Ankunft ihnen
das Herz bewegt habe, sezte sie sich an das Instrument
und sang die schöne Melodie mit meisterhaftem
Vortrag.
Aber von der Wirthin Fanuilie kam Niemand
mehr zum Vorschein und erst am folgenden Morgen,
als er sich nach ihrer Mutter Befinden zu erkundigen
hatte, sah sie den Doktor wieder.
Sie zigte sich so sanft und heiter, daß sie der
Viktorine von gestern selbst in ihrem Aeußeren kaum

We
ähnlich sah, und ohne des Doktors Ansprache abzn-
warten, drückte sie ihm, nachdem er die weitläufigen
Auseinandersezungen der Baronin auf das Neue an-
gehört hatte, ihr Wohlgefallen an den Thale aus.
,,Es ist etwas Geheimnißvolles in diesem eng
umgrenzten Stückchen Erde,'' sagte sie, ,es hat etwas
wunderbar Beruhigendes. Ich war gestern einmal
recht tief aufgeregt. Sonst klingt dad in mir oft viele
Tage nach. Heut ist Alles so still und licht in mir,
daß ich meine, es sei auch immer so grwesen. Ich
mache überhaupt hier lauter mir neue Erfahrungen.
In der Stunde unserer Ankunft erauickte mich die
Stille des Thalek, entzückte mich der Gedanke, hoch
über den Häuptern der anderen Erdbewohner zu athmen,
und drm gewohnten Alltagsleben und den Alltags-
menschen so weit entrückt zu sein. Am zwweiten, am
dritten Tage überfiel es mich wie eine Angst. Die
Berge rückten mir zusammen wie Gefängnißmauern.
Ich stellte mnir vor, daß ich hier bleiben, hier sterben,
daß ich, um des Dichters Wort zu brauchen, aus dieseö
a hales Gründen den Ausgang nicht mehr finden würde;
ich konnte diese Angst selbst vor meiner Mutter kaum
geheim halten, und jetzt--e'
, Und jezt? fragte der Doktor.

D?
, Jezt legt sich die Stille wie ein Zauber mild
um meine Sinne und um meine Seele. Sie spinnt
mich in sich ein, sie bestrickt mich wider meinen Willen.
Noch vor wenig Tagen dachte ich: wie traurig ist diese
Snge! wie tödtend muß diese Gleichförmigkeit des
Lebens hier auf die Dauer sein! wie ohnmächtig er-
scheint der Mensch in dieser Größe der Natur! Wie
nichtig und gleichgültig ist Alles, was dem einzelnen,
rasch vergänglichen Menschen in der kleinen Gemeinde
begegnet und geschieht, die sich hier in den uralten,
durch Jahrtausende bestehenden Gebirgen wie ein
Ameisenvolk zusammengefunden hat.?
,, Ach!' seufzte die Baronin,,das ist es ja eben,
daß Du Dich des Denkens nicht entwwwöhnen kannst,
daß Du nicht einfach das Vertrauen gewinnen kannst,
wie wir Alle nur Eintagsfliegen sind vor des All-
mächtigen Auge, der doch kein Haar auf unserm
Haupte ungezählt läßt; und vor dem es Thorheit ist,
an sich selbst zu denken, da seine weise Hand une
Freud' und Leid, das Leben und das Sterben vor-
bestimmt hat, ehe wir noch waren! Aber glauben
Sie auch wirklich, lieber Voktor!r sezte sie ängstlich
D.-
htnzu. ,daß es bei nir mit dem Druck hier in der
rechten Schläfe im Ernste Nichts zu sagen hat?


