Benvenuto. Ein Roman aus der Kunflerwelt.
Fanny Lewald
Kapitel 13


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ee Sie sich in die Seeie eines Jünglings.
eines Künstlers von zwanzig Jahren, und Sie werden
sich die Aufregung vorstellen können, in welcher ich mich
befand. Phantastische Plane für Gloria's Zukunft, und
nüchterne Neberlegungen, wie man den Bänkelsänger
dahin bringen könne, sich in Ruhe versorgen zu lassen,
damit die Tochter frei über sich selbst verfügen und in
die theatralische Laufbahn eintreten könne, für welche
nach meiner Meinung ihre Anlagen sie bestimmten,
wahres Mitleid mit dem unglücklichen Mädchen und
eine romantische Eingenommenheit für dasselbe, wechselten
in mir ab.
Ich wollte Gloria so rasch als möglich, so ent-
schieden als möglich helfen, aber obschon ich zuversicht-
lich wußte,' daß ich ebensowohl von Donna Carolina,


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wie von Monsignore Arrigo zweckmäßjgeren Rath und
weit wirksameren Beistand als ich ihr zu bieten ver-
mochte, für Gloria erlangen konnte, blieb ich bei meinem
Vorsatze, es ihnen für das Erste zu verschweigen, daß
ich das schöne Mädchen so unerwartet wiedergesehen
hätte, daß es bei mir gewesen sei und mir sein Ver-
- trauen zugewendet habe. Ich fürchtete Arrigo's welt-
- männische und lebenskundige Scherze. Ich besorgte,
Donna Carolina's vielgeschäftiger Eifer möchte auf
Maaßregeln für Gloria verfallen, welche sie meinent
Einfluß entziehen, mich des Glückeö berauben könnten,
sie zu sehen und sie, wie ich es mir verheißen hatie,
selbst aus ihrem Unglück zu erlöfen. Und wenn es
mir inzwischen durch den Kopf ging, daß dies Alles
., nur Vorwände meiner Selbstsucht seien, so half ich mir
J mit der Erwägung, daß ich Gloria's Vertrauen nicht
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z. täuschen, ihre Mittheilungen nicht verrathen dürfe, über
?. j,des vernünftige Bedenken fort.
Am nächsten Morgen stellte sie sich, wie sie es
versprochen hatte, mit dem Vater um die festgesetzte
Stunde pünktlich bei mir ein, und da ich darauf aus
war, mir einen dauernden Verkehr mit ihr zu sichern,
so beschloß ich, meinem ersten Einfall' nachgebend, den

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Vater und die Tochter alä Modelle für einen von
Antigone geführten Dedipus zu benutzen.

