Die Familie Darner. Roman in 3 Banden.
Fanny Lewald
Kapitel 24

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Ansicht darüber gelangt war, wie bei dieser raschen
Heirath die Einrichtung des jungen Paares möglich
zu machen sein werde.
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Bierundzwanzigstes F=p= -
efik,-s!
Am nächsten Morgen trugen die Lohndiener die
Verlobungsanzeige mittels rosafarbener, goldgerän-
derter Karten zu den Befreundeten und Bekannten
der beiden Familien. Es hätte aber dessen kaum
bedurft, denn noch während man bei Kollmann zum
Frühstück zusammen gewesen, hatte sich die Kunde
von der Verlobung Justinens an der Börse ver-
breitet und war von dort als neueste Neuigkeit heim-
getragen worden.
Neberrascht hatte dieNachricht Niemand, besprochen
wurde sie überall. Jeder wollte diese Heirath von
Anfang an vorhergesehen und erwartet haben, nichts-
destoweniger wunderte man sich über dieselbe. Man
konnte sich's nicht recht vorstellen, wie die beiden
Familien sich als Verwandte mit einander stellen
würden. Ihre Art und Lebensführung war so ver-
schieden. Man war neugierig, zu wissen, wann die
Hochzeit sein, wo die jungen Leute wohnen würden.
Man war gespannt darauf, wie Madame Kollmann
sich darin finden würde, daß sie Justine nicht zur
Schwiegertochter bekam, an der sie doch mit ihrer
bekannten Güte wie eine Mutter gehandelt, ohne
recht eine Tochter an ihr gefunden zu haben, die
der sanften, nervenschwachen Frau so sehr zu wünschen
gewesen wäre.

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=. - John wirklich an Juustine gedacht, die ihn
immer von oben herab behandelt, das war eine
andere Frage. Die jungen Mädchen meinten, wenn
es ihm ernst damit gewesen wäire, hätte er sie ja
haben können, ehe der alte Darner gekommen, ehe
Frank erschienen sei und Justine ihre Passion fütr
diesen so unverhohlen zur Schau getragen habe, als
gäbe es gar keinen andern Mann in der Welt. Sie
hatte aber immer ihren eigenen Kopf gehabt, immer
etwas Besonderes vorstellen, rücksichtslos ihren Willen
thun wollen, und das paßte besser zu den Darners
als zu John, der ein ruhiger und rücksichtsvoller
Mensch war.
John stieg plötzlich sehr im Kurse und seine
Mutter mit ihm.
Als an dem Tage Darner und nicht lange nach
ihm Kollmann an der Börse erschienen, kamen ihnen
gar Viele mit Glückwünschen entgegen.
Darner nahm sie mit der Bemerkung hin, daß
ihm die Wahl seines Sohnes und die verwandt-
schaftliche Verbindung mit seinem Freunde Kollmann
sehr genehm wären.
Kollmann äußerte gegen den alten Berkenhagen
und gegen Konsul Armfield, Justine sei jett zwanzig
Jahre, damit müsse ein elternloses Mädchen unter die
Haube gebracht werden, und Frank Darner sei ein
tüüchtiger Geschäftsmann, die Darners ein solides Haus.
Justinens Vermögen bleibe wie bisher in der Bank
von England. Von einer besonderen Genugthuuuung
sprach er nicht, und Lorenz Darners erwähnte er
ebensowenig. Es klang fast, als sei er froh, Justine
untergebracht zu haben, die doch nuur zu wählen ge-
habt hatte.
Ein Häusermakler trat an Kollmann mit der
Frage, ob man vielleicht ein Haus für Frank zu