--b--- das Geringste! betheuerte der Doktor.
As.s
Viktorine konnte sich eines Lächelnö nicht er-
wehren. Die Mutter war ihr immer komisch, wenn
sie sich im Glauben emporzuschwingen unternahm,
denn sie verstieg sich dabei meist auf falschem Wege,
fie warf auch in der Regel wie in einem Kaleidoskop
wahllos durcheinand er, was sie an religiösen Phrasen
eben so wahllos aufgelesen hatte; und Viktorine be-
merkte also, ohne sich durch die ermahnende Zwischen-
rede der Baronin in ihrem früheren Gedankengangr
irgendwie stören zu lassen, wie sie erst jezt und ganz
allmälig, zu einem Gleichgewichte in dieser ihr neuen
und fremden Welt gelange, wie sie das Thal zu
lielen beginne.
, Sett ich durch Sie und durch den Pater mehr
und mehr die Bedingungen kennen lerne, unter
welchen diese kleine Gemeinde hier lebt, seit ich von
der und jener Familie irgend etwas Näheres weiß,
beshäftigt mich daä Alleö! sagte sie.,Ich male es
mir mit Wohlgefallen aus, wie leicht es hier sein
müüßte, mit verhältnißmäßig geringen Mitteln sehr
Wesentliches zu leisten; ich stelle mir vor, wie es hier
in den verschiedenen Häusern und in den Herzen ihrer
Bewohner anssehen mag. Ich betreffe mich darauf,

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daß ich an das Schicksal der Familie Anschafft, an
Frau Jakobäa denke. Ich finde es merkwürdiger und
sie selbst eigenartiger als die Geschichten und die
Menschen, die mir zu Hause wichtig erschienen sind.
Ich möchte Jakobäa'ö starren Sinn erweichen; und
ich frage mich daneben, ob eö ihrem schönen Sohne,
den die Natur so sehr bevorzugt hat, denn lebenölang
genügen kann, hier in seiner weltentlegenen Kloster-
kirche Jahr ans Jahr ein imm er ntr Gebete zn
sprechen, Knaben zu unterrichten, und mit seiner un-
vergleichlichen Stimme das Adoramus zu singen.
,Ihre Gedanken heften sich an dieses Thal, wie
sich ein Hebel an den Steinllock legt, den er aus
seinr Nuhe und von seinem alten Plaze fortlewegen
möchte,' meinte der T ktor, , und ich finde also in ge-
?.
wissem Sinne in Ihnen einen Bundrsgenossen, denn
es ist allerdings gar Vieles zu schafen und Mancherlei
zu thun hier unter uns, das für uns Alle sehr von
Nuyen wäre. Auf die geistlichen Herren hat man
dalei aler ein für alle Male nicht zu zählen, die muß
man lassen, wie sie sind, vom Herrn Abt bis hinab
zum Jüngsten, dem Pater Benedikt. ?
Die Wirthin kam, dem Sohne zu sagen, es sei
ein Bote aus dem Kloster da, der Abt verlange ihn

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zu sprechen. Der Doktor schickte sich zum Aufbruch
an. Als er sich schon empfohlen hatte und der Thüre
zuschritt, sagte Viktorine:,Sie sprachen vom Pater
Benediktus; kommt der niemals in Ihr Haus und
nie zu seiner Mutter? Ich bin ihm seither nur ein
einzig Mal begegnet, als wir den Mittag von dem
Herrn Abte kamen.r
,,Die jungen Mönche gehen selten ganz allein
aus , antwortete ihr der Doktor. ,Ich traf ihn
jedoch schon zweimal in der Morgenfrühe lesend drüben
auf der Klostermatte an, und ging mit ihm hinab.?
Damit verließ er sie, um sich nach dem Kloster
und zu dem Abte zu begeben. Es war ihm aber gar
nicht lieb, daß er gerufen wuurde, ehe er sich selbst
gemelhet hatte. Er wußte, mit wie großer Strenge
der Abt auf seine Würde und auf die Ehrfurchts-
bezeugungen hielt, mit welchen man den Aebten des
Klosters in dem Thale von alten Zeiten her gehuldigt
hatte, und der Doktor brauchte für seine Zwecke eben jezt
die Geneigtheit des Klosters, und des Abtes gutenWillen.
Auch war es in der That ein Vorwurf, mit dem
der Abt den Doktor ansprach, als dieser mit dem ehr-
erbietigen Gruße, der dem früheren Klosterschüler
ziemte, vor ihn hintrat.

