Die Familie Darner. Roman in 3 Banden.
Fanny Lewald
Kapitel 08

=- 7F =
von der ernsten Arbeit, zu welcher Alle sich immner
mehr zusammenfanden.
Die Siege Napoleons, die man in Venedig
feierte, verwünschte man in Preußen. Dafür ward
jede Kunde über die in Spanien fortdauernde Em-
pörung gegen die Fremdherrschaft als eine Freuden-
botschaft begrüßt. Während Napoleon in Jtalien
die Herrscher der verschiedenen Länder wie Figuuren
auf einem Schachbrett von ihren Plätzen entfernte
und auf andere versetzte, hatte man in Preußen den
von Napoleon erzwungenen Rücktritt des großen
Patrioten, des Freiherrn von Stein, niit Empörung
empfunden; und die Achtssrklärung, welche Napoleon
aus dem von ihm unterjochten Frankreich gegen den
deutschen Edelmann und Bürger zu erlassen wagen
durfte, hatte auch in dem langmüthigsten deutschen
und preußischen Bürger die Neberzeugung wach ge-
rufen, daß diesen Zuständen ein Ende gemacht werden
müsse, und das bald!
Jedes Auge, das sich zu dem Könige erhob, wo
immer man seiner ansichtig wurde, fragte ihn: ,Wie
lange noch??-- Jeder Blick der Königin sagte dem
Volke: ,Ich fühle und dulde mit Euch! - Und
Aller Augen waren auf Desterreich gerichtet, wohin
der Freiherr sich geflüchtet hatte, wo die starken,
offenen Rüstungen es verkündeten, daß man ent-
schlossen sei, den Kampf gegen, Napoleon noch einmal
aufzunehmen.
Da es diesem nicht gelungen war, die Engländer
auch aus Portugal zu vertreiben, rächte er sich an
ihnen, indem er das Absperrungssystem noch mit
erhöhter Strenge handhaben ließ; und der Handel
von allen guf dem Kontinent mit Napoleon unfrei-
willig verbundenen Ländern und Völkern ward da-
durch reichlich so schwer geschädigt als der englische.

-- FF --
Aber wie sie dem Handelsstande und der Industrie
wieder zu nahe trat, so rief die Gewaltmaßregel auch
die Thatkraft der von ihr Betroffenen wach. Da die
Preise aller überseeischen Produkte noch viel theurer -
als bisher, selbst für den Begüterten fast unerschwing-
bar geworden waren, kam der Landhandel von Indien
und China durch Rußland wieder sehr in Schwung,
weil er nicht so kontrolirbar als der Seehandel war,
und die russische Regierung ihm Vorschub leistete.-
Die Chemie, die Technik, der Landbau fingen an,
lebhafter als bisher auf Ersaz für das Fehlende
innerhalb des Landes zu denken. Weil das Geld
knapp war, that man sich zur Anlegung von Fabriken
zusammen, zu deren Leitung man Werkführer kommen
ließ, die im Auslande gearbeitet hatten; und wo das
Haus Darner mit seinem Kapital an diesen von ihm
angeregten Unternehmungen betheiligt war, fiel die
Oberaufsicht Frank anheim, weil der Vater von der
inzwischen in Kraft getretenen Stadtverwaltung durch
die Bürger in Anspruch genommen wurde.
Es war mit diesem neuen Zugeständniß der
Regierung, mit der Einführung der Städteordnung
der Geist der neuen Zeit, die man in Preußen herauf-
zuführen trachtete, in der ganzen Bürgerschaft noch
mehr gekräftigt wroden. Bis in die untersten Klassen
hatten die Leute sich als Bürger fühlen lernen; und
die Ausgleichung, welche die Aufhebung der Adels-
vorrechte begonnen, vollendete zwischen den höheren
Ständen, zwischen dem Adel, den Beamten, dem
Militär, der Städeordnung, welche die Einheit der
Bürger in der Stadtverwaltung feststellte.
Als man im Herbste zu den Wahlen geschritten,
hatte man sofort gewünscht, einen eingesessenen Kauf-
mann zum ersten Vertreter, zum Oberbürgermeister
der alten Handelsstadt zu machen, und in den Kreien

