Die Familie Darner. Roman in 3 Banden.
Fanny Lewald
Kapitel 21

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Einunddreißigstes Kapitel!
Es war ein Lichtstrahl gefallen in Dolores' Herz.
Man vermied es nicht mehr, in ihrem Beisein von
Stromberg zu sprechen, und sie selber fragte Virginie
in stiller Stunde, ob sie nicht finde, daß er noch
stattlicher, noch männlicher geworden und was zwischen
ihm und dem Vater und Frank verhandelt worden
sei. Virginie hielt nicht zurück mit dem, was sie
davon erfahren, wußte aber der Schwester Empfinden
zu ehren. Und doch kehrten allmälig die Röthe auf
der schönen Wittwe Wangen, das Lächeln auf ihre
Lippen und in ihre Augen zurück. In dem Herzen
der trauernden, vom Leben schwergeprüften Frau,
tauchte ein neues Hoffen in stiller Feier auf und
wuchs empor, wenn auch durch ihr Erinnern noch
verhüllt.
In der Stadt aber hatte man sich keiner Feier,
auch nicht der derWeihnachtstage zu erfreuen; Franzosen
und Russen und die eigene Ungeduld ließen Keinem
Ruhe.
Da die Franzosen an ein Verweilen nicht mehr
denken konnten, suchten sie in wilder Hast zusammen-
zuraffen, was ihnen für ihren Rückzug dienen, zu
zerstören, was sie nicht mit sich nehmen konnten, um
es den Russen nicht in die Hände fallen zu lassen.
Die Pulvervorräthe in der kleinen Festung und in
der Umgegend der Stadt wurden vernichtet; was
man irgend für brauchbar erachtete, ohne Weiteres
aus den städtischen Magazinen, aus den Niederlagen
fortgenommen. Wo die Bürger sich dem widersetzten,
kam es zu Zusammenstößen zwischen ihnen und den
raubenden Franzosen, bei welchen diese den derben
preußischen Fäusten unterlagen, die ihr oder des

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Landes Eigenthum, wie ihr eigenes vertheidigten.
Bald kam eine beunruhigende Kunde aus dem einen,
bald aus dem anderen Stadttheil.
Es galt nach allen Seiten hin, auch gegen die
Einquartierung in den Häusern, mehr denn jemals
sich zu behaupten. Die Hausfrauen, Justine wie
Virginie, mußten sehen, wie sie sich halfen; denn die
Männer bekam man in den Familien kaum mehr zu
sehen, so lasteten und drängten für Jeden die Geschäfte;
und dabei war man von dem Verkehr mit der übrigen
Welt fast abgeschnitten.
Es kamen keine Zeitungen; was man erfuhr,
erfuhr man als Gerücht. Einem Jeden lag schwer
die Frage auf dem Herzen, was werden würde aus
dem preußischen Armeekorps, das sich von den Fran-
zosen losgesagt, das schon diesseits der Grenze, das
in Lithauen stehen und nur darauf warten sollte,
an der Verfolgung der Franzosen. Theil zu nehmen,
während es nicht wußte, ob sein Füührer ihm bleiben,
oder ihm zur Strafe für seine selbstständige Ent-
scheidung genommen werden würde.
So ging das Jahr zu Ende; aber der erste Tag
des neuen Jahres brachte endlich unerwartet den Be-
ginn der Erlösung für die Stadt.
Am Neujahrstage zogen der König von Neapel
und die französischen Garden von Königsberg ab.
Ein paar Tage später erfuhr man von großen Ge-
fechten zwischen den flüchtenden Franzosen und den
Russen, bei welchen die Letzteren den Sieg davon-
getragen. Am vierten Januar erschienen die Russen
vor den Thoren, obschon die Franzosen unter
Macdonald und Ney, die Stadt noch innehatten.
Abends, als es dunkel geworden war, sah man
den ganzen Himmel gegen Norden und Osten von
den Wachtfeuern der Russen erhellt, und die Ein-
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wohner erhielten, wie schon vordem, von den Fran-
zosen den Befehl, Lichter an die Fenster zu seten,
um die Straßen damit zu erleuchten. In allen
öffentlichen Gebäuden, in den Amtszimmern der
Regierung, der Stadtverwaltung, der Post waren
die Beamten an ihren Plätzen. In den Familien
saß man in banger Spannung bei einander. Auf
den Treppen, in den Stuben, in denen die Ein-
auartierung untergebracht war, vernahm man ein
unstetes Kommen und Gehen.
Darners Geschäftsbeamte hatten wieder einmal
im Komptoir zu wachen, während er im Rathhause
an seinem Platze war. Das Konsulat war erleuchtet.
Nach des Vaters Anordnung sollten seine Töchter
bei Justine bleiben. Frank kam ab und zu hinauf,
nach den Seinen zu sehen. Die Einquartierung ver-
langte zu später Stunde noch einmal Speise und
Trank. Eine bestimmte Antwort auf die Frage,
was man vorhabe, war nicht zu erlangen. War
es auf einen Kampf, war es auf den Abmarsch ab-
gesehen?
Die Unruhe machte die Minuten schleichen und
lasten. ,Es ist heute, sagte Virginie, als Frank wieder
einmal hinaufkam, ,es ist heute wieder gerade so wie
in der Nacht, in welcher man vor sechs Jahren das
Einrücken der Franzosen erwartete, und der Vater
mich und Dolores zur Ruhe schickte und mit Dir
wachte. Grade so!r
,Nein,' entgegnete ihr der Bruder, ,es ist
anders, und wie schwer es auch sein mag, es ist
besser. Damals waren wir hier Fremde, obschon
der Vater seit drei Jahren hier ansässig geworden.
Wir waren durch kein Gefühl der Heimat mit der
Stadt oder mit dem Lande verbunden, wir wurzelten
nur in unseres Vaters Liebe. Jetzt aber haben wir

