Die Familie Darner. Roman in 3 Banden.
Fanny Lewald
Kapitel 15

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, Eine Estafette! meldete er.
Darner erbrach und durchflog das Schreiben.
,Lies !'r sagte er, indem er es dem Sohne hin-
reichte.
Es lautete:
,In der Nähe von Landsberg, von Eylau,
stehen die Heere einander gegenüber! In jeder
Stunde kann der Zusammenstoß erfolgen !r
Frank blickte den Vater an.
,Was muß man thun?? fragte er.
,Was der Augenblick gebieten wird!r entgegnete
Darner ruhig und verließ das Zimmer. Frank blieb
allein zurück.
Er war im Tiefsten aufgeregt; er bewunderte
seinen Vater und doch war eine Scheu vor ihm rege
geworden in seiner Seele. Die Selbstsucht in des
Vaters Liebe hemmte den freien Strom ber Zu-
neigung, die Frank für ihn gehegt. Unwillkürlich
glitten die Worte: ,Mittel zum Zweck!? über seine
Lippen.
Er konnte sie nicht vergessen.
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Jünfzehntes Kapitel
Die Nachrichten, welche jene Estafette gebracht,
hatten sich als richtig erwiesen.
Die Schlacht von Eylau war geschlagen, und
obschon das vereinte Heer der Preußen und der
Russen in ausdauernder Tapferkeit dem Feldherrngenie
des französischen Kaisers an den beiden Schlachttagen
den tapfersten Widerstand geleistet, hatte es ihn nicht
vom Schlachtfelde zu vertreiben vermocht. Beide

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Theile schrieben sich den Sieg zu; Napoleon aber
zählte fortan den Tag von Eylau zu seinen Sieges-
tagen, wie die Tage von Marengo, von Jena und
von Austerlitz.
Die Preußen hatten sich gen Osten gewendet,
den Zusammeyhang mit der russischen Hauptmacht
aufrecht zu erhalten; der Theil des russischen Heeres,
welcher bei Eylgu gefochten, zog sich ngch Königsberg
zurüch um womöglich die Hauptstadt des Königreichs
vor den Franzosen zu bewahren, und! es war nicht
vorauszusehen, welche Folge Napoleons Verweilen auf
dem Schlachtfelde haben werde. Es ,war die erste
große Schlacht, welche er in, dem winterlichen Norden
geschlggen, das erste Mal, daß er die Tausende und
Tauonde, die unglücklichen Opfer seines Ehrgeizes
ihr Lebensblut, wie früher in der Gluth des Wüsten-
sandes, auf Schneegefilden verströmen sehen.
Das friedliche Königsberg war sich selber nicht
mehr ähnlich. Da die Russen als Verbündete und
Freunde der Preußen in die Stadt gekommen, hatte
man sie gut aufzunehmen. Die preußischen Behörden
waren in ihrer Thätigkeit geblieben, hatten sich jedoch
, den Befehlen des russischen Kommandirenden zu
fügen. Alle Häuser lagen jeyt, voll russischer Ein-
auartierung, überall mußte man sich in die möglichste
Enge zurüchiehen, um Platz zu schaffen für die
Fremden, für Gesunde, für Kranke und Verwundete.
Die Kirchen der Stadt, die Börse und alle irgend
verwendbaren Räume waren in Lazarethe verwandelt.
In dem großen Saal des Rathhauses, in welchem
Frank und Justine am Sylvesterabende so fröhlich
ihre Bekanntschaft gemacht, wüthete das Lazarethfieber
derart, daß man nicht Leute genug hatte, die Todten
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sie in Haufen zusammenfroren, ehe die Leiterwagen
sie holen kamen- ein Bild des Entsetzens für die
Vorübergehenden.
Jn kurzen Zwischenräumen hörte man den
Marschtritt der Regimenter, das Rasseln der Pulver-
wagen, der Kanonen, die russischen Kommandoworte
erschallen. An alle Thüren klopften die Soldaten
mit ihren Quartierbilleten. Kein Frauenzimmer der
gebildeten Stände war auf den Straßen zu sehen,
und selbst in den Häusern, in welchen man nicht
höhere Offiziere zu empfangen hatte, hielten die Frauen
sich vor den Fremden zurück.