-- 7H
der Regierung, der Bankverwaltung, hatte man dabei
wohl an Lorenz Darner gedacht. Indeß die alte
Kaufmannschaft mochte sich nichts vergeben, mochte
nicht glauben machen, daß sie in sich nicht den rechten
Verwalter für die Stadtangelegenheiten zu finden
wisse, sondern genöthigt sei, einen Fremden, einen
Emporkömmling zu ihrem Oberhaupte zu machen.
Darner andrerseits fühlte sich nicht geneigt, seine un-
beschränkte Freiheit durch die Nebernahme eines von
der Gemeinde besoldeten Amtes beeinträchtigen z
lassen. Er durfte Finet daran denken, sich in so
wechselnden und bedFranichen Handelsverhältnissen so
sehr von seinem, eigenen, weitverzweigten Geschäfte
abzuwenden, wie die Oberleitung der städtischen An-
gelegenheiten es erfordert haben würde.
Es ward also einem andern der Königsberger
Kaufleute die Ehre zuerkannt, der erste Oberbürger-
meister der Hauptstadt Preußens zu werden; aber
eine fast einstimmige Wahl berief Darner zum ersten
der unbesoldeten Stadträthe; und der freien Aner-
kennung seiner Mitbürger ein Ehrenamt zu danken,
das war nach seinem Sinne, nach dem Sinne, den
er aus jenen Ländern in sich aufgenommen, in
welchen den Völkern schon früher eine Mitwirkung
in der Landesregierung und damit ein mehr oder
weniger ausgedehnter Einfluß auf ihre eigenen An-
gelegenheiten eingeräumt worden war.
Daß ein Mann von Kollmanns altem Ansehen
unter den Stadträthen nicht fehlen konnte, verstand
sich von selbst; und die kollegialische Stellung, in
welche die beiden Männer dadurch traten, glich den
Rest der Verstimmung aus, die Kollmann noch gegen
Darner im Herzen getragen hahen mochte. Dazu
verlieh der russische Landhandel dem ursprünglich auf
rüssische Produkte gestellten Kollmann'schen Geschäfte

==- Z -=
ein neues, schwungvolles Leben. John kam mit seiner
Bernsteinpachtung auuch zu wachsendem Erfolg. Er
sah sich, wie jeder wohlgestellte junge Mann, von den
Familien, welche Töchter oder Angehörige zu versorgen
hatten, mit Beflissenheit gesucht, und Beide, Kollmann
wie sein Sohn, konnten dem Reize nicht wiberstehen,
den der Umgang mit zufriedenen, mit glücklichen
Menschen gewäährte, wie man sie in Frank und
Justine, in Darner und seiner Tochter in nächster
Nähe hatte.
Kollmann hatte seine würdige Ruhe wiederge-
wonnen, seit die schwere Sorge um die Aufrecht-
erhaltung seiner Firma und die Mißempfindung von
ihm genommen waren, von einem Manne nicht nur
überflügelt, sondern beleidigt worden zu sein, dem er
zuerst die Hand geboten und die Wege geebnet hatte.
Darner und Frank aber beruhten zu sehr in sich, und
hatten zu viel Arbeit vor sich, um rückwärts blicken
und abrechnen zu mögen, wo das Mehr oder Weniger
des Verschuldens gelegen. Ruhe und freier Weg für
Alle war's, was sie begehrten. Dessen genoß man
jetzt in den beiden Familien, und Madame Göttling
hatte ihren Antheil daran, denn das Behagen, das
Justine und Virginie in ihren Häusern zu bereiten
verstanden, wie das, welches in dem ihr jetzt an-
vertrauten Haushalt wieder zu herrschen begann,
schrieb sie sich und ihrem Einfluß zu; und es war
Niemand da, welcher der wackern, bewährten Frau
diese Genuugthuuung nicht gönnte.
So war nach den letzten sturmbewegten Jahren
eine Art von Windstille über die Provinz und in
die Stadt gekommen; und es war ein großer Tag,
als der Magistrat der Stadt Königsberg zum ersten
Male als solcher von dem Könige empfangen wurde.
Aber trotz der huldreichen Ansprache, welche der

=- 7? =-
König dieser neuen Behörde hatte angedeihen lassen,
war eine Anzahl ihrer Mitglieder nicht befriedigt vom
Schlosse zurückgekommen; denn kein Wort in der
Rede des Königs hatte auf die Möglichkeit hingedeutet,
daß in, den politischen Verhältnissen des Landes auf
einen Wechsel zum Guten zu hoffen sei. Man hatte
nicht bedacht, daß keiner der fürstlichen Bundesgenossen
Napoleons sich als freier Herr in seinem ihm be-
lassenen Lande fühlen konnte, daß also auch dem
ohnehin schwer entmuthigten Könige die vorsichtigste
Zurückhaltung geboten war; daß ein unzeitig ge-
sprochenes Wort den Krieg und die Vernichtung der
Monarchie, soweit sie noch bestand, zur Folge haben
konnte. Obschon im Augenblicke keine Feinde in der
Provinz vorhanden, war die Fremdherrschaft nicht
damit vorüber.
Im Allgemeinen jedoch sah man gefaßten Sinnes
in die Zukunft. Das Volk als solches war selbst-
ständiger, selbstbewußter, ernsthafter geworden. Man
hatte erfahren, welchen Leiden man stehen könne, und
daran seine Kraft zum Leisten ermessen lernen.
Man war der Trübsal müde, wollte einmal gemein-
sam in Freude aufathmen; und Pg man seit jener
Sylvesternacht, für welche Kollmann den gewohnten
Kaufmannsball ermuthigend durchgesetzt, kein öffent-
liches Fest mehr gefeiert, so beschlossen die Stadt-
verordneten und der neue Magistrat, bald nach dem
Mittagbrote, das die Männer vereint, einmal wieder
einen Ball in den Sälen des Kneiphöfischen Rath-
hauses zu veranstalten, bei welchem die verschiedenen,
jetzt durch die neue Städteordnung als Bürger gleich-
gestellten Stände sich zum ersten Male zusammen-
sinden sollten.
Familien des Adels, des Militärs, der könig-
lichen und städtischen Beamten, der Professoren und
Dz