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Der Vater verlangte es gar nicht besser, Gloria
widersezte sich diesem Vorschlag nicht. Ich sah sie also
an jedem Morgen in der Frühe wieder, und im späteren
Verlauf des Tages gingen sie ihcem Bänkelsänger-
werbe nach.
War der Vater mit ihr, so verhielt Gloria sich
still und fiel ihm nur bisweilen mit kaltem und hartemt
Worte in die Rede, wenn er irgend Etwaä vorbrachte,
was ihrem feineren Sinne widerstrebte; und fitr den
Augenblick fügte er sich dann gewöhnlich der Gewalt,
die sie ihm anthat. Aber ich hatte nuur wenig Tage
nöthig, um mich zu überzeugen, welche unausgesezte
Erniedrigung die Tochter in dieseä Mannes beständiger
Gesellschaft zu erdulden habe, und um daneben zu der
Einsicht zu gelangen, daß auch auf sie der Auöspruch
bis zu einem gewissen Grade seine Anwendung finde,
den sie über die Wirkungen gethan, welche der lange
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ufenthalt im Bagno auf ihren Vater ausgeüübt hatte.
Von der Natur groß und gut angelegt, hatte die
strenge und religiöse Erziehung, deren sie biö in ihr
dreizehntes Jahr in dem Schutze des Klosters genossen,
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ihr sittliche Vegriffe eingeprägt, die sie bis dahin davor
bewahrt hatten, den groben Versuchungen zu erliegen,
welchen sie in dem herumziehenden Leben preisgegeben
war. Aber der Widerwille gegen ihre Umgebung, selbst
der Widerstand, den sie zu ihrem Schutze fortwährend
aufzubieten genöthigt war, hatten sie verbittert und
verhärtet, und ihr eine Verachtung der Menschen und
der Welt gegeben, gegen die schwer anzukämpfen war,
weil sie sich mit grausamem Behagen in diese Sinnesart,
wie in eine Rolle hineingelebt hatte. Es lag das ohne
Frage in ihrer künsilerischen Anlage, aler es quälte
und beleidigte mtich deshalb nicht weniger, wenn diese
Nichts achtende Härte, wie eö oft geschah, sich roh und
unvermittelt kund gab; und ich sellst gerieth ihr gegen-
über in einen Zwiespalt, der mir bald die Ruhe und
den Frieden raubte, und der mtich aus einer Stimmung
in die andere warf.
War ich von Gloria entfernt, so erschien sie mir
in ihrer ganzen ursprünglichen Schönheit, daß ich sie
wie ein Jdeal bewunderte; war sie neben mir, so
schwand dieser Zauber, ja ich konnte in einzelnen Auugen-
bicken einen wirklichen Widerwillen gegen sie fühlen.
Indeß das Mitleid, welches sie mir einflößte, die Zu-

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neigung und das Vertrauen, welche sie mir bewies, und
ihre Schönheit überwältigten mich und meine Sinne
immer auf daä Neue, und daßß ich vor ihr meine
wachsenue Leidenschaft und das Verlangen nach ihr ver-
bergen musßte, die in mir aufgelodert waren, verstärlte
deren verzehrende Gewalt.
Gloria schien von dem Alle. ---=- z ahnen,
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Nichts zu fühlen. Dte Absicht, ueine Melpomene nach
ihrem lebendigen Vorbild noch einmal durchzugehen,
hatte ich bald auufgegeben. Denn sie hatie Necht gehalt
mit ihreu Ausdruck: sie war nicht ue hr dieselbe; und
doch war der Zauber, den sie auf meine Phantasic
auäübte, ein so lelhafter und ausschli:ßlicher, das ich
sicher war, den idealen Auödruck der typischen Gestalt
unwiederbringlich zu zerstören, sobald ich es unlernahm,
Gloria noch nachiräglich alö Modell fir dieselle z
benuutzen.
-ie Statue ward also dem Formner übergeben, ic
hatte danach das Gypsodell vllig durchgearbeitel und
bis in die kleiusten Einzelheiten ausgefithrt. Arrigo's
Güte schaffte mir den Marmorblock, und es hatte dann,

so oft ich auch dergleichen aechnik zugesehen, etwas
Geheimnißvolles, etwas Neberraschendes für mich, als

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ich zum ersten Male in meiner Werkstatt den Punktirer
damit beschäftigt sah, aus dem leblosen Gestein die
Gestalt herauszuarbeiten, die meines Geistes Kind war,
die ich geschaffen hatte, und die schließlich durch meine
Hand ihr volles Leben, ihre Vollendung erhalten sollte,
um weit hinaus zu dauern über meines eigenen Daseins
Schranke.
Monsignore Arrigo hatte eben dauals die Stadt
für längere Zeit verlassen, ich hatte also mehr noch,
als sonst das Reich für mich allein in meinem Garten-
flügel, und es lag eine beständige Feiertagsstimmung
über mir, wenn ich einsam in meiner Werkstatt war,
wenn ich die kurzen, gleichmäßig sich folgenden Hammer-
schläge des Punktirers hörte, und mit jedem Tage die
Umrisse meiner Melpomene deutlicher gestaltet aus dem
Steine sich entwickeln sah. Aber sobald ich Gloria'S
nur gedachte, war mir das Alles wie verwandelt. Und
ich sah sie täglich.
Sie brachte den Vater an jedem Morgen zu mir.
Sie sah der Arbeit des Punktirens in der großen
Werkstatt zu, während ich den Vater modellirte, oder
sie saß und wanderte in dem Garten umher, ü ber dessen
schöne Regelmäßigkeit sie ihr Vergnügen anssprach; und
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wie ich dann nach einem anderen Mädchen, das ich als
nacktes Modell früher schon benutzt hatte, den Körper
der Antigone entworfen hatte, fand sich Gloria gleich
bereit, mir für die bekleidete Ausführung Modell zu werden.
Sie hatte sich von mir die Hedipussage erzählen
lassen, und sich dieselbe auf ihre Weise angeeignet.