In fliegender Hast jagten die bärtigen Kosaken,
die den Vorpostendienst versahen, auf ihren kleinen,
leichten Pferden, die eingelegten Piken nach ihrer
Weise weit vorgestreckt, von den Thoren durch die
Straßen der Stadt nach dem Schlosse hinauf und
wieder zurück über den gefrorenen Fluß, nach den
Thoren und vor die Stadt hinaus, nach der Seite hin,
von welcher man das Anrücken der Franzosen erwartete.
Der russische Feldherr residirte in den Zimmern
des Schlosses, welche von dem Könige bewohnt worden
waren. In einem der großen Säle fand eine Ver-
sammlung statt. Der Landhofmeister von Preußen
hatte die Kaufmannschaft zu derselben berufen lassen.
Die russischen Truppen mußten unterhalten werden,
und die königlichen wie die Stadtkassen waren leer.
Es handelte sich um jene Beiträge, die man frei-
willig zu leisten hatte, wenn man zu ihnen nicht
gezwungen werden wollte. Die Aeltesten des Handels-
standes, Kollmann und Berkenhagen, standen an der
Spitze mit ihren Darbringungen, Darner zeichnete
eine Summe, welche alle Erwartungen übertraf, und
er bot sie mit einem Gleichmuth, der bei den Einen
Achtung, bei den Anderen Neid erregte.

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Aber er that mehr als das. Den ganzen Morgen
waren seine Leute in seinen Speichern beschäftigt,
Getreide nach den in der Stadt belegenen Mühlen
zu schaffen, um dem Bedürfniß der rasch errichteten f
Feldbäckereien zu genügen und den ärmsten Be-
wohnern der zStadt auf Darner'sche Anweisungen
Brotmehl zu ßhaffen. Er war selbst an Ort und
Stelle gewesenz die Aüsführung zu regeln; Frank
hatte mit Ungeduld der Rückkehr des Vaters gewartet,
da er auf Anordnung desselben, zum Schuy der
Schwestern, hatte zu Hause bleiben müssen.
Es war schon gegen Mittag, als Darner nach -
Hause kam. Der Sohn eilte ihm mit der Frage
entgegen, was es auf dem Schlosse gegeben habe.
, aDie Kontribution, auf welche man gefaßt zu
sein hatte, und die nicht die letzte und nicht die
schwerste sein wird lr antwortete Darner, während
er sich nach dem Komptoir begab, den nöthigen Befehl
für die Zahlung des gezeichneten Betrages zu er-
theilen. Er war groß geng, auch den Sohn zu
überraschen. Obschon er sich keine Bemerkung darüber
erlaubte, errieth der Vater, was er dachte.
, Es ist ein bedeutender Posten!'- sagte er,
,,indeß gerabe in Zeiten der Noth hat man darzu-
thun, daß man von ihr nicht mitbetroffen ist; und
sich zu unterschäten, ist ebenso unanständig, als es
eine falsche Spekulation ist. Kollmann hat sich auch
klug und anständig gezeigt. Ich acceptire von ihm
Wechsel auf sein Rigenser Haus. Sein Beitrag
ist hier von unserer Kasse mit dem meinen ein-
zuzahlen.'?
Frank blieb an des Vaters Seite, so lange
derselbe in der Kasse und in seinem Kabinet be-
schäftigt war; dann fragte er, ob er seiner noch be-
dürfe, und da Darner dies verneinte, zog er rasch

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den beschnürten Leibpelz an, drückte die Zobelmütze
auf den Kopf und verließ das Haus.
Schnellen Schrittes hattte er die Entfernung bis
zum Dome durchmessen. Der ganze Platz rund um
denselben war in ein Bivouak verwandelt. Bis an
den Fuß der Freitreppe, die zum Kollmann'schen
Hause hinaufleitete - es nahm die halbe Westseite
des Platzes ein- lagerten russische Soldaten, die
eben aus großen Kesseln ihr Mittagessen verzehrten.
Der Dampf stieg in die kalte, klare Luft hinauf.
Vor dem Hause stand ein Doppelposten. Ein paar
Offiziere kamen die Treppe herunter, ein anderer
stieg sie neben ihm hinan. Es war ein Kommen
und Gehen, denn der Kommandeur eines Regiments
war mit seinen Adjutanten bei Kollmann im
Quartier.