-- IF-
der Kaufmannschaft waren zur Theilnahme aufge-
fordert, hatten die Einladung angenommen. Ver-
schiedene Personen des königlichen Hofhaltes hatten
ihr Erscheinen ebenfalls zugesagt, und die dem Königs-
paare nahe befreundete Fürstin Hedwig, welche, seit
der Hof nach Preußen gekommen war, in dem Hause
der reich begüterten und gebildeten Familie des
jüdischen Bankiers Lindheim gewohnt, hatte es durch
Vorstellungen bei den Festgebern erreicht, daß man
den Lindheims und noch einer anderen geachteten
jüdischen Familie und ein paar angesehenen jüdischen
Aerzten eine Einladung hatte zugehen lassen.
Da Noth und Elend von Allen, ohne Unterschied
des Ranges und des Glaubens, gemeinsam getragen
worden waren, sollten auch Dank und Freude ge-
meinsam zum Ausdruck kommen; denn ausgesprochen
oder unausgesprochen lebte in allen Verständigen und
Denkenden die Neberzeugung, daß Gemeinsamkeit das
Heil der Zukunft bedinge und ,Einer fitr Alle, Alle
für Einen die Losung sein müsse.
Es war ein erschütternder Augenblick, in welchem
man an dem Abende die Festsäle im Rathhause
öffnete. Sie sahen schöner, feierlicher aus als zur
Zeit jenes Sylvesterabends, an welchem Frank und
Justine einander zum ersten Male begegnet waren.
Alles war neu hergerichtet: die frisch gemalten
Wände, die großen Spiegel, die Vergoldungen. Von
den Decken strahlten die Wachskerzen der Kronleuchter
ihr helles Licht hernieder, die kolossalen Stuckgestalten,
welche das Gewölbe trugen, sahen wie vordem in
den Saal hinunter mit den großen, weit geöffneten
Augen, mit denen sie hinabgeblickt auf die langen
Reihen der Betten, auf all die Hunderte und Hunderte,
die hier sich in verzweifelndem Schmerz gewunden,
die hier ihr Leben ausgehaucht und die man zu

==- Iß - =-
den Fenstern hinausgeworfen in die harrenden
Leichenkarren, um Plat zu schaffen für andere
Kranke. Die schönen rothen Vorhänge, die roth-
beschlagene Estrade, all die erneute Herrlichkeit konnte
diese Erinnerung nicht zurückdrängen und selbst die
fröhlich erklingende Musik, welche von dem Balkon
des Orchesters die Eintretenden begrüßte, hatte etwas
Befremdliches in dem Raume, in welchem so viel
Leiden sich in bangem Seufzen und Klagen Erleich-
terung gesucht.
Eine um die andere kamen die Frauen der
Bürgermeister, der Stadträthe, auf das Beste ge-
schmückt, in dem sie hebenden Gefühl ihrer neuen
Würde in den Saal, um gleichsam als Hausfrauen
die Gäste zu empfgngen; aber die meisten von ihnen
hatten hier mit linder Hand und weichem Herzen
die Leidenden gepflegt. Auch sie hatten also mit
Bangen den ersten Eindruck zu überkommen. Erst
als der Saal sich ganz gefüllt, als man die altbe-
kannten Gesichter, die alten Freunde, die neu hinzu-
gekommenen Theilnehmer des Festes zu begrüßen
hatte, als die Fürstin Hedwig, von dem Oberbüürger-
meister geleitet, in reichster Hoftracht in den Saal
eintrat und aller Augen sich nach ihr wendeten, da
ihre Schüützlinge, die Lindheims, ihr auf dem Fuße
folgten, trat die Gegenwart in ihre Rechte.
Die Fürstin hatte, seit sie dem Hofe nach Königs-
berg gefolgt war, eine Rolle in der Stadt gespielt.
Einem alten, töchterreichen und durch Schönheit seiner
Frauen berühmten preußischen Adelsgeschlechte ent-
stammt, hatte sie einen beträchtlich älteren schlesischen
Magnaten geheirathet, war nach glücklicher Ehe zur
Wittwe geworden und hatte in den Jahren vor dem
Kriege in den Kreisen der Berliner schöngeistigen
Männer und Frauen verkehrend, in großer Gunst

