Die Familie Darner. Roman in 3 Banden.
Fanny Lewald
Kapitel 05

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Jünftee Kapites
Wenn der Mensch einmal dahin gekommen ist,
an sich und seiner bisherigen Lebensführung zu
zweifeln, läuft er Gefahr, darin zu weit zu gehen,
und muß darnach trachien, Fuß zu fassen, um nicht
auf neue falsche Wege zu gerathen; das empfand Eber-
hard, als er an dem Abend in seine Wohnung kam.
Er zündete sein Licht an, setzte sich an den Se-
kretär und nahm noch einmal das Antwortschreiben
zur Hand, welches er auf sein Ansuchen um Ver-
wendung bei der Regierung erhalten hatte. Es war
in demselben ungewiß geblieben, ob man ihn sofort,
ob in Königsberg oder in Gumbinnen beschäftigen
werde. Der Landhofmeister von Preußen, ein der
Familie Stromberg verschwägerter, von dem Könige
geschätzter Beamter, hatte ihm aber in einem nicht
amtlichen Briefe, seine Verwendung zugesagt und ihm
den Rath ertheilt, die Entscheidung in Königsberg
abzuwarten, wo er die maßgebenden Personen durch
sein gelegentliches Erscheinen leichter als mit neuen,
schriftlichen Eingaben an sich erinnern könnte.
Darnach hatte er handeln wollen und er hatte
vorgehabt, die Zeit zu nüten, indem er sich mit der
Spezialgeschichte der Provinz und der Stadt be-
schäftigte, für welche die Stadt- und die Universitäts-
bibliothek ihm Material darbieten mußten. Wer aber
konnte ihm sagen, ob es sich mit diesem Abwarten
um Tage, um Wochen, um Monate handeln würde?
Und für seine Befähigung, seinen Landsitz selbst zu
verwalten, war damit wieder nichts gethan, während
er sich diesem Landbesitz doch schuldete.
Seine Vorfahren hatten ihn erworben und in
seinem Werth für ihre Nachkommen, für ihn, den

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gegenwärtigen Besitzer, erhöht. An ihm war es
also, den Namen derer von Stromberg und ihren
Besitz zu erhalten und ihn aus seinem augenblick
lichen Verfall herauszuarbeiten für seine dereinstigen
Erben.
Mit dem Gedanken an seine Pflicht, an Wald-
ritten, an die eingeschlagenen Thüren des Schlosses,
an die niedergebrannte Mühle, an die Berechnungen
des Verwalters, die er mit sich genommen, hatte
er sich niedergelegt; und der weitere Gedanke, daß
er ein schlechter Rechner sei, hatte ihn verdrossen,
denn er war darauf angewiesen, zu rechnen und
genauer zu rechnen, als er es bisher gewohnt ge-
wesen war. Neberlegend, auf welches geringste Maß
er sich in seinen persönlichen Ausgaben beschränken
könne, ohne dem äußern Anstande zu nahe zu treten,
den er auch nicht nur sich, sondern seinem Namen
schuldete, und mit dem wiederholten Vorsatz, daß es
mit dem Leben nur für seine Befriedigung und mit
dem Träumen ein Ende haben müsse, war er spät
eingeschlafen. Indeß nur über das wache Träumen
hatte er Gewalt, nicht über die Träume, die der
Schlaf ihm bringen konnte.
Denn die Flügel der Windmühle in Waldritten,
die er als Kind für einen großen Vogel gehalten,
über den er sich gewundert, weil er immer an dem-
selben Fleck geblieben und nie hoch hinauf in die
Luft geflogen war, diese Flügel waren über und
über mit Zahlen beschrieben und drehten sich immer
geschwinder und geschwinder, bis sich schimmernde
Fäden zwischen ihnen ausspannten, die allmälig hell --
zu leuchten anfingen und Strahlen zu werfen be-
gannen, hoch hinauf, hoch hinauf! Und er trat in
die Mühle hinein, zu sehen, was denn der arme
alte Müller, dem sie auch das letzte Hemd genommen

