Helmar
Fanny Lewald
Kapitel 03

zriltes apilel.
Es war uns streng verboten, nach der Ankunft
der Herrschaften an die Rampe ges Schlosses heranzu-
gehen, aber von unserer Thüre aus konnte man ganz
genau beobachten, wie die beiden Diener die Wagen
abpackten, wie das Alles rasch ging und wie sie meinen
Vater Dies und Jenes zu tragen gaben, ihn dann
wieder auf die Seite schoben, ihm befahlen, als ob
das Befehlen auf dem Hofe nicht an ihm gewesen, als
ob er nicht älter als sie gewesen wäre.
Ich merkte es dabei eigentlich zum ersten Male,
daß der Vater schon bei Jahren war. Neben den blank
frisirten beiden Dienern, die jung und wie die Herren
angezogen war, sah er mit seinem grauen Krauskopf,
mit seinem langen grauen, roth und gelb aufgeschlagenen

Rocke, den er, seit der Herr todt war, immer an den
Sonn- und Feiertagen angezogen hatte, mir mit einem
Male nicht mehr so vornehm als bisher aus.
Es blieb mir jedoch nicht Zeit, lange darüber
nachzudenken, denn bald nachdem sie angekommen waren,
gingen die Herrschaften sammt und sonders über den
Hof: der Herr General in seinem langen Offiziersrock
mit der Feldmütze auf dem Kopfe und die gnädige
Frau an seinem Arm. Der Hofmeister mit dem
Junker, und ein blondes, junges Frauenzimmer mit
einem kleinen Mädchen an der Hand, das so schön
war, wie ich in meinem ganzen Leben nie Etwas
gesehen hatte,
Bis dahin hatte ich immer gedacht, schöner als
die vier Engel über der Orgel könnte gar Nichts sein;
aber das kleine Mädchen mit dem braunen Lockenkopf
und den großen Augen war noch sehr viel schöner als
die dicken rothbackigen Engel in der Kirche; und wenn
es auch die Flügel nicht an den Schultern trug, die
mir immer so sehr gefallen hatten, so flog doch das
weiße Röckchen und flogen die blauen Bänder, die es
um den Leib gebunden hatte, lustig hinter ihm her,
so oft es, bemüht, sich von der Hand des Fräuleins
loszumachen, bald hier-, bald dorthin sprang und den

lachenden Kopf zurückwarf, daß die braunen Locken sich
bewegten, wie im See das weiche braune Röhricht,
wenn der Wind durchging.
Der Inspektor, der neben dem General einher-
schritt, führte sie überall herum. Er sprach und der
General sprach, und wenn der Inspektor redete, so
bückte er sich und der General nickte beifällig mit
dem Kopfe. Sie besahen die Ställe, die Wagenremise,
sie guckten auch in die Scheunen. Der Junker kletterte
auf den im Hofe aufgestellten Wagen herum, und die
Kleine wollte ihm nach und zappelte und strdmpelte,
bis der General sie aufhob und in einen der Leiter-
wagen hineinstellte, in dem sie wie ein junges Huhn
im Korbe, so schnell sie konnte, hin und wiederlief.
Sie weinte, als man sie hinunterhob. Gleich
darauf verschwand die ganze Gesellschaft hinter der
hohen Mauer, die den Hof vom Garten trennte, und
ich stand und stand und wartete, ob sie nicht wieder-
kommen würden. Sie kamen aber nicht. Nur der
Inspektor kam noch einmal an unserer Thüre vorüber.
, Morgen um neun Ühr soll Sie den Jungen
zu der Frau Generalin schicken!'' rief er der Mutter
zu und damit ging er weiter.
Das fuhr mir durch alle Glieder, denn nun ich