=
D ,
bei Hofe, eine vermittelnde und sehr besondere
Stellung in der dortigen Gesellschaft eingenommen,
die sie in den beschränkteren Verhältnissen von
Königsberg ebenso aufrecht zu erhalten gewußt.
Jedermann kannte sie von Ansehen, überall griff
sie, wo es zu helfen galt, mit großem Sinn ent-
schlossen ein, und sie kannte auf die Weise auch eine
ganze Anzahl der auf dem Balle anwesenden Frauen,
denn sie war ihnen in den Hilfsvereinen begegnet.
Madame Armfield, Madame Göttling waren ihr
ebensowenig frend als Justine und viele Andere.
Sie erhoben sich, als die Fürstin sich ihnen nahte,
und sie ließ es sich angelegen sein, jede von ihnen
mit freundlichem Worte zu begrüßen, während ihr
schöner Sohn an Frank und an Baron Stromberg
herantrat, der natürlich auch zu den Geladenen
zählte. Der junge Fürst war mit ihnen in' dem
wissenschaftlichen Vereine seit dessen Gründung be-
kannt geworden.
,Meine Herren, sagte er, ,ich erscheine vor
Ihnen als Botschafter und Bittsteller im Namen der
Fürstin. Auf Sie Beide ist ja Verlaß, wo es sich
auf Bekämpfung von Vorurtheilen und um unsere
Zwecke handelt. Wir haben also auf Sie gerechnet,
Die Fürstin hat die Lindheims durchgesetzt; damit ist
sie für deren Behagen und Aufnahme verpflichtet.?
,Sie wissen, Durchlaucht,'' fiel Frank ihm ein,
, daß ich zu Ihren Diensten bin; indeß ich glaube
nicht, daß Sie in dieser Gesellschaft für irgend einen
der geladenen Gäste einen Mangel an Rücksicht zu
befürchten haben.'?
,Wer denkt daran! entgegnete der Fürst, ,aber
es ist ein Unterschied zwischen Mangel an Rücksicht
und Entgegenkommen. Führte ich eine der Lind-
heim'schen Damen zum Tanz, so könnte man sagen,'! --
-
= '-
-=- Z( =-
NI

==- ßh
er lachte herzlich -- ,wir zahlten damit einen Theil.
der uns von ihnen erwiesenen Höslichkeiten ab. --
Also veranlassen Sie einen der angesehenen Kauf-
herren, einen der Stadträthe, Madame Lindheim in
die Polonaise zu führen. Dann erlauben -Sie es
mir, Baron! daß ich Sie der Mademoiselle Lindheim
vorstelle, und stellen Sie, Herr Darner, der Sie ja
die Herren von der Vörse her kennen müssen, den
jngen Lindheim Ihrer Frau Gemahlin oder Ihrer
Demoiselle Schwestec vor. Der zweite Sohn, der
-.-ktor, findet schon eine Partnerin, die ihm gern
c,.
folgt; und die ganze Familie macht dann unter
unserem Schutze ihre jozese entree in die Gesell-
schaft. Nebrigens,'' fügte er, auf das Neue lachend,
hinzu, ,färben sie nicht ab! Die- Flora ist ein ganz
reizendes Mädchen; und wir führen in ihnen auch
ein Stück der neuen Zeit herauf !'?
Die letzten Worte trafen den Baron. Es war
nicht allzu lange her, daß er seine Großtante, die
Gräfin, zu vertheidigen gehabt, als sie sich in ihrer
Portechaise zum Empfang nach dem Schlosse begeben
und die rohe Menge sie mit dem Rufe: ,a
kommt die alte Zeit, die alte Zeit!'' spottend verfolgt.
Jetzt galt es, einem jungen, fremden Mädchen ge-
knechteten Stammes einen ähnlichen Dienst zum
Zeichen der neuen Zeit zu leisten, und er stand
keinen Augenblick an, dem Fürsten zu willfahren,
während Frank sie verließ, seinen Auftrag bei den
Stadträthen auszurichten.
Er fand Kollmann mit seinem Vater und ein -
Paar der anderen Herren beisammen. Man hatte
eben verabredet, welche Damen die Herren zu dem
Ehrentanz zu geleiten hätten, und während sie ihre
Blicke über die Estrade schweifen ließen, sagte Koll-
mann mit einemt Seufzer:
Lewald. Die Familie Darner. Ul.