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kaufen denke, in welchem Falle er eines in Vorschlag
habe.
Kollmann antwortete, davon sei noch nicht die
Rede gewesen, obschon die jungen Leute in vier
Wochen heirathen würden. Er ging dann bald wieder
von der Börse fort.
,, Kollmann ist verstimmt !'' meinte der Eine.
, Und war so verstimmt, daß er es trotz all
seiner Gelassenheit nicht verbergen kann!' setzte der
Andere hinzu.
,Geschäftlich liegt, so weit man ihm nach-
kommen kann, nichts Unangenehmes vor !'' sagte der
Erstere.
,,Die Verlobung scheint ihm gegen den Strich
zuu gehen,? entgegnete der Andere, ,und wenn das
der Fall ist, wird er seine besonderen Gründe dazu
haben, denn an sich ist ja Frank Darner eine gute
Partie, und Kollmann hat dem Vater seinerzeit gegen
uns Alle die Stange gehalten und sich stark mit ihm
engagirt.?
, Kollmann weiß, was er thut, und hat das
Wohl seiner Nichte sicher im Auge gehabt,'? bedeutete
sein Freund, der Konsul Armfield. ,Aber wozu eine
so übereilte Verheirathung, vier Wochen nach der
Verlobung, da beide Theile hier zu Hause sind?
Derlei gefällt mir nicht! Es sind Alles Neuerungen,
gegen welche gerade Leute wie Kollmann und wir
uns wehren sollten.'?
,Was wollen Sie? Die Darners sind gewohnt,
immer mit vollen Segeln auf Menschenjagd zu
gehen!'' meinte scherzend der alte Berkenhagen, und
ein dabei stehender Hagestolz machte dazu eine witig
sein sollende Bemerkung, welche Armfield mißbilligend
zurückwies, obschon er wiederholte, daß solche Eile
auffallend und aicht guten Geschmacks sei.

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Während dessen war großer Empfang bei Ma-
dame Kollmann und Justinen. Madame Göttling
und die beiden künftigen Schwäigerinnen waren natür-
lich dabei.
Justine in ihrer frendigen Aufgeschlossenheit hatte
nichts Eiligeres zu thun, als Jeder der Ankommenden
mitzutheilen, daß schon in vier Wochen ihre Hochzeit
sein werde, und dann zu berichten, wie sie dies Glüück
zum Theil dem General von Stromberg und seiner
Erzählung von der Trauung vor der Trommel zu
danken habe. Es war ein Lachen und ein fröhliches
Durcheinanderschwaten unter all den jungen Mädchen,
und der Zuruf:,Denken Sie sich, Mutter, stellen
Sie sich vor, Mama, Justinens Hochzeit ist schon in
vier Wochen !'' schallte von dem Tisch am Fenster zu
dem Sophatisch hinüber, an welchem die Frauen sich
um Madame Kollmann versammelt fanden.
,Schon in vier Wochen !? wiederholte Frau
Armfield. ,Mein Gott, weshalb denn eine solche
Eile? Soll denn der junge Darner fortgehen?
, O nein, aber wir leben in Zeiten, in denen
man sich in mehr als das zuu schicken und sich in
allerlei Neberrumpelungen durch Einquartierung von
Freund und Feind oder durch Verlobungen zu fügen
hat!'' entgegnete die Tante, sich zu einen Scherze
herbeilassend. Sie fügte jedoch sofort hinzu: ,Mir
persönlich, bei meiner schwankenden Gesundheit, ist
eine Abkürzung des Brautstandes in gewissem Be-
tracht eine Erleichterung, und wir werden voraus-
sichtlich auch nur eine stille Hochzeit, eine Trauuung
in der Kirche und ein Frühstück haben.'
,, Aber wie werden Sie denn fertig werden? Wo
werden die jungen Leute denn wohnen?' fragte eine
Andere.
Lewald. Die Familie Darner. l.
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, Justinens Ausstattung lag ja seit Jahren in
unseren alten Willberg'schen Schränken und Truhen
bereit. Sie ist, als unser Haus verkauft ward, zu
uns herübergenommen worden; und Frank will's
nach englischer Mode gehalten wissen. Sie wollen
gleich nach der Trauung auf das Darner'sche Gut,
nach Strandwiek, ans Meer hinaus und dort zu-
nächst bleiben. Sein Vater hat schon heute einen
Boten hinausgeschickt, die nöthigen Einrichtungen für
die Bequemlichkeit des jungen Paares dort machen
zu lassen.r?
,Also nur eine stille Hochzeit und kein Polter-
abend, und nicht einmal den Frühbesuch bei der
jungen Frau am andern Morgen?? fragten die
Frauen, die Tante und sich unter einander ansehend.
, Und Anfang April schon auf das Land, an die
See? Wie sonderbar !?
Die Tante zuckte die Schultern.
,Das sage ich mir selber!'r sprach sie. ,Indeß
es hat sich eben so gemacht, und zuletzt denkt man
wie der liebenswürdige General: Wir sind in Kriegs-
zeiten, also s ls guerre comme ls gerre!? Sie
machte dazu eine Handbewegung, die man sich nicht
recht zu deuten wußte. Man deutete sie also, wie
es einem Jeden gefiel.
Diese Besuche wurden von dem Brautpaar mit
den Gegenbesuchen pflichtgemäß erwidert. Das übliche
Mittagbrod im Hause der Braut wurde mit allem
gebührenden Glanze abgehalten; die Einladungen des
Brautpaares in die Häuser der Befreundeten folgten,
weil die Zeit knapp bemessen war, rasch aufeinander.
Madame Kollmann hielt sich von denselben fern,
ihr Mann und die Darners trafen aber fast täglich
zusammen, und diese seit dem Ausbruch des Kriegs
ungewohnte, hastige Geselkigkeit gab täglich erneuten