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hier unsere Heimat, haben wir ein Vaterland, und
ich denke an Schillers Wort und an den Tag, da
Eberhard es zum ersten Male vor uns aussprach:
,Alns Vaterland, ans theure, schließ Dich an, das
halte fest mit Deinem ganzen Herzen, hier sind die
starken Wurzeln Deiner Kraft!?- Und wir werden
es zu beweisen haben, Alle- auch Ihr drei Frauen!
daß wir die Kraft der Vaterlandsliebe gewonnen
haben hier im Lande, welche ihre Opfer mit Frendig-
keit zu bringen vermag.- Aber- was ist das,
was geht da vor??-- fragte er, als es plötzlich
laut wurde nebenan in den Stuben und über
ihnen. Auch auf den Treppen wurden rasche Määnner-
tritte, rasch einander folgend, vernehmbar, und die
Thür des Zimmers öffnend, sah er, daß die Ein-
auartierung mit Sack und Pack in Bewegung
war, daß sie ohne ein Wort der Benachrichtigung
das Haus verließ. Einer und der Andere von den
Offizieren rief, als er des jungen Hausherrn ansichtig
wurde, ihm wohl ein ,säieur und ein ,mereik zu;
aber das Gefühl ihrer Schmach machte die Stimmen
klanglos, und als die Nachtwächter die elfte Stunde
ausriefen, zogen in langen, langen Reihen gespenstisch
die Reste der großen Armee schweigend und eilig
durch die Straßen.
,,Gottlob ! ertönte es von Mund zu Munde
und unwillkürlich falteten sich manche Hände; und
mit dem zwölften Glockenschlage der Mitternachts-
stunde huschten schon die ersten Trupps der Kosaken
wieder einmal auf ihren unbeschlagenen Pferden
durch die erhellten Straßen, zu sehen, ob die Stadt
von den Franzosen verlassen sei. Sie wurden mit
Freuden begrüßt.
Im Schloßhof wurden sie mit Speise und Trank
gelabt, ehe sie davon jagten, dem kommandirenden

