Benvenuto. Ein Roman aus der Kunflerwelt.
Fanny Lewald
Kapitel 15

Pierzehnles Capitel.

Ie ieb den ganzen Tag bei meiner Arbeit, lange
schwankend zwischen den Versuchen sie herzustellen, und
dem Vorsatz, sie noch einmal aufzubauen. Endlich ent-
schied ich mich für das Leztere, machte mich casch an
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Ich kam mit guter Fassung um die Stunde der
Abendmahlzeit, die ich immer noch mit Arrigo einnahm,
zu ihm hinauf, und weil selten ein Tag verging, an
welchem er mich nicht in meiner Werkstatt aufsuchte,
theilte ich ihm sofort mit, daß mir eine große Wider-
wärtigkeit begegnet, daß mein Modell zerschlagen und
ich genöthigt gewesen sei, die Arbeit von Neuem zu be-
ginnen.
F. Lewald, Benvenuto. l.

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Er fragte natürlich, wie das geschehen sei? Ich
sagte, es sei im Vorübergehen daran gestoßen worden-
Er konnte das nicht begreifen und es war auch nicht
wohl zu glauben, da die dreibeinigen starken Tische fest
wie angenagelt stehen. Er wollte also wissen, wer das
Ungeschick begangen habe.
Die Frage war mir nicht gelegen, um aber über
die ganze Sache so schnell als möglich fortzukommen,
erzählte uh, Gloria sei dagewesen und habe im Fort-,
gehen durch eine ungeschickte Wendung das Uuglück an-- z
gerichtet.
Arrigo schütielte langsam das Haupt. Unbegreiflich!
rief er. Ein Frauenzimmer, das seit Jahren in der I
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Werkstatt ein- und ausgeht!-- Dann fing er an, aus den ,
Früchten, die auf der Tafel standen, sorgfältig die besten
und reifsten der kleinen Mandarinen hervorzusuchen, die
er vorzugsweise liebte, und sich, nachdem er sie ge-
funden, umblickend, ob die Diener, welche, wenn wir
allein beim Nachtisch saßen, stets das Zimmer verlassen
mußten, schon hinausgegangen wären, sagte er, wähvend
er behuthsam die duftende Schale von der Frucht abzog:
Nimm Dich mit dieser Gloria in Acht! Sie ist noch
schn und Du mußt wissen, was sie für Dich werih ist,
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aber ihr Ausdruck gefällt mir nicht. Er ist herrisch
geworden, und das ist Deine Schuld; ein Werkzeug, ein
todtes oder lebendes, muß eben ein Werkzeng sein und
bleiben, und nicht mehr.
Es war das erste Mal in all' den Jahren, daß
Arrigo eine Aeußerung über Gloria that, die sich auf
ihren Character, wie auf mein persönliches Verhältniß
zu ihr bezog. Sie trieb mir das Blut in das Gesicht,
obschon er mich nicht ansah; und mit so viel Nuhe,
als mir dem älteren und erfahrenen Manne gegenüber
eben zu Gebote stand, entgegnete ich, Gloria sei aller-
dings von einem leidenschaftlichen Temperament, aber ihr
Character sei im Einklange mit ihrer Schönheit und
Gestalt, groß angelegt, ja fast antik zu nennen.
Um so schlimmer! sagte mein Freund mit lächelndem
Munde, indem er das Glas Falerner, daß er zun
Schluß der Mahlzeit regelmäßig zu trinken pflegte,
langsam gegen das Tageslicht in die Höhe hob, um sich
mit leise zugezogenem Auge von der Klarheit des Weines
zu überzeugen. Um so schlimmer! Sie sind nie und
nirgends angenehm, die großangelegten Frauennaturen.
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Sie sind anspruchsvoll in der Liebe, unbequem in der
Ehe, und nun gar an einem solchen Frauenzimmer!