die Herrschaften gesehen hatte, kam mir die Sache und
das, was ich zu leisten hatte, viel verfänglicher vor,
und ich dachte noch darüber nach, wie das Alles werden,
ob der Küster, ob der Vater oder die Mutter mit mir
gehen, und ob die ganze Familie oder bloß die Frau
Generalin in der Stube sein würde, wenn ich meinen
Willkommswunsch aufzusagen hatte. Dakam der Vater
mit einem Male, und zwwar zu ungewohnter Zeit nach
Hause. Er sezte sich an dem Tisch unter dem Fenster
nieder, stützte den Kopf auf die geballte Faust und
sagte Nichts. Das hatten wir noch nicht erlebt.
,Was ist denn passirt? fragte die Mutter mit
dem Brot und dem Messer in der Hand; denn es war
Essenszeit
Er gab ihr keine Antwort. Da sie nun nicht von
den Geduldigsten war, rüttelte sie ihn an der Schulter
und rief:, Rede doch, Vater! Was willst Du hier?
warum bist Du denuu nicht drüben? wird denn jetzt
drüben nicht gegessen?
, Gegessen? - gegessen wird nicht mehr! Thee
wird getrunken, und aufzuwarten brauche ich nicht dabei.
Das thun der feine Monsieur Ludwig und der blanke
August. Auch zu schlafen brauche ich im Schloß nicht
mehr. Sie haben genug an ihren Leuten. Wenn sie

mich brauchen, werden sie nach mir: schicken; und ich
soll kommen, wenn ich will!-- Da können sie lange
darauf warlen!'
Er biß die Zähne zusammen, seinen Grimm zu
verschlucken. Die Mutter wußte nicht, was sie davon
denken sollte. Sie stemmte die beiden Arme auf den
Tisch und beugte sich zu ihm hinüber. Ich wwäre gern
ihm hingegangen, nur daß ich mir's nicht traute.
,Vater,'? sagte darauf die Mutter, ,wwer hat das
s gesagt? Was hast Du denn verbrochen?
,Verbrochen?? fuhr er auf, ,Nichts habe ich
verbrochen.- Es ist ja Alles die pure Lieb' und Güte!
Alles zur Belohnung! - Grade wie für den Schimmel,
der auch mit einem Male nicht mehr gut genug war
und der das Gnadenbrod haben und bloß noch spazieren
geführt werden sollte, nachdem der Herr General dem
seligen Herrn zum siebenzigsten Geburtstag den sanften
Braunen geschickt hatte, der besser und sicherer auf
den Füßen sein sollte!?=- Der Vater lachte verächt-
lich, wie er das sagte. Dann sprach er wie zu sich
selber: ,Der Herr hat's mit dem Braunen nicht
mehr lange gemacht, aber der Schimmel ist noch eher
drauf gegangen. Er ist verlahmt vom Stehen und
den Gnadenhafer hat er nicht gefressen! - Denn wenn

Einer seine Sache aus dem Fundament versteht und
seine Arbeit mit Ehren und besser als die Anderen
thun kann, und weiß, wo ein jedes Ding sein Unter-
kommen hat und wo Alles gestanden und gelegen hat,
als die Gnädige selber noch nicht hat stehen und gehen
können -= Wenn unser alter Herr das hörte!r
Darauf schwieg der Vater eine Weile, zog den
Rock und die Weste aus und hing sie, was kein
Mensch von ihm erlebt hatte, ohne fie gebürstet zu haben,
in den Schrank. ,Hängt bis ihr schwarz werdet!r
brummte er zwischen den Zähnen, als er die Schrank-
thür zumachte, und dann setzte er sich wieder hin.
Es ging ihm Alles noch im Kopf herum, und wenn
er auch sonst bisweilen still gewesen war, ohne daß
man es bemerkt hatte, so war's uns an dem Abend un-
heimlich.
Ich wollte hinaus gehen und wollte auch wieder
bei dem Vater bleiben; denn dumm, wie ich war,
merkte ich doch, daß ihm Etwas geschehen war, was
er nicht verschmerzen konnte, und ich hatte ihn sehr lieb.
Endlich kam die Mutter auf einen Einfall.
,Der Inspektor ist dagewesen, sagte sie, ,der
Junge soll morgen auf das Schloß.!
,Laß ihn gehen!r

