Neue Novellen
Fanny Lewald
Kapitel 17

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an das helle Glück zu gewöhnen, das ihnen in der Zukunst
winkte. Meta konnte sich nicht trennen von der Tochter, sich
die wechselnden Empfindungen kaum deuten, mit denen sie
das nicht von ihr entstammte und ihr doch so völlig eigene
Kind betrachtete.
, Es ist mir, als müüszte ic sie nun erst recht verdienen,'
sagte sie, ,als müsßte ich ihr jezt doppelt danken für das
Glück, das sie mir ist, und sie doppelt halten, da sie nicht
mein ist und mir doch gehört. !
Auch Linda fühlte einen ganz neuen besonderen Zug z
ihrer Mntter; aber was wollte das Alles bedenten in der
märchenhasten Besreiung, in der Wonne, mit welcher sie und
der Geliebte an einander hingen?- Sie hatten so schweres
Leid und so großes Glück wie wenig Andere in solch jähem
Wechsel rasch durchlebt, daß es die Kraft der Jugend und
der Liebe brauchte, es zu sassen und zu tragen.
Siebenzehntes Ka pitel.
,Sieh', wie Dein Glaube an die Stimme des Blutes
Tich betrogen hat !? scherzte Werner, ber wie alle Mtännec
das Rechtbehalten liebte, als am Abend das schöne Braut -
paar vor seinen und vor Meta's Augen sich Arm in Ara
in den verschlungenen Wegen des Parkes lustwandelnd er-
ging. .Wie hast Du Dir darin gefallen, Dich in Linda's
Eigenschaften wiederzuerkennen, Deinen Charakter, Teine Em-
pfindungsweise auf sie vererbt zu haben, Dein und mein
Blut in ihren Adern rollen zu wissen und gelitten zu haben,
um ihr das Leben zu geben. Und liebst Du Linda heute

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weniger als bisher, da alle diese Voraussczungen eben so
viel Irrthümer gewesen sindA
, Wie kannst Du mich so fragen, an, dem ic auc
dieses Glück verdanke ? Und doch! setzte sie läcelnd hinzu,
, hat die Stimme des Blutes hicr gesprocen. !
, Riur nicht in Deinem Sinne!! meinte Werner.
Meta schwieg. Nach einer Weile aber sagte sie:
, Ic glanbe nicht, das es eine Liebe giebt, die anders,
stärker ist als die inbrünstige Zärtlichkeit, mit welcher ich
an Linda hänge. Es ist, nun ich darüüber nachdenke, schließ-
lich doch das sich selbst vergessende Leiskeu, der dringende
Wunsch, sein Bestes auf ein anderes Wesen völlig zu über-
lragen, es ist das tiefe Bedüürfniß, zu lieben, und das schn-
süüctige Verlangen, die Liebe, die man gehegt hat, sortdauern
zu schen in dem Gegenstande derselben noch über den eigenen
Tod hinaus- es ist die wunderbare Mischung von gehei-
uer Selbstsucht znd bewuszter opfcrfreudiger Selbstlosigkeit,
welche das eigentliche Wesen der Elternliebe macht, welce
den jertigen Menschen, den Mann sowie das Weib, an das
huliloseste der Geschöpfe fesselt: an das arme Menschenkind. --
ier was will alle solce Liebe sagen ueben Deines Herzens
rosmuth, Dit geliebter Maul''
. I habe,! versetzte er, ,wenn ich das Mädchen so sröh -
uh zwiscen uns heranwachsen, =-e und mir von Herzen zu
cd=-
aen, und Dich so glücklich mit der Tochter sah, auch mein
a!ices Theil von Freude an ihr gehabt neben manchem
- genden Bedenken, das Du jetzt verstehen und wüürdigen
-ust. Manch liebes Mal ist mir dann des Dichters Wort
= den Sinn gekommen:
- un Lcwald, Neue Novelen.

Und ob
--= -= -- -= -- Das Elst allein e
Macht lange noch den ! e nich! ht kaum
Den Vater eines Thieres! giebt zum höchsten
Das erste Recht, sich diesen Namen zu
Erwerben!
es mit der Mutterliebe anders ist, möchte schwer zu
entscheiden sein. Du liebtest ein Mädchen, das Dn nicht
geboren hattest, mit dem ganzen Fanatismus der Mutterliebe,
weil Du es für Dein eigen hieltest. Glaubst Du, das eine
Mutter das Kind, welches sie geboren, erkennen würde, wenn
es ihr eutzogen worden wäre, ehe es sich zu einer festen,
bestimmten Persönlichkeit entwickelt hatte? Ich möchle das
verneinen.?
Sie saßen an dem Abend in erustem, wecselndem Ge-
spräch noch lauge bei einander; und als der Mond in diejer
Nacht auf seiner stillen Bahn üiber dem stattlicen Hause
sein mildes Licht ergoss, ruhten in demselben wieder die
glücklichen Meuschen in erquickendem Schsaf, wiegten sic
zwei junge Herzen in hoffnungsvollen, beseligenden Träumen.
- -SepauEpF- -