Frank mußte erst den Diener suchen, der ihn
melden sollte, und folgte, ohne die Antwort abzu-
warten, ihm auf dem Fuße nach.
Als man ihm die Thüre der Wohnstube öffnete,
sah er Madame Kollmann und - einen russischen
General, der ihr gegenüber saß. Ein Pack von alter
Leinwand lag auf dem Tische, sie zupfte Charpie
und hielt in der Arbeit inne, den Eintretenden dem
General vorzustellen. Sie sprach deutsch, da General
von Stromberg, ein Kurländer, das Deutsche selbst
als seine Muttersprache ansah.
Justine, um derentwillen Frank gekommen, war
nicht im Zimmer. Den ganzen Morgen hatte es
ihm keine Ruhe gelassen. Der Gedanke, daß auch
das Kollmann'sche Haus wieder voll fremder Offiziere
sei, daß man sie zu empfangen, da sie als Ver-
bündete gekommen, mit ihnen als Gäste zu ver-
kehren habe, wenn sie es begehrten, hatte ihn ges
peinigt. ,Mit welchem Rechte? fragte er sich.

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Nichts war bisher ausgesprochen worden zwischen
ihm und ihr; aber seit dem Abende, an welchem er
die tiefgreifende Unterredung mit seinem Vater ge-
habt, war es klar in ihm geworden, was bis dahin
nur wie ein frohes Ahnen beglückend in ihm gelebt.
Jn dem Augenblick, in welchem der Vater ihm
dapon gesprochen, daß bei seinen Plänen auch die
Verheirathung seiner Kinder eine Rolle spiele, hatte
er empfunden, daß seine Wahl getroffen sei.
Nur die Ankunft der Estafette hatte ihn ge-
hindert, dies zu erklären, und in der Unruhe der
letzten Tage hatte die Rede nicht davon sein
können.
Er dachte nicht darüber nach, wie diese Liebe
in ihm entstanden sei; er hatte sie vorahnend
empfunden, als er Justine zum ersten Male gesehen.
Wie sie am Sylvesterabend neben ihm gestanden,
schlank und hoch gewachsen, ihm frei ins Auge
blickend, war sie ihm wie für ihn geschaffen, mehr
als je vorher ein anderes Mädchen, als seinesgleichen
vorgekommen. Das hatte ihm gefallen, und weil
spröde zu thun dem Selbstgefühle Justinens fern lag,
hatten sie bald miteinander verkehrt, als wären sie
von je beisammen gewesen.
Nichts in ihrem Betragen hatte jemals seine
Huldigung herausgefordert. Sie hatte sie angenommen,
wie er sie ihr geleistet, als etwas, das ihr gebühre.
Die Auszeichnung, mit welcher sie seinem Vater, die
beschützende Vorliebe, mit der sie seinen Schwestern
begegnete, hatten seinen Dank und ein Gefühl der
Gemeinsamkeit in ihm erweckt, die ihm Justinen noch
mehr zu eigen gegeben; und das Alles hatte sich in
der kurzen Zeit, in dem nicht allzu häufigen Bei-
sammensein als etwas so Selbstverständliches zwischen
ihnen gemacht, daß er sich erst darüber zu wundern

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anfing, seit er sich seiner Liebe für Justine bewußt
geworden war.
Ob sein Vater für ihn an eine Verbindung mit
Justine dachte, dessen war er nicht gewiß; denn
obschon sie als die reichste Erbin ihrer Vaterstadt
betrachtet wurde, konnte Darner reichere Mädchen im
Auslande für ihn im Sinne haben. Daß er aber
keine andere zum Weibe nehmen werde, wenn Justine,
wie er zuversichtlich glaubte, seine Liebe theilte, das
stand fest bei Frank-- und er fühlte sich als seines
Vaters Sohn.
Sonst, wenn er einmal bei einem seiner Besuche
im Kollmann'schen Hause Justine nicht gleich an-
getroffen, hatte seine erste Frage nach der Begrüßung
ihr gegolten. Heute wollte sie ihm nicht über die
Lippen, obschon sein Auge und sein Ohr mit
Spannung ihres Kommens harrten. Er neinte, die
bloße Nennung ihres Namens müsse es der Tante und
dem Fremden verrathen, wie sehr er sie ersehnte; und
er mußte doch den Anwesenden gebührend Rede stehen.