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und die Stiefel von den Füßen gezogen, zu seinen
Mühlenflügeln sage; aber sie hatten sogar die Wände
in der Mühle ausgebrochen, so daß er durch die
Thüre gleich hinaus ins Freie trat, und statt der
Quitschenbäume?s, die dort vor dem Kohlgarten ge-
standen und in denen er neulich noch die Netze hängen
sehen, mit denen man die Krammetsvögel bei ihrem
Zg gen Süden aufzuhalten getrachtet, breitete sich
ein großer Garten aus. Bunte Schlinggewächse
rankten sich an den blühenden und goldene Früchte
tragenden Orangenbäumen hinauf zu den Palmen
und Karuben, daß er sich fragte, wo er denn sei?
,Weißt Du das nicht?? entgegnete ihm der Stamm-
herr seines Hauses und reichte ihm aus dem schwarzen
Rittermantel die Hand entgegen. ,Bist Du so lange
fern gewesen von dem Orte, an den Du hingehörst?
Hier ist ja der Eingang in das Schloß Deiner
Väter !'? Damit nahm er ihn bei der Hand, und
sie schritten durch die thürlose Halle hinauf in das
Zimmer, in welchem Darner und seine Gäste beim
Kaffe ihre Eigarren rauchten, und Darner sagte
wieder, gerade so wie Eberhard es von ihm gehört:
,,Was wollen denn Königreiche und ihre Herrscher
jetzt noch bedeuten, da wir es erlebt haben, wie man
sie stürzt und umstürzt und neu auus dem Stegreif
fabrizirt? Mlles ist wandelbar, nur nicht die solide
Thatsächlichkeit der Zahlen. Ob in Kassel Jerome
Bonaparte oder der Kurfürst von Hessen ihr Regiment
führen - zweimal zwei bleibt vier unter der einen
wie unter der andern Regierung. An Gesetzen läßt
sich deuteln, vor dem Abschluß einer doppelten, gut
geführten Buchhaltung verstummt der Witz!'? Darauf
lachten wieder alle die Männer, aber Virginiens
? So nennt man in Preußen die Eberesche.

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helles Lachen klang dazwischen und sie rief: ,Haben
Sie denn niemals Seifenblasen gemacht? Das ist
ja das größte Vergnügen! Sehen Sie all die Farben
zwischen den Mühlenflügeln, das sind ja lauter
Seifenblasen !?--- ,Laß die Possen, Mädchen! fiel
ihr Justine ein, und wie sie das gesagt hatte, stäubten
die Farben verschwebend auseinander-- und Eber-
hard erwachte.
Es war noch völlig dunkel um ihn her, er mußte
sich besinnen, wo er war. Er suchte mit dem Blick,
nach welcher Seite die Fenster lagen, und wie dann
die wirren, phantastischen Gebilde seines Traumes
an ihm vorübergezogen, fiel es ihm auf, daß Justine
und Virginie unter ihnen gewesen waren und nicht
Dolores, die ihm als die Anmuthigste von den Dreien
erschienen war. Aber auch dieser Einfall huschte so
rasch an ihm vorüber wie der ganze Traum; nur
Darners Worte, die sich ihm gestern scharf ein-
geprägt, klangen auch jetzt noch deutlich in ihm nach:
,, An Gesetzen läßt sich deuteln, vor dem Abschluß
einer gut geführten doppelten Buchhaltung verstuummt
der Wiz !'-
Er entsann sich, was Goethe im ,Wilhelm
Meister'' über die Bedeutung der doppelten Buch-
führung sagt. Die hatte er zu lernen! Rechnen
m ußte er lernen! Das war in diesem Augenblick
für ihn das Wichtigste, wichtiger als die Chroniken und
Urkunden in den Bibliotheken, und eine Hexerei konnte
dasjenige für ihn nicht sein, was ungeschulte Juden-
jungen und Ladenschwengel für ihre Zwecke zu be-
wältigen vermochten; wäährend ihm die Kenntniß
dieser Rechnungsführung vielleicht auch in dem Falle
sehr zu statten kommen konnte, wenn man ihn in
dem Departement des Steuerwesens beschäftigten sollte.
Er wollte sich bei Frank wegen eines Lehrers er-