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Nimmn Dich uit Gloria in Acht! Ich bin ihr begegnet
heute Morgen, als sie von Dir ging, und sie hat mir
mtehr als sonst mißfallen. Es liegt ein finsterer, un-
heilvoller Zug auf ihrer engen Stirn.
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Er stand mit diesen Worten von der Tafel auf,
sprach von gleichgültigen Dingen, und an das Fenster -
tretend, feagte er mich, da sein Wagen vorfuhr, ob ich
Neigung habe, eine Fahrt mit ihm durch die Villa zu -
machen. Ich lehnte das ab, weil ich trotz der vorge- ,
rückten Stunde noch in meine Werkstatt gehen müsse, ?
und damit schieden wir von einander.
Als ich mich dann aber an meine Arbeit machen Z
wollte, ward ich es erst inne, wie ich zerstreut und wie
ich gar nicht fähig sei, mich zu rhigem Schaffen zu-; ?
sammenzunehmen. Als hätte ich noch nie vor einem ?
ersten Entwurf gestanden, so ungefügig zeigte sich mir z
Alles. Ich wußte nicht wo ich die Hand anlegen Z
solle. Nicht das Geringste entsprach dem, was ich wollte;F
und in dem quälenden Unbehagen, welches mir daraußz
erwuchs, wallte mein Zorn gegen Gloria auf das Neue,
empor. Sonderbar genug, machte er jedoch gugenblicklich?
vem Aitieie Piat, als ich der Veukerung as=R
welche Arrigo über und gegen sie gethan hatte.
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So lange ich mich erinnern konnte, hatte es mein
Gefihl beleidigt, wenn mein Abate es anögesprochen,
wie der Zweck die Mittel heilige, wie es nicht nur er-
laubt, sondern dem Einsichtigen eine Pflicht sei, jeden
Menschen zu dem Zwecke zu benuzen, dem zu entsprechen
er vor Anderen vermöge; und es berührte mich wie ein
schriller Ton, wie ein schmerzlicher Niß, daß der von
mir so hoch verehrte Arrigo sich zu diesen mir verhaßten
Grundsätzen mit so vollkomtmnener Unbefangenheit be-
kannte. Wider meinen Willen nahm ich Partei fir
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oria, denn Arrigo that ihr Unrecht. Sie war nur
der Liebe anspruchsvoll, sie war nur eifersüchtig;
d wie sollte eine Liebe, wie die ihre, das nicht sein,
un-
sie mit Recht sich sagen mußte, daß Nichts mich an
binde, als mein freier Wille und die Fortdauer
meines Wohlgefallens an ihrer Schbnheit. Und schbn
war sie gewesen mehr als je, in ihrent wilden Zorn an
iesem Morgen.
Ich konnte nicht bei
meiner Leute war mehr in
selbst die nassen Tücher übe
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der
Arbeit bleiben. Keiner
Werkstatt, ich legte also
r die neuu begonnene Gruppe,
kleidete mich um und ging in's Freie. Man läutete
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un Ave Maria, die Spaziergänger, die Fuhrwerke der

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vornehmen Welt hatten die Passeggiata schon verlassen,
es war einsam in den Laubgehegen des Monte Pincio,
der Mond kam hervor, und unter dem Schwirren der -
Eikaden flogen die Glühwürmchen von Busch zu Busch.
In der milden Stille des warmen Frühlingsabends ließ -
die Spannung nach, in welcher ich mich den ganzen -
Tag hindurch befunden hatte.
Ich dachte an Gloria, an alle die glücklichen, -
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wonnetrunkenen Stunden, die ich mit ihr genossen, und ?
ich sah sie wieder vor mir in ihrem ganzen Schmerze- J
wie an diesem Morgen; sie, die Niemand hatte auf der Z
Welt, als mich. Ich machte es mir zum Vorwurf, - V
daß ich sie eben heute nicht mehr geschont, daß ich mir -
nicht vorgehalten hatte, wie der Anblick ihres todten Vaters ?
sie erschüttert, wie sie an seiner Leiche es lebhafter, -
stärker als je empfunden haben mußte, daß sie allein z

auf mich angewiesen sei. Ich trug plözlich große Sorge Z
um sie, und die Passeggiata verlassend, machte ich mich -
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auf den Weg zu ihr.
Ich nannte sie in meinem Herzen mit zärtlichen J
Namen, ich fand die starke, ungebrochene Einheit ihrr?
Empfindung groß und schön, ich bewunderte ihr schlichtes,
Sittülchkeits- und Rechtsgefühl. Arrigo's Grundsätzg