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,, Nun!'' sprach der Abt, indem er ihn mit seinem
Blicke mas. ,nnn, Herr Doktor, muß ich Sie erst
holen lassen? Die weiten Wege, auf denen Du um-
hergekommen bist, und die neuen Lehrer, die Du
gehabt hast, haben Dich, wie es scheint, den Pfad zu
jener Stäitte nicht gleich wieder finden lassen, an der
man Deine ersten Schritte leitete und überwachte; und
man hat Dich, wie es scheint, gelehrt, Deine ersten
Lehrer zu vergessen.?
Die herrische und hochfahrende Art des sonst
nicht eben herausfordernden Abtes verletzte den Dokter;
indeß genöthigt ihn hinzunehmen, entschuldigte er sich
mit seinen Obliegenheiten wegen der anscheinenden
Versäämniß, und sprach dabei die Hoffnung ans, daß
es krin ebelbefinden des hochwüürdigen Herrn sei,
welches ihm die Ehre verschafft habe, zu ihm beschieden
zu werden.
, Nein! versezte der Abt, ,ich bin Gottlob noch
immer rüstig und wir bedürfen in unserm Kloster
neben dem Pater Medikus auch keines anderen Arzte?.
Nur Deiner Neuerungen wegen habe ich mit Dir zu
sprechen.?
Diesem Tone gegenüber fiel dem selbstständigen
F. Lewald, Benebikt. l.

Dd 1 H
Manne die Unterwerfung schwer, doch sagte er, er
sehe zu Bfehl.
Der Abt ließ sich Zeit. Er nahm langsam eine
Prise auö der Dose, die er in der Hand hielt und
s rach darauf: ,Wie die Verhältnisse sich nun ein-
mal unter Gottes Zulassung in unserm Lande gestaltet
haben, steht mir freilich kein eigentliches Recht mehr
z, darüber zu entscheiden, was der Besizer hier im
Thale mit und auf seinem Grund und Boden machen
will, sofern des Klosterö und der Gemeinde Wohl-
f hrt nicht dadurch geschädigt wird. Deine Mutter
war also befugt, so wie sie es gethan hat, ihr Gast-
haus zu erweitern, ein neues zwweites Gasthaus auf
ihrem Grund und Bdden zu erbauen, und es den
Bedürfnissen der Reisrnden anzupassen, welche unsere
Berge jept durchziehen. Mich will jedoch bedünken,
ehe Du daran gingst, hier eine Kuranstalt zu be-
gründen, hätte es sich gebührt, darüber zum wenigsten
d Klosters Rath und Meinung einzuholen.r?
Der Doktor wollte auffahren, nahm sich jedoch
zusammen. , Hochwürden, sagte er ruhig, aler sehr
btimmt, ,haben mir ebeu selbst eingeränmt, daß
Jedermann berechtigt sei. hier sein Gewerbe nach
eigenem Ermessen zu betreiben; und ich vermag nicht

D i ?
einzusehen, wie es dem Kloster oder der Gemeinde
Nachiheil bringen könnte, wenn meine Kranken zeit-
weise unter meinem Dache zu verweilen nöthig finden. ?
, Und doch ist es unsere Rnehe, unser Frieden,
welche Dein Unternehmen hier bedroht. Wir waren,
ada-
=-- weißt es, die ersten Ansiedler in diesen Bergen;
das Thal wurde dereinst durch Schenkung unser freiek
Eigenthum. Was es an v-=-r besizt, verdankt es
EFzsls--
uns. Wa wir hier suchten: Welt.bgeschiedenheit für
uns, und Nuhe für die Schüler unseres Hausek, die
besaßen wir noch bis auf diesen Tag, obschon und die
Machtvollkommenheit über das ahal und die Ge-
meinde, welche sich, Dank unserer vielhundertjährigen
Hilfsbereitschaft, um unser Kloster und um uns ge-
ildet hat, mit unberechtigter Willkür entzogen wsord en
ist. Aber diese unsere heilige Nuhe wird gestört, dne
Siiteneinfalt der Gemteinde wird vernichiet werden,
wenn sich hier ein Kurout bilde!; wenn die Lster der
müßigen Weltlust sich hier oben Spielranmu suchen
kommen, wenn böses Beispiel aller Art dem Sinne
der uns hier anvertrauten Voglinge den Ernst und
die Vertiefung
Er hielt
klugen Augen
rauht. ?--
inne, nahm eine neue Prise und die
d-sz s,Isz
unter den feinen noch imme - --