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weiß auch, wie es thut, von Land zu Land zu wandern!
Und in der That dachte sie sich völlig in die Antigone
I dabei mit so natürlicher Schönheit zur Erscheinung, daß
ich ihr kaum etwas anzudeuten, sondern mich nur nach
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Ich weisß, wie man einen blinden Vater führt, und
hinein, und Stellung, Haltung, Gesichtsausdruck kamen

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Das kann ich machen, das bin ich! sagte sie.
hielt mich überzeugt, daß sie endlich selber erkennen

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Ihr darstellendes Talent war über alle Zweifel
erhaben, sie entzückte mich in jedem Augenblicke. Ich
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ihrer Eingebung zu richten hatte.
müsse, welche ungewöhnliche Begabung sie besaß, daß
sie früher oder später von selbst darauf verfallen würde,
- sich durch die Ausbildung ihres Talents aus den Ver-
hältnissen zu befreien, die sie als erniedrigend empfand,
unter deren Last sie sich so unglücklich fühlte; aber ich
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z =uschte mich darin.
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Ich erzählte ihr, während wir arbeiteten, von
dem Theater, und wie die Gestalt, zu der ich sie als
Modell benuzte, schon vor alten Zeiten und bis auf-
unsere Tage, auf der Bühne von den Dichtern ver-
herrlicht worden sei; ich suchte ihre Neigung für die
Bühne zu erregen, indessen es gelang mir nicht.
Ich bin im Theater gewesen, in Tagtheater zu
verschiedenen Malen, sagte sie, und nannte mir die
Orte, in denen es auf der Wanderschaft geschehen war.
Aber ich möchte nicht so dastehen mit angemaltem
Gesicht, möchte nicht zu thun haben mit den Männern,
mich nicht umtarmen lassen von dem ersten Besten vor
aller Leute Augen, und von Liebe sprechen, so vor
aller Welt, daß es eine Schande, eine wahre
Schande ist!
Aber thut Ihr nicht dasselbe? wendete ich ein,
Ihr sprecht ja auch von Lebe vor aller Leute Ohren
auf der Straße!
Sie machte mit Hand und Kopf eine abwehrende
Bewegung. Das ist etwas Anderes! sagte sie. Das
ist ein Gedicht! Und ich habe mit Niemandem dabei
zu thun, ich spreche von den Anderen und nicht von -
mir. Ich verstelle mich nicht, ich male mich nicht an,

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,ich maskire mich nicht. Ich bin ich selbst, und treibe
ein ehrliches Gewerbe! Das ist ganz etwas Anderes,
Signor! -- Es ist hart, mein Handwerk und mein
Brod, aber eine Schauspielerin mbchte ich nicht sein!
Nein! niemals!
Mein Erklären, mein Zureden fruchteten Nichts
bei ihr. Es war eine starre Beschränktheit in ihrer
ganzen Natur. Sie zeigte nicht die geringste Neigung
irgend etwas Anderes zu lernen, als daä eine Gedicht,
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welches sie sich selbstständig zu eigen gemacht hatte; und

ohne es zu wissen, bezeichnete sie ihren Zustand richtig:
sie betrieb ihre durchaus künstlerische Leistung wie ein
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Handwerk. Was uns Andere in derselben entzückte,