,Du mußt doch mit ihn' wendete die Mutter ein.
,Hat er's so bestelltk fragte der Vater.
Sie wich ihm aus.
,Er kann doch nicht allein gehen? meinte sie.
,Wenn er allein bestellt ist, so geht er auch allein!
Er ist groß und alt genuug! Vielleicht können sie den
Jungen besser brauchen als den Alten!? sagte er und
ging, obschon es bereits dunkelte, noch hinaus zu
unseren drei Bienenstöcken; denn die Bienen, waren
schon zum Defteren ausgeflogen. Der Raps war just
am Blühen, das Schwärmen schien nahe, und der Vater
war also darauf aus, den vierten Stock aufzustellen.
Er machte sich damit bis zur Schlafenszeit zu schafen.
um für sich allein zu bleiben. Ich würde ihn also auf
die Art an dem Abend gar nicht mehr gesehen haben,
hätte ich nicht zum ersten Mal in meinem Leben eine
Weile im Bette wach gelegen, weil ich am nächsten
Morgen in das Schloß hinüber sollte.
Ich fürchtete mich davor und war doch neugierig,
wie das sein und wie das ablaufen würde. Langes
Nachdenken war dazumal jedoch nicht meine Sache.
Ich schlief mein richtiges Theil, und wie es dann am
Morgen Zeit war und die Mutter selber mich abge-
seift hatte, daß ich blank war wie ihr gescheuerter Tisch,

wurden der neue Anzug und die neuen Stiefeln herbei-
geholt, die schon vor ein paar Monaten bestellt worden
waren und die ich eigentlich erst zu Johanni bei der
Einsegnung hätte tragen sollen. Es war natürlich Alles,
wie es sich gebührte, auf den Auswachs eingerichtet.
Weil ich aber so ungewöhnlich rasch im Wachsen war,
hatte der Vater es dem Meister auf die Seele gebunden,
von dem theuren Tuch auch einen recht vollständigen
Anzug zu machen und bei dem gewöhnlichen Zugeben
noch ein Nebriges zu thun, so daß ich bei dem An-
probiren mit den Händen nicht recht aus den Aermeln
herausgereicht hatte. Indeß der Meister hatte gesagt,
bis die Herrschaft käme, schieße ich gewiß noch ganz
hinein: und da ich beim Anprobiren auch bloß still zu
stehen gehabt hatte, waren die langen Aermel und der
übermäßig lange Rock und die ebenso langen Hosen
nur eine Steigerung zu meinem stolzen Wohlgefallen
an dem Anzug und an mir selbst gewesen.
Als ich nun aber die Kleider ordentlich auf dem
Leibe, und die mir ohnehin ungewohnten und ebenfalls
auf den Auswachs angeschafften Stiefel an den Füßen
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hatte, fand ich, daß es ein schwer Stück Arbeit sei, ;
mit solcher Herrlichkeit vom Fleck zu kommen. Indeß -
zum Bedenken blieb mir keine Zeit. Die Mutter, die

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das Auge nicht von der Kukuksuhr gelassen, sagte,
nun solle ich gehen. Der Vater war wieder draußen,
er kümmerte sich um Nichts. Ich machte mich also
mit schwerem Herzen aus den Weg.
Ich hatte quer über den ganzen Hof zu gehen,
was mir sehr recht war, denn ich wollte mich gern
vor den Leuten zeigen. Die Mutter, die in der Thüre
stand, sah mir nach; und obschon ich in den Stiefeln
keinen festen Tritt hatte, kam ich doch mit stolzem
Selbstbewußtsein vorwärts bis in's Schloß.
Die Hausthüre stand weit offen, weil sie's luftig
in dem Schlosse haben wollten. Durch die Glasfenster
der Stubenthüre, dem Eingang gegenüber, sah man
in den Garten hinaus, und als ich in den Flur trat,
kam von der Küchentreppe rasch der eine Diener
herauf, der eine große, mit silberner Glocke verdeckte
Schüssel trug.
,Was will Er? rief er, ohne mich anzusehen.
,Ich bin der Helmar!? sagte ich und mein stolzes
- Selbstbewußtsein fing zu finken an.
,Sag' Er, was Er willl gebot der Diener eilig.
,Der Herr Inspektor hat befohlen, daß ich kommen
soll!r sagte ich.