= ZZ
,Als wir den letzten Ball hier gaben, saß meine
gute Frau noch auf dem Platze, den jetzt die Lind-
heim inne hat, und Sie, Herr Kollege Darner,
stellten ihr und Justinen Ihren Sohn vor, der eben
angekommen war. Wir haben viel erlebt seitdem
und =?
Franks Dazwischentreten und sein rasch vorge-
brachtes Ansuchen der Fürstin, unterbrachen ihn in
seinen Erinnerungen.
,Das ist stark!' rief er, ,wirklich stark! Es
hat doch am Ende Alles seine Grenze und man muß
des Guten überall nicht zu viel thun, wie die Lind-
heim mit ihrem Diamantenkram! Man muß vor-
sichtig sein diesen Leuten gegenüber, denen ohnehin
der Kamm nur zu leicht schwillt und die die Hand
nehmen, wenn man ihnen den kleinen Finger bietet.
Die Lindheim ist ja eine schöne Frau; nit dem
feuerfarbenen Turban und den Diamanten sieht sie
aber heute wie die Fee Carobosse aus! Ich danke
für die Ehre! Ich führe die Frau Kanzlerin.?
Währenddessen hob der Musikdirektor seinen
Taktstock. Die ersten vollen Accorde der Polonaise
durchflutheten den Saal. Es war keine Zeit zu ver-
lieren, wenn man den Wunsch der Fürstin erfüllen
wollte, die sich der Stadt in den Zeiten der Noth
wie eine eingeborene Bürgerin bewährt hatte.
,Vertritt Du mich bei Frau von Wildenauer,''
-- sie war die Gattin des Gouverneurs von Königs-
berg -- sagte Darner kurz entschlossen zu dem Sohne;
, da sie jung ist, wird sie sich den Tausch gefallen
lassen!'r
Und während der Oberbürgermeister, der welt-
männischen Weise weniger Herr als Darner, sich mit
Nebertreibung vor der Fürstin verneigte, sich von ihr
die Ehre der Polonaise erbittend, trat Darner aufrecht

83 =-
in aller Höflichkeit an Madame Lindheim heran, sie
nach dem Vortritt der vornehmsten Frauen in die
Reihe des Tanzes zu führen.
Sie trug sich und die lange Schleppe ihres
Sammetkleides und ihren Turban und die Last ihrer
Brillanten, deren es allerdings etwas zu vuele waren,
mit dem Anstand einer gebildeten, des Reichthums
gewohnten Frau. Aber trotz der Klugheit und dem
-.akte, welche die Personen ihrer Bekanntschaft ihr
nachrühmten, verrieth das Blitzen ihrer dunklen Augen
deutlicher, als es ihr lieb sein konnte, die Genug-
thuuung, welche sie fühlte, als sie an Darners Arm
sich zum ersten Mal in diesem Saale und in einer
solchen Gesellschaft befand. Als sie dann gar, bei
einer der Durchgangstouren, ihrer Flora an des
Barons Seite ansichtig wurde und ihren Louis sah,
der die schöne Justine zur Partnerin hatte, ward es
ihr schwer, ihren Kindern nicht freudig zuzunicken
und es ihrem Kavalier zu verschweigen, welche Freude
ihr Mutterherz erfüllte, welche Plane ihre lebhafte
Einbildungskraft an diese Stunde knüpfte. Sie segnete
den König und die Königin, welche durch die neue
Gesetzgebung und durch ihre Huld den Bann brechen
helfen, unter welchem sie, wie alle ihre Glaubens-
genossen, hisher auch in der Königsberger büürgerlichen
Gesellschaft gelebt. Hätte sie Hymnen dichten und
singen können, sie hätten die Fürstin Hedwig gefeiert,
der sie das Glück dieser Stunde verdankte.
Als die Polonaise beendet war, trat die Fürstin
an der Stelle aus, an welcher. Virginie saß, und
ließ sich, den Darners ihre Dankbarkeit zu beweisen,
neben dieser nieder, deren sie sich wie Justinens vom
Schlosse her entsann, wo die Schönheit der Darner'schen
Damen ihr Auge zuerst auf sie gelenkt.

- hg --
, Und Sie haben die Polonaise nicht mitgemacht?
fragte sie.
,, Ich war für dieselbe engagirt und mein Tänzer
ist nicht gekommen !r entgegnete sie.
, Welche Pflichtvergessenheit!r scherzte die Fütrstin,
,, dafür müssen Sie Rache nehmen.?
,Durchaus nicht, Durchlaucht! Mein Tänzer
wird von seinem Posten nicht fortgekonnt haben, und
so hatte ich ihn auf dem meinigen zu erwarten.?
, Von seinem Posten? Welchen Posten bekleidet
denn der Herr??
,,Da ist er!' rief Virginie, als der Hauptmann,
ohne auf die Füürstin zu achten, mit dem Ausruf:
,,Was werden Sie von mir gedacht haben, Made-
moiselle Darner?! ihr den guten Abend bot.
,Daß Sie Dienst hatten!' sagte Virginie und
reichte ihm die Hand, die er schüttelte.
,Ja,? sagte er, ,ich hatte für einen Kameraden,
der krank geworden ist, einen Rapport zu machen
und konnte Sie nicht mehr benachrichtigen. Sie sind
für den Schleifer wohl nicht mehr frei??
,,Doch, Here Hauptmann!' antwortete sie und
wurde über und über roth, als sie es sagte.
Die Musik lud zu dem neuen Tanze ein, das
junge Paar entfernte sich.
Die Fürstin lächelte. Es war ihr zweifellos,
daß sie in den Beiden zwei Liebende vor sich gehabt;
aber die Art und Weise, in welcher sie sich begegneten,
war ihr aufgefallen. Es war nicht Sitte, daß junge
Leute verschiedenen Geschlechtes sich wie Kameraden
die Hände gaben und schüttelten; und der Ton, in
welchem sie zu einander gesprochen, verrieth auch nichts
von der sonst üblichen Galanterie.
Inzwischen hatte der Baron Juustine zum Tanze
abgeholt, die Paare wiegten sich anmuthig in den