F war ihr selber unbewußt, ja sogar das Gedicht, ds sie
? Anfangs hingerissen hatte, machte ihr jezt keine Freude
F-mehr und war ihr gleichgiltig geworden.
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s= Fast ebenso verhielt es sich mit ihrer Lebenslage.
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FSie war ihr zwider, ohne daß sie jdoch an die
FMoglichkeit dachte oder glaubte, sich in andere oder
F bessere Verhäütnisse zu bringen
F Was wollt Ihr, daß ich mache? Stille sizen
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z und die Nadel führen, das ist nicht mein Geschmack!
F Heirathen? -- Ich habe die verheiratheten Männer
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lennen lernen; sie sind schlimmer als die anderen, die
doch bisweilen auch sich selbst betrügen, wenn sie
Liebeshändel suchen. Und wen soll ich heirathen? --
Einen Armen?- Armu bin ich schon selber. Einen
alten Neichen? -- Das Alter ist häßlich und mißtrauisch! z
-- und ein junger, der Etwas besizt und sich gut
ernähren kann, der trägt nach meines Vaters Tochter,
die jahrelang in Lande herumgezogen ist und ihren
Vater zu ernähren hat, beim Himmel! kein Ver-
langen. Ich muß bleiben, wie ich bin. Es ist -
Nichts für mich zu machen.
Inzwischen war der Vater krank geworden. Sie IF
konnten in der Strasße Nichts verdienen, und GloriaS
ließ sich, da man, wie sie es nannte, doch leben mußte, --I
das Modelliren von mir bezahlen. Mir war das sehr-
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viel lieber. Sie kam wie ich's bestellte, jezt an jedem.
Tage, blieb den ganzen Morgen bei mir, und verkehrte
mit mir in einer Arglosigkeit, die mir die größte
eberwindung auferlegte, wenn ich mteiner selber
Meister bleiben, und sie aus ihrer Sicherheit nicht auf-
schrecken wollte.
Sie sprach mit mir von allen ihren Erlebnissen
und sie wgren oft bitier genug! Sie bat mich, ihr
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an jedem Tage die Hälfte des Geldes aufzuheben, das
ich ihr bezahlte, damit sie etwas Eigenes habe und
einen Rückhalt für den Nothfall; und es war wirklich
rihrend, es zu beobachten, wie die verhältnismäsige
Ruhe, deren sie jht genoß, ihr wohl that. Ihre
Schbnheit bllhte von Neuem auf, ihre Züge erweichten
sich allmälig, ihre Stimme verlor den rauhen, scharfen
Klang, den das laute Sprechen und singende Recitiren
in der Straße ihr gegeben hatte.
meiner Werkstatt mehr Ordnung
darin zu halten pflegte, und sie
Modell. Wenn ich sie ermahnte,
Sie bemühte sich, in
herzustellen, als ich
war unermüdlich als
sich nicht zu sehr an-
zustrengen, wenn ich es in ihr Belieben stellte, die
Sizung zu beenden, bekam ich immer nur die gleiche
Antwort: Es ist nicht so ermüdend, als das Arbeiten
in der Straße, und es ist viel besser mit Einem zu
arbeiten, als sich von Vielen bezahlen zu lassen und
seine Bezahlung wie eine Bettlerin einfordern zu
gehen. Mein Tagewerk gefällt mir, und ich komme
n zu Euch.
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Aeußerte ich ein Verlangen danach, so recitirte sie
mir aus dem befreiten Jerusalem, was immer ich
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begehrte. Mußte sie sich ausruhen, so trat sie gewöhn-
lich dicht an mich heran, mit mir gemeinsam meine
Arbeit zu betrachten, und es war schon öfter vor-
gekommen, daß sie sich dabei auf mich gestützt hatte, um
es sich bequem zu machen, wenn sie müde war.
Es waren Tage und Tage also hingegangen, da
trat sie eines Morgens zeitiger als sie pflegte, und mit
der kurzgesprochenen Frage bei mir ein, ob ich sie noch
brauche?
Ich erkundigte mich, was das heißen solle? Das
könnt Ihr Euch wohl denken! gab sie mir zur Antwort.
Der Vater ist wieder auf den Füßen, wir müssen wieder
an die Arbeit.
Und Ihr wollt mit ihm gehen? rief ich erschreckend
bei dem Gedanken, mich von ihr zu trennen. Du willst
gehen? und weißt doch, daß ich Dich nicht entbehren
kann!
Sie wechselte rasch die Farbe und sagte: Was
hilft'8? wir müssen gehen und gleich morgen!
Morgen! rief ich, meiner selbst nicht länger mächtig.
Nein, Du wirst nicht gehen, morgen! und Du willst
auch gar nicht gehen!
Schweigt, Signor! bat sie, sich von mir wendend, -