, Ach, so! der Junge von dem alten Kaspar!
Wart Er! Die Herrschaft ist beim Frühstück.?
Damit ging er in das Zimmer, kam aber gleich
darnach zurück und mit dem Kopfe nach der Thüre
deutend, während er selber wieder die Treppe hinunter-
lief, befahl er: , Dort hinein!r
Glücklicherweise machte gerade in dem Augenblick
der andere Diener die Thüre auf, so daß ich in den
Saal hineinkam.
Da saßen sie! =- Gerade so wie bei dem heiligen
Abendmahl über dem Altar in unserer Kirche, das die
gnädige Frau an des verstorbenen Herrn siebenzigstem
Geburtstag, als der General den Braunen geschickt,
in die Kirche gestiftet hatte, und von dem nur an den
großen Feiertagen und wenn der Pfarrer die Kommunion
ertheilte, der Vorhang weggezogen wurde. Es war
ganz derselbe lange Tisch und das weiße Tischtuch,
und die Schüsseln und die großen Gefäße. Sie saßen
auch so in Reih' und Glied, und vom Garten schien
die Sonne herein, wie durch das Fenster hinter dem
Altar.
,Nun Helmar!? rief die Frau Generalin, und:
,Nur vorwärts! befahl der General, und weil das
Beides freundlich klang, so ging ich auch rasch darauf

los. Aber der Fußboden war glatt. Ich mußte beim
raschen Gehen die langen Stiefel ordentlich vorwärts
schieben, und wie ich nun dicht am Tische, meine Mütze
in der linken, meinen Glückwunsch in der rechten
Hand, so wie mir's der Vater eingeübt hatte, meinen
Kratzfuß machen und meine Rede mit den Worten:
,Ich gratulire der hochgeborenen Frau Generalin' be-
ginnen wollte, glitschte mir mit einem Male der linke
Fuß aus, während ich mit dem rechten den Boden
scharrte. Ich wußte nicht, wie mir geschah. Ich fiel
der Länge nach nieder. Ich hörte das laute Lachen
der Herrschaften, das tadelnde:,Der Tölpel!' des
Generals, an dessen Knie ich mich hatte halten wollen
und dessen Kaffeetasse dadurch ins Schwanken gerathen
und übergelaufen war, so daß der Inhalt mich und
das Kleid der Gnädigen überschüttete, und ich es im
ersten Augenblick des Schreckens kaum bemerkte, wie
ich mit der linken Hand auf den einen Sporn an des
Generals Stifel gefallen war und mir das scharfe Rad
desselben in die Hand geschlagen hatte.
So wie mir in dem Augenblicke, muß es den
Menschen bei einem Erdbeben zu Muthe sein. Es
ging vor Angst Alles mit mir in die Runde. Der
Fanny Lewald. Helmar.
s

General, über dessen Füße ich gefallen wwar. stand
ärgerlich auf. Das Fräulein, das mit bei Tische ge-
sessen hatte, kam herbei, der Gnädigen das Kleid zu
trocknen, während ich mich in die Höhe rappelte. Der
Diener wischte den Kaffee von dem Fußboden weg.
Er schob mich dabei verächtlich auf die Seite und
meine Mütze und meinen schönen Glückwunsch mit dem
Fuße noch ein Ende weiter fort, und ich hörte das
laute Lachen des Junkers und sein wiederholtes:
,Nein, der Tölpel! der Tölpel!?
In meinem ganzen Leben ist mir so elend nicht
wieder zu Muthe gewesen als in jener Stunde. Denn
daß Alles, was um mich her vorging, eine Schande
für mich sei, das wußte ich. Ich hätte fortlaufen
mögen, mich zu verstecken, wo kein Menschenauge mich
finden konnte, und traute mir nicht, von der Stelle
wegzugehen. Ich hätte auf den lachenden Junker los-
schlagen mögen, und wußte, daß ich mich nicht unter-
stehen durfte, ihn auch nur schief anzusehen. Ich hatte
die größte Angst vor meinem Vater, und dabei brannte
mir die aufgeschlagene blutende Hand wie Feuer, so
daß ich, mir endlich ein Herz fassend mein neues dunkel-
blaues Taschentuch hervorzog, um mir damit zu helfen.
Das sah die Kleine, die auch mit am Tisch ge-