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russischen General die Nachricht hinauszubringen, daß
seinem Einrücken nichts im Wege stehe.
Am Morgen zogen die Russen ein. Indeß diese
ersten Korps verweilten nicht lange. Es galt, die
Franzosen zu verfolgen. Aber mit um so größerem
Eifer begrüßte man die nachrückenden Regimenter,
die sich vorläufig festsetzten in der Stadt; und seit
dem Tage, an welchem vor sieben Jahren die könig-
liche Familie aus Königsberg geflüchtet war, herrschte
zum ersten Male wieder Freude in den Mauern und
in den Herzen.
Jetzt erst durften sich die Vaterlandsliebe und
die Entschlossenheit frei bethätigen, mit welcher man
in Ostpreußen sich dem Könige schon nach den großen
Niederlagen im Jahre 1806 zu der allgemeinen
Volksbewaffnung erboten, die er zurückgewiesen, hatte;
jetzt bereitete man sie vor, ohne die Aufforderung
zu derselben abzuwarten. Männer wie Frauen
waren geschäftig, ihrer eigenen Einsicht, dem Drang
des Volkswillens folgend, sich auf den Krieg zu
rüsten, während der Mann, der in Rußland den
ersten Anstoß zu dieser selbstständigen Handlungsweise
gegeben, noch immer nicht wußte, ob der König sie
ihm als Großthat, ob als Verbrechen anrechnen
würde.
Darner war wie verjüngt. Ein Volk, das es
sich trotz seiner Königstreue herausnahm, den König
vorwärts drängend zu einer Entscheidung zu treiben,
das entschlossen war, Alles an Alles zu setzen, das
war das Volk, zu dem er gehörte, das waren seine
Sinnes- und Landesgenossen! Ein Volk voll. Muth
und Thatkraft, ein Volk von Männern!-- Die
Dohna, die Schön, die Auerswald, die Aristokraten
und Beamten waren seine Männer, der General von
Hork vor Allen! Darner hatte den Adel gehaßt in

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seiner Jugend, gering gedacht von den Beamten,
Kaufmannsverbindungen geplant, die den Krieg uun-
möglich machen sollten; und nun reichten alle Stände,
reichten Adel und Beamte, Kaufleute, Bauern, Hand-
werker einander die Häände, nun ersehnte er selber den
Krieg, bei dem auch er seinen großen Einsatz darzu-
bringen hatte- den Krieg als Mittel zur Freiheit
und zum Frieden!
Er hatte seinem Sohne am Weihnachtsabende
das Zugeständniß gemacht, daß diese letzten sechs
Jahre für dessen Entwicklung nicht verloren gewesen
wäären; und er hatte in der nämlichen Stunde es
ebenso in sich empfunden, wie vollständig die Er-
fahrungen dieser Jahre auch ihn gewandelt, der in
sich und mit seinen Neberzeugungen fertig zu sein
geglaubt, als er nach Königsberg gekommen war,
als er sich zugetraut, das Schicksal seiner Kinder
nach seinen Planen und Absichten gestalten zu können.
Er war ein Anderer geworden, aber er durfte sich
sagen: kein Schlechterer!
In der Begeisterung, in welcher man lebte, be-
dachte man es nicht, daß man sich im Augenblick s
.
Truppen in Königsberg erschien, als die Studenten
ihm in feierlichem Aufzuge ihre Huldigung dar-
brachten, als die Stadt Feste zu seiner Ehre feierte,
kehrte auch eine neue Freude ein in Darners eignes
Haus.
Vom Schlosse aus hatten die verschiedenen
Truppentheile ihre Wege nach den Kasernen genommen.
Man hatte die einzelnen Bataillone durch die Lang-
gasse marschiren sehen, aber-
, Kommt denn die Artillerie nicht, kommt sie
nicht? hatte Virginie gefragt und immer vergebens

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gefragt, denn die Artillerie hatte ihren Weg von
der oberen Stadt östlich eingeschlagen,- um ihre alten
Quartiere auf dem Haberberg wieder einzunehmen;
und dazu hatte Frank von der Straße herauf noch
die Nachricht gebracht, daß ein Theil derselben für
das erste noch außerhalb der Stadt verbleiben werde.
Aber er war doch da, es mußte Nachricht von
ihm kommen! Der Major mußte kommen!
Nachricht drängte auf Nachricht an dem Tage.
Es war damals ein Gefecht wenig Meilen von Königs-
berg zwischen Russen und Franzosen vorgefallen, in
welchem die Franzosen ebenfalls unterlegen. Man
freute sich des von Herzen, bekam jedoch wieder Ver-
wundete zu verpflegen.
Pillau war befreit, die Franzosen aus der Festung
vertrieben. Das war ein Glück, man konnte doch
wieder an Strandwiek denken!-- Allein es war schon
sechs Ühr Abends und noch war der Major nicht da.
Virginie hatte den ganzen Tag im Hause zu
schaffen gehabt. Das Haus mußte wieder für die
Familie bewohnbar gemacht werden, nachdem es durch
Monate wie eine Kaserne benutzt worden war.
Handwerker trieben von früh bis spät ihr Wesen
darin, und nun diese sich am Abend entfernt hatten,
nun saß Virginie mit der Schwester und der
Schwägerin beisammen in dem wieder frei gewordenen
Zimmer des Vaters, und die feinen Hände, die vor
ein paar Jahren mit mühsamsten Kunststickereien
beschäftigt gewesen waren, die Altäre in den ver-
wüsteten Kirchen neu zu schmücken, arbeiteten heute
eifrig mit Scheere und Maß und Nadel und hoben
die schweren Rollen grober Leinwand von dem Boden
auf die Tische und ordneten die fertig gewordenen
groben Männerhemden in Päcke; denn es gab jetzt
für die Frauen aller Stände nur die eine Arbeit:

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Hemden, Brodbeutel und was sonst zu schaffen war,
für die Landwehr-- für die Landwehr, die aufge-
rusen, einberufen werden mußte---- es konnte nicht
anders sein!-- und für das Pork'sche Korps zunächst,
das Mangel litt an Allem!
Das Pork'sche Korps!-- Und es war sieben
Ühr des Abends!-- Und sie nähten und nähten!
-- Und in dem Zimmer sah es wie in einem Lein-
wandmagazin aus wie jetzt überall, wo Frauen
walteten, die zumt Tugendbunde gchörten, und Vir-
ginie sagte:
, Es ist eigentlich nicht richtig, daß wir Alle nur
immer die groben Hemden nähen! Man müßte doch
auch an die Offiziere denken !?- Und wie sie das
gesagt hatte, lächelten die beiden Anderen und sie
lachte mit- und es war doch schon ein Viertel
nach sieben!-- Das Weinen war ihr näher als
das Lachen, und sie war doch kein Kind mehr. Sie
war ein Mädchen von dreiundzwanzig Jahren, und
älter als ihre Jahre durch die Erfahrungen, die sie
zu machen gehabt. Unbegreiflich, daß er noch nicht
da war, daß er nichts von sich hören ließ, wenn ihn
der Dienst zu kommen hinderte!
Im Vorderhause aber hatte bald nach sieben
Ühr die Glocke an der Hausthüre angeschlagen, die
Thüre sich aufgethan, und fest eingeknöpft in seinen
Oberrock, die Feldmütze tief in die Stirne gedrückt,
war ein Offizier durch die kalte Nacht ins Haus
getreten.
, Herr Stadtrath Darner im Komptoir?' hatte
er gefragt. Der Hausknecht hatte bejahend geant-
wortet, der Offizier war in das Komptoir gegangen,
er hatte den Weg gekannt, und Jener hatte sich wieder
in den runden hölzernen Lehnstuhl zur Seite der
Komptoirthüre niedergelassen, des Dienstes wartend,

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bis er gerufen würde. Er hatte weiter nicht geachtet
auf den Offizier. Es kamen so Viele in das Kon-
sulat und ins Komptoir, Russen sowohl als Preußen,
seit man die Franzosen los war.
Der Offizier wendete sich an den Handlungs-
diener, der zunächst hinter dem Gitter arbeitete.
Die Hand an die Mütze legend, nannte er seinen
Namen mit der Bitte, ihn dem Chef des Hauses
anzumelden.
Der Gehilfe stieg die paar Stufen zu Darners
Arbeitskabinet hinauf. Darner erhob sich auf die
Meldung von seinem Schreibtisch, ging dem Kommenden
entgegen bis zur Treppe. Hand schlug in Hand, es
waren feste Männerhände!
,Willkommen, Herr Major!' rief Darner ihm
entgegen, ,hat der General Nachricht von Berlin,
vom Könige??
,Es sind Kuriere gekommen! Im Korps weiß
man noch nichts Bestimmtes. Es geht das Gerücht,
das Kömmando sode ihm genommen werden !''
,,Und wird er's niederlegen? fragte Darner in
großer Spannung.
,,Auch wenn ich's wüßte, stände die Antwort
mir nicht zu!'' entgegnete der Major.
,Wer gewagt hat für sein Vaterland, was Pork
gewagt, darf auf halbem Wege nicht stehen bleiben!'r
sagte Darner fest.
, Der General ist des Königs Soldat! Wir Mlle
sind des Königs! Auf wen hat man zu bauen,
wenn der Führer revoltirt? Aber sie kann schwer
sein, die Pflicht der Unterwerfung!''
Darner hatte keine Entgegnung darauf, sie waren
ohnehin Beide nicht von vielen Worten, die Stunde
war auch nicht gemacht für solche.
,Aber Sie bleiben hier?? erkundigte sich Darner.