-=- ZJ --
Bewegungen des Schleifers, die Fürstin hatte ihren
Ehrenplatz in der Mitte der Estrade wieder einge-
nommen, und in gebührendem Wechsel waren die
Veranstalter des Festes, wie die Mäinner und Frauuen,
welche der Fütrstin in den Kreisen des Hofes und der
Gesellschaft vorher bekannt geworden, beflissen, sich ihr
verehrend in das Gedächtniß zu rufen.
Die Füürstin nahm dies gerne an. Von Natur
lebhaft und zu gefallen bestrebt, erfreute sie die
Huldigung, die man ihr gewährte, und ein Jeglicher
hatte sich ihrer Liebenswürdigkeit zu rühmen. Vor
Allen aber waren es die Darners, die sie auuszeichnete,
indem sie sie neben sich festhielt.
Weil sie selber eben so warmherzig als eigen-
artig, und gewohnt war, sich überall in ihrer Eigen-
art gehen zu lassen und. geltend zu machen, hatte
Alles, was sie über Lorenz Darner vernommen, von
Anfang an ihr Achtsamkeit erregt. Da sie nahe bei-
einander in derselben Straße wohnten, hatte sie die
Familie nicht mehr aus dem Auge verloren, nachdem,
wie erwähnt, die Frauen ihr im Schlosse durch ihre
Schönheit aufgefallen; und es geschah auf ihren aus-
drücklichen Wunsch, daß Baron Stromberg, ein gernn
gesehener Gast in ihrem Kreise, ihr nach der beendeten
Polonaise Lorenz Darner und seinen Sohn vor-
stellte.
, Meine Bekanntschaft mit Ihnen beginnt nicht
erst heute, Herr Darner,' sagte sie, ,denn daß man
miteinander spricht, macht ja die Bekanntschaft nicht
allein. Mancher Charakter aus längst vergangenen
Tagen und mancher unserer fern von uns lebenden
Zeitgenossen ist uns ja viel bekannter und geistig
werther als ganze Reihen von Menschen, mit denen
wir alltäglich in Berührung kommen. Sie kenne und
schätze ich-

-- Zß--
Sie hielt inne, schien sich auf Etwas besinnen
zuu wollen, und Darner fragte:
, Seit wann, durchlauchtige Füirstin?
Sie lachte mit dem Freimuth, der einen ihrer
Reize ausmachte, und ihrer Unnahbarkeit sicher, rief sie:
,, Ich wollte vor Ihnen glänzen mit einem ge-
schichtlichen Datum aus unserer jüngsten Zeit, aber
derlei ist einmal meine Stärke nicht! Ich kenne Sie
seit dem Feste, daß Sie, wie Baron Stromberg mir
erzählte, gegeben haben, die Aufhebung der Leib-
eigenschaft zu feiern, und seitdem schätze ich Sie auch!''
Der Schmeichelei wenig zugänglich, machte Darner
die offen ausgesprochene Anerkennung der schönen
fürstlichen Frau dennoch Vergnüügen.
, Es freut mich,'' entgegnete er, ,daß Sie über-
haupt Antheil an mir nehmen, und ich habe dafür
dem Herrn Baron zu danken. Ich war mit meinen
Erinnerungen bei jenem Ereigniß lebhaft betheiligt.?
,Ach,' rief die Fürstin,,ich weiß, ich weiß das
Alles! Baron Stromberg hat mich damals davon
unterrichtet. Und an solche Dinge und an Männer
wie Sie muß man sich halten, sich aufrichten, sich
mit ihnen, mit den Gleichbenkenden, zusammenthuun,
wenn man nicht verzagen will in unserer Zeit. Ich
werde oft eine Schwärmerin gescholten und ich nehme
den Vorwurf als Ehrentitel an wie ihrer Zeit die
Geusen, denn?-- unwillkürlich streifte ihr Blick
Madame Lindheim - ,meine schwärmerischen Ge-
danken sind mein Schmuck! Schwärmer wie der
Baron und wie Sie, ja Sie! Herr Darner, haben
auch schwärmen müssen, um Ihren Weg zu machen,
sind meine Bundesgenossen !'?
,Von Ihnen, durchlauchtige Fürstin,'' entgegnete
ihr Darner,,als ein Bundesgenosse angesehen zu
werden, könnte mich stolz machen; indeß vertrauen