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sessen hatte, und flink von ihrem Sessel heruntergleitend,
lief sie auf mich zu.
,Ach! der arme Tölpel blutetl' rief sie, ,der
arme Tölpel hat ein schwarzes Schnupftuch!?-- und
mir ihr weißes Tüchelchen hinreichend, blieb sie mit-
leidig vor mir stehen.
Ich wagte nicht es anzurühren, aber wenn ich
alt werde wie Methusalem, werde ich die Empfindung
nicht vergessen, die mir bei dem Thun und den Worten
der Kleinen durch das Herz fuhr. In meiner letzten
Stunde werde ich sie vor mir sehen, wie sie in dem
weißen Kleidchen, fest auf ihren kleinen nackten Beinchen
stehend, mich mit den großen braunen Augen anguckte,
daß die Angst von mir genommen ward und auch das
drückende und lähmende Gefühl der Scham und Schande.
Es war mit einem Male Alles anders um mich her.
Die Freude, welche die Eltern und der Bruder an der
entschlossenen Herzensgüte der Kleinen hatten, leuchtete
aus Aller Augen und kam auch mir zugute.
,Das ist recht, Dora!' rief die Generalin, ,gieh
dem Helmar Dein Tuch! Der arme Helmar ist mit
den großen Stiefeln ausgeglitscht, Du bist ein gutes
Kind !!=- Und sich zu mir wendend, meinte sie, es

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sei wohl nicht so schlimm mit meiner Hand, ich solle
mir das Tuch umwickeln und ihr das Schreiben-
zeigen, das ich für sie angefertigt hätte.
Der General nahm darauf die kleine Dora auf
den Schooß, und ich that, wie mir befohlen war. Der
Junker und das Fräulein und der Lehrer hatten sich
wieder alle an der Tafel niedergelassen; und meinen
Kratzfuß diesmal mit größerem Glücke wiederholend,
überreichte ich der Generalin meinen Willkommswunsch
und sagte ihr den Inhalt desselben her.
Der Funker wollte wieder lachen, aber ein Blick
des Vaters wehrte ihm. Ich kam glücklich und ohne
Anstoß bis ans Ende. Der General drückte mir einen
blanken Thaler in die Hand, die gnädige Frau besah
meinen Glückwunsch, reichte ihn dem Lehrer hin und
meinte:, Der Junge schreibt vortrefflich! -- Wo hast
Du denn die Anfangsbuchstaben mit den vielen
Schnörkeln her?
,Von der Bibel!' gab ich ihr zur Antwort.
Sie erkundigte sich darnach, ob ich auch rechnen
könne, und der General fragte, was ich denn werden
wolle, während auch er sich meine Schreiberei besah.
,Ich soll Bedienter werden,'! entgegnete ich.
Sie sprachen lachend Etwas, was ich nicht recht

verstand. So viel hörte ich jedoch heraus, daß sie
meinten, große Geschicklichkeit scheine ich nicht zu haben,
und dann sagte der General:,Du sagst, Du sollst
Bedienter werden, willst Du es denn nicht?
Ich wußte nicht, ob ich mit meinen Gedanken
herausrücken dürfe und war still.
,Nun? rief der General, , wwird's bald? Willst
Du oder willst Du nicht?
Ich schüttelte verneinend den Kopf.
,Was möchtest Du denn werden?- fragte die
Gnädige mit freundlichem Ermuthigen. ,Willst Du
Schreiber werden?-
Und wieder schüttelte ich den Kopf, bis der
General mir gebot, endlich den Mund aufzuthun und
Antwort zu gehen, wie es sich gehörte.
Da faßte ich mir rasch ein Herz, obschon ich
wußte, daß mir das zu Hause schwer eingetränkt
werden würde, und sagte: , kum Maler möcht' ich
in die Lehre, der hier im Schloß gemalt hat.!
,Maler? So? =- Das wird zu überlegen sein!'
sprach der General, ,und nun geh! Das Andere
wird sich finden!'
Die Worte klangen mir sehr angenehm in's Ohr,
denn der Küster hatte, so oft von dem Neberreichen des

Glückwunsches gesprochen worden war, immer damit
geschlossen, daß das Nebrige sich finden werde; und
ich hoffte also, da ich diese Worte nun in Wirklichkeit
vernahm, jetzt endlich auf den richtigen Weg gekommen
zu sein.
Die Generalin gab mir ein großes Stück von dem
Backwerk, das auf dem Tische stand, sagte, ich sollte
den Vater zu ihr schicken, und als ich dann vorsichtig
meinen Rückweg antrat, rief der Junker übermüthig
hinter mir her: ,Falle nur nicht wieder!''
,Nein, Tölpel!' sprach die Kleine ihm nach
,nicht fallen, Tölpel! Der Vater schilt!-
Ich war schon aus dem Schlosse fort und im
Hofe und an unserer Thüre, als ich das Stimmchen
noch zu hören und die Worte: , Nicht fallen, Tölpel!'
noch immer zu vernehmen glaubte.