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Stoff zum Besprechen und Berichten, zeg immer
wieder die Achtsamkeit auf Frank und Justine, auus
Kollmann und auf Darner. Niemand konnte sich
dabei der Wahrnehmung verschließen, daß etwas
anders geworden zwischen den beiden Männern und
zwischen Justine und ihrem Onkel. Es mußte
durchaus etwas vorgegangen, etwas nicht richtig sein
in der Angelegenheit. Kollmann mußte noch etwas
Anderes gegen die Verlobung haben als seine früheren
Pläne mit John, denn der konnte ja zehn Frauen
für eine finden, wenn er nur wollte.
Was die Fernstehenden bemerkten, das konnte
natürlich den Augen Darners und seiner Beobach-
tung nicht entgehen. Er fühlte die Zurückhaltung,
mit welcher Kollmann ihm begegnete, er sah, was es
diesen kostete, sich nicht von ihm zurückziehen zu können,
er verstand sehr wohl, was ihn bewogen hatte, in
die schnelle Verheirathung seiner Nichte zu willigen.
Trotzdem bereute er es nicht, gesprochen zu haben,
denn wie er sich des Glückes seines Sohnes freuute,
hatte ihm persönlich die Erzählung seiner Lebenöge-
schichte eine Befriedigung und eine Befreiung gewäährt.
Freilich war sein Sinn stets frei, sein Gewissen
ruhig gewesen. Die Niedrigkeit, in der er geboren,
die Stellung, zu der er sich empor gebracht, waren
sein Stolz. Daß er im Kampfe Mann gegen Mann,
auf dgs Aeußerste gereizt und mißhandelt, seinen
Gegner erschlagen, war nicht seine Absicht, sondern
ein Unglück bei einer That der Nothwendigkeit ge-
wesen, die ihn zu seinem Heile hinausgeschleudert
aus der Knechtschaft in die Freiheit, auf die Bahn,
die, wie hart und schwer er sie zu durchmessen ge-
habt, doch die ihm gemäiße gewesen war. Wäre er
gläubig gewesen, er hätte Gottes Hand in allem
seinem Erleben erkennen mögen. Da er es nicht war,
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hatte es ihn nur in dem Vertrauen auf sich und in
der Neberzeugung bestärkt, daß Jeder seines Glütckes
Schmied sei, und dem festen Willen die Verhältnisse
sich beugen, daß der Starke einzustehen habe für das
Geschick derjenigen, die er mit aufgenommen habe
in sein Leben und auf seinen Weg.
Die Menschen hatten allmälig ihn beachten, ihn
benützen, ihn schäten lernen und waren dahin ge-
kommen, ihn zu beneiden. Mitten unter ihnen war
er einsam gewesen. Mit' Franks Mutter war für ihn
der lebendige Zusammenhang mit seinen frühen
Jahren, das einzige Menschenwesen dahingegangen,
mit dem er von dem ,bDamals?, von der Jugend
sprechen konnte, auf die man zurückblicken will, wie
traurig sie auch gewesen war. Er war allen ein
Geheimniß gewesen. Selbst seinen fern von ihm er-
zogenen Kindern war er ein Fremder in seiner' Wesen-
heit; und er hatte nicht auf ihre volle, vertrauende
Hingebung zu hoffen, so lange er als ein Räthsel
vor ihnen stand, das sie um ihrer selbst willen- zu
ergründen trachten mußten. Franks Fragen nach
seiner Mutter, der Töchter scheues Emporblicken zu
ihm, wenn man ihrer Mutter zufällig erwähnte,
waren ihm zu einer Mahnung geworden, daß er
nicht lang mehr zögern dürfe. Seine Kinder, seine
Geschöpfe, diese Fortführer seines eigenen Daseins,
sollten ganz Eins werden mit seinem ganzen Selbst.
Seine Vergangenheit sollte die ihre werden, wie ihre
Zukunft die seine; und mochte dann Jedermann er-
fahren, von wannen er gekommen. Was er aus sich
gemacht, waö er aus dem Nichts erschaffen, das mußte
ihnen Bürgschaft werden füür das, was man ihm zu-
trauen und von ihm erwarten durfte.
Aus diesen Gedanken und Empfindungen heraus
hatte er den Entschluß gefaßt, Kollmann im Beisein