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mein weltlicher Leichtsinn und die Sophistik meiner
Sinnlichkeit und Selbstsucht erschienen mir daneben in
ihrem wahren Lichte. Ich wünschte Gloria's Einfalt
und Sinneseinheit zu besizen, und ohne jeden Rückhalt
empfinden zu können, so wie sie.
Ich hätte dem Zuge folgen mögen, der mir sagte:
ist in aller ihrer Schönheit Dein geworden in
Glauben und Vertrauen, sie ist Dir treu gewesen un-
wandelbar, so werde ihr gerecht, und ihre Liebe ohne
Gleichen wird Dir's lohnen. Aber diese Sinnes-
einheit Gloria's besaß ich nicht, und konnte sie auch
nicht besizen.
Während ich mit Liebe, mit Zärtlichkeit und mit
Sehnsucht an sie dachte, während ich ihr um ihrer Liebe
willen von Herzen den Schaden verzieh, den
gerichtet, übersah ich mit ihrer und meiner
heit, mit ihren und meinen Verhältnissen
sie mir an-
Vergangen-
zugleich die
Zukunft, welche ich mir bereitete, wenn ich mir es bei-
kommen ließ, ihrem Begehren nachgebend, mich mit
meinen Eltern, mit meiner Familie, mit der Gesellschaft,
in einen nicht heilbaren Zwiespalt zu bringen; und
meine Selbstsucht, oder, wie ich es nannte, meine Ver-
nunft und mein Selbsterhaltungstrieb, lehnten sich gegen


Gloria's Forderung ebeso entschieden auf, als sich eine
Stunde vorher mein Herz gegen Arrigo's Grundsätze
aufgelehnt hatte, denen nachzuleben ich mich doch ge-
zwungen hielt.
Ich kannte in dem Kreise meiner Kunstgenossen eine
und die andere Ehe, die aus ähnlichen Verhältnissen
hervorgegangen war, und sie waren den Männern, welche
in ihnen lebten, nicht zum Heile ausgeschlagen. Freilich
war Gloria's Character mit der Sinnesweise und der
Vergangenheit jener Frauen nicht zu vergleichen, und
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eben weil sie sich, biä ich sie wiedergefunden, ihres guten I
Wandels bewußt gewesen war, schlug sie es mir so hoch
an, daß sie sich mir ergeben. Andererseits hatte sie es
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oftmtals von mir auussprechen hören, daß mir mein ?
Talent und das Leben in der Kunst weit mehr werth
sei, als meine Herkunft von einem alten Geschlechte. z.
Sie konnte es auch im Entferntesten nicht ermessen, wie z

Erziehung und Bildung, wie mein Denken und Em
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pfinden mich von ihr unterschieden, von ihr trennten,
und wie die Zuneigung, welche ich im Laufe der Jahre Z
füg sie gewonnen hatte, doch nicht ausreichend war, mir y
eine Ehe mit ihr, mir die Aufopferung meiner eigent- Z
lichen Lebenssphäre um ihretwillen, erträglich oder gar-z
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nothwendig erscheinen zu lassen, nachdem das leiden-
schaftliche Verlangen, mit welchem ihre Schönheit mich
erfüllt, seine Befriedigung gefunden hatte.
Ich wußte mir Etwas mit der Klarheit, mit welcher
ich dies Alles einsah, und hätte doch viel darum ge-
geben, wäre es mir möglich gewesen, die Stimme in
mir niederzukämpfen, welche mitten in diesen kalten Er-
wägungen für mein eigenes Bestes, mir unablässig die
sorgenvolle Frage vorhielt: und Gloria? was wird
aus ihr? was wird aus der Armen, die Nichts ver-
schuldet hat, als daß sie Dir mehr als Aderen ver-
traute, daß sie in ihrer Unschuld besser von Dir dachte,
als Dus um sie verdient hast?
So ging ich über die Piazza Barberini nach Quatro
Fontane hinauf, bis zu dem Hause, in welchem ich sie
eingerichtet hatte. Es war heller Mondschein, die Frau
und die Tochter des Tischlers, der da Erdgeschoß inne
hatte, saßen vor der Thüre. Sie waren die einzigen
Menschen, mit welchen Gloria einen Verkehr hielt, seit
ich diese Wohnung für sie genommen hatte, und natürlich
war auch ich ihnen gut bekannt geworden.
Der Bräutigam der ältesten Tochter lehnte an dem
Prellstein, der sich vor dem Hause befand, und wie ich