1
Branen auf den Doktor gerichtet, sagte er: ,Die Liebe
für Deine Heimaih, der Dank, den Du unserer Anstalt
schuldest, hätten Dich von selber zu selcher Neber-
legung führen sollen, hätten Dich in jedem Falle be-
ftimmen müssen, vor allem Anderen unsere Meinung
über Dein Uniernehmen einzuholen.?
Der aoktor hatte den Abt, wie es sich gebührte,
ruhig zu Ende sprechen lassen und während dessen
Zeit gehalt, sich die rage rorzulegen, wwohinaus
derselbe wolle. E? lag nicht in der Taktik des
Klosters, Streitigkeiten anzuregen, bei denen es, wie
in diesem Falle, sicher sein konnte, nicht den Sieg
davon zu tragen. Man mußte also etwas Besonderes
im Sinne haben; und weil es für den Doktor durch-
aus geboten war, sich das Wohlgefallen der geistlichen
Herren zu erhalten, erwiderte er mit schicklicher Höflich-
keit, es freue ihn, versichern zu dürfen, daß Hoch-
würden ihm Unrecht thäten.
,Es war nicht rücksichtslose Selbstsucht, Hoch-
würden! nicht allein mein Vortheil, sagte, er, ,sondern
vielmehr Vorsorge für die Heimath, die mich bei
meinrm Plane leitete. Unser Thal ist arm an Erwerbs-
auellen; alljährlich verlassen uns tüchtige Burschen,
um als Söldner in Nom und Neapel Dienste zu

1
nehmen; und wie sie von dort wiederkehren, daran
hale ich Hochwürden zu erinnern ja nicht nöthig.
Industrien, wie sie an manchen anderen Theilen
unseres Landes mit Erfolg betrieben werden, halen
bei unö nicht Wurzel schlagen wollen; ich aber bin
gewiß, mit meinem Unternehmen nicht nur den Wohl-
stand der Gemeinde wesentlich zu fördern, ich hale
vielmehr gehofft, daß die Begründung eines klima-
tischen Kurorts hier in unsermt Thale auch dem
Kloster allmäälig manchen Nuzen bringen könnte.
Schon jetzt möchte ich von Hechwürden ein Zu-
geständniß fordern, dessen Gewährung das Kloster
vielleicht in seinem Vortheil finden dürfte.
,Was soll das heißen? fragte ihn der Abt.
,as Klosterland, das gegen Morgen hin zuu-
nächst an unsere Häuser stößt,'' sagte der Doktor, , ist
völlig unfruchtbar; mir aber wäre es eben um seiner
Trockenheit willen für meine Zwecke passend. Ich
muß in direkter Verbindung mit den Häusern einen
bedeckten Wandelgang für meine Gäste schaffen, unter
dessen Dach sie auch an nassen Tagen im Freien sizen
und umhergehen können. Die Baronin Landesheimer
geht mich darum an, diesen Gang so rasch als mög-
lich herstellen zu lassen, und ich würde Hochwürden

L16
sehr verpflichtet sein, wenn Sie mir dort einen mäßigen
Streifen Landes für diese Einrichtung zu überlassen
sich entschließen wollten.'
Der Abt antwortete ihm nicht gleich darauf, seine
Miene war jedoch heller, sein Blick freundlicher
geworden. , Wo hast Du denn die Baronin kennen
lernen? fragte er.
Der Doktor war überzeugt, daß der Abt oder
Pater Theophilus dies und vieles Andere schon durch
die Baronin selbst erfahren hatten. Man mußte also
noch etwas Besonderes über sie zu wissen wünschen,
etwas Anderes als sie von sich ausgesagt und als der
Empfehlungsbrief des Bischofs von ihr gemeldet hatte.
Der Doktor fing deshalb zu vermuthen an, daß er
zu dem Abte nur beschieden worden sei, um irgend
eine Auskunft über die Fremden zu ertheilen.
Er berichtete also, was er aus den Mittheilungen
des Professors wie aus den Gesprächen mit den
Frauen selbst, über sie und ihre Lebenöstellung
Günstiges vernommen hatte. Er ließ, als des Abtes
Fragen ihm den Anlaß dazu boten, es nicht un-
erwähnt, daß die Baronin bereits verschiedene ihrer
Bekannten aufgefordert habe, ihr in daö Gebirge
nachzukommen; und selbst der großen Wohlthäätigkeit