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schweigt! Da hilft das Neden nicht! Kein Wort mehr
davon, Signor!
Und doch muß es gesagt sein! fiel ich ihr in di:
Rede, obschon es dessen nicht bedarf. Ich hale ja
geschwiegen, seit ich Dich wiedersah, denn D solltes
Deinen
daran
Wozu
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Willen haben. Du solltest sehen, daß mir mehr
gelegen war, Dich zu befriedigen als mich
hat es geholfen? Sieh mich offen an! Weifßr
nicht, daß uuich die Leideuschaft fitr Dich ver
zehrt? Weißt Du es nicht, daß Du nur deshalb alle
Tage zu mir gekommen und sanft und glücklich bei mi
gewesen bist, weil auch Du mich liebft?
Sie hatte den Arm auf den Modellirtisch, die
Stirn gegen ihre zusammengehallte Hand gestützt und
blickte gesenkten Hauuptes vor sich auf den Boden nieder.
Mit einem Male hob sie das Haupt empor. Nein
sagte sie, und blickte mich mit festent Auge an, nein!
ich habe es nicht gewußt. -- Nichts habe ich gewusßi
bis gestern, nicht einmal daß Ihr mit Lüüge gegen mich
gehandelt habt. - Aber nun kenne ich Euuch, und nun
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auch zu Ende zwischen Euch und mir.
Jetzt errieth ich, was geschehen war, und ich sagte

E ihr Alles, was meine Leidenschaft, was mein Verlangen
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sie zu beruhigen und zu halten, mtir eingaben; denn
ihre unschuldsvolle Wahrhaftigkeit entzückte müich, und
ihr Widerstand steigerte mein Begehren. Ich drang in
sie, sich auszusprechen, weil ich gewiß sei, mich recht-
fertigen zu können und sie that es endlich.
Ich habe Euch vertraut und nicht an Euch ge-
zweifelt, denn Eure Worte waren bescheiden, und die
Mtiene, utit welcher Ihr zu mir redetet, war symnpathisch,
sagte sie. Ihr habt mich glauben machen, Ihr wäret
aus dem Volke so wie ich, Ihr wäret ein Künstler, den
Donna Carolina und Monsignore Arrigo unterstützten;
und wie mit meines Gleichen habe ich mit Euch ver-
kehrt. Nichts habe ich Euch verschwiegen, Nichts
verhorgen von Allem, was ich Aermste erlebte, denn ich
kann nicht Ligen sagen, aber Ihr habt das vermocht.
-- Gestern noch, fuhr sie fort, während ihre Stimme
wankte, gestern noch ging ich in gutem Glanben ruhig
von Euch fort. Ich nahm Euer Geld, wie Ihr vorgabt,
selber Geld für Eure Arbeiten zu empfangen. Da -- -
sie hielt inne und fuhr dann rascher und mit steigender
Bewegung fort: Als ich aus dem Portale des Palastes
kam, hielt ein Wagen vor demselben. Ein vornehmer
Herr saß darin. Er sah mich und rief mich an mit