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den Frauen den gutenAbend bot, sagte die Mutter:
Sie ist ausgegangen, die Gloria!
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Das war am Abende niemals geschehen, wenn ich
nicht dabei gewesen war, ich hatte auch an diese Mög-
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lichkeit nicht einmal gedacht, als ich es von ferne wahr- F
genommen, daß sie kein Licht in ihrem Zimmer hatte,

sondern hatte mir vorgestellt, sie werde in ihrer I
Niedergeschlagenheit vielleicht im Dunkeln sitzen geblieben
sein, wie sie das beim Mondschein wohl bisweilen that.
Aber die Frauen ließen mir keinen Zweifel übrig.
Sie ist mitgegangen am Nachmittag mit ihres I

Vaters Leiche, sagten sie, dann ist sie nach Hause ge- =
kommen und zu Hause geblieben bis nach Ave Maria. I
Darauf, als wir schon vor der Thür saßen, ist sie noch -
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einmal fortgegangen.
Und sie hat Euch nicht gesagt, Padrona, wohin sie
gehen wollte?
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Sie kennen sie ja, Signor! sie spricht nicht leichh, -,
wenn man sie nicht fragt! entgegnete mir die gute Z
Frau. Selbst am Tage, als sie von dem Kirchhofe J
heimkam, und die Agnesina ihr Muth einsprechen wollte, -F
weil es doch immer hart ist, einen Vater zu verlieren,.z-
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auch wenn er nur ein Blinder ist, wollte sie nscht mit ?
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sich reden lassen. Wie sie nun wieder an uns vorüberkam,
fragten wir sie nicht. Sie hatte ein großes Bündel in
der Hand. Vielleicht ist sie zu ihrer Schneiderin ge-
gangen, sich ihr Trauerkleid zu schaffen.
So spät am Abend? wendete ich ein.
Ich habe mich auch gewundert, sagte die Padrona,
doch weiß ich es nicht anders.
So will ich hinaufgehen, ihr aufzuschreiben, daß
ich sie morgen brauche, sagte ich.
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Al ich an ihre Thre kam, hing der Schlüssel
nicht an dem Platze, an welchem ich ihn nach unserem
ebereinkommen sonst zu finden wußte, und da ich fir
den Abend ein Zusammensein mit Freunden verabredet
hatte, blieb mir Nichts übrig, als ihr auf einer Karte,
die ich in das Schlüsselloch steckte, die Weisung zu geben,
daß ich, falls ich nicht noch zu ihr käme, sie am nächsten
Morgen zur Arbeit um die gewohnte Stunde bei mir
in der Werkstatt zu sehen wünsche.
Je weiter ich ging, desto mehr fing es an mir
aufzufallen und mich zu beunruhigen, daß ich Gloria
nicht getroffen hatte. Sie war außer sich gewesen als
sie mich am Morgen verlassen hatte, aber ich zweifelte
nicht, daß ihr im Laufe des Tages die Einsicht ge-