Der General, eine edle, vornehme Erscheinung,
hatie es bedauert, so viel Störung im Hause machen
zu müssen.
,Ach!' rief Madame Kollmann, indem sie mit
den schmalen, spitzen Fingern wieder einen Faden
aus der Leinwand zog und glatt neben den anderen
niederlegte,,ach, gebe der Himmel, daß wir Sie
lange unter unserem Dache behalten, Herr General!
denn was stünde uns bevor, wenn Sie gezwungen
würden, uns zu verlassen!?
Frank war achtsam geworden.
,Glauben Sie, daß Napoleon sich hierher wenden
wird, Herr General? fragte er.
,,Er hatte seine Garden noch um sich,' entgegnete
dieser, ,als wir das Feld räumen mußten. Wenn

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er die Kraft dazu hat, eine neue Schlacht zu wagen,
wird er sie gewiß erzwingen, da er es nach beiden
Seiten im Augenblick nur allein mit uns, oder allein
mit Ihrem Heere zu thun hätte.?
,,Und man hat, wenn man das fragen darf,
keine bestimmten Anzeichen für sein Vorhaben? er-
kundigte sich Fränk.
,Es sind kleine Trupps von Franzosen in der
Richtung von Königsberg wahrgenommen, einige
Versprengte eingebracht worden! Vorbereitet sein ist
allealn erwiderte der General, als die Thüre sich
öffnete und Justine eintrat.
Unwillkürlich ging Frank ihr rasch entgegen.
,Den ganzen Tag hab' ich an Sie gedachtl'r
sagte er halblaut, indem er ihr seine Verbeugung
machte.
,Und ich an Sie!f' gab sie ihm mit gewohnter
Offenheit zurück. Dann wendete sie sich zur Tante
und zu dem General und sagte: ,Es ist alles fertig,
man hat einen Schreibtisch in das Zimmer geschafft,
Ihr Adjutant ist neben Ihnen untergebracht ..
,,Und,? fiel der General ihr ein, ,Sie sind aus
Ihrer Wohnung durch uns vertrieben, Mademoiselle,
wie ich eben von Madame Kollmann erfahren habe.
Legen Sie mir nicht zur Last, was ich unfreiwillig
perschulde.?
,Machen Sie sich keine Sorge darum,? versetzte
fie. ,Wer denkt denn jettt daran, in Ruhe leben zu
können? Lebt unsere arme Königin in Ruhe? Sind
Sie selbst in Ihrer Heimat??
,Wie Sie es nehmen wollen!'' entgegnete der
Gefragte.
,So sind Sie von preußischer Abkunft? er-
kundigte sich Frank.
Lewald. Die Familie Darner. U
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,,Auch darauf,'' meinte der General, ,könnte ich
die gleiche Antwort geben. Das Geschlecht derer
von Stromberg ist in Schwaben zu Hause. Ein
Sohn desselben trat dereinst in den Orden der
Deutschherren ein. Er war zur Zeit der Säkularisation
des Ordens Komtur des hier am Haff gelegenen
Deutschherrenschlosses Balga, ward lutherisch und
heirathete eine kurländische Erbtochter. Von ihm
stammten zwei Söhne. Seinen Namen Eberhard ver-
erbte er auf den Sohn, der das kurländische Majorat
überkam, und ihn trage auch ich. Er kommt jedoch
- auch in dem andern Zweige der Strombergs, bei
den Nachkommen seines zweiten Sohnes vor, für den
er hier am Haff ein Anwesen der alten Komturei
von Balga, das Schloß Waldritten, gekauft hatte,
das er ebenfalls zum Majorat erhoben und das
an uns fallen würde, wenn die jüngere Linie, was
der Himmel verhüte, aussterben sollte.r
,Waldritten!r fiel Frank ihm ein. ,Das Gut
Waldritten grenzt, wie ich gehört, mit meines Vaters
Besitzung, mit Strandwieck, zusammen!'r
,,So werden Sie einmal in meinem Neffen und
Pathen, der meinen Namen trägt, in Baron Eberhard
von Stromberg, einen angenehmen Nachbar haben.