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kundigen; und sich daneben in den Bibliotheken um-
zusehen blieb ihm doch noch Muße geng.
Da er Frank während seiner Geschäftszeit nicht
stören mochte, galt an dem Tage sein erster Gang
der Bibliothek. Er verweilte dort ein paar Stunden
und sprach dann auf seinem Wege nach dem Kneip-
hof bei der Comtesse noch vor.
Er fand sie und ihre Umgebung ganz wie bei
dem früheren Besuche, nur daß ihm heute, wo es
draußen frisch gewesen war, die stark geheizte Luft
in ihrer Wohnung schon im Eintreten drückender und
der süßliche Geruch des Potppurri unangenehmer
erschienen als neulich. Er erkundigte sich nach ihrem
Ergehen. Sie antwortete ihm mit der Frage, ob er
bei den Darners gewesen sei, und setzte, als er ihr
das bejaht hatte, sofort hinzu:
, Ich freue mich, daß Du so bald wieder ge-
kommen bist, denn wir Alten sind es so sehr gewohnt,
daß die Jugend uns jede sie betreffende Meinungs-
äußerung übel nimmt. Ich fürchtete schon, Du würdest
scheu geworden sein.?
,,Wovor denn? unterbrach er sie erstaunt.
,Vor meinem Rathe, nicht zu eilig mit Deinem
Besuche bei den Darners zu sein! Wie hast Du's
bei den Leuten denn gefunden??
Eberhard hatte auf ihre neuliche Warnung gar
kein Gewicht gelegt, jetzt machte sie ihn vorsichtig.
, Wie der Onkel es mir geschildert. Es ist eine
sehr gebildete Familie in einem reichen, auf bestem
Fuß gehaltenen Hause.?
, Und schöne Töchter, reiche Argenterie, feinste
Weine, vorzügliche Küche, setzte die Comtesse hinzu,
,, und Alles blank und neu! Ja, damit zwingen
sie'a! Aber laß Dir eine alte Geschichte erzählen.
Ich war ja auch einmal jung -= nun, und zu leiden,

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wie man zu sagen pflegte. Ich war zweiundzwanzig
Jahre, da kam ein Graf Moczinski auf das Gut.
Du hast wohl gehört, die Moczinskis ind ange-
sessen diesseits und jenseits der Grenze, und der
Onkel von dem Grafen Jeanot war Adelsmarschall
dazumal: Graf Jeanot hatte mich gesehen bei den
Ebersteins in Eberstein, und war gekommen um
meinetwillen. Ein schöner Mensch mit feiner Konduite.
Nun, er hätte mir gefallen können! Da kam aber
des Vaters alter Kammerdiener, der den jungen
Grafen bei uns zu bedienen hatte, und sagte, während
er den Vater puderte: ,Herr Graf, nichts für ungut,
aber mit dem polnischen Herrn ist es nichts, alles zur
Parade, nicht ein altes Stück in seinen ganzen Sachen!?
Und der Vater ließ sich das gesagt sein; und wie er
dann weitere Erkundigungen einzog -- da war's auch
nichts; und es blieb zu Hause und mit mir beim
guten Alten!''
Eberhard, dem bei seinem historischen Sinne
Erzählungen über die Vorfahren seiner Eltern immer
Freude machten, hatte der Comtesse mit Vergnügen
zugehört. Als sie geendet hatte, sagte er:
,,Das ist eine feine und richtige Bemerkung gegen-
--Aber einem Edelmann aus altem Hause. Wer jedoch
wie Herr Lorenz Darner nichts in die Welt mitbringt
als seine gesunden Gliedmaßen, einen klugen Kopf,
ein muthiges Herz und den Fluch der Knechtschaft,
wie er selbst es in dem Trinkspruch neulich bei
seinem Gastmahl nannte, dem bleibt ja nichts übrig,
als für sich und die Seinen Alles neu zu beschaffen,
was sie bedürfen; und wem das in dem Maße ge-
lingt wie diesem Manne, der hat Recht, dünkt mich,
stolz darauf zu sein!''
Die Comtesse schüttelte langsam das schmale
Haupt.