=- FF --
Sie nicht zu sehr auf meine Schwärmerei. Sie wird
in sehr festen Schranken gehalten durch Neberlegungen,
durch Berechnungen, deren wir uns nicht entschlagen
dürfen; und jedenfalls war der Boden, auf welchemt
in mir der Drang nach freier Bethätigung erwachsen
ist, weit mehr mit Selbstsucht getränkt als bei Ihnen.?
Die Fürstin blickte ihn betroffen an, jedoch
Darner hatte gewußt, was er mit dieser kühl ge-
gebenen Antwort wollte. Es war das erste Mal, daß
er in gesellschastlichem Verkehr einer Füirstin und
einer so ungewöhnlichen Frau gegenüberstand; aber
er hatte sofort erkannt, wie sie in spielender Laune
ihn zu fesseln, aus Gewohnheit Herrschaft über ihn
zu gewinnen strebte, wie sie sich der Herablassung
bewußt war, mit welcher sie ihn behandelte; und er
wollte ihr es darthun, daß Herablassung nur dem-
- jenigen gegenüber angebracht ist, der sich als einen
Tieferstehenden empfindet.
Der Fürstin Klugheit verstand das augenblicklich
und sie richtete sich darnach.
,D, sagte sie,,wenn Sie trotz der Schwär-
merei, die kein Strebender entbehren kann, an demt
Boden der Wirklichkeit festhalten, so verlieren Sie
dadurch in meinen Augen nicht. Schwärmterei, die
der Wirklichkeit nicht Rechnung trägt, ist eine Mont-
golfiere, dem Zufall überantwortet; und da ich
Grundbesitzerin und Familienmutter bin, halten auch
mich sehr feste Bande an der Wirklichkeit fest und ich
zweifle, daß ich mit all meinem Jdealismus so weit
gehen würde, als hier unser Freund, der Baron, so
hoch ich seine Ansicht achte! Aber, setzte sie hinznu,
den Gegenstand der Unterhaltung mitWillkür wechselnd,
, als ich Ihre Damen zum ersten Male sah, waren es
ihrer Dreilr'
, Ich habe die eine meiner Töchter nach Venedig

==- ZZ =-
verheirathet!' bemerkte Darner, dem die Klugheit der
Fürstin und die Biegsamkeit ihrer Gedanken Ver-
gnügen machten.
,Glauben' Sie, daß ich das nicht ebenfalls weiß?
fiel die Fürstin ihm ein. ,Erstens gehören Sie zu
den Königsberger Familien, denen die allgemeine
Achtsamkeit zugewendet ist, und zweitens ist einer
meiner jüngeren Verwandten, der Sohn einer meiner
Schwestern, ein Neffe von mir, ein liebenswürdiger
junger Graf Vranitzki, ein großer Bewunderer Ihrer
Frau Tochter. ?
,, Ich entsinne mich,? entgegnete Darner, ,dem
Herrn Grafen in dem Hause der Frau Marquise von
Beauvrignon begegnet zu sein.?
,Erinnern Sie sich,' wandte die Fürstin sich an
Eberhard, ,des reizenden Wortspiels, das er aeulich
in dem Briefe machte? Ich las es Ihnen vor.?
,Sie hatten die Gnade!'' sagte Eberhard, dem
die Wendung der Unterhaltung nicht erwünscht war.
,Da das Wortspiel, wie ich glauben muß, sich
auf Madame Joannu bezieht, so darf ich Sie viel-
leicht bitten, es auch mir nicht vorzuenthalten !
meinte Darner.
,,Es ist reizend wie ein Madrigal und schade,
daß er es nicht als solches ausgedrückt hat!'' sprach
die Fürstin. ,Er sagt ungefähr: ,ie schöne Dolores
trägt ihren Namen in Bezug auf die sie umschwär-
mende Männerwelt mit Recht, nur daß die Schwerter
nicht ihr Herz, sondern die Pfeile ihrer Augen die
Herzen der Männer verwunden, an denen sie, als
schwebte sie hoch in den Wolken, lächelnd vorüberzieht.
Sie fühlt nichts von der Liebe, die sie einflößt, und
sie hat sie wohl nie gefühlt.?=- Aber es war italienisch
geschrieben und viel hübscher und viel kürzer, nicht
wahr, Baron??

