Neue Novellen
Fanny Lewald
Kapitel 13

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uumuthigen Eltern und die trübe Mittagemahlzeit waren
ganz vergessen. Sie hatten Beide, der Bruder wie die
Schwester, schon wieder den hellsten Sonnenschein in sich;
was küümmerten sie die Wolken, die auf der Eltern Stirn
lagen ? die würden am Abe:d längst verzogen sein, getrösteten
sie sich, als Rudolf der Schwester zusagte, solald er könne,
wieder da zu sein.
ere nzchnte s Kapitel.
Due Wolken aber schwanden nicht von dem Horizonte
des Fam ilienlebens, auuc nict, als man mit dem voll er-
blühten Frihjahr auuf das aand hinauSzog; sie wurden nur
noch dunkler. Es war mit einem Male - Alles wie ver -
wandelt.
oie Mutter hatte den Kindern auf ihre Fragen einge-
standen, daß Heirathspläne des Vaters füir dieselben eine
Meinungsverschiedenheit und danach das exste wirkliche Zer-
würfnnuißß zwischen den Eheleuten herbeigefüihrt hhätien. Indeß
sie konnte sich es nic,. -..lären und es lastete schwer auf
l,s oz-?
ihr, das; ihre Bitten und Vorstellungen ihn nicht die Hef-
iigkeit, deren sie sich anklagte, hätten vergessen macen können,
und das; er ihr eine Aufwallung so gar lange nachtrng, die
sie selber doch so anfrictig bereute. Näheres hatte sie nicht
sagen u ögen, ihre Kinder waren zuu gnt erzegen, um
zu dringen, und was sie erfahren hatten, kam ihhnen
geeignel vor, die völlige Veränderung in ilres Vaters
halten zu erklären.
in sie
nicht
Ver-
Er verkehrte mit der Muutter ui.ht in der alten Weise,

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und Linda's Munterkeit schien ihm ofttals lästig zu fallen
Bei geringfigigen Anlässen, die er sonst beläch. hatte,
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tadelte er sie mit grosßer Härte, woährend es ihm dann wieder
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--- zu werden schien, und er mit .hr, als wollte er vcr-
C-= - --, von Reisen sprac, die er hierhin oder dorthhin mit
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- =--== - u nd mtut ihr in nic! zu fertter Fetl zu u htter-
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nehmeu denke; bis er denn sclieszlic im mner öfter auf einen
Ha1ipsf-
=--=== laufent halt jenseits deu .aph zu sprec en kamn, den
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er für Meta und die Tocter heilsam, ja jir die Ersfere alo
geboten anzuschen schien.
Es lag in allem dieseut Bespreceit und Thun aler eine
Uuentsciedenhei., die Niemand bisher an ihm wwahrgenomn -
men hatte; und wwährend er villig gruudlose Besorgnisß fitr
die Gesundheit der Frann an den Tag legte, singen die Seinen
an, sich ernstlich um seine hnpocondriice Slimmung und
die Ungz..chheit seiner Launen zu beunruh igen. Was Alle,
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der Sohn zumeist, an ihm verehrt
Festigkeit gewesen und die niugz- z
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hsaten, das war seine
beugende Energie, mt
welcher er seinen Willen durczuseyen gewohut war. Neiauug
u nd Abneigu1ß, .=kauuen u nd Misztrauen hhatten sic bis
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dahin bei ihm immer mit Bestimntheit ausgesprocen. Ruid olf
empfand es deshalb schwwer, als der Vater, der ihm seu Jahren
ein großes Ve..auen bewiesen hatte, ihm auuf seine chrerbielige
npß pr,
und herzlce Frage, ob ihn ein K ummer drüike, ein Uebel-
befinden belästige, ;ede Auskunft verweigerte.
Mäehhrere Wochen verstrichen darüüber. -leusierlic ging
das Leben seinen gewo hnten Gang; im Juneren aler fand
man sic -p- zusammnen, nict zurec1. aas Einbarnehhmnen
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zwvischen den Eltern war und blieb getrilk, -- Ku umer
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daritber sclosz di. --öul.. woo migltez noc --h-- uun dte
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--cter, bewvegte Nudolf, sia, »---===-- - zu hal.. «, so weit
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d eren Erledigung er annf ihre Mitwirkung vertrane.
, Es handelt sich nämlich, fuhr er fort, , wieder ein-
nmal um einen Hei-=.z=-utrag für unsere wählerische Prin-
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zrssin Linda---- er hatte dte e ==-- geit lotge nicht mit
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irgend einem Liebes- oder ==p-- - zbort bezetcnet und ge-
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,. Dein Vetter Wolde== - -==-- - =p um ihre
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Had, ich bin entsclossen, . -=l zuzusaaugen, und verlange,
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bereuen, mit unserem Namen fürlieb genemmen zu haben;
aber Deine Tochter in der Gesellschast als Baronin Löwen-
kron zu präsentiren, wird Dir doch behagen. Woldemar ist
durch den unerwartet frühzeitigen Tod seines Dnkels seit
drei Monaten einer der reichsten Majoratsherren in Deinem
Vaterlande. Er ist ein hülscher Mann, von tadellosem
Ruse, von angenehmen Umgangsformen, im Alter zu Linda
passend, und sie hat sich seine Huuldigungen im verwicenen
Winter, als er hier verweilte, so gern gefallen lassen, das:
er zu der Erwartung berectigt ist, bei ihr Gehör zu finden,
wie er es in seinem Briefe ausspricht. Theile ihhr denselben
mit und sage ihr, daß ich Woldemar ermäctigen werde,
hierher zu kommen, damit er sich in Person das Jawort
von ihr sordern kann,?
Meta sah das Schreiben durc. Es gesiel ihr durch
seine Einfachheit und Kütrze. Sie hielt ohnehin viel von
-ihrem jungen Anverwandten, glaubte wie Werner, daß Linda
ihm geneigt Fei, und Woldemar's Verhältnisse waren so
günstig, das; die Mutter sich unbedenklic für ihn erklärte.
Auc Rudols sprach sich anerkennend über den Baron ans. Er
hatte gern mit ihm verkehrt, seinen Charakter scätzen gelernt.
Er mußte sich selber sagen, dasß man die Schwester kaum
besseren Häinden anvertrauen könne; nur daß sie irgend eine
Vorliebe für Woldemar hege, das wo llte er nict gelten lassen.
,. Sie ist mit ihm als einem Anverwandten znang loser
nngegangen als mit Anderen, hat ihn gern gchaht, si-l
auch mit ihm belustigt,! meinte er unud wollte hinzusehen,
daß Linda's Herz überhanpt noch völlig frei sei. Der Vater
ließ ihn jedoch nicht dazu kommen.