Er hat in Heidelberg und Jena Kameralia studirt,
hat vor Jahr und Tag sein Assessorexgmen abgelegt
und wollte, nach dem Brauche seines Hauses, für un-
bestimmte Zeit im preußischen Staatsdienst arbeiten.
Indeß die Poeten und Philosophen, mit denen er in
Jena zusammengekommen ist, die Schöngeister,''
spottete er lächelnd, ,haben es ihm angethan. Er
kehrte nach seinem Examen noch einmal nach Jena
zurüc, ging dann zum zweiten Mal auf Reisen, und
ich weiß in diesem Augenblicke nicht, wohin der treff-
liche Mensch, der aber ein Schwärmer, ein Ideologe

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ist, seinen Stab gewendet hat. Was giebt's?? unter-
brach er sich selbst, da rasche Schritte auf dem Gange
vernehmbar wurden und der Adjutant, ohne sich
melden zu lassen, an die Thüre klopfte, um einen
Bericht zu erstatten.
Der General erßob sich.
gB ls gnerrs comms s lu gnerrs!? sagte er,
sich entschuldigend, und folgte dem Adjutanten.
Vom Platze herauf hörte man Kommandoworte
und Trommelwirbel. Die. Mahlzeit der Soldaten
war unterbrochen, die Truppen nahmen die Mäntel,
die Tornister auf und eilten zu den zusammen-
gestellten Gewehren. Aus der Ferne wurden Trom-
petensignale gegeben, ein Trupp Kosaken jagte mit
jauchzendem Rufe über den Platz.
Frank und die beiden Frauen waren an das
Fenster geeilt. Er hatte Justinens Hand ergriffen.
,Die Franzosen sollen in Aweiden, in Schön-
fließ sein!'' rief Kollmann in das Zimmer tretend.
,Gott im Himmel,? klagte seine Frau, ,was
soll aus uns werden! Was fängt man an? Wenn
John, wenn John nur bei uns wäre!' rief sie unter
Thränen und ließ sich auf das Sopha fallen. ,So
rede doch, Kollmann, rede doch! Du stehst auch so
dä, Justine! Und Sie, Herr Darner, was wird Ihr
-Vater denn thun? Redet doch, was soll man denn
thun? Konrad, redezdoch!'?
,Nichts, auf seinem Posten bleiben und das
thörichte Weinen und Klagen lassen, bis es Zeit dazu
sein wird !' antwortete Kollmann, der in diesem
Augenblick die Geduld verlor, welche er sonst seiner
Frau bewies. ,Wir stehen in Gottes Hand !?
Fnk war noch einmal an das Fenster gegangen.
,Sie brechen guf!'' sagte er. ,Ich muß fort.
Wenn Sie wüßten, was mich das in diesem Augen-
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blick kostet?' fügte er leise, hinzu, während der Lärm
auf dem Platze und das Laufen und das Sprechen
und Befehlen und das Klirren der Schleppsäbel im
Flur und auf der Treppe immer lauter wurden.
Die Tante barg ihr Gesicht in die Kissen des
Sophas, Kollmann ging schweren Schrittes auf und
nieder und blieb darnach auch wieder am Fenster
stehen.
Frank empfahl sich mit kurzen Worten.
,Wenn etwas bei Ihnen vorfällt, Herr Koll-
mann,? bat er, ,lassen Sie's uns wissen, wir wollen
auch Nachricht senden!r
,Wenn es geht!' setzte Kollmann hinzu.
Frank war bleich geworden, Justine standen die
Thränen in den Augen. Als er das Zimmer ver-
lassen mußte, wendete er sich noch einmal ach ihr
um, dem Blicke widerstand sie nicht. Sie folgte
ihm nach.
Draußen breitete er ihr die Arme entgegen; sie
warf sich an seine Brust.
,,Kommen Sie wieder,? bat sie unter seinen
Küssen,,ach, kommen Sie bald wieder!
,Mußt Du darum erst bitten!rr rief er. ,Aber
habe Muth, Justine, solch Glück zerstört der Himmel
nicht! Kann ich, so komme ich heute noch! Lebe
wohllr
,Leb' wohl!' und noch einmal zog er sie an
seine Brust; dann schieden sie.