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seines Sohnes Rede zu stehen, obschon Kollmanns
berechtigte Anfrage ihn im ersten Augenblicke ver-
drossen hatte; und Justinens Dazwischentreten war
ihm zudem Anlaß geworden, nun auch seinen Töchtern
gegenüber den gleichen Schritt zu thun.
Er hatte einfach berichtet, sich an die harte Wahr-
heit gehalten, aber die Macht der Erinnerung hatte
seinen Worten Gewalt gegeben über seine Kinder
und über Justine. Sie erlebten seine Jugend mit
ihm, sie sahen ihn, den Vater, ihren Vater, geknechtet,
unter Schlägen bluten; sie freuten sich seines Sieges
über seinen Peiniger. Sie sahen ihn flüchten mit
dem armen Mädchen durch das Grausen der Nacht,
sie warteten mit klopfendem Herzen auf den Augen-
blick seiner Rettung und sahen um sich her, um ihr
Los mit dem seinen zu vergleichen, um sich mit
aller ihrer Liebe bewundernd anzuklammern an den
Schöpfer ihres Glückes. Ihre Uniarmungen, ihre
Zärtlichkeiten hatten es ihm bewiesen. Er hatte sich
nicht geirrt in dem Glauben, daß er sie fester an sich
knüpfen, sie sich erst ganz zu eigen machen werde,
wenn er sich ihnen völlig hingab; aber er empfand
es daneben-- in Bezug auf Kollmann und Madame
Göttling hatte er sich getäuscht. Was die Herzen der
Jugend erwärmt und gefesselt, hatte die Alten abge-
stoßen und sie von ihm abgewendet. Sie, die ihm
angehangen, Jeder auf seine Art, standen wider ihn,
das sah er, ohne daß es ihn anfocht. Im Gegen-
theil! Es war nicht das erste Mal im Leben, daß
er die Strömung gegen sich und seinen Kurs durch
sie zu stennern hatte. Sie hatten ihn hinzunehmen,
wie sich zu zeigen es ihm gefiel.
Darner hatte keinem seiner Hörer ein Schweigen
auferlegt. Es war Kollmann, der es als eine Noth-
wendigkeit empfunden, der es seinetwillen und um

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Justinens willen von dieser und von Madame Gött-
ling gefordert. Keine von diesen Beiden hatte ihre
Zusage gebrochen, und doch tauchten gleich nach
Justinens Verlobung über Darner und seine Familie
Gerüchte auf, von denen man bis dahin nichts ver-
nommen, und die doch mit früher Gehörtem im Zu-
sammenhang standen.
Wenn man im Kollmann'schen oder im Dar-
ner'schen Hause einen Besuch gemacht, wenn man sie
bei sich zu Gaste gehabt, immer war etwas Sonder-
bares zur Sprache gekommen.
,Es war doch richtig,' sagte die Eine, ,daß
Justine am Tage vor ihrer Verlobung heimlich zu
Darners gegangen war, und zwar allein am späten
Abendl?
Eine durch ihre böse Zunge bekannte Wittwe,
die noch ihre sämmtlichen vier Töchter zu vergeben
hatte, meinte, das werde wohl nicht das erste Mal
gewesen sein, und Justine werde den Weg wohl im
Dunkeln gekannt haben. Sie habe ja immer wie
die berühmten gelben Katzen und wie die Göttling
an dem Hause gehangen und nicht ohne Absicht von
Anfang an zu den Darners gehalten.
Ein ander Mal hatte ihr alter Freund, der Haus-
arzt, die schöne Braut damit geneckt, daß sie es den
beiden Darner angethan, denn sie werde es nicht
leugnen können: ehe der Sohn gekommen, habe der
Vater ihr gehuldigt, und sie sei sehr von ihm ein-
genommen gewesen.
,,Gewiß,' hatte sie darauf geantwortet, ,mein
Schwiegervater hat mich gleich und immer angezogen,
jetzt aber, seit ich seine Lebensgeschichte kenne, die er
uns am Abend vor unserer Verlobung erzählt, be-
wundere und verehre ich ihn noch weit mehr ?