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.a sie ihn gern gehabt hat, wird sie ihn in der Ehe
noc lieber gewinnen, - « noch besser mit ihm belustigen,?
N -s:
sicl er dem Sohne ein. ,Es ist Zeit, das man sie auf
einen festen Leg - --gk, de.ü. die Mutter und auch Du
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laft Euuch von ihr beherrschen und das taug. -pr nicht. Sie
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ist actzeh .= - -
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gclen worde:t ist.
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hat dre Jahre in der Gesellscs»;- s-- ---
ihrem Belieben mehr als billig nacge-
== - haben also das Nect, jeht, wo es
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sich um eine zweckmäsßige Gestaltung ihrer Zukunft handelt,
einen verständ igen Gehorsam von ihr zu begehz-, ohne daß
spos
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ic sie zu diesem zwingen muss, was zu thun ic als Pt.== -
eracten wüirde. -- Mit einem Worte,! setzte er hinzu, in-
dem er sic an Meta und an Rudolf wendete, ,ch verlasse
mic darauf, das: Ihr mir die Sache heute noch in Ordnung
bringt; uund dann kommt auc an = -« die Reihe, mein
e,
liis 1 --
H,ef
-p Seez-- -
Rudolf sagte, er habe
rntgegnete der Vater ihm
aliuäih!g in die Secziger
-reund! sür Det.- auben
s s?,
-- ---- »---- ,Ich abeu gabe sie!
f s-
f.sn sßis.
bestimmt und ernst. , Ich bin
grkommen, habe Dir, mein lieber
einen solidet llnterbau bereitet,
und will das Gesclec. -== heranwachsen sehen, das uac
k psni,
meiner und nac Deiner Zeit hier in dem Hause scalten und
walten soll. Ein Sohn, dem der Vater so frühhzeitig als ic
- gcofße Rechte zugestanden hat, üübernimmt daduac auc
ena Uflicten, und ich denke, Dn bist der Mann, Dic der-
s llen ohne Mahnung zu erinnern.!
--. -
Ssff. M?iess zesfsis
a tesen Au eg a g; der Utterxedu tig h-----= -: -- s-
uarutat, aber so sehr er grade nac dieser Seite hin jeine
freie Zalbsii estimm ung zu bchaupten entsclossen war, mocte