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meinem Namen, ich wußte nicht, wer er war. Er
wunderte sich, wie Ihr dereinst gethan, daß ich in
der Stadt sei.
bei Donna Car
ich hier käme.
Er sagte, er habe mich damals gesehen
olina, und er fragte mich, von wannen
Ich wollte mich aus dem Wege machen,
denn seine Freundlichkeit war von der Sorte, die ich
kenne; aber der Thürsteher
wannen sie her komuitt? fragte
Marchese, der sie zum Mobell
trat dazwischen. Von
er, nunn vonu demt Herrn
hat, für sich ganz allein.
= Als ich darauf sagte, ich arbeitete hier mit einemt
Bildhauer und wüßte Nichts von einem Herrn Marchese,
lachten sie mir in's Gesicht, und der Fremde meinte, er
selber sei freilich kein Bildhauer wie der Herr Marchese
von Armero, aber wenn ich ihn auch besuchen wolle,
so solle es nicht mein Schade sein! - Sie biß die
Zähne auf einander. Ich versuchte zu sprechen, aber
ließ mich nicht zu Worte koumen.
Macht Euuch keine Mühe, sagte sie, es geschah mir
damit recht. Warum bin ich zu Euch gegangen?---
Aber ich wollte Ihr wüßtet, wie mir dabei zu Muthe
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war, und wie ich Euch von Herzen dafür haßte! Wie
ich von dem Platze, von Eures Hauses Schwelle fort-
kam -- ich kann's nicht mehr sagen. Ich konnte vor

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dem Thürsteher die Augen nicht mehr aufschlagen.
Driben in die Kirche flüchhtete ich mich hinein mit
meinem Grimm. Da habe ich gesessen, lange, lange;
und habe mich hingeworfen vor die heilige Muiter
Gottes und hale beten wollen, und die Worte sind mir
weggewischt gewesen aus den Kopfe. Perle un: Perle
ist durch meine Hände gerollt von meinem Rosenkranz,
und ich habe geweint, geweint! Beten kann ich nicht
seitdem. -- Ich bin nach Hanse aegangen wie eine
Verdammte, und habe nicht finden können, was mir
war. a'a hat - aler zu sprechen angefangen und
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=- gelagk, er könne wieder vorwärts, und wir müßten
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an die Arbeit. Das ist mir duurch's Herz gefahren,
und nun h.. -» ? gewußt -- und Euch verwiinscht -
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und mich!
Gloria! rief ich trunken vor Eutzücken, und hielt
ihr meine beiden Hände hin. Sie aber trat rasch von
mir zurück.
Nichts da von Gloria! rief sie, ich werde froh
fein, wenn ich fort bin, weit fort von hier und weit
von Euuch!
Ich konnte mich nicht länger halten. Ich schloß sie
in meine -==e, indeß sie bog das stolze Haupt zuruck,
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nd mit einer Angst, die mir das Herz erschütterte,
flehte sie: Lasßt mich um aller Heiligen willen! LFt
mich gehen, Signor! So -- gerade so hab' ich Euch
gesehen in meinem Trauume diese Nacht! Und ich hahe
Euch umfangen, wie Ihr mich! Aber die Madonna h:
sich niedergesenkt zwischen Euch und mich, und hat ds
Schwert gezegen auus ihrem blutenden Herzen und hat
es mir durch die Brust gestosen, das; ich mit einen:
Schrei erwacht bin!-- Und wie ich dann emporfuhr,
war es tiefe Nacht und ich hörte eine Stimme, die mir
sagte: Hüte Dich vor ihm, es ist Dein Unglück we
u bleibst!
Sie brach in heftiges Weinen aus, wir lagen Bruust
an Brust, meine Lippen tranken ihre Thränen. Eä war
von Scheiden keine Rede mehr.