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Die Tante hatte dem Gespräch mit einer da-
zwischengeworfenen, ablenkenden Bemerkung ein Ende
machen wollen.
Der Doktor hatte diese unbeachtet gelassen und
sich erkundigt, was diese Lebensgeschichte denn Be-
sonderes habe? Und Justine hatte entgegnet:
, O, sie ist viel merkwürdiger und interessanter,
als die Abenteuer des vielgepriesenen Robinson Krusoe,
und romantischer obendrein !'
Auch das ward herumgesprochen. Man erinnerte
sich, daß Robinson von Hause fortgelaufen, daß er
unter Wilde verschlagen worden sei, und dabei siel
den Leuten ein, was Kapitän Schwenten einmal von f
Darner als Sklavenhändler erzählt. Daß er in Afrika ;
gewesen, in den spanischen und englischen Kolonien
gelebt, davon hatte er selbst zum öfteren gesprochen.
Daß die Mutter von Dolores und Virginie im Kloster
sei, das erfuhr man von Madame Kollmann selber.
Es hatte also von einer Heirath für Darner niemals
die Rede sein können; und es war also ein großes
Unrecht von ihm gewesen, neben einem jungen
Mädchen Jahre hindurch den Galanten zu spielen.
Justine hätte eine Neigung für ihn fassen und dies
zu bereuen haben können.
Man wollte hoffen, daß es mit Justinens Ehe
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und Zukunft ein so gutes Ende nehmen möge, als
man es für ihres Vaters Tochter und namentlich
für Kollmann und die gute Frau zu wünschen habe;
denn Justine hatte es ja kein Hehl, daß ihr gerade
das Abenteuerliche an den Darners reizend war, und
damit war es doch eine sehr bedenkliche Sache, wie
mit der ganzen Familie Darner überhaupt.
fahren, wie Darner sie ausgesprochen, so würde es
mit der Möglichkeit des vermuthenden und ergänzenden

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Umdeutens, das die Phantasie zu Erfindungen ver-
lockte, bald ein Ende genommen, ein Für und Wider
würde sich herausgebildet haben, und man würde mit
der Sache fertig geworden sein. Das halbe Wissen,
das halbe Verschweigen hielten die Neugier rege;
und auf dem Boden dieser müßigen Neugier wuchs,
wie der Teufelszwirn auf einer fetten Wiese, ein
Gerede empor, das nicht allein Darner und seine
Kinder, sondern auch Justine umstrickte und aus
dessen Schlingen gar kein Herauskommen war. Denn
selbst als man mit dem unablässigen, forschenden
Fragen, von Madame Kollmann, von Madame
Göttling und von Darners Töchtern als Abwehr
gegen die ungerechtesten Vermuthungen die Thatsachen
herausgebracht hatte, schienen sie diesen Vermuthungen
gegenüber nicht abenteuerlich genug, und man nahm
an, daß noch weit mehr und Nebleres verborgen
würde, wenn man so viel zugestehen müsse.
Ess that Allen leid, daß es war, wie es eben
war, denn sie hatten Alle mit den Darners mehr
oder weniger in Zusammenhang gestanden, hatten
Frank gern gehabt, die Töchter lieb gewonnen, auf
Justine so viel gehalten. Niemand hatte Einem von
diesen Allen übel gewollt. Es war ja ein angenehmes
Haus gewesen, das Darner'sche, und ganz zu brechen
hatte man nicht nöthig, konnte es sogar um Koll-
manns willen nicht, indeß eine Zurückhaltung war
nuun doch einmal geboten.
Wohin sollte es mit der guten Gesellschaft und
mit ihren Sitten kommen, wenn man nicht mehr
darnach fragte, wär die Leute wären und von wannen
sie stammten, die man in sie aufnahm. Verlaufene
Leibeigene, fortgejagte Dienstmädchen, eine entführte
und in das Kloster wieder zurückgekehrte Nonne,
und Sklavenhandel- wenn schon man ihn als eine