lin
er heute dem Vater nicht entgegentreten. Er gab leichthin
eine ausweichende Antwort, der Vater hatte es auders kaum
erwartet und dem Sohne die Hand reichend, sagte er: , hne
Tochter dürfen wir die Mutter doch nicht lassen, und auch
eir wird Linda sehlen. Je eher Dn Ersaz schafsst, um so
willkommner soll er sein. !
Sie suhhren dann, wie an jedem Tage, gemeinsam in
die Stadt, es war von der beabsichtigien Heirath zwiscen
ihnen keine Rede mehr, aber es wollte auch nicht recht zu
einer anderen Unterhaltung kommen. Rudolf zog in kurzen
Zwischenräuumen wieder und wieder die Uhr aus der Tasche,
um nach der Zeit zu sehen, wuste aber nicht, daß er's ge-
than hatte, als der Vater ihn um die Ursache seiner Un-
geduld und Unruhe befragte, und hatte eine Weile später -
die Ühr doch wieder in der Hand. Jetzt musßte die Mutter
mit Linda längst gesprocen haben ! dachte er und hätte
wissen mögen, wie sie's ausgenommen, welce Antwort sie
gegeben habe.
Er fand im Gescäfte vollauf zu thun, aber die Arbeit,
die er sonst gern und leicht bewältigte, war ihm heute schwer
und lästig. Er musßte manche der Briefe, die vor ihm lagen,
mehrmals überlesen, weil ihm die darin gemeldeten That-
sachen entschwanden. Er traute den Bescheiden nicht, die er
für die Beantwortung an dem Rand bemerkte, er war zer -
R --
Der Vater verließ das Komptoir zeitiger als sonst, er
hatte einer Vereinssitzung und nach derselben einem Mittags-
brote beizuwohnen, man konnte seine Nückkehr nach der Villa

ziis
erst zum Abend erwarten, bis zum Abend hatte Linda also
noch den Tag für sich. Sie that dem Bruder leid. Aber
weshalb denn eigentlich? fragte er sich dazwischen und mußte
sich die Antwort schuldig bleiben, weil eine längere Be-
sprechung über wichtige Geschäste ihn nöthigte, sich fest und
ganz zusammenzufassen.
Die Stunden gingen ihm in wirrer Eile hin. Die
Arbeit wuurde ihm immer unerträglicher, er hätte sie liegen
lassen mögen, wären die rasch wechselnden Vorstellungen, die
ihm durch den Kopf zogen, nicht auch lästig und unerfreulich
gewesen. Heirathen musßte Linda natürlich, und warum nicht
also jetzt ? warum nicht Woldemar? Er war so gut wie
jeder Andere, besser sogar als viele Andere. Aber weshalb
muste ein so junges, so bezauberndes Geschöpf, dem noch
das ganze Leben ofsen stand, gezwungen werden eine Ehe
einzugehen, wenn sie den Mann nicht liebte?- Und daß
sie ihn nicht liebte, dessen war Rudolf ganz gewiß. Freilich!
Woldemar war angenehhm, eher als ihren bisherigen Be-
werbern gönnte er ihm die Schwester. Wie er aber daran
dachte, das; Woldemar sie mit sich nehmen, das sie dem
Fremden angehören wüürde, fuhr es wie ein Risß durch seine
Brust, und er sühlte Neid, bitteren Neid gegen den Mann,
dem dieses Mädchen hingegeben werden sollte.
Es war vergebens, daß er sich von den Gedanken los-
zureisßen jucte. Sie kamen nnr mächtiger über ihn, je
mchr er sie zurückzudrängen strebte, und er war endlich froh,
als das Unerläßliche am Nachmittage abgethan war, als er
sein Pferd vorführen lassen und hinausreiten konnte. Er
mufßte wissen, wie die Sachen standen.

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Jm Freien wurde ihm besser. Sein Auge wurde be-
schäftigt, er sah nicht so in sich hinein, wie in dem Arbeits-
zimmer mit den grün verhängten Fenstern, und er hatte
den Rappen unter sich, seine Uugeduld an ihm auszulassen.
Nahezu drei Jahre war Ruudolf fern vom Hause ge-
wesen, als er nach der gros;en Reise in die Heimalh wieder-
gekehrt war, und er hatte wic ein verständiger Meusch die
letzten Tage und Stunden an sich vorübergehen sehen, welche
ihn damals von den Seinigen getrennt. Heute wollte der
Weg nicht enden, der doch keine Meile masß. Und wenn er
nun nach Hause kam, wenn er sich getäuscht hatte, wenn
Linda den Freiherrn dennoch liebte, wenn sie dem Bruder
jetzt entgegentrat, in Freude strahlend - nun! was konnte
er denn Besseres wünschen als dies Glück für sie, für
seine Schwester! Und doch!=- Er konute sich das Haus
nicht ohne Linda denken. Der Vater hatte es ja ebenso
empfunden. Fehlen würde sie in dem Hause, überall und
Jedem! Jedem! ihm vor Allen! fehlen immerdar!
Er sah nach den Fenstern ilres Zimmer hinauf, die
Vorhänge waren noch geschlossen, obschon die Sonne diese
Seite des Hauses längst verlassen hatte. Auf der Rampe
nahm der Stallknecht ihm das Pferd ab, der alte Hauswart,
dem im Hause nichts entging, und der Bescheid wußte auch
über die Dinge, die ihm Niemand sagte, trat nah an ihn heran.
,Das Fräulein läßt den jungen Herrn ersuchen, gleich
zu ihr zu kommen !! meldete er leise und bedächtig.
Rudolf las ihm am Gesichte ab, was hier geschehen
war. Das Herz wallte ihm in raschem Schlage onf. ,Wo
ist meine Schwester fragte er.