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derselben, wie der auf das Thal bezüglichen Aeußerungen
ihrer Tochter, versäumte er nicht zu gedenken.
Der Abt nickte mit dem Kopfe.,Dder Reiz der
Neuheii,' sagte er. ,Schlimm nur, daß solche Ein-
fäälle vergehen wie sie entstanden sind, und daß sie
Nichts erschaffen, wenn sie nicht von starker Hand er-
grifen, von einem bedächtigen Verstande festgehalten
und der Ausführung entgegengebracht werden. Aber
seze Dich, mein Sohn! Du bist wohl heute schon
umhergegangen und wirst müde sein.r?
Der Doktor, der es natürlich kränkend gefunden
hatte, daß der Abt ihn bisher während der ganzen
Unterredung hatte stehen lassen, sezte sich nieder, ohne
auf die lezten Bemerkungen irgend Etwas zu ent-
gegnen. Er hatte in der Schule der geistlichen Herren
uoch me hr von ihnen gelernt, als nur die Disciplinen,
in denen sie ihn unterrichtet hatten. Er verstand eö,
sich zu beherrschen und seine Aufwallungen seinen
Zwecken zu unterordnen. Das nöthigte den Abt,
seinem Ziele auf eigenem Wge nahe zu lomien.
, Dn scheinst Zutrauen zu den Fremden zu hegen,''
sagte er, ,und ich will wünschen, daß Deine Er-
wartungen Dich nicht trügen. I jedem Falle wirst
Dn, und Du allein die geistige Verantwortung dafiür

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zu tragen haben, wenn Nachtheile für das Kloster
und für die Gemeinde aus Deiner Unternehmnng hier
erwachsen; wie Dir anderseits das daraus möglicher
Weise enstehende Gute anzurechnen sein würde. Du
wirst es voraussichtlich in Händen haben, den Sinn
der Fremden unserm Thale und unserem Hause in
Dankbarkeit geneigt zu machen, und es würde weise
sein, wenn Du dieses thätest. Wie lange meinst Du,
daß die Kurzeit Deiner Gäste bei unö währen sollR
Der Doktor überhörte das in diesem Falle be-
dentungsreiche , bei unö alsichtlich. Er wußte jezt,
worauf es algesehen war.
, Die Dauer des Verweilen, ! sagte er, ,wird
bei jedem Kranken nach der Wirkung zu bemessen
sein, welche ich mir für sein Nebel von dem hiesigen
Aufenthalte versprechen darf. Indeß um die Kranken
auch in der vorgeschrittenen Jahreszeit mit Nuzen
festzuhalten, bedarf ich eben des Terrains, von dem
ich Hochwürden schon vorhin gesprochen habe.
,Du weißt,' gab ihm der Abt zurück,,ich ver-
äußere kein Klosterland, und dürfte es auch nicht
thun.'
, Ich weiß es, Hochwürden! Indeß hilfreich, wie
nach Hochwürdens eigenen Worten das Kloster sich

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feit Jahrhunderten der Gemeinde angenommen hat,
giebt es mir hoffentlich im Interesse der Gemeinde
den kleinen Streifen Landes gegen einen guten Jahres-
zins in Pacht; und daß die Kranken, die hier Heilung
finden, dem Kloster nicht gern dankbar sein sollten,
scheint mir gar nicht möglich. !
Der Abt erhob sich, der Doktor folgte seinem
Beispiele: sie hatten sich verständigt.
,Du hast den Unternehmungsgeist Deiner Mutter
geerbt, sagte der Abt, ,und rascher Sinn und Um-
sicht sind auch Gottesgaben. Wie wir sie benutzen,
das ist unsere Sache. Das Kloster wird Dir also bei
Deinem Vorhaben nicht entgegen sein, und ich will
hoffen, daß Du dessen denkst und daß man es uns
dankt. Sprich mit unserm Vogte wegen Deiner Sache,
und mit dem Pater Almosenier berathe Dich über
dasjenige, was sich für unsere Armen etwa thun
ließe.
Der Doktor drückte dem Abte seine Erkenntlichkeit
aus und empfahl sich dessen fernerer Geneigtheit.
Als er sich danach entfernen wollte, hielt der Abt ihn
noch zurück.
,, Richte es der Frau Baronin aus, mein Sohn,'
sagte er, ,daß es mich freut, ihren Wünschen und

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Bedürfnissen in Bezug auf die Colonnade entsprechen
zu können; und melde ihr, daß ich sie morgen um
die vierte Nachmittagsstunde besuchen will, mich von
ihrem Ergehen selbst zu überzeugen.