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,Also Du, mein Lieber, gehörst, wie ich eben
aus dieser Vertheidigung vernehme, auch zu Denen,
die ein neues goldenes Zeitalter erwarten, das der
Menschheit von außen herangebracht werden soll!
Wie seid Ihr blind und wie ungerecht in Eurer so-
genannten Gerechtigkeit!''
, Gilt Ihre Bemerkung der Befreiung unserer
Hörigen?? fragte der Neffe, da er sah, daß die
Comtesse Alles unbeachtet gelassen, was er zu
Gunsten der Darner'schen Familie gesagt, und sich
nur an das Wort über die Knechtschaft gehalten hatte.
, Gewiß,' gab sie ihm zur Antwort, ,benn ich
verstehe Dich nicht und alle diejenigen nicht, welche
dieser neuen Zeit vertrauenövoll entgegensehen. Mich
-- mich trifft das neue Gesetz nicht, denn ich nenne
nicht eine Ruthe Land mein eigen, und wenn meine
Regine auch meines Vaters und somit meine Hörige
war, so ist sie mir noch anders hörig als durch das
Gesetz und wird mir einmal die Augen zudrücken,
obschon man ihr jetzt erlaubt hat, davon zu laufen.
Aber Du-- Du, mein Herr Neffe, sagst sehr richtig:
die Befreiung unserer Hörigen und freust Dich darüber,
wie Du behauptest. Das bewundere ich!'
Es flog dabei ein spöttisches Lächeln über ihre
Liypen, das sie jedoch gleich unterdrückte.
, Ich? Ich finde es nichts weniger als an-
genehm, fuhr sie fort, ,wenn man mir nimmt, was
mir gehört! Aber freilich, ich bin aus der alten Zeit,
und das, was sie da drüben in Frankreich und jett
auch hier von Menschenrechten reden, das will nicht
mehr in meinen alten Kopf, und darum verstehe ich
Dich auch nicht!r
,So sind Alt und Jung in diesem Augenblick
ganz in der gleichen Lage, gnädigste Tante, denn
ich kann mir diese Anschauuung in Ihnen nicht zurecht-

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legen. Sie glauben an das weise Walten der gött-
lichen Vorsehung, Sie unterwerfen sich derselben mit
Vertrauen, sind unserem Könige in Gehorsam ergeben
und dabei wohlthätig. Sie sind, wie Sie gestern noch
Madame Darner mit Verehrung nannte, Sie sind
menschenfreundlich .. .?
, Nicht auf Kommando ? fiel sie ihm lebhaft ein,
und heftiger werdend, als er es für möglich gehalten
hatte, setzte sie hinzu: ,Wir Elmenhorsts sind gewiß
die letzten, uns aufzulehnen gegen den Willen und
gegen die Gesetze unseres Königs, und wenn er uns
Hab und Gut entreißen will, so werden wir's er-
tragen. Aber wäre es nicht Seine Majestät, der
das neuue Gesez gegeben hat, ich würde-- Gott
verzeih mir die Sünde! - sagen, sie handeln wie
der katholische Heilige, der Sankt Erispin, der aus
Leder, das er Anderen genommen, den Armen Stiefel
machte! Wo soll der Respekt vor dem fremden
Eigenthum unter dem Volke herkommen, wenn der
Staat unser Eigenthum, das Eigenthum der alten
Geschlechter nicht mehr achtet? Menschenrechte, welch
eine abgeschmackte Vorstellung! Hat nur das Volk
auf unseren Höfen, nur die Krapule Rechte? Haben
wir sie nicht? Du wirst's zu empfinden haben,
junger Herr, wenn Deine freien Mitmenschen für
jeden Botengang, den Du sie schickst, und jeden Axt-
schlag und Dreschflegelschlag, den sie für Dich zu
thun haben werden, den Lohn verlangen ! Und ver-
hungern und verkommen kannst Du sie nebenher
doch auch nicht lassen, wenn Du das Elend nicht
- vor Augen haben willst! Es wird Manchen ruiniren,
der tren zu seinem Könige gehalten hat! Wen's
helfen wird, das ist noch die Frage; und zu rechnen,
mein Lieber, wirst Du auch damit haben und keinen
Dank davon, darauf verlaß Dich!'-