kommen sein müsse, welch' einen Schaden sie mir zu-
gefügt habe. Sie war immer sehr empfindlich gewesen
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gegen meinen geringsten Tadel, hatte es nicht ertragen ? -
können, wenn sie mich unzufrieden mit sich wußte. Jezt
mußte sie mich in Zorn gegen sich glauhen, während
sie sich zugleich von mir in ihren Erwartungen getäuscht,
von mir in ihren Hoffnungen betrogen, und in ihrer
Liebe tief gekränkt empfand. Es lag, wie ich sie kannte,
also nicht außer dem Bereich des Möglichen, daß sie
mit raschem Entschlusse sich von mir zu trennen dachte;
und an der Unruhe, welche mir die Besorgniß einflößte,
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sie könne eine Unbesonnenheit begehen, sie könne sich ?
Widerwärtigkeiten bereiten, einen Schritt gethan haben,
den sie bedauern müsse, erkannte ich wieder und wieder,
daß ich sie mehr und zärtlicher liebte, als ich mir dessen
in der Gewohnheit des Verkehrs mit ihr bewußt war.
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Ich sann hin und her, was sie vorgehabt haben, wohin
sie gegangen sein könne, und dazwischen schalt ich mich
einen Thoren und sagte mir, sie werde am Tage nicht
die Nuhe gehabt und sich nicht die Zeit genommen haben ,
ordentlich zu essen, und werde ausgegangen sein, sich ein z
Abendbrod zu kaufen. Ich lachte über meine unnöthige F
Sorge, als ich auf diese sehr natürliche Lösung des =
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Räthsels gekommen war, aber die Unruhe wollte deshalb
doch nicht von mir weichen.
Schwankend, ob ich nicht umkehren und sehen sollte,
ob Gloria inzwischen nach Hause gekommen sei, und mich
meiner Sorge auch wieder wie einer Schwäche schämend,
gelangte ich nach meiner Wohnung. Es war bereits
völlig Nacht geworden. Der Thürhüther, der mich kommen
sah, händigte mir ein Billet aus, das man in meiner
Abwesenheit für mich abgegeben hatie.
Sonst Nichts? fragte ich.
Ja, Herr Marchese! Die Gloria ist gekommen und
weil sie sagte, daß sie den Herrn erwarten solle, und
weil Sie dem Diener Urlaub gegeben hatten, habe ich
die Lampe für sie angezündet, meldete der Wohlgeschulte,
ohne eine Miene zu verziehen, obschon es noch niemals
geschehen war, daß Gloria außer den Stunden, in
denen ich sie zum Modell gehabt, Arrigo's Haus be-
treten hatte.
Das Räthsel war damit gelöst. Ich wste jeht,
weshalb ich sie zu Hause nicht gefunden. Sie war zu
mir gegangen, sie hatte es auf Erklärungen, vielleicht
auf eine Entschuldigung, vielleicht auf neue Vor-
stellungen, auf eine Scene abgesehen; und lästig, wie

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mir die Aussicht auf eine solche war, athmete ich doch
leichter auf.
Die Nacht war herrlich, der Mond stand hoch am
Himmel, die Fontaine im Hofe plätscherte lustig in
seinem Strahl, und die schlanken Zweige der frisch be-
laubten Bäume wiegten sich in dem leichten Windhauch,
der, von dem Tiber kommend, die Luft erfrischte.
Ich trat in mein kleines Vorgemach, es war still
und dunkel. Ich dffnete mein Zimmer, ich sah durch
seine aufstehende Thüre in die Schlafstube hinein, es
war kein Licht in meiner Wohnung außer dem hellen
Scheine, den der Mond verbreitete. Ich rief nach
Gloria, es gab mir Niemand Antwort. Ich mußte sie
also in meiner Werkstatt vermuthen, und obschon mir
ihr Einfall grillenhaft erschien, mich an der Stelle zu
Werkstatt -- und wie ein Blizstrahl durchflog mich das
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erwarten, an welcher sie mir heute einen so empfind-
lichen Schaden angerichtet hatte, ging ich nach der:
Entsetzen.
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Zu den Füßen der Melpomene, deren Gipsabguß I
am oberen Ende des Zimmers stand, lag Gloria, ge- I
kleidet wie ich sie zuerst gesehen hatte, in ihrem Blute z
schwimmend, auf dem Boden.
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Mit einem Aufschrei stürzte ich zu ihr hin. Ich
ergriff ihre Hände, ich rief um Hilfe, ich versuchte sie
aufzurichten. Es war vergebens. Sie war kalt und starr.
Ich hielt eine Leiche in meinen Armen.