b=- Zß ===
Eberhard bejahte es, Frank sah, wie ihn die
Unterhaltung quälte, und suchte sie mit der auf gut
Glück gethanen Frage zu unterbrechen, woher der
Graf sich der italienischen Sprache bediene. Die
Fürstin sagte, er spreche und schreibe alle Sprachen
durcheinander, je nach Stimmung; und da man in
dem Augenblick wieder zu einem neuen Tanze an-
trat, so daß man vor den Sitzen der Damen nicht
mehr stehen bleiben konnte, ohne den Raum zu
beengen, benutzte Eberhard die Gelegenheit, sich zurück-
zuuziehen, und die Fürstin entließ auch die beiden
Anderen mit der Aufforderung, sich ihr in ihrem
Hause mit ihren Damen vorzustellen.
,, Kommen Sie'-- sie überlegte einen Augen-
blick- ,kommen Sie nicht an einem Vormittage!
Kommen Sie am nächsten Sonnabend um sechs Uhr.
. Ich bin dann sicher für eine Stunde frei, und ich
erwarte dann auch Sie, Baron!''
, Gnädigste Fürstin, ich werde dann schwerlich
mehr in Königsberg sein. Ich bin seit gestern zur
Regierung nach Gumbinnen versetzt, muß sobald als
möglich dem Befehle folgen, bitte aber um die Gunst,
mich vorher bei Ihnen noch verabschieden zu dürfen!
Das ward zugestanden. Die Musik erklang
bereits zu den Worten, mit denen man sich trennte.
Die Jugend und die Tanzlust gewannen die Ober-
hand. Die Fürstin verließ, von den Festgebern ge-
leitet, den Ball. Ihre Schützlinge schwammen in
dem Strom des Vergnügens fröhlich mut, unbekümmert
um die Stichelreden, an denen es nicht fehlte, und
die immer auf das Neue anzufachen Madame Arm-
field nicht unterließ.
,Wull,. Du auch schon fort?'' fragte Frank den
Baron, als er bemerkte, daß auch dieser sich zum
Aufbruch anschickte.

==- I( -
,Du kannst Dir denken,? entgegnete Eberhard,
, daß ich alle Hände voll zu thun habe. Ich wäre
nicht gekommen, hätte es nicht eben diesem heutigen
Feste gegolten; denn abgesehen davon, daß das
Patent mich zu gehen verpflichtet, fordern meine
eigenen Angelegenheiten es, daß ich je eher, je lieber
mich in den dortigen Verhältnissen umsehe.?
,In wie fern??
,Die Nebergabe von Waldritten erledigt sich
früher, als es vorauszusehen gewesen ist. Man
macht diesseits und jenseits weniger Schwierigkeiten
als wir gefürchtet. Der General zahlt mir also mein
auf Waldritten stehendes kleines Vermögen schon
im Februar, mein Vetter und Nachfolger wird das
Gut im März übernehmen und nach seinem Bedürfen
einrichten, noch ehe er seine Frau hinführt. Ich habe
dann freie Hand, und im Gumbinner Kreise sind
ein paar zusammengrenzende kleine Güter zu ver-
kaufen, die man mir als in gutem Kulturstand
rühmt und als nicht zu sehr vom Kriege mitgenommen
bezeichnet. Könnte ich die erwerben, so hätte ich alle
Aussicht, in dem Kreise, in welchem sie liegen, durch
Vermittlung des Regierungspräsidenten, dem ein Paar
meiner Arbeiten gefallen haben, die eben frei ge-
wordene Laundrathsstelle zu bekommen und
,Da wärst Du an Deinem Platze!'' sagte Frank.
,Das glaube ich auch! Ich sehne mich nach
einer selbstständigen, fest begrenzten Thätigkeit, und
in Lithauen ist auch für den Bund noch viel zu
thun.?
,Trotzdem thut mir's leid und ist es schade, daß
wir Dich verlieren, daß Du gehst.?
,Nein, es ist gut, daß ich fortkomme von hier,
heraus aus Allem, was mich hier gefesselt.?- Er
schwieg einen Augenblick, dann sagte er: ,Ich komme

==- ßI -
noch zuu Euch ind Komptoir und nehme natürlich
noch Abschied von Euuch Allen; aber da wir hier
allein sind, beantworte mir ehrlich eine Frage: Ist
Dolores wirklich glücklich?
, Nach ihren Briefen muß ich's glauben! Sie
sprechen freilich nicht von Empfindungen, sie schildern
ihren Tageslauf. Wo sie jedoch ihres Mannes er-
wähnt, thuut sie es mit Dank. Vergiß nicht, sie
sind nicht gleichen Volkes, nicht gleichen Bildungs-
ganges; das erschwert jenes verständnißvolle Glück,
das Unsereiner in der Ehe sucht. Aber auch in
ihren Briefen an Virginie zeigt sie sich immer heiter.
Du kannst ruhig über sie sein.
Eberhard schwieg.
,Wem mißtraust Du,'' fragte Frank,,Dolores'
oder meiner Wahrhaftigkeit'?
,Mißtrauen?-- Nein!-- Ich kann mir's nur
nicht denken. Man ist eitler und selbstischer, als
man es weiß, und stets geneigt, von sich auf Andere
zu schließen. Aber lebe wohl!-- Ich komme morgen
um Eure Stunde ins Komptoir und statte Dir dann
noch einmal den Dank ab für Alles, was Du mir
geleistet. Der Unterricht, den Du mir ertheilt, wird
mir in meinen neuen Verhältnissen, in denen ich
auch Kassen zu verwalten habe, zehnfach zu Statten
kommen. Und somit auf Morgen!''
Ao
--iif-f-e SAfif,l'
h vs1lb=-=e =l6sg7lGVu-
Eberhard war nach seinem neuen Bestimmuungs-
orte abgegangen. An den Fenstern der kleinen
Wohnung, die ihm werth geworden durch das, was