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,Wir wissen's nicht, und eben deshalb kam ich
Sie zu fragen, ob Sie mir es gestatten wollen,
Mademoiselle Virginie zu sehen, bevor wir abermals
ins Feld ziehen? Ich habe sie lang und still ge-
liebt=- -
,, Ich weiß es,' unterbrach ihn Darner. ,Meine
Tochter hat mir nicht verborgen, was vorgegangen
zwischen ihr und Ihnen. Mein Empfang wird Ihnen
gezeigt haben, daß Sie mir willkommen sind, im
Vaterlande wie in meinem Hause =?
,So darf ich sie wiedersehen?? rief der Major,
und die Freude klang hell aus seinem Worte. ,Wenn
Sie wüßten, Herr Darner, was Sie mir damit ge-
währen!'
,Zweifeln Sie nicht daran, ich weiß es, was
Virginie werth ist. Sie ist ein fester Charakter, ein
großes, treues Herz! Halten Sie's in Ehren!r
,Müssen Sie mich daran mahnen? fragte der
Major und erhob sich von seinem Plat.
,,Einen Augenblick!' gebot Darner. ,Ich führe
Sie selber zu den Meinen.? Und die Klingel ziehend,
fragte er den eintretenden Handlungsdiener, ob der
Generalkonsul zurückgekehrt sei, der vor einer Stunde
zu dem kommandirenden russischen General berufen
worden war. Der Gehilfe verneinte es.
,So bringen Sie mir die Briefe zum Unter-
zeichnen in meine Wohnung !'' gebot er; dann wendete
er sich zum Major.
,, Kommen Sie, Herr Major!' sprach er, und
ihm voranschreitend, füührte er ihn die Treppe hinauf,
durch den langen Korridor, der die beiden Häuser
verband, nach dem Zimmer, in welchem die drei
Frauen bei einander saßen. Er öffnete die Thüüre,
und die Liebenden lagen einander in den Armen.
Aber Virginie richtete sich auf von des Geliebten

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treuer Brust, warf sich dem Vater an das Herz und
rief unter Thränen der Freude:
,Vater, Vater, Sie sind wie Gott! Alle gute
Gabe und alles Glück kommt uns von Ihnen, kommt
uns aus Ihrer Haund !
,, Verdient es! indem Ihr meinen Namen ehrt.
Lohnt es mir mit Eurem Glück!'r gab er ihr zur
Antwort und legte ihre und des Majors Hände in-
einander.
,,Ulnd nun Du auch!'' flüsterte die neue Braut
heimlich der Schwester zu.
ggggGGggGGGGaggpgaggggggeg ggg
Bweiunddreißigstes Kapitel.
,Also auch Mademoiselle Virginie verlobt!'r rief
Madame Armfield ihrer Freundin Göttling entgegen,
als an einem der nächsten Abende der Frauenverein
sich versammelte, um von seinen Vorsteherinnen neue
Weisungen für seine Thätigkeit zu erhalten, um das
Fertiggestellte an die Hospitaldirektionen und an die
Behörden abzuliefern, von denen für die Ausrüstung
der Landwehr und des Landsturmes gesorgt ward.
,,Das ist eine Heirath, wie man sie besser und
schöner gar nicht denken kann,'' setzte Madame Arm-
field hinzu. ,Ein Mädchen, das sich bewährt hat
wie die beste Frau und ein Mann wie der Major,
da kann man sagenz das ist eine Ehe, die unser
Herrgott im Himmel beschlossen hat. Aber sie
werden warten müssen, die Beiden- und wer ins
Feld zieht- lieber Gott, man darf es gar nicht
denken, nicht heraufbeschwören, und hoffende Liebe
hat ja auch ihr Glück. Fünf Jahre bin ich verlobt
gewesen =?