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, Regine,? rief sie, indem sie rasch die kleine
silberne Klingel in Bewegung sezte, die neben
ihr auf dem Tische stand. ,ein Glas Mlsure
Orange !?
,Ich bedaure, daß ich Sie so aufgeregt,' sagte
Eberhard und wollte aufstehen, um sich bald zu
entfernen, da er voraussah, es werde in diesem
Punkte mit der Comtesse keine Verständigung z
finden sein.
,Mache Dir kein Gewissen darauus, lieber Freund,
und bleibe sitten. Bist Du doch nicht der Einzige,
der mir beweisen will, daß der alte Wahlspruch
unseres Landes, das Snum euigue, jetzt nicht mehr
dasselbe bedeutet wie noch vor sechs Wochen. Jedem
das Seine! Das hieß bislang: Jedem das, was
ihm gehört!? Jetzt jedoch soll's mit einem Mal
heißen: ,Jedem, was ihm gebührt! Nun, unseren
allerhöchsten Herrschaften gebührt unsere unterthänige
Verehrung, und wir zollen sie ihnen, das weiß Gott,
von Herzen und haben uns in unseren Schranken
gehalten und zu ihnen in Unterthänigkeit emporge-
sehen, wie es sich gebührt. Ob die Leute, denen man
erklärt hat, sie brauchten nicht mehr in Unterthänigkeit
zu uns empor zu sehen, das nicht auch auf die höchsten
Herrschaften anwenden werden, das wird sich erst zu
zeigen haben!''
Sie trank noch einmal von ihrem Orangenwasser,
fächelte sich Kühlung zu und sah Eberhard an, eine
Entgegnung oder Zustimmung erwartend. Da er
schwieg, fragte sie ihn, was er denke.
,Nöthigen Sie mich nicht, es auszusprechen!
entgegnete er ihr, zu scherzendem Tone übergehend.
, Genire Dich nicht, ich bin an Widerspruch ge-
wöhnt!'
, Ich frage mich, theure Tante, wie Ihre

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religiösen und Ihre aristokratischen Neberzeugungen
sich miteinander vertragen, wie Sie die christliche
Lehre, daß wir Alle gleich sind vor Gott.- -
, Vor Gott,'' fiel sie ihm mit Nachdruck ein,
,. nicht hienieden!' und da sie sah, daß er sein
Lächeln über diese Aeußerung nicht unterdrücken
konnte, sagte sie: ,Sprechen wir nicht mehr davon;
ich bin, wie es uns vorgeschrieben ist, in der heiligen
Schrift, unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über
mich hat; und wenn es heute meiner Regine gefällt,
nach Seiner Majestät Bewilligung, ihrer Wege zu
gehen, so werde ich sie nicht halten. Aber meines-
gleichen ist sie deshalb nicht, den Bildungsgrad ganz
abgerechnet. Altes, reines Blut ist altes, reines Blut,
und der Majoratsherr von Waldritten will. das
leugnen? Das ist erst recht zum Lachen! Heirathe
eine Freigelassene, wer will Dir's wehren, wenn Du
Waldritten für sie aufgiebst? Aber nachher, mein
Lieber, erzeige mir dann wenigstens die Ehre, sie mir
nicht vorzustellen !'?
Sie war über die bloße Vorstellung einer solchen
unmöglichen Möglichkeit plötzlich guter Laune geworden,
und ihre Eigenart gefiel und belustigte Eberhard;
denn wie sehr er auch von dem Geiste der neuen
Zeit durchdrungen war, hielt er doch nicht weniger
als die Comtesse auf seine Herkunft von edlem, altem
Stamme; und so schieden sie nach dem kleinen Zwie-
spalt erst recht als gute Freunde.